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Periodical volume Nr. 124, 29.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Damit bezweckt die Negierung eine wirksamere Entschuldung 
dc§ Grundbesitzes. Ferner fiiib die nach Ansammlung des 
Neservefonds verbleibenden Ueberschiisse den Hypotheken 
schuldnern gutzuschreiben, und zwar dergestalt, daß die Gut 
schrift zum Tilgungsguthaben erfolgt. Schließlich sind die 
zweiten Hypotheken hinter der ersten Hälfte des Grundstücks 
wertes zu gewähren. — Die Neuköllner städtische Anstalt 
für zweite Hypotheken hat nunmehr die Genehmigung der 
zuständigen Ministerien gefunden. Dem Magistrat ist die 
Aufnahme einer Anleihe von 5 Millionen Mark fiir das 
l. Juli zu eröffnende Amt gestattet worden. Die Stadt 
verordnetenversammlung wird in der nächsten Sitzung dazu 
Stellung nehmen. Der Btagistrat sagt in der Vorlage, die 
Verhältnisse auf dem Hypothekenmarkt/ namentlich fiir zweit 
stellige Beleihungen, seien immer ungünstiger geworden, so 
daß es kaum mehr möglich wäre, solche zu erhalten. Es 
sei daher Pflicht der Stadt, im Interesse des seßhaften 
Grundbesitzes einzugreifen. Das neue Hypothekenamt soll 
Grundstücke bis zu 75, im äußersten Falle bis 80 Prozent 
beleihen. Die Feststellung des Wertes soll durch eine 
Regierungsverordnung geregelt werden, und zwar einheitlich 
fiir Groß-Berlin. Die zweiten Hypotheken dürfen in Neu 
kölln den Betrag von 50 000 M. nicht übersteigen und 
müssen mit 1 / i Prozent amortisiert werden. Für die 
Hergäbe des Geldes muß die Stadt Neukölln nündestens 
V4 Prozent Zinsen mehr erheben, als sie die Beschaffung 
der Mittel löstet. 
0 Eine Schwemezühlung findet hier an: 2. Juni 
statt. Die Zählung erfolgt durch die hiesigen Polizei- 
beamten derart, daß sämtliche Schweine, die in der Nacht 
vom 1. zum 2. Juni in Berlin-Friedenau vorhanden sind, 
gezählt werden. 
0 5- und kO-Pscnuig-Markcn auf einem Blatt. 
Zur Erleichterung des Markenverkaufs gibt die Reichspoft 
bekanntlich seit einigen Jahren sogenannte Markenheftchen 
zum Preise von 2 M. aus, in welchen 20 Marken zu 
5 Pf. und 10 zu 10 Pf. enthalten sind. Die bisherige 
Anordnung und das Druckverfahren ergab nun, daß auf 
einem Blatte nach Abschluß der Marken zu 5 Pf. mehrere 
leere Felder angebracht waren, die anfangs zu Reklame- 
zwecken Verwendung fanden, später aber mit einem Kreuz 
versehen wurden. Um diesen Ausfall an Papier zu ver 
meiden, hat es die Reichsdruckerei, in welcher die Marken 
hergestellt werden, verstanden, auf ein und demselben Blatte 
Marken zu 5 und 10 Pf. zu drucken, und so erblickt man 
in den in letzter Zeit ausgegebenen Heften auf dem vierten 
Blatte neben zwei Blarken zu 5 Pf. vier zu 10 Pf., welche 
mit den ersteren zusammenhängen. Es war der Druckerei 
nicht leicht, ihre Maschinen so einzustellen, daß diese Art 
des geincinsamen roten und grünen Drucks ermöglicht 
wurde. Immerhin erspart sie aber auf diese Weise Papier 
und Farbe, was bei der hohen Auflageziffer dieser Hefte im 
Jahre gewiß allerlei ausmacht. 
0 Bei der Potsdamer Handelskammer war angeregt 
morden, die Herabsetzung von Steuern und Stempeln in 
denjenigen Fällen zu fordern, wo ein zweit- oder dritt- 
stelliger Hypothekcnglliubiger wegen Gefährdung seiner 
Hypothek zum Zwautzskauf des Grundstückes genötigt sei. 
Nach eingehender Erörterung in den Ausschüssen beschloß 
die Handelskammer die Anregung, soweit der Grundstücks- 
stempcl fiir das Reich und Preußen iubetracht kommt, nicht 
weiter zu verfolgen. Dagegen soll der Versuch unter 
nommen werden, ob vielleicht bei den Kommunen des 
Handelskammerbezirks eine Abänderung der jetzt geltenden 
Gemcindeumsatzsteuerorduungen dahin zu erreichen sei, daß 
von Erhebung der Umsatzsteuer abgesehen werde, wenn das 
Grundstück in der Zwangsversteigerung von einem Hypo 
thekengläubiger, der Bürger des betresfenden Ortes ist, er 
worben werde. — Hierauf wurde die Anregung erörtert, 
daß den Justizbehörden empfohlen werden möge, bei Straf 
prozessen gegen Drogisten neben dem Apotheker, der die 
Strafanzeige erstattet und die Untersuchung deS Drogen 
geschäftes vorgenvmiuen hat, auch noch einen Handels- 
chcmiker, Nahrungsmittelchemiker oder sonstigen technischen 
Sachverständigen als Sachverständiger heranzuziehen. Es 
wurde beschlossen, zur weiteren Klärung der Frage eine ge 
meinsame Aussprache von Apothekern und Drogisten des 
Kammerbezirks zu veranstalten. Die Versammlung sprach 
sich gegen die Anträge des Gastwirtsgewerbcs aus, die jdic 
Einführung des Konzessionspflicht für den Kleinhandel mit 
Bier (Flascheitbierhandcl) fordern. Die Versammlung 
stinlmte der Auffassung des Kleinhandelsausschusses zu, 
wonach zwischen den Begriffen „Warenhaus" und „Kauf- 
nicht tragisch. Wahrhaftig, bas Klügste, was tote tun tonnen. 
Im übrigen hoffe ich, wir werden Sie heute zum letzten 
mal ausgiebig langweilen müssen. Nicht wahr, Direktor?" 
Der kleine Ienscn verbeugte sich verbindlich. 
„Ganz meine Meinung, Herr Friedmann." 
„Sie sind durch Herrn Kähne während der letzten 
Wochen auf dem laufenden geblieben, meine liebe Frau 
von Lersch; es handelt sich heute eigentlich nur noch um 
das Schlußfazit. Wie ich von Herrn Kühne höre, find 
Sie darauf vorbereitet, daß Klein-Wlofsow verkauft werden 
muß." 
„Ich habe selbst diesen Vorschlag gemacht," warf 
Helene ein. 
„Der größte Teil des damit flüssig gemachten Kapitals 
wird in die Fabrik gesteckt werden müssen. Direktor Jenseit 
hak die Freundlichkeit gehabt, die notwendigen Aufstellungen 
zu machen, die er Ihnen zur Einsicht zurücklassen wird. 
Ich sehe. Sie sind auch nicht müßig gewesen," fuhr der 
Bantier mit einem Blick auf die Papiere, die auf Helenes 
Schreibtisch ausgebreitet lagen, fort. 
„Herr Kähne schrieb mir, daß ich das Inventar von 
Kleiii-Wlossow aufnehmen und alles für eins Stadtwohnung 
Entbehrliche anmerken möge. Das ist geschehen." 
Friedmann drückte ihr die Hand. 
„Sie sind eine tapfere Frau." 
„Es ist mir nicht leicht geworden. Ich hänge an 
Klein-Wlossow, und dein Jungen wird der Abschied bitter 
weh tun. Aber gerade für ihn wird es gut sein, wenn wir 
ganz in die Stadt kommen. Er ist gesund. Er braucht 
eine normale Erziehung." 
Friedmann nickte beifällig und zog ein Papier aus der 
Aktentasche, die er neben sich auf den'Tisch gelegt hatte. 
Hans" ein Unterschied besteht. Das „Warenhaus" umfaßt 
eine große Zahl verschiedenartiger Branchen, das „Kanshans" 
beschränkt sich auf eine Branche, und zwar, falls ein Zusatz 
nicht gemacht wird, auf die Bekleidungs- und Ausstattungs 
branche. Das Büro wurde ersucht, bei nicht eingetragenen 
Firmen den Ausdruck „Kaufhaus" ■ oder „Warenhaus" zu 
beanstanden. Aus Anlaß mehrerer Beschwerdefälle wurde 
beschlossen, bei dem Regierungspräsidenten zu beantragen, 
daß jährlich nach Schluß der Jagdzeit auf Hasen den 
unteren Verwaltungsbehörden die Vorschriften der preußischen 
Jagdordnuug und der Ausführungsanweisung in Erinnerung 
gebracht werden, daniit die Wildbeschlagnahmen wegen 
fehlerhafter Plombierung und dadurch veranlaßten Schädi 
gungen der bezirkseingesessenen Wildhändler aufhören. Die 
Versammlung empfahl sodann die Einführung von Schlaf 
wagen III. Klasse auf den deutschen Bahnen, 
0 Gegen die Hundesperre protestierte eine von Tau 
senden besuchte Versanimlung, die gestern im großen 
Saale der Neuen Philharmonie in der Köpenicker Straße 
stattfand. Neben den: Leiter der Versammlung, Prof. Dr. 
Paul Förster-Friedenau, der in seiner bekannten Art 
fiir den „Huudeschutz" eine Lanze brach und die durch die 
Huudcsperre hervorgerufenen Mißstände scharf kritisierte, be 
leuchteten noch zahlreiche andere Redner, auch in der Dis 
kussion, die geradezu unhaltbaren Zustände. Der prakt. 
Tierarzt Dr. C. Klingner-Charlvttenburg gab einen geschicht 
lichen Rückblick auf die Anschauungen über die Tollwut. 
Prof. Dr. G. Krüger-Berlin sprach äußerst wirksam über 
das Thema: „Gibt es eine Tollwut?" Er behandelte das 
Thema als eine offene Frage. Ein Beweis, wie ihn die 
Wisscuschafft verlange, sei für das Vorhandensein von Toll 
wut noch nicht erbracht. Der Polizeipräsident v. Jagow, 
selbst ein großer Tierfreund, sei gezwungen, ans Grund der 
gesetzlichen Vorschriften und des Gutachtens eines Instituts 
für Infektionskrankheiten Bestimmungen zu erlassen, die 
mindestens als unwirksam zu bezeichnen seien. Aenßerst 
scharfe Kritik übte der Redner an den wissenschaftlichen 
Qualitäten der bisherigen Gutachten. Nach lebhafter Debatte 
wurde schließlich ein Antrag angenommen, nach ivelchem der 
Polizeipräsident ersucht wird, zu gestattcu, daß die Huude 
währeud der „Sperre" entweder mit Maulkorb, aber ohne 
Leiuc, oder mit Leine und ohne Maulkorb geführt iverdeu. 
Der Vorschlag desj Prof. Dr. Gustav Krüger, angesichts der 
herrschenden Zustände ans dem Gebiete des „Tierschutzes", 
einen „Hundeschutzverein" zu gründen, fand lebhaften Beifall. 
0 Warenhaus A. Weist n. Eo. in Konkurs. Gegen 
das Warenhaus A. Weiß & Go., Berlin-Schöneberg (In 
haber Fritz Prieur) ist Konkursantrag gestellt worden. Die 
Passiven werden nach dem „Eons." auf etwa 230 000 M. 
geschätzt. Berliner Engrosfirmen sind hauptbeteiligt. 
0 Der II. Unterverband (Kreis Teltow) des Branden 
burgischen Provinzial-Feuerwehr-Verbandes hält am Sonntag, 
dem 22. Juni 1013, in Berlin-Britz in den Gesamträumen 
von „Raddatz Fcstsülen", Chausseestraße 30, seinen 32. 
Uuterverbandstag. Um 8V2 Uhr früh: Vorführung der 
Ortswehr am Rathanse, Chansseestraße 48; s) 1 / 4 Uhr: Be 
sichtigung der Chemischen Fabrik von I. D. Riedel, ver 
bunden mit einem Experimentalvortrage des Dr. chem. 
Bube; 10V 2 Uhr: Brandangriff auf dem Riedelschen 
Fabrikgelände gemeinsam mit der Fabrikwehr; ll l / 2 Uhr: 
Beginn der Berbaudsvcrhandlungen int großen Saale bei 
Raddatz u. a. Auszeichnung eines Kameraden; Verleihung 
von Diplomen und Abzeichen für bestaudette Führer- 
prüfungen; Abnahme der Jahresrechnung 10k2; Ergänzungs- 
Wahlen fiir die Prüfungskommission; Vortrag des Kameraden 
Brandmeister Salomon-Steglitz: „Schornsteinbrände, Brände 
infolge unvorschriftsmäßiger Anlage von Feuerstätten, 
Rauchvergiftung". Etwaige Anträge der Wehren zur 
Tagesordnung werden 3 Wochen vor der Versammlung 
an den Vorsitzenden des Unterverbandcs, Obecbrandntcister 
Jakob zu Teltow, erbeten. 
0 Eine groste Uebung der Sanitätskolonne wird 
am Sonntag, 1. Juni, in Potsdam stattfinden. An der 
Uebung nehmen folgende Kolonnen teil: Brandenburg, 
Britz, Falkenhagen - Seegefeld, Glindow, Golzom, Berlin- 
Lichterfelde, Lichtenrade, Mitteuwalde, Nauen, Niemcgk, 
Nowawes, Phöben, Potsdam, Stahnsdorf, Steglitz, Teltow, 
Trebbin, Werder a. H., Verband der Genossenschaften frei 
williger Krankenpfleger int Kriege mim Roten Kreuz 
Nowawcs, Potsdam, sowie der westlichen Vororte Berlins, 
die Datcrländischens Frauew (Zweig-Mereine Charlottcnburg, 
Friedenau, Nowawes, Potsdam und Weidmannslust. 
In- Potsdam angelangt, treten die Kolonnen im König!. 
„Wie vereinbart, habe ich den Nest der Einlage mit' 
der Bank von England zurückgezogen. Er beträgt noch 
fünfzigtausenö Mart, die ich einstweilen bei mir deponiert 
habe." 
Er legte die Abrechnung der Bank und seine Quittung 
über die empfangene Summe vor Helene hin. Dazu ein 
zweites Papier. 
„Hier die Liste der noch in meiner Verwahrung be 
findlichen Papiere und Aktien. Nach Jenseits Ansicht 
braucht nichts davon angegriffen zu werden. Wir können 
es also noch ein Weilchen mit ansehen." 
„Ich trauere dem verlorenen Gelde nicht nach, lieber 
Friedmann, nvch verwünsche ich die bösen Erfahrungen, die 
wir an meines Mannes bestem Freunde inachcn mußten, 
dank meiner eigenen Verträumtheit und Indolenz, ohne die 
es doch wohl so weit nicht gekommen wäre." 
Friedmann schüttelte den grauen Kops. 
„Liebe gnädige Frau, ich glaube kaum, daß einem so 
raffinierten Gauner, wie diesem Loewengard, so leicht 
jemand gewachsen gewesen wäre, geschweige denn eine 
Frau. Sie sehen ja, wie lange er in der Fabrik, geschützt 
durch seine Vollmacht, unentdeckt seine» Schwindel mit dem 
Verkauf der Muster betreiben konnte. Wer weiß, wie 
lange die Fabrik noch geschädigt worden wäre, hätte Herr 
Kähne mit seinem feinen Spürsinn den faulen Handel nicht 
aufgedeckt. Uebrigens hat Ihnen der Direktor etwas mit 
gebracht, liebe Frau von Lersch, bas Ihnen Freude machen 
wird. Eigentlich wäre es Memes' oder Kühnes Sache ge 
wesen. Aber die beiden sind von ihren Arbeitstischen ja 
nicht fortzukriegen. Als ob sie von heut zu morgen erreichen 
müßten, was durch Jahre versäumt worden ist." 
Der kleine Direktor hatte ein Paket aus.seiner Rock- 
Lnstgarten an und marschieren nach der Königl. Garnison- 
kirche. Ilm 11 s / 4 Uhr daselbst Gottesdienst durch den 
Garinsonpfarrer Herrn Hvfpredigcr Dr. Vogel. Ans Befehl 
Sr. Majestät wird die Gruft des Königs Friedrich II. 
geöffnet; die Kolonnen defilieren in Reih und Glied vorüber. 
0 Der vierte Tag der Frühjahrsflugwoche in 
Johannisthal hatte folgendes Ergebnis: Höhe: Linnekogcl 
(Rumpler Eindecker) 2750, Stiploscheck (Jeannin-Stahltanbe) 
1150. Langer (Luftfahrzeug-Doppeldecker) 1050, Stoesfler 
(Aviatik-Doppeldecker) 800 Meter. — Kürzester Anlauf: 
v. Gorissen (Ago-Doppeldecker) 70,06, Zahn (Ago) 103,01, 
Janisch (Otto-Doppeldecker) 110,72. Kießling (Ago) 110,03, 
Schlegel, (Aviatik-Eindecker) 126,10 Meter. — Dauerflug: 
Schiedeck 41, Stöffler 87, Schlegel 75, Hanüschke 70, 
Stiploscheck 132, Langer 123, Wicting 133, Linnekogel 133, 
Stagge 87, Müller 42, Colombo 11, Freindt 37, Schwankt 
40 Min., Kießling 12, Zahn 17, Gorrissen 2, Schauenburg 
22 Min., Kämmerer 10, Stüber 18 Mnuten. — Colombo 
stürzte, zertrümmerte den Apparat, erlitt jedoch selbst nur 
unwesentliche Verletzungen. 
0 Stuf der Treptow - Sternwarte finden folgende 
kinematographische Vorführungen mit erläuternden Vor 
trägen statt: Am Sonnabend, den 31. Mai, Nachm. 5 Uhr: 
„Interessante Bilder aus Italien". Abends 7 Uhr „Aus 
fernen Landen". Sonntag, dem 1. Juni, Nachm. 3 Uhr: 
„Scvtt's Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", 
5 Uhr: „Das Berner Oberland", und Abends 7 Uhr: 
„Interessante Bilder aus Italien". Am Montag, dem 
2. Juni, Abends 7 Uhr spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold 
über: „Uranus und Neptun, Oberfläche und Färbung" 
unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder und Abends 0 Uhr 
über: „Die Schätze des Meeres" mit Filmen. Mit dem 
großen Fernrohr wird ein Doppelstern und ein Stern 
haufen im Herkules gezeigt. 
0 Der alte Trick des falschen Handwerkers. Unter 
der Vorgabe, zur Revision der Jalousien beauftragt zu sein, 
verschafft sich ein zweifellos gewerbsmäßig „arbeitender" 
Gauner Eingang in Wohnungen, um Diebstähle auszu 
führen. Es gelang ihm auf diese Weise, ein goldenes 
Armband und eine kupferne, vergoldete Weckeruhr im Ge 
samtwert von 1l2 M. zu erbeuten. Der Spitzbube ist 
etwa 25 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat ldunkles Haar, 
kleinen dunklen Schnurrbart und trug grünliches Jackett 
und schwarzen steifen Hut. Bei seinem hiesigen Auftreten 
wolle inan sofort die Kriminal-Polizei in Kenntnis sitzen. 
0 Zu den Fleischvergiftungen in Lichterfelde er 
fahren wir noch, daß die Untersuchung des beschlagnahmten 
Fleisches durch die Untersnchungsstelle des Lichterfelder 
Kreiskrankenhauses stattgefunden hat, nachdem es der für 
Lichtcrfelde zuständige Herr Dr. Garbe bereits ge 
prüft und irgendwelche Ausstände nicht gefunden hatte. 
Die weitere Untersuchung bestätigte die Mitteilungen des 
Herrn Dr. Garbe; das Fleisch wurde als einwandsfrci er 
kannt, Färbungen wurden nicht festgestellt, auch die mit 
dem Fleisch gefütterten Tiere in dem hiesigen Untersuchungs- 
anit zeigten keine Veränderungen. Danach ist die ganze 
Sache in keiner Weise aufgeklärt, zumal das beschlagnahmte 
Fleisch durchaus als das gleiche bezeichnet worden ist, welches 
von dein betreffenden Fleischermeister in Süd an die später 
erkrankten Personen zum Verkauf gebracht wurde. Im 
übrigen sind die Erkrankten fast durchweg wieder hergestellt; 
zu Bedenken soll kein Anlaß vorliegen. Das Material ist 
nunmehr dem Kreisarzt zur weiteren Untersuchung über 
mittelt worden.' 
0 Duulmejungeitsflreiche sind in der vergangenen 
Nacht im Steglitzer Stadtpark verübt worden. Buben warfen 
einen Schokoladenautvmat um, rissen Schilder ab und 
stürzten verschiedene Lorbeerbäume in ihren Kübeln um. 
Der Wirt des Stadtpark-Rejtaurants hat auf die Namhaft 
machung des oder der Täter eine Belohnung ausgesetzt. 
0 Vier schwere Jungen verhaftet. Unsere Polizei 
hat gestern einen guten Fang gemacht. Gestern Nachmittag 
gegen 3 Uhr waren zwei Spitzbuben in dem Hanse Lanbacher- 
straße 17 damit beschäftigt, messingene Läuferstangen ab 
zuschrauben, als sie dabei vom Hauswirt überrascht wurden. 
Didser verfolgte die schnell flüchtenden Diebe und erreichte 
ihre Verhaftung durch den Polizeisergeanten Müller I. Bei 
den Verhafteten, namens Klient und Schmidt aus Berlin, 
wurden noch einige zerbrochene Messingstangen vorgefunden. 
Es sind den Tätern bereits noch einige andere Diebstähle 
nachgewiesen worden. — In der vergangenen Nacht gegen 
Uhr beobachtete ein Herr, daß sich an der Ladentür 
des Kolonialwarengeschäfts von Max Zicmkc, Stubcnrauch- 
tasche gezogen. Er nahm eine Handvoll Selben- und 
Banmwottmuftcr heraus, die er vor Frau von Lersch aus 
breitete. 
Ein helles Not der Freude flammte in Helenes schönem 
Alltlitz auf, als sie Rolfs kleine farbige Blätter getreu in 
Zeichnung und Farbe in diesen feinen Wirkereien wiedersah. 
Jenseit stund hinter ihr und rieb die Hände. 
„Das soll uns so leicht keiner nachmachen," sagte er, 
ans die Glyzinien und die blaßlila Hyazinthen mit dem 
aolddurchwirkten Florband zeigend. „Wir gratulieren uns 
alle Tage zu dieser Akguisition, gnädige Frau. Wenn 
jemand imstande ist, die Fabrik zu ihrer alten Höhe, ja 
über sie hinaus zu heben so ist es Herr Kühne. Sie 
sollten sich seiner durch Anen bindenden Kontrakt so lange 
als möglich versichern." 
„Wenn er sich halten läßt, lieber Herr Direktor — 
meinte Helene skeptisch. 
„Wenn man ihm den weitesten Spielraum zur Ent 
faltung seiner Ideen schafft, ganz gewiß. Ein merkwürdiger 
Mensch übrigens, dieser Herr Kähne: Still, wortkarg, ver 
schlossen, im verborgensten Winkel seiner Seele nur den 
einen brennenden Wunsch, dem Entflohenen nachzuspüren, 
seinen .Teil daran zu haben, die Verluste wieder gutzu 
machen, kam er zu uns. Unsicher, tastend, ohne Selbst 
bewußtsein. Und plötzlich, nach dem afften Erfolg, ein 
Mann voll Umsicht und verblüffender Oraanisationsfühigkcit, 
nebenbei ein durch und durch origineller Künstler. Ich höre, 
fein Großvater ist Gründer und Besitzer des bekannten 
Köhnefchen Verlags gewesen. Von dem alten Herrn mag 
ihm etwas im Blut stecken, das lange geschlafen hat und 
sich erst Bahn gebrochen, als ihn ein Zufall an die rechte 
Stelle gestellt hat." (Fortsetzung folgt.)
        
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