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Periodical volume Nr. 125, 30.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

verlegen seien. Der Direktor der Fontnneschnle ist daher 
vom Provinzial-Schnlkollegimn ersucht worden, rechtzeitig 
vor einer etwaigen Verlegung jener Klassen zu berichtcit, ob 
der Unterricht der Anstalt in zwei räumlich getrennten 
Gebäuden ohne erhebliche Schwierigkeiten möglich sein wird. 
Diese Frage wird der Direktor gegebenenfalls mit gutem 
Gewissen nicht bejahen können, da die Beachtung des von 
der Behörde angeordneten Fachlehrersystems eine solche Los 
lösung einzelner Klassen der Mittel- und Oberstufe unmöglich 
macht und demnach nur gerade die drei Klassen der Unter 
stufe für eine Verlegung in Betracht kämen. Den kleinen 
Schülerinnen dieser Klassen aber könnte der weite Weg bis 
zum Stadtpark nicht zugemutet werden. Es ist darum sehr 
erfreulich, daß der Magistrat uunlnehr den Beschluß gefaßt 
hat, innerhalb der nächsten drei Monate über den Schulbau 
für die Anstalt endgültig schliissig zu werden und dann 
zugleich auch iiber die Frage eines etwaigen Aufbaues zu 
beraten. Es ist nachgerade peinlich geworden, daß durch 
das Anwachsen der Fontaneschule die 8. Volksschule im 
Gebrauch ihrer Klassenräume empfindlich beschränkt wird; 
andererseits macht sich für die Fontaneschule das Fehlen je 
eines besonderen Raumes für den Unterricht in Nadelarbeit, 
Zeichnen und Gesang immer unangenehmer fiihlbar; ebenso 
fehlt es an entsprechenden Lehrmittelziinmern, während die 
Turnhalle bisher nur an zwei Tagen, vom nächsten Schul 
jahr an drei Tagen in der Woche, die Aula (als Zeichen- 
und Gesangssaal) sogar nur an wöchentlich' zwei Tagen 
benutzt werden kann. 
o Neuer Roman. Morgen beginnen wir mit dein 
Abdruck des Romans „Unter der Last der Krone"; von R. 
,M. White. Der Verfasser fesselt in diesem Werke seine 
Leser bis zum Schluß. Er schildert ein Liebesleben ans den 
höchsten Kreisen; wie die Pflicht oftmals gebietet, der 
Stimme des Herzens zu entsagen. Wir hoffen mit diesen! 
Roman besonders unseren Leserinnen wieder eine Freude zu 
bereiten. 
o Die Wohnungssuche zum Oktober hat bereits 
ivieder begonnen. Viele Mieter besuchen jetzt unsern Ort, 
um sich eine' schöne Wohnung zu suchen. Cie kommen schon 
jetzt, denn sie wollen noch vor der Reise die Sorge um die 
neue Wohnung „los sein!"T Daher können wir allen Ver 
mietern nur immer wieder beit mit dem „Friedenauer 
Lokal-Anzeiger" verbundene!! Wohnnngsanzeiget empfehlen. 
Mir nur 40 Pfg. die Zeile erscheinen die Anzeigen eine 
volle Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" und 
in den Anschlägen an den Bahnhöfen. Die Anzeigen müssen 
jedoch spätestens^ Sonnabend 12 Uhr mittags im 
Besitz der Geschäftsstelle Rheinstr. 15 sein. 
o Schulimpfungen gegen Diphterie. Während der 
int Winter 1911/12 in Berlin herrschenden Diphtherie- 
cpidemie waren die städtischen Armenärzte erinächtigt, bei 
Erkrankungen Unbemittelter an Diphtherie entweder Schutz 
impfungen der übrigen Familienmitglieder, besonders der 
Kinder, mit Heilserum selbst vorzunehmen oder diese Per 
sonen dem zunächst gelegenen städtischen Krankenhause zur 
kostenlosen Ausführung der Einspritzungen zu überweisen. 
Die angestellten Beobachtungen haben gezeigt, daß durch 
eine Möglichst frühzeitige Serumbehandlung der Erkrankten 
(möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden) und—die vor 
beugende Impfung der der Ansteckungsgefahr ausgesetzten 
Personen, namentlich der Kinder, außerordentlich günstige 
Erfolge erzielt wurden. Die Deputation für die städtischen 
Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege hat 
deshalb beschlösse!!, die Schutziinpfungen, die kostenlos er 
folgen, auch weiterhin in allen städtischen Krankenhäusern 
ivieder ausführen^ zU lassen. Von der Mitwirkung der 
Armen- und' Schulärzte wird ausgiebiger Gebrauch geinacht 
werden, damit in allen geeigneten Fällen die in Betracht 
kommenden Personen den Krankenhäusern zur Settim- 
immunisierung zugewiesen werden. 
o Eine ernste Mahnung an die Hnndebesitzer. Die 
größt Zähl .der täglich' einlaufenden Strafanzeigen' wegen 
Tausenden von Stimmen herausgehört hätte, wenn er zu 
Mcwes sprach, wenn er ihm voll klugen Eifers und 
innerer Freudigkeit neue Ideen, neue Pläne auseinander 
setzte. Sie sah die leichte Neigung seines Nackens, wenn 
er dein Erfahreneren aufmerksam zuhörte 
Er hatte gesunden, was er bei ihr vergebens gesucht, 
ein Tagewerk, das ihn freute, Arbeit, die zum Ziel'führte. 
Waruin durfte sie so wenig teilhaben an diesem 
allein! 
Was gart cs ihr, daß er in ihrer Fabrik für sie 
arbeitete, wenn die Kluft der Trennung zwischen ihnen 
gähnte, wenn sie nicht mitsorgen, sich nicht mitfreuen durfte! 
Weit schwerer, als sie es sich selbst und andern ein- 
gestehen wollte, wurde ihr der Verlust von Klein-Wlossow. 
Es gab Stunden, in denen sie sich darauf ertappte, mit 
brennendem Weh im Herzen an die bevorstehende Trennung 
zu denken. Stunden, in denen ihre Augen nur mit Tränen 
auf all das Liebe und Schöne blicken konnten, das sie 
durch Jahre hindurch umgeben hatte. 
Aber in diese Gedanken voll Abschiedsweh mischte sich 
die Hoffnung, daß das neue Leben in Berlin ihr als 
Bestes eine innigere Fühlung mit dem, was ihr geblieben 
war, mit der Fabrik, mit Rolf Kühnes Arbeit, geben 
würde. 
Sie inalte fich's aus, dies neue Leben mit seinen 
stärker heischenden Pflichten für sie. Die Wohnung irgendwo 
draußen ini Westen der Stadt, in der sie mit ihrem Jungen 
leben, ihn zum tüchtigen Mann erziehen wollte. Die 
Schule, den Unterricht, an dem sie teilhaben, lehrend 
mitlernen wollte. Den Haushalt, den sie selbst zum Teil 
würde in die Hand nehmen müssen. Friedmann und 
Jensen, die ihr zu einem tieferen Einblick, zu wirklichem 
Verständnis ihrer geschäftlichen Angelegenheiten verhelfen 
sollten 
Und doch wollte ihr nie recht warm werden bei diesem 
Planen und Denken. Immer war eine große Lücke, eine 
beklemmend lastende Einsamkeit neben ihr. 
Von der Schloßuhr schlug es eins. Herr Kähne würde 
schwerlich mehr vor Tisch, vielleicht überhaupt nicht kommen. 
Würde sie immer so auf ihn warten, oft vielleicht ver 
gebens warten muffen ? Würde es niemals wieder werden, 
wie es in der kurzen schönen Zeit gewesen war, da er 
unter ihrem Dach gelebt, da sie einander gekannt, sich ver 
standen hatten bis in die tiefsten Falken ihrer Seelen 
hinein? 
Verstoßes gegen die -Bestimmungen über die Hundesperre 
läßt erkennen, daß ein hoher Prozentsatz der Hundebesitzer 
den Zweck einer solchen polizeilichen Maßnahme sowie die 
eventuellen Folgen der Nichtbeachtung dieser für die 
Allgemeinheit und für ihre eigene Person bedenklich unter 
schätzt. Eist jeder möge sich 'doch stets vergegenwärtigest.- 
daß durch Außerachtlassung der angeordneten Bestimmungen 
bei Ausbrechen der Tollwut seines Hundes Menschen in 
ernste Lebensgefahr gebracht und die Seuche durch Ueber- 
tragung auf andere Hunde weiterverbreitet weiden kann, und 
der Verantwortliche sich dadurch der Gefahr aussetzt, mit 
hohen Geldstrafen — bis 3000 M. — belegt odet sogar 
zu Gefängnisstrafe — bis zu 2 Jahren — verurteilt zu 
werden. Zur wirksameren Durchführung der Hundesperre 
sollen daher auch bei leichteren' Zuwiderhandlungen, für die 
Folge höhere Geldstrafen festgesetzt werden. 
o Ansichtskarten zu versenden, macht vielen Menschen 
ein besonderes Vergnügen. Leider kommt es gerade beim 
Versenden dieser Postsachen vor, daß die Adresse nicht voll 
ständig, falsch oder auch garnicht angegeben wird. „Die 
Post mird's schon finden!" heißt's dann, ohne daß daran 
gedacht wird, welche Mühe den vielbeschäftigten Postboten 
solch eine „nicht vorschriftsmäßig" ausgefüllte Postkarte be 
reiten kann. Also: richtig und genügend adressieren! Vor 
dem Einwerfen der Karte nochmals nachsehen, ob dies der 
Fall ist! 
o GaSmessermiete und Gasabsatz. Nach den „Mit 
teilungen der Zentrale für Gasverivertnng* wird in 27 
Städten keine Gasmessermiete mehr erhoben, nämlich in 
Brannschweig, Burscheid, ‘ Culmsee, Dursgch, Elberfeld, 
Fürstenwalde, Glatz, Graudenz, Hamm, Höchst a. M., 
Heilbronn, Kolberg, Klotzsche-Königsivalde, Mülheim (Ruhr), 
Mühlhausen (Thür.), Neustadt (Westpr.), Nürnberg, Oels, 
Speyer, Sprendlingen. Schwerin, Schleiz, Stuttgart, 
Tarnowitz, Unrnhstadt, Wismar, Zabrze. Eitles der Werke 
gibt als Grund für die Abschaffung der Gasinessermiete den 
glücklichen Umstand an, daß es vom 1. April 1913 ab 
gänzlich schuldenfrei ist. Die meisten haben sich zur Ab 
schaffung der Messerinieten entschlossen, um den Gasabsatz 
zu fördern. Die Vermutung hat sich auch als richtig er 
wiesen. In iveiteren 15 Orten ivird nur dann Gasmesser- 
miete erhoben, ivenn der Gasverbrauch im Jahre hinter 
einer bestimmten Metige zurückbleibt. Einige Städte sind 
noch so rückständig, daß sie kleinere Gasmesser nur gegeu 
Kauf abgeben. 
o .Konkurs Warenhaus A. Weiß n. Eo. Der Kon- 
knrsantrag gegen das Warenhaus A. Weiß & Co., ist vom 
Gericht angenommen worden. Das Konkursverfahren über 
das Vermögen des Kaufinanns Fritz Prienr, Inhaber der 
Firina A. Weiß & Co. Nächst., Berlin-Schöneberg Haupt 
straße 11, ist am 23. Mai 1913, nachmittags 1 Uhr er 
öffnet worden, da Prieur zahlungsunfähig ist. DerKonkurs- 
verwalterAugust Bester in' Berlin W. 30, Haberlandstr. 3, 
ist znm Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungcn 
siUd bis zum 24. Juli 1913 bei dem Gericht anzumelden. 
Es ivird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des er 
nannten oder die Wahl .eines anderen Verwalters sowie 
über die Bestellung eines Gläubigerausschusies und ein 
tretendenfalls über die im § 132 der Konkursordnung be 
zeichneten Gegenstände auf den 24. Juni 1914 nachmittags 
12 1 / 2 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen 
auf den 12. August 1913, vormittags 10 Uhr Termin an 
beraumt. 
o Misfionsstttnde. Montag Abend 8 Uhr wird 
Missionsinfpektor Förtsch im Goßnerschen Missionshause, 
Handjerysttgße 19/20, die monatliche Missionsstunde halten. 
o „Jugeudvereinigung". Am Sonntag, dem 1. Juni, 
veranstaltet die Jugendvereinigung ihren dritten diesjährigen 
Ausflug nach Fürstenwalde, den Ranenschen Bergen (Mark 
grafensteine), dem Scharmützelsee und Storkow. Die Teil 
nehmer versammeln sich um 6 Uhr früh Friedrich 
Wilhelmplatz, Ecke Bismärcksträße. ' Abfahrt von Station 
Was war zwischen sie, was über ihn gekommen, daß 
er sie wortlos verlassen hatte? 
Helene ging nach dem kleinen Salon hinüber, um nach 
dem Jungen auszuschauen/ der schwerlich so lange bei 
Mamsell aiisgehalren hatte und sicherlich trotz des noch 
inimer anhaltenden Regens in den Park hinausgelaufen 
war. 
Aus der fliederfarbenen Seidcnwand hing nun seit 
vielen Monaten schon das Bild der Frau mit den Hya 
zinthen. Am Begräbnlstage des armen kleinen Mörbe 
war es aus Wien gekommen. 
Sie hasten es an dem Platz aufgehängt, den Hans 
ausgesucht hatte. Die englischen Stiche hatten ihm weichen 
müssen. 
Grau und ein wenig fahl fiel das Licht heute durch 
die großen Scheiben auf das Bild, dennoch schien es zu 
leben durch die Wärine feiner Farben, durch die Plastik 
seiner Gestaltung. Und seine hellen, geradeaus auf die 
unter ihm stehende Frau gerichteten Augen schienen ihr 
sagen zu wollen: 
Habe doch Mut. Sieh mich an. Bin ich nicht du, 
bist du nicht ich? Sind wir nicht beide jung und schön 
und voller Leben? Gehört uns nicht das Beste — die 
Zukunft? 
Helene sah mit einen verlorenen Lächeln zu dem 
Bilde auf, als leise die Tür geöffnet wurde. 
Auf der Schwelle stand Rolf. Mit heißem Blick um 
faßte er die beiden, die er geliebt hatte vom ersten 
Tage an, das Bild und die Frau, die zu dem Bilde 
ausblickte, fragend, unsicher, mit einem verlorenen Lächeln. 
Die Frau, um die er bitteres Weh gelitten, die er 
wieder und wieder aufgegeben hatte im heißen, zer 
mürbenden Kampf gegen sich selbst, als ein Unfertiger, 
Unfreier, als ein Mann, der seinen Weg noch nicht ge 
funden hatte, der nicht Auge noch Hand zu ihr erheben 
durfte. 
Ein leises Geräusch zog Helenes Blick von dem 
Bilde ab. 
Ueber ihre Lippen kam ein fragender, zagender Laut. 
Dann schloffen sie sich wieder fest zusammen, als hätten 
sie ein Geheimnis preisgegeben. 
War er es wirklich, der da vor ihr stand, an der 
selben Stelle, auf der er ihr zuerst entgegengetreten war, 
auf der sie ihn so oft als Spuk, als Nebelbild erblickt, 
herbeigezaubcrt von ihren sehnenden Gedanken? 
Zoologischer Garten um 6 Uhr 46 Min. Kosten der 
Bahnfahrt etwa 2,50 M. Gäste herzlich willkommen! 
o Die Barkauf-Wettkampfe um den Bismarckschild, 
an denen alljährlich fast sämtliche höhere Lehranstalten 
'Berlins und der Vororte teilnehmen, ist für Montag, den 
10. Juni? in Aussicht genommen. Die Kämpfe werden wie 
in deck früheren Jahren auf dem Ererzierfelde an der 
Seydlitzstraße in Moabit ausgetragen iverden. 
o Die .Kapelle der Leib-Gardehusarcn uuter Leitung 
des Obermusikmeisters Maasberg veranstaltet morgen 
(Sonnabend) im Stadtpark Steglitz, Albrechtstraße 47, ein 
Konzert. Am Sonntag, dem 1. Juni, findet im Steglitzer 
Stadtpark ein 'großes Militär-Frühkonzert statt. Ein großes 
patriotisches Sängerfest zur Erinnerung an 1813 ist für 
Freitag, den 6. Juni, angesetzt. Mitwirkende sind der 
rühmlichst bekannte Schöneberger Männer - Gesangverein 
„Liedertafel" und das Berliner Sinfonie-Orchester. Zur 
Feier des Regierungsjubiläums des Kaisers findet am 
Sonntag, dem 15. Juni, große Schlachten-Musik mit 
Feuerwerk statt. Der Besuch des Steglitzer Stadtparks, des 
herrlichsten Naturparks im Westen Groß-Berlins, kann unserem 
Mitbürgern bestens empfohlen werden. Gleichzeitig machen 
wir auf die dort jetzt täglich stattfindenden Brmrienkuren 
aufmerksam. 
o Im Biofontheater in der Nhciustraße Ist kommt 
von heute ab Znina, ein Sensationsfilm in 2 Akten zur 
Vorführung. Dieser Filmschlager wurde im „Eines" 
Nollendvrftheater mit großem Erfolge gegeben. Zuma, 
eine Nubierin entflieht einem Reisezirkus, von dessen Bcsitzrr 
sie mißhandelt morden. In einem Schlosse findet sie Auf 
nahme und ist als Naturkind erstaunt über die Sitten 
verderbnis, die in den Kreisen der oberen Zehntausend 
herrscht. Sie opfert sich schließlich selbst, um ihrer Herrin 
Gram und Sorge zu ersparen. Auch die beiden weiteren 
Dramen Der Spion und beim Glockenziehen sind spannend 
und hübsch inszeniert. Ein herrlicher Kunstsilm ist die 
Naturaufnahme Waldstiminungen. Das Tonbild ist sehr 
nett und das Pathä Journal, die Wochenrevue von. Pathö 
fräres bringt wieder das Neueste aus aller Welt, z. B. die 
Hochzeitsfeierlichkeiten ani Berliner Hose und die dazu er 
schienenen illustren Gäste. Die ulkigen Bilder Adolar hat 
Pech und Kiekebusch iin Liebeszauber reizen zum Lachen. 
Es wäre zu empfehlen, daß die Hauskapelle öfter ihr 
Repertoir wechselt. Sie braucht nicht darauf zu achten, daß 
ihre Darbietungen im Jubiläumsjahre auch ihr Jubiläum 
feiern? Es gibt auch unter den neueren Koinpositivnen 
recht hübsche Sachen. ' ' 
o In Johannisthal wurde gelegentlich der Fruhjahrs- 
flugwoche. gestern ivieder ein Flugzeug-Rennen veranstaltet uiid 
zwar diesmal für Gindecker mit Motoren über 80 P8. Es 
starteten die drei Flieger Laitsch, Stiplvschek und Schlegel. 
Erster wurde Laitsch, der in 11 Min. 28 Sek. die Strecke 
durchflog, Stiplvschek gebrauchte 12 Min. 37,4 Sek. und 
Schlegel 14 Min. 40,0 Sek. Laitsch dürste jedoch disquali 
fiziert werdet!, da die von ihm benutzte Maschine nicht 
ordnungsmäßig angemeldet ivar. Im Dauenvettbeivcrb 
flogen gestern Schauenburg 3 Minuten, v. Gorrisscn 12, 
Stüber 18, Friedrich 7, Stiplvschek 125, Stiefvater 08, 
Langer 108, Wieling 130, Linnekogel 130, Stagge 80, 
Schlegel 01, Kämmerer 73, de Ballod 71, Hanuschke 01, 
Stoeffler 44, Ionisch 32, Zahn 22, Kiesling 42, Schiedest 
57, Müller 9, Freindt 59, Schwandt 30 Minuten. 
o Für das Wohltätigkeitskegeln znm Besten der 
Veteranen im Keglerheini „Bahnschlößchen" in Friedenau, 
Sponholzstr. 28, am Wannseebahnhof Friedenau, sindeu die 
letzten Kegeltage am Sonnabend, dem 31. Mai, Sonntag, 
Montag, Dienstag und Mittwoch, dem 1.. 2., 3. und 
4. Juni statt. Schluß und Preisverteilung am 4. Juni, 
Nachts 12 Uhr. Gekegelt wird an allen diesen Tagen von 
3 Uhr Nachmittags bis Nachts 12 Uhr. Außer namhaften 
Geldpreisen köinmen 20 Ehrenpreise im Werte von 1090 
—mann—■aMMPamrniMriWBii fiifi'im isaia»aaBMai«i—waE—BB«Mw 
Er trat auf sie zu, 'räpy, in stärker Bewegung ihre 
wankende Gestalt zu stützen, aber sie hatte sich schon gefaßt 
und kam ihm entgegen. Was halte sie zu fürchten, da 
er leibhaftig vor ihr stand? 
„Endlick)," sagte sie leise und sah zwischen Glück und 
Staunen zu ihm auf. „Ich glaubte schon, Sie würden 
niemals wiederkommen!" 
Rolf beugte sich stumm auf ihre Hände und küßte sie. 
„Verzeihung?' bat er, „aber es wäre über meine Kraft 
gewesen, zu kommen, um wieder zu gehen. Darf ich 
bleiben, Helene, oder viel mehr, darf ich euch beide mit hin 
ausnehmen in mein Leben voll Arbeit und Glück, dich 
und die Frau mit den Hyazinthen?" 
Sie nickte stumm und sank in seine ausgebreiteten 
Arms, an sein Herz, das für sie geschlagen, seit sein Auge 
ihre holdselige Schönheit, ihre frauliche Güte getrunken hatte. 
„Ich liebe dich," sagte sieleise. „Ich liebe dich," wieder 
und immer wieder und sonst nichts. 
Er wußte, sie hatte dies Wort noch nie und zu nieman 
dem gesprochen. In überschwenglicher Seligkeit preßte er 
sie an sich und küßte ihren Mund, der rein und keusch wie 
der Mund eines unberührten Mädchens war. 
Immer leiser war der Regen niedergegangen. Wie 
verschlafen war er endlich an den Wolken hängen geblieben, 
durch die sanft das Mondlicht brach. 
Eng umschlungen schritten sie auf dem Tannensteig 
auf und nieder. In den Fliederbüschcn klagte die Nachti 
gall. Eine Welle von Duft ging tosend und schmeichelnd 
über die Schreitenden hin. 
Er zog die Frau enger an sich und strich ihr sanft 
über das wundervolle, braunlockigc Haar. Dann sah er 
ihr tief in die zärtlichen vertrauenden Augen. 
„Begreifst du es jetzt, Lena,.daß ich nicht früher kommen 
konnte? Daß ein Mann nicht nehmen, sondern geben 
will, das stolze Bewußtsein haben will, daß die Frau. die 
er liebt, und die ihm ihre Seele geschenkt hat, seiner 
bedarf?" 
Sie nickte still und küßte seinen Mund. Im Flicder 
busch klagte sehnsüchtig die Nachtigall. 
Hinter ihnen aber jauchzte Hans' frohe Stimme. 
„Wollt ihr mich nicht mitnehmen —- Mutti — Silier!- 7 
Und Rolf riß deu Jungen in seinen Arm und schwang 
ihn hoch in die Lust. 
„Dis ans Ende der Welt. mein lieber, lieber Junge!" 
Ende,
        
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