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Periodical volume Nr. 14, 16.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

barsten Gestein. Häufig gruppieren stch Figuren zu zier 
lichem Laub- und Blätterwerk, und wenn man seiner 
Phantasie freien Lauf läßt, kann man stch oft schöne Land 
schaften hergezaubert träumen. Kräuterteppiche von Blätter- 
werk umrahmt, hoher Gebüsch von Schilfgräsern, ähnlich 
den indischen Zschungeln, Gletschertore mit den kühnsten 
Alpenspitzen, prachtvolle Palmenwedel und daneben ge 
zackte Berglandschasten erscheinen dem Auge ausgestattet 
mit den Wundern des Eismeeres. Ja, auch der Winter 
hat seine Poesie. Freilich ist sie kalt und ohne Leben. 
o HauS- und Grundbesitzer-Verein. Wie wir 
schon berichteten, ist der diesmaligen Einladung zur Haupt 
versammlung deS HauS» und Grundbesitzer-VereinS, die 
morgen (Freitag) Abend 8 l / a Uhr im ,Hohenzollern* 
stattfindet, ein gedruckter Jahresbericht betgegeben. In 
umfassender Weise gibt der Bericht Auskunft über die 
Tätigkeit deS Vereins im verflosienen Jahre. Chronologisch 
find die einzelnen Versammlungen und die in diesen ver 
handelten Punkte aufgeführt. Im Januar beschäftigten 
den Verein zunächst die Vorstandswahlen und die Ab 
änderungen der Satzungen. Eingehend wurde über die 
rigorose Verfügung des RegierungSpiästdenten, betr. 
Herbeiführung gesetzmäßiger Zustände bezüglich der Anlage 
der Vorgärten, verhandelt. Die Sache ist heute noch 
nicht abgeschlossen. Der Verein trat in seiner Hauptv.-r- 
sammluvg ferner als körperschaftliches Mitglied der 
Humboldt-Akademie bet. Im Februar hielt Herr Schöffe 
Lichtheim einen Vortrag über den Gemrindeetat. Die 
ErgänzungS-, Neu- und Ersatzwahlen zur Gemeinde 
vertretung wurden gemeinsam mit den Vorständen deS 
Handel- und Gewerbe- und deS Bürgervereins vorbe 
reitet. Diesem Vorgehen der 3 Vereine war auch der 
Erfolg bcschieden. In der Mäczversammlung sprach Herr 
Strauch von der Wirtschaftsgenossenschaft Schöneberger 
Grundbesitzer über Schließ- und Nachtwachwesen. Die 
Aufgaben unserer OrtSpolizei behandelte in der April- 
versammlung ein Vortrag deS Herrn Rechtsanwalts Bering. 
Die Fragen eines einheitlichen Mietsvertrages und einer 
wirksamen OctSreklame wurden im Mai besprochen und 
besonderen Ausschüssen überwiesen. Am 22, Juni fand 
bet starker Beteiligung und herrlichstem Wetter die 
Dampferfahrt nach Nedlitz statt. Nach der Sommerpause 
waren er die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretung, die 
den Verein beschäftigten. . ES wurden die von ihm auf 
gestellten Kandidaten Dr. Thurmann und Architekt 
Stöcker gewählt. Im Oktober und November wurde ein 
gehend über die Schwierigkeiten der Hypothekenbeschaffung 
verhandelt und nach einem Vortrage deS Herrn Dreger 
wurde beschlossen, eine AuSbietungS-Garantie-Genossenschaft 
zu gründen und bei der Gemeinde die Errichtung eines 
HypothekenamteS zu beantragen. Mjt der GlaSversicherungS- 
Gesellschaft Hammonia wurde ein VergünstigungSvertrag 
abgeschlossen. Am 7. Dezember fand dann das üblich; 
EiSbeinessen bet zahlreicher Beteiligung statt. Die Mit- 
glicderzahl des Vereins ist im verflossenen Jahre um 36 
gestiegen, fodaß sie jetzt 416 beträgt. Dem Kassenbericht 
entnehmen wir die folgenden Zahlen: Der Kassenbestand 
betrug zu Beginn deS Jahre« 3842,64 M., hierzu die 
Einnahmen aus Mitgliederbetträgen und Zinsen ergibt 
eine Gesamteinnahme von 5369,60 M. Die Ausgaben 
stellen sich auf 1762 M., sodaß als Bestand 4197,60 M. 
verbleiben. Unter den Ausgaben befindin sich alS Haupt 
summe 606 M. für die Gemeindeoerordnelen Wahlen. 
Der Bestand ist in dem hiesigen Zweiggeschäft der 
Commerz- und Diskontobank mit 2469 M. und auf der 
Teltower Sparkasse mit 1738,50 M. festgelegt. 
o Männer-Turnvrrekn. Dienstag, den 14. Januar, 
hielt die 2. Männec-(ülterS.)Abteilung ihre ordentliche 
Jahresversammlung ab. Turnwart Newe eröffnete ^/ a 11 Uhr 
die von 37 Mitgliedern besuchte Sitzung und gab, nachdem 
Schriftwart Heubaum das Protokoll der vorhergegangenen 
Versammlung verlesen hatte, den Turnbericht, aus dem zu 
bemerken ist, daß der Durchschnittsbesuch deS Jahres 1912 
eine kleine Zunahme gegen daS Vorjahr aufweist, e§ 
turnten jeden Abend im Durchschnitt 24,5, der stärkste 
Besuch an einem Abend war 42. Am regelmäßigsten 
im ganzen Jahre turnte O. Geyer, der niemals fehlte. 
Dann folgten die Berichte des Kassenwarts F. Koblitz und 
deS KneipwartS Mohr. Sämtliche Berichte wurden mit 
Dank entgegengenommen und genehmigt. Die Neuwahl 
der Abteilungsbeamten ergab folgendes Resultat: 1. Turn 
wart I. Newe, 2. Turnwart O. G yer, Kassenwart 
trachteten, sondern sie spielte sogar eine Hauptrolle dabei. 
Er hatte sich schon gestern überzeugt, daß sie nicht, wie er 
halb und halb geglaubt hatte, in irgendeiner Stellung in 
Sir Williams Hause sei. Alles deutete darauf hin, daß sie 
auf seiten des Feindes stand. Und doch hatte sie ihn mit 
ihrer anscheinenden Unschuld und ihrem Liebreiz so be 
strickt, daß er sich augenblicklich nicht entschließen konnte, 
sie zu verraten, solange er nicht vollgültigere Beweise 
ihrer Schuld hatte. 
So schüttelte er denn den Kopf und bemerkte mit 
feiner Diplomatie, wie er glaubte: „Ich habe nicht die : 
leiseste Ahnung, wer die Dame ist. Ich kann deshalb \ 
auch nicht verstehen, welche Beziehung sie zu der Sache haben \ 
soll, die uns beschäftigt. Sie ist übrigens auffallend hübsch." ! 
Mit seinem gewöhnlichen lustigen Lachen nahm der j 
Inspektor die Photographie und steckte sie sorgfältig wieder : 
in seine Tasche. „Ihr Aerzte versteht euch wirklich gut auf 
weibliche Schönheit," meinte er lachend, während er mit 
den Augen, die nicht von Julius' Gesicht gewichen waren, 
schlau zwinkerte. Nun, wenn Sie die schöne Dame nicht 
kennen, so können Sie mir auch nicht helfen, aber wenn 
sie Ihnen jemals über den Weg laufen sollte, so würde 
ich Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir sofort eine 
Depesche nach dem Polizeipräsidium schicken würden. Und 
nun auf Wiedersehen, Herr Doktpr. Ich fürchte sehr, wir 
werden den armen Brown nicht lebend wiederfinden, aber 
wir wollen unser Bestes tun." 
Trotz seiner rundlichen Figur war Inspektor Black ein 
sehr beweglicher Mann, und die Tür hatte sich schon hinter 
ihm geschlossen, ehe Julius fragen konnte, wie er zu der 
Photographie gekommen sei, und in welcher Beziehung 
die hübsche junge Dame zu den Verbrechern stehe. 
„Sonderbar, daß er das bis zuletzt Lelassen hat und 
F. Koblitz, stello. Kassenwart O. Schieche, Schriftwart 
K. Heubaum und als Kneipwart an Stelle MohrS, der 
eine Wiederwahl energisch ablehnte, Reichte. Stellver 
tretender Kneipwart wurde O. Schieche. AIS Ersatz für 
den auS dem Verein geschiedenen Dahsel wurde Emmerich 
in den BergnügungSauSschuß gewählt. Der Abteilung«- 
kaffenbeitrag wurde wie bisher auf 5 Pfennig monatlich 
festgesetzt. Nach Besprechung der Tagesordnung der Haupt- 
Versammlung sowie der Vorbereitungen für daS Deutsche 
Turnfest in Leipzig wurde die Versammlung um 11 Uhr 
beschlossen. 
o Freiwillige Sanitättkolonne vom Roten 
Kreuz zu Friedenau. Die KaisergeburtStagSfeirr der 
Kolonne findet am Sonntag, dem 26. durch einen Kirch 
gang statt. Antreten 9>/ 2 Vhr am Spritzenhaus; an 
schließend kameradschaftliche« Beisammensein im Restaurant 
Hohenzollern. 
o Der Alkohol und seine Wirkungen Ueber 
dieses Thema hält Herr Grmeindefchöffe Sadv: heute 
Abend in einer Sitzung des WaisenrateS im Reformreal- 
gymnasium einen Vortrag. 
o Evangelischer Verein junger Männer. Am 
Sontag, dem 19. Januar, Abends 8 Uhr, hält der Vor 
sitzende des KeplerbundcS (Abteilung Berlin), Abservator 
an der Berliner Sternwarte, Herr vr. astron. Joh. Riem 
im Evangelischen Verein junger Männer, Friedenau, 
Kaiserallee 761. einen Vortrag mit Lichtbildern: Werden 
und Vergehen im Weltall. Herr Dr. Riem ist durch seinen 
Vortrag im Parcchialverein und durch seine zahlreichen 
Schriften (Bibel und Natur, populäre Astronomie usw.) 
vielen Friedenauern wohlbekannt. ES wird daher vielen 
die Gelegenheit willkommen sein zu hören, waS die 
Wissenschaft über Werden und Vergehen im Weltall sagt. 
Der Evangelische Verein junger Männer ladet alle, die stch 
für diese Fragen interessieren, besonders junge Männer, 
herzlich zu diesem Vortrag ein. 
o Stenographische-. Der Friedenauer Steno- 
graphenverein Stolze-Schrey zu Friedenau eröffnet An 
fang Februar einen neuen AusängerkmsuS für Damen und 
Herren. Preis: 8 M. Anmeldungen nimmt entgegen: 
Lehrer Lüdlke, Friedenau, WieSbadenerstr. 11. Seine 
UebungSstanden hält der Verein jeden Dienstag von V2 9 
bis 10 Uhr im Restaurant „Hohenzollern" ab. 
o Der Verein für Gesundheitspflege in Steglih, 
dem auch zahlreiche Friedenauer angehören, hält seinen 
nächsten GesellschaftSabend am Mittwoch, dem 29. Januar 
1913 ab. 
o Daö beste Bild zeigen unstreitig die elegant aus 
gestatteten „Hohenzollern - Lichtspiele", Handjerystr. 64. 
Viele Friedenauer, die die besseren Lichtspieltheater in 
Berlin besuchten, haben sich überzeugt, daß sie für billigeres 
Geld dieselben guten Bilder in vornehmem Raum hier 
in den Hohenzollern-Lichtspielen sehen können und ver 
zichten daher auf die Unbequemlichkeiten, die die Fahrten 
nach Berlin im Gefolge haben. Morgen (Freitag) wechselt 
daS Progrcmm. Näheres hierüber in der heutigen Anzeige. 
Eine 3. Voroerkaufsstelle für Einlaßkarten ist jetzt in dem 
Papiergeschäft von Okcar Wolff, Rheinstr. 10 eingerichtet. 
Die sich ebenfalls steigenden Zuspruchs erfreuenden Schüler- 
und Kindervorstellungen finden nur Mittwochs und 
Sonnabends, Nachmittags von 4 Uhr (nicht 3 Uhr) 
ab, statt. 
o Da» Schaufenster ausgeräumt. In der oer- 
gangenrn Nacht haben Einbrecher di« Schaufensterscheibe 
der Schirmgeschäfts von Wigdor, Rheinstr. 1-2, einge 
drückt und dann di« im Schaufenster befindlichen Schirme 
und Sröcke entwendet. Von einem Wächter der Wach- 
und Schließgesellschaft wurde ein verdächtiger Mann, der 
mit einem Pack Schirme unter dem Arme durch die 
Lauterstraße eilte, bemerkt. Obwohl der Wächter sofort 
Alarm schlug, gelang «S doch nicht, den Spitzbuben fest 
zunehmen. 
o Diebstähle an Metall wurden schon seit längerer 
Zeit im Materialprüsungiamt in Lichterfelde festgestellt, 
ohne daß eS gelang, der Täter habhaft zu werden. Die 
angestellten Ermittelungen haben nunmehr dazu geführt, 
daß zwei Schlosser aus Lichterfelder als die Diebe abgefaßt 
wurden, die sich demnächst an GerichtSstelle zu verant 
worten haben werden. 
o Die Hühnerdiebstähle sind jetzt wieder häufig. 
Fast jede Nacht werden in den Laubengeländen einzelne 
Ställe erbrochen und daraus Hühner und auch Kaninchen 
dann so plötzlich damit herausgekommen ist," dachte Julius 
und starrte auf die Tür, hinter der der Inspektor ver 
schwunden war. „Ich möchte wirklich wissen, ob er der 
alberne Mensch ist, als den er sich gibt, oder ob er schlauer 
ist, als er zu zeigen für gut findet." 
5. Kapitel. 
Auf de in Heuboden. 
Der Ort Monksglade war einst — und das war noch 
nicht sehr lange her — ein verträumtes altes Städtchen 
gewesen, das weit ab vom Berkehr zwischen Seen und 
Wäldern lag. Es sollte nicht mehr lange so bleiben, denn 
das Eisenbahnnetz verzweigte sich immer dichter ringsum, 
und seitdem vor mehreren Jahren die etwa eine Stunde 
entfernte größere Stadt Eisenbahnstation geworden war, 
hatte der Ort viel von seiner Einsamkeit und Abgeschlossen 
heit verloren. Zudem war seine schläfrige Hauptstraße seit 
einiger Zeit vielfach von Autos belebt, deren Führer die 
Fahrt durch die stillen Wälder der auf der staubigen Land 
straße vorzogen. 
In dem weit auseinander liegenden Ort gab es nur 
zwei Häuser von einigerBedeutung ; Schloß Monksglade, der 
Ahnensitz der verarmten Dunloos und Villa Sieveneichen, 
der große moderne Wohnsitz, den Sir William Graßman 
vor wenigen Jahren ganz »ach seinen Wünschen »nv Ideen 
hatte bauen lassen. Las Schloß war ein düsteres, mittel 
alterlich anmutendes Gebäude, welches in einem aus 
gedehnten Walde versteckt lag, während Graßmans Wohn 
haus sich näher am Städtchen befand, und inmitten eines 
weniger imposanten aber sehr gut gepflegten Parkes stand. 
Natürlich nannte das Städtchen auch ein Schulhaus 
fein eigen, das ober sehr viel kleiner lind unbedeutender 
war. als die vorher beschriebenen Besitzungen. Es stand 
gestohlen, die zumeist am Tatort sofort abgeschlachtet 
werden. In der gestrigen Nacht wurden au« einem Stalle 
deS Lademeister« Förster in der Fronhoferstraße in Steglitz 
fünf Hühner und 1 Kaninchm gestohlen. Auch hier 
schlachteten die Täter die Tiere aus der Stelle ab. TS 
fehlt jede Spur von den Dieben. 
o Blutige Schlägerei «ach «luem Tavzvcr» 
gnügen. Mir Bezug auf den Bericht in unserer Nr. 
vom 13. d. Mt«, unter gleicher Epltzmarke ersucht un« 
Herr Rechtsanwalt Oettingrr im Aufträge deS Kaufmanns 
Otto Fink« (nicht Zinke) folgendes zu .berichtigen: Herr 
Finke halte mit dem Friseur Neumann keinen Streit ge 
habt; dagegen ist Herr Finke auf dem Heimwege in der 
Rheinstraße von einem gewissen Sch , vermutlich im Irr- 
tum über die Person, die letzterer vor stch zu haben 
glaubte, überfallen und mit der Faust geschlagen und ge 
stoßen worden, sodaß F. auf da« Gitter der Vorbeete siel 
und sich eine Kopfverletzung zuzog. Mit einem Messer 
hat keiner vpn beiden gestochen. 
o Ein tödlicher Uuglücksfall ereignete stch, wie 
erst jetzt bekannt wird, am Sonntag in der Albrrchtstraße 
in Sieglitz. Dort wollte am Sonntag Abend in einem 
großen Fleischergeschäft «in Geselle eine in dem Hause be 
schäftigte Verkäuferin zum AuSgang abholen. DaS junge 
Mädchen weigerte sich. mitzugehen, weil der Geselle an 
getrunken war. Es kam infolgedessen zu Streitigkeiten, 
di« den Gesellen sehr erregten, so daß er alle Vorsicht ver 
gaß und in einen tiefen Kellerschacht fiel. Schnell wurde 
ein Arzt herbeigeholt, der aber nichts mehr ausrichten 
konnte, da der Unglückliche auf der Stelle starb.! 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 5 Paar Schuhe, 1 Brosche. Die rechtmäßigen 
E'gentümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 
drei Monaten im hiesigen Amttbüro, Handjerystr. 91/92, 
Zimmer Nr. 22, geltend zu machen, da sonst anderweit 
über die Jundgegenstände verfügt werden wird. 
Fereins-Aachrichterr. 
Die H-upIabteiliivg deS Ch. Tour. Club ,MLrk. Fähre' unter 
nimmt am Sonntag, dem 19. Januar 1913 die 113 Wanderfahrt 
nach Wustermark, Zeestow, Bredow, Finkenkrug. Versammlung ?'/, 
Uhr Bahnhof Jungfeinheide. Abfahrt 7 47 Uhr. Teilnehmerkarte 
1.45 M. Führer Fiedler. Damen und Herren als Gäste willkommen. 
—o Ueber die Begründung eine« „Hypotheken-Bank 
vereins^ durch den Schöneberger Magistrat hatten wir 
gestern bereits berichtet. Ergänzend fügen wir noch folgendes 
an: Die Bedingungen zur Geldgewährung sind folgende: 
Das Haus muß bereits ein Jahr bezugsfertig dastehen und 
mit -jz der angenommenen Mieter besetzt sein. Ferner 
muß der DarlehnSsuchende bereits 1 Jahr Metglied sein. 
Ausgenommen von dieser Karenzzeit sind die Mitglieder, 
welche den Bereiu gründen helfen und die, welche bis zu 
3 Monaten nach der Gründung beitreten. Die DahrlehnS- 
suchrr können sich die Obligationen aussuchen, die zu Li/,-4'/z 
v. H. wahrscheinlich ausgegeben werden. Bi« jetzt ist der 
Magistrat ermächtigt, bis zu 15 Millionen auszugeben. 
Bei weiterer Ausgabe muß eine Ermächtigung nachgesucht 
werden. Für die Rachhypotheken werden 2 pCt. Abschluß- 
provision erhoben, die dem RkseroefondS zufließen und 
ferner müssen die DahrlehnSsucher l 3 / 4 o. H. mehr Zinsen 
bezahlen, als die Obligationen erfordern. Davon werden 
V 4 v. H. für die Zwecke der Verwaltung und 1 */ 2 o. H. 
zurAmortisatiou derNachhypotheken benutzt. Die Ministerien 
haben übrigens nicht alle Wünsche de» Magistrat« erfüllt, 
sondernstrlltenu.a. einerechtschwereBrdindung, die allerdings 
von dem Gedanken ausgeht, den Grundbesitz soviel alS mög 
lich zu entschulden. DaS Ministerium hat nämlich die Ver 
pflichtung auferlegt, daß die DahrlehnSnehmer beiFSlligwrrden 
der ersten Hypotheken diese in AmortisationShypotheken um 
wandeln. Felnirmuß.solangedieekfteHypothkknochketnAmor- 
tisationShypotek ist, diese auch mit 1 / i v. H. durch Ver 
mittelung der städtischen Hypothekenstelle viS zum Fälligkeits 
termin amortisiert werden. Ist nun diese Frist heran 
gekommen, und der Grundstücksbesitzer wandelt sie nicht 
freiwillig in eine Amortisationthypothrk um, so muß für 
die erste« Hypothek i/ a v. H. Amortisation bezahlt werden. 
WaS die Hafibarkeit der Grundbesitzer anbelangt, so dient 
zunächst der Reservefonds, der au« den Eintrittsgeldern 
und Abschlußprovistonen gewonnen wird, für etwaige un 
vorhergesehene Schwierigkeiten. Zweitens aber haftet der 
dicht nebe» der schönen alten Kirche ain Bande einer große», 
weiten, grünen Wiese. 
In dem Hofe des Schulhauscs finden wir eine alte 
Bekannte wieder, Fräulein Nora Dilcon, die sich in einer 
ziemlich auffallenden Weise benahm. Sic war durch den 
Garten in den Hof gekommen und schlich jetzt auf den 
Fußspitzen auf eine Leiter zu, die vor der geschlossenen 
Stalltür stand. Die oberste Sprosse der Leiter reichte 
gerade bis an die Oeffnung des Heubodens, durch welche 
früher Bewohner, die Pferde gehalten hatten, das Heu 
von den hochbeladenen Wagen hatten hineinwerfen lassen. 
Der jetzige Lehrer benutzte den Boden nur zur Auf 
bewahrung von Aepfeln und Kartoffeln, denn er behaup 
tete, er sei zu arm, um sich ein Geschirr zu leisten, wie er 
es nannte. 
Als das junge Mädchen mit unhörbaren Schritten 
die Leiter erreicht hatte, strengte sie ihre ganze jugendliche 
Kraft ail, um diese umzulegen. Dann warf sie eine» 
lachenden Blick voll Schelmerei nach oben und rief leise: 
„Bist du schon wieder an den Aepfeln, Rob 7 Du 
könntest mir auch einen herunterwerfcn!" 
Sofort erschien in der Oesfnung der lockige Kopf und 
das gesunde sonnverbrannte Gesicht eines sehr junge» 
Mannes. 
„Nora!" rief er vergnügt. „Das ist ja herrlich! Wir 
haben wohl gehört, daß die Graßmans gestern abend in 
der Billa erwartet wurden, aber in meinen wildesten 
Träumen hätte ich nicht gewagt zu hoffen, daß du hierher 
kommen würdest, um mich zu begrüßen. Aber hör' mal. 
was hast du denn mit der Lcitcr gemacht? Komin, sei 
gut, und stell' sie wieder auf, damit' ich herunterkommen 
kann, um dich zu bewillkonnmlen, wie es sich gehört." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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