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Periodical volume Nr. 122, 27.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

yelmsplai;" hin. Dieses Gelände hat sich Rudolf Lorenz, 
der Begründer der Freilichtbühne in Brugg, Bindonissa, so 
wie des Freilichttheaters am Bierwaldstättersee in der 
Schweiz, des Freilichttheaters zu Aachen auf dem Lousberge 
und der für sein Hussitenspiel in Bernau 1911/12 erforder 
lichen Freilichtbühne — ausersehen, um in der II. Hälfte 
des Mai dort eine künstlerische Freilichtbühne erstehen zu 
lasten. Er gibt ihr den Namen „Josef Kainz-Theater", um 
dadurch die von Begeisterung getragenen letzten Wünsche 
und Aussichten Kainz für die Theaterkunst im Freien, die 
der Tod vernichtete, zu ehren und an seinem Teile das An 
denken an den großen Künstler lebendig zu erhalten. Allen 
sonstigen Freilichtbühnen überlegen ist die Anordnung und 
Ausführung des durch den Architekten K. A. Herrmann ge 
schaffenen gedeckten Zuschauerraums. Ohne Aufdringlichkeit 
trotz der imposanten Ausdehnung gewährt die zweistöckige 
Halle ungehinderten Ausblick auf die Szene, ihre geringe 
Tiefe im Innern, zusammen mit der leicht gebogenen Form 
der Anlage, nimint das Gefühl des Drückenden, Lastenden 
gegenüber der Natur, die Alleinherrscherin bleibt. Die 
Größe des eigentlichen Bühnenraums mit den Einbauten 
und den erforderlichen Nützlichkeitsgebäuden ist veränderlich. 
Das Repertvir geht vom klassischen Drama aus, auch Hebbel, 
v. Kleist, Ibsen, I. V. Widmann, Eberhard König (zu 
nächst urit seinem „Gevatter Tod) sind u, a. aufgenommen. 
Lorenz wählt zur Aufführung besonders solche Dichtungen, 
die vermöge ihres Stiinmnngsgehalts zur Natur innere 
Beziehung haben. Junge Schauspielerkräfte, die sich bereits 
in den Lvrenzschen Freilichtbühnen ausgezeichnet haben, 
werden dem Josef Kainztheater am kleinen Wannsce ihre 
erprobten Kräfte von neuem widmen, aber auch Talente — 
Talente aus der Schule Till« Durieur's und Mar Reinhardts, 
sind neu eingestellt morden und werden wochenlang vorher 
für das Spiel unter freiem Himmel vorbereitet. Als regel 
mäßige Spielzeit ist an Wochentagen 1 /^G oder G Uhr be 
stimmt worden, sodaß die Wirkung der untergehenden Sonne 
und der Uebcrgang zur Dämmerung benutzt werden kann. 
An Sonntagen findet außerdem regelmäßig noch eine Nach 
mittagsvorstellung um 3 Uhr statt und Vormittags- wie 
Nachtspiele sind für geeignete Stücke nicht ausgeschlossen. 
Von dem Grundsatz, das Theater im Freien allen Volks- 
klassen zugänglich zu machen, ist man nicht abgewichen. 
Die Platzpreise sind inkl. aller Nebenkosten für Zettel und 
Garderobe von 5,20 Bl. bis 1,20 M., jedoch sind Dutzend- 
bücher und verbilligte Vorzugskarten für Erwachsene, ferner 
Schülertage (Mittwochs), — auch 5 Uhr-Tee-Porstcllungen 
(Donnerstags) und Vereinsvorstellungcn zu einem Normal 
preise vorgesehen. 
o Das Biofontheatcr in der Nheiustraße 14, das 
sich trotz sommerlicher Witterung wegen seiner guten 
Ventilation allabendlich eines guten Besuches zu erfreuen 
hat, bringt von heute ab das fesselnde Drama in drei 
Alten „Heimat" zur Vorsührung. Episoden aus einer Ehe 
kommen in realistischer Darstellung auf die Lcimvand. 
Ergriffen bedauern ivir das junge Weib, das durch die 
Spielwut ihres von ihm geliebten Mannes diesen und ihr 
Vermögen verliert. Wahrhaft erschütternd wirkt das späte 
Wiedersehen. Max (Linder) hat Konkurrenz, ist eine der 
vielen Episoden, in denen der ewige Schwerenöter die Lacher 
anst seiner Seite hat. Das so lange vermißte Pathö 
Journal zeigt nun wieder die neuesten Vorkommnisse in 
aller Welt in abwechslungsreichen Bildern. Auch das Ton 
bild ist recht hübsch. Sevilla, die schöne spanische Stadt 
am Guadalquivir, wo sich die Flut des Meeres noch 
bemerkbar niacht, zeigt eine prächtige Naturaufnahme. 
Turnübungen und Spiele der Unteroffizierschule in Potsdam 
bringt sportliche Leistungen der Schüler der letzteren zur An 
schauung. Wern zwei sich streiten, ist eine ergötzliche 
Komödie und Willys gutes Herz, auch nicht von Pappe. 
v Bohnerwachs im Brutofen. Für eine derartig 
leicht entzündbare Masse hatten Herrschaften am Rüdes- 
heimerplatz 2 keinen geeigneteren Aufbewahrungsort ge 
funden als — den Brutofen. Die Folgen dieser Unvor 
sichtigkeit blieben denn auch nicht aus. Als gestern der 
Ofen in Tätigkeit gesetzt wurde, brannte der Wachs, und 
zwar so heftig und gefahrdrohend, daß die Feuerwehr 
alarmiert werden mußte, die dann nach kurzer Zeit die 
Gefahr beseitigte, gleichzeitig den Leuten aber in schonender 
Weise eine Lektion erteilte, wie und wo man am besten 
Bohnerwachs aufbewahrt, um es vor dem Feuer zu schützen. 
o Selbstmord auf den Gleisen der Wannseebahn. 
Beiin Bahnwärterhäuschen an der Potsdamer Chaussee in 
Zehlendorf warf sich in selbmörderischer Absicht ein junger, 
18—19 jähriger Mann, anscheinend Mechaniker oder 
Monteur, vor einen von Zehlendorf-West nach Zehlendorf- 
Mitte fahrenden Wannseebahnzug, der ihm beide Beine 
abfuhr und ihn noch am Kopfe verletzte, sodaß der Tod 
nach kurzer Zeit eintrat. Bei dem Selbstmörder wurden 
iveiter keine Papiere als nur eine Btitgliedskarte eines 
Berliner Turnvereins vorgefunden, die auf den Namen 
Artur Elfers lautete. Was den jungen Mann in den Tod 
getrieben hat, konnte bisher nicht festgestellt werden. 
o Raubüberfall. In der Nacht zum Sonntag wurde 
au der Ecke Aachener- und Detmolder Straße der zwanzig 
jährige Kohlenarbeiter L. von einem gleichaltrigen Burschen 
Bekanntmachung. 
Die Rotlaufseuche unter dem Pfcrdebestande des Kohlenhändlers 
August Rogosch, hier, Körnerstraße — Platz 33 — ist erloschen. 
Berlin-Steglitz, den t4. Mai 1913. 
Der AmtSvorstehcr. 
Veröffentlicht: 
Berlin-Friedenau, den 23. Mai 1913. 
Der Amtsvorstchcr. 
Herzliche Bitte! Bessere Dame 
wünscht 20V M. bis Juli, 240 
zurück, v. Selbstgcber geg. Sicher- 
, heit. Off. Z. D. 334 Exp, d. Bl. 
2 ÄdninltnööBtläÄS. 
che», grünes Weibchen. Gegen 
Belohnung abzugeben Fregcstr. 5. 
„Wd-ÄWMm«" 
wissensch. studiert, erfolgsicher. 
8 Adfckrifterr «. 
ReriüelfaMgrmüerr 
auf der Schreibmaschine 
Rubeussir. 43 Ecke Peter- ] 
Vischerstr. Amt Steglitz (755). 
überfallen und mit einem großen Stein zu Boden ge-' 
schlagen, sudaß er blutüberströmt zusammenbrach. Der 
Strolch raubte dem L. die Kleidungsstücke und flüchtete. 
Passanten fanden gegen 4 Uhr Morgens den Ueberfallenen 
stöhnend und frierend, noch halb bewußtlos auf und ver 
anlaßten seine Ueberführung ins Lichterfelder Krankenhaus. 
Die Kriminalpolizei ermittelte schnell den Täter, der in 
die Wohnung seiner Eltern in der Detmolder Straße ge 
flüchtet war und bereits die Papiere und das Geld zu sich 
gesteckt hatte. 
Verems-Dadmchten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Thcatervercin ,,1'erxes" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9Vj Uhr im Vereinslokal Paul Sponholz, Steglitz, Körncrstr. 48c. 
Gäste als Mitglieder willkommen. 
Charlottenburger Touristen-Klnb „Märkische Föhre." Tie 
Lchrlingsabteilung des Klubs unternimmt am Sonntag, dem 
1. Juni ihre 36. Wanderfahrt nach Biescntbal, Wehrmühle, FH. 
Eiserbndc, Sophienstädt, Prenden Viescnthal. Versammiung ‘/,6 
Uhr Stettiner Fernbahnhof. Teilnehmerkarte 1,65 M. Die Schüler- 
abteilung unternimmt an Demselben Sonntage ihre 42. Wander 
fahrt nach Vehlefanz, Fh.tz Zicgcukrug. Versammlung st,8 Uhr 
Charlottenburger Bahnhof. Teilnehmerkarte 1,30 M. ermäßigt. 
Sckörleberg 
—o Ueber das Vermögen des Wilhelin Ravens, 
Elektrotechnisches Spezialhaus, Mcraner Str. 3, ist am 
22. Mai 1913, vormittags 10 Uhr, das Konkursverfahren 
eröffnet, da Ravene Zahlungsunfähig ist. Der Konkursverwalter 
August Belter in Berlin W. 30, Habcrlandstr. 3, ist zum 
Konkursverwalter ernaunt. Koukursforderungen sind bis 
zum 24. Juni 1913 bei dem Gericht anzumelden. — In 
dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kürschner 
meisters Franz Jokisch in Firma E. F. Jokisch, Hohen 
staufenstraße 03, ist zur Abnahme der Schlußrechnung 
des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen 
das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu be 
rücksichtigenden Forderungen sowie zur Anhörung der 
Gläubiger über die Erstattung der Auslagen und die Ge 
währung einer Vergütung an die Mitglieder des Gläubiger 
ausschusses der Schlußtermin auf den 20. Mai 1913, Vor 
mittags 11 Uhr bestimmt. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik überuehnien wir keine Vcrantivortung.) 
Der neue Markt. 
Ein Bravo! der Schreiberiu des gestrigen Eingesandt. Dahin 
muß es kommen, das; unsere Hausfrauen selbst „rebellieren" gegen 
eine derartige „Verbesserung" unserer Gegend. Wenn wir hier 
Wohnung genommen haben, so geschah cs, um in einer ruhigen, 
vorn Verkehr noch wenig beleckten Straße zu wohnen, und da 
nahmen wir sogar den häßlichen Lagerplatz unserer Ortsverwaltnng 
mit in Kauf. Durch einen Markt den Verkehr jener Gegend zu 
heben, ivar das — gelinde gesagt — Merkwürdigste, was sich 
unsere Verwaltung ausdenken konnte. Da hätte sie uns einen 
Schncllbahnhof spendieren sollen, das ließe sich eher hören. Aber 
einen häßlichen Markt neben dem genau so häßlichen Steinplatz! 
Brr! Alan sollte cs den Anwohnern noch nicht einmal zumuten, 
dort kaufen zu gehen, dcnrr appetitlich ist cs nicht, Etzwarcn aus 
gestellt zu sehen in guter Nachbarschaft von Klamotten, Schult, 
Müllkästen und Schuppcnanlagcn. Aber schließlich, Uber den 
Gcschnrack läßt sich streiten! Wir sind jedoch garnicht so sehr ver 
sessen ans den Verkehr, sonst Hütten wir hier nicht Wohnung ge 
nommen, wo wir ein gut Stück Weges zur Elektrischen oder zum 
Bahnhof zu gehen haben. Ein ruhiges Wohnen wünschen wir 
uns und das hat uns die Gemeinde jetzt verdorben. Darum 
suchen wir uns eine andere Wohnung in einem Wohnorte, der noch 
etwas darauf gibt, seinen Bewohnern die gewünschte Ruhe zu ver 
schaffen. Wir können auch als Anwohner des neuen Marktes 
Herrn Berger dankbar sein, daß er der Einzige war, der das rechte 
Wort in der Acrtrctcrsitzung gefunden hat. Die Ordnungsrufe 
mögen ihn weiter nicht kränken, ist doch nach dem Bericht in Ihrer 
Zeitung von einem der Herren Schöffen sogar das Wort 
„Gemeinheit" gefallen. Das verdiente anscheinend den Ordnungs 
ruf nichts Herr Berger war — immer natürlich nach Ihrem 
Bericht zu urteilen — durchaus sachlich vorgegangen, hatte sogar 
bezüglich des Marktes Zugeständnisse gemacht, die zu machen 
einem Vertreter des Gewcrbestandes nach meiner Ansicht äußerst 
schiver fallen muß. Herr Lichtheim ergriff au einer Stelle, ivo er 
garnicht gefragt war, das Wort und beantwortete die Frage des 
Vorsitzenden in einer Weise, die eine Ehrenkränkung des betr. 
Gemeindeverordneten sein mußte. Denn ich wüßte keinen härteren 
und schwereren Vorwurf als den, daß ein zum Wirken für die 
Allgemeinheit durch Handschlag verpflichteter Vertreter der Bürger 
schaft eigennützige persönliche Ziele verfolge. Dieser Vorwurf 
mußte von einem unparteiisch sein wollenden Vorsitzenden unbedingt 
gerügt ivcrden. Da dies nicht geschah, war der betr. Herr zur 
Selbsthilfe genötigt. Mag er darin-auch mit einem Ausdruck zu 
ivcit gegangen sein. Zwischen „unwahr" und „Gemeinheit" finde 
ich aber keinen großen Unterschied heraus! Außerdem habe ich 
mir, da mich die Marktangelegenheit als Anwohner der Rheingau 
straße besonders interessiert, erzählen lassen, daß das, was Herr 
Berger s. Zt. getan hat, geschah erstensmal vor seiner Zeit als 
Gemcindevertreter, zweitens im Aufträge des Gewerbevercins. 
Denn es handelte sich damals noch um andere Sachen, die Herr 
Berger nicht in seinem GIchäst führt. Ich kaun cs einem Herrn, 
gleichviel welchen BeruM, durchaus nicht verdenken, daß er 
außerhalb seiner Stellung als Geiverbetrcibender seine eigenen 
Interessen verfolgt. Wenn er nur in seinem Amte die große 
allgemeine Sache im Auge behält; und das hat Herr Berger getan. 
— Mir komnit aber die'ganze Marktchose wie ein Konkurrenz 
manöver unserer Gemeinde vor. Sie will den Privatmarkt 
an der Bornstraße tot machen: deshalb die gleichen Markttage 
und der Abeudmarkt Und das alles zum „Wähle" der Bewohner 
des westlichen Friedenau! Ich meine, eine Verwaltung sollte sich 
für zu gut dünken, um solche Konkurrenzmauöoer mitzumachen. Nie 
Carl-Heinz 
Die Güte unseres Gottes schenkte uns heute 
Ersatz für unseren geliebten Karli durch die Geburt 
eines gesunden Knaben. 
Alexander Matschhe u. Frau 
Erna geb. Nadge, 
Berlin-Friedenau, d. 27. Mai 1913. 
Ivbeinstr. 57. 
10 M. Belohnung. 
Verlaufen schwarzer Kater, Nach- 
richt ob tot, vielleicht i. Keller od. 
Falle lebendig, erb. Fregcstr. 24. 
Das. angef. fremd, schwarzer Kater. 
üiiiM sse 
wird cs hierdurch dem Herrn- Marktgcwaltigcn glücken, den 
Privatmarkt aus diese Weise zu verdrängen; wohl aber wird er 
ittiscre Gegend, damit uns und im weiteren Sinne die Hausbesitzer 
und die Gewerbetreibenden der benachbarten Straßen des neuen 
Marktes schädigen. Darum: Fort mit dem Markt! 
K. G. i. A. mehrerer Anwohner. 
Zur „Marktfragc" (gestatten Cie auch mir einige Worte. Wie 
sehrs die Einbildungskraft bei manchen Käufern eine Rolle spielt, 
möge Folgendes beweisen: Ein Grünkramhändler in der Rhein- 
straße machte ein schlechtes Geschäft, besonders aber an Markttagen 
war sein Geschäft tot. Er gab es schließlich vollständig auf und 
— zog auf den Markt! Er kauft jetzt die Ware noch immer da 
ein, wo er sie früher kaufte, verkauft sie aber auch zu denselben 
Preisen wie früher in seinem Laden und macht nun ein Bomben 
geschäft. Wenn Herr Lichtheim sagte, daß der Markt preisregu- 
licrend wirke und an den Markttagen auch in den Läden niedrigere 
Preise gefordert werden, so ist letzteres im allgemeinen richtig. Es 
haben sich mehrere Händler dahin geeinigt, an Markttagen die 
Preise möglichst noch niedriger als sie auf dem Markt gefordert 
ivcrden, zu stellen, selbst wenn dabei zum Einkaufspreise verkauft 
werden sollte. Aber auch das hat bisher noch nicht gezogen, die 
Laden bleiben ferner leer. Herrn Lichtheim scheint aber anch schon 
diese Konkurrenz unangenehm für den Markt zu sein. Walt. B. 
Nachbarliche Nücksichtlosigkeiten. Der einzig übriggebliebene, 
größere Villenkomplex des „alten Friedenau" findet sich noch 
in der Schmorgendorserstraße zwischen der Kirche und dem Wil- 
mcrsdorfer Platz. Jeder Fremde, der in diesem Teil Friedenaus 
zu tun hat, freut sich über das „ländliche Bild" inmitten des 
Großstadtlürms und beneidet die Bewohner der 9 oder 12 Villen 
um die „wundervolle Ruhe", deren sic sich erfreuen. Ja, die Ruhe 
in diesem Ortstcil ist auch wundervoll, oder vielmehr sie könnte es 
sein, wenn sie nicht Tag für Tag in ebenso lästiger wie über 
flüssiger Weise gestört würde. Im Garten des Hauses Nr. 23 be 
findet sich eine widerwärtige Hundetöle, deren einzige Beschäftigung 
darin besteht, täglich stundenlang zu bellen und die auf der Straße 
Vorübergehenden wütend anzufahren. Oft genug sieht man vor 
Hause ältere Leute und Kinder erschreckt zusammenfahren, wenn das 
heimtückische Vieh aus dem Hinterhalt sie mit mißtönender Stimme 
ankläfft. Wenn die Besitzer glauben, eine solche unangenehme Töle 
nicht missen zu können, so sollten sie wenigstens so viel Rücksicht 
besitzen, das Scheusal tagsüber im Hause 'zu behalten oder sich 
einen andern, besser erzogenen Hund anzuschaffen. Wie die Dinge 
jetzt liegen, wäre aller Anlaß gegeben, daß die Polizei sich einmal 
mit dieser alltäglichen Belästigung der Passanten beschäftigt und 
in der einen oder andern Weise den Besitzer des lieben Tieres auf 
seine Pflichten gegen die Aiitmenschen aufmerksam macht. — In 
allen anderen Villen der Straße hat bisher stets köstliche Ruhe ge 
herrscht. Leider befindet sich auch in Nr. 25 seit einigen Wochen 
ein Hundevieh, daß anch oft Viertelstunden lang zu seiner Prioat- 
untcrhaltung blafft — natürlich im Freien. Dem großen Spektakel 
meister von Nr. 23 ist dieser Neuling freilich noch nicht entfernt 
ebenbürtig — hoffentlich wird er's noch! R. 
Vermischtes 
*ü Die „Zeppeline" im Sommer 1913. „Viktoria Luise" die 
den Winter über in Frankfurt a. M. stationiert war, und von 
dort aus jetzt am Oberrheinflug teilgenommen hat, wird, wie im 
vorigen Jahre, ihre Fahrten meist von Frankfurt a. M. und 
Baden-Baden aus unternehmen. Sie wird zwischen diesen beiden 
Standorten bis Ende November wechseln und abwechselnd in jedem 
der beiden Luftschiffhäfen immer auf einige Wochen stationiert 
bleiben. Die Ueberwinterung erfolgt voraussichtlich wieder in 
Frankfurt a. M. Das Luftschiff „Hansa", das in Potsdam über 
winterte und von hier aus täglich Aufstiege macht, bleibt zunächst 
bis zum 31. Mai im Luftschiffhascn an der Pirschheide, um dann 
auf 1'/, Monate, bis zum 15. Juli, nach Hamburg-Fuhlsbüttel zu 
übersiedeln. Es wird abgelöst durch die „Sachsen", die vom 1. 
bis zum 22. Juni provisorisch in Potsdam stationiert sein wird, 
bis sie in ihren Heimathafen nach Leipzig überführt wird. Dort 
wird die „Sachsen" zunächst bleiben und eventuell die „Häufn" 
einige Male in Potsdam vertreten, die zwischen Hamburg und 
Potsdam im Laufe des Sommers mehrfach wechseln wird, Nach 
dem bishcringen Programm kommt die „Hansa" am 16. Juli aus 
Hamburg zurück, bleibt in Potsdam bis zum 9. August, erreicht 
am 10. August Hamburg von neuem, übersiedelt 5. September von 
neuem nach Potsdam, um am 26. September wiederum nach 
Hamburg zu gehen, das sie am 15. Oktober für dieses Jahr end 
gültig verläßt, um wieder in Potsdam zu überwintern. Inzwischen 
dürfte der Potsdamer Lustschiffhafcn auch eines der Hecres- 
Zeppeliu-Luftschiffe, wahrscheinlich den „Z. 4" aus Metz, vorüber 
gehend beherbergen. 
*o lieber eine zweifelhafte ausländische Firma in Mailand 
(Vertreter) sind den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin von 
zuverlässiger Seite Mitteilungen zugegangen. Vertrauenswürdige» 
Interessenten wird im Centralbürv der Korporation, Neue Friedrich 
straße 511, an den Werktagen zwischen 9 und 3 Uhr mündlich 
oder schriftlich nähere Auskunft gegeben. 
Geschäftliches 
BSSf* Billige Woche im Kadewe. Das billig und gut zwei 
sich vollständige deckende Begriffe sein können, dafür liefert in diesen 
Tagen das Kaufhaus des Westens den besten Beweis. Durch die 
„Billige Woche" ist hier eine Gelegenheit geschaffen, die von der 
Hausfrau zum Monatsende besonders begrüßt werden wird. Sämt 
liche Abteilungen haben zu diesem Zwecke Warenposten in den 
Verkauf gestellt, die eigens für diese Woche erworben sind. So 
bieten Vorteile von außerordentlicher Preiswürdigkeit u. a. die 
Kleiderstoffabteiluug mit ihren duftigen Wasch- und Sommer 
stoffen, die Damenkonfektion mit ihren weißen Kostümen, faltigen 
Seidenmänteln und feschen Blusen und die Abteilung für Trilv- 
tagen nnt ihren Sommergarnituren und Strümpfen in allen Farben 
und Geweben. Ebenso sind noch die in der großen Lichthalle aus 
gestellten Soudertische zu erwähnen mit den erstaunlich billigen 
'Badetrikots, Kindersöckchen, Schürzen und Kitteln, Damenwäsche 
usw. Es ist unmöglich, hier, als auch im Rahmen der Tages- 
iuserate, alle die Gelegenheitsposten der „Billige Woche" zur Auf 
zählung zu bringen. Sie eignen sich, infolge ihrer überaus 
niedrigen Preislage, schon jetzt zum Einkauf für die bevorstehende 
Sommerreise. 
’ Wetterattssichten. 
Mittwoch: Etwas kühler, zeitweise heiter, aber sehr 
veränderlich bei mäßigen südwestlichen Winden. Leichte 
Regenfälle und fortdauernde Gewitterneigung. 
Verantwortlicher Schriftleiter: H ermann Martinius, Friedenau. 
Beschluß. 
Das Verfahren zum Zwecke 
der Zwangsversteigerung des in 
Berlin-Friedenau, Fröaufstraße 8 
belegenen, im Grundbuche von 
Berlin-Friedenau, Band 25, Blatt 
Nr. 1227, auf den Namen des 
Kaufmanns Fugmann eingetra 
genen Grundstücks wird einstweilen 
eingestellt, da die beiden betreiben 
den Gläubiger die einstweilige 
Einstellung des Verfahrens be 
willigt haben. (4460 
Der auf den 10. Juni 1913 be 
stimmte Termin fällt weg. 
10 K. 19. 13. 
Berlin-Schöueberg, 
den 22. Mai 1913. 
Königliches Amtsgericht 
Berlin-Schöneberg. Abt. 10. 
Verliebt 
ein zartes, reines Gesicht, rosiges, 
jngendfrischesAussehenu. blendend 
schönen Teint, der gebrauche 
Steckenpferd-Seife 
(die beste Lilieumilch-Seife) 
5 St. 50 Pf. Die Wirkung erhöht 
Dada-Cream (1663 
welcher rote u. rissige Haut weiß u. 
sammetweich macht. Tube 50Pf. bei 
H. Oelgarts Drogenhaus; 
Rich. Liersch; E. Jung Rfi.; 
Karl Kircher; 
Max Denecke, Stubenrauchstr. 55; 
in Schöneberg: Wilh. Herrmann. 
K. Zillmann, Karl Kircher.
        
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