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Periodical volume Nr. 132, 08.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

„Detailgeschäfteil" liegt die Sache anders. Aber in 
manchen wird sich doch wenigstens ein früherer Schluß er 
möglichen lassen. 
o Reformen auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung 
plant die Stadt Berlin im großen Kostcnanfisand. Es 
handelt sich um die Unterbringung und Erziehung von drei 
Zöglingen, nämlich um schwach begabte Knaben, die 
kräftigeren und in die schwer zn leitenden halberwachsenen 
Burschen. Für letztere soll in Struveshof eine Untcrkuufts- 
stclle für schwer erziehbare, zur Renitenz neigende Burschen 
errichtet iverden. Sie sollen möglichst ?von den andern 
Zöglingen abgesondert werden, um diese vor einer Der- 
sührung zu bewahren. Die zweite Gruppe soll eine wirklich 
gute landwirtschaftliche Durchbildung erhalten, damit die 
Knaben bei der Entlassung befähigt sind, eine Stelle in der 
Landwirtschaft auszufüllen. Die erste Gruppe soll in leichten 
Handwerken ausgebildet werden. Die neue Anstalt ist mit 
l'A Millionen Mark veranschlagt und soll zunächst für 200 
Zöglinge eiirgerichtet werden. Straffe Zucht, Arbeit und 
Unterricht sollen die Knaben, bessern und zu brauchbarer: 
Menschen machen. 
o In der Feuerbestattungsanlagc von Berlin- 
'Treptow wird nach Mitteilung des Bürgermeisters Schablvw 
in den nächsten Tagen im Beisein der Aufsichtsbehörden eine 
Proüeverbrennnng stattfinden. Nach erfolgter Probever 
brennung-wird die Anstalt dann sofort zur öffentlichlon Be 
nutzung freigegeben werden. 
o Bnchsnhruttgskurslts. Die in: vergangenen Jahre 
so beifällig aufgenommenen Kurse des Ortsverbandes Groß- 
Berlin des Hansa-Bundes über Harrdelskunde und Buch 
führung werden auch in diesen: Jahre fortgesetzt. Das 
Hauptgewicht wird diespial auf die Durcharbeitung praktischer 
Beispiele sowie auf eine direkte persönliche Ausbildung der 
Knrsusteilnehmer durch eigenhändige Eintragungen auf 
Formularen der „Hansa-Buchführung" gelegt. Es ist also 
ein Buchführungsknrsus mit praktischen Uebungen. Meldungen 
zur Teilnahme an dein Kursus werden umgehend an 
folgende Adresse erbeten: Ortsverband Groß-Berlin des 
Hansa-Bundes, Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 30. 
o Der Ortsverband Grost-Berlin des Hansa- 
Bundes gibt soeben seinen Jahresbericht für 1012 heraus. 
Ans den: Inhalt des Jahresberichts sind besonders hervor 
zuheben der Rückblick auf die Wahlkämpfe in: Jahre 1012, 
sodann die Mitteilungen über die wirtschaftspvlitischen 
Arbeiten des OrtSoerbandes, die sich erstreckten auf die 
Frage der Deckung der Wehrvorlagen, die Branntwein- 
stenervorlage, die Lebensmittelteuerung, das Snbmissions- 
wesen, das Präsentationsrecht des deutschen Gewerbestandes 
für die ersten Kammern und die Vereinheitlichung der Ge 
schäftszeit in Groß-Berlin. Besondere Abschnitte unffasseu 
sodann der Bericht über die Hansa-Woche und den Hansa- 
Tag sowie die organisatorische Entwickelung des Ortsver 
bandes • Groß-Berlin. Dem Ortsverband gehören 36 Be 
zirks- und Vorortgrnppen an. Zehn Berliner Verbände 
haben sich im Jahre 1012 dem Hansa-Bund korporativ an 
geschlossen. Insgesamt haben 174.Sitzungen, Versamnilungen, 
Hansa-Bund-Lehrgänge und Buchführungs-Kurse stattge- 
simden,-^Ans den Mitteilungen -über dio-cktzesamtzahl -der 
Ausgänge, die 142 610 betrugen, geht sodann hervor, daß 
der Ortsverband auch im vergangenen Jahr eine umfang 
reiche propagandistische Arbeit geleistet hat. Interessenten 
steht dev Bericht durch die Geschäftsstelle des Ortsvcrbandes, 
Berlin NW. 7; Dorotheenstr. 36, kostenlos zur Verfügung. 
o Dio Eintrittskarten für das 12. Deutsche Turn 
fest 1013 in Leipzig. - Der Hauptausschuß für das Fest 
hat in: Einverständnis, mit den: Ausschuß der Deutschen 
Turncrschaft den Fcstbcitrag für alle Turner ans 6 M. fest 
gesetzt, weil die Unkosten für die riesigen Bauwerke enorm 
hoch sind. Dafür erhält der Teilnehincr Festzeichcn, Fest 
karte und Festbuch, das Recht zun: Zutritt zu allen Ver 
anstaltungen des Festes, freien Eintritt siir alle Städtischen 
Museen, starke Ermäßigung für die Internationale Vaufachous- 
stellung und manches andere. Für die übrigen Festgäste 
werden Dauerkarten, und zwar für Herren für 4 Al., fiir 
Damen für 3 M. und für Kinder für 2 M. ausgegeben. 
— Bestellungen auf Karten werden bis znn: 10. d. Mts. 
an den Vorstand des Friedenaner Männer - Turnvereins 
erbeten. 
o Ein Wohltätigkeitskonzert veranstaltete die „Für 
sorgeoereinigung für hilfsbedürftige Kricgsveterancu" gestern 
Abend im Garten der Schloßbranerei Schöneberg. Leider 
war der Himmel der Veranstaltung nicht gnädig gesinnt. 
Der Wettergott öffnete gegen 8 Uhr die Schleusen und ließ 
sie offen bis nach Beendigung des Konzerts, -rre Festtell- 
neyrner, unter denen sich zahlreiche Friedenauer befanden 
waren mithin gezwungen, in den offenen Hallen ocer 
den Räumen des Restaurationsgebäudes Unterkunft zu such n. 
Durch diese Verteilung ging natürlich der Zusammenhang 
verloren und von den geplant gewesenen gemeinsamen Ver 
anstaltungen mußte 'Abstand genommen werden. So unter 
hielt inan sich in kleinen Gruppen oder lauschte von „sän 
den herrlichen Klängen der Kapelle der Garde-Dragoner Des 
Siegens wegen mußte auch das Feuerwerk nnsfallen. Gegen 
•*7,10 Uhr gelang' cs Herrn Gehennrat Schmdler :n der 
Nähe der Musikhalle eine große Zahl der Festterlneh.ner 
::::: sich zu versammeln. Er hielt eure kurze Ansprache, rn 
der er an die Zeit vor 100 Jahren ennnerte und ferner 
an daö RegiernngSjubilänn: unseres Kagers. Ein Li.ec 
wurde gemeinsam gesungen, das s. Zt. d:e Fre.heUskan.pser 
begeisterte. Dann brachte Herr Gehennrat Schindler ern 
' Hurra auf unsern Kaiser aus, das begeisterten kräftigen 
Wiederhall fand, worauf „Deutschland. Deutschland über 
alles" gesungen wurde. Mit dein Vortrag des großen 
Schlachtenpotpurris von Saro war das Konzert beendet. 
v Das Königsschiesten der Friedenauer Schutzen- 
-gilde findet vom Donnerstag, dem 12. bis Sonnabend; dem 
"14 Juni auf den Schießstünden in Kaulsdorf statt. Ein 
geleitet wird die Veranstaltung durch eine Abschiedsfcicr des 
jetzigen Königs (Oskar Konictzki).. Den Schluß bildet 
wiederum eine Festlichkeit zu Ehren des neuen Königs und 
seiner beiden Ritter. ^ 
o Mällner-Tlirnverein — ^tadionwerhe. Sonntag, 
bei: 8. Juni, findet die Weihe des Deutschen Stadions im 
Ginne,vald statt, an der sich auch der Turnverein beteiligt. 
Die Teilnehmer versanuneln sich gegen 0 Uhr Vormittags 
am Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau, fahren von hier um 
0.06 Uhr nach Charlottenburg. besteigen dann einen anderen 
Zug. der sie bis Pichelsberge führt. In unmittelbarer Nähe 
des Bahnhofs Pichelsberge befindet sich der Sammelplatz 
für die deutsche Turnerschaft. Am Sammelplatz sitrd Zelte 
zum Ablegen der Oberkleidung für die am Fcstzuge teil 
nehmenden Turner und Turnerinnen. Man merke sich die 
Nnnnner der Zelte und behalte Wertgegenstände bei sich! 
Hinsichtlich der Kleidung sind folgende Bestimmungen ge 
troffen: I. Männer: Weißes Hemd, weiße lange Hose, 
schwarzer Gurt, schwarze Stiesel, nicht Turnschuhe. 2; Aeltere 
Turner dürfen in Turnfestkleiduug antreten. TurnfcstUeidung 
der Friedenauer: grauer Hntj blaues Jackett, blaue Weste, 
weiße lange Hose, 'schwarze Stiefel. 3. Jünglinge: weißes 
Trikot, weiße Kniehosen, schwarzer Gurt, lange schwarze 
Strümpfe, schwarze Stiefel, Jackett über dem Arnu Die 
Jünglinge, die sich an: Jügend-Dauerlauf der Turn- und 
Sportvereine beteiligen, legen das Jackett vorher ab und 
tragen statt der Stiefel Turnschuhe. 4. Knaben: ebenso wie 
die'Jünglinge, aber statt des Gürtels rote Hosenträger, 
ö. Turnerinnen: Turnbeinkleid und weiße Bluse. — Da 
die Aufstellung zu dem Festzug längere Zeit in Anspruch 
nilnmt, dürste es sich empfehlen, schon zu Hause eine gründ 
liche Magenkur vorzunehmen, außerdem aber noch gegen 
etwaige „Rückfälle" ausreichende „Medikamente" mitzunehmen. 
v 'Verein - der.. Fextstt)ritttichstt"Volkschavtei-»jür 
Fricdenan und Umgegend. Der Vorstand richtet an die 
Mitglieder folgendes Rundschreiben: Die Versammlungen im 
Juni und Juli fallen laut Vorstandsbeschluß vom 27. Mai 
aus. Die Mitglieder werden gebeten; während der Zeit 
eine rege Werbetätigkeit für den Verein zu entwickeln, alle 
fortschrittlich gesinnten Friedenauer und ebenso die gleich- 
gesinnten Damen müsse» organisiert sein und sich unserem 
Verein anschließen. Auf Beschluß der Gemcindekörpersck)asteii 
fiudct an: Montag, den: 16. Juni. Nachmittags 0 Uhr. in 
der Aula der Königin Lniscnschule, Hierselbst, Goßlerstr. 15, 
eine patriotische Feier des 25 jährigen Regierungsjubiläums 
Sr. Majestät des Kaisers statt. Die Feier wird etwa 
17 2 Stunden dauern. Den: Verein wird eine beschränkte 
Zahl von Einlaßkarten zur Verfügung gestellt, sie sind dem 
nächst in der Geschäftsstelle, Hähnclstr. 20, III rechts, gegen 
Vorzeigung der Mitgliedskarte in Empfang zu nehmen. 
Allen Mitgliedern, die sich bei der Landtngswahl so rege 
betätigt und zu den: großartigen Erfolge beigetragen haben; 
sagen wir herzlichsten Dank. 
0 Ein Promenadeii-.Konzert! findet inorgcn wieder 
auf dein Kaiserplatz statt. Die Kapelle der Freiwilligen 
Sanitätskolonne von: Roten Kreuz zu Berlin-Wilmersdorf 
wird unter Leitung ihres Kapellmeisters Herrn H. Schorin 
folgende Musikstücke zu Gehör bringen: Durch Kampf zum 
Sieg, Marsch von Schröder, Ouvertüre z. Op. „Die diebische 
und an den Berliner Polizeipräsidenten eine Eingabe ab 
schickte. Dem Vorsitzenden dieser Versammlung, gleichzeitig 
Vorsitzenden der Berliner Abteilung des „Weltbundes gegen 
die Vivisektion und zum Schutz der Tiere", unserem Mit 
bürger Herrn Prof. Dr. Förster (Schmargendorfer Straße), 
ist nun von: Berliner Polizeipräsidenten folgendes Schreiben 
zugegangen: 
„Auf dic gefällige Eingabe vom 29. vorigen Monats erwidere 
icli ergebenst, daß eine Milderung der bei Tollwut vorgeschriebenen 
Sicherhcitsmaßregeln nicht von dem Ccuchengangc abhängig ge 
macht werden darf, dessen leichteres oder schwächeres Auftreten 
während der Hundesperre auch gar nicht festzustellen wäre, sondern 
das; sie nur für »nndergcführdete Bczirksteilc zulässig ist. Der am 
13. Februar d. Fs. getötete tollwutkranke Hund ist über einen Tag 
frei in Berlin umhergelaufen. Sr hat 16 Menschen und 2 Pferde 
gebissen, und es ist ohne Zweifel anzunehmen, daß dic Zalst der 
von ihm verletzten Himdc bei der Steigung dieser Tiere, auf der 
Straße zusainniciMlaufcn, recht erheblich ist. Nur durch die sofort 
in Kraft gesetzte Sperre und die Anordnung, daß umherschweifende 
Hunde zu töten sind, die betroffen wurde, weil als erste Er 
scheinung der Wutkrankhcit die Sucht auftritt, von Hause zu ent 
weichen, ist cs also wahrscheinlich gelungen, dem Umsichgreifen der 
Seuche vorzubeugen. Auch der Epandancr Hund ist im Landes- 
pollzcibczirk Berlin frei umhergelaufen und hat andere Hunde ge 
bissen. Es kann deshalb Berlin als minder gefährdeter Bezirk 
nicht angesehen werden. Ich glaube aber auch' im Interesse der- 
Hnndebcsitzcr cs-bei den getrvstcnen Maßnahmen belassen zu sollen. 
Jede Milderung der Sperre steigert die Möglichkeit einer Wciter- 
verbrcltnng der Tollwut, lind da die Sperrniaßregeln jedesmal 
aus mindestens 3 Monate verlängert werden müssen, wenn dic 
Wut oder der Verdacht der Seuche an einem Hunde festgestellt 
ivird, der frej umhergelaufen ist, dürfte dio Aussicht auf Beendigung 
der Sperre nach Ablauf fler. gesetzmäßigen Inst durch die jetzt 
gültigen Bestimmungen am sichersten gewährleistet sein, gcz.: 
v. Jagom." 
0 Gegen das Spielen der Kinder ans den Straßen 
hat min auch der Schönebergcr Polizeipräsident — wie die 
„W. Ztg." berichtet — eine Verfügung erlassen, in der es 
il. a. heißt: 
„Wenn auch den Kindern das Verweilen und Spielen auf den 
öffentlicher: Straßen und Pllitzcn allgemein nicht verboten-werden 
kann, so muß doch verlangt werden,Paß sie auf die Passanten und 
Anwohner weitgehendste Rücksicht nehmen. Ich ersuche dic Eltern 
und Vormünder usw., die ihrer Obhut unterstellten Kinder auf die 
(gefahren des Spielens auf öffentlichen Straßen — nanicntlich auf 
sulchen, in denen Straßenbahnwagen fahren ober der Autoniobil- 
vcrkehr erheblich ist — aufmerksam zu machen und ans sie dahin 
einzuwirken, daß sie obige Bestimmungen beachten und auch sonst 
sich bei Spielen auf der Straße möglichst ruhig verhalten und im 
Interesse ihrer eigenen Sicherheit das Spielen auf den Fahrdämmen 
vermeiden. Ich habe die Exekntivbeamtcn angewiesen, dic Namen 
solcher Kinder und Jugendlichen, die obigen Bestiminniigcn nicht 
nachkomme», festzustellen, und würde gegebenen Falls gezwungen 
fein, gegen Kontravenienten mit'Strenge vorzugehen." 
Die „W. Ztg." bemerkt hierzu und im Anschluß an 
eine Beschwerde über den Lärm der Kinder in der Ring- 
bahnstraße folgendes.: „'Aber wo sollen nun unsere Kinder 
spielend Unsere öffentlichen Anlagen- reichen nicht aus; 
Spielplätze müssen noch geschaffen werden, und da sonstiges 
Terrain an den Nachmittagen nicht zur. Verfilguug steht, 
müssen eben die Straßen herhalten. Wäre cs da nicht an? 
gebracht, um ivenigstens einigermaßen die Klagen der Rnhe- 
bedürftigcn verstummen zu machen, die großen Spielplätze 
nnscrer Schulen der spielenden Jugend zur Verfügung zu 
stellen? Natürlich müßten da die Kinder unter entsprechender 
. Aufsicht sein,, deren Pflicht,, es.,märe, alje überschäumenden 
Gefühle hübsch in: Zaun zu halten. Ginge das nicht? 
Wir alle gehören ja nun zu den Ruhebedürftigen, wenigstens 
hat jeder geistig Arbeitende vor: Zeit zu Zeit das Bedürfnis 
nach Ruhe. Aber man darf auch nicht vergessen, daß man 
selbst einmal- jung gewesen ist und während dieser Zeit 
der Jugend das Gefühl gehabt hat, alle Fesseln sprengen 
zn müssen. Man muß also unbedingt der Jugend Ver 
ständnis entgegenbringen, und das tut man nicht, wenn 
niai: nur immer verbietet und maßregelt. Es gilt hier, 
nn: jedem gerecht zu werden, einen Ausweg zu schaffen; 
damit sind die Riihebedürftigen geschützt und die Kinder 
nicht ihrer Freiheit beraubt, auf dic sie wirklich ein natür 
liches Recht haben." 
v Früherer. Geschäftsschlnß am Tage des Re- 
gierungsjubiläuins. Anläßlich der Feier des Regierungs- 
jubilänins des Kaisers am 10. Juni sind alle staatliche:: 
und städtischen Büros, die öffentlichen Kassen und Post- 
anstalte:: völlig geschlossen oder nur wie sonst an.Sonntagen 
geöffnet. Die Börse ist geschlossen. Sämtliche Banken und 
Bankgeschäfte haben völligen Geschäftsschlnß angeordnet. Es 
:väre zu wünschen, daß recht viele Geschäfte diesem Bei 
spiele folgten und zun: mindestens mittags schlössen. Bei 
den Fabrikations- Und Großgcschästci: wird einem Schluß 
sicherlich nichts in: Wege stehen, so daß sich also der 
^Jnbilämnsschluß" hier leicht durchführen läßt. Bei den 
eiskalte Hand nach ihre:» Herzen, bei::: der Mann, den sie da 
zwischen den Bostctlen anjlauchen sah und der geradeswegs 
ans sie zukam, war sein anderer als Prinz Boris Mazarvsf! — 
5, Kapitel. 
Prinz Boris Mazaroff mußte in den Garten gekommen 
sein in der Absicht, ihr zu folgen. Tenn ohne sich aufzu 
halten, kam er ans dic Fontäne zu, ein höfliches Lächeln 
auf dein Gesicht. 
„Sie behandeln mich nicht gut heute abend, gnädiges 
Fräulein! — Was habe ich ^mir zuschulden kommen lassen?" 
Jessie zwang sich zn einen: Lächeln. Es war ganz 
offenbar, daß Mazaroff bisher nichts bemerkt hatte; hier 
draußen im Garten aber, in der schwachen, unsicheren Be- 
tcnchtung im Winde flackernder Lichter, die in bunte javanische 
Papicrlaterncn gesteckt waren, hatte sie keine Entdeckung zu 
fürchten. 
Der Prinz lehnte sich nachlässig an dic Brüstung des 
Bassins und drehte seine süßlich dustende englische Zigarette 
zwischen den Fingern. Seine unmittelbare Rühe mar Jessie 
beinahe unerträglich; und doch mußte sie ihm liebenswürdig 
antworten, mußte ihm freundlich zntäckcln. 
„Habe ich Sie schlecht behandelt?" fragte sie. „Seien 
Sie versichert, daß ich nicht die Absicht hatte, Sic zn kränken. 
Meine unerfreulichen Gedanken " 
„Lassen Sie mich einmal Ihre Gedanken erraten, 
Fräulein Gattoway!" unterbrach sie Mazaroff lebhaft. „Ich 
bin am Petersburger Hos bekannt wegen meiner Gabe, in 
die verborgensten Winkel menschlicher Herzen blicken zu 
können. — Augenblicklich deuten Sie, daß die Königin sich 
wohl sehr wenig für Ihre Bilder iutevesficiea wird." , . 
Tie Dunkelheit verbarg ihm das jähe Erbleichen Jcssics. 
Für das junge Mädchen lag in seinen Worten eine Drohung — 
sicherlich war der Königin nicht danüt gedient, wenn dieser 
Mensch um ihre Angelegenheiten wußte. Wie aber halle 
sic sich dazu zu verhalten? In welchem Verhältnis stand 
Mazaroff zn der Königin? — Sic wollte sich jedenfalls stellen, 
als verstände sie ihn nicht. 
„Welche Königin meinen Sic?" fragte sie scheinbar er 
staunt. 
Prinz Poris machte eine ungeduldige Bewegung. 
„Natürlich dic Königin von Aftonen. Ihre Majestät 
verließ die Salons in Ihrer. Begleitung. Wo ist sic, Fräu 
lein Galloway?" 
Sie trat ein ivcnig von ihm zurück, weiter in den 
Schatten hinein. Trotzdem suhlte sie, ivic seine Augen ans 
ihrem Gesicht brannten. 
„Jedenfalls in die Salons zlirückgekchrt." erwiderte sie 
lachend. „Sie sind ein schlechter Gcdaickcnlcscr, Prinz Boris! 
Ihre Majestät hatte in der Tat die Freundlichkeit, sich für 
meine Bilder zn interessiere»." 
Äiazaross zog die Unterlippe zwischen dic Zähne. So 
leicht jedoch gab er sich nicht besiegt. 
„Gnädiges Fräulein sind jedenfalls davon unterrichtet, 
wo sich Seine Majestät der König befindet?" 
Jessie schüttelte den Kopf. Sie wünschte sehnlichst das 
Ende dieser Unterredung herbei, die immer gefährlicher zu 
werden drohte. Sie zitterte vor dein nächsten Wort, das der 
Prinz sprechen mochte — und doch: für iven zitterte sie? — 
Für eine Frau, die sie heute abend zmn erstcnma c. gesehen — 
für Leute, die ihr Fremde gewesen waren bis zn dem Augen 
blick, da sie in dieses Hans gekommen. Was batte die junge 
Modistin von der'Königin von Aslvrien gewußt? Der 
Alaun, der an ilner Seite tehuie, hatte sie in seilten- AriNcu 
gehalten, seine Alnttcr halte sie tödlich beleidigt - .»nd doch 
war sie genötigt, mit ihm zn sprechen ivic mit einem Ehren 
mann. 
Seife plätscherten die Tropfen des Wassers, die in das 
Bassin herabfielen. Allenthalben schimmerten bunte Lichter 
ans. dem Grün des GarrenS, deren leuchtende Farben im 
Wasser, einen Widerschein fanden. Tic. Fenster des Palais 
rvaren strahlend erhellt, man hörte die Klänge der Musik und 
nahm durch die offene Tür des Altans dic festlich geputzten 
Herren und Damen wahr, die in fröhlichem Durcheinander 
die glänzenden Rännie anfüllten. Einst hatte, sich auch Jessie 
heimisch gefühlt unter ihnen; ernst,, da sie als dic Tochter 
des ritterlichsten und glänzendsten Offiziers- ihnen völlig 
gleichberechtigt war. Heute aber betrog sie all diese Leute — 
man würde ihr verächtlich den Rücken kehren, wenn, mau 
die Wahrheit erführe; die, die ihrjcht schmeichelten und de» 
Hof machten, würden dic ersten sein, ihre Handlungsweise zu 
verurteilen. 
Zwischen den Braue» des Prinzen war eine senkrechte 
Falte. Zornig hatte er dic Zigarette von sich geschlendert; 
aber er wollte und mußte Jessie, die er für Vera hielt, zum 
Reden bringen. 
Mit dem. einschmeichelndsten Sliminfall, der ihm zu 
Gebote stand, sagte er, während er näher an sie herantrat: 
„Die. Majestäten ivissen. das; ich ihr Frcniw bin. Di< 
Königin ist in Gefahr, wie Sie wissen. —- Nein, schütteln 
Sic nicht den Kops, Fräulein Vera! Die Richte eines 
Diplomaten sieht und hört viel —und Sie sind die Frcündin 
da Küniain." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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