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Periodical volume Nr. 134, 10.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, die 
Kriegsleistungen sowie die Unterstützung von Familien der 
in den Dienst eingetretenen Mannschaften. 
An der Stelle des Kreisausschusies tritt in den Stadt 
kreisen zur Wahrnehmung von Geschäften der allgemeinen 
Laudesverwaltung der Stadtausschutz. 
In gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der 
Stadtverordnetenversammlung werden unter dem Vorsitz des 
Bürgermeisters die Abgeordneten der Stadt für ' den 
Provinziallandtag beftiinmungsgemäf; gewählt. Ausgedehntere 
Befugnisse werden gesetzlich den Stadtkreisen in Polizeisachen 
eingeräMnk. 
Während bis zum Ausscheiden aus dem Kreisverbande die 
Polizei in den Städten dein Landrat unterstellt ist, tritt an 
dessen Stelle nach Erklärung zum Stadtkreise der Re 
gierungspräsident. Hier ist besonders hervorzuheben die 
Ausführung des Polizeivcrordmingsrechtes, das bis zu dem 
Zeitpunkte neben dem Pvlizeiverwalter auch dem Landrat 
fiir den Kreis mit Einschluß der Städte oder, wenn nötig, 
für eine Stadt und einen oder mehrere ländliche Polizei- 
bezirke zusteht. 
Hinsichtlich der Steuerveranlagung bewendet es in der 
Hauptsache bei dem bisherigen Verfahren, jedoch kann der 
Bürgermeister für den Stadtkreis zum Vorsitzenden der Ein- 
kommensteuer-Veranlagimgskoinniissivn ernannt werden. 
Zu dem eifrig erstrebten und beschleunigten Ausscheiden 
der über 25 000 Einwohner zählenden Städte aus dem 
Kreisverbande sind mancherlei Gründe bestimmend; selbst 
ständiges Handeln und Bewegungsfreiheit tragen wesentlich 
dazu bei. Nicht immer decken sich die Interessen des Kreises 
mit denen -er Städte, und die Stellung des Landrats so 
wie dessen Vertreter in der Verwaltung zur Stadt, zur 
Bürgerschaft und zu dem Vorwärtsstreben auf wirtschaft 
lichem. Gebiete zeigen oft schwer auszugleichende und zu 
überbrückende Verschiedenheit. Als Sireisteil ist einer größeren 
Stadt ein besseres Vorwärtskommen vielfach unmöglich und 
der Einfluß der städtischen Vertreter im Kreistage und im 
.Kreisausschuß nach Maßgabe der Gesetzgebung ein viel 
geringerer; agrarische Interessen des Kreises stehen vielfach 
den industriellen und gewerblichen der Stadt entgegen. Das 
städtische Leben, Bestehen und Treiben ist nun einmal Mit 
der Hinneigung zum Jndustriestaate verbunden uild dieses 
Streben steht im Zusammenhange mit Staatspolitik. An 
dieser aber soll nach den Grundanschaunngen der von der 
Staatsregicrung direkt oder indirekt beeinflußten Kreisver- 
.mältung und Leitung nicht gerüttelt werden, wenngleich die 
selben in das neuzeitige, öffentliche Leben, in das Vor- 
wärtsdrängen und in die Jnteressenvcrschiedenheit garnicht 
mehr hineinpassen. So entstehen fortgesetzt in den Lebens- 
nnd Existenzbedingungen von Stadt und Land Reibungen 
und Schädigungen, die nur durch eine gründliche Scheidung 
der beiden wirtschaftlich widerstrebenden Teile beseitigt 
worden können. Es zeigt sich auch in der Regel bald, daß 
die Trennung von Kreis- nud Großstadt (Stadtkreis), wenn 
auch mit vorübergehenden Opfern für letztere, zweckmäßig 
und leichter, als > anfänglich geglaubt, durchzuführen ist. 
KÄi§" und Stadkkkeis' lernen' sich als gleichberechtigte, not 
wendige Organe des Staates schätzen und bewegen sich als 
dann nebeneinander, ohne auf den für sie vorgeschriebenen 
Bahnen anzustoßen und Schaden zu nehmen. Wohl in 
allen Füllen hat sich die Bildung von Stadtkreisen als nütz 
lich und vorteilhaft bewiesen. Der verbleibende und ver 
kleinerte Landkreis hat, ebenso wie der neugebildete Stadt 
kreis, in der Regel an Bestandsfähigkeit nicht nachgelassen, 
und wenn da oder dort äußeres Ansehen und Machtstellung 
des Kreisvertrcters etwas Einbuße erlitten hat, so ist dies 
im Interesse der Allgemeinheit, der kommunalen Selbstver- 
rvaltinig und der Hebung des mächtig aufblühenden Städte- 
rvcscns nicht zu beklagen. Nicht zu unterschätzen ist infolge 
der Städtebildung schließlich die Verbesserung des oft recht 
schleppenden Geschäftsganges zwischen den beteiligten Be 
hörden und die erhebliche Entlastung stark bevölkerter und 
umfangreicher Kreise. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Haltet den Wald rein! Zehn goldene Regeln des 
Waldschutzes werden gegenwärtig von der Deutschen Gesell 
schaft zur Pflege des Waldes in den von Ausfliiglern be 
suchten Waldpartien zum Anshang gebracht. 1. Schont die 
Gewächse des Waldes, denn sie sind ein Schmuck der Gegend 
»Du warst arm, Liebster, und ich hatte nicht einen 
Pfennig," erwiderte sie. „Damals, als wir uns unsere Liebe 
gestanden, glaubte ich reich zu sein. So aber hätte ich Dich 
in Deiner Karriere aufhalten können " 
Ungestüm verschloß er ihr den Mund. 
„Deswegen also — deswegen! Oh Du mein tapferes, 
mein törichtes Lieb! — Du hättest uns beide unglücklich ge 
macht. Ahntest Du denn nicht, wie ich litt?" 
„Ich glaubte. Du würbest mich bald vergessen," erwiderte 
das junge Mädchen leise. 
„Dich vergessen! — Lieb, frage den Bliudgewordcncn, ob er 
die Sonne vergessen hat! Du bist meine Sonne, bist das 
Licht in meinem Leben, meine Freude nud mein Glück. 
Nur die Hoffnung, Dich wieder zu finden, tröstete in ich etivas 
in meinem Leid, Dich verloren zu haben. — Aber sage mir, 
wie Du hierher kommst? Ich bin hier, um mit Loro Mere- 
havcn zu sprechen. Ich habe Aussicht, einen hohen diplo 
matischen Posten in Astvrien zu erhallen; das bcdcuter gleich 
zeitig viel "Aufregung und Gefahren, aber auch viel Ehre und 
Ansehen. Gcv.cral Maxgregor wollte hierher kommen, ich 
bin stolz daraus, ihn meinen Freund nennen zn dürfen; ec 
wollte wir bei der Königin Fürsprecher sein." 
„General Maxgregor ist hier, er spricht mit der Königin." 
Jessie berichtete ihm nun in fliegender Eile, wie sie hicrher- 
' gekommen sei und was sie veranlaßt hatte, die Rolle Vera 
Galloways zn spielen. Er lauschte ihr mit sehr ernstem 
Gesicht. 
„Augenblicklich bin ich hier, um ans die Königin zu 
warten," schloß Jessie ihre Erzählung. „Sie ist oben bei dem 
General und dem König. Ich weiß nicht, was die Majestäten 
bedroht ^— aber daß sie in Gefahr sind, habe ich Outs; 
Mazarosf erfahren. Der Russe ist ein knirchans unehrenhafter 
Mensch, und er mußte fortgebracht, werde», damit die Königin 
und solle» noch viele erstellen und neues Leben bilden. 
2. Ein bescheidener Blumenstrauß ist jedem gern gestattet, 
doch dürfen nicht Zweige abgebrochen, Bäume verstümmelt 
und die Pflanzen mit den Wurzeln ausgerissen werden. ll.Inng- 
wüchse und Anpflanzungen bedürfen der Schonung. 4. Werft 
kein Papier, keine Eierschalen usw. in den Wald — es 
sollen sich auch noch andere nach euch an oder in den: 
Walde erfreuen, ü. Vermeidet vor allem das Fortwerfen 
von Flaschen, Glasscherben usw. — Herumliegende Glas 
scherben haben scholl oft Unheil angerichtet. 6. Vorsicht 
beim (an und für sich ja verbotenen) Rauchen besonders bei 
trockenenr Wetter und in der Nähe junger Anpflanzungen. 
Keine glimmende Zigarre, kein brennendes Streichholz fort- 
werfen! 7. Stört nicht bie Tiere des Waldes, freut euch 
an ihnen. 8. Schont die Vogelnester, die Käfer und das 
Gewürm des Waldes. 9. Laßt den Hund nicht jagen. 
10. Der Wegweiser sei öurer Schonung empfohlen, er soll 
noch nach euch anderen Rat erteilen, er ist ein Freund der 
Wanderer. ,, > »v ■ 
o. DergAusban -er Jontaneschule. Der Leiter der 
Fvntancschule hat bei den Eltern der Kinder eine.Umfrage 
veranstaUet, da cs von größtem Wert ist, zu erfahren, wie 
sich die Eltern'der Schülerinnen zn der Frage des Aufbaues 
der Schule stellen. Die Eltern werden in dem Rund 
schreiben aufgefordert, zu beantworten: 1. Wird ein weiterer 
Ausbau der Fontaneschule gewünscht? 2. Falls die Frage 
init „Ja" beantwortet wird:. Welche Form der Weiter 
entwickelung unserer Schule entspricht Ihren persönlichen 
Wünschen? a) Frauenschule (wissenschaftliche Fortbildung 
und hanswirtschastkicher Unterricht)? b) Oberlyzeum (höheres 
Lehrerinnensemiuar)? e) Stndieuanstalt (Vorbereitung zur 
Abiturientenprüfung) ? 
o Gegen die Verunstaltung der Gntsbezirke im 
Kreise Teltow ist soeben ein Statut in Kraft getreten, das 
insbesondere folgende Bauwerke von geschichtlicher Bedeutung 
in ihrer Eigenart erhalten will: das Jagdschloß Grunewald 
im Gntsbezirk Grunewald-Forst sowie den König-Wilhclm- 
Turm auf dem Karlsbergc; das Monument auf der 
Schildhorn-Halbinsel; die Schleuse des Teltowkanals in 
Kleinmachnow und das alte Schloß in Machnow; das Grab 
denkmal des Kurfürsten Joachim Friedrich in der Nähe des 
Bahnhofes Grünan, das Spvrtdenkmal in Grünau sowie 
die Bismarckwarte auf dem Müggelberge; die Grabdenkmäler • 
und der Gedenkstein von 1813 bei Wietstock im Gntsbezirk 
Kerzendvrf sowie schließlich die Kirche in Ntkolsloe im 
Gutsbezirk Potsdamer Forst und die alte Gutskirche in 
Dahlem. Die baupolizeiliche Genehmigung zur Ausführung 
von Bauten und baulichen Aenderung ist ferner zu versagen 
auf den Grundstücken, die an der Konigm-Luise-Straße, der 
Cecilienstraße und der Podbielski-Altee im Gutsbezirk 
Dahlem liegen, wenn dadurch die Eigenart des Orts- oder 
Straßenbildes beeinträchtigt werden würde. Die Anbringung 
vvn Reklameschildern, Schaukästen, Tafeln, Plakaten, Auf 
schriften und Abbildungen bedarf ferner in den sämtlichen 
Gutsbezirken des Kreises Teltow ohne Unterschied, ob die 
Schilder freistehend oder an Bauwerken angebracht werden, 
der Genehmigung der Banpolizeibehörde. 
o Bei der Potsdamer Handelskammer, Sitz Berlin, 
war angeregt morden, für die Detail!isten des Bezirks 
Besichtignngsreisen zu veranstalten, die das Verständnis 
für wichtige Fragen volkswirtschaftlicher Art fördern und 
den Teilnehmern Gelegenheit geben sollen, ihre Kenntnisse 
über die Vorgänge des Wirtschaftslebens zu vertiefen. Die 
Handelskammer konnte feststellen, daß, eine große Anzahl 
vvn kaufmännischen Vereinigungen die Anregung guthieße 
und beschloß deshalb, zunächst die Besichtigung einiger- 
größerer industrieller Anlagen und Verkehrseinrichtungen des 
Bezirks vorzunehmen. Am 3. Juni fand die erste dieser 
Besichtigungen statt. Es hatten sich 150 Teilnehmer ans 
allen Teilen des Handelskainmerbezirkes eingefunden. Eine 
Gruppe von Herren besichtigte die Schultheißbranerei in 
Niederschönemeide, wo besonders die Einrichtungen der neuen 
Faßfabrik interessierten; der größere Teil aber begab sich 
von Bahnhof Nicderschöneweide in bestellten Straßenbahn 
wagen nach dem Kabelwerk Oberspree, wo das Walzwerk, 
die Drahtzieherei und die eigentliche Fabrikation von Stark 
strom- und Telefonkabeln besichtigt wurden. Beide Gruppen 
trafen sich sodann in den Werken der Albatrosslugzeug- 
gesellschast in Johannisthal und hatten dort Gelegenheit, 
das Entstehen eines Flugzeuges bis in die einzelnen Teile 
zu beobachten. Den Schluß bildete ein gemütliches Bei 
sammensein im Hanptrestaurant des Flugplatzes. Hierbei 
ungesehen zurückkehren kann. Ich würde nicht in Erstaune» 
geraten, wenn mir gesagt ivürde, der Prinz Boris Mazarosf 
sei nichts anderes, als ein russischer Spion." 
„Ich bin davon überzeugt," entgegnete Hope. „Doch wie 
lange mußt Tu diese — diese Nolle spielen?" 
„Bis Vera Galloivay in der Kleidung der Modistin 
zurückkommt. Dann werden wir die Kleider tauschen, und 
ich bin frei — kann gehen, wohin es ivir beliebt." 
Ronald flüsterte ihr zärrlichc, innige Worte zu, und sie 
lauschte ihm mit einem glückseligen Lächeln auf den: schönen 
jungen Gesicht. Da erklirrte plüvlich irgendwo ein Fenster — 
in dem Zimmer in der xrsicn Etage wurde es hell, und in 
dein "Rahmen des Fensters tauchte ein Mann.auf, in dem 
Jessie sofort den König von Astvrien erkannte. Er stieß un 
artikulierte Laulc aus, die in der Stille der Nacht deutlich 
vernehmbar waren, und machte dann Miene, hcrabzuspringen. 
"lieben ihm tanchre ein zweiter Mann ans, den die beiden 
im Garten nicht erteiiiien tonnlcn, da er hinter dein König blieb. 
Er schien den anbeten zurückzuziehen; wie eine Vision ver 
schwand das ganze Bild — das Fenster wurde ivicder ge 
schlossen, die Vorhänge zugezogen, und cs war still ivie zuvor. 
Gleich daraus wurde 311111 zweitenmal das Zeichen ge 
geben, das Vera Gallvway an die Seite der Königin von 
Astvrien rufen sollte. 
7. Kapitel. 
Oben in dem Zimmer, von dem das Signal gekommen 
war, lag der .König von "Astvrien ans einem Bett. 
Er war im Gesellschaftsanziig; keine Dekoration, kein 
Abzeichen schmückte seine Brust, nichts deutete darauf hin, 
einen wie hohen Rang dieser Mann eimlahkn. 
Er schien tief zu schlafen. Seine Brust hob und senkte 
genossen die Herren von der Tribüne ans das wunderbare 
Schauspiel zahlloser Flüge. Nachdem Herr Hirt von den 
Albatroswerken auf einem Eindecker in graziösen Kurven 
seine Meisterschaft in der Beherrschung des Flugzeuges vvn 
neuem bewiesen hatte, schnellten von allen Seiten Ein- und 
Zweidecker in die Höhe und tummelten sich bis lange nach 
Sonnenuntergang in der Luft. Allgemein hörte man ans 
den Kreisen der Teilnehmer den Wunsch, daß die Handels 
kammer recht bald ähnliche Besichtigungen organisieren und 
sie zu einer bleibenden Einrichtung ausgestalten inöge. 
0 Der Verein der Gast- und Schankwirte hielt 
gestern Abend im Lokale des Kollegen Karl Visel, Goßler- 
straße 22, seine Vereins-Bersammlung ab, die der Vor 
sitzende, Krerr Carl Gundlach. gegen 0 Uhr eröffnete. Nach 
dem das vom Schriftführer Herrn Thieleke verlesene Proto 
koll der letzten Versammlung genehmigt war, gab der Vor 
sitzende die eingegangenen Schreiben, zumeist geschäftliche 
Angebote,bekannt. Der Gemeindcvorstand lädt den Verein zur 
Kaiserjubiläumsfeier am 16. Mts. in der Aula der Königin- 
Luise-Schnle ein und stellt hierzu t0 Karten zur Verfügung. 
Für das Konzert znm Besten der Fürsorgevereinigung für 
hilfsbedürftige Kriegsvcteranen sind 10 Karten aus der 
Vereinskasse bezahlt worden. "Als neues Mitglied wurde 
darauf der Kollege Gustav Reichert. Steglitz, Düppelstr. 
26 a, aufgenvmmen. Unter „Verbandsangelegenheitcn" be 
richtete der Vorsitzende über die Vorgänge in der letzten 
Verbandsvorstandssitzung. Er erwähnte besonders den 
Boykott gegen eine Großfirma, ferner den ..Flaschenschutz", 
wonach bestraft wird. wer in die Flaschen einer Finnct 
fremde Fabrikate füllen läßt. Besonders von den Selters 
wasser- it. a. Firmen wird jetzt streng auf die Jnnehaltung 
dieser gesetzlichen Vorschriften gesehen. Die Spiritus 
zentrale richtet jetzt eine eigene Branntweinbrennerei ein. 
Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß der Schnapskonsum 
immer mehr und nichr zurückgehe, dagegen erhöhen sich 
ständig die Preise. Ferner wird von dem Vorsitzenden ans 
das neue Eichgesetz aufmerksam gemacht, das am 1. Oktober 
d. Js. in Kraft tritt. Darnach muß der Eichstrich 2 Zenti 
meter vom Rande entfernt sein. Es wird den Kollegen 
empfohlen, die alten Gläser einfach umeichen, d. h. den 
Eichstrich für ein etwas geringeres Maß niedriger setzen zu 
lassen. Dadurch werde den Gästen klar gemacht, daß sie 
nach wie vor das gleiche Maß erhalten und daß die nenö 
Ordnung nur wieder die Gastwirte schikaniere. Die ganze 
Eichung habe für Rvrddentschland überhaupt keinen Sinn, 
da ja jeder Gastwirt beliebiges Maß schenken könne. Herr 
Böge empfahl die Umeichung der Gläser durch die hiesige 
Firma Hans Berger besorgen zu lassen, die dafür einen 
noch geringeren Preis berechnet, als er von einem aus 
wärtigen Unternehmer angeboten wurde. Unter „Innere 
Bcreinsangelegenheiten" kam Herr Sternberg wieder auf 
die Beschwerden über die angeblich zu Unrecht ergangenen 
polizeilichen Strafanzeigen wegen Uebertretung der Polizei 
stunde und die darauf vom Bürgermeister in der Gemeinde- 
vertretersitzuug gegebene Antwort zu sprechen. Die vom 
Bürgermeister ans nur 8 angegebene Gesamtzahl derzurück- 
genommenen Strafanzeigen dürfte wohl nicht ganz stimmen, 
da allein aus Anlaß der Kaisersgeburtagsfeier, wie er ge 
hört habe, s. Zt. mehrere Strafanzeigen zurückgenommen 
wurden. Es sprechen zu dieser Angelegenheit noch die 
Herren Gundlach, Böge. Behrendt, Kiewitz, Koblitz u. a. 
und wird besonders der „Fall" des Kollegen Jaeschke 
(Restaurant Roland) erörtert. Der Kollege soll ersucht 
Werdens, eine schriftliche Erklärung zu geben über die 
von ihm iit, der letzten Bereinsversammlung münd 
lich vorgetragene Beschwerde. Der Vorstand werde 
dann mit dem Gemeindeamt in Verbindung treten, da 
unbedingten Klarheit geschasst werden müsse. Die Kollegen 
wurden aufgefordert, stets schriftliche Belege in Händen zn 
behalten, Strafmandate nicht zurückzuschicken, sondern Wider 
spruch ans besonderem Bogen unter Angabe des Akten 
zeichens bei der Behörde einzureichen. Nur durch schrift 
liche Beweise ließen sich Mißstände bekämpfen. Es wurde 
noch hervorgehoben, daß die Polizeibeamtcn in letzter Zeit 
nachsichtiger wären. Jmnierhin könne aber wiederholt 
jedem Kollegen strikte Jnnehaltung der polizeilichen Vor 
schriften anempfohlen werden. — Herr Kiewitz bat hiernach 
die Kollegen, die im Nachrichtenblatt inserierenden Firmen 
bei Einkäufen zu bevorzugen, besonders empfahl er für den 
Bezug von Kannen udd Gläsern die Firma Hans Berger. Herr 
Böge empfahl für den Bezug von Mineralwässern die Firma 
Dr. I. Scharrer, Zehlendorf, Berlepschstr. 4. Als Restanten 
sich kaum merklich, das Gesicht war bleich und unter seinen 
Augen lagen blaue Schallen. Er war nicht eigentlich häß 
lich; der edel geformte.Kopf und die scharf geschnittenen, nlar- 
kaulen Züge waren ohne die Spuren von Verwüstung und 
die Linien, die das ausschweifende Leben eingegraben, viel 
leicht sogar schon zil nennen gewesen. Um den Mund waren 
ein Paar harte, unangenehme Linien, die der Schnurrbart 
nicht zll verdecken vermochte. Sein Haupthaar hing ihm jetzt 
wirr um die hohe, beinahe zu stark gewölbte Stirn. 
Neben seinem Lager stand in ihrer hoheitsvollen Schön- 
heit die Königin. _ Sie Halle den Stopf leicht gesenkt und 
hielt den Blick airj den Schläfer geheftet. Bitter zuckte cs 
um ihren Mund. 
„Für einen Wüstling reibe ich mich auf, zerstöre ich mir 
wem Leben," flüsterte sie vor sich hin. „Ich opfere mein 
Gliick und meine Liebe, nin unserer Dynastie den Thron und 
unserem Lande seine Freiheit ,01 erhalten — er aber ist bereit, 
seine Krone für Geld zu verkaufen, das er ans eine Weise 
durchbringt — ah, ich mag nicht daran denken. Und die 
Krone soll und muß. gercilet werden." 
Ter Schläfer machte in diescin Augenblick eine Be 
wegung, und ein röchelnder Laut drang ails seinem Munde. 
Angstvoll neigte sich die Königin aus seine Brust herab; cs 
schien ihr, als schlüge das Herz nicht mehr. 
„Er darf nicht sterben.—- er darf nicht!" kam es ver 
zweifelt aus ihrem Munde.' „Und doch — und doch! Ich 
imirdc .glinllichcr sein, als ich es bin. Ich könnte danil 
schlafen, ohne befürchten zn müssen, heimtückisch übcrfalicn 
und eriüdrdet zu werden, branchle mich nicht gegen hundert 
Intrigen zn wehren, gegen hundert Feinde, die meinen 
Untergang herbeisehnen. — Oh Paul, Vaul, warum kommst 
Du nicht!" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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