Path:
Periodical volume Nr. 135, 11.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

v Saison- und Jltstentur-Ausberkäufe. Die vom 
Regierungspräsidenten erlassenen, auch für Fric.denan 
zuständigen Bestimmungen für die Saison- ilnd Inventur- 
Ausverkäufe kommen jetzt zum ersten Mal für die Sommer- 
Saison-Ausverkäufe in Anwendung. Diese Ausverkäufe 
dürfen nur in der Zeit vom 15. Juni bis 1. August ein 
schließlich veranstaltet werden. Die Dauer dieser Aus 
verkäufe ist auf drei Wochen festgesetzt. Innerhalb der an 
gegebenen Grenzen steht die Festsetzung des Beginnes des 
Ausverkaufs dem Veranstalter frei. Zuividerhandlungen 
gegen diese Anordnung werden mit Geldstrafe bis zu 150 
Mark oder mit Haft bestraft. Es ist zu beachten, daß die 
Saison-Ausverkäufe in der Ankündigung „als solche" be 
zeichnet werden müssen, wenn auch nicht gerade das Wort 
„Saison-Ausverkauf" gewählt zu werden braucht. Es 
kommt vor allem darauf an, daß das Publikum aus der 
Ankündigung sieht, daß cs sich um einen Saison-Ausverkauf 
handelt. Hiernach winden Ausdrücke wie „Sommer-Verkauf", 
„Saison-Räumungs-Verkauf", „Verkauf von Saisonartikeln", 
„wegen vorgerückter Saison" usw. den gesetzlichen Er 
fordernissen entsprechen. Vor dem 15. Juni aber dürfen 
solche Ausdrücke in Anzeigen nicht gebracht werden. 
o Ortsstatuten aus Grund des preußischen Weg- 
reinigungsgesetzes. Das neue Wegreinigungsgesetz vom 
1. Juli 1012 legt die polizeimäßige Reinigung der öffent 
lichen Wege an sich den Gemeinden auf. Es werden jedoch 
die alten Observanzen, nach denen die Anlieger verpflichtet 
sind, aufrecht erhalten. Die Gemeinde kann aber durch orts 
statutarische Regelung einerseits den Anliegern die Reinigungs 
pflicht auferlegen, andererseits die einem andern obliegende 
Verpflichtung ganz oder teilweise übernehmen. Die bereits 
früher erlassenen Ortsstatute werden aufrecht erhalten, soweit 
sie den Vorschriften des Gesetzes entsprechen oder ihnen bis 
zum Inkrafttreten (1. April 10111) angepaßt sind. Orts- 
statutcn, die auf Grund des iVuen preußischen Wege 
reinigungsgesetzes erlassen sind, sind bei der Zentralstelle 
des deutschen Städtetages von folgenden Städten einge 
gangen: Celle (Uebernahme der Fahrdammreinigung durch 
die Stadt, Bürgersteigreinigung den anliegenden Eigen 
tümern auferlegt), Peine (desgl.), Flensburg (Uebernahme 
der Reinigung durch die Stadt, Bürgersteigreinigung von 
Schnee und Eis nebst Streupflicht den Anliegern auferlegt), 
Äl.-Gladbach (2 Statuten; in einem Auferlegung der 
Reinigungspflicht an die Eingentümer; im zweiten Ueber 
nahme der Reinigung durch die Stadt in bestimmten durch 
Stadtverordnetenbeschluß zu bestimmenden Straßen mit 
Ausnahme der Schneebescitigung und Streupflicht auf den 
Bürgersteigen), Saarbrücken (Uebernahme der Fahrdamm 
reinigung durch die Stadt mit Beiträgen nach § 9 
Kümmunalabgnbcngesetz), Hildeshcim (Auferlegung der 
Reinigung an die Eigentümer mit Vorbehalt des Rechtes 
der Uebernahme in einzelnen Straßen durch die Stadt gegeu 
Gebühr); nur Bürgersteige betreffend: Frankfurt a. M. und 
Hagen (Verpflichtung der Anlieger). — Ferner liegen noch 
nicht genehmigte Statuten vor von Magdeburg (Auferlegung 
der.^Straßenreinignng auf die Anlieger mit Ausnahme be 
stimmter Straßen, in denen die Stadt'reinigt), Altona (Auf 
erlegung der Schneebescitigung und Streupflicht auf den 
Bürgersteigen an die Anlieger), Allenstein (Uebernahme der 
Reinigung durch die Stadt, anliegenden Eigentümern nur 
die Streupflicht und in Notfällen Schneebeseitigung auf den 
Bürgersteigen auferlegt). Elberfeld hat sein Statut durch 
einen besonderen Nachtrag angepaßt, in dem es auf die ge 
schlossene Ortslage beschränkt wird. 
o Geschlossen. Die Geschäftsbüros sowie die Bibliothek 
und die Lesehalle der Korporation der Kaufmannschaft von 
Berlin bleiben Montag; den 16. Juni d. I., als dem Tage 
des Regierungsjubiläums S. M. des Kaisers, geschlossen. 
o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das Becker- 
Straße 13/14, Ecke Knaus Straße 1 und Körner Str. 48, 
belegcnc auf den Namen des Dr. med. Carl Günther zu 
Berlin-Friedenau,' Kaiser-Allee 64/65, eingetragene 
Grundstück am 10. August 1913, Vormittags 114/z Uhr ver 
steigert werden. Das Grundstück ist mit einem jährlichen 
Nutznngswert von 18 000 M. und einer jährlichen Gebäude- 
steuer von 720 Ai. eingetragen. 
o Zwangsvcrstcigernngscrgebnis. Ringstraße 16 in 
Gemarkung Berlin-Friedenau, niemand gehörig. Fläche 
4,80 Ar. Nutznngswert 5800 M. Mit dem Gebot von 
28 000 Dt. bar und Uebernahme von 72 000 M. 
Hypotheken blieb die verwitwete Frau Gertrud Stöckel geb. 
Landsberg in Berlin - Friedenau, Fregestraßc 26, Meist 
bietende. 
leidenschaftlichen Worte aus seiner Brust gekommen, lind 
d:e Königin erzitterte. 
„Ich darf Sie nicht hören, Patch" erwiderte sie ver 
zweifelt. „Der Himmel allein weis;, wie ich Sie liebe. 
Aber Erna darf nicht sterben; in dem Augenblick, da er tot 
ist, ivird Rußland irgend ein Papier zum Vorschein bringen, 
das angeblich von ihin unterschrieben ivnrde und auf dem er 
zugibt, fein Land für Geld verlauft zu haben. Europa wird 
leinen Einspruch erheben, und in Astoricn gibt cs im Augen 
blick eine Revolution gegen uns. Dann ivird Rußland seine 
Truppen schicken, die Paffe besetzen, die Städte einnehmen 
riuter dem Vorwand, denr Frieden aufrecht erhalten zu 
müssen. Vielleicht setzen sie dann, um Europa zu täuschen, 
einen Schcin-sticgenicn ein; in Wirklichkeit aber wird Astorieu 
nichts weiter sein als eine russische . Provinz. Meine — 
unsere Pflicht ist cS, Paul, das zu verhindern! Eruo darf 
nicht sterben. 
Maxgregor richtete sich zu seiner ganzen, stattlichen 
Höhe auf. Sein Gesicht war totenblaß, aber von steinerner 
Ruhe. 
„Ich danke Ihnen, Margarete," sagte er. „Es iväre 
das erne Mal gewesen, daß ein Maxgrcgor seine Pflicht ver- 
uachlüssigk hätte. Margarete, in dem Augenblick, da Eruo 
stirbt, ivill ich Sie aus den Thron heben, will ich meine 
Soldaten begeistern für ihre Königin, will ich Astoricn 
schützen vor dem Ucbermnt des ruistschcn Bären. Ich erkenne 
aber meine Pflicht, alles aufzubieten, bcu König am Leben 
zu erhalten. Und ich ivcrde meiner Pflicht gehorchen." 
Er nahm ein Päckchen ans seiner Tasche, dem er zwei 
kleine, sorgfältig verschlossene Phiolen entnahm. ■ 
„Ich erhielt dies von Doktor Salerno." sagte er. „Die 
o Vögel in .Käfigen sollten auf keinen Fall so ge 
hängt oder gestellt werden, daß sie der vollen Glut der 
prallen Sonne ausgesetzt siitd. Trotzdem sich das eigentlich 
von selbst versteht, muß man immer wieder beobachten, daß 
Käsige an die Außenwand der Häuser gehängt werden. 
Vielleicht meinen die betreffenden Liebhaber, den Tierchen 
etwas Besonderes zu bieten, aber was sie ihnen bieten, ist 
leider nur Qual! Man bedenke nur, daß die Wand draußen 
als Glutspeicher der Sonnenstrahlen dient; faßt man nach 
einigen Stunden Sonnenschein au eine der direkten Sonne 
ausgesetzte Wand,- so fühlt mau sie stark erwärmt. Nun 
brennt die Sonne aber auch den ganzen Tag auf das im 
Käsig gefangene Tierchen, das auf diese Weise einer wahren 
Hitzetortur ausgesetzt ist. Früh, wenn die Sonne noch nicht 
so stark wärmt, ist cs ja etwas anderes. Ferner soll jetzt 
jeder, der seine Tierchen lieb hat, diesen das Trink- und 
Badewasser sorgfältiger erneuern, als es allgemein üblich.ist. 
Jeden Morgen unbedingt frisches Trink- und Badewasser, 
ersteres aber ist bereits zum Mittag durch frisches zu er 
setzen, und gegeu Abend nochmals. Wer Singvögel ge 
fangen hält, hat allermindestens die moralische Verpflichtung, 
den armen Gefangenen das Leben im Sommer nicht zur 
Pein zu machen. 
o Die vereinigten liberalen Parteien des Landtags- 
wahlkrciscsj Teltow—Beeskom—Storkow—Wilmersdorf ver 
anstalten am Donnerstag, dem 12. d. Akts., Abends 8 Uhr 
in Steglitz im Restaurant „Schloßpark", Schloßstraße 48, 
eine Feier des Wahlsieges vom 3. Juni er. Parteifreunde 
aus allen Orlen des Wahlkreises sind herzlich willkommen, 
vor allem aber diejenigen Herren und Damen, die durch 
freiwillige Hingabe au die mühevolle Wahlarbeit 'zu deren 
Krönung durch den Sieg mitgeholfen haben. Die neuen 
Abg. Dr. Lievmmm und Liz. Traub sowie hervorragende 
Parteifreunde werden Ansprachen halten und Vorträge einer 
Musikkapelle werden zur Unterhaltung der Parteifreunde 
beitragen. « 
o Friedenaucr Verein für Ferienkolonien CS. V. 
n. M. St. Der diesjährige Pflegebetrieb ist eröffnet. 38 
Kinder, 16 Knaben, 22 Mädchen, sind vor etwa 8 Tagen 
nach dem Ferienheim in Zinnowitz! abgereist. Bei dem 
herrlichen Wetter — es wurde auch schon öfter gebadet — 
herrscht die fröhlichste Stimmung! — Die zweite Kolonne 
wird eine sogen, „bezahlte Kolonie" sein. Sie besteht aus 
Kindern des Mittelstandes, die mit Beginn der Sommer- 
ferien nach Zinnowitz reisen. Bis jetzt sind 36 Kinder da 
für gemeldet. 
v Die Goßnersche MissionLgcsellschaft feiert am 
Sonntag, dem 15. Juni, Nachmittags 5 Uhr in der 
St. Matthäikirche zu Berlin ihr Jahresfest. Die Festprcdigt 
ivird Universitäts-Professor Geh. Oberkonsistorialrat D. Dr. 
Kaftan-Berlin halten. Den Festbericht erstattet Missions- 
direktvr Kausch. Abends 8 llhr findet im Missionshause zu 
Friedenau eine Nachfeier mit verschiedenen Ansprachen und 
Berichten von Missionar Eckert und Karsten statt. Donnerstag, 
den 12. Juni, Nachmittags 5 Uhr findet ebendaselbst die 
öffentliche Generalversammlung statt, bei der Missionar 
Jeschke über „Heidnische und christliche Volkssitte bei den 
Kols" referieren wird. Vormittags 0 Uhr ist die Arbeits- 
konserenz der Vertreter mit dem Kuratorium. 
o Sängerwettstreit. Am 1. d. Mts. feierte der 
Kirchenchor in Deutsch-Sorno das Fest seines 50 jährigen 
Bestehens. Mit der Jubiläumsfeier war ein Preissingen 
in deutschen Volksliedern verbunden. An diesem Sänger 
wettstreit beteiligten sich 18 Vereine der Niederlausitz. Vier 
Preise kamen zur Verteilung. Den 1. Preis erwarb sich 
der erst im 2. Jahre bestehende, 42 Dtann starke Männer- 
Gesangverein Sallgast N./L., Dirigent ein Friedenaner: 
Herr Lehrer Karl Stierte, Sohn des Herrn Kanzleirats 
Stierte, hier. 
o Zusammenstoß zwischen Radfahrer und Droschke. 
In der Berliner Ecke Lauenüurger Straße rannte der 
Ingenieur Bruno S. aus Friedenau mit dem Fahrrad 
gegen eine Droschke und erlitt eine heftige Quetschung in 
der linken Gesäßgegcnd. Dem, Verletzten wurde auf der 
Rettungswache ärztliche Hilfe zuteil. — Ein anderer Zu 
sammenstoß ereignete sich in .der Soldiner Ecke Babelsberger 
Straße, wo ein Drvgcnlehrling aus Schöneberg mit seinem 
Fahrrad gegen ein Automobil fuhr und dabei eine Aus 
renkung der beiden oberen Glieder des Zeigefingers erlitt. 
o Als nngetrener Beamter steckbrieflich verfolgt 
wird seit gestern der Steglitzer Büroanwärter Georg Heymuth. 
Er hat Stenerquittuligen gefälscht, Urkunden vernichtet und 
amtliche Gelder unterschlagen. Die Gesamtsumme der unter 
schlagenen Gelder hat noch nicht genau festgestellt werden 
eine Medizin muß U,m alle zehn Mumien tropjenweise aus 
die Lippen geträufelt werden. Tie andere erhält er alle 
Stunden — einen Tcclössel voll in ein Glas Wasser. Doktor 
Salerno erklärte mir, daß eine zweite derartige Ausschweifung 
dem Könige verhängnisvoll werden müsse. Seine Sionftitutiou 
wäre nicht mehr so stark, daß sich Eruo derartiges leisten 
könne." 
Er neigte sich über den klopf des Schläfers und ließ 
sorglich einen Tropfen ans der kleineren Flasche ans seine 
Lippen fallen. Der König machte eine schluckende Be- 
rvegimg und wandte sich dann auf die Seite. 
„Geben Sie Vera Galloivay das Zeichen," sagte die 
Königin. „Ich muß in die Salons zurückkehren." 
General Maxgregor trat an das Fenster und lüftete zivei- 
mal rasch den Vorhang. Einige Minuten vergingen, ohne 
daß das junge Mädchen gekommen wäre. 
Tie Königin und der General wechselten erstaunte Blicke. 
„Warum kommt sie nichts fragte die Königin. „Viel 
leicht ivird sie ebenfalls bewacht. Es kann einer unserer 
Feinde mir gefolgt sein und bemerkt haben, daß Vera im 
Garten zurückblieb. DaS wäre schlimm." 
In diesem Augenblick erwachte der König. Er richtete 
sich halb aus und stierte ans kleinen, häßlichen Angen vor 
sich hin. 
Tic Königin war im Augenblick an seiner Seite und 
suchte die Worte zu verstehen, die er vor sich I)i«murmelte. 
Er schien sie anfangs nicht zu bemcrlcn; und als sein Blick 
endlich aus sie siel, erkannte er sie nicht, sondern erblickte in 
ihr irgend eine Schrcckcnsgestalt, die ihn wahrscheinlich in 
seinen Träumen gepeinigt, hatte. 
«Bist Tn da — bist Tu da!" kam cs in abgerissenen 
können, da zunächst die Bnchfälschnngen,, die H. zur Ver 
deckung seiner Verbrechen vornahm, ermittelt werden müssen. 
Als eine unvermutete Revision stattfand, verschwand der 
ungetreue Beamte spurlos und war nicht zu finden. Seitens 
des Untersuchungsrichters ist schleunigst ein Steckbrief gegen 
H. erlassen worden. Der Verfolgte hat mehrere Tage Vor 
sprung und dürfte sich auch fremde Legitimationspapiere 
vorher besorgt haben. 
o Polizcibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Damcnschirm, l Kinderstiefel, 1 goldene Damen 
uhr; zugeflogen 1 Kanarienvogel. Die rechtmäßigen Eigen 
tümer vorbenaimter Gegenstände werden aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen drei Monaten im hiesigen Amtsbüro, 
Handjerystraße 91/92, Zinuner 22, geltend zu machen, da 
sonst anderweit über die Fundgegenstände verfügt werden wird. 
Vereins-Nackrickien 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedenaner Männer - Gesangverein 1875", Uebungsstunden 
9—11 Uhr inr „HohenzoUern". Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/» Uhr Abends im 
„Bahnschlößchen", Inh. C. Müller, am Wannseebahnhof Friedenau. 
Kranken-Untcrstützungskasse a. 03. selbständiger Handwerker im 
Bezirk der Handwerkskammern zu Berlin und Frankfurt a. O. 
(begründet von der Handwerkskammer zu Berlin) Berlin 81V 61, 
Bellealliancestraßc 5. Außerordentliche Mitgliederversammlung am 
Montag, dem 30. Juni, Nachm. 8 Uhr, in den Kammersälen, 
Teltowerstraße 1—4. 
Sckiöneberg 
— o In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenver 
sammlung kam nach der erregten Debatte über die Be 
hauptungen des Stadtverordneten Mohs — worüber wir be 
richtet haben — in vorgerückter Stunde noch der wichtige 
Punkt über die Bebauung des Südgeländes zur Sprache. 
Der zuerst aufgestellt gewesene Bebauungsplan hat eine Ab 
änderung erfahren und die Stadtverordnetenversammlung 
sollte nun dem abgeänderten Plan, der vom Zweckverband 
und dem zuständigen Ministerium gutgeheißen worden ist, 
die Genehmigung erteilen. 
In längerer Rede besprach der Stadtv. Lassen (lib. Fr.) den 
neuen eigenartigen Bebauungsplan und führte aus, daß die Ver 
handlungen mit den Behörden recht schwierig waren. Die Ge 
meinde Südende wünschte noch eine Straße, die dann auch ein 
gesetzt wurde. Durch die Weigerung eines Grundstücksbesitzers, an 
der Umlegung teilzunehmen, mußte der Teil westlich des Fried 
hofes der Zwölf-Apostelkirchcngcmciiidc verändert werden, und zwar 
so, daß auf diesem ausscheidenden Teil 42 v. H. Freiflächen ent 
stehen. Das gesamte Bauland mit den Höfen habe jetzt eine Fläche 
von 116 Hckt., die Spielplätze haben zusammen eine Größe von 
18,34 Hekt., die Parkanlagen sind 13,25 Hekt. groß und an Straßcn- 
land sind 52,58 Hckt. vorhanden. Der Bebauungsplan habe große 
Vorzüge. Ein besonders bedeutsamer sei die entschiedene Trennung 
der Berkchrsstraßen und Wohnstraßen, die klare Führung der 
Hauptanschlußstraßen an die benachbarten Stadtteile und die ab 
gestufte Bauweise, das heißt: höhere Häuser an den Hauptstraßen 
und kleinere Häuser an den stillen Wohnstraßen. Ferner sind die 
Schulen so angelegt, daß sie mit den großen Spielplätzen zu- 
samnienstoßcli. Besonders groß sei die Fürsorge für die Jugend 
durch Schaffung ausreichender Spielplätze, und schließlich sec in 
kimstlerischer Beziehung der organische Ausbau des ganzen Stadt 
teils und die richtige Verteilung der öffentlichen Gebäude im Stadt- 
bilde hervorzuheben. Tie Frage, ob und mann dieser Plan zur 
Ausführung kommt, kann nur mit der Bedürfnisfrage beantwortet 
werden. Die Bebauung des Südgeländes könne einsetzen, wenn es 
möglich ist, den Wünschen der Grundstücksbesitzer und der Mieter 
Rechnung zu tragen und wenn Unternehmer sich finden, die unter 
Uebernahme der Rcsiken bereit sind, diese Wünsche zu erfüllen. So 
lange das Gleichgewicht zwischen Bodenprcis und Wohnungsmiete 
nicht vorhanden ist, ivird die Bebauung nicht beginnen können. 
Ueber die Mittel zur schnellen Erschließung des Südgeläudes führte 
dann Stadtv. Lassen folgendes aus: „Ter Norden und Osten 
Berlins ist im großen und ganzen dem Fabrikbetriebe vorbehalten. 
Ter Westen beherbergt znm größten Teil die ivohlhabenden Kreise 
der Bevölkerung. Ter Süden nimmt den gutsituierten Mittelstand 
auf. Ta nun das Südgelände der Stadt Schöneberg im Süd- 
westen von Großberlin liegt, werden sich hier in der Hauptsache 
gutsituierte Bürger ansiedeln. Die Entwickelung ivird um so 
rascher vor sich gehen, je schneller die Gattung der Bevölkerung 
wachst oder aus den, Zentrum Berlins zieht. Es würde zur 
schnellen Erschließung des Stadtteiles dienen, wenn es gelänge, 
neben beut vielen Annehmlichkeiten noch etwas zu finden, was dem 
ganzen Stadtteil ein besonderes Gepräge gibt. Es müßte möglich 
sein, hier den in Berlin ziemlich l,cimnttosen Künstlern und 
Kunstgewerblern eine Wohn- und Arbeitsstätte zu geben.' 
indem man Atelierrnume bgut, ans denen kein Schutzmann sie ver 
treiben kann. Neben diesen Atelicrhäuseru müßte dann eine Aus 
stellungshalle gebaut werden, in der die Künstlerkolonie ihre Werke 
ausstellt. Die Künstlerkolonie könnte ein Anziehungspunkt nicht 
nur für Großberlin, sondern auch für Fremde werden. Es könnten 
sich hier alle diejenigen Kunstkräfte ansiedeln, die berufsmäßig 
Kunstschuler ausbilden." J 
Der neue Bebauungsplan wurde dann von der Ver 
sammlung genehmigt. 
Lauten aus feinem Munde, iväi,rend er Margarete in Hellem 
Entsetzen anstarrte. „Gei, fort mit dem Messer — fort, fort! 
^d) null das rote Kleid nicht, ich sehe aus darin ivic ein 
Häuter — vn. Tu willst mich ermorden?— Fort, fort!" 
. -'Alt einem wilden Schrei sprang der ungtücklichc Mann 
ans und eute znm Fenster. Ehe ihn die beiden daran hatten 
hindern tonnen, hatte er cs aufgerissen und machte, fort 
während schreiend, Älieiie, hinabzuspringeii. 
Ein Sprung brachte General Paul Maxgrcgor an seine 
Seite. Seme feste Faust packle den König von hinten mid 
zog chn m das Zimmer zurück, während die Königin rasch 
das Fenster schloß, Tie Gefahr schien beseitigt; keiner dachte 
daran, daß man von der hohen Terrasse, die hinten den 
Oarten abichmtz, harte m das Zimmer sehen können. 
Der General hatte inzwischen den König, der sich ansäng- 
lich gegen seinen Griff heftig gesträubt hatte, wieder auf 
das Ruhelager niedergelegt. Er suchte ihm beruhigend zuzu 
sprechen; König Eruo aber verstand ihn nicht. Seine Blicke 
irrten noch eine Weile im Zimmer umher; dann schlossen sich 
seine Augen wieder, und er sank von neuem in Schlummer. 
„Geben Sie noch einmal das Zeichen, Paul," sagte 
die Königin hastig, während sie ihrem Gemahl einen Tropfen 
der Medizin auf die Lippen träufelte; „Vera muß kommen, 
wir brauchen hier noch jemanden, und ich darf überdies nicht 
länger der Gesellschaft unten fern bleiben." 
Maxgregor trat wieder an das Fenster und gab das 
Zeichen. Zwei Minuten noch blieb alles still; dann wurde 
in bet mit Jessic verabredeten Weise an die Tür gepocht, 
und auf den leisen Ruf der Königin trat das junge Mädchen 
ein. 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.