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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage z« Nr. 132 des „Frietenaaer Lskal-Ameiger". 
Sonntag, den- 8. Juni iHlK. 
Oie bunte Mock^e 
Plauderei für dctt „Friedennucr Lökal-ANzclger". 
Berlin, den' 6. Juni. 
Rundfragen. — Wer ist der dümmste und korrupteste Mensch in 
Berlin ? — Ein gefährlicher Wettbewerb. — Die Posse der sieben 
Bäter. — Dichter im Dienst der Reklame. — Der Käse-Dichter. 
-7- Der neueste Streich Guido Thielschers. 
Während die drückende Schwüle des frühen Sommers über 
dem Steinmecr Berlins lastet, brüten die Kundigen unserer Wochcn- 
presje allerhand Scherze aus, um sich und ihren Leserkreis über 
diese heißen Wochen hinwegzubringen. die im Zeichen des Hundes, 
der leeren Theater und der Enten stehen. 
./Wach einem alten Heilmittel hilft man sich mit „Rund 
fragen". 
Man kann wohl sagen, daß diese Art, sich einen billigen und 
doch interessanten Lesestoff zu verschaffen, nllmählig mi. groben 
Unfug grenzt. 
„Wen halten Sie für den sympathischsten Massenmörder?" 
„Was denken Sie über Hindostan?" , , (V ,. ..... 
„Baden Sie Luft oder tragen Sie lieber einen kleinen Eis- 
schrank in der Westentasche?" 
Mit solchen und ähnlichen Fragen werden alle Menschen, die 
auch nur irgend eine Beziehung zur Oesfentlichkcit haben, täglich 
bestürmt. Es ist den findigen Preßgenerälen dabei ganz einerlei, 
wen sie fragen. Tatsache ist, daß ein Berliner MoMagsblatt an 
läßlich einer Rrindfrage über die Verkehrszukunft Berlins auch bei 
dem edlen Herrn Voigt, dem mittlerweile fast aus dem Gedächtnis 
der Zeitgenossen entschwundenen „Hauptmann von Köpenick" 
angefragt hatte. Da Herr Voigt aber für seine Antiport 250 M. 
haben wollte, und dieses Honorar sogar noch vor Abliefernng 
seiner sehr geehrten Meinung beanspruchte, sah man von der Mit 
arbeiterschaft dieses ersprießlichen Talents ab., 
Ter Berliner Wochenschrift „Der Kritiker" blieb es nun 
vorbehalten, die ohne Zweifel bedeutsamste „Rundfrage" zu erlassen. 
Das in dieser Woche erschienene Heft dieser Zeitschrift, das schon 
in seiner, gistiggelben Farbe auf abergläubische Menschen sehr un 
angenehm wirken sann, hat drei Preise ausgesetzt für die tresfendste 
Beantwortung der gewiß nicht leichten Frage: 
„Wer ist der dümmste und ko rrupteste Mensch in Berlin?" 
Da ivir nun allzumal Sünder sind,- und da wir der vielen 
Feinde nicht ermangeln, so ist cs nicht ausgeschlossen, daß man 
eines Tages selbst als preisgekröntes Objekt dieses absonderlichen 
Wettbewerbes genannt wird... „Die Schriftstellerei", sagte. Schlegel 
einmal, „ist je nachdem man sie treibt, eine Infamie, eine Aus 
schweifung, eine Tagelöhnerei, einHandwerk, eine Kunst, eine Tugend." 
Seit drei Tagen denke ich der Frage nach, in welche dieser 
hier so sief und bedeutsam üezcichnetenKtassen diesesPrelsausschreiben 
ausgenommen zu werden verdient. 
Ta man annehmen kann, daß selbst in der Redaktion einer 
Berliner Wochenschrift halbwegs gebildete Leute sitzen, so müßte 
man eigentlich auch glauben daß sich'diese Leute klar über ihr Tun sind. 
,. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Es ist doch ausge 
schlossen, daß die Herren nur wirklich irgend welche Namen ver 
öffentlichen können.. Und somit wird dieser sonderliche Wettbewerb 
ivohl kaum in der angekündigten Form zum Austrag kommen. 
Es gibt. nun aber in .einer solchen Stadt Tausende, die gar 
u gerne ein Kotklümpchen werfen nach Menschen, die ihnen gc- 
chciter und besser dünken, als sie selber sind. Daher hat solch ein 
Preisausschreiben ohne Frage etwas Gemeingefährliches. Es 
sind dadurch der Nötigung, Beleidigung und gar Erpressung Tor 
und Tür geöffnet. Es gibt unsauberen Menschen die Gelegenheit, 
andere Leute öffentlich einen Schuft und einen Schurken zu schelten. 
■ Mit dem Bewußtsein, der',,dümmste" Mensch, zu sein, könnte 
man sich schließlich noch abfinden. Es ist nicht das Schlimmste, 
als >dä8- größte Kamel -durch die. Wüste der Jetztzeit zu gehen. 
Abgesehen davon, daß es überhaupt keinen Sterblichen gibt, der 
nicht schon einmal im Leben von freundlicher Gegenseite bestätigt 
bekommen hat, der tatsächlich dümmste Kerl des Jahrhunderts zu 
sein. Aber der korrupteste? — — — Eingeweihte wollen 
wissen, ans wen das Preisausschreiben zielt. Nun, die 
Leser werden durch niedliche Prozeßbcrichtc späterhin über das Er 
gebnis dieser echt Berliner Prcß-Mache ans dem Lausenden ge 
halten werden. — — 
Ob an diesem edlen Wettbewerb auch ein Rat von neun oder 
elf klugen Männern mitgearbeitet hat? Man njuß cs nach den 
Gepflogenheiten unserer Zeit wohl annehmen. 
Wenn in Berlin ein neues Theaterstück, eine große Dummheit 
oder eine bodenlose Gemeinheit herauskommt, — cs soll Fälle geben, 
in denen, sich alles, dieses vereinigt, — dann waren immer mehrere 
Urheber am Werte. 
Die Höchstzahl der Bäter aber hat eine Passe auszuweisen, 
die dem arg bedrängten Nollendorftheater über die HunPS- 
tage hinweghelfen soll und die auf den Theaterzetteln nicht ivenigcr 
als sieben Berfasser und Komponisten nennt. Man sucht 
allerdings vergeblich nach dem Namen des Tippfräuleins, das die 
Posse aus dem Manuskript ins Reine geschrieben hat. Das ist 
ungerecht. Denn diese Tätigkeit war ohne Frage am höchsten zu 
bewerten. Ilnd zwar nach der literarischen Seite. 
Auch fehlt der Name des Papicrlicferantcn für die Manuskript- 
bogen, sowie die Erwähnung des kapitalistischcir Oberhcrrn, der 
das Theater in Stand gesetzt hat, diese bunte Posse herauszubringen. 
Auch sucht der schlichte Bürger vergeblich nach der Aufzählung 
der Arbeitsteilung. Welcher Verfasser hat das schrecklich dumme 
Kuplet im 1. Akt geschrieben und welcher der Dioskuren hat den 
Punkt hinter das Ganze gemacht? Das ist doch auch eine immerhin 
nicht ganz. unwichtige Tatsache! 
Wenn nmii ein Werk schon einmal fertig der Mitwelt vorführt, 
dann sollte auch nicht halbe Arbeit gemacht werden! 
Vielleicht läßt sich die nächste Berliner Posse auch durch eine 
Rundstage zusammenstellen. Die neuzeitlichen Dichter sind ja für 
alles zu haben! 
Sie haben ihr Können, gewiß praktischer, als der gute Arno 
Holz,.in den letzten Jahren auch industriell verwertet. Sic haben 
die Muse in den Dienst der Technik, der Reklame, der > Bäder rurd 
des Handels gestellt. Aber jetzt hat ein (bekannter Schriftsteller, 
dessen Namen ich nicht nennen will, das Borwort zu einem 
Katal og über Käse und Molkcreiartikcl geschrieben! Alan 
bedenke: Dichter und Käse! Hier muß die Muse weinen. 
' Daß Dichter über Automobile, Füllfederhallcr, Hosenträger, 
über Stärkungsmittel und Dachpappen sachdienliche poetische Urteile 
abgeben und diese. Waren mit der Leier verherrlichen, nimmt ihnen 
keiner übel. 
Aber daß jetzt der gute Käse schon Eingang gefunden hat in 
die Werkstatt unserer .Neuesten,-ist ein Zeichen der harten Zeit. 
Man muß.sich qn dcp Kops greifen und fragcrr: .Wie hätten 
sich die Alten -wohl mit derartigen Aufgaben abgefunden? Wie 
hätten die Romantiker den Käse besungen, und wie hatten unsere 
Großen, sich dabei benommen? 
Altmeister Goethe hätte vielleicht in seinem verschnörkelten 
Gehciinratstil die nachstehenden Worte gefunden: 
Düste versendender, 
Nachtisch uns. spendender, 
madenbeflügelter, 
molkenentsicgcltcr. 
eile, zu blühn! 
Wonne entsprieße 
gelblich und grün, 
trag Paradiese 
dem Speisenden hin: 
Schiller hätte? das Angebot der Käsesabrik zuerst entrüstet 
abgelehnt. .Dann aber, , der blot deS Tages gehorchend, hätte er 
sich hingesetzt, Hatte, zuerst einen faulen Apfel berochen, — was 
bekanrrtlichmätig war, mm ihn zum Dichten zu bewegen, .und Hätte 
dann gesagt: . , ,, 
Da der Packung zauberische Hülse 
sich noch lieblich um den Käse wand, 
ahnt ich nicht, welch, reiche Götterfülle 
meine Seele späterhin empfand I , 
Das Evoe muntrer Thyrsusschwingcr 
schlinge sich um Dich iu schönem Band; 
Käse/ duftend edler Freudebringer, 
- fließe tausendfach Ins Land! 
Anders hätte sich Heine mit der Aufgabe abgefunden. Er 
liebte cs ja, oas Strahlende zu schwärzen, — so sagen wenigstens 
seine Gegner, — und so hätte er vielleicht, nachdem seine Mouche 
einen alten deutschen Limburger (Stimmung!) serviert' hatte, mit 
kleiner Anlehnung an sich selbst gesagt: ... 
Leise zieht durch mein Gemüt 
liebliches Gedüste. 
Klinge, kleines Käselied 
über Berg und Grüfte: 
Kleine 'Made, weint Du kriechst, 
kriech mit schnellen Füßen . . 
Wenn Du diesen Käse riechst, 
sag, ich laß ihn grüßen! 
Ich werde demnächst aber auch unsern besten Komiker, den 
dicken Guido Thiclscher vom Mctropolthcater heimsuchen. Er 
muß mir die Verse nennen, die er auf den Käse schreiben würde. 
Sie werden gut werden. Tenn daß dieser Prachtkerl Humor hat, 
bewies er vor einigen Tagen, als er auf einem Spaziergang an 
einen der vielen „Rummelplätze" kam, die in den Vororten Berlins 
noch immer eine Stätte des kleinbürgerlichen Vergnügens sind. 
Vor einem Zirkus drückte sich eine große Schar kleiner.Bengel 
herum, die zu gerne die Zeltdecken aufgehoben hätten. 
Guido, eine stadtbekannte Persönlichkeit, sah die Sehnsucht der 
Jugend und sagte zu dem Mann an der Kaste: 
„Na, lassen Sie die Jungens alle hier mal rein gehen und 
zählen Sie mal, wie viel cs sind" 
Als sie alle, mit vor Freude roten Backen, im Zelt waren, 
fragte Guido den hocherfreuten „Direktor": „Na, wieviel sind 
cS denn?" 
„Achtzehn. Herr Thielscher" .... 
„Sehn Sc, das halte ich auch ungefähr tariert." 
Spruchs und wandte sich znm Gehen. 
Damit der verwunderte Zirkusdirektor aber keinen Schaden 
erleiden sollte, kam der dicke Guido nochmals zurück und legte ihm 
ein Geldstück hin. „Ich will nicht so sein" sagte er, „aber . nötig 
hätte ichs nicht." 
Dem nächsten Gönner gegenüber wird der Miniatur-Renz ivohl 
vorsichtiger sein! ' Heinrich Binder. 
fokales 
(Nachdruck unserer o-Originälärtkkcl nur »tit Quellenangabe gestattet.) 
0 Löschungen in den Strafregistern. Der Bundesrat 
hat eine Abänderung der von ihm erlassenen Ordnung über 
die Einrichtung von Strafregistern vom 9. Juli 1896 be 
schlossen. Die geltende Verordnung bestimmt, das; alle 
durch richterliche Strafbefehle, durch polizeiliche Strafver 
fügungen, durch Strafurteile der bürgerlichen Gerichte ein 
schließlich der Konsulargerichte sowie durch Strafurteile der 
Militärgerichte ergehenden Verurteilungen wegen Verbrechen, 
Vergehen und einer Reihe von Uebertretungen in das Straf 
register einzutragen sind. Aus Grund des Registers wird 
Gerichten und allen öffentlichen Behörden Auskunft über 
Byrdestrasungen .einer. Person, erteilt. Da die Bundesrats- 
vorordnung irgendwelche Bestimmung über die Löschung der 
Eintragungen nicht enthält, so bleiben auch bei Vergehen 
oder Uebertretungen, die in jugendlichem Alter begangen 
sind, die Eintragungen während der ganzen Lebensdauer 
des Betreffenden im Register vermerkt. Da hierin zweifellos 
in vielen Fällen eine unberechtigte Härte liegt, hat der 
Bundesrat durch die Abänderung der Bestimmungen die 
Möglichkeit geschaffen, die Löschung von Eintragungen im 
Strafregister herbeizuführen. Die Löschung soll in geeigneten 
Fällen durch einen Gnadenakt erfolgen. 
0 Deutscher Bund zur Bekämpfung der Fraucu- 
emauzipatiou. Am 2. Juni versaminelte sich die Orts 
gruppe Friedenau des deutschen Bundes zur Bekämpfung 
der Frauenemanzipation zu einer Sitzung. Der Vorsitzende 
Herr Eberhard erledigte einige Bnndesnngelegenheiten und 
hielt dann einen Vortrag über: „Weibliche Hausangestellte", 
in dem er zur Lösung verschiedener schwieriger Lagen im 
Wirtschaftslessen Anregung zu geben wünschte. Die Be 
hauptung, daß die Frauenbewegung nur deshalb entstanden 
sei, weil viele Frauen nicht heiraten können und sich ihr 
Brot selbst verdienen müssen, ist nicht immer zutreffend. 
Bekanntlich nahm die Frauenbewegung ihren Ursprung in 
Amerika, obwohl es dort mehr Männer als Frauen gibt. 
Die vielen Lehrerinnen erziehen die amerikanischen Männer, 
die deshalb weibisch und weichlich geworden sind. Deutsch 
land sieht die Familie als den Eckpfeiler des Staates an 
und braucht ans diesem Grunde häusliche Frauen, doch 
solche verschwinden mehr und mehr. Während sich die 
Frauen zu allen anderen Berufen, z. B. zum Handel 
drängen, sind nicht genügend Hausangesteltte vorhanden, 
obwohl immer Nachfrage nach ihnen ist. Nur die weniger 
strebsamen Mädchen wühlen sich diesen Beruf. Wo bleiben 
die Mädchen und warum meiden sic das Haus? Die 
Mädchen werden Fabrikarbeiterinnen, Verkäuferinnen, Buch 
halterinnen usw. obwohl ihr Gehalt ungefähr dasselbe ist, 
als der der Dienstmädchen, weil erstere eine höhere gesell 
schaftliche Stellung als diese einnehmen. Die Hausange 
stellte ist weniger frei, als. die außerhalb des Hauses be 
schäftigen Mädchen. Die Handclsangestellte steht unter dein 
Handelsgesetz, während die Hausangestellte unter veralteten 
Gesetzen der Polizei unterstellt ist. Nur das Züchtigungs 
recht der Herrschaft gegen das Gesinde ist seit 1900 anfge- 
hobcn. Ein anderer Grund dieser Erscheinung ist, daß sich 
die Dienstmädchen gewöhnlich weniger gut verheiraten, als 
die Mädchen in angesehenen Berufen. -Amt) will ein 
Mädchen lieber einem Manne gehorchen, als einer Iran, 
die oft schwieriger als der Hausherr ist. Besonders unge 
schickt in der Behandlung der Leute sind Frauen, die ans 
kleinen Verhältnissen stammen und ihre Macht fühlen lassen 
wollen. Zur Besserung dieser Verhältnisse wäre es ein 
zeitgemäßes Erfordernis, die Dienstbücher abzuschaffen und 
durch freie Zeugnisse zn ersetzen. Auch die Anrede mit „Du" 
ist zn -verwerfen, wie sie noch mancknnal auf dem- Lande 
vorkonunt. Da die Verkäuferin .sFränleiu" genannt wird 
hat die Hausangesteltte den Wunsch ebenso angeredet zn 
werden. Es muß dem Dienstmädchen auch mehr Selbst 
ständigkeit eingeräumt werden, um ihr Vertrauen zu heben 
und es sollte ihnen mehr Zeit für sich, als bisher gegönnt 
werden. Auch sollte die Herrschaft bestrebt sein, sich in die 
Wünsche des Mädchens zu versetzen und es zu erziehen 
versuchen. Wenn auch das Gewohnheitsrecht von Fall zu 
Fall anshilft, so müssen doch zur Verbesserung der be 
stehenden Verhältnisse die Rechtsverhältnisse moderne Formen 
annehmen. Eine lebhafte Aussprache schloß sich diesen sehr 
zeitgemäßen Betrachtungen an. Herr Dr. Ollendorf las 
einen Aufsatz vor: „Die Hausschwestern" von Emma Strvpp. 
In Pankow bei Berlin befindet sich das Hausschwestern 
heim von Frau Tolksdorf geleitet, das gebildete Mädchen 
zur Hausarbeit ausbildet und Stellen vermittelt. Die Nach- 
srage ist viel größer als das Angebot. Die Mädchen tragen 
eine braune Tracht mit weißer Haube, erhalten 30 M. An 
fangsgehalt, beanspruchen ein eigenes Zimmer, verrichten 
allerdings keine ganz große Arbeit und erwarten wie ge 
bildete. Menschen behandelt zu werden. Zum Schluß be 
tonte Herr Eberhard nochmals die Ziele des Bundes, der 
eine vaterländisch gesinnte Frauenbewegung anerkennt, aber 
eine sozialdemokratische, internationale Frauenemanzipation 
bekämpft. . 
0 Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das Begas- 
straße 8, belegene, auf den Namen des Direktors Karl 
Kleischmann in Berlin eingetragene Grundstück ain 21. August 
1913, vormittags 11 1 / 2 Uhr versteigert werden. Das Grund- 
stück ist bei einem jährlichen Nntzungswert von 8000 Ni. 
mit 312 Al. jährlich zur Gebäudesteuer veranlagt. 
Zum Regierunasjubiläum des 
Kaisers. 
Unter dem Titel „Kaiser Wilhelm II. als Denker" ist 
im Verlage von Hermann Rathmacher, Verlagsbuchhandlung, 
ein Werk unseres Mitbürgers, des Kgl. Rats Dr. Adolph 
Kohnt, erschienen, das goldene Worte und Aussprüche aus 
den Reden, Erlässen, Gesprächen, Briefen und Telegrammen 
des Monarchen enthält. Wir bringen im Folgenden ans 
dem Buche — (Oktav etwa 6 Bugen — Preis elegant kart. 
1,80 M.) —, einige Abschnitte des 4. Teiles, der über 
schrieben ist: „Kaiser Wilhelm der Große — Kaiser 
Friedrich III. — Die beiden ersten deutschen Kaiserinnen 
— Fürst Bismarck: — 
Wie hat die göttliche Vorsehung Kaiser Wilhelm I. 
wunderbar geführt! Wie herrlich hat der Himmel es gefügt, 
daß der hohe Herr nach mancher schweren Trübsal zn 
regieren berufen ward in einem Alter, wo andere Männer 
sich von der Arbeit zurückzuziehen pflegen. Welch' unge 
ahnte Erfolge hat Er mit Gottes Hilfe errungen! Ihm 
war es von Gott bestimmt, aller Deutschen Sehnen zu er 
füllen und mit der siegreich erkämpften Kaiserkrone Deutsch 
land seine Einigkeit wiederzugeben. Er durfte zu diesem 
Werke große Männer finden, denen die Ehre zu Teil ward, 
seine Gedanken auszuführen und als seine Berater mit ihm 
zu arbeiten. (Aus der Rede bei der Enthüllung des Denk 
mals sür Kaiser Wilhelm I. in Bremen, am 18. Oktober 
1893.) 
Möge es dem deutschen Volke nie an Männern fehlen, 
die in Treue, Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe denen 
gleichen, die dem Großen Kaiser (Wilhelm I.) dienen und 
dadurch zur Vollendung seines Lebensivcrks, der Wieder- 
anfrichtung des Reiches mitwirken durften. (Aus einer Er- 
widernng auf bie Festrede des Generals a. D. v. Spitz bei 
Enthüllung des von den Deutschen Kriegcrvereinen für 
Kaiser Wilhelm I. errichteten Denkmals auf dem Khffhüuser, 
am 18. Juni 1896.) 
Wilhelm der Große ist der erhabene Herrscher, welcher 
nach dem Willen der Vorsehung daS deutsche Volk der er 
sehnten Einigung zugeführt, Ujiu wieder einen Kaiser ge 
geben hat. Als feindlicher Einfall Deutschlands Grenzen 
bedrohte, seine Ehre und Unabhängigkeit antastete, fanden 
sich die lange getrennten Stämme ans Nord und Süd 
wieder. Die ans Frankreichs Schlachtfeldern mit Strömen 
von Heldenblut besiegelte Waffenbrüderschaft der deutschen 
Heere ward der Eckstein des neuen Reiches, deS die Fürsten 
und Völker Deutschlands unauflöslich umschließenden 
Bundes . . . Dankerfüllt und voller Zuversicht ruht Mein 
Blick ans Meinem Heere, denn Ich weiß von ihm, dein die 
fürsorgende Liebe des großen Kaisers von seinen Jngend- 
jahren bis zn den letzten Augenblicken seines gottgesegneten 
Greisenalters gewidmet war, dem er den Geist der Zucht, 
des Gehorsams und der Treue, welcher allein zn großen 
Taten befähigt, als ein köstliches Erbe hinterlassen hat, daß 
es seines hohen Berufs immerdar eingedenk sein und jede 
Aufgabe, die ihm anvertraut, erfüllen wird . . . Möge 
jeder, der gewürdigt ist, das Bild des erhabenen Kaisers 
auf seiner Brust zu tragen, ihm nacheifern in reiner Vater 
landsliebe und hingebender Pflichterfüllung, dann wird 
Deutschland alle Stürme und alle Gefahren siegreich be 
stehen, welche ihm nach dem Willen Gottes im Wandel der 
Zeiten beschieden sein sollten. (Aus einer Rede anläßlich 
der Jahrhundertfeier für Kaiser Wilhelm I. in Berlin, 
22. März 1897.) 
Der Frankfurter Frieden bildet den Abschluß einer ge 
waltigen Zeit, in welcher Deutschland seine Einigkeit und 
die Größe, sowie die im Rare der Völker gebührende 
Stellung wieder erlangte. Welche unvergleichlichen Dienste 
Sie, mein lieber Fürst (Bismarck), sich hierbei erworben, 
Ihnen heute von neuem in Dankbarkeit und Verehrung 
auszusprechen, ist Mir Bedürfnis und Pflicht. Neben dein 
Namen des großen Wilhelni wird der Name des großen 
Kanzlers in der Geschichte aller Zeiten glänzen und in 
meinem Herzen wird das Gefühl unauslöslicher Dankbarkeit 
gegen Sie nie ersterben. (Ans einem Telegrannn an den 
Fürsten Bismarck nach Friedrichsrnh, anläßlich des 
25jährigen Gedenktages des Frankfurter Friedensschlusses).
        
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