Path:
Periodical volume Nr. 147, 25.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Ratskeller soll mit einem Tagesrestaurant (Bier- und Wein 
abteilung) eine Grundfläche .von etwa 500 Quadratmeter 
einnehmen, zwei Gesellschaftszimmer, eine kleine Wohnung 
von 2 Zimmern und die erforderlichen Wirtschaftsräume 
enthalten. Die Verpachtung soll auf 5 Jahre an einen 
tüchtigen, erfahrenen und leistungsfähigen Wirt — gerechnet 
wird nur auf eine crstklassigeKraft — erfolgen. Nach den 
vom Geineindevvrstand aufgestellten Vertragsbedingungen 
soll dem Wirt das Lokal mit vollständiger Einrichtung ver 
mietet werden. Für die Heizung sind jährlich 1200 M. 
zu zahlen, die Kosten für die Beleuchtung hat der Mieter 
zu tragen, ebenso hat Mieter einen Wassermcsser aufzu 
stellen. Konzerte dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung 
der Vermieterin veranstaltet werden, dasselbe gilt von der 
Aufstellung von Musikautomaten. Weibliche Bedienung ist 
ausgeschlossen, der Mieter must dem Ratskeller seine volle 
Kraft widmen und darf sich an keinem anderen derartigen 
Betriebe beteiligen. Zu fiihren sind anher zwei Berliner 
Biersorten zwei sogenannte echte Biere (Münchener und 
Pilsener). Von Rot-, Mosel-' und Rheinweinen hat der 
Mieter mindestens je 5 Marken tiach Anordnung des Gc- 
meindevorstandes zu führen. Auf die Originalpreise sind 
höchstens 33^ Proz. aufzuschlagen, bei Weinen im Preise 
unter 1,50 M. können 50 Proz. aufgeschlagen werden. Es 
sind dann noch die üblichen Vertragsbestimmungen über die 
Dauer des Vertrages, die vorzeitige Kündigung des Ver 
mieters bei Nichtbeachtung der Bestimmungen seitens des 
Mieters, ferner über die Erhaltung der Ordnung im 
Hause usw. vorgesehen. Fiir die Erfiillung des Vertrages 
haftet der-Mieter mit seinem ganzen Vermögen, insbesondere 
mit einer Kaution in Höhe von 3000 M.. Die Ansübung 
des Hausrechts in den Bewirtungsräumeu steht dem Ge 
meindevorstand unbeschränkt zu. Die Ausschreibung erfolgt 
— wie wir bereits berichteten — deshalb schon jetzt, 
damit die Wünsche des Mieters über die Einrichtung des 
Ratskellers und der Wirtschaftsrüume entsprechende Berück 
sichtigung erfahren können. 
o Vertretung der Schiedsmünner. Der Schicds- 
mann des 13. Bezirks — Berlin-Friedenau I — Herr 
Kaiser!. Rcchnnngsrat Wilhelm Lange ist vom 5. Juli bis 
6. August d. Js. verreist, der Schiedsmami des 14. Bezirks 
— Berlin-Friedencni II — Herr Geh. Vaurat Schlemm ist 
vom 20. Juli bis 6. August d. Js. verreist. Während 
dieser Zeit werden die Herren im Bezirk I von Herrn 
Kaufmann Meineber, Jllstr. 4, im Bezirk II von Herrn 
Kaufmann Dvbert, Lanterstr. 30, in den Schicdsmanns- 
geschäftcn vertreten. 
o Der Zwcckverbandßbeitrag unserer Gemeinde ist 
nach einer Mitteilung der Kreisverwaltung auf die Kreis- 
kommunalkasse übernommen werden. Es handelt sich für 
dieses Jahr um 2204,42 M. Wir können uns freuen, dast 
der Kreis auch einmal etwas für Friedenau tut. 
Hoffentlich zahlt er in alle Zukunft den Beitrag, auch wenn 
dieser — was nach Erwerbung des Wald- und Wiescngürtels 
durch den Zweckverband nicht ausgeschlossen ist — sich später 
auf mehrere Tausende beziffern sollte. 
o Wegen Gemeiudceinkommensteuer klagten die 
Bankiers Georg H. und Walter H. in Berlin gegen den 
-hiesigen Gemeindevorsteher. Die Kommanditgesellschaft, 
deren Inhaber die Kläger sind und die gewerbsmäßig Bank 
geschäfte betreibt, erwarb in der Lefävrestraste das Niest- 
brauchrecht an einem Grundstück. Wegen dieses Nießbrauch- 
rechts veranlagte der Beklagte die beiden Kläger als 
persönlich haftende Gesellschafter fiir 1012 zu je 160 M. 
Gemcindccinkvmmcnstcncr. Er, hat hierbei die Einkommen 
steuer so berechnet, dast er die Micteinnahmcn aus dem 
Hause, dein Einkommen der Kläger aus dem Gewerbe 
betriebe hinzurechnete und die Hypothekcnzinsen von dem 
Gesamteinkommen abzog. Gegen diese Veranlagung klagten 
die Kläger nach fruchtlosem Einspruchsverfahren und machen 
geltend, dast das Niestbranchsrecht für die Firma eingetragen 
sei, ein Ucbcrschnst sei aber niemals erzielt worden. Selbst 
wenn ein solcher geblieben wäre, so hätte er an den Eigen- 
tiimcr ausgezahlt werden müssen. Im Termin führte der 
Vertreter der Kläger noch aus, cs liege hier eine bank 
mäßige Transaktion vor; der Eigentümer hätte bei der 
Bank einen Hypothekenbrief lombardiert und als Sicherheit 
für das Lombarddarlehen bezw. den Hypothekenbrief hätte 
sich die Firma das Niestbranchsrecht eintragen lassen. Der 
Kreisnusschuß erkannte auf Freistellung von der veranlagten 
Gemeindecinkommensteucr; er entschied, dast der Nießbrauch 
in diesem Fall nicht als Einkommen aus dem Grundbesitz, 
sondern aus Handel- und Gewerbe anzusehen sei. Das 
Eie glaubte selbst nicht mehr an eine Schuld des 
Mädchens. Ihr Bciichinen bot so gar keinen "Anhalt dafür; 
überdies kannte sie "Annette als besonders treu und zuverlässig. 
Vielleicht hatte der Portier irgend et'.vas bemerkt. Die 
rätselhafte Diebin mußte doch in das Haus und wieder 
hinaus gegangen sein, und es war so gut ivic unmöglich, daß 
sie beide Male nicht gesehen worden sein sollte. 
Sie ging selbst zu dem Portier hinunter, um ihn zu be 
fragen. Ter Mann gab in der Tat zu, eine junge Person 
von dem Acnßeren, ivic es Annette beschrieben hatte, in das 
Haus eingelassen zu haben. 
„Annette empfing häufig Besuche von Freundinnen, so daß 
ich nichts Auffälliges darin erblickte," berichtete er. „Uebcrdies 
tat sie ganz so, als iväre sic schon häufig hier im Hause 
gewesen. Bon ihrem Gesicht konnte ich nichts erkennen, 
denn sie trug einen sehr dichten schivarzcn Schleier; ihr 
Kleid ivar von der gleichen Farbe. Nicht lange danach 
kam sie, offenbar in großer Eile, ivieder herunter, mit einem 
Bündel unter dem Arm. "Auch jetzt vermutete ich noch nichts 
Arges; ich wußte, daß Annette sich durcl, Schneidern einen 
kleinen Nebenerwerb geschaffen hatte, und vermutete, daß 
die Freundin, oder was sie sonst ivar, sich ein fertiges 
Kleidungsstück geholt hätte. Dann hörte ich Annette um 
Hilfe rufen; ich ging hinauf und erfuhr das Vorgefallene. 
Da ivar es natürlich viel zu spät geworden, die Diebin noch 
zu verfolgen." 
Annette hatte also offenbar doch die. Wahrheit gesprochen» 
Eine tief eingeschnittcne Falte lag zwischen den Brauen 
der Gräfin, als sie wieder einen Wagen bestieg und sich nach 
dem Carltou-Hotel fahren ließ. Kaum je in ihrem Leben 
hatte sie einen gleich empfindlichen Fehlschlag, eine gleich 
bittere Enttäuschung, erfahren. Was sie da unternommen. 
Unternehmen der Gesellschaft sei darauf gerichtet, gewerbs 
mäßig Bankgeschäfte zu betreiben, und im Rahmen dieser 
Tätigkeit liege es, Grundstücke zu erwerben und Hypotheken 
auszugleichen usw. Die Zerlegung des Einkommens aus 
einer Quelle in mehrere Teile sei ungesetzlich. Da ferner| 
die persönlich haftenden Gesellschafter einer Kommandit-j 
gesellschaft den sonstigen Gewerbetreibenden in steuerrecht- 
licher Beziehung gleich stehen, so sei nach § 32 K.A.G. nur 
die Gemeinde steuerberechtigt, in der sich der Sitz des Ge 
werbetriebes oder eine die Steuerpflicht begründende Betriebs 
stätte befindet. 
o Zur Frage der Residenzpflicht der Berliner 
Beamten wird auch der Zentralverband der Gemeinde-. 
beamten Preußens als die berufenste Standesvertretung der 
preußischen Kommunalbeamten auf seiner demnächstigen 
Hauptversammlung Stellung nehmen. Der Verein der 
Berliner Stadtsekretärc beantragt, dast fortan den Beamten 
eine Beschränkung in der Wahl des Wohnortes durch die 
Anstellungsbehörden nur insoweit auferlegt werden darf, als 
es zur Sicherstellung der ordnungsmäßigen Erfüllung der 
Amtspflichten, geboten ist. 
o Das Ende des Friedenancr Rummels. Die An 
wohner des Platzes an der Boxn- und Schloßstraße werden 
aufatmen: Der Rummel ist zu Ende. Durch einen Vertrag,, 
den der Besitzer des Platzes mit unserer Gemeinde wegen 
Verbilligung des Strompreises zur Beleuchtung des Sonn- 
abcnd-Abendmarktes eingegangen ist, hat dieser sich bereit er 
klärt, nach Ablauf der Verpflichtungen gegeniiber den Schau 
stellern usw. den Rummel aufzuheben. Dieser Zeitpunkt ist 
jetzt gekommen und die Schaubuden und Karusscls sind 
dort verschwunden. Dafür wird eine Erweiterung des 
Privatmarktcs eintreten. Und wenn schließlich auch dieser 
Markt ebenfalls keine Annehmlichkeit für die Anwohner ist, 
so werden sie doch herzlich froh sein, nun wenigstens das 
Gequieke und,Getute, das schrille Läuten sowie das Gekreische 
von jungen „Pflänzchen" nicht nichr mit anhören zu 
müssen. Eine Träne wird niemand dem Rummel, der 
nicht mehr in unser vornehmes Straßenbild paßt, nach 
weinen. , 
o Die Durchführung von Straßenbahnlinien durch 
die Knaus- und Bismarck-Straße ist nunmehr auch vom 
Zweckverband genehmigt worden. Zunächst sollen die 
Straßenbahnlinien 61 und 87 bis nach der Bismarckstraße 
durchgefiihrt werden. Als Ersatz für die Linie 87 wird vor 
aussichtlich die Linie 40 bis zur Nubeusstrastc verlängert 
werden. 
v Um die Rosenblüte zu sehen, braucht man nicht 
erst das Rosarium in Britz qder die Noscnhaine im Berliner 
Humbvldthain und Tiergarten aufzusuchen; in unserem Orte 
selbst kann man reizvolle Rosenanpflanzungen in den Vor 
gärten sehen. Aber auch auf unseren Schmuckplatzcn stehen 
jetzt viele Rosen in voller Blüte, namentlich Strauch- und 
Kletterrosen erfreuen hier durch ihre satten schönen Farben 
und die Fülle ihrer Blüten. Ein Spaziergang durch 
Friedenau ist für einen jeden Naturfreund jetzt ein Genuß. 
o Zum Konkurs des Warenhaus A. Weist u. Co. 
(Inhaber Fritz Prienr in Schöneberg) wird berichtet: Beim 
Amtsgericht Berlin - Schöneberg fand gestern die erste 
Gläubigerversammlung statt. Nach dem Bericht des Kon 
kursverwalters Äelter ist die Hauptsache zum Zusammen 
bruch (abgesehen von der schweren Erkrankung des Kridars) 
in dem Mangel an Betriebskapital zu suchen. Nach Auf 
nahme der Inventur betragen die Aktiven (Warenbestände) 
155 000 M. An Masseschulden, in denen Gehälter, Miete, 
Kosten des Verfahrens usw. einbegriffen sind, kommen 
45 000 Al. in Betracht. Die zurzeit bekannten Forderungen 
ohne Vorrecht betragen 500 000 M., denen zunächst eine 
Dividende von 18*/ 2 v. H. in Aussicht steht. In welcher 
Weise die Masse verwertet wird, ist noch nicht sicher festzu 
stellen;' es ist jedoch die Möglichkeit vorhanden, dast das 
Geschäft vom Vorbcsitzer wieder übernommen oder durch dem 
Kridar nahestehende Kreise wieder erworben wird. 
v Bezirksverein „Südwest." Der Vorstand des gen. 
Vereins beehrt sich die Mitglieder nebst werten Angehörigen ' 
und Freunden zu einem am Sonnabend, dem 28. Juni, 
im Restaurant „Zum Rembrandt", Beckerstr. 1, (Ecke 
Rcmbrandtstr. la (Fried cnauer Brücke), stattfindenden 
„Sommerfest" freundlichst einzuladen. Für die Unter» 
Haltung der Gästen haben hervorragende Kräfte ihre Mit 
wirkung zugesagt. U. a.: Herr Musikdirektor Werner 
(Klavier), Herr Musikdirektor Antoni (Klavier), Herr von 
Freeden (Cello), Herr Otto Erich v. Wussow (Rezitatiyn), 
Herr W. Krüger (Rezitation). Der Verein hofft allen Mit- 
IU4IMII 
batte die genialste ihrer Taten werden, hatte sic mit einem 
Scklage in'den Besitz riesiger Snnnnen bringen sollen. Und 
mehr als das: sie hatte sich "Rechnnng darauf gemacht, für 
den Dienst, den sic da einer europäischen Großmacht: leistete, 
mit einem Range belohnt zu werden, den sie bis jetzt nur 
aus eigener Machtvollkommenheit usurpiert hatte und der ihr 
in jedem Augenblick durch eine Einmischung der Polizei 
wieder genommen werden konnte. Es war nie ihre Ge 
wohnheit gewesen, sich mit Kleinigkeiten zu befassen, an ein 
Unternehmen gleich diesem aber hatte sie sich doch noch nie 
zuvor gewagt. , Tenn cs galt nichts Geringeres, als den 
Sturz eines Thrones. Seit Wochen, ja, seit Monaten hatte 
sie ihre Vorbereitungen für den gewaltigen Coup getroffen 
-— sie hatte alles in den Kreis ihrer Berechnungen gezogen 
und nichts außer acht gelassen, was ihre Pläne zu stören 
vermocht hätte. Daran aber, daß sic im "Augenblick des Sieges 
um die Früchte ihres heißen Bemühens gebracht werden konnte, 
hatte sie freilich nicht einen Augenblick gedacht und cs traf 
sie darum mit der Wucht eines vernichtenden Schlages, 
lind wenn sie noch wenigstens den Feind gekannt hätte, 
der ihr das getan! Sic war nicht feige, und sie würde 
sicherlich ohne Besinnen den Kampf mit ihm aufgenommen 
haben. -Diesem geheimnisvollen Unbekannten gegenüber aber 
war sie machtlos, gleichviel, ob es ein Mann oder, ein Weib 
war, das ihre Kreise zu stören wagte. Und in ohnmächtigem 
Zorn zermarterte sie während der Fahrt ihr ^Gehirn, wie sie 
diesem unbekannten Feinde auf die Spur kommen könne. 
"Als der Wagen vor der Einfahrt des Earlton-Hotcls 
hielt, trat ein lang aufgeschossener, hagerer Alaun von un 
verkennbar anicrikaniscb.cnl Typus an den Schlag. 
Er begrüßte sie höflich, und sie gab ihrer Befriedigung 
Ausdruck, daß ihr Bote ihn noch zu rechter Zeit gefunden habe. 
gliedern und Gästen einen genußreichen Abend versprechen 
zu könnuen und bittet um Zahlreiche Beteiligung. 
o Turnfahrt der Alteröabteilung des Fnedenancr 
Männer-Turnvereins ani 22. d. Nt. Es war noch recht 
angenehm kühl, als eine stattliche Zahl von Mitgliedern der 
Altersaüteilung des Fr. M. T. B. sich unter der Führung 
ihres Turnwartes Herrn Newe auf dem Friedenan- 
Wilmersdorfer Bahnhöfe cinfand, um am letzten Sonntage 
noch vor den großen Ferien eine Turnfahrt zu unternehmen. 
Nachdem über Treptow und Königswusterhauscn die End 
station Groß-Besten erreicht war, ging es in flottem Marsche 
über die Gallunsbrücke an den dunklen Gewässern des 
Pätzer-Border-Sees entlang nach dein Forsthaus Dubrow. 
Hier wurde gefrühstückt. Während dieser wichtigen Arbeit, 
die mit Milch versüßt wurde, erschienen mit fröhlichem 
Gesang 5 neue Teilnehmer, darunter auch der langjährige 
Abteilungswirt und Turngenosse Herr Konietzki. Diese fünf 
Turngenossen waren schon am Sonnabend Abend als 
Fonriere usw. voransgefahren. Sie waren noch begeistert 
von den vergangenen schönen Stunden. Einige Jäger 
sollen mit ihrem köstlichen Latein sich hierbei niit Erfolg 
beteiligt haben. Ans dem min beginnenden eigentlichen 
Dauermarsche wurde ein kleiner Umweg nach den nur in 
wenig Exemplaren noch vorhandenen Reiherhorsten im 
Dubrower Forst gemacht. Es gelang einige der hier 
seltenen Bögel in ihren Horsten zu finden. Der Forst 
besitzt hier herrliche Eichen und gerade die schönsten Bäume 
suchen sich die bei der Damenwelt so sehr beliebten Vögel 
aus. Wie wohl bekannt, ist der Untergang eines Nistbauines 
der Reiher besiegelt. Auch hier ragten an vielen Eichen die 
kahlen Aeste zum Himmel — besiegte Riesen. Run gings 
aber in flottem Tempo hinunter an den „hölzernen" See. 
Warum der See so heißt, ist uns nicht bekannt geworden. 
Er verdient sicher einen viel poetischeren Namen, denn seine 
Gestade und seine Gewässer sind wirklich nicht hölzern, 
sondern sehr abwechselnd und reizvoll. Da der See mit 
seinem klaren Wasser zum Bad lockte, waren einige Turn- 
genosscn im Nu ausgezogen und nahmen ein Freibad. 
Mittlerweile war die Sonne schon recht hoch am Himmel 
gestiegen und brannte energisch den Wanderern auf den 
Pelz. Aber weiter gings bis zum Forsthaus Neubriick. 
Hier angekommen, wurde es einigen Turngenossen doch zu 
warm. Sie nahmen schnell ein gerade angekommenes 
Fuhrwerk, um auf diesem den Rest des Weges zurückzulegen. 
Die übrige Schar zog ohne Aufenthalt unter frohem Lieder 
klang im Eilschritt von dannen. In Klein-Köris hatten 
unsere Quartiermacher eine Barikade von Bänken, mit 
kühlen Weißen bespickt, aufgebaut. Im Laufschritt und mit 
schallendem .Hnrrah wurde dieses Hindernis genommen. 
Run kam die letzte, aber auch die unangenehmste Weg 
strecke — blendender Sonnenschein und eine staubige, weiß- 
leuchtende Chaussee. — Aber in flottestem Tempo, ange 
feuert durch die Marschlieder, ging es in bestem Zusammen 
hang über die Bahnstation Groß-Köris nach Schwerin, 
unserem heutigen Endziel. Auf dem letzten Teil unseres 
Weges leuchteten uns verheißungsvoll die blauen Gewässer 
des herrlichen Tcnpitzer See's entgegen und alle Anstrengung 
und Mühe war vergessen, als wir im „Seglerheim" zum 
Mittagsmahl uns niedersetzten. Auf dem Rückwege zur 
Bahnstation wurden die Ufer des Sees noch einmal in 
Augenschein genommen, und man braucht kein Märker zu sein, 
um behaupten zu können, daß diese stillen Seen der Mark 
es mit den besnngensten anderer, viel besuchteren Gegenden 
an Reiz und Schönheit voll und ganz aufnehmen können. 
Rach dem Kaffee, zu dem unser Abteilungs-Wirt, der um 
das leibliche Wohl aller sehr besorgt war, uns in liebens 
würdigster Weise einlud, wurde von Gr.-Köris die Heim 
fahrt angetreten. In Königswusterhausen wurde noch ein 
mal Station gemacht, um das alte Schloß mit seinen 
historischen Jagdtrophäcn usw. in Augenschein zu nehmen. 
Um 0 Uhr Abends waren sämtliche Teilnehmer wieder in 
unserm schönen Friedenau angelangt. Wenn auch ein jeder 
von uns merkte, eine Tagesturnfahrt hinter sich zu haben, 
so war dennoch niemand da, der nicht die Schönheiten der 
entschwundenen Stunden voll genossen, und davon voll be 
friedigt war von all dem Herrlichen, das eine gut geleitete 
Turnfahrt mit frohen und gesunden Menschen an einem 
schönen Smnniertagc bietet. 
o Die Kabarcttkvnigin, der Roman einer Verkäuferin 
in 3 Akten, kommt von heute ab in den „Hohenzvllcrn- 
Lichtspielen", Handjerystv. 64, zur Vorführung. Das Licht 
bild enthält eine klare, lebenswahre Handlung, mit 
wqchsendexSpamwn^^ctWim^chsq^ZuschNler^di^tter- 
„Jch hoffe, cs wirb meinem Ruf nicht all zu lehr schaden, 
sagte sie mit etwas, gezwungen klingendem Scher:, »wenn 
einer meiner Bekannten mich hier' um diese Zeit in' Ihrer 
Gesellschaft erblicken jolllc. Wenn es Ihnen genehm ist, wollen 
wir in den Speiscsaal gehen und zum Schein ein Souper 
nehmen. 
Er leistete ihrem Verlangen Folge, aber er war dann 
doch nicht damit einverstanden, sich an das von ihr bczcichnclc 
Tischchen zu setzen. 
„Es ist besser, wenn wir eines der kleinen Zimmer im 
oberen Stockwerk nehmen," sagte er. „In einem Restaurant 
gleich diesem ist cs lein genügender Schutz .gegen unberufene 
Lauscher, sich der .französischen . oder der deutschen Sprache 
zu bedienen, Und man muß nicht nur. vor seiner Nachbarschaft 
ans der Hut sein,, sondern qnch vor den Kellnern." 
Sie stiegen die Treppe empor und ließen sich einen der 
kleinen Salons anweise», indem sie gleichzeitig ein Souper 
zu zwei Gedecken und eine Flasche Ehampagiicr bestellten. 
Ritterlich war der Amerikaner seinem.schönen Gast beim Ablegen 
ihres seidculnistcriiden "Abcndmantcls behilflich. 
„Run?" sagte er. „ivas ist geschehen? — Ich hoffe, daß 
Sie .Wort gehalten haben. Wenn man bereit ist, eine so 
große Silmme anzuwenden wie ich " 
,.O, die Summe iväre durchaus, nicht zu groß," unterbrach 
ihn die Gräfin proteslicreud. „Tie Nachricht in der Abend 
ausgabe des „Merkur" wird genug Sensation machen. Ihr 
Blatt ist das erste, das etwas davon erfahren hat — ein 
großer Vorteil für Sie!" 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.