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Periodical volume Nr. 136, 12.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Inan sich vergewissert hat, daß die Hähne aller Brenner ge 
schlossen sind. Erst nachdem der Hahn des Gasmessers ge 
öffnet ist, öffne man den Hahn, der Flamme, die man an 
zuzünden beabsichtigt. 3. Man achte darauf, daß die An-- 
schlüsse von Gasschläuchen und diese selbst nicht undicht 
sind. Gasausströmungen und damit verbundene Ver- 
giftuugen und Explosionen sind sehr oft durch undichte 
Schlauchleitungen oder das Abfallen der Schlnuchanschlüsse 
von der festen Leitung cutstanden. 4. Bemerkt man, daß 
ein Raum mit Gas angefüllt ist, soll man zuerst etwaiges 
Licht oder Feuer entfernen, dann erst den Raum durch 
Oesinen der Fenster oder Türen lüften; denn das aus 
strömende Gas ist leichter als die Lnst und sammmelt sich 
an der Decke des Raunies. Ist an der Decke des Raumes 
feine Flamme, so kann es nicht entzündet werden. Wird 
aber beim Entstehen von Zugluft das Gas mit der Luft 
vermischt, so bildet es das explosive Gemisch, das sich über 
den ganzen Raum verbreitet und an einer weit entfernten 
Flaiiiine entzünden kann. Die Wirkung der Explosion eines 
solchen Gasgemisches ist außerordentlich verheerend. Ebenso 
verfahre man beiin Ableuchten undichter Gasleitungen mit 
großer Vorsicht. 6. Werden Personen in einem mit Gas 
angefüllten Raum beivußtlos angetroffen, so verfahre man 
wie unter 4 angegeben, ziehe die Personen dann in einen 
Raum, in dem sich gute Luft befindet, inan öffne ihnen die 
Kleider über der Brust und benachrichtige schleunigst die 
Unfallstationen. 
o Firmeneintragnng. Unter Nr. 12 157: Friede- 
nauer Liegenschafts-Nutzungs-Aktiengesellschaft mit dein Sitze 
zu Berlin (Bezirk des Amtsgerichts Berlin-Mitte). Gegen 
stand des Unternehmens: Erwerb und Verwertung von in 
Berlin-Friedenau belegenen Grundstücken jeder Art. 
Grundkapital: 15 000 M. Aktiengesellschaft. Der Geschäfts- 
Vertrag ist am 31. März 1013 festgestellt. Zum Vorstand 
ist allein ernannt der Diplom-Ingenieur Georg Krabl zu 
Berlin. Das Grundkapital zerfällt in 15 Stück je auf den 
Inhaber und über 1000 M. lautende Aktien, die zum 
Nennbeträge ausgegeben werden. Der Vorstand besteht aus 
einer einzelnen Person. Seine Wahl erfolgt diirch den 
Aufsichtsrat. Den ersten haben die Gründer bestellt. Die 
Gründer der Gesellschaft, die sämtliche Aktien übernommen 
habe», sind: 1. Frl. Käthe Döbel in Berlin-Friedenau, 
3. Kaufmann Julius Kolbe in Charlvttenburg, 3. Bau 
führer Willy Nagora in Berlin, 4. Techniker Erich Gott 
schalk in Berlin, 5. Frau Lndwika Krabl, geb. Droszio, in 
Berlin-Lichterfelde. Den ersten Aufsichtsrat bilden: 1. Villcn- 
bcsitzcr Gustav Krahl in Berlin-Lichterfelde, 3. Frl. Helene 
Mönnich in Berlin-Lichterfelde, 3. Frau Fanny Krahl, geb. 
Schmechten, in Berlin, Gustav Krahl als Vorsitzender. 
o Falsche Zwanzigmarkscheine. Das Rcichsbank- 
dircktorinm hat für die Ermittelung von Fälschern von 
Reichsbanknotcn eine Belohnung von 3000 M. ausgesetzt. 
Seit kurzem, so lautet die Ausschreibung, sind Fälschungen 
von Reichsbanknotcn zu 30 M. vorgekommen. Diese tragen 
das Datum vom 21. April 1910, die Nummer L 3 192 230 
und den Kontrollbuchstaben L. Die Noten machen im 
ganzen einen etwas' verschwommenen Eindruck. Das 
Datum, das Wort Rcichsbankdirektorium und die Unter 
schriften unter diesem sind dicker ausgefallen, als sie bei den 
echten Noten sind. Die Strafandrohung ist auf beiden 
Seiten der Fälschung schlecht aufgedruckt, zum Teil unlesbar. 
Die Ziffern der auf der Fälschung befindlichen Nummern 
sind größer als auf den echten Noten. Da diese ge 
riefelt sind, die Fälschungen aber nicht, fühlen sich die 
ersteren, namentlich wenn sie neu sind, hart und rauh, die 
Fälschungen dagegen weich an. Diese Fälschungen bilden 
uach dem Gesamteindruck, den sie machen, für das Publikum 
eine große Gefahr. Um so mehr hat ein jeder ein eigenes 
Interesse daran, daß die Fälscher und ihre Helfershelfer cr- 
yiittelt und unschädlich gemacht werden. Das kann aber nur 
geschehen, wenn gerade das Publikum die Zwanzigmark 
scheine sich jetzt besonders genau ansieht. Wahrscheinlich 
laufen sie schon in größerer Anzahl um, und einige sind an 
verschiedenen Stellen auch schon angehalten worden. Die 
Nachforschungen nach den Vertrcibcrn und Verfertigern sind 
aber bisher erfolglos geblieben. 
o Für Mitglieder des hiesigen Parvchialvercins 
sind, wie wir hören, Eintrittskarten zur Feier des 25jährigcn 
Regierungsjubiläums des Kaisers tu der Aula der Königin- 
Luise-Schule am 16. Juni, Nachm. 0 Uhr, in der Bnch- 
und Papierhandlung von Kossakowski, Schmargendorfer 
Straße 35, hinterlegt und können, soweit der beschränkte 
kaun uns liier nicht belauschen. Bringen Tie etwas Neues 
vom König?" 
Ter mit Jgon Angeredete hatte unverkennbare Aehnlichkcit 
mit König Erna, nur daß sein Gesicht nicht verlebt und ver 
wüstet, sondern jugendlich frisch aussah. Er machte seines 
glattrasierten Kinns und seines lebhaften Miencnfpicls ivegcn 
den Eindruck eines Schauspielers; und Jcssie erinnerte sich 
auch dunkel, seinen Namen einmal auf dem Theaterzettel ge 
lesen zu haben. 
„Neues wohl, aber wenig Erfreuliches! — Wir haben 
den König ans den Augen verloren." 
Mazarosfs lächelndes OK sicht wurde mit einem Schlage 
finster, und seine Brauen zogen sich drohend zusammen. 
„Ans-den Augen verloren? — Das kann und darf nicht 
wahr sein. Heute um vier Uhr sah ich selbst den König 
in einem Zustand hoffnungsloser Betrunkenheit. Ich selbst 
lockte ihn ja ans seinem Hotel nach jenem Ort, unter der 
Vorspiegelung, daß er Gelegenheit finden ivürde, ein Spiel 
Uiit exquisiten Lcnicn zu machen. Vier von den Unsern be 
wachten ihn, und Sie wollen mir erzähle», daß sie ihn hätten 
entwischen lassen?" 
„Ja — es ist so, wie ich sage!" erwiderte der andere. 
„Als der König so weit ivar, daß er sich nicht mehr aufrecht 
Zu halten vermochte, brachten wir ihii ins Bett. Es wäre 
alles gut gegangen, wenn nicht noch vor Einbruch der 
Dunkelheit ein Polizei-Aufgebot die Wohnung durchsucht 
hätte —" 
„Ein Polizei-Aufgebot? — Aber mit welchem Recht? 
Es ist ein Privathaus, und es ist nichts- dort geschehen, das 
der Polizei einen Vorwand zu irgend ivelchen Maßnahmen 
geben könnte." 
„Tie Londoner Polizei ist nicht wir die ariderer euro 
päischer Großstädte, mein Prinz-!- -----Sicherlch sind sie von 
Vorrat reicht, gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte abgeholt 
werden. 
o Der Deutsche Flottenverein, Hauptausschutz für 
Berlin-Brandenburg, veranstaltet votst 26. Juni 2. Juni 
für die Mitglieder des Deutschen Flottenvereins eine 
Sonderfahrt zur Kieler Woche. Der Verlauf des großen 
Sportfestes wird in diesem Jahre besonders glanzvoll sein: 
die gesamte Flotte wird sich in den Kielern Gewässern ver 
sammeln, sodaß ein Schauspiel von seltener Pracht sich 
bieten wird. Anmeldungen von Heilnehmem werden bald 
möglichst an den Hauptausschuß Berlin W. 35, Schöne 
berger Ufer 30 erbeten. 
o Ein Geldpreiskegeln findet im Lauterplatz-Kasino 
(Inhaber: Hermann Brehmer), Hauptstraße 80 (am Lautcr- 
platz) an folgenden Tagen statt: Sonnabend, den 14., 
Sonntag, den 15., Mittwoch, dm 18., Sonnabend, den 21., 
Sonntag, den 22., Mittwoch, den 25., Sonnabend, den 
28., Sonntag, den 29. Juni und Mittwoch, dm 2. Juli 
1913. Auf den 4 Spellmami-Bahnen kommen an ge- 
nannten Tagen Preise im Gesamtwerte von 2000 M. zum 
Wettbewerb. Tagespreise für die besten Würfe auf Bahn I 
20 M.; den übrigen Bahnen je 10 M, Stundcnpreise, 
Sonntags von 3—5 Uhr und 5 — 7 Uhr auf Bahn I je 
10 M., und Bahn II je 5 M. Gekegelt wird: Mittwochs 
und Sonnabends von 6 Uhr Nachm, bis 12 Uhr Nachts 
und Sonntags von 3 Uhr Nachm, bis 12 Uhr Nachts. 
o Auf der Treptow - Sternwarte finden folgende 
kinematographische Vorführungen mit erläuternden Vor 
trägen statt: Am Sonnabend, dem 14. Juni, Abends 7 Uhr 
„Interessante Bilder auS Italien", 9 Uhr „Scott's Reise 
zum Südpol und ein Blick ins Weltall". Am Sonntag, 
dem 15. Juni, Nachm. 5 Uhr „Interessante Bilder aus 
Italien", Abends 7 Uhr „Natur und Leben in nord 
deutschen Gauen". Am Montag, dein 16. Juni, spricht 
Direktor Dr. F. S. Archenhold Abends 7 Uhr über „Das 
Aufsuchen der Sternbilder" mit praktischen Uebungen auf 
der Plattform der Treptow-Sternmarte und Abends 9 Uhr 
über „Die Entstehung des kinematographische» Bildes", mit 
zahlreichen Lichtbildern. Mit dem großen Fernrohr wird 
von Abends 9 Uhr bis Mitternacht der Mond beobachtet. 
o Ein Automobil der Kraftfahrzeug - Abteilung 
verunglückt. Gestern Morgen durchfuhr ein mit zivei 
Offizieren und zwei Soldaten besetztes Automobil der Kraft- 
fahrzeug-Abteilung von Potsdain kommend die Schloßstraße. 
Kurz hinter der Florastraße mußte der Kraftwagen einem 
entgegenkommenden Milchwagen, dessen Kutscher geschlafen 
haben soll, ausweichen. Der Führer verlor dabei die 
Gewalt 'über sein Fahrzeug, und dieses prallte gegen einen 
Baum. Ein Mann wurde schwer am Kopfe verletzt und 
mußte ins Lazarett geschafft werden. Der führende Offizier 
erlitt Verletzungen an der rechten Hand. Das beschädigte 
Auto ivurde auf einem Transportivagen fortgeschafft. 
Veremst2aebrid)1en 
Am Freitag tagen: 
Nalioiial-Stenographen-BereinBerlm-Schöneberg, Hauptstr.107, 
im Alten Bürger-Casino, Abends 8'/, Uhr. Nach den Schrcib- 
übungen geselliges Beisammensein. Gaste willkommen. 
PatentTcbaa 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin HO. 18, Große 
Frankfurtcrstr. 59. Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Leon Gardwcilcr, Berlin - Friedenau, Jsoldestr. 3: Ein 
richtung zum Reinigen von Filtern mittels rotierendem Rührwerk. 
(Angcm. Pat.) 
Edmund Altenkirch, Fredersdorf a. Ostbahn, und Bernhard 
Tcnckjoff, Berlin-Friedenau, Lauterstr. 12-13: Absorptionskältc- 
,naschine zur kontinuierlichen Erzeugung von Külte und Wärnic 
oder auch von Arbeit. (Angcm. Pat.) 
Eugen Folkmar, Berlin-Friedenau, Mainanerstr. 0: Führungs- 
körpcr für Traguadeln, Nägel o. dgl. zum schrägen Einschlagen der 
Nägel in die Wand. (Angern. Pat.) 
-Optische Anstalt C. P.-Goerz, A.-G., Berlin-Friedenau:Membran 
für Schalldosen. (Angeni. Pat.) 
Ernst Rolleiihaqcn. Berlin-Friedenau, Stubcnrauchstr. 53: Vor 
richtung an selbsttätigen Abfüllwagen zur Erzielung eines stets 
gleichen vvns der Größe der abzuwiegenden Füllmenge unabhängigen 
Nachstromes. (Angern. Pat.) - 
Emil Vogel, Berlin-Friedenau, Laubachcrstr. 19: Gaslichtfern- 
schaltcr. (GM.) 
Anna Sinroir, geb.Heymann, Berlin-Friedenau, Südwestkorso 64: 
Arbcitsbcutcl. (GM.) 
Julirrs Nuppel, Berlin-Friedenau, Stubenranchstr. 4: Spül 
tisch mit eingesetzter, herausrrchmbarcr Wanne. (GM.) 
Artur Skibbe, Berlin-Friedenau, Stnbenrauchstr. 49: Rädchen- 
Tischscncrzeug. (GM.) 
irgend jemandem angestiilct worden. Paal Margregor ist 
ein Teufel, dcr alles herausfindet. — Also die Polizei sperrte 
die Türen, wies sämtliche Personen a», aus dem Platze zu 
bleibe», ivo sie sich gerade befanden, alles unter dem Bor- 
ivarid, daß sich ein lange gesuchter Verbrecher hier verborgen 
haben solle. Schließlich kam dcr Leutnant von der Sache 
zurück, entschuldigte sich rmd verschwand. Mit ihm war aber 
auch König Erna fort — und niemand wusste, mit wem 
er gegangen, wer ihn fortgebracht und wohin er ge 
kommen ivar." 
Ter Russe murmelte ingrimmig etwas, das wohl ein 
Fluch gewesen war. Jgon erbleichte. 
„Sie können uns' keinen Vorwurf machen, Prinz! — 
Wir haben beinahe mehr getan, als wir in unserem eigenen 
Interesse wagen durften. Nicht uns trifft die Schuld an 
diesem Ereignisse. Man hätte andere Vorbeveitnugen treffen, 
hätte an derartige Eventrialitätcn denken inüssen " 
„Ersparen Sie sich Ihre guten Ratschläge!" unterbrach 
ihn Mazaroff barsch. „Drei Wochen lang habe ich auf 
diesen Plan hingearbeitet, habe meine Nerven aufgerieben 
darum und ein Vermögen daran gewendet — und Sie 
kommen und sagen: man hätte dies und man' hätte das tun 
müssen. 9i tv, dcr ich ivar, als ich mich aiff Sie verließ." 
Der Schauspieler schien beleidigt. 
„Ich wiederhole noch einmal, daß wir alles getan haben, 
tvas sich unter den obwaltenden Umständen machen ließ," er 
klärte er. „Es steht Ihnen frei, Uns die Schuld aufzubürden, 
und ich werde Ihnen selbstverständlich von dem Augenblick 
an nicht mehr lästig fallen, da Sie meiner Dienste nicht mehr 
bedürfen " 
Mazaroff machte eine ungeduldige Bewegung. 
„Das ist alles unnützes Geschwätz! — Ucherlegen Sie 
sich statt Leisen gefälligst - lieber, -was rv.ir zu rillt haben. 
Bernhard Stein, Berlin-Friedenau, Hähnelstr. 14: Verstell 
vorrichtung an Achscnreglern. (GM) 
Carl Mclin, Cöln, Merlostr. 19, und Reinrich Raum, Bcrlm- 
Friedenan, Deidesheimerstr. 26: Türsicherung bestehend aus zwei 
verstellbaren Keilen mit verschiedenen Winkelzwischenstiicken. (GM.) 
Scktzyeherg 
—o Ueber das Vermögen des Kaufmanns Richard 
Jänckncr, Inhabers der Firma A. F. Richard Jänckner, 
Martin-Lulherstr. 3. ist das Konkursverfahren eröffnet. Der 
Konkursverwalter August Belker in Berlin W. 30, Haber- 
landstr. 30, ist zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs 
forderungen sind bis zum 8. Juli 1913 bei dem Gericht 
anzumelden. 
Berlin titid Vororte 
v Charlvttenburg. Die Stadtverordnetenversamlung 
hat in ihrer gestrigen Sitzung, nachdem sie das Gehalt des 
Oberbürgermeisters auf 27 000 M. festgesetzt hat. den Ober 
bürgermeister Dr. Scholz-Kassel, mit 40 Stimmen von 67 
(21 erhielt Dr. Maier, 6 Zettel waren weiß) zum ersten 
Bürgermeister von Charlottenburg gewählt. 
Gerichtliches 
P. Unterirdische Diebeshöhlen entdeckst: die Schöneberger Polizei 
in dcr Nähe des Bahnhofs „Rüdesheimer Platz" der Wilmers- 
dorfcr Untergrundbahn. Es rvurden dort 3 berüchtigte Einbrecher 
festgenommen, die sich hier mit ungefähr 12 anderen in dcr Aus 
schachtungsgrube der Untergrundbahn häuslich, eingerichtet halten 
und von hier aus ihre Raubziige in die Umgebung (Steglitz, 
Friedenau rrsiv.) unternahmen. Es ivurde ermittelt, daß sie u. a. 
in der Mommsenstraße bei einem Schlossernreister einen Einbruch 
verübt hatten, bei ivelchem sie Werkzeug, Pireumatiks usw. ent 
wendeten. Von dieserr Höhlenbewohnern rvurden der 3. Stras- 
kammer vorgeführt dcr Arbeiter Gustav Meister, der Hausdiener 
Willy Schwanitz und der Arbeiter Franz Behrend. Die den An 
geklagten zur Last gclcgterl Straftaten wurden durch die Ver 
handlung bcrviesen. Das Urteil lautete unter Anrechnung von 
6 Monaten Untersilchungshaft für Meister auf 9 Monate, Schrvanitz 
auf 1 Jahr, 1 Woche und Behrend auf 3 Monate Gefängnis. Die 
Strafe des letzteren wurde durch die Untersuchungshaft als verbüßt 
erachtet. 
(:) 'Wegen eines starken Falls gewinnsüchtiger Bauspekulation 
mußte sich vor kurzem vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II 
der Klempnermeister Earl Liste aus Schöneberg verantworten. Er 
war beschuldigt in gröbster Weise gegen die Bestimmungen der 
88 5 u. 0 des Gesetzes zur Sicheriing der BausürderiiNgcn ver 
stoßen zu haben. Ter Angeklagte baute in den-Jahren 1910/11 
die Häuser Bcnnigsenstr. 10 und 9 in Schönebcrg, für die er von 
dcr Firma Kassirer Söhne als Barrgeld 99 000 M. und 109 000 M. 
erhielt. Am 1. September 1010 wurde das Haus Nr. 10 bewohn 
bar, und L. verlauste es im Februar 1911 mit einem baren Ge- 
.rvinn von 10 000 M., während das Hans Nr. 9 zu jener Zeit noch 
in, Bau begriffen ivar. Der Angeklagte geriet später in Zahlungs 
schwierigkeiten und sah sich Ende 1911 genötigt, seine Zahlungen 
einzustellen. Es wurde das Zwangsversteigerungsverfahren ein 
geleitet, der Tischlermeister Sponar und der Maurermeister Quindt 
in Steglitz, die etwa 30 000' M. zu fordern hatten, führten den 
Ban weiter fort, es ivurde ihnen auch das Nießbrauchsrecht einge 
räumt ; als sie jedoch sich aus diesein bezahlt machen wollten, stellte 
cs sich heraus, daß die Mieten bereits von anderer Seite gepfändet 
waren, und die beiden Handwerksmeister erhielten daher keinen 
Pfennig. Bei Revision des Bau buch es ergab sich nun, daß das 
selbe nach jeder Richtung hi» unordentlich geführt worden war, so 
daß ein Ileberbtick darüber, ivo das Baugeld geblieben mar, nicht 
gewonnen ivcrden konnte. Ta L. von der Buchführung nichts vcr» 
itnnd, ließ er das Baubuch durch seinen Portier, einen Schuh 
macher, führen, der naturgemäß von einer ordnungsmäßigen Buch 
führung keine Ahnung hatte. So fehlte in dem Baubuch eine An 
gabe über die Bausumme, ebenso über die an die Lieferanten und 
Handwerker gezahlten Betrüge. Beträge von 900, 750 und 200 M. 
waren doppelt gebucht, vielfach waren auch die zumeist cinge- 
trageiiencn Posten, um die Höhc; des .erhaltenen BaugeldcS nach 
weisen zu können, beliebig erhöht worden, so rvaren z. B. 1000 M., 
die an die Mörtelwerke gezahlt wurden, in 2000, 6,80 M. in 
86,80 M. uingeäirdert worden usw. , Während L. die Handwerker 
nicht bezahlte, hatte er die von ihirt.selbst ausgeführten Klempner- 
arbeiten mit 1600 M. in Ansatz. gebracht and für seine sonstigen 
Bemühungen noch 1006 M. der» Baugelde entnommen, auch die 
Gerichts- und Nvtariatskostcn daraus bestritten. — Vor Gericht 
t]nb der Angeklagte zu, daß die Buchführung keine ordnungsmäßige 
gewesen sei, behauptet aber, er habe das gesamte Baugcld auch 
firr den Bau verwendet, cs aber mehrfach vergessen, geleistete 
Zahlungen zu buchen und aus diesem Grunde die gerügten Aende 
rungen i»i Baubuch vorgenommen. Der,Gerichtshof erachtete nach 
dem Ergebnis der Bcivcisaufnahiiic, die den oben geschilderten 
Sachverhalt bestätigte, den L. im Sinne der Anklage für überführt 
und erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts auf 3 Monate 
Gefängnis. 
Vermischtes 
*o Im Bezirksverein Frankfurt des Verbandes Deutscher 
-upluiiiiu 3 citicurc hielt Patentanwalt Tipl.-Jng. Tr. Lang-Bcrlin 
Wir kämpfen hier - gegen' geschickte JAnde/dke mit ihren 
Raffen rvvhl umzugehen verstehen, und cs rvird einen großen 
Uii|»niiib von List erfordern, sic zu besiegen. — Ah, da ist 
.Ncrehaven; ich muß hinaus, tun in ihm kein Mißtrauen 
wachzurufen. Folger, Sic niir rinaussällig nach, es ist nicht 
gerade nötig, dag man bemerkt, rvir hätten eine Unterredung 
nttlernander gehabt." 
.. -® 1 ’ st«»3 sthuelt hinauf. Igo» blieb noch eine Weile zurück, 
die. Geinälde an den Wänden betrachtend, che auch er zu 
^je])teS großer Erleichterung den Raum verließ, 
er- — stö Mädchen durchschritt alle Salons, um der 
Königin -'.'iiiiciliing zu inackprn von dem, was sic soeben 
durch erneu glücklichen Zufall in Erfahrung gebracht. Sie 
beincrlte Mazaroff im Gespräch mit mehreren jungen Diplo- 
riin.en, ein liebenswürdiges Lächeln ans dem Gesicht und mit 
sw - Mwne von der Well. Es war ja seine 
Absicht, die Welt glauben zu machen, er sei nur seines Ver 
gnügens wegen hier, und alle Politik sei ihm zuwider. 
Auch den Schauspieler Jgon -nähr»- sie wahr; er dckla- 
*■!£+ E s. CI -- U ^ CU v ""siheineird sehr hochgestellten Damen ein Ge 
dicht, dessen Inhalt avoht sehr rvitzig sein mußte, denn Jessie 
vcruaym lautes, sröhliches Lachvn. . Einen 'itiic. ■ Vorteilhastey 
Anstrich sich doch ötc|e_ Menschen zu geben wußten, - cinerr 
wie angenehm harrirloscn Eiud nck sie machten, während 
ihre Gedanken alles andere eher denn harmlos waren. 
^ IC Königin war nickst Zn finden, sie inußte die Gesellschaft 
verlassen haben. Im Mnsitzinimer ergötzte ein bekannter Kla- 
vlcrvrrluose ^ady Mcrehavcns Gäste mit seiner Kämst, Jessie 
vernahm deutlich die Klänge des wundervollen Flügels. Aber 
sic trug reue Verlangen nndy dev» Musik ein Platz, ba 
l‘ e 9M wenn auch nur für.Minuten, ausruhen konnte von 
den Arnrcgnngcrr der letzten Mausen, iväre ihr willkommener 
geivcsen denn ixder,gute, e Gip.um (Fortsetzung felgt.)
        
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