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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

1^2 Stunden lang leuchten, während der Mars Ende d. M. 
bereits bis zu 5 / + Stunden sichtbar sein wird. Jupiter 
bleibt vom 11. Juni an die ganze Nacht sichtbar. 
o Fürsorge-Vereinigung für hilfsbedürftige Kriegs 
veteranen Friedenaus. Zum Besten dieser Veteranen ver 
anstaltet die Fürsorgevereinigung am Freitag, dem 6. Juni, 
nachmittags 6 Uhr aus Anlaß der Hundertjahrfeier der 
Befreiungskriege 1813/15 und des 25 jährigen Regierungs- 
jubiläums unseres Kaisers und Königs, ein großes Extra- 
Fest-Konzert, mit Schlachtmusik, bengalischer Beleuchtung 
usw., in dem herrlichen Naturgarten der Schloßbrauerei zu 
Schöneberg, zu dem alle hiesigen Einwohner, die ein Herz 
fiir diese galten notleidenden Vaterlandsverteidiger haben, 
herzlich eingeladen sind. Eintrittskarten zu 25 Pf. sind bei 
dem Geschäftsführer Herrn Kanzleirat Borck, Bornstr. 15, 
dagegen Kinderbilletts zu 10 Pf., dafür eine Stocklnterne, 
nur an der Abendkasse zu haben. Der Erlös für die Billetrs, 
die vor Eröffnung der Abendkasse verkauft werden, gehört 
der Fürsorgevereinigung, der Erlös an der Abendkasse dem 
Wirt des Gartens. Wir möchten an unsere Mitbiirger die 
Bitte richten, dieses Unternehmen der Fiirsorgcocreinigung 
durch Kauf recht vieler Billetts zu unterstützen, um die Not 
unserer hochbetagten braven Veteranen lindern zu helfen. 
o Die Frühjahröflngwoche in Johannisthal endete 
gestern mit einem Mißklang. Der Flieger Michaelis, der 
vorigen Dienstag gestürzt war, verstarb gestern friih 7 Uhr. 
Auf Grund eines früheren Beschlusses des Bundes Deutscher 
Flugzeugführer, bei,» Tode eines Kameraden nicht an 
einem Wettbewerbe teilzunehmen, beschlossen die Flieger 
gestern Vormittag, daß sie am Nachmittag nur 20 Minuten 
außer Konkurrenz fliegen wollten, um dem Publikum etwas 
zu bieten. Es stiegen dann auch gegen 7 llhr außer 
Konkurrenz Stiploschek, Langer, Laitsch, Stiefvater, Stagge 
und Linnckogcl^auf, die etwa 20 Minuten flogen, obwohl 
der Wind immer böiger wurde und die Starke von 
6 Sckundenmetern erreichte. In den Wettbewerben um die 
größte Gesamtflugzeit erreichten die besten Zeiten: Ohne 
Fluggast: Hanuschke 5 Stunden 27 Min., Schicdeck (91. F. G.- 
Tanbe) 4 Stunden 53 Min:, Schwand! (Grade - Eindecker) 
3 Stunden 1 Min. — Mit Fahrgast ohne vorgeschriebene 
Mindesthöhe: Stagge (Wright-Doppeldecker) 6 Stunden 
43 Min., Stiefvater (Jeannin - Stahltaube) 5 Stunden 
12 Min., Wieting (Rumpler-Taube) 3 Stunden 40 Min. 
— Mit Fluggast und mit vorgeschriebener Mindesthöhe von 
700 Metern: Wieting 0 Stunden 1 Min., Linnekogcl 
8 Stunden 5 Minuten, Stiploschek 7 Stunden 18 Min. 
o Der Friedenauer Männer - Gesangverein 1875 
veranstaltete gestern, begünstigt vom herrlichsten Sommer- 
wetter, ein Vokal- und Instrumental-Konzert im prächtigen 
Naturgartcn des „Viktoria - Garten" in Wilmersdorf, 
Wilhelmsaue. Der Besuch war außerordentlich stark, 
namentlich waren sehr viele Friedenauer erschienen. Der 
musikalische Teil wurde von der Kapelle der Wilmersdorfer 
Sauitntskolvnne ausgeführt, die sich schon mehrfach bewährt 
hat, u. a. gelegentlich der Konzerte auf dem Kaiserplatz, 
und die auch in diesem Konzert wieder reichen Beifall 
erntete. Vor allem die Gr. Fantasie a. „Cavalleria 
Rnsticana" und die 9lltdeutsche Heeresnmsik von Schonn 
(mit Engels- und Hcroldstrompetcn) lieferten Beweis 
von der vorzüglichen Zusammensetzung und der aus 
gezeichneten Leitung des Orchesters. Viel Beifall fanden 
auch die Soli „Mein Heimattal" fiir Piston (Herr Krüger), 
„Die Goldamsel", Fantasiestück für Piccolo-Flöte (Herr Lovß) 
und „Die beiden kleinen Finken", Polka für zwei Trompeten 
(Herren Meergarten und Leben). Der „F. M. G. V. 1875" 
eröffnete den Reigen seiner Vorträge mit dem reizenden 
Spinnlied von Bünde. Leider ist das Podium für Gcsangs- 
vorträge wenig gut angelegt und auch örtlich ungünstig 
gelegen, svdaß die Akknstik nicht die beste ist und nur 
diejenigen Personen, die in der Nähe weilen, den vollen 
Genuß von den Vorträgen haben. Wie großes Interesse 
aber den Vorträgen unseres Gesangvereins dargebracht 
wurde, war daraus zu ersehen, daß sich zahlreiche Personen 
um das Podium gruppierten und ftdem Vortrag stürmisch 
applaudierten. Unter der Direktion des Herrn Musikdirektors 
Paul Antoni gab der oftmals preisgekrönte Männerchor gestern 
wieder sein Bestes und hatte somit die ihm gespendeten Lor 
beeren voll und ganz verdient. Besonders reichcnBcifall fanden 
„Gretula" von Schwalm, „Vom Rhein" von Bruch. „Im 
schönsten Wiescngrunde" von Wagner und „Lützow's wilde 
Jagd" von Weber. Gegen 10 Uhr mar das Gesangskonzcrt 
beendet. 
| ayyumiHmfMiiMiniMii uwubimi» 
Not aus der Schwelle ihrer armseligen Behausung gcslauvcu, 
den letzten Rest ihrer Barschaft mit irgend einem bedauerns 
werten Geschöpf geteilt, das ihr noch ärmer erschienen war 
als sie selbst. Und wenn sie nichts anderes zu geben ver 
mochte, hatte sic doch immer ein Wort aus dem Herzen 
kommender Teilnahme gehabt für jeden Unglücklichen, der ihren 
Weg gekreuzt. Die Vorstellung, daß sie in Wahrheit be 
rufen sein könnte, einer Hilfsbedürftigen den ersehnten Bei 
stand zu bringen, war in allererster Linie bestimmend für 
ihre Entschließung, obwohl sie ja trotz alles Grübclns nicht 
zu erraten vermochte, ivelchcn Dienst eine offenbar sehr vor 
nehme Tanie von ihr, der armen uilbckannten Modistin, er 
warten konnte. 
Daß auch die in Aussicht gestellte Belohnung nicht ohne 
jeglichen Einfluß auf ihren Entschluß gewesen >var, verhehlte 
ihre offene und wahrhaftige Natur sich keineswegs. Gewiß 
hätte sie sich nicht für alle Schätze der Welt bestimmen lassen, 
eine schlechte und unehrenhafte Handlung zu begehen. Aber 
sie war nicht mehr so stolz, daß sie vor dem Gedanken zurück 
geschreckt wäre, für eine Handlung, die sic mit gutem Ge- 
wissen vollbringen konicte, eine Pclohnung in barem Gelde 
anzunehmen. Sie hielt sich gar nicht mehr berechtigt zu, 
solchem Stolz, denn ans ihren Schultern ruhte ja noch die 
Verantwortung für ein anderes Menfchcnschickfal. Ihre 
Schwester Ada hatte keinen anderen Schutz und Beistand 
aus Erden als sie. Und sie besaß nur noch wenige Pfund, 
um Not und Entbehrung von dem zarten, inniggclieblcn 
Wesen fernzuhalten. 
Fünfhundert oder gar tausend Pfund waren eine Summe, 
an die sie, nur mit einem Gefühl leisen Schwindels denken 
konnte, denn niemals hatten , sich ihre kühnstcn Hoffnungen 
bis zu dem Besitz eines solchen Kavitals verttieaeu. 
o In dem großen Stafettenlauf Potsdam- 
Berlin war Sieger des Kaiserpreises der Berliner Sport 
klub mit 1 Std. 1 Min. 43 Sek. Der Schlußmann der 
siegreichen Stafette war Prinz Friedrich Karl von Preußen, 
dem das Publikum begeistert zujubelte. 9ln zweiter Stelle 
kam der Sportklub Charlottenburg, etwa 100 Meter zurück; 
3. Berliner Sportklub II. Mannschaft. 4. Turngcmeinde in 
Berlin. 5. Charlottenburger Turngemeinde. — Wettbewerb 
der II. Mannschaften uni den Preis des Kultusministeriutns: 
1. Berliirer Sportklub. 2. S.-C. Charlottenburg. — 
Sonderwcttbeiverb für Militärmannschaftcn: 1. Königin- 
Elisabeth-Garde-Grcnadier-Regiment. 2. Königin-Augusta- 
Gardc-Grenadier-Regimcnt. — Wettbewerb für Jugend- 
schäften : 1. Berliner Sportklub. 2. S.-C. Charlottenburg. 
— Die Sportabteilung des hiesigen Männer-Turnvereins, 
die sich auch an dem Stafettenlauf beteiligte, lief als-43. 
Mannschaft durch das Ziel, Friedenau lag bis kurz vor 
Wanusee an 6. Stelle, siel aber durch einen Fehler eines 
300 Meter-Läufers, der seinen Vordermann nicht fand uüd 
infolgedessen 600 Meter laufen mußte, bedeutend zurück. 
Auf der Strecke von Wannsee bis in die Nähe des großen 
Stern war Friedenau bereits wieder bis zum 28. aufgerückt, 
als ein nochinaliger Fehler emes 1000 - Meter-Läufers die 
günstigen Aussichten unserer Sportabtcilung zunichte machte, 
sodaß trotz hervorragenden Laufens unserer 7 letzten 500- 
Meter-Läufer Friedenau als 43. durchs Ziel lief. 
o „Weltbild undHimmelskunde bei den Babyloniern" 
lautet das Thema, das Herr Pfarrer Dr. Jeremias, 
Privatdozent au der Universität zu Leipzig unter Vorführung 
zahlreicher Lichtbilder am Mittwoch, dem 4. Juni, Abends 
8 Uhr, im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte be 
handeln wird. Der Vortragende wird über die Lehre von 
der Offenbarung des göttlichen Wissens und Willens iin 
Kosmos und Kreislauf — den Tierkreis — die Planeten 
und Fixsterne der Babylonier — und über Astronomie und 
Astrologie sprechen. Mit dem großen Fernrohr finden vor 
und nach dein Vortrage Beobachtungen statt. 
o Schwere Gewitter gingen am Sonnabend Nach 
mittag über Berlin und Umgegend nieder. In Friedenau 
wurde davon allerdings nur wenig gemerkt. Etwa in der 
siebenten Stunde stellte sich hier ein leichter Regen ein, der 
etwa eine Stunde lang anhielt. Dagegen war der nördliche 
und nordöstliche Horizont mit ticfschwarzcn Wolken bedeckt, 
aus denen ununterbrochen grelle Blitze zuckten. Das Un 
wetter hat denn auch im Norden und Nordosten Berlins 
arg gewütet und vielfach großen Schaden angerichtet. 
Ueberall gab cs überschwemmte Straßen, stellenweise stand 
das Wasser 1 Mieter hoch und die Feuerwehr nmßte sich 
an zahlreichen Stellen niitzlich machen durch Auspumpen 
der Keller. Auch Menschenleben sind durch Blitzschlag ver 
nichtet worden. In Reinickendorf wurde ein Knabe von 
8 Jahren, auf der Chaussee nach Tegel ein Arbeiter vom 
Blitz erschlagen. In Kunzendorf ist die Frau des Kutschers 
E. Friese mit^ihrcm Söhnchen vom Blitz erschlagen worden. 
Bei Seifcrsdorf traf der Blitz eine Scheune, die ein Raub 
der Flammen wurde. Bei Potsdam hat das Univetter 
ebenfalls arg gewütet. 9ln mehreren Stellen hat der Blitz 
Schaden an Gebäuden und Bäumen verursacht. 
o Falsche Schulärzte. In letzter Zeit ist es in 
Bcrliil wiederholt vorgekommen, daß ein unbekannter Mann 
sich Eltern gegenüber als Schularzt ausgab und die ärzt 
liche Untersuchung von schulpflichtigen Mädchen verlangte. 
Ein solcher Fall ereignete sich auch gestern im Osten 
Berliirs. Dort erschien bei einer Frau E. ein Mann, der 
sich als Stellvertreter des Schularztes Dr. Kiwi bezeichnete 
und behauptete, er solle ihre zwölfjährige Dochte Lucie 
untersuchen. Die nichtsahnende Mutter willigte ein, er 
staunte dann über die ungemein gründliche Untersuchung 
des Kindes. Ihr Verdacht, daß sie cs hier mit einem 
Schwindler zu tun habe, bestärkte sich, als der angebliche 
Schularzt sie unter einem wichtigen Vorwände zu entfernen 
suchte, was ihm jedoch nicht' gelang. Jetzt sah sich der 
Schwindler durchschaut und entfernte sich so schnell, daß 
seine Festnahme nicht mehr erfolgen konnte. 
o Böswölliger Alarm. In der Nacht zum Sonntag, 
friih 3 Uhr, wurde unsere Wehr durch den Melder am 
Maybachplatz alarmiert. 9lls die Wehr mit 2 Wagen an 
rückte, stellte sich heraus, daß sie böswillig alarmiert war. 
Der Melder war eingeschlagen, doch der Meldende fehlte. 
o Achtung, Heiratsschwindler! Wegen Heirats 
schwindels wird ein 30 Jahre alter aus Krefeld gebürtiger 
Geschäftsreisender Albert Schrey aus der Motzstraße gesucht. 
Sch., der sehr noble Passionen, aber rricht die entsprechenden 
AIs sie das Techaus verlassen hatte null um die Ecke 
von New - Bond - Street bog. sah sie sich plötzlich einem sehr 
elegant gekleideten Herrn gegenüber, der sie mit ausgesuchter 
Höflichkeit grüßte. Er hatte das 'Aussehen eines vornehmen, 
Mannes, und sein Gesicht von unverkennbar slavischem Typus 
wäre hübsch zu nennen gewesen, wenn cs nicht durch einen 
harten und sinnlichen Zug um den Alund entstellt worden 
wäre, und wenn nicht seine Augen jenes eigentümliche Glitzern 
gehabt hätten, das in dem Herzen eines feinfühlenden Mädchens 
immer ein Gefühl des Widerwillens hervorruft. 
„Ich habe ans Sic gewartet," sagte er mit einschmeichelnder 
Liebenswürdigkeit, „denn ich fühlte ein unwiderstehliches Be 
dürfnis, mich bei Ihnen zu entschuldigen. — Sind Sie mir 
noch böse? 
„Böse?" wiederholte Jcssic kalt. „Nein, Prinz Boris, dessen 
sind Sic mir nicht wert. — Ein Mann, der sich zu einer so 
kläglichen Rolle erniedrigen konnte, wie Sic sie an dieseiy 
Morgen gespielt haben — —" 
„Aber ich bitte Sie, meine Teuerste," siel er eifrig ciu, 
„was sollte ich denn tun? — Meine Frau Mutter hat leider 
die unumschränkte Vcrsügnng über meinen Geldbeutel, und 
ich bin in einer wenig beneidenswerten Lage, sobald ich das 
Mißgeschick habe, mir ihre Ungnade zuzuziehen. — Wenn Sie 
etwa in das Magazin der Madame Malmaison kommen und 
von dem Vorgefallenen reden sollte — —* 
„Sie ist bereits dagewesen. Und sie hat den Vorfall in 
ihrer Auffassung erzählt. Ich zweifle nicht, daß sie damit die 
Wahrheit zu berichten geglaubt hat. Und ihr Wort hat 
natürlich mehr Gewicht gehabt als das meinige. Ich habe 
mich beschimpfen lasten müssen wie eine Verworfene und bin 
auf der Stelle ohne Zeugnis davongejagt worden." 
.Prinz Boris stammelte etwas, das wohl wie eine ^erneute 
Einkünfte hatte, machte sich an heiratslustige Frauen heran 
und nahm ihnen die Ersparnisse ab. Mit einer Köchin, 
die über 10 000 M. erspart hatte, verlobte er sich, ließ sich 
aber nicht mehr sehen, nachdem er in den Besitz ihres 
Sparkassenbuchs gelangt war. Die Polizei und die „Braut" 
fahnden jetzt nach ihm. 
o „Schwere Jungen" statteten Sonnabend Nacht 
einem Geschäft in der Holsteinischen Straße einen Besuch ab. 
Sie erbeuteten. Wäsche, Schirme u. dergl. Als sich die 
Herren zur Riickkchr riistcten, nahm sich die Steglitzer Polizei 
der weiteren Erledigung der Sache an. Zwei der Burschen, 
vielfach vorbestrafte Verbrecher, wurden verhaftet. Der dritte 
entkam im Dunkel der Nacht. Es wird aber wohl gelingen, 
auch ihn zu fassen. 
o Preßkohlenbrand. In der vergangenen Nacht gegen 
3 / 4 2 Uhr geriet auf dem Kohlenplatz der Firma Max 
Davidsvhn ein Stapel Preßkohlen durch Selbstentziidung in 
Brand, llnsere Feuerwehr, die unter Führung des Ober- 
brandmeisters Stoltzenburg sehr bald am Brandort erschien, 
löschte das Feuer mit einer Schlauchleitung. Die Wehr 
hatte dann noch längere Zeit init dem Umpacken der Preß 
kohlen zu tun. 
Vereins-Hackrickten 
Ter Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften E. V. 
mit dem Sitz i» Berlin, welcher die meisten deutschen Einkaufs 
genossenschaften der Kleinhändler umfaßt, hält seinen diesjährigen 
6. Vcrbnndstag am 10. und 17, Juni in Breslau ab. 
Schömberg 
— o Zur Gründung des Schöneberger Hypothekenbank- 
vereins. Nachdem die städtischen Körperschaften von Schöne- 
berg zur Fördenmg des Grundkredits der Schöneberger 
Hausbesitzer durch Ausleihung wohlfeiler Nachhypotheken 
(sogen, zweiter Hypotheken) die Griindung eines Hypotheken 
bankvereins ilnter. Mitwirkung und Garanttehaftung der 
Stadt einstimmig beschlossen haben, lädt nun der Magistrat 
zu einer behufs Gründung des Vereins am Mittwoch, deut 
4. Juni 1913, 9lbcnds 8 l / 2 Uhr, im großen Saale des Ge 
sellschaftshauses des Westens, Berlin-Schöneberg, Haupt 
straße 30-31, stattfindenden Versammlung der Hausbesitzer 
ein. In der Versammlung rverden die näheren Er 
klärungen zu dcni Projekt und den einzelnen Satzungsbe 
stimmungen gegeben und Aufnahmeanträge entgegen 
genommen werden. Wie cs in der Einladung heißt, er 
folgt die Uebernahme der der Stadtgemeinde obliegenden 
Verpflichtungen und die staatliche Genehmigung nur, wenn 
mindestens fünfzig Hausbesitzer dem Verein bei der 
Gründung beitreten. 
—o Ein , eigenes Fernsprechamt wird endlich auch 
Schöueberg erhalten. Die Kaiserliche Oberpostdirektion 
Berlin läßt auf dem Hintergelände des Hauptpostamtes in 
der Hauptstraße einen Erweiterungsbau errichten, um das 
Hmlptpostamt zu einem Fernsprechamt umzubauen. Gegen 
wärtig sind die Fernsprechteilnehmer Schönebergs an die 
9lemter Lützow, Kurfürst, Pfalzburg und Steglitz angeschlossen. 
—o Nr. 12 116. Schöneberger Lichtspielhaus, G. in. 
b. H. Sitz: Bcrlin-Schöueberg. Gegenstand des Unter 
nehmens: Fortbetrieb des im Hause Hauptstr. 4$ zu Berlin- 
Schöneberg unter der Firma „Gala-Lichtspiele" befindlichen 
Lichtspieltheaters sowie Betrieb von Lichtspiel- (Kinemato 
graphen-) Theatern und alle damit zusammenhängenden oder 
ähnlichen Geschäfte. Stammkapital 20 000 M. Geschäfts 
führer: Architekt Hans Becher in Bcrlin-Schöneberg, Kauf 
mann Friedrich Groß in Berlin. 
kerlin und Vororte 
§o Die Generalversammlung der Spree—Havcl-Dampf- 
schiffahrts - Gesellschaft „Stern" beschloß, fiir 1012 eine 
Dividende von 4 v. H. (i. V. 5 v. H.) sofort zur Aus- 
zahluug zu bringe». Die Verwaltung teilt mit, daß die 
Gesellschaft im neuen Jahre zwei ältere Fahrzeuge mit Ge 
winn nach Prag verkauft habe. Wegen Anschaffung eines 
neuen mit Diesel- (Rohöl) - Motoren zu betreibenden 
Dampfers steht die Verwaltung noch in Unterhandlungen. 
Im neuen Jahre haben sich die Einnahmen bisher günstig 
gestaltet. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Tic geehrte Rcdaklion bitte ich nachstehende Zeilen in Ihr ge 
schätztes Blatt aufnehmen zu wollen. Durch die Reparaturarbeiten 
Entschuldigung llingeir ivllle, ybxr das grausame Fiunmern 
in seinen Augen strafte seine reuigen Worte Lügen. NUN 
loderte die Fiainme des Zopies doch wieder in Jcssie auf/ 
„Geben Sic .mir den Weg frei!", sagte sie gebieterisch. 
„Und unterstehen Sie sich nicht, mich noch einmal anzureden! 
Wenn Sic es jemals wieder wagen sollten, so werde ich mich 
an den ersten besten Vorübergehenden mit der Bitte wenden, 
mich gegen Ihre unverschämten Belästigungen zu schützen." 
Der Ton ihrer Rede ließ ihn nicht im ungewissen 
darüber, daß sie bitter ernsthaft gemeint sei, und er mochte cs 
ivohl nicht darauf ankommen lassen, daß sie ihre Drohllng zur 
Tal machte. Schweigend trat er zur Seile, aber cs war ein 
böser Ausdruck auf seinem Gesicht und etwas Tückisches in 
dem Blick, mit dem er der Tavonschreitcndcn folgte. 
Jessies Wangen glühten iroch immer vor Erregung, als 
sie in eine kleine Seitengasse der Oxsord-Strect einbog und die 
Treppen eines ziemlich armselig aussehenden Hauses erstieg. 
Eine enge, dürftig ausgestattete Wohnung im obersten 
Stockwerk war ihr Ziel, und raschen Schrittes trat sie über 
die Schwelle eines Stübchens, darin eine junge Dame eifrig 
mit Malen beschäftigt war. Es war das die einzige Arbeit, 
die sie ihrer Schwester 9lda gestattete, und im Grunde war 
cs nichts als eine fromme Täuschung, wenn sie sie in dem 
Glauben erhielt, damit ein Erhebliches zur Bestreitung des 
Lebensunterhalts beizutragen. 
Die Familienähnlichkeit zwischen den beiden Schwestckn 
war unverkennbar, nur daß bei Ada alles zarter und zer 
brechlicher schien. Wenn man sie ansah, begriff man leickst, 
daß sich Oberst Harcourt niemals in die VorMung hatte finden 
können, dies blumenhast feine-Mengeschöps wie irgend ein 
anderes armes Mädchen für den harten Kampf des Lebens 
' zu erziehen. (Fortsetzung folgt.)
        
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