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Periodical volume Nr. 129, 04.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Memrr Lcklll-Anrrl-er. 
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Jecken Sonntag! 
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Nr. 129. 
Werlin-Ariedenau, Mittwoch, den 4. Znni 1913. 
20. Zatzrg. 
vepelcken 
Letzte NacKrickten 
Berlin. In das Neuköllner Krankenhaus in Buckow 
wurde die aus drei Personen bestehende Familie des Bau 
arbeiters Kohls ans der Pannierstraße 13 in Neukölln 
unter den Anzeichen einer schweren Vergiftung eingeliefert. 
Es wurde ermittelt, daß die Erkrankten Leber gegessen 
hatten; es wird angenommen, daß sie schlecht und zum 
Genusse ungeeignet war. Die Eheleute Kohls und ihr 
Kind erkrankten schwer und wurden auf Anordnung des 
Arztes ins Krankenhaus geschafft. Hier hat sich das Be 
finden des Mannes etwas gebessert; die Frau und das 
Kind schweben aber noch in Lebensgefahr. 
Kopenhagen. Hier verunglückte der dänische Flieger 
offizier Oberleutnant z. S. Hoeck. Er versuchte gestern 
Nachntittag auf dem Marineflugzeug „Maugen" die See 
festung Proevestenen zu umfliegen. Plötzlich stürzte das 
Flugzeug ab. Hoeck fiel ins Wasser. Ein Torpedoboot 
rettete ihn. Er hatte mehrere Verletzungen erhalten und 
mußte in das Krankenhaus gebracht werden. 
Paris. Gegen einen Hilfslehrer der Realschule in 
Sedan ist eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet ivordcn, 
weil er die Schüler veranlaßt hatte, eine Petition gegen 
die dreijährige Dienstzeit zu unterzeichnen. 
Rom. Die bekannte Kartenlegerin Geneveva Nistri 
wurde verhaftet. Ihre „Liebestränke" haben mehreren 
Personen das Leben gekostet. Zu ihrer Klientel gehörte die 
römische Aristokratie. Das Geschäft muß sehr einträglich ge 
wesen sein, denn die Nistri besaß eine Villa in Rom, Pisa 
und Florenz und außerdem ausgedehnten Landbesitz. 
Washington. Im Repräsentantenhanse wurde gestern 
eine Gesetzvorlage eingebracht, wonach fremde Schiffe ebenso 
wie amerikanische das Recht der freien Durchfahrt durch 
den Panamaknnal haben sollen, wenn sie in der Küsten 
schiffahrt tätig sind. Die Einleitung der Vorlage sagt, eine 
Beschränkung der Schiffahrt auf amerikanische Fahrzeuge 
würde der monopolistischen Kontrolle des Handels Vorschub 
leisten. 
Gegen clie Keickszuwackstteuer 
mehren sich ständig gewichtige Stimmen. Unterm 16. d. M. 
hat Herr Justizrat C. Viebig, der Syndikus des Hans- und 
Grundbesitzcroereins Berlin-Schöneberg an die Budget 
kommission des Reichstages eine Eingabe gerichtet, die 
wegen ihrer trefflichen Ausführungen verdient, weiteren 
Kreisen bekannt zu werden. 
Herr Viebig führt in seiner Eingabe u. a. aus: 
„Im Anschluß an die im Reichstag von einem Herrn Abge 
ordneten abgegebene Erklärung, daß das Wcrtzuwachsstcucrgcsctz 
überhaupt nicht eingeführt ivorden wäre, wen die nachteiligen 
Folgen desselben vorauszusehen gewesen wären, erlaube ich mir 
den Nachweis aus meiner Praxis zu führen, daß dasselbe unter 
jeder Bedingung beseitigt werden muß, weil dasselbe 1. lückenhaft, 
2. unklar, 3. ungerecht, 4. das allgemeine Interesse schädigend ist. 
Es folgen dann einige Beispiele, welche die vorstehende 
Behauptung in recht krasser Weise bestätigen. Dann heißt 
es weiter: 
(Unter der Last der (Arom. 
Roman von R. M. White. 
4 c (Nachdruck verboten.) 
Die seltsame Szene ging vorüber wie ein Traningesicht. 
Ohne daß ein Wort zwischen ihnen geivcchselt ivorden wäre, 
verschwanden die drei in der Tiefe des Ganges, und Jcssie 
hörte nur noch, ivie irgendwo in der Nähe vorsichtig eine 
Tür geschlossen ivurde. Für eine kleine Weile ivar cs fast 
beängstigend still um sic her, und in der Dunkelheit, die 
sie einhüllte, wagte sie keine Beivcgung. Ta raschelte cs 
wieder, eine iveibliche Gestalt huschte durch die angelehnte 
Tür herein, und gleich darauf flammten die elektrischen Glüh- 
lanipcn ivieder auf, die an der Decke und neben dein großen 
Ankleidespiegel angebracht waren. 
Ein schlankes junges Mädchen in einfach vornehmer 
Dinertoilette stand vor Jessie. Ein bezaubernd liebenswürdi 
ges Lächeln war auf ihrem schönen Gesicht, aber ihre Wangen 
»raren von einer Blässe, »vie sie große innere Erregung zu 
erzeugen pflegt. Mit einer fast ungestümen Bcivegung erfaßte 
sie beide Hände der jungen Modistin. 
„Wie gut von Ihnen, daß Sie gekommen sind! — Gott 
allein weiß, »vie dankbar ich Ihnen dafür bin. — Bitte — 
nehmen Sie Ihren Hut ab! — Und nun treten Sie her zu 
rnir — hierher vor den Spiegel! —Ta — blicken Sie hinein! 
— Und nun sagen Sie mir, ob wir nicht für Zivillings- 
schtvesteru paisicren könnten!" 
Jessie hatte, ganz fasziniert von der Liebensivürdigkcit 
der jungen Dame, alles getan, rvas sie in hastigen Worten 
von ihr verlangte. Jetzt aber ka»n..ein unwillkürlich;»: Ausruf 
„Seit dem Erlaß des Gesetzes hat der Grundstückshandel fast 
vollständig aufgehört. An dem Grundstückshandcl sind nicht irur 
die Grundstückseigentümer, sondern auch dieHypothekengläubigcr stark 
interessiert. Zn den Grundstückseigentümern und den Hypothekcn- 
glänbigerngehören dievcrschiedensten Aerufsklasscn. Mit Rücksicht auf 
die hohen Kosten, welche jetzt auf dem Grundstückshandcl liegen, sind 
die Grundstückseigentümer außerstande, Hypotheken zu erhalten, 
zum inindestcn müssen sic aber in den Fällen, ivo ihnen solche ge 
währt werden, so außergewöhnliche Opfer bringen, daß sie das 
Grundstück doch nicht halten können. Eine amtliche Nachfrage 
würde ergeben, daß nach Einführung des Gesetzes die Zahl der 
Subhastationcn ganz außergewöhnlich zugenommen hatte, und daß 
in denselben viele Millionen Hypotheken ausgefallen sind, da die 
Hypothckengläubigcr nicht in der Lage waren, bei den hohen 
Stempeln und Stenern das Grundstück zu erwerben. Die Zwangs 
versteigerungen hatten sich nicht vermeiden lassen, weil es den 
Grundstückseigentümern nicht gelang, Käufer zu finden, die bei den 
hohen Stempeln und Stenern die Grundstücke erwerben konnten. 
Die weitere Folge davon, daß die Eigentümer das Grundstück 
nicht verkaufen konnten, ist die gewesen, daß die Eigentüincr viel 
fach ans Grund des § 1124 B.G.B. zum Nachteile der Hypothekcn- 
glänbiger die Mieten abtraten, um wenigstens auf diese Weise 
ctivas zu retten. Die Folge dieser Abtretung ist wieder die ge- 
wesen, daß Anfechtungsprozesse erforderlich geworden sind, die den 
Hypothekcngläubigern auch meist nur Unkosten verursacht haben, da 
die Zessionare gewöhnlich zahlungsunfähig waren. 
Den Herreil Mitgliedern der Konimission ist ja bekannt, daß 
das Wertznwachssteuergesetz lange nicht die Einnahmen gebracht 
hat, die aus demselben erwartet wurden und daß die Einnahmen 
aus Landesstempcln und Reichssteuern ganz erheblich seitdem zurück 
gegangen sind. Da von dem Grundstücksgcschäft die ver 
schiedensten Berufsklassen leben, muß der Umsatz derselben nicht 
durch hohe Steuern und Stempel beschränkt werden. Sicherlich kann 
auch im Grundstückshandcl oft davon gesprochen werden, daß der 
Gewinn ohne Zutun des Eigentümers erzielt wird. In den meisten 
Fällen wird aber gerade im Grundstückshandel eine große Gcschäfts- 
gcwandtheitz vorausgesetzt, da die Beschaffung von Hypotheken, die 
Vermietung der Wohnungen und ein günstiger Verkauf des Grund- 
stücks oft mit großen Schwierigkeiten verbunden sind. Der 
Grundgedanke für die Erlassung des Gesetzes ist daher im Geschäfts- 
leben ein irrtümlicher gewesen. Ohne Zutun des Berechtigten ist 
dagegen der Ansall einer Erbschaft oder der Gewinn aus einer 
Wette, so daß nach dieser Richtung hin der Gewinn besteuert werden 
»nützte." 
Diese Ausführilngcn decken sich mit der allgemeinen 
Ansicht, daß es vollkonnnen verfehlt mar, aus dieser Steuer 
die Reichseinnahmen erhöhen zu wollen. Wenn auch ein 
Witzbold sagte: „Die Fehler sind dazu da, daß sie gemacht 
werden!" so ist das doch eine recht schivache Entschuldigung 
für Mißgriffe einschneidender Art. 
Der verflossene Finanzministcr von Rheinbaben glaubte 
Preußen einen besonderen Vorteil zuzuwenden, als er s. Zt. 
den Zinsfuß, der erst kurze Zeit zuvor ausgegebenen 4 proz. 
Konsols um 1 / 2 Prozent herabsetzte (konvertierte, heißt die 
ausländische Bezeichnung) und den Kurs damit um 10 Proz. 
drückte. Da die Engländer gerade geneigt gervesen waren, 
unsere Anleihen zu kaufen, hätten »vir an ihnen auch später 
gute Abnehmer unserer Anleihen gehabt, aber so fühlen sie 
sich geschädigt und dankten für die Folge. So liegen nun 
die Titres unserer Anleihen »vie Blei in den Kassen der 
Großbanken, die sich schivere Mühe geben müssen, um 
Käufer dafür zu finde»». Eine bedauerliche Folge unge 
schickter Maßnahmen. Herr Justizrat Viebig schlägt ferner 
in seiner Eingabe vor: 
Durch ein zu erlassendes Gesetz über die Konzessionicrimg von 
Buchmachern würden ziveifellos ganz andere Summen ohne große 
Ausgaben zu erzielen sein, »vie jetzt aus dein Wcrtzuwachsstcuer- 
gesetz durch die Reichsivertzuivachssteucr und das zweite Drittel 
höchster llederraschuug von ihren Lippen, denn die sie da im 
Spiegel neben sich sah, ivar nichts anderes als ihr leibhaftiges 
Ebenbild — eine Wiederholung ihrer eigenen Person, »vie 
die Natur sie nur in einer ihrer seltsaiuslcn Launen hatte 
hervorbringen können. 
! 3. Kapitel. 
»Mein Gott, wie ist cs nur möglich!" rief Jessie, die sich 
von ihre»» Erstaunen kann» zu erholen vermochte. „Eine 
solche Aehnlichkcit iväre ein offenbares Wunder selbst zivischcn 
den nächsten Berivandten. Und »vir sind einander doch voll 
ständig fremd. — O, bitte — nennen Sie mir Ihren Namen!" 
„Er »vird Ihnen kann» jemals zu Gehör gekommen sein, 
denn Sie haben recht: »vir sind einander bis zu diesem Tage 
völlig fremd gewesen. — Ich heiße Vera GaUvway und bn» 
die Nichte des Lord Merehavcn, in dessen Hanse »vir uns be 
finden. Da mein Onkel keine Kinder hat, bin ich von ihm 
und seiner Gattin, die ich seit früher Jugend »vie eine Mutter 
liebe, an Kindesstatt angenomincn ivorden. Und die Seilte, 
die mich für ein sehr glückliches, beneidenswertes Mädchen 
hielte»», teilten daniit nur meine eigene Ueberzeugung. Denn 
ich ivar wirklich bencidensivert, bis zu dem Tage, der die 
schrecklichste Gefahr nicht nur über meine Berivandten, sondern 
vor allem auch über eine Persönlichkeit hcransbcschivor, die 
mir teurer ist als irgend jemand aus Erden. Ich kann Ihnen 
jetzt nicht erzählen, um was es sich handelt, denn das »oürde 
viel mehr Zeit erfordern, als mir zur Verfügung steht. Lassen 
Sie sich an meiner Versicherung genügen, daß es das Glück 
meines Lebens, daß es meine ganze Znknnst ist, die ans dem 
Spiele sicht. Es ist dringend nolivendig, daß ich mich sür 
die nächsten Stunden den argwöhnischen Blicken von Leuten 
entziehe, die mich beobachten, und daß ich die Möglichkeit ge- 
dcr Reichsstener erzielt wird. Selbstverständlich müßten durch das 
neue Buchmachergcsctz naiiicntlich die sogen, festen Wetten getroffen 
roerden, die dadurch ermittelt iverden könnten, daß der Buchmacher 
die jetzt allgemein üblichen Quittungsbüchcr zu führen hat, die 
drei Belege enthalten. Der eine Belag müßte in Händen des 
Bnchinachers bleiben, derj zivcitc dein Steueramt und der dritte 
dem Wetter bchändigt werden. Außerdein müßte aber der Wetter 
für die Steuer haftbar gemacht werde», der einen Geivinn an 
nimmt, von dem nicht der Buchmacher die Steuern sofort in 
Abzug gebracht hat. Jetzt hat der Reichstag die Gelegenheit, bei 
den Deckungsvorlagen das die Allgeineinheit schädigende Wertzu- 
wachssteucrgesetz durch andere Gesetze zu ersetzen, die nicht den 
Staatsbürger verhindern, durch Fleiß und geistige Tätigkeit sich 
ihr Brot zu verdienen. E. Fl. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur init Quellenangabe gestattet.) 
o Gemeinsames Kanfmannsgericht Verlin-Schöne- 
berg und Vcrlin-Friedenau. Nach dem Bericht über die 
Geschäftstätigkeit des Kaufniannsgerichts betrug die Zahl 
der iin Jahre 1912 (1911) anhängig geinachtcn Klagen 
445 (360); davon entfallen auf Friedenau 65 (41). Es 
haben geklagt: Handlungsgehilfen gegen Kaufleute 433 
(349), Kaufleute gegen Handlungsgehilfen 12 (11). Hierzu 
traten die iin Vorjahre unerledigtjs gebliebenen 41 (34), 
svdaß insgesamt 486 (394) Streitsachen zu behandeln 
ivarcn. Vor Abhaltung des ersten Termins sind zurückge 
nommen ivorden 22 (16). Es verblieben für die Recht 
sprechung also 464 (378) Klagen. Von diesen sind 420 
(337) erledigt, der Rest von 44 (41) ist auf das folgende 
Jahr übernommen ivorden. Die Zahl der im Jahre 1912 
zu verhandelnden Streitsachen hat gegenüber dem Vorjahre 
um 92 (45), d. h. um rund 23 (13) Prozent zugenommen. 
Mehrere Personen haben dreimal (viermal) gemeinschaftlich 
Klage erhoben. 6 (2) Klagen sind miteinander verbunden 
worden. 8 (13) Parteien haben mehrmals aus demselben 
Dienstverhältnis gegeneinander geklagt, und zivar 2 (1) je 
dreimal, die übrigen (12) je zweimal. Von den Firmen usw. 
sind als Kläger oder Beklagte aufgetreten 1 (1) neunmal, 
— (1) siebenmal, 1 (2) sechsmal, 4 (1) je fünfmal, 8 (2) 
je viermal, 9 (9) je dreimal, 48 (41) je zweimal und die 
übrigen je einmal. In den 445 (360) Klagen wurden 
geltend gemacht: Ansprüche auf Antritt, Fortsetzung, Auf 
lösung des Dienst- oder Lehrverhältnisses, Aushändigung, 
Inhalt des Zeugnisses 32 (30), Ansprüche auf Leistungen 
aus dem Dienst- oder Lehrverhältnisse 406 (330), Ansprüche 
auf Rückgabe von Sicherheiten, Zeugnissen, Legitimations 
papieren usw. 27 (19), Ansprüche auf Schadenersatz oder 
Zahlung einer Vertragsstrafe ivegcn Nichterfüllung oder 
nicht gehöriger Erfüllung der Verpflichtungen, welche die z>» 
a bis c bezeichneten Gegenstände betreffen, soivie wegen 
gesetzividriger oder unrichtiger Eintragungen in Zeugnisse, 
Krankenkassenbücher oder Quittnngskarten 19 (8), Ansprüche 
aus unrichtiger Berechnung und Anrechnung von Kranken- 
kassenbeiträgen — (—), Ansprüche aus einer Vereinbarung, 
durch welche der Gehilfe oder Lehrling für die Zeit nach 
Beendigung des Dienst- oder Lchrverhältnisses in seiner 
gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird 2 (2), zusammen 486 
(389). Mehr als ein Anspruch wurde in 41 (29) Klagen 
erhoben. Der Wert des Streitgegenstandes betrug: Bis 20 
ivinne, ungehindert ein überaus »vichtigcs Vorhaben aus 
zuführen. Aber es ist ebenso notwendig, daß man mich 
während dieser Zeit hier unter den Gästen meiner Tante sieht. — 
Begreifen Sie jetzt, »velchcn Dienst unsere wunderbare Achn- 
lichkeit mir leisten soll, mein liebes Fräulein Harcourt?" 
„Oh, Sie iverden doch nicht von mir erwarten, daß 
ich " 
„Daß Sie für eine kurze Zeit hier meine Stelle ein. 
nehmen — ja, das ist cs, »vas ich von Ihrer Herzensgute und 
Ihrem Mitleid inständig erbitte." 
„Aber das ist doch undenkbar — unmöglich! — Sie 
können eine so abenteuerliche Idee nicht iin Ernst sür aus 
führbar halten." 
„Und ivarnm nicht? — Wenn Sie nur den guten Willen 
hätten, mir beizustehen * 
Jcssie fühlte sich bereits so innig zu ihrer anmutigen Doppel 
gängerin hingezogen, daß es die lauterste Wahrheit war, als 
sie in schmerzlicher Erregung einfiel: 
„Ich rufe den Himmel zum Zeugen, daß ich init Freuden 
alles sür Sie tun werde, was in meinen Kräften steht — 
ganz abgesehen davon, daß meine traurige Lage mir kaum 
gestatten »vürde, die Möglichkeit eines Verdienstes zurück- 
zuiveisen. — Aber das was Sie da verlangen, liegt doch ganz 
außer dem Bereich aller Möglichkeit." 
„Keinesivegs! — Hub Sie können sich wohl denken, daß 
ich alles reiflich überlegt habe, ehe ich Ihnen meinen Vorschlag 
machte. — Sie sind Ihrer Herkunft nach eine Lady wie ich 
und mit den Umgangsforinen der guten Gesellschaft hinläng 
lich vertraut, um durch keinen Verstoß aufzufallen. Das aber 
ist die Hauptsache. Tenn eine Entdeckung aus anderen Ur 
sachen iväre kaum zu befürchten. Meine Tante wird an 
diesein Abend koin Anspruch, genommen, fein, daß S»c ihr
        
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