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Periodical volume Nr. 139, 16.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Iniib in Waffen"; auch sie betonte mit Recht bsc Aufrecht 
erhaltung des Friedens durch die bewaffnete Macht. Mit 
Spannung wurde das Festtpiel erwartet, betitelt: „Die ver 
regnete Saalburgfahrt". Im Konvcrsationsziinmer des 
internationalen Kurhauses zu Homburg v. d. H. finden sich 
Damen ans den verschiedenen Bundesstaaten'des Reiches, 
sowie Engländerinnen, Amerikanerinnen, Russinnen und 
Japanerinnen zusammen, um sich zu einer Fahrt nach der 
Saalburg am Jubilänmstage zu vereinigen. Ein heran 
ziehendes Gewitter verzögert zuerst, vereitelt schließlich die 
Fahrt: die Damen finden jedoch reichlich Gelegenheit vom 
Kaiser zu plaudern und seine Persönlichkeit nach den ver 
schiedensten Seiten zu schildern. Eine Elsässerin, die den 
Kaiser nicht huldigen will, schiirzt gewissermaßen den dra 
matischen Knoten und droht die Beteiligten tun ihre Fest- 
stimmung zu bringen, bis schließlich die Hofdame S. M. durch 
ihr Erscheinen die Gesellschaft wieder in die rechte Begeisterung 
versetzt. Das nett gespielte Festspiel fand den ungeteilten 
Beifall der Kinder, die in ihm einen angenehmen Ersatz für 
eine ausführliche Festrede erblickten. Der Chorgesang Tedeum 
laudamns schloß die erhebende Feier. Die Rückwand der 
Bühne schmückte ein zu diesem Festtage gewidmetes großes 
Bild der Saalburg, welches später in der Geschichtsstunde 
passende Verwendung finden soll. 
Die öffentliche Festfeier unserer Gemeinde ist heute 
Abend 0 Uhr in der Aula der Königin-Luise-Schule. Die 
Festrede hält Herr Bürgermeister Walger. 
An dem Huldignngsfestzug, den das märkische 
Handwerk am Diensstag Vormittag unserm Kaiser dar 
bringt beteiligt sich auch die Bäcker-Zwangsinnung Schönc- 
berg-Friedenau. Die Bäckermeister, denen sich die Steg 
litzer Innung anschließen wird, versammeln sich Dienstag 
früh nur VüO Uhr bei dem Obermeister W. Koenig, Schöne 
berg, Barbarossastr. 27, Ecke Heilbronnerstraße. Abmarsch 
mit iRegimentsmusik Punkt 9 Uhr durch die Barbarossa-, 
Speierer-, Martin-Luther-Straße zum Versammlungsort 
„Zelten-Allee." Von dort Abmarsch um 1 / 2 11 Uhr. Ange 
führt wird der ganze Handwerkerzug von einem Herold, 
der von unsern! Mitbürger, Herrn Bäckermeister und 
Konditoreibesitzer Emil'Laurisch, Moselstr. 1/2 dargestellt 
wird. Meister Laurisch, ein ehein. Garde-Kürassier, der 
s. Zt. die Ehre hatte, zu den abkommandierten Mann 
schaften nach der Neuyorker Weltausstellung zu gehörten, ist 
der geeignetste Mann für den Herold. Die erste Gruppe 
bilden die Bäcker von Berlin (die Germania im Fcstwagen 
wird! van Frl. Wciner-Schöneberg dargestellt, im Zuge eine 
Riesenbretzcl von 3 Meter Länge führend) die zweite Gruppe, 
die Bäcker der Vorort-Innungen, angeführt von der Schöne- 
bcrg-Friedenauer, die einen Riesen-Zeppelinballon von 
3>/z Meter Länge mit sich führen. Dieser „Ersatz" Zeppelin 
ist hergestellt in der Bäckerei von Meister Eduard Sterling, 
Schöneberg, Bahnstr. 40, und wird den Kunden und 
Freunden! des Väckerstandes - gern schon am Montag von 
Meister Sterling gezeigt. Am Dienstag früh um 8 Uhr 
wird er dann zu dem Obermeister überführt, um seine Reise 
anzutreten. Ob er wiederkomnit, weiß man nicht, da schon 
andere Zeppeline nach Frankreich verschlagen sind, und was 
dein einen recht ist, ist dem andern billig. \ 
Die größten Kommunalvereine in Schöneberg veran 
stalteten anläßlich des Kaiser-Jubiläums ain Sonnabend 
ini festlich gcschinückten Saale der Schloßbrauerci einen 
Kommers, an dem außer einer großen Zahl von Magistrats 
mitgliedern und Stadtverordneten über tausend Personen 
teilnahmen. Nach Gesangsvorträgen der Schöneberger Lieder 
tafel hielt Oberbürgermeister Dominicus die Festrede. Nach 
der Rede deS Oberbürgermeisters veranstaltete eine Muster 
riege des Schöneberger Männerturnvereins ein Bärrentürnen. 
Geh. RegierungSrat und Stadtrat Harder ließ in einer An 
sprache die Stadt Schöneberg hochleben und Stadtverordneter 
Starke brachte einen Toast auf das freie Bürgertum aus. 
Nach dem Gesang einiger Lieder nahm unter Leitung des 
Stadtverordneten Zobel der Konuners seinen Anfang, der 
bis nach Mitternacht währte. 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ueber die Veschaffnng zweiter Hypotheken mit 
Hilfe der Gemeinden berichtete Dr. Otto Lindecke, General 
sekretär des Rheinischen Vereins für Kleinmohnnngswesen 
auf der Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft und 
Kommunalpolitik, die gestern im Festsaal des Charlotten 
burger Rathauses stattfand. Er untersucht, ob gerade die 
an den Kulichec, der dem Woruvechsel mit sehr verblüffter 
Miene gefolgt war. Wie Jcssie richtig vermutete, ivar die 
Aussage der Fremden, sie habe den Wagen bestellt,. dem 
biederen Rossclenter ebenso neu und noch überraschender, als 
dem jungen Mädchen. 
„Fahren Sie mich nach Albert Mansions 14, Hyde Park," 
sagte sie .so schnell, daß der Mann sie unmöglich verstehen 
kennte. .Die Fremde wandte sich mitein paar zornigen, nur 
gemurmelten Worten ab, um sich einen anderen Wagen zu 
suchen. 
. . „Ich habe Sie nicht verstanden. Miß! — Wohin soll 
ich fahren?" 
,, ■ Dgnn aber kam ihm die Vermutung) daß er cs mit 
einer zu tun habe, die nicht ganz richtig im Kopfe sei. 
Denn sie, die cs soeben angeblich furchtbar eilig gehabt 
hatte, hatte rasch die Tür des Wagens wieder geöffnet und 
war ausgestiegcii. 
„Fahren Sie, wohin cs Ihnen beliebt — jedoch so rasch, 
daß jeder vermuten muß, Sie hätten noch einen Passagier. 
Biegen Eie dann um die nächste Ecke; da mögen Sie 
Meinetwegen stehen bleiben. Hier — da ist eine halbe 
Guinee für den Dienst." 
Der Kutscher grinste, daß sich sein ohnehin nicht kleiner 
Mitnd bis. an die Ohren zu verbreitern schien. Mit einem 
TankesivvA griff er an den Hut, um sein Roß sodann mit 
manchem „Hü!" und „Hott!" ausznmuntcru. Es war gerade 
kein Galopp, den die die Rosiuantc anschlug; trotz der reich 
lichen Pcüschenhi'ebe, die ihr Herr aus ihren knochigen Rücken 
regnen stieß.. Osscnbar,machte st^ guf dHse Weise seiner Freude 
über das leicht verdiente' Geld 'Lust. 
Jcssie kehrte, ohne sich länger aufzuhalten, in den 
Garten zurück. Von der Unbekannten war nichts mehr zu 
erblicken.' 
Gemeinden die geeigneten Träger von Organisationen zur 
Beschaffung zweiter Hypotheken sind und bejaht diese Frage, 
er will auch solche Einrichtungen als dauernde Maßnahmen 
geschaffen wissen. Verschiedene Einzelfragen werden ein 
gehend untersucht und dann festgestellt: Wenn einige 
städtische Anstalten auch bereits in den Jahren 1904 — zum 
Beispiel die besonders erfolgreiche Anstalt in Neuß — bezw. 
1907—1910 begründet worden sind, so sind die meisten 
von ihnen doch erst Bildungen der letzten zwei bis drei 
Jahre. Allzu große und lange praktische Erfahrungen liegen 
somit zwar noch nicht vor, doch lassen die bisherigen 
immerhin doch bereits allgemeinere,. wenn auch noch vor 
sichtig zu ziehende Schlußfolgerungen zu. Es bürste doch 
bereits der Beweis erbracht sein, daß es richtig geleiteten 
und vor allem auch mit der nötigen kaufmännischen 
Elastizität ausgestatteten' städtischen Anstalten ans ihrem 
Sondergebiete an befriedigenden Erfolgen kaum fehlen kann. 
o Unsere Jäger. Jahresjagdscheine haben im Monat 
Mai folgende Friedenauer Jäger gelöst: Baumeister Winker, 
Geh. crped. Sekretär Wedderkops, Dr. jur. Rechtsanwalt 
Kistner, Gutsbesitzer Habermann, Rechtsanwalt Lenz, Fabrik- 
direktor Dr. jur. Müllendorff, Kaufmann Boethelt, Ingenieur 
Sahlfcldt, Kaufmann Schneider, Prokurist Post. 
o Zwei preisgekrönte Künstler in Friedenau. Zur 
Gewinnung von Entwürfen für die künstlerische Ausmalung 
des Plenarsitzungssaales des neuen Königlichen Kammer 
gerichts in Berlin hatte die Preußische Regierung einen 
Wettbewerb für preußische und in Preußen lebende Künstler 
ausgeschrieben. Die als Preisgericht angesetzte Landeskunst 
kommission hat für die besten Entwürfe wie folgt zu 
erkannt: 1. Preis 4000 M., Prof. Albert Maeiinchen, Maler 
und Bildhauer in Wilmersdorf. II. Preis 3000 Mt., 
Meinhardt Jacoby in Gruncwald. III. Preis 2000 M., 
Oskar Popp in Friedenau. IV. Preis 1000 M.. Richard 
Fuhry in Friedenau. Sämtliche eingegangenen Entwürfe 
sind vom 13. bis 21. d. M. einschließlich in der Königlichen 
Akademie der bildenden Künste, Pariser Platz 4, öffentlich 
ausgestellt. 
o Klassenlotterie. Die Frist zur Aufbewahrung der 
Lose 1. Klasse 3. Preuß.-Süddcutsch. (228. Kgl. Prenß. 
Klassenlotterie, für die bisherigen Spieler läuft am Donners 
tag, dem 19. Juni ab; am Montag, dem 16. Juni, sind 
die Lotterieeinnahmen geschlossen. Die Ziehung 1. Klasse 
beginnt am 9. Juli. Es werden 10 000 Gewinne im Be 
trage von 1 084 433 M., darunter 2 Hauptgewinne von je 
50 000 M. gezogen. 
o Ueber die Frage der Verskchcrungspslicht der 
Einrichter, Abnehmer und Expedienten in den Fabrik 
betrieben der Konfektion haben die Acltesten der Kaufmann- 
schaft von Berlin dem Direktorium der Reichsversicherungs 
anstalt für Angestellte ein ausführliches Gutachten erstattet, 
von welchem Interessenten auf Wunsch im Zentralbüro der 
Korporation der Kaufmannschaft in der Börse, Neue 
Fricdrichstr. 511, unentgeltlich Abdrücke abgegeben werden. 
o Ueber „Wässergeld und Wassergelderhebung" 
wurde in der gestrigen Dtzrsammlung des Vereins für 
Kllnununalwirtschask und Kommunalpolitik verhandelt. Den 
Bericht hierüber erstattete Stadtrechtsrat Moericke, Mannheim. 
Er untersucht die verschiedenen Methoden, das Wassergeld 
zu erheben und erörtert weiter die Grundsätze für die Fort 
setzung der Höhe des Wasserpreises. Dabei ist auch er 
wähnt, daß nur eine Großstadt (Halle) bekannt ist, die im 
einzelnen Wassermesser aufstellte. In Halle wird im großen 
und ganzen von der nach den Satzungen möglichen Ver 
wendung sogenannter Zwijchenzähler (d. h. Zähler für die 
einzelnen Wohnungen) nur selten Gebrauch gemacht und 
zwar dann, wenn der Vermieter, ein besonderes Interesse 
an der Feststellung des durch den Vermieter verbrauchten 
Wassers hat. Ucbrigens bleibt für den Gesamtverbrauch 
des Grundstückes der Eigentümer nach wie vor haftbar. 
Bei einem Bestand von etwa 8300 Stück Wassermessern 
Versorgungsgebiet des Stadtbezirks seien an Zwischen- und 
Nebeiizählern nur etwa 400 Stück vorhanden, welche mit 
Miete belegt seien, ivährend der sogenannte Hauptzähler 
mietfrei sei. Die Kosten für Ablesen und Gebührenerhebung 
würden durch diese Zwischenzähler nicht nennenswert beein 
flußt. Also auch in Halle ist die Aufstellung von Wasser- 
messern in Einzelwohnungen nur in geringem Umfang 
durchgeführt. Diese Ergebnisse sind deshalb von Wichtigkeit, 
weil in verschiedenen Städten von den Hausbesitzern bei 
der Stadtverwaltung die Aufstellung von Wasscrmessern bei 
den Mietern angeregt worden ist. Voin sozialpolitischen 
Gesichtspunkte aus erscheinen als Berechnungsarten für das 
An der Fontäne wartete Ronald Hope auf sic. 
„Er ist glücklich fortgebracht," sagte Jessie, seiner Frage 
zuvorkommend, mit einem Anflug leicht verzeihlichen Stolzes. 
„Wie ich es erwartet habe, nmrde ein Versuch gemacht, ihm 
zü folgen. Glücklicherweise ivareu nur zwei Eabsda, und ich 
besetzte das zweite, eine große Eile heuchelnd. Dann ivies 
ich den Kutscher an, so schnell davonzufahren, als säße ich 
noch im Wagen, und kam hierher zurück." 
„Ilnd wie sah der Bursche aus, der Maxgrcgor folgen 
wollte?" 
Es war kein Bursche, sondern eine Frau. Sie schien 
gut gekleidet; von ihrem Gesicht konnte ich nichts erkennen, 
da sie einen sehr dichten, schwarzen Schleier trug. Nur aus 
fallend große und leuchtende Augen schien sie zu haben." 
„Wir wollen hoffen, daß die Täuschung geglückt ist. — 
Aber komm, mein Lieb! Jetzt mußt Du mir erzählen, ivie 
es Dir während unserer Trennung ergangen ist." 
Er ivoltte sie wieder tiefer hinein in den Garteil führen. 
Jcssie aber hielt ihn mir bittender Gebärde zurück. 
„Hahe doch nur Geduld, Ronald! — Es ist jetzt ganz 
unmöglich. Du darfst nicht vergessen, daß ich augenblicklich 
Vera Galloway, nicht Jessie Harconrt bin, und .daß man mich 
drinnen wahrscheinlich schon, vermißt hat. Es könnte geradezu 
verhängnisvolle Folgen für mich haben, wenn man irgend 
wie Argwohn schöpfte, Nein, es bleibt mir nichts anderes 
übrig, als in die Gesellschaft zurückzukehren. Und dann — 
ich bedarf dringend eines Glases Wein und irgend einer 
Erfrischung. Meine Nerven drohen mich nachgerade im 
Stich zu lassen, und ich brauche wahrlich meine ganze Kraft, 
um dem, ivas heute an mich herantritt, nicht zu unterliegen. 
Liebster, Du mußt noch ein wenig Gcdüld haben!" 
Ronald fügte sich schweigend.' Er führte Jcssie in die 
Wnssergcld diejenigen empfehlenswert, die den Wasscrprer^ 
nach der Wohnungsmiete oder dem Einkommen berechnen. 
Auch die Freilassung der untersten Schicht von der Zahlung 
eines Wassergeldes wäre hier als sozialpolitisch vorbildlich 
zu erwähnen. Vom volksgesundheitlichen Standpunkte mis 
ist anzustreben, daß ein gewisser Mindcstverbrauch atich den 
minderbemittelten Bürgern ermöglicht wird. Dies geschieht 
an: besten dadurch, daß eine bestimmte Gebühr zir bezahlen 
ist, einerlei, ob die dafür bewilligte Wassermenge verbraucht 
wird oder nicht. Natürlich kommt hier alles ans die richtige 
Bemessung dieser Mindcstmcnge an. Im übrigen führt 
das Interesse an einem gesundheitlich genügenden Wasser 
verbrauch wiederum zu der Forderung einer möglich,t sozialen 
Ausgestaltung des Tarifs. 
o Aufgehoben wurde das Zivangsversteigernngsver- 
fahren Wilhelmshöher Straße 6, dem Kaufmann Gustav 
Miecker, im selben Hause, gehörig. . . 
o Welches ist die geschickteste und wirk,am,te 
Reklame? Diese Frage beantwortet in folgenden Aus 
führungen die „Deister- und Weserzeitung" ihren Lesern 
ziemlich erschöpfend: Ohne Frage wird in unseren Tagen 
viel Geld und Zeit an Reklame verschwendet, die ihren 
Zweck vollständig verfehlt, denn das eine ist doch sicher: 
Was dein Publikum lästig wird, ihm ganz und gar unge 
legen und störend koimnt, das wird in hohem Grade sein 
Mißfallen erregen und es ganz gewiß nicht anspornen, dem, 
der ihm solches Unbehagen verschafft, nun seinerseits Vorteile 
zuzuwenden. Zn diesen Verirrungen auf dem Gebiete der 
Reklameinduftkie gehören einmal die vielfach schauderhafte, 
sinnlose und angenverderberische Lichtreklame, die in den 
Großstädten gang und gebe ist: diese plötzlich erscheinenden 
und wieder verschwindenden buntfarbigen Anpreisungen von 
Fabrikaten aller Art, von Vergnügungsetablissements usw. 
in greller, unruhig zuckender Lichtschrift, die dem Auge 
Schmerz bereitet und schwerlich dazu verleitet, ihrem Winke 
Folge zu geben, ferner die ebenso sinnlose Bahnreklame, 
bei der dem Reisenden durch immer wiederholte schreiende 
Riesenschriften an den vorübergleitenden Häusern usw., ja 
durch gräuliche Gestalten, die aus Kornfeldern und Wiesen 
riesengroß auftauchen, dieses oder jenes Genußmittel an 
gepriesen wird. Ob sich wohl schon einmal ein Reisender, 
dein durch eine derartige Aufdringlichkeit eine Fahrt in 
lieblicher Gegend gründlich verdorben wurde, durch Ankauf 
und Empfehlung der in solcher Weise angepriesenen 
Fabrikate erkenntlich . gezeigt hat? Schwerlich. Gleich 
wertlos ist die üble unschöne Giebelreklame, der heute 
erfreulicherweise iminer mehr entgegengetreten wird, und vor 
allein sind es auch die in neuerer Zeit mehr und mehr 
überhandnehinenden Versuche, durch Löschblattaufdrucke usw. 
an den Schreibpulten der Post und anderer, dem öffent 
lichen' Verkehr dienenden Anstalten das Publikum überall 
und immer von neuem zur Beachtung der empfohlenen Er 
zeugnisse zwingen zu wollen. Ebenso verfehlen die 
Sammelreklamen an Zigarrenabschneidern und anderen 
Gebrauchsgegenständen, wie man sie häufig in Wirtschaften 
nutzlos herumstehen sieht, ganz und gar ihren Zweck. Hier 
her sind auch zu rechnen die Plakattafeln mit bunten Glas 
plakaten in den schreiendsten Farben, die ivohl in den 
ersten Tagen ihrer Aufstellirng das Auge auf sich lenken, 
die aber dann niemand mehr beachtet. Alle Reklame dieser 
Art muß ebenso wirkungslos verpuffen wie etwa die Vor 
hangreklame in den Varietes usw., der kein Mensch mehr 
Beachtung schenkt. Man kann als Norm für die Zweck 
mäßigkeit und Wirksamkeit einer Reklame die Forderung 
aufstellen, daß sie ungezwungen, wie selbstverständlich ans 
den Beschauer und Leser wirken muß, daß er vor allem die 
Absicht, sein Interesse zu fesseln, nicht in unangenehmer 
Weise empfinden darf. Sobald dies geschieht, sobald man 
durch die Reklaine geärgert und belästigt wird, ist es um 
die beabsichtigte Wirkung geschehen. Das allersichcrste und 
beste Reklameinirtel, das in vollstem Maße seine Absicht, 
die Aufmcrksainkeit des Lesers zu erregen, erfüllt, ohne ihn 
zugleich zil verstimmen, ist und bleibt die Zeitungsanzeige, 
die iminer wiederholte Ankündigung in verbreiteten und 
populären Zeitungen; durch sie kann der Leser nieinals 
imangenehiii berührt werden, da sie ja in dieser Gestalt von 
ihm gesucht und gefordert wird. Die Zeitung, die dem 
Leser zu wenig von dieser natürlichen Reklaine bietet, wird 
ihn sogar enttäuschen. Die für diese Reklaineart aufge 
wendeten Kosten werden sich bei der richtigen Wahl der 
Blätter gut bezahlt mächen, während bei den ineisten 
anderen Reklamearten das Geld häufig genug auf die 
Straße geworfen wird. . ( . 
Salons zurück; die beiden plauderten nun so heiter mit« 
einander, als hätten sie au nichts als Tcnnisspiel, Segeln 
und Reiten zu denken. Von allen Seiten lächelte man 
Jcssie zu; verschiedene Male wurde sie angesprochen, glück 
licherweise ivareu cs stets Worte und Fragen, die sie be- 
antworten konnte, ohne sich zu verraten. 
In einem kleinen Barock-Salon waren Stühle und 
Tische aufgestellt mit Eis und anderen Erfrischungen für 
die erhitzten Gäste. Ronald führte Jessie zu einem Sitz und 
bat sie, einen Augenblick zu warten; er ivürde sofort mit 
ctivas Rotivcin zurückkehren. 
Unglücklicherweise bemerkten zwei junge Mädchen, die 
Arm m Arm umherproinciiicrtcn. noch vor der Zurückkunst 
Ronalds Jessie. Sie kamen sogleich herein und setzten sich 
zu ,hr an den Tisch., v ' ’ 
„Liebste Vera," sagte die eine, „ivas hast Du nur heute 
abend . Ich suchte Dich schon seit beinahe einer halben 
Stunde,'denn ich habe Dich so Wichtiges zu fragen. Sage 
nur, weshalb sind Maxwell und Lancing nicht hier?" 
Maxwell — schon wieder dieser Name! Fürwahr, er 
mimte .ein sehr guter Freund des jungen Mädchens sein, dessen 
Nolle sie spielte. 
„Er sagte mir, daß er dringende, unaufschiebbare Ar- 
beiten zu erledigen habe," erividerle Jcssie; sie ivußte sich nicht 
anders zu Helsen. „Und Lancing — ich weiß nicht, wcs- 
halb Lancing nicht gekonnnen ist." 
Das junge Mädchen tat erstaunt. 
„Aber Du warst doch noch heute niorgen mit ihm zu 
sammen, sagte sie. „Er muß Dir doch irgend etwas gesagt 
haben." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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