Path:
Periodical volume Nr. 145, 23.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

S. Vierteljahr 1912 tu Friedenau gewohnt zu haben. Sein 
Umzug habe zivar am 17. September begonnen, sei aber 
erst am 1. Oktober vollendet tvorden. Seine eigene Ueber- 
sicdelung sowie die der Hunde sei erst am 1. Oktober erfolgt. 
Selbst wenn er am 1. April 1912 in Friedenau steuer 
pflichtig geworden, so müßte ihm doch die von April bis 
September in Hohenneuendvrf entrichtete Hundesteuer in 
Friedenau angerechnet werden. Die Vorlegung der Steuer 
quittung innerhalb yicr Wochen nach seinem Zuzug in 
Friedenau habe er nicht für notwendig gehalten. Eine der 
artige Bestimniung der Hundesteuerordnung sei ungültig, da 
sie den Grundsätzen über die Doppelbesteuerung wider 
spreche. Der Beklagte hat geltend gemacht, daß dem Kläger 
mikgeteilt worden sei, daß die Quittung innerhalb vier 
Wochen nach Zuzug eingereicht iverdcn müsse. Anfangs 
habe er dies abgelehnt, und-als er es später getan, sei die 
Frist verstrichen gewesen. Der Kreisausschuß wies die Klage 
aus formellen Grüitden ab. Sie ivar unzulässig. In eine 
materielle Erörterung hätte erst eingetreten werden können, 
wenn der Klage gemäß §§ 69 und 70 KAG. und § 13 bet 
StO. ein Einspruch vorangegangen wäre, der an eine Frist von 
4 Wochen nach Zustellung der Veranlagung gebunden ist. 
An einem solchen Einspruch fehlt es aber. Das Schreiben 
vom 7. Februar ging verspätet ein. Eine Verpflichtung der 
Gemeinde zur Aufrechnung der in den Gemeinden gezahlteit 
Hundesteuer besteht an sich nicht. Die Gemeinde Friedenau 
war daher, wenn sie mit Rücksicht auf die in einer anderen 
Gemeinde gezahlte Steuer eine Ermäßigung eintreten lassen 
wollte, auch berechtigt, diese Erniäßigung an eine bestimmte 
Bedingimg, das heißt an die Vorlegung der Quittung inner 
halb einer vierwöchentlichen Frist zu knüpfen. Die Kasteit 
und baren Auslagen des Verfahrens sowie die baren Aus 
lagen des Beklagten wttrden deut Kläger auferlegt. 
o Das Virkenwnldchen. Die Hauptstadtp resse be 
schäftigt sich selten mit Friedenau tind noch seltener mit 
seinen Vorzügen. Um so angenehmer berührt cs, wenn man 
folgende Betrachtung über unser Birkeniväldchen, die der 
„B. L.-Änz." veröffentlicht, liest: Mancher, der mit dem 
Südring der Stadtbahn vom Potsdamer Bahnhof iiber 
Schöneberg tiach dem Ringbahnhvf Wilmersdorf-Friedenau 
fährt, ivundert sich, daß er unmittelbar vor diesem Bahnhof 
zllr Linken des Bahitdammes aN einer von Häusern freien 
Stelle die weißen Stämme einer Anzahl von Birken her 
vorleuchten sicht. Er weiß, daß dort der Vorort Friedenau 
liegt, und ist erstaunt, in deni voll bebauten Orte eine 
Birkeuanpflanzung zu finden, wie man sie sonst in der Nähe 
des Bahndainmcs erst in weiter Entfernung von der Reichs 
hauptstadt und nur in Gegenden erblicken kann, die noch 
nicht der Bebauung erschlossen sind. Friedenau hat wohl 
daran getan, daß cs dieses alte Birkenwäldchen, das eine 
Anzahl stattlicher, hochragender Bäume ausweist, erhalten 
und cs in einen prächtigen Schmuckplatz umgewandelt hat. 
Auch im Winter bietet diese Birten-Oase, deren lcuchtcnd- 
wcißeit Stämmen der Rauch und der Staub der Großstadt 
Nichts anzuhaben vermögen, einen eigenartigen Reiz, am 
schönsten aber erscheint das Wäldchen dem Beschauer jetzt, 
tvo die zarten, im leichten Winde sich wiegenden Zweige der 
Bäume von frischem Grün geschmückt sind. Die Gemeinde 
Friedenau hqt das Wäldchen mit Blumen und Sträuchern, 
Rhododendren usiv. geschmückt, aber alle diese Zierpflanzen 
und prangenden Blütm können doch nicht mit dem Zauber 
ivetteifern, der voit den schönen Bäumen ausgeht. Die 
Birke verdient es, daß die Deutschen sie seit der grauesten 
Vorzeit zu den bevorztigtesten Bäumen rechtteit und daß sie 
insbesondere zur Frühlingszeit in ihr ihren Liebliugsbaum 
erblicken. Mit Recht erfreut sich das Birkenwäldchen in 
Friedenau so großer Wertschätzung, und so ist es täglich 
das Ziel zahlreicher Spaziergänger, die sich des schönen 
Stückchens Natur erfreuen, und der Tummelplatz der Jugend, 
die hier Erholung findet. Seit jeher tvar es bei unseren 
Vorfahren Brauch, zutit Frühliugsfest das Dorf und die 
Hütte mit dem Maibaum, der Birke, zit schmücken. 
geduldig iverdcn — Sie dürfen ihn nicht länger warten 
lassen." 
15. Kapitel. 
In einem der kleineren Salons stand, lässig an die 
Wand gelehnt, ein kleiner, grauhaariger Alaun, der ersichtlich 
wenig Bekannte unter den Gasten der Lady Merehavcn 
hatte. Tenn schon seit einer halben Stunde war er hier, ohne 
von jemandem angesprochen worden zu sein oder einen an 
deren angeredet zu haben. Die kleinen blangrauen Augen 
sahen nachdenklich darein; an der glänzenden Gesellschaft 
nahm er ersichtlich nicht das mindeste Interesse. 
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als Doktor Varncy 
die Schwelle des Zimmers überschritt. Tie beiden Männer 
schienen sich gut zu kennen; denn sie drückten sich die Hand 
wie gute Freunde. 
„Ich suchte Sie, Lcchmcre," sagte der Arzt hastig. „Sie 
müssen mir über Verschiedenes Auskunft geben. Wissen Sie 
etwas über die Gräfin Saens?" 
Der mit Lechmcrc Angeredete nickte kurz. 
„Jawohl — eine ganze Menge. Ich hatte Grund, mich 
für diese famose Gräfin zu interessieren." 
„Ah, das ist mir lieb-zu Horen. Sagen Sic mir, wer 
und was ist diese Frau?" 
„Eine Frage zuvor: — Haben Sie einmal etwas von 
Marx gehört?" 
„Aber natürlich! Sani Marx, der internationale Spion, 
der Alleswisser — wer hätte noch nichts von ihm gehört!" • 
Lcchmcre nickte. 
„Ja, er hat einen großen Ruf. Von ihm bezog ich 
meine Information über die Cncns — wie sie sich nennt. 
Ihren richtigen Namen kennt kein Mensch. Sie begann ihre 
Laufbahn in St. Petersburg als Lockvogel einer Gesellschaft 
von Spielern, denen sic die Kundschaft ins Hans brachte. 
Später lreiratete sie ein ganz hcrabgckomutcnes Jndividnnm, 
einen Hochstapler, der sie ebenfalls für seine Zwecke gebrauchen 
wollte. Ter Kerl soll sie niiscrabcl behandelt haben, und die 
beiten haben ein Leben ivie Katze und Hund geführt. Eines 
Tages starb er unter sehr merkwürdigen Umständen. Saul 
Alarx hat darüber seine eigene Meinung, die er mir im 
Vertrauen mitteilte. Ich werde mich aber hüten, sie ivcikcr 
zu geben. "Später kam sie ivegen politischer Umtriebe nach 
Sibirien; es gelang ihr aber, zu fliehen und nach Paris zu 
o Limcnverlängermtg. Die Wagen der Straßenbahn 
linie I) (Groß-Lichterfelde, Händelplatz—Friedenau—Bahnhof 
Zoologischer Garten) werden demnächst bis zum Reichs 
kanzlerplatz durchgeführt werden. Uebrigens wird der 
Friedcnauer Straßenbahnverkehr dentnächft noch eine weitere 
Verbesserung erfahren. In der Kleist- Ecke Lutherstraße ist 
jetzt eine neue Weichenanlage eingebaut worden. Sobald 
nun das fehlende Verbindungsstück in der Lutherstraße 
zwischen Motz- und Slugsburgerstraße eingebaut ist, soll jeder 
zweite Wagen der Linie I) von der Hauptstraße durch die 
Koburger-, Mühlen-, Martin Luther- und Lutherstraße bis 
zur Kleiststraße geführt werden. 
o Der Violoncell-Virtuose Willy Dcckert, durch seine 
solistischen Mitwirkungen und seine Schüler hier bekannt, 
wurde ab 1. September an das Professor Ochs-Eichelberg- 
Konservatorium als erster und Hauptlehrcr für Violoncello 
berufen. 
o Prokuraerteilung. Bei Nr. 977. (Offene Handels 
gesellschaft G. Schleicher & Co. in Berlin): Dem Hans 
in Berlin-Friedenan ist Gescimtprokura erteilt derart, 
daß er gemeinschaftlich mit einem anderen Prokuristen zur 
Vertretung befugt ist. 
o Bauerlaubnis wurde erteilt für das Grundstück 
Prinzregentenstr. 59, Ecke Wexstr. 38-39. Bauherr und 
Ausführung: Architekt Carl Schramm, Berlin-Schöneberg, 
Bozener Str. 15. (Wohngebäude.) 
o In dem Konkursverfahren über das Vermögen 
des Kaufmanns Gustav Feldmann ztt Berlin-Friedenau, 
Varzincr Straße 2, ist eine Gläubigervcrsammlung auf den 
15. Juli 1913, Mittags 12 Uhr, anberaumt. 
o Einbruchsdiebstahl beim Schöffen Lichtheim. In 
das Lotteriekontor des Herrn Lichtheim, an der Jerusalemer 
Kirche 1 in Berlin, verschafften sich Einbrecher zur Nacht 
zeit, tvo die Geschäftsräume unbeaufsichtigt waren, Eintritt. 
Sie erbrachen den Gcldschrauk und erbeuteten 5000 M. 
bares Geld. Von den Spitzbuben fehlt noch jede Spur. 
Der Bestohlene ist gegen Einbrtichsdiebstahl versichert, doch 
dürfte sich die Versicherungsgesellschaft an dem Geldschrank- 
lieferanten schadlos halten, der — wie durch den Einbruch 
erwiesen — dem Bestohlenen einen alten, aufgefrischten 
Kasten als „neuen, diebessicheren Gcldschrauk" kürzlich ver 
kauft hat. 
o Bei einem Einbruch in der Allgemciueit Ver- 
kchrsbank in der Zietenstraße zu Schöne'berg fielen den 
Dieben über 12 000 M. in die Hände. Trotzdem die 
Krintinalpolizei eine fieberhafte Tätigkeit entwickelte, gelang 
cs bisher nicht, eine Spur der Spitzbuben ztt finden. Ein 
Unbekannter teilte mit, er könne — wenn ihm Diskretion 
zugesichert würde — die Täter namhaft machen. Die 
Polizei hält das für einen schlechten Scherz. Die Verkehrs- 
bauk hat eine angemessene Belohnung für zweckdienliche 
Mitteilungen zur Ergreifung der Diebe ausgesetzt. 
Vereins 
Deutscher ' Techniker - Verband (Zweigvcrwaltung Friedenau). 
Die nächste MoncNsvcrsammlnng findet am Donnerstag, dem 3. Juli, 
Abends Uhr, im Restaurant „Kaiserciche" und ein Ausflug am 
Sonntag, dem (5. Juli, nach den Aillcukolonicn Frohnau, Bcrgfclde 
und Birkenivcrder (Treffpunkt und Abfahrt Morgens 7 llhr 
Waunscebahnhos) statt. Hierzu sind alle Kollegen mit Familie 
höflichst eingeladen. 
Anskunfts- und Fürsorgestclle (Kaiserallee 66), 
für Tuberkulöse: Acrzttichc Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen Und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 llhr, 
für Alkoholkranke: Llerztl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
SrDoneberg 
—o Baucrlaubnis wurde erteilt für. die Grundstücke 
Nollendorfplatz 6. Bauherr: Direktor John Guttsmnnu, 
Berliu-Gruuemald, Königsallce 7a. Ausführung:' Bau- 
geschäft Georg Bannert, Eharlottenburg, Hardenbergstr. 27. 
(Großer Umbau.) Wintcrfeldtstraße 19. Bauherr: Ludwig 
cittkütitiiicn. Lauge Zeit verhielt sie sich still, bis sic eines 
Tages als „Vera Olphcnt" wieder in Pelcrsdurg auftauchte. 
Sie war schöner und auch ein wenig raffinierter geworden. 
Sic hütete sich wohl, cs wieder mit der russischen Regierung 
zu verderben: im (stegenteil, sie bot ihr ii>re Dienste an. 
Als russische Spioniu war sic seither überall tätig, jedoch so 
geschickt, daß sie nirgendwo in Verdacht geriet. Ihr glänzendes 
Auftreten, ihre Toiletten, ihre Pferde, ihr großartiges Heim 
besticht die Gesellschaft, und es gelingt ihr slclS, in erste 
Kreise Aufnahme zu finden." 
„Aber ich begreife nicht — Rußland kann ihr doch nicht 
die Mittel geben, einen solchen Auswaud zu treiben." 
Lcchmcre nickte zustimmend. 
„Das ist cs, worüber ich mir seit langem den Kopf 
zerbreche. Woher sie die rieseuhasteu Summen nimmt, die 
sie zum Leben braucht, versiehe ich auch nicht. Ich habe 
mich ständig bemüht, es in Erfahrung za bringen — leider 
aber ohne Erfolg." 
„Merkwürdig! — Jedenfalls eignet sie sich das Geld 
durch irgend welche Betrügereien an. — Und Sie sind ganz 
sicher, das; Sie von Marx nur die Wahrheit erfahren haben?" 
„Ganz sicher! — Saul Marx pflegt nichts zu sagen, 
dessen er nicht ganz gewiß ist." 
„So will ich Ihnen erzählen, ivas sich heute abend im 
Hause der Gräfin ereignet hat. Eine Frau, oder vielmehr 
ein junges 'Mädchen, brach bei ihr ein; merkwürdigerweise 
aber har sie nichts mit sich ccnommen als Papiere — Papiere, 
die allerdings, noch dem Benehmender Sacns zu schließen, 
eine große Wichtigkeit haben müssen. Nun haben Sic doch 
wohl von dem Sctbsiniord des Kapitäns Laiicing gehört?" 
„Jawohl! — Ich las die Abendausgabe des „Mer 
kur". Aber ich konnte cs katim glauben, das; sich der 
lustige Laucing, der allezeit zu tollen Streichen aufgelegte 
liebe Keil, erschossen haben sollte." 
„Aber eZ verhält sich leider tatsächlich so! — Auch 
mir ist cs nahe gcgangcwie ich offen gestehe. Er soll 
den Artikel im „Merkur" — den ersten — gelesen haben, als 
er im Klub saß, und daraufhin fortgestürzt sein. Später kam 
er dann wieder, aufgeregt und übertrieben lustig. Er trank 
mit einigen anderen Herren viel Champagner. Dann ging 
er ans einen Augenblick ins Rauchzimmer hinüber. Gleich 
darauf hörten die Zurückgebliebenen eine» Schuß — das 
Weitere wissen Sie ia ans den Blättern. Meiner Meinung 
Stein i. Fa. Adolph Kraft Nchf., Eharlottenburg. Kurfürsten 
straße' 116. Ausführung: Architekt Otto Wende, Berlin- 
Schöneberg, Apostel Paulusstraße 38. (Unlbau.) 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir' keine Verantwortung.) 
Berichtigung. 
Bei meiner Stellungnahme in der Landkrankenkasscnfrage (Ge- 
meindevertrctersitznng vom 16. 6.) folgte ich allein meiner persön 
lichen Ueberzeugung. Ein Beschluß des Aerztevereins lag zu; bcr 
Sache überhaupt nicht vor; cs fand s. Zt. vielmehr nur eine Ans 
sprache statt im Anschluß an ein eingehendes Referat, welches die 
damals noch völlig unbekannte neue Satzung der Ortskrankenkaffe 
naturgemäß nicht berücksichtigen konnte. Nach jener Aussprache 
wurde eine Acrztevereinssitzung nicht mehr abgehalten. Die meisten 
jener Herren Kollegen, an deren mir gegenüber geäußerte Ansichten 
ich bei meinen Worten in der Gemeindcvertretersitzurig dachte, 
kannten wohl also die neue Satzung der Ortskrankenkaffe nicht. Sie 
wußten auch, ivie ich wich jetzt überzeugt habe, nichts davon, daß 
unser damaliger Herr Referent, wie er mir vor ein bis zwei Wochen 
mitgeteilt hat, unter Berücksichtigung der neuen Satznngs- 
bcstimmungen sein früheres Urteil, das für unsere damalige 
Stellungnahme von ausschlaggebender Bedeutung war, Nicht mehr 
aufrecht erhalte und die Notwendigkeit, eine Landkrankenkaffe zu 
errichten, nicht wehr für vorliegend erachte. — Maßgebend für 
meine Haltung in der Landkrankenkasscnfrage waren natürlich in 
erster Linie die bei der Gcmctndevertrctersitzung selbst gewonnenen 
Ueberzeugungen. Ausschlaggebend waren für mich vor allem die 
rechnerischen Ausführungen des Herrn Bürgermeisters, ferner der 
Hinweis darauf, daß der Satzungsentwurf der Ortskasse ja noch 
nicht genehmigt sei, sowie endlich die Tatsache, daß es später zwar 
immer möglich sein würde, die Landkassc aufzulösen, dagegen nicht, 
eine solche neu aufzumachen, falls dies jetzt versäumt worden wäre 
und sich ein Bedürfnis nach einer derartigen Kasse dann später 
etwa doch noch geltend machen sollte. 
Dr. Thurmann, Gcmeindcvertrcter. 
Geri6)MAes 
(:) 'Die Frage, was unter' „eichenen" Möbeln zn verstehen ist, 
hat daS OberlnndcSgericht München dahin entschieden, .daß auch 
„eicheiifournierte" damit gemeint sein können. Unter eichenen 
Möbeln werden nicht nur von den Dlöbelfabrikantcn und -Händlern, 
sondern allgemein eicheiifournierte Möbel verstanden. Bei diesem 
allgemeinen Sprachgebrauch besteht für die Fabrikanten und 
Händler kein Anlaß, den Besteller eichener Möbel ausdrücklich 
darauf hinzuweisen, daß ihm cichfourniertc Möbel geliefert werden. 
Sie> köpncn damit rechnen, daß dem Käufer die regelmäßige H'cr- 
stcUnngsweise der eichenen Möbel bekannt ist, und er sich der Be 
zeichnung eichene Möbel in dem ihr nach dem allgemeinen Sprach 
gebrauch znkomnienden Bedeutung bedient. Wer massiv eichene 
Möbel hnden will, muß dies dem Händler oder Fabrikanten gegen 
über zum Ausdruck bringen. Er kann mit Rücksicht auf den'allgcnieinen 
Sprachgebrauch nicht erwarten, daß der Händler oder Fabrikant 
unter eichenen Möbeln massiv eichene versteht, llntcr diesen allge 
meinen Grundsätzen beurteilte das Oberlandesgericht München eine 
Klage, durch die der Kläger wegen Irrtum einen Kauf anfocht, er 
hatte bei einem Möbelfabriknntcn eichene Möbel bestellt; der Beklagte 
hatte aber eichen fonrnierte Möbel geliefert. 'Aus den Gründen 
interessiert besonders folgendes: „Die Bestellung war klar und 
deutlich. Sie konnte Nur dahin verstanden werden, daß der Kläger 
eichen fonrnierte Alöbcl haben wollte. Die Anfechtung wegen 
Irrtums ist daher nicht begründet. Wie gerichtsbekannt, sind außer 
dem eicheiifournierte Möbel besser, haltbarer und widerstands 
fähiger gegen die Einivirkungcn der Luftverhältnisse auf das Holz, 
als massiv eichene. Der Klager würde, wenn er nicht hesonderc 
Gründe hatte, gerade massiv eichene Möbel zu bekommen, unver 
ständig gehandelt haben, ivenn er nach Aufklärung durch die Be 
klagte darauf bestanden hätte, massiv eichene Möbel geliefert zu 
erhalten. Jedenfalls ist nicht dargetan, daß er, wenn er erkannt 
hätte, daß unter eichenen Möbeln cichcnfvurniertc verstanden werden, 
und daß die von ihm bestellten Möbel tatsächlich cichcnfonrnierte sind, 
seine Erklärung, nämlich die Bestellung eichener Möbel, bei ver 
ständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben hätte. Mit der 
nackten Behauptung, Kläger habe ausschließlich massiv eichene 
Möbel haben wollen, ist nichts getan." lliizweifclhaft ist dieses 
Urteil interessant. Denn die Ailffassung, daß unter „eichenen" 
Möbeln „eicheiifournierte" zu verstehen sind, dürfte in weiten 
Kreisen des Publikums nicht verbreitet sein. 
Vermisstes 
*o Zur Neuregelung der Konkurrcnzklauscl. Nachdem die 
Regierung die Beschlüsse der 12. Kommission des Reichstages zur 
Neuregelung der Konkiirrcnzklauscl geprüft, diese für nnannehmbar 
erklärt und Gegenvorschläge gemacht hat, die die Kommissions- 
beschlüsse ivesentlich zu Uiigunsten der Handlungsgehilfen ver- 
nach war nun seiicr erste 'Artikel von der Gräsin Saensj 
oder ivie sie sonst heißen mag, inspiriert." 
Die beiden schwiegen eine Weile. Dann sagte Varncy: 
„Wissen Sie elivas über den Herausgeber des „Merkur"?" 
„Ein Amerikaner iiainens Hunt. Der „Merkur" ist 
seiner ganzen Art nach ein echt aiiicrikaiiischcs Blatt, und 
Hunt nichts ivcikcr als ein aiiierikanischcr Reporter. Wie 
die Leute zu Werke gehe», wissen Sie wohl. Mir ist der 
Mann im höchsten Grade unsympathisch; persönlich ist er ein 
unangenehmer, arroganter Mensch. Ich traf ihit mehrmals in 
der Gesellschaft." 
„Auch im Hanse der Gräfin Sacns?" 
Lcchmere blickte nachdenklich vor sich nieder. 
„Wohl auch da — aber nicht öfter, als irgendwo anders. 
Ich hätte es bemerken müssen, hätte er mit Per Sacns sehr 
rege verkehrt." 
„Trotzdem — ich glaube bestimmt, daß Hunt mit der 
Gräfin in Verbindung steht. — Aber sehen Sie, der Mann 
scheint jemanden zu suchen. Vielleicht gilt cs einem von uns." 
> Ein Diener war auf die Schwelle getreten und blickte 
in das Zimmer. Gleich darauf kam er ans Varney zu. 
„Ich bitte wegen der Störung um Verzeihung," sagte 
er mit einer tiefen Verbeugung. „Ich werde von Lord Mere 
havcn gesandt. Seine Lordschast läßt den Herrn Doktor 
bitten, aus einen Augenblick zu ihm zu kommen. Einer der 
Herren Gäste sei plötzlich von einer Krankheit befallen worden, 
und es läge Seiner Lordschaft daran, jedes Aussehen zu ver 
meiden." 
Varney flüsterte Lcchmere ein paar Worte zu, dann ivandte 
er sich an den Diener. 
„Wo erwartet mich Seine Lordschast?" 
„Im Studierzimmer. — Wenn der Herr Doktor mir 
folgen wollten — „— 
Er führte Varney über einen kleinen Flur zu einer ver 
schlossenen Tür. Auf ihr Anklopfen fragte drinnen jeniand, 
wer der Einlaßbegehrende sei; als Varney seinen Namen 
nannte, öffnete khni Lord Merehaven selbst die Tür. 
Er iviiikte dem Diener kurz zu, daß er gehen könne, 
und führte den Arzt herein. 
(Fottsetztmg folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.