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Periodical volume Nr. 126, 01.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

anzugliedern. Ein Nbfuhrwagen muß vielmehr für die 
Bedürfnisse .einer größeren Klvkonyenzahl ausreichen. Dies 
aber hat zur Folge, daß die Abfuhr nicht unmittelbar nach 
dem Zusammenbringen des.Straßenkehrichts erfolgen kann 
und daß Straßenkehrrichthaufen häufig längere Zeit auf 
dem Straßendamm lagern, bei trockenem und windigem 
Wetter wieder auseinandergeweht und regelmäßig durch 
Fuhrwerke auseinandergefahren werden, wodurch ein Teil 
der aufgewendeten Arbeit wieder verloren geht. Ein 
längeres Lagern dieser Kehrichthaufen auf der Straße ist 
aber unhygienisch und gewährt einen unschönen Anblick. 
Aus all diesen Gründen soll der Straßenkehricht in Zukunft 
unter der Straßenoberfläche gelagert und durch Automobile, 
die nach eineni neuen und eigenartigen System gebaut 
werden, mechanisch aufgeladen und abgefahren werden. Es 
dürfte zu einem wesentlichen Fortschritt in der Straßen- 
reinigung führen, wenn es gelingen sollte, auf diesem Wege 
ohne Erhöhung der bisherigen Aufwendungen Erfolge zu 
erreichen. 
o Vom Botanischen Garten. Der große Hauptweg 
vom Eingang an der Dahlemer Seite ist jetzt kahl und 
leer. Die Ahornbäume, die ihn bisher einsäumten, sind 
entfernt worden, lind das hat seinen Grund darin, daß 
sich in diesen Bäumen Infektionen eines Pilzes, der Nectria, 
zeigten. Um nun den Pilz an den Ahornen im Garten zu 
vertilgen, griff man zu einem drastischen Mittel. Man be 
strich im Frühjahr die Stämme mit Karbolineum. Der 
Pilz ist dadurch allerdings abgetötet worden. Aber leider 
konnten die Ahorne das auch nicht vertragen und so gingen 
sie auch alle ein. Jetzt sind nun sämtliche Bäume entfernt 
worden. 
o Die „nervösen" Schalterdamen. Die Eisenbahn- 
direktion Berlin hat folgende Verfügung an ihre Be 
diensteten und Verkehrsämter gerichtet: „In letzter Zeit ist 
es unliebsam aufgefallen, daß sich die Beschwerden der 
Reisenden iiber unhöfliches Benehmen der bei dem Verkauf 
von Fahrkarten und bei der Abfertigung des Gepäcks be 
schäftigten Bediensteten, insbesondere der dabei beteiligten 
weiblichen Bediensteten, mehren. Es wird mit Recht 
darüber geklagt, daß die Bediensteten gegen die Reisenden, 
die in begreiflicher Eile eine beschleunigte Abfertigung 
wünschen, sich gleichgültig, schnippisch oder gar ansfallend 
benehmen, in unhöflicher Weise nach ihren Wünschen fragen, 
gegen die handschriftliche Ausfertigung der Fahrkarten un 
begründete Einwendungen erheben, die Fahrkarten und die 
Wechselbeträge der Reisenden in unhöflicher Weise hin 
werfen, Kupfermünzen zurückweisen und während der Ab 
fertigung der Reisenden Nahrungsmittel zu sich nehmen. 
Wir erwarten, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die 
Bediensteten ihrer Pflichten gegen das Publiknm eingedenk 
werden zu lassen und sie zu einem höflichen, einwand 
freien Benehmen gegen die Reisenden zu veranlassen. Bei 
weiteren begründeten Beschwerden wollen die Vorstände 
der Verkehrsämter gegen die Schuldigen mit Strenge ein 
schreiten." 
o Konkurs Warenhaus A. Weist n. Co. Wie noch 
berichtet wird, weist der Status des in Konkurs geratenen 
Warenhauses an Passiven 800 000 M. auf, denen 21)0 000 
Mark nominelle Aktiven gegenüberstehen. Es sind 500 
Gläubiger, zum größten Teile Berliner Fabrikations- und 
Engrosfirmen, beteiligt. Schlechter Geschäftsgang, Mängel 
au Betriebskapital und schwere Krankheit des Inhabers sind 
die Hauptursachen der Katastrophe. Das Geschäft wird, 
nach dem „Confekt.", demnächst für einige Zeit zwecks 
genauer Jnventuraufnahme geschlossen. 
v Mit dem Zugabewesen beschäftigten sich in ihrer 
letzten Sitzung die Aeltesten der Kaufnmnnschaft von Berlin. 
Dem Reichstage und dem Abgeordnetenhause' liegen gegen 
wärtig Anregungen vor, nach denen die Ankündigung allein 
verboten werden sollen. Auf Grund eines Erlasses des 
Handelsministers nahmen die Aeltesten zu diesen Anregungen 
Stellung, nachdem eingehende Besprechungen mit Vertretern 
des Kleinhandels vorauf gegangen waren. Mit Rücksicht 
auf die Meinungsverschiedenheiten, die bei diesen Be 
sprechungen zutage getreten waren und aus juristischen und 
volkswirtschaftlichen Gründen lehnten die Aeltesten den 
Erlaß eines Verbotes ab. Nur in einer Minderzahl von 
Fällen könne man von einer Täuschung des Publikums 
sprechen und für diese Fälle reichten die Vorschriften des 
Wettbewcrbegesetzes und § Ö26 BGB. aus. Die Zugabe 
stelle nach Ansicht der Aeltejtcn meist eine Bonifikation zur 
Vergrößerung des Umsatzes dar; diese führe zu einer Ver 
ringerung der auf ein Stück Ware entfallenden Kosten und 
so kann eine Zugabe gewährt werden, ohne daß ein Auf 
schlag auf den Preis zu erfolgen braucht.. Es ist inkonsequent, 
Rabatt, det in Geld gewährt-werdej ;zu gestattoiy dagegen 
den in Ware gewährten zu verbieten. Gerade für die 
kleineren Geschäfte ist das Zugabewesen eine wirksame 
Waffe im Kampfe mit der Konkurrenz. Auch die Ein 
führung neuer Waren wird durch die Gewährung von Zu 
gaben sehr erleichtert. Ferner ist auch Rücksicht zu nehmen 
auf die Interessen derjenigen Industrie, die Zugaben 
herstelle. Ein Verbot der Gewährung von Zugaben wird 
leicht dadurch umgangen werden können, daß Ware und 
Zugabe zu einem einheitlichen Preise verkauft werden. 
o Hunde ohne Maulkorb werden getötet! Die 
Hundebesitzer seien zur strengsten Beachtung der Vorschriften 
iiber die Hundesperre gemahnt. Es wird uns mitgeteilt, 
daß trotz der fortgesetzten Bekanntmachung über die Hunde 
sperre vielfach wahrgenommen ist. daß Besitzer von Hunden 
zum großen Teil die Vorschriften nicht beachten und fort 
gesetzt Hunde ohne Maulkorb an der Leine führen oder 
frei umherlaufen lassen. Ebenso werden Katzen nicht so 
eingespeist, daß sie den Raum nicht verlassen können. Der 
Herr Regierungspräsident hat jetzt angeordnet, daß alle 
Hunde und Katzen, die diesen Vorschriften zuivider umher 
laufen, zu töten sind. Wir machen die Hundebesitzer auf 
diese Verfügung aufmerksam und raten ihnen, die Vor 
schriften genau zu befolgen. 
o Der Bund der Haus- uud Grundbesitzer-Vereiue 
„Grost-Berlin" hielt gestern seine III. große Wander- 
vcrsammstmg der westlichen Vororte im großen Saale des 
Viktoria-Gartens in Wilmersdorf ab. Zu dieser — die sehr 
stark besucht war — waren auch aus Friedenau zahlreiche 
Grundbesitzer erschienen. Wir sahen u. a. die Herren Dreger, 
Neumaun, Beymel, Lange, Flauger, Dressei, Sturm und 
Koneczka, welch letzterer eine fulminante Rede bezügl. des 
Schutzes der JMeressen der Grundbesitzer durch genossen 
schaftliche Organisation hielt. In der vom Vositzenden des 
Bundes, Stadtv. R. Schneider-Schöneberg geleiteten Ver 
sammlung kamen Vorschläge zur Abwehr der Hypothekennot 
und des Bauschwiudels zur Verhandlung, die teilweise recht 
bewegt war. Zum ersten Male kam der Gedanke einer 
Zwangsorganisation der Hausbesitzer — nach Art der Zwangs- 
innungeil — zum Schutze ihrer vitalsten Interessen zum 
Vorschlag. Auch die Einführung des ziveiten Teiles des 
Gesetzes zur Sicherung der Bauforderungen wurde allseitig 
dringend befürwortet. In zuni Teil humoristischer Form 
kam der gegenivärtige Notstand der Hausbesitzer prägnant 
zum Ausdruck. Nach Mitternacht luurde eine Resolution 
augeuoinmen, in der die Maßnahmen zur Besserung: Or 
ganisation auf der ganzen Linie usw. zum Ausdruck kamen. 
o Der Verband der Gememdebeamteu der Provinz 
Brandenburg hielt seine Hauptversaintnlung ; in Prenzlau 
ab. Es hatten sich annähernd 200 Teilnehmer aus der 
ganzen Provinz eingefunden; die Groß-Berliner Gemeinde- 
beaintenschaft hatte ebenfalls zahlreiche Vertreter entsandt. 
Dem Verband gehörten am 1. April 1913 97 Ortsverbände 
mit 1049 Mitgliedern an. Dem Zentratverband gehören 
zurzeit 34 000 Mitglieder an. Nach einer lebhaften 
Debatte wurde zunächst die Errichtung eines Erholungs 
heims an der Ostsee in Gemeinschaft mit den Verbäüden 
Groß-Berlins beschlossen, lieber den Ort, wo das Heim 
errichtet werden soll, .wird man sich erst später Entscheiden. 
Ein für die Vorarbeiten gebildeter Ausschuß Hätte es sich 
zur Aufgabe gemacht, sämtliche Verbände Groß-Berlins für 
die Aufgabe zu interessieren, was ihm auch gelungen ist. 
Die nächste Aufgabe des Ausschusses wird nun die sein, 
vorbereitende Schritte fiir die Gründung einer G. m. ln H., 
in welcher Form das Erholungsheim geführt und' zu 
welchem Zwecke die Eintragung des Provinzialvereins in 
das Vereinsregister beschlossen wurde, zu unternehmen. 
Obersekretär Junius-Kottbus hielt einen Vortrag über „Die 
städtische Schule für Verwaltungsbeamte" zu Kottbus; das 
Ziel der Anstalt ist, junge Leute fiir die Beamtenlaufbahn 
vorzubereiten. Der Antrag Landsberg a. W., betreffend die 
Gründung einer Hinterbliebeuenzuschußkasse wurde dem 
Zentralvcrbaud zur weiteren Prüfung als Material 
überwiesen. - 
o Der letzte Tag der Frühjahrsflugwoche in Jo 
hannisthal ist der morgige Sonntag. Die Flugwoche war 
bisher von schönstem Wetter bedacht und es steht zu hoffen, 
daß ihr auch dieses am letzten Tage beschieden sein wird. 
Gestern wurden wieder schöne Dauer- und Höhenflüge aus 
geführt. Interessant waren besonders die Wettbewerbe um 
den kürzesten Auslauf und um den kürzesten Anlauf. Die 
Ergebnisse des gestrigen Tages sind folgende: Dauerwett 
bewerb: Schwmrdt 29, Linnekogel 83, Wieting 85, Janisch 
gab. Und iveiiil ein Engel vom Himmel gekommen wäre, 
um bei Madame Malmaisou für ihre Reinheit zu zeugen, 
würde die Gefahr, einige ihrer besten Kundinnen zu verlieren, 
die kleine Dame doch taub gemacht haben für alle Versiche 
rungen. 
Darum erividerte das junge Mädchen nichts mehr. Mit 
einem Blick, der Madame Malmaisou sehr gegen ihren Willen 
zwang, für'einen Moment die Augen niederzuschlagen, wandte 
sie sich zum Gehen und lehne in das Atelier zurück, tapfer 
bemüht, ihre Fassung zri bewahren und ihren bisherigen 
Kolleginnen keinen Anlast zu schadenfrohen Vermutungen zu 
geben. Denn sie wußte recht ivohl. daß sie keine einzige 
Freundin unter ihnen hatte. Ohne hochmütig jii fein, halle 
sie cs doch niemals über sich gewönne», in ein vertrauteres 
Verhältnis zu diesen Mädchen zu treten, deren Interessen 
nicht die ihrigen waren und von denen sie sich trotz der Ge 
meinsamkeit der Beschäftigung immer wie durch eine unüber- 
sleigliche Kluft getrennt gefühlt hatte. 
Tenn die Tochter des Obersten Harconrt hatte noch nicht 
vergessen tonnen, daß sic einst auf dem Fuße gesellschaftlicher 
Gleichberechtigung mit den Leuten verkehrt batte, die sie heute 
bedienen und vor denen sic sich in schweigender Ergebung 
demütigen mußte. Tie Zeit, die sie hierzugebracht hatte, ivar 
sür sie ein fortwährendes Martyrium gewesen, und doch halte 
sic sich nach ihren früheren Erfahrungen glücklich schätzen 
müssen, die Stellung im Hause der Madame Rlalmaison ge- 
fnuden zu haben. 
Ihr Vater war ein sehr ritterlicher und liebenswürdiger 
Mann gewesen, ein glanzender Offizier, ein charmanter Ge 
sellschafter und freigebiger Freund. Aber er hatte sich niemals 
mit Gedanken an die Zukunft geplagt, und eS war ihm nicht 
tu den Sinn gelommen, seine beiden mnlterlosen Tochter für 
den bitteren Kampf des Lebens ansznrüsten. Als- er ganz 
unerwartet eines plötzlichen Todes starb, standen die beiden 
Mädchen, von Gott und der Welt verlassen, mntterseeleu- 
allein und ganz auf sich selber angewiesen da. Tie vielen 
Freunde, deren ihr prächtiger Vater sich zu seinen Lebzeiten 
erfreut hatte, waren mit einem Mal wie voni Erdboden ver 
schwunden. Tenn sie alle wußten, daß der Oberst seine Töchter 
mittellos zurückgelassen hatte. Und die Furcht, daß irgend 
welche Opfer von ihnen verlangt iverdcu könnten, veranlaßte 
sie, sich rechtzeitig ziirückziiziehen. Jessie hatte in jenen 
schweren Tagen ausgiebige Gelegenheit gehabt, die Selbstsucht 
und Herzlosigkeit der Menschen kennen zu lernen, und sie 
war sehr bald zu dem Entschlüsse gekommen, sich ihr Schick 
sal ohne Hoffnung auf fremden Beistand selbst zu zimmern. 
Aber auch init dem allermutigsten Entschlüsse ivar da 
sehr wenig getan. Um so weniger, als sic nicht nur für 
sich selbst, sondern auch für die jüngere Schwester zu sorgen 
hatte, die viel zu zart und cmpsindlich war. um sich durch 
irgend welche anstrengende Tätigkeit den Lebensunterhalt zu 
erwerben. 
Hätte Jessie irgend eine methodische Ausbildung erhalten 
und Zeugnisse über bestandene Prüfungen ausweisen können, 
so würde der Kampf, beit sie aufnehmen mußte, vielleicht 
weniger schwer und schmerzlich geworden sein. Aber sie hatte 
nach der Art vornehmer und verwöhnter junger Damen die 
Beschäftigung mit Wissenschaften und Künsten immer nur als 
eine Art von Liebhaberei getrieben. Und wieviel sie auch 
dabei gelernt, über ivie mancherlei Talente sie auch verfügt 
haben mochte, es reichte doch alles nicht hin, um ihr jetzt zu 
einer genügend einträglichen Stelliliig zu verhelfen. Und nach 
58, Langer 84, Freindt 00, Stiefvater 72, Stiploschek 83, 
Hailuschke 51, Fräulein Galantschikoiv II, de Bailod <1, 
Stüber 23, Kanuuerer 75, Schlegel 73, Stoeffler 00, 
Schiedest 40, Kiesling 39, Zahn 20 Minuten. — Wett 
bewerb für den kürzesten Auslauf: Linnekogel 85,40, 
Janisch 70,10, Lausch 49,85, Stöffler 73,25, Stiploschek 
52,58 Minuten. — Wettbewerb um den kürzesten Aulmn: 
Schlegel l 27,80 Meter. — Die größten Höhen, die er- 
crreicht ivurden, waren Linnekogel 2020, Wieting 1100, bei 
einem zweitenmal 930 Meter. — Dem Flieger Wecsler ist, 
wie wir hören, seitens des Luftfahrer-Verbandes die Flug- 
konzession entzogen worden. W. ist bekanntlich vor einiger 
Zeit in, den Luftverkehr-Doppeldecker des Hauptmann Jucker 
hineingeflogen, sodaß die Maschine stürzte und Haupt 
mann Jucker mit seinem Mitfahrer Dietrich dabei den Tod 
fanden. Außerdem ist seitens der Staatsanwaltschaft ein 
Verfahren gegen den Harlan-Piloten wegen fahrlässiger 
Tötung anhängig gemacht worden. 
o Krieger- und Landwehrverein. Der Verein 
nimmt morgen an der Feier des 25jährigen Stiftungsfestes 
des Kriegervereins in Bohnsdorf bei Grünau teil. Die 
Kameraden werden gebeten, sich pünktlich ilm 12 Uhr im 
Vereinslokal Hohenzollern zu versammeln. 
o Stafettenlauf Potsdam—Berlin. Zum 6. Male 
stehen sich am Sonntag die Berliner Sportvereine im Sta- 
fattenlauf Potsdam—Berlin um den Kaiserpreis gegenüber. 
Der Veranstalter der Konkurrenz, der Verband Berliner 
Athletik-Vereine, hat es-verstanden, durch Sonderwettbewerbe 
allen sporttreibenden Vereine einen Ansporn zu geben. 
Die Zahl dieser Wettbewerbe ist in diesem Jahre um 3 
auf 9 erhöht worden. In welchem Maße das Interesse 
der Vereine an dieser Veranstaltung wächst, zeigt am deut 
lichsten das Anwachsen der teilnehmenden Mannschaften. 
Im Jahre 1908 waren 8 Mannschaften angetreten. 1909 
waren schon 17 und 1910 gar 28. 39 und 63 Mann 
schaften vereinigten die nächsten beiden Jahre und diesmal 
weist die Teilnehiyerliste deren 55 auf. Der Propaganda- 
erfolg ist mit diesem Massenaufgebot von 2750 Läufern 
vollauf gesichert, und die Vereinsleitungeu werden bemüht 
sein, ihrerseits mit dein besten Material anzutreten. Der 
Weg geht wie im Vorjahre von der Glieuicker Brücke ab 
über Wannsee, Beelitzhof, Bahnhof Grunewald, Eichkamp, 
Königsweg, Knie, Bahnhof Tiergarten, Schloß Bellevue nach 
der Siegessäule (Bismarck-Denkmal). Die Aufstellung bis 
zu 50 Manu ist beliebig, nur ab Bahnhof Tiergarten sind 
7 feste Etappen ü. 500 Meter zu stellen. Der Start erfolgt 
um 8 Uhr uud das Eintreffen des Siegers kurz »ach 9 Uhr. 
Der Kampf um den Kaiserprcis selbst wird wieder Berliner 
Sportklub und Sportklub Charlottenburg in Front sehen, 
mir dürfte diesmal dem B. S. C. der Sieg leichter zufallen. 
Nicht minder heiß werden die Souderbewerbe umstritten sein, 
so z. B. die erstmalig teilnehmenden Vereine. In dieser 
Konkurrenz stehen sich gegenüber Berliner Turnverein, Turn 
verein Osten, Lübeckscher Turnverein, unsere Sportabteiluug 
des Männer-Turnvereins Friedenau, Fußballklub 
Hertha, Jugendklub Neukölln, Garde-Pionier-Bataillon, 
Jugendbund 29 und Jungdeutschland Zweigverein Schöne- 
berg. Wir hoffen, daß jeder von den 50 Läufern der 
Friedenauer Mannschaft seine Pflicht tut, um unser Friedenau 
ehrenvoll bei diesem großen Wettbewerb zu vertreten, wie 
dieses schon so oft bei anderen Veranstaltungen gezeigt 
worden ist. Die Läufer der Etappen ABC treffen sich 
um 1 l i 6 Uhr morgens am Wannseebahnhof Friedenau, 
Etappe A fährt bis Potsdam, L bis Wminsee mid 0 bis 
Nikolassee. Die Läufer der Etappen O, E, F versammeln 
sich um V,7 Uhr am Rmgbahnhof Wilmersdorf-Friedenau. 
Etappe D fährt bis Bahnhof Grunewald, Etappe E bis 
Halensee uud Etappe F bis Charlottenburg. Die Läufer 
der Etappen 6- und H fahren um 7 Uhr vom Ringbahnhof 
Wllmersdorf-Friedeuau nach Tiergatten, währenddem die 
Läufer der Etappe J um 7 Uhr vom Wannseebahuhof 
Friedenau nach Berlin Potsdamer Bahnhof fahren. Als 
Renngerichtsbeamte für den Berümid sind gemeldet die Herren: 
Obctturnwart Kühn, W. Fischer, E. Teppler und H. Beruecker, 
welche ebenfalls um l / 4 6 Uhr sich am Wannseebahuhof 
Friedenau tteffeu. Die Führer der einzelnen Etappen sind 
folgende Herren: Für A Hegener, B Rinne, C Kreplin, 
D Neme, E Busack, F Witte, G und H Brücker und J 
Könnicke. Die genannten Herren versamnieln sich zu den 
oorheraufgefühtten Zeiten mit ihren Läufern der einzelnen 
Etappen. — Weitere Auskunft erteilt Herr Richard Müller, 
Berlüi-Fttedenau, Laüterstr. 5/6; 
o Ans das Konzert des Friedenauer Männer- 
Gesangvereinß 1875, das morgen (Sonntag) Nachmittag 
einem halben Jahre der sürchtertichsteii Sorgen uud Ent 
behrungen, der unaufhörlichen Enttäuschungen und Acngste 
war sie in ihren Ansprüchen schon jo ivcit hinabgesiiegen, 
daß sie uubedeuklich zugriff, »ls sich ihr Gelegenheit bot, eine 
Stelliliig im Modemagäzin der Madame Malniaisou mit dem 
verhältnismäßig hohen" Gehalt von dreißig Mark wöchentlich 
zu erlangen. 
Ihre außergewöhnliche Schönheit, die bestrickende Anmut 
ihres Wesens und vor allem ihre lmgesiicht vornehmeu Uni- 
gangsforinen hatten sie für die kleine Dame zu einer sehr 
wertvollen Akqnisilion gemacht. Und iiieinals bis zilin heutigen 
Tage hatte es für Madame Malmaisou auch nur den allcr- 
lleiusten Anlaß gegeben, das Engagement zu bedaueru. Ein 
Vorkominiiis aber, ivie das soeben zwischen ihr und Jessie er 
örterte, ließ der Modistin in der Tat kaum ejne Wahl. Ein 
Widerstreben gegen das von der Fürstin Mazarosf geäußerte 
Verlangen hätte dem Atelier leicht unübersehbaren Schadeii zu 
fügen können. 
Jessie ivar einsichtig genug, das vollkommen zu begreifen 
und ans jeden iveitcrcn Versuch einer Rechtsertignng zu ver 
zichten, die ihr doch unter keinen Umständen irgend ivclchen 
Nutzen gebracht haben würde. Aber das Herz ivar ihr zum 
Brechen schwer bei deni Gedanken an die Zeit des Kampfes 
und der No), der sie yiit ihrer armen Schwester nun von 
neuem enkgegengiitg. Denn sie dingte ja nicht einmal daran 
denken, sich in einem nuderen Etablissement um einen ähn 
lichen Posten zu bemühen. Ueberall ivürde man den Grniid 
itjrer Entlassung bei Madame Malninisou zu erfahren wünschen, 
und nicht sür eine einzige Seknnde kam ihr der Gedanke, daß 
sie sich iraendivo mit einer Lüne rinschleichcn könnte. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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