Path:
Periodical volume Nr. 122, 27.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriedenarree ^ / Zeitung.) 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
Bezugspreis §tf$n*tVt 
3ei Abholung aus der Geschäftsstelle. - . „ m 
Rheinstr. 15,1.60 M. vierteljährlich; durch ^ JeLen wittvo», 
Boten inSHaus gebracht 1.80M-, durch die Mitzblatt „Seifenblasen". 
Post bezogen 1,92 M. einfchl. “ *'~ 
fernTpredur: Hmt pfaljbnrg 2139. {Stfd)CtUt kägktH CtßCUbö. 
§>rgan für den Friedenauer Ortsteil non Zchdneberg und 
Kezirksuerein Züdmest. 
Beilagen »nzelgen 
Jecken Sonntag* 
Blätter für deutsche grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: Bbeinftr. iZ. 
Reklamezeile kostet 
75 Pf. Belagnummer 10 Pf. 
fernlpreckrer: Hmt Pfaljburg 2129. 
Vr. IW. 
Nerlin-Iricdenau, Dienstag, den 27. Mai 1913. 
2». Zaijrg. 
DcpcTcben 
Letzte Nadirickten 
Berlin. Wie die „B. Z a. M." erfährt, ist nach den 
letzten Beratungen im Bundesrate, die im Anschluß an die 
Hochzeitsfeierlichkeiten stattgefunden haben, mit Bestimmtheit 
anzunehmen, daß der junge Herzog Ernst August von 
Bcaunschweig und Lüneburg bereits in diesem Jahre die 
Regierung in Braunschweig antreten wird. Die von dem 
Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg geführte Regent 
schaft soll am 3 l. Oktober ihr Ende erreichen, und am Tage 
darauf soll der feierliche Einzug des Herzogspaares in die 
Burg Dankwarderode in Braunschweig erfolgen. 
Potsdam. Im Lustgarten fand heute Vormittag in 
Gegenwart des Kaiserpaares und des englischen Königs 
paares die Frühjahrsparade über die Potsdamer Garnison statt. 
Johannisthal. Heute in den frühen Morgenstunden 
ereignete sich auf dem Flugplatz Johannisthal ein sehr 
schwerer Unfall. Der Chefpilot der Sportflieger G. m. b. H. 
Gustav Adolf Michaelis, der an den beiden Tagen der 
Flugwoche sehr schöne Erfolge erzielt hat, stürzte bei einem 
Uebungsfluge dadurch, daß er eine Kurve zu kurz nahm, 
mit einer Sportflieger-Taube (System Etrich) ab und wurde 
mit Verletzungen, die für sein Leben fürchten lassen, ins 
Elisabeth-Krankenhaus in Oberschöneweide gebracht. 
Prag. Ueber den Selbstmord des Generalstabschefs 
des Prager (neunten) Korps, Obersten Redl, der am Sonn 
tag in einem Wiener Hotel seinem Leben ein Ende bereitete, 
sind hier sensationelle Gerüchte im Umlauf. Diese Gerüchte 
besagen nicht mehr und nicht weniger, als daß der Selbst 
mord niit einer jüngst aufgedeckten Spivnageaffäre zu 
sammenhänge. 
Graz. Zwischen Frohnleiten und Rötelstein rannte 
ein Auto, dessen Chauffeur, ein Dresdner namens Huffmann, 
von plötzlichen llnwohlsein befallen wurde, gegen einen 
Baum. Die Insassen, Fabrikant Hans Hendel, Dr. Föhnke 
und Privatier Beinbach, alle aus Kamnitz, wurden heraus 
geschleudert. Alle vier wurden schwerverletzt nach dem 
Sanatorium Frvhenleiten gebracht. 
London. Der Gegenbesuch des Deutschen Kaisers als 
Erwiderung der Teilnahme des Königs von England bei 
den Feierlichkeiten am Berliner Hofe soll nach einer Meldung 
des dem englischen Hofe nahestehenden Daily Telegraph im 
August dieses Jahres erfolgen. Bei dieser Gelegenheit soll 
in Spithead eine Flottenparade stattfinden, an der ein 
deutsches Geschwader, das den Kaiser auf seiner Reise be 
gleiten wird, teilnehmen dürfte. 
London. Der Flieger Pizey unternahm gestern mit 
einem Passagier verschiedene Flüge auf dem Flugplatz von 
Larckhill, als plötzlich in ungefähr 400 Meter Höhe ein 
Vergaserbrand entstand. Der Pilot schnitt sofort die Benzin 
zufuhr ab, um dann in steilem Gleitflug niederzugehen. 
Während dieses Abstieges war der Passagiersitz, der sich zwischen 
Pilotensitz und Motor befindet, derart heiß geworden, daß 
der Passagier stehend den letzten Teil der Fahrt mitmachen 
inußte. Die Landung ging glatt vonstatten. Beide Insassen 
sprangen sofort aus dem Apparat heraus, und kaum hatten 
sie sich in Sicherheit gebracht, als auch der Benzinbehälter 
explodierte und die Maschine vollständig vernichtet wurde. 
Madrid. Auf einem See bei der Stadt Banoeas in 
Catalonien ging ein Motorboot unter. Zwölf Personen 
ertranken. 
AnUegerbeilräge. 
Darauf, ob im Einsprüche die ’ Freistellung aus zu 
treffenden Gründen beantragt ist, kommt cs nicht an, sondern 
nur darauf, ob sie vollständig oder nur in bestimmter Höhe 
beantragt ist. Die Begründung der Klage braucht mit der 
des Einspruchs nicht übereinstimmen. 
Den Einspruch eines durch zwei zeitlich auseinander 
liegende Verfügungen herangezogenen Anliegers gegen die 
erste Heranziehung auf die zweite auszudehnen, ist nicht an 
gängig, wenn zur Zeit der zweiten Heranziehung der Ein 
spruch schon erhoben war und der Herangezogene nicht 
mehr lebte. 
Ueber Inhalt und Tragweite des Einspruchs steht dem 
Revisionsrichtcr freie Beurteilung zir. 
Beklagterund Revisionskläger: der Magistrat in O.; 
Klägerin und Rcvisionsbeklagte: die Hausbesitzerin Maria 
C. in O. 
Der Rentner Simon C. wurde von dem Beklagten auf 
Grund des Ortsstatuts über die Anlegung und Veränderung 
von Straßen in der Stadt O. vom 4. Juli 1903 zu den 
Straßenbaukosten der Sedanstraße in O. mit einem Betrage 
von 3066,01 herangezogen. Gegen diese Veranlagung hat 
er unter dem 2. August 1903 rechtzeitig folgenden Ein 
spruch eingelegt: 
„Gegen meine Veranlagung zu den Baukosten der 
Sedanstraße lege ich hiermit Berufung eim 
Die Berechnung ist für die ganze an die Sedanstraße 
grenzende Front meines Grundstücks erfolgt, während nach 
Ortsstatut vom Jahre 1883, welches für mein Grundstück 
maßgebend ist, die Breite der in mein Grundstück fallenden 
projektierten Querstraße abgezogen werden müßte. Dann 
erlaube ich mir noch zu bemerken, daß die Straßeiikosten 
ja doch erst zu zahlen sind, wenn die Sedanstraße ganz 
fertiggestellt ist, was bis jetzt noch nicht der Fall ist." 
Der Beklagte richtete ferner unter dem 7. Dezember 
1964 an denselben Hausbesitzer Simon C, eine Nachtrags 
veranlagung in Höhe von 893,61 M. Diese Verfügung 
wurde, da Simon C. am 3. Februar 1904 gestorben war, 
seiner Tochter und Allcinerbin Maria C., der Klägerin, von 
dem Zustellungsbeamten ausgehändigt, nachdem dieser, wie 
der Beklagte angibt, die Veranlagung entsprechend geändert 
hatte. In der Zustellungsurkunde findet sich folgender Ver 
merk: „Uebergeben der Tochter", jetzige Besitzerin, da Simon 
C. verstorben ist. Gegen diese Nachtragsveranlagung ist 
ein Einspruch nicht eingelegt worden. 
Unter dem 18. November 1910 zugestellt am 19. des 
selben Monats, hat der Beklagte auf den Einspruch des 
Simon C. folgenden Beschluß gefaßt: 
„Der Einspruch der Maria C. gegen die Heranziehung 
zu den Straßenbaukosten der Sedanstraße wird zurück 
gewiesen, da mit der Straßenanlegnng vor Errichtung des 
Wohnhauses begonnen morden ist." 
Gegen diesen Bescheid hat Maria C. auf Freistellung 
von den durch die Verfügungen vom 4. Juli 1903 und 
7. Dezember 1904 geforderten Straßenbaukosten und auf 
Rückzahlung der inzwischen bezahlten Beträge von zusammen 
2959,62 M. geklagt. Nachdem der Beklagte am 17. De 
zember 1910 einen Betrag von 626,94 M. zurückerstattet 
hatte, hat sie ihren Anspruch auf 3332,68 M. ermäßigt. 
Diesem Antrage hat der Bezirksausschuß entsprochen. Hier 
gegen hat der Beklagte Revision eingelegt, auf welche die 
Entscheidung des Bezirksausschusses, soweit sie die Heran 
ziehung vom 4. Juli 1903 betrifft, zu bestätigen, dagegen,, 
soweit es sich um die Heranziehung vom 7. Dezember 
1904'handelt, aufzuheben, und die Klage insoweit abzu 
weisen mar. 
Die Klägerin hat auf Freistellung und Zurückerstattung 
der bereits gezahlten Beträge Klage erhoben, und der 
Vorderrichter hat auch die Verurteilung nach dem letzten 
Klagebegehren ausgesprochen. Der Gerichtshof ist bei der 
Zulassung eines Antrags auf Rückzahlung in Verbindung 
mit einem Antrag auf Freistellung von Anliegerbeiträgcn 
bisher davon ausgegangen, daß jener Antrag an sich über 
flüssig sei, iveil sich die Verpflichtung zur Rückzahlung ohne 
weiteres aus der Freistellung ergebe. Demnach kann der 
Ausspruch der Verpflichtung zur Rückzahlung nach Ansicht 
des Vorderrichters nicht als der Ausspruch einer wirklichen 
Verurteilung des Beklagten verstanden werden. Der Vorder 
richter hat vielmehr, wie die Begründung seines Bescheides 
erkennen läßt, die Pflicht zur Zurückzahlung nur als die 
notwendige Folge seiner Entscheidung, daß weder auf Grund 
der Heranziehung vom 4. Juli 1903 noch auf Grund der 
vom 7. Dezember 1904 eine Beitragspflicht besteht, ange 
sehen und ausgesprochen; er hätte sich damit begnügen 
können, diesen Ausspruch lediglich in der Begründung seines 
Bescheides zum Ausdruck zu bringen. Demgemäß ist gegen 
wärtig nur über den Anspruch der Klägerin auf Freistellung 
zu entscheiden. 
Insoweit ist zu beachten, daß zwei besondere Heran 
ziehungen vorliegen, die erste vom 4. Juli 1903 und die 
zweite vom 7. Dezember 1904. Gegen beide in einer 
Klageschrift zu klagen, war statthaft. Tatsächlich und 
rechtlich liegen aber zwei selbständige Klagen vor; es besteht 
objektive Klagehäufung. Es ist demnach über jede der 
beiden Klagen selbständig zu befinden. 
Die erste Verfügung vom 4. Juli 1903 ist an den 
Erblasser der Klägerin Simon C. gerichtet, und dieser hat 
Einspruch eingelegt. Der Einspruchsbcschluß ist an die 
Klägerin ergangen, mit Recht, da Simon C. inzwischen ver 
storben war und die Klägerin unbestritten seine alleinige 
Erbin ist. Ihre Klage hiergegen ist zulässig und nach den 
Feststellungen'des Vorderrichters auch begründet. Danach 
ist das Gebäude, wegen dessen Errichtung die Heranziehung 
erfolgt ist, vor dem Beginne der Anlegung der Sedanstraße 
erbaut worden. Dies bewegt sich auf tatsächlichem Gebiete 
und ist daher für den Revisionsrichter bindend, da es ohne 
Rechtsirrtum und ohne wesentliche Mängel des Verfahrens 
festgestellt worden ist. Die Revisionsangriffe sind verfehlt. 
Insbesondere ist die Ansicht, daß Simon C. seinen Ein 
spruch gegen die ganze Heranziehung gerichtet habe, irrig. 
träumende Menschen. 
Ramcm vo» Dora Sünder. 
53. ml**«.) 
So bitter seine Weigerung sie ankam, sie wagte nicht 
mehr zu widersprechen. In ihrem innersten Herzen fühlte 
sie, daß er recht habe, und daß sie ihn, wenn es möglich 
war, für feinen harten männlichen Entschluß nur mehr 
noch liebte. 
Die alte Schwarzwälderin über dem Roßhaarsofa holte - 
zu einem ihrer langsamen, heiseren Schläge aus. Der 
junge Offizier sah zu dem Zifferblatt auf. Halb sechs. 
Es war Zeit für ihn zu gehen. 
„Willst du Lena nicht Lebewohl sagen?" fragte Nellie. 
„Wenn du sie auch schwerlich mehr allein findest —" 
„Nein, mein Liebling. Ich bin nur zu dir gekommen. 
Sage deiner Schwester, was zu sagen ist. Sie wird mich 
verstehen. Auch danken sollst du ihr noch für all ihre Güte 
und Nachsicht für mich. Willst du das tun und Lena bitten, 
mir zu verzeihen?" Sie nickte stumm unter Tränen zu 
ihm auf. ...... 
, Auch den Sitten mußt du grüßen und ihm danken für 
seine Gastfreundschaft, obwohl er heut wenig freundlich 
zu mir war. — Und nun leb' wohl!" 
Sie hielten einander im Arm. Ihre jungen Lippen 
küßten sich. 
Cornelie schluchzte laut. 
„Ich muß fort, Liebling," flüsterte er. 
Eie raffte sich zusammen, nahm den Torschlüssel, 
den Mürbe ifar überlassen batte, vom Tisch und ging 
2lrm in Arm mit dem Geliebten ln den kalten dunkeln 
Abend hinaus. 
Drüben im kleinen Salon stand Loewcngard in 
demütiger Haltung vor Helene und legte den Scheck 
über hundertfünfzigtausend Mark an die Bank von 
England, den Frau von Lersch der assyrischen Schmuck 
schatulle entnommen hatte, sorgfältig in seine Brieftasche. 
„Es ist eigentlich eine unverantwortliche Güte, gnädige 
Frau, die Sie an dem jungen Offizier üben," Locwen- 
gard, sich tief vor Helene verneigend. „Aber wer den 
Jammer des jungen Menschen gesehen, mußte sich wohl 
oder übel zu seinem Fürsprecher machen. Am Ende aller 
Enden ist es ja auch kein Vergnügen, einen Verwandten, 
mit dem man den gleichen Namen trägt, mit Schimpf und 
Schande aus der Armee gestoßen zu sehen," fügte er 
mit zynischem Lächeln hinzu. 
Helene machte eine stumm abwehrende Bewegung. 
Sie wollte Loewengard um keinen Preis merken lassen, 
wie nahe Edgars schwere Verfehlung ihr schon um Cornelies 
willen ging. 
Loewengard sah unauffällig auf die Uhr. Da den 
Maßnahmen dieses albernen Mörbe zufolge das Parktor 
schon um fünf geschlossen wurde, hatte er sein Automobil 
um dreiviertel sechs auf die Landstraße, unmittelbar 
hinter dem Torwärterhaus bestellt. Bis um acht mußte 
es ihn an den Kölner Zug bringen. Es wurde Zeit, sich zu 
verabschieden — auf Nimmerwiedersehen. 
Als Cornelie mit brennenden Wangen und verweinten 
Augen zurückkam, Edgars letzten heißen Kuß auf den 
Lippen, stand Mörbe in der Tür seiner guten Stube. 
„Weshalb weinen Sie denn, Fräulein Nellie?" sagte 
Her kleine Invalide mürrisch. „Tränen verdient er nicht. 
Schon um der gnädigen Frau willen, und was er ihr 
angetan, dürften Sie nicht mehr zu ihm halten." 
Cornelie ging rasch auf den Alten zu und packte ihn 
bei der Hand. 
„Was reden Sie da, Mörbe! Herr Leutnant von Lersch 
ist mein Bräutigam, wir haben uns eben verlobt, und der 
bravste Mann unter der Sonne." 
Der Kleine zuckte die schiefen Schultern. 
„Wenn Sie das brav nennen, wenn einer einer Frau, 
die ihm nur Gutes getan, hundertfünfzigtausend Mark für 
Spielschulden abnimmt — und noch dazu durch einen 
andern — und sich selber feige davon drückt — ja dann —" 
„Mörbe l" 
Cornelie stand in drohender Haltung vor dem Kleinen. 
Es fehlte nicht viel, sie hätte ihn ins Gesicht geschlagen. 
„Widerrufen Sie auf der Stelle, was Sie da über 
Herrn von Lersch gesagt haben. Er war leichtsinnig, ja. 
Verführt durch diesen Loewengard, hat er fünfzigtausend 
Mark im Spiel verloren. Aber die Sache ist geordnet 
und geht niemanden mehr etwas an. Niemanden, hören 
Sie l Er hat seine Schuld eingestanden, freiwillig scheidet 
er aus dem Regiment. Er ist unterwegs nach Amerika, 
mit seiner Hände Arbeit sein Brot zu verdienen. Das ist 
Edgar von Lersch, mein Verlobter I" 
Mörbe stand sprachlos mit weit aufgerissenen Augen. 
Das Zimmer drehte sich um ihn. Flammen schienen um 
ihn zu kreisen, nach ihm zu züngeln. 
Und der — der da drüben — der seiner guten, gnädigen 
Frau in diesem Augenblick ein Vermögen abnahm, unter 
dem Vorwand, daß — daß —I 
Der kleine Invalide stützte sich schwer auf den Tisch. 
„Ein Lump — ein hundsgemeiner Lumo, ein —"
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.