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Periodical volume Nr. 140, 17.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Anlegung der Sparkassenräume. 
II ni das Rathansbanprojekt ordnungsmäßig zu fördern 
ist es unbedingt erforderlich, nunmehr umgehend sich darüber 
schlüssig zu machen, ob seitens der Gemeinde eine Sparkasse, 
die bekanntlich in dem Neubau untergebracht werden soll, 
einzurichten ist. Die Angelegenheit war s. Zt. der Gemeinde 
vertretung vorgelegt, von ihr aber dem Finanzausschuß zur 
Vorprüfung überwiesen. Dieser hat einen endgültigen Be 
schluß noch nicht gefaßt, er wird sich aber noch vor der 
Sitzung der Gemeindevertretung mit der Angelegenheit be 
schäftigen. Von einschneidender Bedeutung für die Ent 
scheidung nach 'der einen oder anderen Richtung ist die 
Frage, ob die Benutzung der Sparkasse eine so rege sein 
wird, daß die Einrichtungen und Unterhaltungskosten ver 
zinst und amortisiert und außerdem noch Ueberschüsse zur 
Ansammlung eines Reservefonds und später zur Anwendung 
für kommunale Zwecke erzielt werden. In erster Linie gibt 
zur Beurteilung der Frage, ob sich die Errichtung einer 
Sparkasse für die Gemeinde empfiehlt, die Eiitwickelungs- 
fähigkeit der Gemeinde einen sicheren Anhalt. In dieser 
Hinsicht ist Friedenau allerdings in einer nicht sehr günstigen 
Lage, da es bald am Ende seiner Bebauung angelangt ist 
und daher auf einen erheblichen Bevölkerungszuwachs nicht 
mehr zu rechnen hat. Von diesen: Standpunkt allein be 
trachtet, würde also die Errichtung einer Sparkasse für die 
Gemeinde ein gewisses Wagnis sein, dieses ist aber nicht so, 
wenn mau bedenkt, daß die Gemeinde, die doch immerhin 
stattliche?Bevölkerungszahl von etwa 44 000 Einwohnern 
erreicht hat und noch eine solche von über 50 000 Ein- 
tvohtteru erreichen kaun, und daß die Kasse voraussichtlich 
auch von den Einwohnern des Schöneberger Ortsteils mit 
benutzt werden wird. Hinzukommt, daß aber nicht die Be- 
völkeruugszahl allein ausschlaggebend ist, sondern es auch 
sehr auf die Art der Züsammeusetzung der Bevölkerung an 
kommt. Zu diesem Jahre wurden gezählt: 1099 Steuer 
pflichtige mit Einkommen von 060—900 M., 9243 Steuer 
pflichtige mit Einkommen von 900—3000 M., 3102 Steuer 
pflichtige mit Einkommen von 3000—6500 M., 2009 
Steuerpflichtige mit Einkommen von 6500 M. und mehr. 
Diese Zahlen ergeben, daß die weitaus überwiegende Mehr 
heit der Steuerpflichtigen den weniger bemittelten Kreisen 
und dem wohlhabenden Mittelstände angehören, also Be 
völkerungsschichten, die in erster Linie die Sparkassen zu 
benützen pflegen. Daß die Einwohnerzahl allein nicht maß 
gebend ist, für- die Entwicklung einer Sparkasse, ergibt sich 
noch airs folgendem: Neukölln hatte im Jahre 1909 rund 
230 000 Einwohner, Berlin-Schöneberg nur 170 000/ ferner 
ist die > Sparkasse in Berlin-Schöneberg 2 Jahre nach der 
Neuköllner Kasse, nämlich im Jahre 1899 gegründet, trotzdem 
hatte Berlin-Schönebcrg doch über 40 000 Sparbücher und 
32 Millionen Einlagebestand mehr als Neukölln, wobei zu 
bemerken ist, daß die Entwickltmg der Neuköllner Sparkasse 
eine keineswegs ungünstige ist. Vergleicht man nun noch 
die Zahl der Zensiten in Berlin-Friedenau mit denen in 
Bcrlin-Schöneberg, Neukölln und Berlin-Steglitz, diese im 
Jahre 1909 so ergibt sich folgendes: 
CchUnetierz Neukölln Steglitz Friedenau 
Einkommen Zahl der ü , Zahl der 0 / Zahl der o , 0 Zahl der 0 , 
von Zensiten '° Zensiten '° Zensiten ' Zensiten" 
900-3000 38 073 76,8 57 350 95,2 12 331 77,3 9343 03,3 
3000 — 0500 7 658 14,8 2 307 3,9 2 791 17,5 3100 19,9 
über 0500 4 708 9,4 529 0,9 852 5,2 2608 10,8 
zusammen 50999 100 00 240~00 16 974 100 " 15551 100 
Ferner beweist ein Vergleich der obigen Prozentzahlen 
von Berlin-Schönebcrg, Berlin-Steglitz und Berlin-Friedenau, 
daß in der I. Klasse, also den ärmeren Bevölkerniigsschichten, 
allerdings Berlin-Schöncberg gegenüber 12,5 Prvz., Berlin- 
Steglitz 14 Proz. weniger Zensiten vertreten sind, daß 
jedoch in der II. Klasse, der also der wohlhabende Mittel 
stand angehört, jenes Manko durch ein Plus von rund 
5 Proz. gegenüber Berlin-Schöneberg und rund 2 Proz. 
gegenüber- Berlin-Steglitz zum Teil ausgeglichen wird. In 
der 111. Klasse, in der sich hauptsächlich die reichere Be 
völkerung befindet, ist sogar ein nennenswerter Unterschied 
von etwa 7 Proz. zu Gunsten Berlin-Friedenaus gegenüber 
Berlin-Schöneberg festzustellen. Es wird sich aus diesen 
Zahlen der Schluß ziehen lassen, daß die Entwicklung der 
hiesigen Kasse ähnlich günstig verlaufen wird, ivie cs bei 
der Schönebergcr Sparkasse der Fall ist. Es wird be 
antragt, vorbehaltlich der Stellungnahme des Finanzaus 
schusses, zu beschließen: Die Gemeindevertretung spricht sich 
grundsätzlich für die Einrichtung einer Sparkasse ans und 
genehmigt, daß in dem neuen Rathanse die dazu not 
wendigen Räume einschließlich solcher für Scheckverkehr und 
zur Unterbringung vermietbarer Stahlfächer angelegt werden. 
Es wird auf Anregung des Rathausbauartsschnsses 
empfohlen, die Einrichtungen der Tresoranlage zu treffen, 
um die Kasse dem modernen Geldverkehr und den An 
sprüchen der Neuzeit entsprechend auszugestalten. Sollte 
die Gründung der Sparkasse nicht die Genehmigung der 
Aufsichtsbehörde finden, so sind die Kosten für die Tresor- 
anlage nicht unnötig aufgewendet, da die betreffenden Räume 
sich sehr gut auch zu anderen Zwecken benutzen lassen werden. 
ZokaUs 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Die Feier -cs Negierungsjubiläums unseres 
.Kaisers in Friedenau. Friedenau hat nun gestern auch 
seine öffentliche Kaiserjubiläumsfeier gehabt. Wie unser 
Ort viel und oft durch seine Eigenart hervorgetreten ist 
und noch öfter dadurch hervortreten wird, war es auch niit 
dieser Feier, die sich fern hielt von jenen Veranstaltungen, 
die die Behörden unserer Nachbarorte für die Bürgerschaft 
vorbereitet hatten. Dort die frisch-fröhliche, alles mit fort 
reißende Begeisterung, die Versammlung großer Massen 
unter freiem Himmel, zu Umzügen oder festlichen Kommersen 
— hier eine ernste schlichte Feier in einer Schulaula, nicht 
getragen von den Wogen heller Begeisterung, sondern von 
stiller Einkehr! Eine Feier, die keine Schulfeier, auch kein 
Gottesdienst war, die den Eindruck erweckte, als sollte sie 
keinem Lebenden, sondern dem Gedächtnis eines Mannes 
gewidmet sein. Kein helles, fröhliches Aufslammen, kein 
Händeklatschen, kein Vravornf! Kalt blieben die Herzen; 
die. Wärme, die zu jubelnder Begeisterung fortreißt, fehlte. 
Viele mochten den Verlauf dieser Feier vorausgeahnt 
haben. Denn nur so ist es zu verstehen, daß der erwartete 
Massenandrang, dem zu begegnen Einlaßkarten ausge 
geben wurden, ausblieb. Die Bänke der Aula der „Königin- 
Luise-Schule" blieben zu einem großen Teile leer. Der 
Festsaal war mit Girlanden, Kränzen und Bannern in den 
deutschen Landesfarben stilvoll geschmückt; rechts von der 
Bühne stand ein lebensgroßes Bild des Kaisers. Trompeter 
der Gardeschützenkapelle ließen hoch oben von der Galerie 
zur Einleitung der Feier das Musikstück: „Die Himmel 
rühmen des Ewigen Ehre" von Beethoven ertönen. So 
brav und schön die Musiker spielten — es schien aus 
gemacht, daß kein Beifall gespendet werden durfte. Alles 
blieb ruhig und lauschte nun dem schnell folgenden Vortrage 
des „Friedenauer Männer-Gesangvereins 1875", der das 
eigens für diese Feier von seinem Dirigenten, Herb Musik 
direktor Paul Autoni, vertonte Gebet von Julius Sturm 
„Ein Haupt hast du demVolk gesandt", zu Gehör brachte. Dem 
Charakter der Feier waren Inhalt und Komposition dieses 
Liedes bestens angepaßt. Es erweckte sichtlich tiefen Eindruck, 
als der gut geschulte Männerchor den Text: 
Ein Haupt hast Du dem Volk gesandt 
und trvtz der Feinde Toben 
in Gnaden unser Vaterland 
geeint und hoch erb oben. 
Mit Frieden hast Du uns bedacht, 
dem Kaiser uns bestellt zur Wacht, 
zu Deines Namens Ehre. 
in einer feierlichen Melodie erklingen ließ. Herr Bürger 
meister Walger trat nun an das Rednerpult, um die Fest 
rede zu halten. 
Allüberall, wo die deutsche Zunge klingt — so begann der 
Festredner — wird heute ein Fest gefeiert, das trotz Gezänkes und 
Parteihaders klar erkennen läßt, was mir an unsern. Kaiser haben. 
Wir sind eine durchaus monarchisch gesinnte Nation. Klar schauen 
wir zu unserm Kaiser auf, um seine Taten zu huldigen und zu 
beurteilen. Wenn cS auch heißt: „Die Weltgeschichte ist das Welt 
gericht", so gibt doch unser Kaiser schon jetzt die Möglichkeit zur 
Beurteilung seiner Persönlichkeit und seiner Taten. Der Kaiser, 
der oft impulsiv handelt und offen seine Gedanken ausspricht, 
erscheint uns wie ein offenes Buch. Den Aufschwung, den unser 
herrliches Reich gewonnen hat, ist ein sp ungeheuerer und den 
Anteil, den der Kaiser daran gewonnen hat, ein außerordentlich 
großer. Wir wollen mal prüfen, was alles geworden ist, wollen 
mal überlegen: was danken wir dem Kaiser? Heute vor mehr als 
25Jahrcn hingen drohende Wcttcrivolkcn am Horizont. Tie Tage 
des alten Kaisers waren gezahlt, Kaiser Friedrich, der Sieger von 
Wörth, war ein tolkraukcr Mann und nach seiner langen LeidcnS- 
zcit wurde der Enkel des alten Kaisers auf den Thron berufen. 
Mit 29 Jahren, in einem Alter, wo der Verstand manches Kavalleric- 
vffiziers noch nicht über den Kopf seines Pferdes hinausgeht, wurde er 
berufen, ein Reich zu leiten. Alan wußte noch nicht viel von ihm, 
er mußte sich seine Stellung erst erringen. Damals lag Krieg in 
der Luft, Rußland rüstete, man wußte zwar nicht, für wen cs 
rüstete, aber allgemein galt Deutschland als der Feind. Da ver 
stand eS der Kaiser im Ausland sowohl ivie im weiten Vaterland 
die Befürchtungen zu zerstreuen. Schon am Ansang seiner Re 
gierung hat der Kaiser ans seine Friedensliebe hingewiesen und in 
der ersten Thronrede bei Eröffnung des Reichstages gab er die 
großen Richtlinien seines StrcbenS bekannt. Die beiden Richtlinien, 
die sich in der Regierung des Kaisers als maßgebend gezeigt haben, 
sind 1. den Frieden zu erhalten, 2. eine sozialpolitische 
Gesetzgebung. In längeren Ausführungen ging der Festredner 
nun naher auf die Einzelheiten ein, ivie der Kaiser diese Richtlinien 
verfolgte und zum Segen des deutschen Volkes durchsetzte. Er er 
wähnte zu 1. die Auslandsreisen des Kaisers, wo der erste Besuch 
dem russischen Zaren galt. Ganz zuletzt erst folgten die Besuche 
bei den deutschen Fürsten und bei den Dreibnndfnrstcn. Er er 
wähnte ferner die Beziehungen, die der Kaiser zu England unter 
hielt, um daun näher auf die sozialpolitische Gesetzgebung einzu 
gehen. Redner betonte, wie der Enkel vollführte, was der kaiser 
liche Großvater angekündigt hatte. Früher gab cs nur Adel, Viirgcr- 
und Bauernstand. Als sich dann durch den Aufschwung der In 
dustrie als 4. Stand (im wirtschaftlichen Sinne) der Arbciterstand 
bemerkbar machte, da galt es, diesen Stand für die Not des Alters, 
bei Invalidität und Krankheit zu schützen. Erst nach 100 Jahren 
werden sich die Segnungen dieser Gesetzgebung voll erkennen lassen. 
Zuerst versuchte der Kaiser durch eine internationale Verständigung 
die sozialpolitische Gesetzgebung allgemein zu regeln. Es blieb 
zunächst bei der sozialpolitischen Gesetzgebung in Deutschland 
und erst später sind die anderen Länder in dieser Gesetzgebung 
gefolgt. Redner erwähnte ferner die Gcwcrbegcrichte und die 
Einigungsümtcr, die Novelle zur Gewerbeordnung betr. die Regelung 
der Arbeitszeit, dann die neue Neichsvcrsicherungsordnung, die 
wir jetzt entstehen sehen, die Krankenversicherung der Witwen- und 
Waisenvcrsorgung. Ferner kam er auf die Regelung der Stcner- 
gesctze durch Miguel zu sprechen um darauf überzugehen ans 
die Weltpolitik des Deutschen Reiches, die Erstarkung nach außen 
durch Abschluß von Handelsverträgen und Erwerbung von Kolonien, 
’ Der Wert der Kolonien werde erst später in Erscheinung treten. 
Ten Handel zu schützen, gehörte auch eine starke Flotte. Der Kaiser 
ist der Schöpfer der dcutschcn Flotte und er hat das Wort wahr gemacht: 
Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser. Taniit ist auch das Ansehen des 
einzelnen Tentscke» im Anslande gestiegen, er weiß, daß hinter ihm das 
ganze deutscheReich und die deulscheFlotte steht, das „Civis romancius“ 
gilt auch für den Deutschen im Auslande. Redner betonte die Not- 
wendigkeit der Rüftmigeii, beleuchtete, wie vorteilhaft der Erwerb 
von Helgoland mar und schilderte dann unseres Kaisers glückliches 
Familienleben. Hierbei erinnerte er an die Worte, die der Kaiser 
seiner Tochter mit auf den Weg gab, als er davon sprach, daß für 
andere zu sorgen und andere zu dienen, der Berns des Fürsten ist. 
Das ganze Bolk feiert heute den Tag des RegierungSjubilüums. 
Solche Feste waren immer Anlaß, den Fürsten Geschenke darzu 
bringen. Ter Kaiser hat persönliche Geschenke abgelehnt und ge 
beten, diese Geschenke in wohltätigen Stiftungen zu machen. Es 
steht noch nicht fest, welche Summe gespendet morden sind; cs sind 
sicher ungeheure Summen, die bezeugen werden, wie sehr daS Volk 
den Kaiser verehrt und achtet. Mit fester Hand hat der Kaiser 
die Geschicke des deutschen Volkes geleitet. Wir wollen wünschen, 
daß er sic noch lange zum Segen unseres Vaterlandes leiten möge 
und hoffe», daß das deutsche Kaiserhaus auch in Zukunft blühe, 
wachse und gedeihe! llm dieser Hoffnung Ausdruck zu geben, bat 
er einzustimmen in den Ruf: Sc. Blajestät der deutsche Kaiser, er 
lebe hoch! 
Die Versammlung stimmte in dieses dreifache Hoch ein 
und sang hieran anschließend die Nationalhymne. Darauf 
brachte der „Friedenauer Männer-Gesangverein 1875" die 
Kompositioll unseres Mitbürgers Max Bruch „Vom Rhein" 
zum Vortrag. In schönster Harmonie kam die prächtige 
Komposition in der über eine gute Akkustik verfügen 
den Aula zur Geltung. Aber ivie schon den vorhdr- 
gehenden Vorträgen und auch der inhaltsreichen Festrede 
des Bürgermeisters kein Beifall gespendet wurde, so erging 
es auch diesem reizenden Vortrage des Gesaligsvercins. Die 
Musik spielte hierauf „Deutschland, Deutschland über alles." 
Die Festteilnehmer wußten nicht recht, was sie jetzt tun 
sollten, als bei der letzten Strophe Bürgermeister Watgcr 
durch Aufstehen die Versammlung zum Erheben von den 
Plätzen und zum Mitsingen veranlaßte. Damit war die 
„Kaiserjubiläninsfeier" in Friedenau beendet. — Ueber die 
Ausschmückung der Häuser usw. Hatten wir schon gestern 
berichtet. Die Illumination ivar des Abends recht 
mäßig. Nur zwei Häuser hatten, soweit wir bemerken 
konnten die Illumination vollständig dnrctigefithrt, und 
zwar das Hans Moselstr. 1/2, Ecke Saarstraße, wo auch 
das Schaufenster der Weinhandlnng I. P. Trabach .uachsl. 
(Inhaber: W. Reuter) hübsch dekoriert und illuminiert war. 
und die Villa des Herrn Xaver Kirchhof in der u>eurig- 
straße. Eine , prächtige Illumination hatte dann unsere 
Feuerwehr am Spritzenhause durchgeführt. An den Fenstern 
des Spritzenhauses standen zahlreiche brennende Kerzen und 
vor dem Spritzenhanse brannten zwei riesige Fackeln. 
Auch einige Balköne waren sehr _ nett illuminiert, so 
uirter anderen ein Balkon des Hauses Roennebergstr. 10. 
— Die Feier im Helnrholtz-Realgymnasium fand am 
Montag Vormittag, beginnend um 10 Uhr, statt. Sie 
wurde eröffnet durch den Gesang des Königspsalnr (21) für 
Chor, Solognartctt rmd Männcrchor^ (Smu Fest in Musik 
gesetzt von Fritz Krüger, op. 47). Herr Direktor Thouret 
hielt hiernach die Festrede mit besonderer Betonung der Be 
strebungen, deir sozialen Frieden airznbahnen. Nach dem 
Chorgesang Wobtnn, der Freude Tönen, brachte der Direktor 
das Hoch' auf den Kaiser aus, das begeisterte Aufnahme 
fand, worauf die Versammlung (stehend) die Nationalhymne 
fang. — Einen glänzenden Verlauf nahm die Kaiserfeier iin 
Schöneberger Stadtpark. Ueberaus zahlreiche Lampions 
gaben in den Abendstunden dein Park ein prächtiges Bild. 
Die Spielwiese war durch zahlreiche kleine Flämmchen 
illuminiert. Gegen 10 Uhr wurde ein Feuerwerk abge 
brannt. Unter den Klängen einer Msikkapelle lustwandelte 
eine zahlreiche Menschenmenge auf den schönen Parkwegen. — 
Zn einer patriotischen Feier hatten sich gestern Abend in 
der „Kaisereiche" die Mitglieder des Friedenauer Männer- 
Gesangvereins mit ihren Damen versammelt. Manches gemein 
same Lied wurde gesungen und „Caruso" erfreute in dein 
Vortrag mehrerer Sologesänge durch seinen ausgiebigen 
Heldentenor. Herr Musikdirektor Antoni brachte in warm 
herzigen, begeisternden Worten das „Kaiserhoch" aus. indem 
er den Kaiser als den Förderer des deutschen Münner- 
gesanges pries. Im Anschluß daran wurde das „Deutsche 
Lied" gesungen. In fröhlicher, echt patriotischer Stimmung 
dehnte sich die kleine Feier bis gegen Mitternacht aus. 
o Ernennung. Unser langjähriger Mitbürger, der 
Geheime Kanzlei-Inspektor im Ministerinin für Handel und 
Gewerbe zu Berlin, Herr H. Kletsch, der in diesem Jahre 
25 Jahre in unserem Orte ansässig ist, wurde anläßlich des 
Rcgierungsjubilänms Sr. Majestät zürn Kanzleirat ernannt. 
o Ordensverleihung. Der Rote Adlervrden 2. Klaffe 
mit Eichenlaub ist unserem Mitbürger dem Direktor im 
Reichsvcrsicherungsamt, Herrn Geheimen Oberregierungsrat 
Dr. Sarrazin aus Anlaß des 25 jährigen Regicrungsjubiläuins 
des Kaisers verliehen worden. — Wir bitten unsere Leser, 
weitere Auszeichnungen und Charakterverleihungen Frie- 
denaner Bürger uns zur Veröffentlichung mitzuteilen. 
o Beurlaubt ist Herr Pvlizeikoinmissar Jacobi zu 
einer achtwöchigen militärischen Uebung. Er wird während 
dieser Zeit von Herrn Polizei-Wachtmeister Tag vertreten. 
o Eine dritte Polizeihuudstatiou für den Kreis 
Teltow ist in dem Vororte Berlin-Schmargendorf neben dein 
bereits vorhandenen Polizeihnndstatwnen in Nowawes und 
in Grünan eingerichtet worden. 
o Das .Kaiser-Juüilämnsprograunu des Bioson- 
theaters in der Rheinstr. 14 ist äußerst reichhaltig und 
unterhaltsam. „Wie die Alten sungen" nach dem Werk 
von Antony Mars und Maurice Desvalliärcs, dem die 
Operette die keusche Susanne entnommen worden, ist eine 
ergötzliche Komödie mit Moritz (Prinee) in der Hauptrolle. 
Wer dabei nicht lacht, ist krank. Sklaven des Goldes heißt 
ein spannendes Drama in 3 Akten. Es spielt an der 
Grenze von Mexiko, fernab vom Weltverkehr. Man muß 
die festen Nerven der Ansiedler jener Gegend besitzen, um 
daS fesselnde Ereignis, das dieser Film zeigt, an sich ohne 
Erregung vorübergehen zu lassen. Alles echt amerikanisch. 
Ans dem zoologischen Garten kommen hübsche Natnranf- 
nahinen zur Vorführung. Der einzige Ausweg ist eine 
nette Komödie. Die Wochcnrevue von Pathü fräres bringt 
wieder die neuesten Bilder aus aller Welt und der Film 
Piefke und der Wunderhund ist zum piepen. Die Hans- 
kapelle spielt die neuesten Schlager (Wackelgans usw.). Der 
Theatersaal ist vorzüglich ventiliert, der Aufenthalt daher 
darin sehr behaglich. Anrang 0 Uhr, Sonntag 4 Uhr. 
o Unfall. Der Mitfahrer der Molkerei Schweitzerhvf 
verunglückte beim Abspringen von seinem Wagen, indem er 
sich den rechten Unterschenkel brach. Auf der Sanitätswache 
wurde ihm durch den Arzt vom Rettungsdienst die erste 
Hilfe zu teil. W. wurde dann dem Krankenhause zugeführt. 
o Zwei .Kinder vermisst. In Lichterfetde sind seit 
Sonnabend zwei Kinder auf unerklärliche Weise verschwunden. 
Der eine, Erich Machnüiller, ist 3 l / 2 Jahre alt und wohnt 
in der Hanptstr. 30. Er ist 95 Zentimeter groß, hat turz- 
geschorenes blondes Haar und trug einen roten, wollenen 
Sweater mit langen Aermeln, blaue Sainthose, lange 
schwarze wollene Strümpfe, braune Sandalen und ein 
weißes, ungczeichnetes Lcinenhemd ohne Aerincl. Der zweite 
Knabe, Walter Schurmann, ist 3 Jahre alt und wohnt in 
der Mühlcnstr. 23. Er ist 80 Zentimeter groß, hat hell 
blondes Haar und war bekleidet mit grauem Kittel, blauer 
Hose, gelben Strümpfen, gelben Schnürschuhen mit dunklen 
Kappen und einem ungezeichnetcn weißen Hemd. Als be 
sondere Merkmale sind bei dein letzten Kinde eine Narbe 
auf der Nase und hinkender Gang zu erwähnen. 
— o Die von den nationalen Vereinen Schönebergs 
zum 25jährigen Negierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers 
und Königs veranstaltete Festfeicr im Garten der Schönc- 
berger Echloßbranerei beginnt Mittwoch, den 18. d. M., 
Nachliüttag 5 Uhr mit Konzert der Kapelle des'1. Gardc- 
Jnfanterie-Regiments zu Potsdam. Die Festrede hat Herr- 
Pastor I). Philipps übernommen. Damit die kleine Welt 
bei dieser Feier ebenfalls zu ihrem Recht kommt, sind Kinder- 
sffiele aller Art, wie auch — bei bengalischer Beleuchtung 
des Gartens — ein Kindcrsackelzng im Programm vorge 
sehen. Hoffentlich wird das Wetter dem Feste günstig sein.
        
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