Path:
Periodical volume Nr. 130, 05.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Restaurants Roland nicht 10, sondern 7 Anzeigen erstattet worden 
sind, Osinddavon ans Gericht lvciter gegeben worden, wcitWider- 
sprucherhoben wurde. Bon diesen 6 schwebt eine Sache noch bei 
Gericht. Die eine Strafverfügung ist zurückgenoinnren 
worden auf Anraten des Amtsanwalt, da der Sachverhalt 
nicht festzustellen war. Also 7 Anzeigen hat er erhalten 
und nur eine einzige ist zurückgenommen worden. Das ist 
dirs, rvas ihm der betr. Beainte auf sein Ersuchen aufge 
stellt hat. Also entweder ist das, was der Beamte ihm 
mitgeteilt hat, unrichtig oder der betr. Wirt hat sich geirrt. 
Zu Protokollunterzeichnern bestimmt der Biirgermeister 
die G.-V. Richter und Sachs. 
Es werden dann noch zwei Eilsachen: Asphaltierung des 
Zugangsweges zum Gütergotzer Friedhof und Jubiläums 
spenden für die Schulkinder, auf die Tagesordnung gesetzt. 
Schöffe Wossidlo erbittet und erhält dann das Wort 
zu einer Erklärung: 
Die meisten der Herren, die mich kennen, wissen, daß cs mir 
von jeher fern gelegen hat, einen Menschen - zn kränken. Nun ist 
eine Bemerkung, die ich in der vorigen Sitzung zn meinem Nachbar 
gemacht habe, in die große Oeffcntlichkeit gekommen. Ich erkenne 
an, daß dieser Ausdruck parlamentarisch unzulässig ist und nehme 
ihn gHrn znrückj, nachdem er, was ich nicht beabsichtigthntte, in die 
breite Oeffentlichkeit gedrungen ist. Wenn der Herr Vorsitzende 
anderer Ansicht sein sollte, so stelle ich anheim, mich noch nach 
träglich zur Ordnung zu rufen. 
Bürgermeister Walger bemerkt, daß die Sache mit 
dieset Erklärung wohl erledigt sei. 
Zu Punkt „Genehmigung eines Nachtrages zur Umsatz- 
ftenerordnung" führt G.-V. Uhlenbrock aus, daß es sich 
nicht, wie es in der Vorlage heißt, -um einen Schreibfehler 
handele, sondern man habe s. Zt. mit vollem Recht diese 
Fassung gewählt. Die Kreisordnung hat allerdings die jetzt 
beantragte Fassung, und eine Entscheidung des Oberver- 
rvaltnngsgcricht hat solche Bestimmung auch bestätigt, aber 
cs schweben zahlreiche Klagen gegen diese Bestimmung 
der Kreisordnung. Es ist auch ein Unrecht, Schenkungen 
von Eltern an Kinder besonders zu besteuern. Man sollte 
es bei der alten Fqssung belassen. Bürgermeister Walger 
erklärt darauf, nachdem er sich hierüber mit den Vorstands 
mitgliedern verständigt hat, daß er auf Grund der Aus 
führungen des Herrn Uhlenbrock, daß gegen die Krcis- 
vrdnttng noch Prozesse schweben, die Vorlage zurückziehe. 
Betr. „Erstattung von Trinkgeldern bei Dienstreisen" 
bemerkt der Bürgermeister, daß auf Wunsch aus der 
Mitte der Versammlung diese Vorlage koinme. G.-V. 
Kalkbrennerj hält die Vorlage für überflüssig, es fährt doch 
bei solchen Reisen gewöhnlich immer eine Schöffe mit, der 
könnte doch den Betrag zusammen auslegen und ihn sich 
bei der Kasse wieder erheben. Bürgermeister Walger er 
widert, daß in der Praxis sich die Sache wohl auch so ab 
wickeln werde. G.-V. Ott meint, daß , diese Bestimmung 
wohl nur maßgebend sein würde für die Gemeindevertreter 
und Bürgerdcputierte, die Schöffen erhalten doch Auswands 
gelder. Bürgermeister Walger: Wollen Sie einen Antrag 
stellen. G.-V. Ott: Aber nicht schriftlich (Heiterkeit). Er fragt, 
aus welchem Grunde die Aufwandsentschädigungen s. Zt. den 
Schöffen bewilligt wurden. Bürgermeister Walger weiß nicht, 
ans welchem Grunde die damalige Gemeindevertretung diese 
Gelder bewilligt hat; man möge wohl an derartige .Aus 
lagen dabei gedacht haben. G.-V. Kalkbrenner beantragt, 
daß festgelegt werde, daß diese Entschädigung nur gezahlt 
werde für Ausschußmitglieder, sofern sie Gemeindevertreter 
sind. Durch Zurufe wird auch an den Bürgermeister 
erinnert. G.-V. Kalkbrenner: Man sollte sich die Vorlage 
überhaupt ganz schenken; wenn solche Fälle vorliegen, sollte 
jeder mal in die Tasche greifen und ein Trinkgeld geben. 
Mau tue ja doch so manches für die Gemeinde (Bürger 
meister: Sehr richtig). Bürgermeister Walger: Die An 
regung wurde aus der Mitte der Versammlung gegeben und 
so mußte derVorstanddieVorlagemachen. G.-V.Richter: Es ist 
doch eine solche kleinliche Sache. Wir geben oftmals ein 
paar Groschen aus, und so wird es auch hier nicht darauf 
ankommen. Er bittet, die Vorlage abzulehnen. Gegen 
2 Stimmen wird die Vorlage darauf abgelehnt. 
Bei Vergabe des Brennmaterialienbedarfs fragt G -V. 
Richter, ob nicht auch andere Lieferanten in Betracht ge 
zogen würden. Er habe auch schon Klagen gehört, daß die 
Lieferungen nicht immer gleichmäßig gewesen wären. 
Gemeindebaurat Altmann erklärt, daß eine öffentliche Aus 
schreibung erfolgt sei und 11 Firmen Angebote einreichten. 
Die Preise für Schmelzkoks und Preßkohlen seien ja 
Syndikatspreise. Die Angebote der hiesigen Firmen seien 
die günstigsten und man sei von diesen (Nachtigall und 
mir schlingen soll, Die Wachsamkeit Der Spione zu lannyen, 
von denen stvir leider in jedem Augenblick umgeben sind." 
Jessie murmelte eine Versicherung, daß sie alles begriffen 
habe und nach den Wünschen Ihrer Majestät handeln werde. 
Aber sie war in diesem Augenblick sehr ungehalten über Vera 
Gcilloway. Wenn sie in so hohem Maße das Vertrauen der 
Königin besaß und darauf gefaßt sein mußte, zn derartigen 
bedeutsamen Dienstleistungen herangezogen zu werden, hätte 
sie der hohen Frau ivahrlich nicht verbergen dürfen, daß für 
die Dauer einiger Stunden eine andere ihren Platz ein 
nehmen würde. Sie selbst durfte ja nicht daran deuten, die 
Königin davon in Kenntnis zu setzen, sondern sic mußte sich 
darauf beschränken, zu tun. was in ihren Kräften stand, um 
dcit Erwartungen der fürstlichen Frau Ersüllnug zn verschaffen. 
„Ich werde den General erwarten," sagte sie. „Aber ich 
darf wohl keine Zeit mehr verlieren. Und Eure Majestät 
wollen mich gnädigst beurlauben." 
Sie erhob sich, inachte abermals ihren Hofknicks und 
ging ihres Weges. Sie ivar glücklich, daß cs ihr bis zum 
letzten Augenblick gelungen war, die Täuschung aufrecht zu 
erhalten. Aber während sie den Saal durchschritt,, verspürte 
sie plötzlich einen heftigen Schrecken. Denn sie hatte in einer 
Entfernung von wenigen Schritten den Prinzen Boris 
Mazarofst gewahrt, der hinter dem Sessel einer sehr schonen 
jungen Dame stand und ganz in die angenehme Bcschäiti- 
gnng des Flirtcns vertieft schien. Für einen Moment schien 
cs ihr, als wäre nun alles verloren. Dann aber dachte sie ■ 
wieder an den bisherigen glücklichen Verlauf des Abenteuers! 
und sagte sich, daß ihre veränderte Frisur und die prächtige 
Kleidung doch' wohl ausreichend sein könnten, jeden Verdacht! 
von seiten des Russen auszuschließen. Wenn sie nur die 
Geistesgegenwart nicht verlor, mußte cs ihr selbst sür den 
Fa" daß er sie anreden sollte, gelingen, seinem Argwohn 
Davidsohu) bisher stets gut bedient worden. Besonders 
Herr Nachtigall habe stets großes Entgegenkommen gezeigt. 
Die Prcßkvhleuliefermig erhielt in früheren Jahren stets 
Herr Kvsloivski; mau sagte damals aber, daß es sich 
empfehle, unter den hiesigen Bewerbern zu wechseln. Und 
so sei im vorigen Jahre und auch in diesem Jahre Herr 
Davidsohu mit der Lieferung bedacht worden. Es empfehle 
sich nicht, jährlich zu wechseln, sondern einige Jahre von der 
gleichen Firma zu beziehen. Die Vergabe des Brennu- 
materialicnbedarfs wird daun nach dem Vorschlage (vergl. 
Nr. 128 d. Ztg.) beschlossen, so daß die Firma Ernst Blauck 
(Inh.: Nachtigall) die .Kokslieferung und die Firma Max 
Davidsohu die Lieferung von Preßkohlen, Anthrazit rurd 
Holz erhält. 
Die vom Vorstand vorgeschlagene Auslegung des § 2 o 
letzter Absatz der Polizeiverordnung betr. die Erfordernisse 
öffentlicher Straßen, wonach Plattenbahnen vor Grundstücken, 
die neu bebaut werden, zu legen sind, wird wiedersprnchslos 
angenommen. 
Ueber den Umbau der Turnhalle des Gymnasiums be 
richtet Gemeindebaurat Altmann, daß mit Herrn Hofrat 
Fehler, dem Vorsitzenden des Turnvereins, über die An 
gelegenheit nochmals verhandelt worden sei und nun-der in 
der Vorlage (vergl. Nr. 128 d..Bl.) vorgeschlagene Umbau 
zur Beschlußfassung empfohlen werde. Ohne Erörterung 
werden die verlangten 1100 M. für den Umbau bewilligt. 
Bürgermeister Walger bat dann, die Mittel für Ver 
stärkung des Kabelnetzes zu bewilligen. Die Anschlüsse 
werden immer zahlreicher und um ein Durchschmoren der 
Kabel zu verhindern, ist die Verstärkung notwendig. G.-V. 
Kalkbrenner fragt, vb damit die Sache erledigt wäre, 
oder ob noch Fortsetzungen zu erwarten sind. Bürgermeister 
Walger erwidert, daß Fortsetzungen noch zu erwarten sind. • 
Es läßt sich dies aber z. Zt. nicht übersehen. Man habe 
damals schwächere Kabel gelegt, das sei auch billiger 
gewesen, als wenn man gleich die teuren Kabel, die unnütz 
Zinsen gefressen hätten, hineinlegte. Zürn Teil mag aber 
auch die damalige Verwaltung die fabelhafte Entwicklung 
des Werkes nicht vorausgesehen haben. (G.-V. Kalkbrenner: 
Das wird richtiger sein, die Zinsen werden kaum so in 
Betracht kommen.) Schöffe Draeger erwähnt, daß man 
damals tatsächlich diese kolossale Entwicklung des Werkes 
nicht voraussehen konnte. Eine solche Entwicklung gibt es 
in keinem Orte Deutschlands wieder. Man rechnete damals 
mit normalen Verhältnissen, jetzt sind wir aber anormal. 
Wir haben uns lange gegen die Verstärkung gesträubt, doch 
die Bürgerschaft will doch gleichmäßiges Licht haben, daher 
ist die Berstärkung notwendig. Es werden 20 000 M. für 
die Verstärkung des Kabelnetzcs auf der Strecke voin 
Elektrizitätswerk nach der Kaiserallee durch die Bomstraße 
und in der Rheinstraße zivischcn den Speisepunkten 3 und 8 
bewilligt. Die Lieferung der Kabel wird den Hackethal- 
Draht- und Kabeliverken in Hannover übertragen. 
Zur Verbesserung der Straßenbeleuchtung iin Wagner 
viertel, in der Kaiscrallee und auf dein Friedrich-Wilhelm- 
Platz werden 9000 M. bewilligt. 
Schöffe v. Wrvchem berichtet, daß sich innerhalb des 
Gemeindeausschnsses für Jugendpflege ein Arbeitsausschuß 
gebildet habe. Der frühere Ortsausschuß für Jugendpflege 
will sich nun auflösen, wenn die Herren Rektoren Kanl und 
Jacschke und Bäckermeister Wermke in den Gemeindeaus- 
schuß (nicht Arbeitsausschuß) mit aufgenommen werden. 
Das Bewilligungsrecht wird ja iinnür der Gemeindeausschuß 
haben. Der Gemeindeansschuß werde durch diese Ver 
stärkung nun zwar wieder größer, er steigt dadurch 
auf siebzehn Mitglieder, wogegen man Bedenken haben 
könnte. Im Interesse der Sache, empfehle aber der 
Gemcindevorstand, dem Antrage zu folgen. G.-V. Kalk- 
brenner spricht seine Genugtuung darüber aus, daß 
der Vorstand mit diesem Antrage einen früheren Fehler 
wieder gut gemacht habe. Er hoffe nur noch, daß die 
Herren sehr bald auch zum Arbeitsausschuß hingezogen 
werden. Wenn ihnen auch Herr Kunow die Befähigung 
dazu abgesprochen habe, aber sv befähigt seien sie doch, 
daß sie nicht nach Stettin geschickt werden brauchen. Es 
wird darauf die Verstärkung des Ausschusses durch die ge 
nannten Herren beschlossen. 
Hiernach kommen die noch auf die Tagesordnung ge 
setzten Eilsachen zur Erledigung. Die Asphaltierung des 
Zngangweges zuin Gütergotzer Friedhof wird der Firma 
Kopp & C., zum Angebotspreise von 5442 M. übertragen. 
Die Schuldeputation hat beantragt, jedem Kinde der 
vorzubeugen und ihn an eine lediglich zufällige Achnlichkcit 
glauben ju machen. Natürlich aber wollte sie ihr mügtichstes 
tun, einer Begegnung auszuweichen. Und sür den Augenblick 
wenigstens war es ihr auch gelungen, denn Prinz Boris ! 
war von seiner Unterhaltung mit dem schönen Mädchen so 
ganz in Anspruch genommen, daß er nicht ausblickte, als ; 
Jessie ganz in seiner Nähe vorüber ging. 
Viel größer als ihre Furcht vor einer Eutdcclimg ! 
durch Mazaroff war in diesem Augenblick Jcssies Sorge, 
daß cs ihr nicht gelingen konnte, den ihr persönlich voll-! 
ständig nnbekannicn General Maxgregor, dessen Namen sie; 
nie zuvor gehört hatte, ausfindig zu machen. Wenn er etwa 
inzwischen bereits gekommen ivar, so lagen die Dinge sür die 
Erfüllung des von der Königin geäußerten Wunsches wenig 
günstig, aber mit einem durch den bisherigen glücklichen 
Verlauf geivcckten Vertrauen verließ sich Jessie aus ihren 
guten Stern. Und sür diesmal wenigstens hatte dies Ver 
trauen sie wiederum nicht betrogen. 
Sic hielt sich geflissentlich in der Nähe der großen Flügel 
tür, durch die alle neu ankommenden Gäste in die Eingangs 
halle eintraten, und sie befand sich kaum länger als fünf 
Minuten ans ihrem Beobachtnngspostcn, als ihre Aufmerk- ■ 
samkeit durch einen hochgewachsenen Mann erregt wurde, 
dessen schöne?, kühn geschnittenes Antlitz sicherlich niemand 
wieder vergessen konnte, der cs nur ein einziges Mal gesehen. 
Er trug eine Uniform von fremdartigem Schnitte, und 
jetzt hörte Jessie irgend jemanden in ihrer Nähe den Namen 
Myxgrcgor flüstern. Ihre Ahnung, daß dieser schöne, fast 
königlich stolz und gebieterisch blickende Ossizier der Erwartete * 
sein müsse, hatte sic also nicht getäuscht. Sein Name wie ‘ 
feine Kleidung muteten sie fremdartig an, aber sein, Gesicht 
schien Fhr doch ganz das eines Engländers von vornehmer 
Abkunft. Und als der für seinen hohen militärischen Rang 
Volksschule die kleine Schrift von Dr. Eml Berger „f f 
Wilhelm 11" anläßlich des Regierimgsiuül am w de^Ka,,eio 
zn überweisen. Dadurch rvürden l0->-,40 M. Kvst.n c 
stehen. ’ Außerdem möchte er empfehlen, den höheren Schulen 
je 300 M. zu überweisen zur Beschaffung ^ von Schriften, 
die als Prämien fleißigen Schülerinnen am -tage deo R - 
gierungsjnbiläums überreicht werden tonnen. Das Kuratorium 
hat zu diesem Vorschlage noch nicht Stellung genommen da 
die Sache eilig sei, möchte er aber bitten, fernem vorschlage 
zu folgen. Der Minister hat jeder höheren Schule »Zw er 
der genannten Büchlein überwiesen! - D-e Ver retung be 
willigt die 1032,40 Mark für btc Volksschulen, sowie 
3 X 300 --- 900 Mark für die höheren Schulen. 
Unter „Kleine Anfragen" bittet G.-V. Richter, den o-and 
auf den Kinderspielplätzen häufiger zu erneuern. Ferner 
kommt er ans den vielerörterten Erlaß des Amtsvorstehers 
gegen den Kinderlärm in den Straßen zu sprechen. Er möchte 
mal fragen wo die Kinder hinsollen? Ware es nicht vielleicht 
besser gewesen, die Kinder durch die Schulen ermahnen zn 
lassen als gleich mit Polizeistrafen zu drohen. Friedenau 
brauche nicht immer mit seiner Eigenart so hervorzutreten. 
Besser wäre es wohl, wenn die Erwachsenen mehr Nach 
sicht üben, sie waren auch mal Kinder, daran sollten sie 
denken. 'Es sind eii'.zelne Herrschaften, die sich gleich 
aufregen und er habe beobachtet, daß gerade die älteren 
Leilte nichts gegeii das Spiel der Kinder einzuwenden haben. 
Einigen Personen zn Liebe brauchte nicht gleich dieser Erlaß 
kommen. Bürgermeister Walger: Der Erlaß richtet sich 
nicht gegen das Spielen, er richtet sich gegen das übermäßig 
große Lärmen und gegen das Zerstören der Vorgärten; da 
sollen die Eltern die Kinder ermahnen. Er habe selbst gesehen, 
wie große Bälle in den Vorgarten fielen und die Kinder einfach 
über den Zaun klettern und die Bälle wieder holen. Dann 
wird auch vielfach ein Jndianergcheul angestiinmt, wo 
durch die Erwachsenen, die hierher zogen, um Ruhe zu 
haben, belästigt werden. Wir haben als Kinder auch ge- 
lärint (sehr richtig), mir sind aber auch zurechtgewiesen ivorden. 
(Lebhaftes: Nein! G.-B. Richter: Aber nicht vom Schntz- 
mann.) Was die Spielplatzfrage anbetrifft, so sei er der 
Ansicht, daß es kaum eilte Großstadt gibt, die ans einem 
Areal wie das der Geineinde Friedenau so viel Spielplätze 
aufzmveisen hat. Provinzstädte haben freie Felder und 
Wieselt, das gibt es natürlich in der Großstadt nicht. Wenn 
man die Interessen der Einwohner, die Ruhe haben wollen, 
in Einklang bringen will, dann bleibt nichts anderes übrig, 
als daß die Eltern die Kinder zum ruhigen Spiel ermahnen, - 
man müsse auch ans die Haustyrannen wirken, auch an die 
Schulen ist der Erlaß ergangen. Wenn der Erlaß in den 
Berliner Zeitungen abfällig kritisiert wurde, so sei das ja 
nichts neues. Wer an öffentlichen Straßen baut, wird 
kritisiert. Aber von einer Gegenströmung, von einem Protest 
habe er noch nichts gehört, wohl aber habe er viele zu 
stimmende Zuschriften erhalten. G.-B. Finke bittet, den 
Spielplatz an der Schmalbacherstraße gegen das angrenzende 
Privatgrnndstück durch einen hohen Drahtzaun abzuschließen, 
damit die Bälle nicht hinüber fallen können. G.-B. Kunow 
und Richter sprechen noch wegen Erneuerung des Sandes 
und G.-N. Kunow erwähnt eine Zeitungsnotiz, in der ein 
Professor die vielen Bakterien auszählte, die er in dem Sande 
eines Kinderspielplatzes gefunden habe. G.-B. Dr. Thnr- 
mann meint, daß sv schlimm die Sache kaum sei, da würde 
man sich vielmehr noch bei einer Fahrt in der Elektrischen 
anstecken. Eine gewisse Indolenz des Einzelnen spiele bei 
der Ansteckung auch eine große Rolle. Es fliegen ja un 
zählige Bakterien in der Lust, die doch den meisten Menschen 
kaum Schaden bereiten. 
Darauf Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 3 / 4 9 Uhr. 
Es folgt eine geheime Sitzung. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Orlginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o In den .Kirchenrat gewählt. Für den verstorbenen 
Rechnmigsrat Carom, der fast 25 Jahre in unserer Kirchen- 
geineinde als Gemeindevertreter und zuletzt als Kirchcnrat 
tätig war, ist der bisherige Kirchengemeindevertreter und 
frühere Bnchdrnckereibesitzer H. Brücker in den Gemeinde- 
Kirchenrat gewählt worden. 
o Erleichterung des Reiseverkehrs. Die Staatsbahn- 
verwaltung hat an ihre Dienststellen eine Verfügung erlassen, 
ans der wir folgendes entnehmen: 
Um eine glatte Abwicklung des Reiseverkehrs zu erzielen und 
um Belästigungen des reisenden Publikums zu vermeiden, müssen 
noch sehr jugendliche General ]cr,t auf sie zurrat, um sie an 
zureden, da schien auch eine tadellose Aussprache des Ena- 
lischen Jessics Vermutung zu bestätigen. 
„Guten Abend, Fräulein Vera," sagte er. „Ich bin 
glücklich, >sic sogleich bei meinem Eintritt zu finden. — Möch- 
tcu Sie nicht die Güte haben, mich sogleich in eines der oberen 
Zimmer zu führen, wo ich vor den Augen der Späher sicher 
bin? Und darf ich Sie bit'.cii, die Königin von meinem Hier 
sein in Kenntnis zn setzen? — Es ist dringend notwendig, 
daß ich Ihre ÜJ;ajeftät so bald als möglich ohne Zeugen 
spreche. Ich hoste, daß Sic von meinem Wunsche bereits 
unterrichtet ist." / 
,'Ja, H^'r General," erwiderte Jessie, die sich jetzt ganz 
ails festem Boden iühlie. „Ihre Majestät geruhten, mir für 
diesen *yall die bestimmtesten Aufträge zu geben. Lassen Sie 
tius zusammen in den Garten gehen, ivic ivcnn mir dort 
jemanden suchen wollten. Dann werde ich Sie in das Ec- 
inach führeli, wo die Königin mit Ihnen sprechen tvill." 
, . wie sie ihm geheißen. In an 
scheinend gleichgültigem Gespräch, das laut genug geführt 
r‘ lm r U01 - 1 bcn Zunächst Stehenden gehört zu iverdcn, 
gingen sie langsam tu den Garten hinaus, um dann, als sie 
Ialuider Beobachter sicher glauben konnten, 
sehen Schrittes durch den ziveiten Eingang wieder in das 
us zu gelangen und hastig die Treppen eniporzneilen. 
»ortrctflirfjcx: Ortssinn, der ihr von jeher eigen ge- 
we,cn ivar, befähigte Jessie, ohne Mühe das von der Königin 
bezeichnete Zimmer zu finden. Sie ließ den General cin- 
• tCt ba,m; , f° schall ihre Füße sie trage.l ivoNten, 
eu Empiaugssalvu zurück, um die Königin von Astoricn 
von Auvfulirttttn ihres Befehls unterrichten. 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.