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Periodical volume Nr. 128, 03.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beschaffung der zweiten Hypotheken mit Hilfe der Ge 
meinden, von Generalsekretär Dr. Lindecke, Düsseldorf. Die 
Bauberatnng in kleinen und mittleren Gemeinden, von 
Stadlbaurat Kgl. Baurat Schönfelder, Elberfeld. Die 
Müllbeseitigung in kleineren Städten, von G. Kircher, 
Polizeiinspektor in Solingen. Wassergeld und Wassergeld 
erhebung, von Stadtrat Dr. Moericke, Mannheim. Das 
Recht des Eigentümers am unterirdischen Wasser nach dem 
preußischen Wassergesetz, von Stadtrat Dr. Reichert, Liegnitz. 
Zentralisation und Dezentralisation im Krankenhausbetriebe, 
von Kgl. Bauinspektor Thierbach, Berlin W., Angelegen 
heiten und Arbeiten der sächsischen Gemeinden, von Stadtrat 
Dr. Krüger, Dresden. Angelegenheiten und Arbeiten der 
oldenburgischcn Gemeinden, von Assessor Heinemann, 
Delmenhorst. Die Angelegenheiten und Arbeiten des Ober 
schwäbischen Städteoerbands, von Stadtschultheiß, Munding, 
Tettnang (Württ.) Die Angelegenheiten und Arbeiten der 
badischen Landgemeinden und kleinen Stadtgemeinden, von 
Verbandssekretär Meiß, Heidelberg. Die Tätigkeit des 
Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik 1911 
und 1912, von Generalsekretär Erwin Stein, Friedenau. Aus 
dieser Tagesordnung geht wohl am Vesten die Ausdehnung 
der Kommunalwirtschaft hervor und es ist erfreulich, daß 
der so überaus rührige Verein für Kommunalwirtschaft und 
Kommunalpolitik durch seine Tätigkeit eine Zusammen 
fassung der Arbeit auf diesem Gebiete ermöglicht. 
o Das Viofontheater in der Rheinstraße 14 bringt 
von heute ab den amerikanischen Sensationsfilm Der vier- 
süßige Held, ein Drania in 2 Akten zur Vorführung. Ort 
der Handlung ist Wild-West an der Grenze der Indianer- 
Reservate. Die Handlung ist sehr spannend und was an 
Reitkünsten gezeigt wird, ist noch nie dagewesen. Ein sehr 
kluges Pferd, der vierfüßige Held, spielt darin eine Haupt 
rolle; auch ist die Handlung interessant und famos dar 
gestellt. Prächtig ist die Szenerie, das großartige Felsen- 
gebirge. Auf eigener Scholle heißt das zweite Draina in 
2 Akten, eine gut erfundene Wilddiebsgeschichte, sehr 
spannend und vorzüglich dargestellt. Handwerker im 
Kaukasus bringt hübsche Naturaufnahmen pitoresker Gegenden 
des interessanten Gebirgslandes. Ein hübscher Kmistfilm ist 
das Bild „Fahrradkünstler". Das Pathö Journal bringt 
wieder eine große Zahl Bilder von Vorgängen aus aller 
Welt. Auch das Tonbild ist recht nett. Die humoristischen 
Gaben, Leo dichtet und Nunne und die Geister, sind 
äußerst ulkig. Das Theater ist gut ventiliert, Speisen und 
Getränke empfehlenswert. 
o Ein Gewitter zog heute Vormittag in der 11. Stunde 
über Friedenau. Es brachte jedoch nur wenig Regen und 
geringe Abkühlung mit. Diese elektrischen Entladungen sind 
die Folge einzelner lokaler geringer Druckunterschiede im 
Innern Deutschlands, die bei der herrschenden Hitze stets mit 
mehr oder weniger schweren Gewittern verbunden sind. Nach 
alter Erfahrung bleiben Frühgewitter nicht vereinzelt; es 
dürfte deshalb vermutlich auch am Nachmittag oder Abend 
noch zu elektrischen Entladungen kommen. 
o Eine Familientragödie? Gestern Vormittag wurde 
an der Landrmgsstelle der Teltower Kanalschiffahrt am Frei 
bad Wannsee . eine gefesselte Frauenleiche gefunden. Die 
Leiche hat bereits einige Zeit im Wasser gelegen und wies 
Verletzungen auf, die aber auch durch Schiffsschrauben ver 
ursacht sein können. Die Tote ist etwa 40 Jahre alt. Sie 
trug eine brarnre Taille und einen schwarzen Rock. Die 
Tote hatte um den Arm einen starken Strick gebunden. 
Einige Stunden später wurde in unmittelbarer Nähe der 
Fundstelle noch die Leiche eines etwa 13jührigen Knaben, 
die. nur mit einem gestrickten Wollhemdchen bekleidet war, 
gefunden. Auch die Hände dieser Leiche zeigten Fesselungs- 
Merkmale. Man schließt daraus, daß es sich um eine 
Familientragödie handelt und die TvtcnMutter und Kind sind. 
o Hitzschlag. Gestern Abend wurde an der Kirch- 
straße und Kaiserallee-Ecke der 66 Jahre alte Hermann 
Callenberg aus Ludwigshafen, der hier bei seinem Sohn zu 
Besuch weilt, bewußtlos aufgefunden. Sanitäre der Feuer 
wache schafften den Unglücklichen nach der Sanitätswache, 
wo er vom Arzt des Rettungsdienstes behandelt wurde. 
Darauf erfolgte seine Ueberführung nach dein Krankenhause. 
o Erschossen aufgefunden wurden dieser Tage im 
Machnower Forst ein etwa 30 Jahre alter und eleganter 
Mann, der als der Inhaber eines Reklame - Instituts 
namens Martin Kraft von hier festgestellt wurde. Der 
Tote hatte 40 M. an Geld bei sich und mehrere Abschieds 
briefe,- aus denen hervorging, daß es sich um Selbstmord 
handelte. 
Selbstmord. In der Bergstraße in Steglitz hat sich 
am Sonnabend der Kaufmann V. erschossen. Geistige Um 
nachtung ist zweifellos die Triebfeder zu der Tat. Der 
.Verstorbene genoß den Ruf eines fleißigen Mannes und 
guten Vaters. 
o Ein Blumenräuber ist in Steglitz abgefaßt worden. 
In der Nacht zum Sonntag traf ein Steglitzer Beaniter 
Vereins-Qaebrickrten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Theatcrvercin „ikerxcs" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9V a Uhr im Vcreiuslokal Paul Spanholz, Steglitz, Körucrstr. 48o. 
Gäste als Mitglieder willkommen. 
Verband deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig. Im Kreist 
verein Steglitz, Berlinickestr. 15, „Hotel Steglitzer Hof" spricht am 
Mittwoch, Abends 9 Uhr Herr Reinh. Cyliax-Berlin- 
Friedcnau, Chefredakteur der Vereinigten Tabak-Zeitungen, 
Berlin, über das Thema: „Die Prcisschleuderci im Zigaretten 
handel und ihre Gefahren für den Angestellten. Gäste gern gesehen. 
Der Jahresbericht des Vereins Deutscher Kaufleute, Sitz Berlin, 
für das Jahr 1912 zeugt von einer guten Fortentwickelung dieses 
Handlungsgehilfenvereins. Seine Krankenkasse, die als älteste freie 
Hilfskasse für Handlungsgehilfen besteht, zahlte im Berichtsjahre 
193 228 M. für Krankcnhilfe, 20 523 M. mehr als im Vorjahre. 
Trotz dieser Mehrausgabe hat die Kasse doch das Vermögen um 
mehr als 35 000 M. vermehrt, sodatz sie heute einen Kassenbcstaihd 
von 198 718,05 M. ausweist. Im Anschluß an diese Kasse hat der 
Verein für die Familienangehörigen eine gleiche Einrichtung neu 
geschaffen, die im ersten Jahre bereits 4939 M. für ärztliche Hilfe 
ur»d Mcdikarncnte verausgabte. Die Kasse für alte und invalide 
Mitglieder zahlte Renten im Betrage von L045 M., insgesamt bis 
her 11 928,25 M. Die Stellenloscnuntcrstützungskasse hat bis zum 
Schluß des Jahres 1812 insgesamt 490 775/70 M. an Unter 
stützungen zur Auszahlung gebracht. Das gesamte Vercinsver- 
mögen in allen Kassen stieg 1912 von 551435 M. auf 615 381,04 
Mark und fand also eine Vermehrung von 63946 M. 
Sedoneberg 
—o Die Stadtverordneten-Versmnmlung bcivilligte in 
ihrer gestrigen Sitzung 73 200 M. für die Asphaltierung 
und den Ausbau der Badenschen Straße. Durch Erlaß der 
neuen Friedhofsordnungen sind einige Zusätze zu den alten 
Ordnungen über die Erhebung non Gebühren bei Grab- 
stellen für die städtischen Friedhöfe erforderlich geworden. 
Die Versammlung beschloß, daß der Friedhofsordnung fol 
gender Zusatz eingefügt wird: „Soll eine bereits zur Erd 
bestattung vcrivendcte Stelle zur Beisetzung von Aschenrestcn 
verwendet werden, so sind zu entrichten auf Erbbegräbnisse,' 
Gitter- und Gartenftellcn 20 M., auf sonstige Grabstellen 
15 M. Außerdem ist für die Beisetzung jeder Urne ein 
Betrag von 3 M. zu zahlen. Ohne Erörterung bewilligte die 
Versammlung 18 100 M. für Umarbeiten im alten Rathause. 
Die nei'e Dienstordnung für städtische Arbeiter wurde, nachdem 
Stadv. Bamberg (lib. Fr.) über die Ausschußsitzungen Be 
richt erstattet hatte, angenommen. x Zu Beginn der Sitzung 
teilte der Stadtverordnetenvvrsteher^Graf v. Matuschka mit, 
daß Oberbürgermeister Dominicns vom 2. Juli bis 13. August 
beurlaubt ist und während dieser Zeit von Bürgermeister 
Blankenstein vertreten wird. 
—o Im 4. Vierteljahr 1911 betrug die durchschnitt 
liche Zahl der täglichen Fahrgäste auf der Schöncbcrger 
Untergrundbahn 25 299, im darauffolgenden Vierteljahr 
26 906, im 4. Vierteljahr 1912 dagegen nur 24 518, 
letztere Zahl bedeutet also gegenüber der gleichen Zeit des 
Vorjahres ein Minus von 781. Von dem Gesamtverkehr 
entfielen auf den Ortsverkehr, d. h. auf Fahrkarten, die 
ausschließlich für die Schöneberger Bahn Gültigkeit haben, 
15 v. H. und auf den Uebergangsverkehr 85 v. H. 
— o Dem Königlich dänischen Konsul a. D., Christian 
Christoph von hier ist der Rote Adlerorden 3. Klasse mit 
der Schleife und der Königlichen Krone verliehen ivordcn. 
Aerlm und Vororte 
v Wilmersdorf. Erhebungen über das Anwachsen 
der Armcnlasten werden Hierselbst angestellt. Die Städtische 
Armendeputation beobachtet seit einiger Zeit ein ständiges 
Anwachsen der Arnienlasten. Einem kürzlich gefaßten Ent 
schlüsse folgend, wird das Statistische Amt gemeinsam mit 
dem Armenamt die Gründe dieser Erscheinung zu prüfen 
suchen und einen ausführlichen Bericht über die angestellten 
Ermittlungen verfassen. Die seit dem Jahre 1906 im 
Armenamt geführte Statistik ivird als Grundlage für die 
'geplante Erhebung dienen. In der Kartothek des Amtes 
ist über jeden Armcnpflegefall eine Karte angelegt worden, 
auf der genau verzeichnet ist, was zum Eintreten der Armen 
pflege Veranlassung gegeben hat, und wie der Fall weiter 
verlaufen ist. Die eingehende Bearbeitung dieses umfaitg- 
reichen statistischen Materials dürfte mehrere Monate in 
Anspruch nehmen. 
o Berlin-Lichterfelde. Die Gemeindevertretung 
stimmte in ihrer letzten Sitzung einstimmig den vom Bürger 
meister Schulz anläßlich des Regierungsjubiläums des 
Kaisers vorgeschlagenen Stiftungen zu. Außer der Be 
teiligung an der vom Verband der großen Landgemeinden 
geplanten Stiftung zwecks Unterstützung der Kriegsveteranen 
zeigte man sich mit der Beschaffung von 1400 Festschriften, 
die an die Schulkinder der drei obersten Klassen der Ge 
meindeschule zur Verteilung gelangen sollen, im Kosten 
beträge von 600 M. einverstanden. Den ortsangehörigen 
Kriegsteilnehmern von 1864, 1866, 1870-71 wurde, soweit 
sie nur ein Einkonimen bis 1200 M. haben, die Gemeinde- 
' steuerfreiheit zugebilligt. 
S t feiern, um in fröhlichem Wettkampf ihre Kräfte zu messen und 
wnkreis um Turnkreis zu prüfen, welche Fortschritte im Betriebe 
des deutschen Turnens und in der körperlichen Leistungsfähigkeit 
deutscher Männer und Jünglinge innerhalb der letzten Jahre er 
reicht worden sind. Vom frühen Morgen bis zum späten Abende 
sollen die Teilnehmer an diesem deutschen Turnfeste mit Springen, 
Laufen, Ringen, Fechten, Schwimmen, mit Frei- und Gerät 
übungen, mit Einzel- und MannschaftSwetttämpfen, mit Wett- und 
Musterspielen beschäftigt werden. Wohl wird diese angestrengte 
turnerische Arbeit im Festgewande erscheinen, aber sie steht auf dem 
Festplatze wie auf dem Turnplätze, im Schmuckkleide wie im Arbrits- 
kleide im ernsten, heiligen Dienste für Volk und Vaterland und ist 
zugleich ein dankbares Gedächmis an das vor 100 Jahren durch 
Ludwig Jahn begründete deutsche Volksturnen zur Hebung unsrer 
Volkskrafc und zur Erstarkung unsres jugendlichen Nachwuchses.; 
ein Erinnerungssest an das unvergeßliche 3. Deutsche Turnfest 
1863 in Leipzigs Mauern zum ehrenden Andenken an die großen 
Vesreiungstaten auf Leipzigs Fluren 1813. Alle diese ge 
waltigen Erinnerungen will das kommende 12. Deutsche Turn 
fest in Leipzig wieder erwecken, und zu Tausenden und Aber 
tausenden wollen die deutschen Turner herbeiströmen. Aber die 
meisten der erwarteten Hunderttausend deutscher Turner sind nichk 
Herren ihrer Zeit, und ihr Beruf bindet sie in strenger Pflicht 
erfüllung an die Werkstatt und an den Fabriksnal, an die Schreib 
stube und an das Warenlager, an Feld- und Grubenarbeit usw. 
Sie alle nehmen den gleichen Anteil an unsern hohen Aufgaben 
und hegen das innige Verlangen, an diesem Fest teilnehmen zu 
können. In dankbarer Anerkennung des förderlichen Wohlwollens, 
das die ganze Bevölkerung dem Turnen und der deutschen Tik^ä- 
sache schenkt und das insbesondere die Herren Arbeitgeber in ip 
manch edlem Beispiele der deutschen Turnerei bewiesen haben, • sei 
schon jetzt an diese die herzliche Bitte gerichtet, all ihren Arbeitern 
und Gehilfen, die am 12. Deutschen Turnfeste in Leipzig teil 
nehmen wollen, den dazu nötigen Urlaub zu gewähren und recht 
zeitig dahingehende Anordnungen zu treffen, daß eine allseitige 
Beteiligung der Turner am Feste^auch möglich wird. Die Turner 
werden dafür dankbar sein und die freudige Erhebung, die ein 
großes, vaterländisches Fest in froher Fcstgemeinde gewährt, in 
ihrer Brust bewahren und daheim in Beruf und Arbeit durch 
Fleiß und Treue auch bewähren. P. 
Gerichtliches 
(:) Ueber die Erhebung von Fahrgeldern in den ivcstlichen 
Vororten Berlins ist gcrichtlicherseits eine interessante Entscheidung 
gefällt worden. Ein Berliner Chauffeur hat einen Fahrgast iii 
Friedenau aufgenommen, um ihn nach Wilmersdorf zu fahren- 
Hierbei hatte er eine Strecke Steglitzer Terrain passiert und füg 
diese Strecke Taxe 3 eingestellt. Der Fahrgast erhob Klage wegen 
Ueberovrtcilimg und der Krastwägenführcr ivurde wegen Ilcber- 
tretung der Fricdenauer Droschkenorduung verurteilt, die vor 
schreibe, daß für die benachbarten Orte die Taxe 2 zu berechnest 
fei. Der Chauffeur machte geltend, daß nach der Berliner 
Droschkenorduung Steglitz außerhalb des Geltungsbereiches der 
Droschkenorduung liege und dort Taxe 8 311 erheben sei. Das 
Gericht entschied, das; für die Berliner Vororte, wenn von dort eine 
Fahrt angetreten werde, die Berliner Droschkenorduung nicht gelte, 
sondern die Droschkenorduung des bctr. Vorortes. Der Chauffeur 
war befugt, in Friedenau einen Fahrtauftrag anzunehmen, nutzste 
sich jedoch der Fricdenauer Droschkenorduung hierbei uittcr>ver>cn. 
Wäre die Fahrt in Berlin begonnen worden, so wäre, hei Durcki- 
querung Steglitzer Gebietes die Berliner Dröschkcnotdnung in Kraft 
getreten, die für Steglitz Berechnung nach Taxe 3 "(höhe' Taxe), 
vorschreibe. — Bei Fahrten in dön Vororten haben die Fahrgäste, 
auf der Hut zu sein, um nicht übervorteilt zu werden, zumal 
Steglitz und Lichtcrfeldp, die eigene Kraftdroschken haben, bei den 
Berliner Chauffeuren aks Feindesland betrachtet werden, ivcil sie 
in diesen Orten keine Fahrgäste aufnehmen dürfen. 
Vermischtes 
*0 Seit dem Siege Bülöws über die Franzosen bei Lucknu 
sind heute hundert Jahre vergangen. 
*v Auch ein „anonymer" Brief. Ein Berliner Kaufmann, so 
wird der Kdln. Bolkszcitung aus Berlin geschrieben, hatte einen 
Radfahrer, der sich als -unbrauchbar erwies und deshalb entlassen 
wurde, nachdem ihm vorher eine tüchtige Standrede gehalten war. 
Wenige Tage später erhielt der Kaufmann von ihm folgendes. 
Schreiben: „Werter Herr Müller! Ich wer (werde)'Ihnen mal 
einen auoniemen Brief schreiben, nämlich daß Sie ein Schuft und 
eine Lausejunge sind, weil Sie mir so jeschumpfen und so rnus- 
geschmisscn haben. Hochachtungsvoll August Schulze." (Folgt ge-, 
naue Wvhuungsangabc.) Der Kaufmann ließ den Burschen gleich 
kommen, imb er erschien auch in demütiger Haltung. Auf die Frage, 
warum er einen „anonymen" Brief geschrieben habe, erklärte er, 
gehört zu haben, wegen anonymer Briefe könne inan nicht bestraft 
werden. Herr Müller fragte ihn, ob er nun vor Gericht gestellt 
werden oder zwei Ohrfeigen haben wolle. Schulze antwortete: 
„Zmcc Ohrfeigen". Er bekam sie, gab darauf Herrn Müller die 
Hand, sagte „Ick danke" und verließ das Kontor. 
Geschäftliches 
SS®»* Das reinste Brot der Welt. Wie ein Ei ohne Schale, 
wie eine Wurst ohne Haut, ivandert das gewöhnliche Brot nackt 
und bloß durch 1000 Hände, allen Unrcinlichkeiten und Schmarotzer» 
ivährcnd seiner Herstellung und Aufbewahrung schutzlos preis 
gegeben.- Das Zeitalter der Hygiene fordert gebieterisch, auch das 
Brot bei seiner Herstellung mit einer Schutzhaut zu versehen, in 
der es mährend des weiten Weges vom Erzeuger zum Verbraucher 
verbleibt, sodass der Konsuincnt der erste ist, der das Brot mit der 
Hand berührt, ivenn er die Umhüllung entfernt. Dieses Problem 
hat die Mundipaugesellschaft, Berlin W 8, Taubenstraße 50, in 
der einfachsten und glücklichsten Weise gelöst. Nach dem dieser 
Gesellschaft patentierten Berfahreir gelangt das Teigstück 
schon vor dem Backprozesse in eine allseitig verschließbare 
Hülle aus Pflanzenfascrpapier, macht also den Backprozeß in einer 
allseitig verschlossenen Hülle durch und verbleibt auch in ihr 
während der ganzen Dauer seiner Herstellung und Aufbewahrung. 
Wer also auf reinliche Ernährung und Appetitlosigkeit Wert legt, 
fordere in allen besseren Bäckereien und Lebensmittelgeschäften das 
Brot in der hygienischen Backschntzhülle. Mundipan, das reinste 
Brot der Welt. 
einen Mann, der diese Pflanzen bei sich trug und über 
deren Eriverb er keine glaubhafte Auskunft geben konnte; 
die näheren Ermittelung ergaben dann, daß die beschlag 
nahmten Pflanzen von einem öffentlichen Platze gestohlen 
waren. Als der Dieb ist ein Gärtner in Steglitz festgestellt 
worden. 
Tulckriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Urlaub für die Turner! 
Vom 12. bis 16. Juli d. Js. wollen die deutschen Turner in 
! der blühenden gastfreudlichcn Stadt Leipzig das 12. Deutsche Turn- 
Wetteranssichten. 
Mittivochs: Teils heiter, teils bewölkt, Neigung zu 
Gewittern, sehr warm. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann MartiniuS, Friedenau. 
Bekanntmachung. 
Die Dienststunden der Gemeinde- und Aüitsverwaltung mit Aus 
nahme des Bauamtes sind vom 4. ds. Mts. ab bis auf weiteres von 
7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags 
festgesetzt worden. 
Das Standesamt wird für das Publikum um 12 Uhr geschlossen. 
Das Einwohner-Meldeamt bleibt zur Entgegennahme von Mel 
dungen und eiligen Sachen nach wie vor bis 6 Uhr nachmittags geöffnet. 
Berlin-Friedenau, den 3. Juni 1913. 
Der Gemeinde- und Amtsvorsteher. 
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3 Stunde» nach allen Bahnhöfen. 
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