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Periodical volume Nr. 128, 03.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

werden 29 000 M. nu§ Voranschlag XVI A. Nr. 2 für 
1913 bewilligt. 
b) Vergabe der Kabellieferung. 
Für die in der Vorlage Nr. 7 a näher begründete Ver 
stärkung des Kabelnetzes sind wegen der erforderlichen 
Materialien verschiedene Angebote eingefordert worden. Im 
ganzen wurden 10 Offerten abgegeben. Der Elektrizitäts 
ausschuß, der alle Angebote eingehend prüfte, hat vorge? 
schlagen: a) Die Lieferung der erforderlichen Kabel den 
Hackethal-Draht- und Kabelwerken in Hannover, b) die 
Lieferung des blanken Kupferdrahtes den Deutschen Kabel 
werken in Berlin-Lichtenbcrg und e) die Lieferung des 
isolierten Drahtes dem Felten Guilleaume-Karlsmerk in 
Mühlheim a. Rhein zu übertragen, vor der endgültigen 
Vergebung der Lieferungen jedoch noch mit den Hackethal- 
Dräht- und Kabelwerken wegen der Lieferung auch der 
Drähte zu verhandeln. Dies ist geschehen und die Firma 
hat diese Materialien zu Preiseir offeriert, die nunmehr die 
Offerte der Hackethal-Draht- und Kabelwerke in allen Einzel 
heiten zu der günstigsten werden läßt. Ueber Einzelheiten 
werden wir auf Wunsch in der Sitzung evtl, münd 
lich Aufschluß geben. Wir beantragen im Einvernehmen 
mit dem Elektrizitätswerksausschuß, beschließen zu wollen: 
Die Lieferung der zur Verstärkung des Kabelnetzes erforder 
lichen Materialien wird den Hackcthal-Draht- und ^Kabel 
werken in Hannover zu den uns angebotenen Preisen iiber- 
tragen. 
Vorlage betreffend Verbesserung der Straßenbeleuchtung in einigen 
Straßen und Bewilligung der Mittel. 
Um den. wiederholten und berechtigten Klagen über die 
unzureichende und mangelhafte Beleuchtung in cinzeüren 
Straßen zu entsprechen, sowie um die bereits begonnene 
plarmrüßige Verbesserung der Straßenbeleuchtung weiter zit 
führen, sollen jetzt die nachstehend bezeichneten Straßen mit 
besserer Beleuchtung versehen werden. Kaiscrallec, Sieglinde-, 
Isolde-, Brünhildc-, Elsa-, Kundry-, Ortrud- und Senta 
straße, sowie Friedrich-Wilhelm- und Wagncrplatz sollen 
dnrchiveg Flammenbogenlainpen yon 3000 bcziv. 1100 
Kcrzenstärke und Laubacherstraße zwischen Hertel- und Kreuz- 
nacherstraße und Maßinannstraße Metallfadeulampen von 
200. Kerzenstärke erhalten. Die erforderlichen Mittel, nach 
dein Kostenanschläge 9000 M- sind aus den im Voran 
schläge XVIA für 1912 Nr. 0 bereitgestellten noch nicht 
vexbranchten und nach dem Voranschläge 1913 XVIA Nr. 2 
übertragenen 35,000 M. zu entnehmen. Wir beantragen 
in Uebereinstimmung mit dem Elektrizitätswcrksausschuß, 
beschließen zu ivollcn: 
Zur Verbesserung und Erweiterung der Straßen 
beleuchtung tu der Kaiscrallec, Sieglinde-, Isolde-, Briiun- 
hildy-, Elsa-, Kundry-, Ortrud- und Sentastraße soioie auf 
de»; Friedrich-Wilhelm- und Wagncrplatz, der Laubacher 
straße zwischen Hertel- und Krcuzuacherstraße und der Maß- 
maunstraße werden 9000 M. aus dem Voranschläge XVIA 
für 1912 Nr. 0 bezw. aus dem Voranschläge XVI A für 
1913 Nr. 2. bewilligt. 
Vorlage betreffend Verstärkung des GeinciildcauSschilsses für 
Jugendpflege. 
Der frühere Ortsausschuß der Jugendpflege hat uns 
angezeigt, daß er eine Vereinigung mit deut jetzt bestehenden 
Geiiteindeausschuß im Interesse der Sache fiir wünschens 
wert und. vorteilhaft halte. Er würde sich auslösen und 
seine Funktion dein Gemciudeausschuß übertragen unter der 
Voraussetzung, daß die Herren Rektor Kanl, Zaeschke und 
Bäckermeister Wernike als stimutberechtigte Mitglieder in 
den Gemeindeausschuß (nicht Jugendpflege-Arbeitsaussckniß) 
aufgenommen werden. Im Interesse der Sache halten wir 
cs für wünschenswert, diesem Vorschlage zu entsprechen. 
Wir ersuchen deshalb die Gemeindevertretung, folgenden 
Beschluß zu fassen: Der unterm 3. April 1913 von der 
Gemeindevertretung eingesetzte Gemciudeausschuß für Jugend 
pflege wird durch einen Gemeindeverorduetcn und zwei 
Bürgerdeputierte erweitert und die Herren Wernike, Kanl 
und Jacschke werden als Mitglieder gewählt. 
tokahs 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Abänderung der Dienststnrtdcn unserer Ge- 
lneittdebeauttcn. Der heißen Witterung wegen sind die 
Dienststunden unserer Gemciudebeaiuten früh um eine 
Stunde früher gelegt und Nachinittags um eine Stunde 
verkürzt worden, sodaß die Büros unserer Amts- ultd Ge- 
Kniehoscu und weißen Scidenstrümpsen trat aus sie zu und 
fragte nach ihrem Begehr. 
Jcssie. hätte sich die in dem Briese gegebenen Vorschriften 
gut eingeprägt und mit einer Sicherheit, die sie selber fast in 
Erstaunen setzte, sagte sic: 
„Ich komme von Fordcrs in Piccadilly und bin aus 
diese Stunde herbestellt worden." 
Ter Diener ivar offenbar bereits instruiert worden. 
„Es ist wegen eines Kleides — nicht wahr?" fragte er mit 
der gnädigen Herablassung, die herrschaftlichen Lakaien tut 
Verkehr mit ihresgleichen eigentümlich ist. „Warten Sie einen 
'Augenblick. Ich iverde hinansschicken und fragen lassen, ob 
Sie empfangen ivcrdcn können." 
Noch vor Ablauf einer Minute erschien ein hübsches junges 
Mädchen mit weißem Zosenhäubchcn und forderte Jcssie auf, 
ihr zu folgen. Sie führte sie die Treppe hinaus bis in das 
zweite Stockwerk und da über eilten langen Gang in ein Ge 
mach, das augenscheinlich das Ankleidezimmer einer sehr vor 
nehmen Dame ivar. 
Selbst bei den elegantesten Kundinnen der Madame 
Malmaison hatte Jcssie kaum je größeren Luxus gesehen, als 
hier. Ein entzückend gearbeitetes, duftiges Ballkleid, ras offen 
bar für ein junges Mädchen bestimmt war, lag über einer 
Canscuse ausgebreitet, und auch sonst deuteten alle Anzeichen 
darauf hin, daß sich die Bewohnerin hier für einen großen 
Empfang ankleiden wolle, wie er den ojfiziellcn Tiners in den 
aristokratischen Häusern zu folgen pflegt. Einer der Fenster- 
vorhänge war nicht vollständig ' zugezogen und durch den 
Spalt vermochte Jessie einen Blick in den darunter liegenden 
Garten zu werfen, der mit zahlreichen Lampions erleuchtet 
war. Für ihr Leben gern hätte sie den schwarzen Schleier 
ein wenig gelüftet, der sie verhinderte, alle die hübschen Dinge 
meindcvcrwaltung von morgen ab bis auf weiteres von 
7—2 Uhr geöffnet sind. Das Standesamt wird bereits 
um 12 Uhr geschlossen. Für das Bauaint bleiben jedoch die 
bisherigen Dienststunden bestehen. 
o Die Ausschüsse unserer Gemeinde. Es wird be 
kanntlich die Hauptarbeit unserer Ortsvertrctung in den 
Gemeindeausschüssen erledigt. Nach dem Jahresbericht der 
Gemeindeverwaltung für 1912 bestanden im Vorjahre ins 
gesamt 24 Ausschüsse, ausschließlich der Einkommensteucr- 
Vvreinschätzungsknmmission. Es ivarcn vorhanden: 15 Aus 
schüsse, deren Mitglieder alljährlich neugewählt werden und 
zwar: Armenausschuß mit 29 Mitgliedern, Ausschuß zur 
Beaufsichtigung der Vernichtung der ausgelosten Gemeinde 
anleihescheine mit 4 Mitgliedern, Ausschuß fiir Gärtnerei 
und Friedhof mit 9 Mitglieder, Ausschuß für den Markt 
mit 7 Mitgliedern, Bibliotheksansschuß mit 4 Mitgliedern, 
Eiuquartierungsausschuß mit 6 Mitgliedern, Feuerlöschaus- 
schuß mit 9 Mitgliedern, Ausschuß für Straßenreiniguitg 
und -Besprengung mit 9 Mitgliedern, Ausschuß zur Prüfung 
der Gemeiuderechnungen mit 8 Mitgliedern, Banausschuß 
* mit 11 Mitgliedern, Verkehrsausschuß mit 10 Mitgliedern, 
! Vcrwaltungsausschuß für das Elektrizitätswerk mit 7 Mit 
gliedern, Steucrausschuß mit 11 Mitgliedern, Finanzaus 
schuß mit 7 Mitgliedern, Kuratorium der Heinrich- und 
Bcrtha-Sachs-Stiftung mit 0 Mitgliedern; 0 Ausschüsse, 
deren Mitglieder auf Grund besonderer Vorschriften ge 
wählt werden, und zwar: Beamtenprüfungsausschuß mit 
5 Mitgliedern, Gesundheitsausschuß mit 0 Mitgliedern, 
Kuratoriuin für die höheren Schulen mit 13 Mitgliedern, 
Schnldcputation mit 13 Mitgliedern, Waisenrat mit 22 
Mitgliedern, Schulvorstand der Fortbildungsschule mit 7 Mit 
gliedern; drei sogen, vorübergehende Ausschüsse und zwar: 
Ausschuß für die Streitsache mit der I. C. G. A. mit 
7 Mitgliedern, Rathausbauansschuß mit 14 Mitgliedern 
und Tcuernngsausschus; mit 12 Mitgliedern. Die Ein- 
kommensteuer-Vorcinschätzungskommission nebst den 8 Unter 
ausschüssen besteht aus zusammen 96 Mitgliedern. Die 
Tätigkeit der Ausschüsse zeigt folgende Zusainmenstellung: 
Kuratorium für die höheren Lehranstalten 14 Sitzungen, 
310 Sachen, Schnldcputation 14 Sitzungen, 225 Sachen, 
Bauausschuß 13 Sitzungen, 95 Sachen, Armcnausschuß 39 
Sitzungen, 1024 Sachen, Einkommcnstcuer-Voreinschätznngs- 
kommissivn 28 Sitzungen, Elektrizitätsausschuß 7 Sitzungen, 
51 Sachen, Gärtnerei-, Friedhofs- und Marktausschuß 14 
Sitzungen, 13Sachen,Straßenreinigungsausschuß 4 Sitzungen, 
11 Sachen, Steucrausschuß 4 Sitzungen, 70 Sachen, sowie 
die übrigen Ausschüsse zusammen 60 Sitzungen. 
o Aus Anlas» des 25jährigen Regiernngsjubilännts 
unseres .Kaisers veranstaltet die Genieinde am 16. Juni 
eine patriotische Feier. Leider steht ihr zu dieser Ver 
anstaltung dicsinal kein ausreichend großer Saal zur Ver 
fügung. Die Aula des Realgtzmnasiums ist wegen 
Reparatnrarbeitcn lisw. für eine längere Zeit gesperrt. So 
soll da§ Fest in der Aula der Königin-Luise-Schulc gefeiert 
werden. Um jedeut Teilnehmer aber einen Platz zur Ver 
fügung stellen zu können und einen Massenandrang wie bei 
der Hundertjahrfeier zu vermeiden, sollen diesutal vom 
Gemeindevorstand Karten ausgegeben werden. Der Kreis 
der Festteilnehnier ist somit sehr beschränkt. Sollte cs sich da 
nicht empfehlen, zwei Feiern zu veranstalten und auch die 
Aula des Gymnasiums hierfür zu benutzen? Noch besser 
wäre wohl eine Feier im Freien — falls das Wetter es 
gestattet (eventuell könnte ein Zelt errichtet werden) — auf 
dem Turn- und Spielplatz am Maybachplatz. Auch hier 
ließe sich eine dem Tage würdige Veranstaltung treffen. 
o Df. Liepmann und Pfarrer Trauü gewählt. Heute 
fanden.in unserem Wahlkreise (Teltow—Beeskvm—Storkow— 
Wilmersdorf) ,die Wahlen der Abgeordneten für den Land 
tag statt. Die Friedenauer Wahlmänner wählten in Wil 
mersdorf. Insgesamt wurden im Wahlkreise abgegeben für 
Amtsgcrichtsrat a. D.' Dr. Liepmann (Ntl.) und Liz. 
Traub (Fortschr. Vpt.) 1052 Stimmen, für Landcssyndikus 
Gerhardt und Eisenbahnobersekretär Haseloff (kvns.) 584 
Stimmen. Die Sozialdemokraten enthielten sich vollständig 
der Wahl, sodaß gleich im ersten Wahlgange die Kandidaten 
der Vereinigten Liberalen Dr. Liepmann und Pfarrer 
Tranb gewählt wurden. Insgesamt waren 2256 Wahl 
männer eingetragen. — In Berlin II wurde Mommsen 
(Fortschr. Volksp.), Berlin III Kvpsch (Fortschr. Vp.), Berlin 
IV Dr. Wieincr (Fortschr. Vp.), in Schöneberg-Neuköllu 
. Hub (Svz.) gewählt. 
o Hitzeferien. In dieser heißen Zeit möchten wir auf 
die Ungleichmäßigkeiten hinweisen, mit der in den Schulen 
um sie her mit voller Deutlichkeit zu sehen. 'Aber sie erinnerte 
sich, wie großes Gewicht die geheimnisvolle Briesschreibcrin 
auf diesen Schleier gelegt hatte, und sie ließ ihn darum gehor 
sam vor dem Gesicht. 
„Das gnädige Fräulein wird wahrscheinlich sogleich er 
scheinen," sagte die Zofe etwas von oben herab. „Aber lassen 
Sie sich, bitte, nicht länger von ihr aufhalten als cs unbedingt 
notwendig ist. Je schneller Sie Ihre Sache gemacht haben, 
desto eher werde auch ich fertig werden. Und ich möchte gern 
noch ein paar Stündchen für mich haben. — Gute Nacht!" 
Sie verschwand und Jcssie war allein. Die Besorgnisse, 
die ihr Herz vorhin hatten in rascheren Schlägen klopfen lassen, 
waren fast ganz geschwunden. In diesem Hause, inmitten so 
vieler Menschen, tonnte ihr unmöglich ein Leid geschehen, und 
was auch immer man von ihr verlangen mochte, etwas 
Schlimmes koiyne cs ihrer Ueberzeugung nach unter keinen Um- 
ständen sein. 
Sie hatte sich eben wieder dem Fenster genähert, um einen 
neugierigen Blick in den Garten lsinabzuwersen, als sie von 
irgendwoher in ihrer unmittelbaren Nähe eine siüslernde Stimme 
vernahm, die mit sehr dringendem Ausdruck sagte: 
„Löschen Sic das Licht aus!" 
Jcssie sah sich int Zimmer um, ohne indessen ein mensch 
liches Wesen zu erblicken. Sie war unschlüssig, was sie tun 
sollte, denn sie wußte ja nicht, ob die Anssordcrnng ihr ge 
golten hatte. Aber schon in der nächsten Sekunde wurde 'sie 
von der unsichtbaren Sprecherin noch eindringlicher wiederholt. 
„Löschen Sie das Licht ans — schnell! — Ter Hebel be- 
sindct sich neben der Tür!" 
Nun zweifelte Jcssie nicht mehr, daß sie gemeint sei, und 
sie gehorchte dem Befehl. Das Gemach ivar mit einem Rial 
in Tuulclheit gehüllt, draußen aus dem Gange aber leuchteten 
die Vorschriften über den Ausfall des Unterrichts bei großer 
Hitze gehandhabt werden. Die Vorschrift -lautet, daß, wenn 
der Thermometer um 10 Uhr 25 Grad Celsius im Schatten 
zeigt, der Unterricht nach der vierten Stunde geschlossen 
werden soll. Diese durchaus klare Bestiminung wird von 
manchen Schulleitern in dem Sinne ausgelegt, es sei in ihr 
Belieben gestellt, an solchen Tagen den Untericht früher zu 
schließen oder bis zu Ende führen' zu lassen. So ist an 
einer höheren Anstalt Berlins am letzten Freitag der Unterricht 
bis 2 Uhr durchgeführt worden, obwohl das Thermometer 
-um 10 Uhr bereits 27 Grad im Schatten zeigte. Der 
Schaden, den ein einziger Schüler durch solchen Uebereifer 
an seiner Gesundheit leiden kann, ist aber höher anzuschlagen, 
als der pädagogische Wert einer fünften oder sechsten Stunde, 
der bei solcher Temperallrr gleich null ist. Die Eltern, be 
sonders Aerzte, könnten hierbei mitwirken, indem sie jeden 
Fall offenbarer Ueberschrcitung der amtlichen Vorschriften 
zur Kenntnis der zuständigen Behörde bringen. 
o Die „Friedhofsbahn" eröffnet. Gestern Vormittag 
ist die von Wannsee nach dem Zentralfriedhof bei Stahnsdorf 
führende Bahnstrecke eröffnet worden. In einem Sonderzug, 
der nur 9.35 vom Potsdamer Fernbahnhof abgelassen wurde 
und dessen Lokomotive mit Girlanden und den preußischen 
und deutschen Landesfarben geschmückt war, trafen um 
V4II Uhr etwa 200 Personen in dem Stationsgebäude ain 
Kirchhof zu Stahnsdorf ein. Auf dem Gottesacker umgaben 
reizende Blnmeiiarrangements hochstämmige Lorbeerbäume 
und Flaggen einen Platz, an dessen einer Seite eine Tribüne 
errichtet war, von der Herr General - Superintendent 
D. Lahusen eine Ansprache hielt. Er dankte zunächst den 
Vertretern der Behörden, den Vertretern der kirchlichen 
Genteinschaften und allen, die zu dem feierlichen Akte er 
schienen ivarcn. Dann gedachte er der großen Schwierig 
keiten, die die Ueberfüllunz der Berliner Friedhöfe hervor 
gerufen habe, und der Aufgabe, ein großes geeignetes 
Terrain zu beschaffen. Die Synode habe beschlossen, von 
Wannsce eine Zweigbahn nach hier zu errichten. Im Juli 
1911 habe man den ersten Spatenstich zu der 4 Kilometer 
langeit Strecke getan und heute könne sie feierlichst dem 
Verkehr übergeben werden. Herzliche Worte des Dankes 
richtete Redner ait alle, die das Unternehmen gefördert 
haben: an Sr. König! Hoheit den Prinzen Friedrich 
Leopold, die Königliche Eisenbahndirektion mrd die ver 
schiedenen Terraingesellschaften, die in Frage kamen. Eines 
Mannes möchte er noch gcdenkeit, dessen besonders reger 
Tätigkeit die Förderung der Angelegenheit zu danken sei, 
des Herrn General-Superintendenten D. Faber, der leider 
behindert sei, der Feier beizuwohnen. Der Bau der Bahn 
kostet 1 600 000 M. Die Fahrt sei für die Angehörigen 
'bisher recht umständlich und kostspielig gewesen; man hoffe, 
durch die neue Bahn eine Besserung eintreten zu sehen (der 
Fahrpreis soll von Charlottenburg nur 30 Pfg. betragen). 
Redner schloß mit dem Wunsche, daß der Friedhof recht oft 
das Ziel der Hinterbliebenen werden möge, besonders an 
den Feiertagen des Jahres, dem Buß- und Totensonntage; 
sie würden Trost und Frieden von der stillen Ruhestätte der 
Heimgegangenen mitnehmen. 
0 Der Verein für Kommunalwirtschaft und 
Kommttnalpolitik(Vvrstaiid: Oberbürgermeister Dr.Matting, 
Breslau; Oberbürgermeister Dr. Sturm, Chemnitz; Ober 
bürgermeister Dr. Scholz, Kassel; Beigeordneter Dr. Rehorst, 
Köln a. Rh., Landrat v. Halem, Mitglied des Reichstags, 
Schwetz; Wirkt. Geheimer Oberregierungsrat Dr. Strutz, 
Senatspräsidcnt des Oberverlvaltungsgcrichts, Berlin; Bei 
geordneter Dr. Grevc, Düsseldorf; Landrat Dr. Berthold, 
Blumenthal; Generalsekretär Erwin Stein, Berlin- 
Friedenau; Geh. Rcgicrungsrat Dr. zur. Seidel, Berlin) 
veranstaltet am 14. Juni im Festsaal des Rathauses zu 
Charlvttenburg seine 2. Mitgliederversammlung. Die Vor 
träge werden von ersten Männern der Wissenschaft und 
Praxis gehalten. Es sprechen über „Die gcmischtprivatcn 
und öffentlichen Unternehmungen" Dr. phil. et. für. 
Richard Passow, 0. Profeffor der Privat- und Volkswirt 
schaftslehre an der Kgl. Technischen Hochschule zu Aachen, 
Freiherr v. Marschatt, Landrat des Kreises Montabvnr, 
Beigeordneter a. D. Dr. Lücker, Köln. Zum Thema „Der 
preußische Wohnungsgesetzentwurf", haben Berichte über 
nommen: StadtsyndikuZ Dr. Sembritzki, Charlottenburg; 
Stadtbaurat Sinning, Halberstadt. Die Mitgliederver- 
sammllyig nimmt außerdem eine große Anzahl von Referaten 
entgegen, die im Druck vorliegen, so über folgende Gegen 
stände: Der Wohnungsgesetzcntwurf vom Standpunkt 
kommunaler Finanzen; von Gerichtsassessor Haase, Bonn. 
nach tote vor die elektrischen Lauipeii. Und da dch Zojx 
unterlassen hatte, die Tüx hinter sich znznziehcn, konnte Jeisic. 
für ihre eigene Person durch die sie umgebende Finsternis 
vor jedem Blick geschützt, von ihrcin Standort aus deutlich 
wahrnehmen, ivas draußen geschah. 
Sie horte ein leises Geräusch, wie das Rascheln scidcucr 
Schleppen, die über einen Teppich geschleift iverde», und 
gleich darauf hatte sie den Anblick eines seltsamen Schauspiels. 
Sie sah einen Manu, der von zivei Frauen mehr getragen 
als geführt wurde, und sie konnte nicht zivciscln, daß es ein 
Schwerkranker sei. Sein Gesicht ivar aschfahl und seine Augen 
geschlossen wie die eines Sterbenden. Ohne die Unterstützung 
durch seine beiden Begleiterinnen ivürde er sicherlich - außer 
stande gewesen sein, sich ausrecht zu halten, denn seine Füße 
schlotterten krafilos über den Boden. 
Bon den Frauen, die sich seiner so sorgsam angenomnien 
hatten und die beide in großer Abendtoilette ivarcn, schien 
die eine eine ältere Matrone, denn ihr Haar ivar völlig er 
graut. Die andere aber, die Jcsies besondere Aufmerksamkeit 
erregte, war jung und schön, mit einem stolzen und gebieteri 
schen Ausdruck der Züge, wie ihn das junge Mädchen bisher 
nur ans den Porträts hochgestellter Persönlichkeiten gewahrt 
hatte. Sie trug ein von Brillanten funkelndes Diadem int 
Haar, das fast das Aussehen einer Krone hatte, und wie 
sie hochansgerichtet den trostlosen Mann mit starken Armen 
stiltztc, als wäre er ein Kind» da regte sich in Jcssie unwill 
kürlich der Gedanke: 
„Sie ist so schön nub so stolz und so stark wie eine 
Königin!" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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