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Periodical volume Nr. 289, 09.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

vorstünde einigten sich ans die Kandidatur Dr. Wendlandt. 
Er (Vorsitzender) habe dann gebeten, daß ihm von der Vor 
standssitzung des Gewerbevcreins, die dessen Vorsitzender so 
fort einzuberufen versprach, Mitteilung gemacht werde. Sr 
habe jedoch keine offizielle Nachricht von dieser Vorstands 
sitzung erhalten, sondern bekam wie auch andere Vereins - 
vorstände nur eine Einladung zur Generalversammlung des 
Gerverbevereins. Ein Punkt der Tagesordnung dieser Ver 
sammlung beschäftigte sich auch mit der Gemeindewahl. In 
dieser Versammlung erklärte er, daß der Hausbesitzerverein 
für die Kandidatur Dr. Wendlandt eintreten werde und 
Herr Dr. Tänzler erklärte dies auch als 2. Vorsitzender 
des Biirgervereins, konnte jedoch diese Erklärung nicht 
namens des Bürgervereins abgeben, da dieser erst am 
nächsten Tage seine Versammlung hielt. Nun wurde im 
Gewerbeverein dem Vorstande des Hausbesitzervcreins der 
Vorwurf gemacht, daß er selbständig an Herrn Dr. Wend 
landt herangetreten sei, ohne vorher mit den übrigen 
Vereinen in Verbindung zu treten. Der Gewerbeverein 
habe aber genau dasselbe getan, indem er sich schon im 
November für die Kandidatur des Hern: Wermke verpflichtet 
hatte. Wenn also ein derartiger Vorwurf berechtigt sei, 
dann sei er noch mehr berechtigt für den Gewerbeverein. 
Der Gewerbeverein stand also auf dem Standpunkt, daß 
Herr Wermke der geeignete Kandidat sei und man sagte 
zwar nicht, daß Herr Dr. Wendlandt verzichten sollte, stellte 
dies aber anheim. In der Versammlung des Biirgervereins 
konnte er (v. Wrochem) dann die Erklärung abgeben, daß 
Herr Dr. Wendlandt nur kandidieren wolle, wenn sich die 
Bürgerlichen einig wären. Herr Dr. Wendlandt stand da 
mals im Landtagswahlkampf in Schmalkalden, wo er 
nun auch gewählt ist, und da wollte er nicht hier kan 
didieren, wenn nicht alle Bürgerlichen sich für ihn einigten. 
Die Versammlung des Bürgervereins hielt beide Kandidaten 
für^geeignet zur Wahl, sie stand jedenfalls auf dem Standpunkt, 
daß es nicht gut wäre, sich auf die Kandidatur Dr. 
Wendlandt festzulegen. Die Rücksprache, die darauf am 
andern Tage mit Herrn Dr. Wendlandt stattfand, 
hatte das Ergebnis, daß Herr Dr. Wendlandt erklärte, 
sich auf eine Kandidatur nicht einzulassen, um eine Zer- 
splittemng der bürgerlichen Stimmen zu vermeiden. Herr 
Wermke hat nun das Rennen gemacht; der Gewerbeverein 
kann sich dazu Glück wünschen, daß er das Rennen so leicht 
gemacht hat, denn die Sozialdemokraten hatten im letzten 
Augenblick keinen Kandidaten mehr erhalten können und be 
teiligten sich nicht au der Wahl. Das war das Glück des 
Gcmerbevereins, denn sonst wären, da die Vorbereitungen 
für die Wahl des Herrn Wermke erst im letzten Augenblick 
erfolgten, die Sozialdemokraten ganz geiviß Sieger gewesen. 
Er hoffe, daß es bei späteren Wahlen wieder möglich sein 
werde, mit dem Gewerbeverein gemeinsam vorzugehen. 
Man habe bisher im Grundbesitzervercin immer das Bestreben 
gehabt, daß diese beiden Vereine zusammen gehen bei Ge- 
meindewahlen. Sollte dies jedoch später nicht möglich sein, 
so sei der Grundbesitzerverein, wie in früheren Jahren, 
wieder darauf angewiesen, allein vorzugehen. Die Schuld 
haben dann "diejenigen Vereine, die solche Einbrödelei 
treiben, wie es diesmal der Handel- und Gewerbeverein 
getan habe. Herr Beymel richtet an den Vorstand 
die Bitte, künftig den Punkt Gemeindemahlen auf die 
Tagesordnung zu stellen und nicht wie es letzthin geschehen 
sei, als Mitteilung zu erledigen. Dadurch sei er dazu ge- 
kommen, daß er sich in eine Zeitungspolemik einlassen 
mußte. Der Vorsitzende erwiderte, daß das allerdings eine 
Unterlassungssünde des Vorstandes gewesen wäre, doch der 
Vorstand habe damit einen bestimmten Gedanken verfolgt, 
er sagte sich, daß der Verein in der 3. AbteUung nur in 
moralischer Beziehung wirken könne, da nur höchstens 20 
Wähler aus seinem Kreise in dem betr. Bezirk der 3. Ab 
teilung wählen. Der Verein konnte also nur seine Wünsche 
aussprechen. Verheimlicht sollte dnrcharrs nichts werden. 
Herr Beymel erklärte, daß er letzteres auch nicht sagen 
wollte und nicht glaube. Aber es wäre wohl besser ge- 
wesen, wenn Herr Dr. Wendlandt schon längst vom Haus 
und Grundbesitzerverein in der 1. oder 2. Abteilung auf 
gestellt worden wäre. Nur weil er hn der 3. Abteilung 
aufgestellt wurde, sei die Opposition gekommen. Der Vor 
sitzende bemerkt, daß er Wahlvorsteher war und an den 
Wählern, die erschienen, gesehen habe, daß diese zum großen 
Teil nicht aus jenen Kreisen stammten, die im Gewerbe 
oder Bürgerverein vereint sind. Es handelte sich mehr um 
Beamte, die in Berlin tätig sind. Und diese hätten wohl 
mehr Herrn Dr. Wendlandt gewählt, wenn er aufgestellt 
gewesen wäre. Herr Niemann bat, heute zum Ausdnick zu 
bringen, daß man Herm Dr. Wendlandt für die nächste 
Wahl vormerken werde. Der Vorsitzende meinte, ob man 
das könne, wisse er nicht, nachdem Herr Dr. Wendlandt 
zurückgetreten sei. Aber da er im Interesse der Allgemeinheit 
zurückgetreten sei, sei es wohl die PflichtZdes Vereins, ihm 
zu danken, daß er sich auch zu einem derartig schmierigen 
Zeitpunkt bereit gestellt habe. Zu der letzteren Anregung 
erklärte die Versammlung ihr Einverständnis. Darnach be 
richtete der Vorsitzende, daß die Wohnungstafel ain 
Wannseebahnhof einen anderen Platz erhalten mußte, weil 
sich ein beamteter Fahrgast beschwert hatte, daß die Tafel 
den Verkehr hindere. Der Vertrag mit Markiewicz ist 
gelöst worden, da dieser den Wünschen des Vereins nicht 
entgegenkam. Man habe nun mit der Eisenbahndirektion 
direkt einen Vertrag abgeschlossen und die Tafel an das 
Beamtenwohnhaus gebracht. Dadurch habe sich auch die 
Miete von 100 auf 60 M. verringert. Ferner gab der 
Borsitzende einige geschäftliche Angebote bekannt und wies 
auf die am 30. Mai stattfindende Versammlung des Bundes 
der Grundbesitzervereine hin, die sich u. a. auch mit der 
Hypothekenstage beschäftigen werde. Der in der Hyp otheken- 
frage vom hiesigen Verein an das Abgeordnetenhaus ge 
richtete Antrag, ist von diesem Hause der Regierung als 
Material überwiesen worden. Den Bericht übn die Ver 
handlungen in der Gemeindekommission des Abgeordneten 
hauses habe der „Friedenauer Lokal-Anzeiger" vor einiger 
Zeit veröffentlicht. Die Versammlung erklärte darauf ihr 
Einverständnis, die vomDeutschenVersichenings-Schutzverband 
an den Reichstag eiMureickiende 'Petition über Aenderung 
des Stempelgesctzes betr. Erlassung des Stempels für Ver 
sicherungsscheine mit zu unterzeichnen. Den kürzlich ver 
storbenen Vereinsmitgliedern Geheimrat Carow und Rentier 
Hitzler widmete der Vorsitzende * einen warmen. Nachruf, 
wärend sich die Anwesenden zu Ehren der Verstorbenen von den 
Plätzen erhoben. Es wurde dann die Aufnahme 4 neuer Mit 
glieder mitgeteilt. Ueber den Punkt Haftpflichtversicherung 
berichtete der Vorsitzende, daß auf die Anstagen bei der 
Märkischen und der Stuttgarter Haftpflichtversicherung, mit 
zuteilen sei, welche Vorteile die Gesellschaften de 10 000 M. 
Mietsertrag und welche Prämie zu zahlen sei, die Ant 
worten eingelaufen sind. Darnach beträgt die Prämie bei 
der Märkischen 8 M. nach Abzug der Prozente und die 
Vereinskasse erhält 5 Proz., bei der Stuttgarter beträgt die 
Prämie nach Abzug der Prozente und Dividende 8,29 M. 
und die Vereinskasse erhält 8 Proz. Die „Märkische" 
schließt in die Versicherung alle Personen mit ein, auch 
die Angehörigen, während die „Stuttgarter" die Angehörigen 
ausschließt. Die Herren Flauger, Uhlenbrock, Ruhemann, 
Lent, Beymel. Niemann und Gräbner empfehlen den Ab 
schluß eines Vertrages mit der „Märkischen". Es wurde 
besonders hervorgehoben, daß die „Märkische' eine Gründung 
des Vororte-Vereins, dem auch der Grundbesitzer-Verein an 
gehöre, sei. Herr Rechtsanwalt Uhlenbrock erblickt den größeren 
Vorteilvor allen Dingen darin, daß die Märkische alle Personen in 
die Haftpflichtversicherung mit einschießt. Die „Märkische" 
kennt auch nicht den Paragraphen, daß die Haftpflicht nach 
einem Schadensfall sofort erlischt. Ferner gelte hier auch 
der Portier mit eingeschlossen. Der Vorsitzende wies darauf 
hin, daß der Vertrag mit der Stuttgarter noch bis zum 
1. April 1915 laufe und warnte davor, sich schon jetzt be 
stimmt festzulegen. Auf Antrag des Herrn Ruhemann 
wurde dann beschlossen, dem Vorstand aufzugeben, daß der 
Verttag mit der Stuttgarter Gesellschaft rechtzeitig gekündigt 
werde. Der Vorsitzende begann darauf mit der Verlesung 
des von dem Ausschuß ausgearbeiteten Formulars für einen 
einheitlichen Mietsvertrag. Herr Rechtsanwalt Uhlenbrock 
machte darauf aufmerksam, daß sich im Plenum kaum ein 
derartiges Formular ausarbeiten lasse. Nachdem man 
längere Zeit über verschiedene Formen von Mietsverträgen, 
ob lang oder kurz, gesprochen, folgte man dem Vorschlage 
des Vorsitzenden, den Vorstand sowie den Ausschuß unter 
Hinzuziehung der Herren Flauger, Knaak und Uhlenbrock 
zu beauftragen, ein einheitliches Mietsvertragsformular für 
Friedenau auszuarbeiten und dann drucken zu lassen. Unter 
Jnteressenfragen wurden einige Mietsstagen besprochen und 
ferner kam wiederum der dringende Wunsch zum Ausdruck, 
die Friedenauer Gemeindesparkasse recht bald einzu 
richten. Herr Fölsch empfahl noch eine vom Verein aus 
zu begründende Spar- und Darlehnskasse. Darauf wurde 
die Versammlung gegen 12 Uhr geschlossen. 
o Gin Gewerbe-Verband für Friedenau. Wie wir 
hören, ist geplant, sämtliche hiesigen Vereine , von Gewerbe 
treibenden, gleichviel welche Berufsklasse sie vertreten, zu einer 
Art Zweckverband, einem Gewcrbeverband, unter Führung des 
des Handel-und Gewerbevereins zu vereinigen. Dieser Gewerbe- 
verband sollin kommunalen und ällgemeinenFragen gemeinsam 
vorgehen, während es jedem Vereine auch ferner überlassen 
bleiben soll, seine besonderen beruflichen Fragen zu besprechen. 
Den Anstoß zu diesem Plan sollen, wie uns mitgeteilt wird, 
die letzten Vorgänge in der Gemeindevertretung, insbesondere 
die Behandlung, die Herrn Berger dort zu teil wurde, 
gegeben haben. In den Kreisen der Gewerbetreibenden 
herrscht große Erregung darüber, daß ihre Wünsche so wenig 
Entgegenkommen im Gemeindeparlament finden. Morgen 
(Dienstag) werden die Vorstände dieser Vereine zu einer 
gemeinsamen Sitzung zusammenkommen, um über die Be 
gründung des vorbezeichneten Verbandes zu beschließen. 
Dem Gewerbcverbande werden voraussichtlich angehören: 
der Handel- und Gewerbeverein, der Verein der Nahrungs 
mittelhändler, der Bund der Handwerker, der Verein der 
Gast- und Schankwirte, die Vereinigungen der Schneider, 
Bäcker, Fleischer sowie alle in den Innungen verttetenen 
und hier bestehenden Vereinigungen. 
o Die Frühjahrsflugwoche ist gestern Nachmittag bei 
herrlichen: Wetter eröffnet worden. Allerdings lochte bis 
5 Uhr ein heftiger Wind mit starken Böen, der es ratsam 
erschienen ließ, den auf 4 Uhr anberaumten Start zu ver 
legen. Erst nach 5 Uhr flaute der Wind ab und zeigte 
3 Sekundenmeter, doch stiegen die Böen oftmals noch bis 
8 Sekundenmeter an. Als erster stieg kurz vor 1 / a 6 Uhr 
Bruno Hanuschke auf. Es folgten Colombo auf dem neuen 
Dr. Geest-Eindecker und nun erhob sich Flieger auf Flieger: 
Stagge auf Wright, Linnekogel auf Rumpler-Taube, Stiplo- 
scheck auf Jeannin-Stahltaube, Langer auf Luftfahrzrug- 
Doppeldecker, Friedrich A. P. G.-Taube und Bonhard auf 
M.-B.-Taube. Wetter flogen noch die Harlan-Flieger Roth 
und Wechsler, Janisch auf Ago-Doppeldecker und Schlegel 
auf Aviattk-Eindecker u. a. Bis 1 / i 7 Uhr waren Dauer 
flüge angesetzt. Danach sollte der Wettbewerb über den 
kürzesten Anlauf stattfinden. Wegen ungünstiger Wind 
richtung konnte dieser jedoch nicht erfolgen, sodaß die Dauer- 
flüge bis 7 Uhr fortgesetzt wurden. Die größte Flugzeit 
hatte Linnekogel mit 1 Stunde 41 Min. zu verzeichnen, der 
Höhen bis zu 1300 Meter aufsuchte. Die größte Höhe er 
reichte Michaelis mit 1700 Meter. 
o Männer-Turnverein. Glänzende Erfolge errangen 
die Friedenauer bei dem Jugendturnen in Spandau, das 
am verflossenen Sonntag für alle 15—18 Jahre alten Mit 
glieder der Turnvereine des weiten Havelgaues veranstaltet 
wurde. In den Jünglingsabteilungen der Turnvereine des 
Haoelgaues sind etwa 1500 Jüglinge organisiert, die 
natürlich nicht alle in Spandau auf dem Plan erschienen, 
denn zu derartigen turnerischen Wettkämpfen entsendet jeder 
Verein nur seine Elitemannschaften. Die Friedenauer be 
legten fast alle ersten Plätze und lieferten damit den Beweis, 
daß im Turnverein in vorzüglicher Weise für die körper 
liche Ausbildung der Jugend gesorgt wstd. In die Ehren 
des Tages teilten sich die Jünglingsabteilung und die 
Jugendmannschaft der Sportabteilung zu gleichen Teilen. 
I. Zwölfkampf: Bruno Martins 1. und Paul Ruhuke 
17. Preis. II. Dreisprung: Paul Krupke 1. nnd Rudolf 
Walter 2. Preis. HI. Kugelstoßen: Bruno Martins 2. Preis.' 
IV. Schlagballweitwerfen: Paul Kmpke 1. Preis. V. Hürden 
laufen 100 Meter: Röhricht 1. Preis. VI. Schnelläufen 
100 Meter: Kurt Pfitzner 1. Preis. VH. Eilboten lauf 
600 Meter: 1. Preis. ES liefen: Kurt Pfitzner. Walter 
Jaeschke, Bruno Fock, Paul Krupke, Röhricht und Rudolf 
Walter. Die JünglingS-Abtellung turnt jeden Mittwoch 
und Sonnabend von 8—10 Uhr in der Turnhalle, Albe- 
straße. Die Sportabteilung trainiert gegenwärtig außer 
Dienstag jeden Tag von 7 Uhr Nachmittags ab auf dem 
Spielplatz am Maybachplatz, Anmeldungen ftir die 
Junglingsabteilungsabteilung sind zu richten an Turnwart 
Emil Roock, Lauterstr. 3. und für die' Sportabteilung an 
Sportwart R. Mittler,. Lauterstr. 5-6. 
o Jugendfürsorge. Am Dienstag, dem 3. Juni d. I., 
abends 8 l /j Uhr. findet im Kaiser-Wilhelm-Garten, Rhein 
straße 65, eine Versammlung des Evangelischen Arbeiter- 
Vereins mit dem sehr zeitgemäßen und überaus wichtigen 
Vortrage von der Fürsorgedame am Königlichen Polizei- 
Präsidium zu Berlin Fräulein Margarete Dittmer über 
„Frauenaufgaben in der Jugendfürsorge" statt. 
o Mit einem Straßenbahnwagen zusammengeprallt 
ist vor dem Hause Schloßstr. 94 ein radfahrender Bote. 
Er wurde von der Elektrischen ein Stück mitgeschleift und 
erlitt einen Armbruch. Der Unfall dürfte auf Unvorsichtig 
keit des Boten zurückzuführen sein, da dieser mit dem Rade 
vom Hause aus über die Gleise fahren wollte. 
o Von einem Straßenbahnwagen umgestoßen. Am 
Sonnabend Nachmittag gegen 5' Uhr wurde an der Ecke 
Rhein- und Kirchstraße eine alte 70 jährige Dame, Frau 
Schneider aus der Ringstraße, beim Ueberschreiten der Gleise 
von einem Straßenbahnwagen erfaßt und auf das Pflaster 
geschleudert. Sie schlug mit dem Kopf auf die Bordschwelle 
und erlitt hierdurch eine schwere, stark blutende Kopfver 
letzung, ferner zog sie sich einen Knöchelbruch zu. Sanitäre 
schafften die Unglückliche nach der Sanitätswache, wo ihr 
vom Arzt des Rettungsdienstes die erste Hilfe zu teil wurde. 
Es kann nur immer wieder zur Vorsicht beim Ueberschreiten 
der Straßenbahngleise gemahnt werden. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Der Wochenmarkt -er Gemeinde Friedenau in der Rheingaustraßc. 
Die Anwohner des Wochenmarktes in der Rheingaujlraße be 
absichtigen eine Petition an den Herrn Landrat zu senden, den 
Wochenmarkt, der jeden Montag, Donnerstag und Sonnabend dort 
stattfindet, die Genehmigung zu versagen. Die Gründe sind schwer 
wiegender Natur. Zunächst sind die Mieter nach Friedenau gc- 
zogen, um Ruhe haben zu wollen. An zwei von sieben Tagen in 
aller Herrgottsfrühe regelmäßig schon um 5 Uhr durch dir geräusch 
vollen Vorbereitungen der Standinhaber sich aus den Träumen reißen 
zu lassen, ist doch sehr ärgerlich. Die Händler kommen mit Ge 
polter angefahren, laden mit gepolter ihre Sachen ab und finden 
e« kurzweilig, den Zeltaufbau nist guten Reden zu begleiten, und 
so entsteht ein Durcheinander, das geeignet sein könnte, unter den 
Mitteln zur- Erweckung Scheinptter nicht an letzter Stelle zu 
rangieren. Also wir Anwohner, die wir um den Marktplatz 
wohnen, halten das große Mecken !, daß uns Herr Schöffe Lichthcim 
wöcherrtlich beschert hat, für überflüssig und wahren uns dagegen, 
und kündigen unsern Wirten di« Wohnungen, dann werden in 
jener Gegend überhaupt keine Wohnungen mehr vermietbar sein. 
Einen zweiten Markt hier in Nnserer Gegend einzurichten, war 
wirklich nicht notwendig, da der Markt bisher nur sehr mies 
besucht wird und den Händlern sogar das Standgeld schon erlaßen 
wird für den Monat Mai. Eine Rundfrage vielleicht bei den 
Herren Hauswirten der anliegenden Straßen könnte es nur be 
stätigen, wie oft die Läden gerade in der Lebensmittelbranchc 
wechseln resp. leer stehen, da die Geschäftsleute infolge der schweren 
Konkurrenz sich nicht halten können. Für wirklich gute Ware 
nehmen die Markthändler diesejiben Preise, wie oie Geschäfts 
inhaber, es handelt sich doch -nur auf dem Markt um schnell- 
verkäufliche sogen. Marktware. Ich selber kaufe jedenfalls besser 
im Laden, als auf dem Markt und habe noch niemals schlechte 
Ware erhalten. Hoffentlich besinnt sich unser MarktgewaUige, Herr 
Schöffe Lichtheim, eines Bcsscrey und befreit uns von dem Markte, 
der unser« Gegend nilr schimpften. Hochachtungsvoll Clara Meyer. 
Gerichtliches 
P. Wegen Bandendiebstahl- mußten sich vor der 1. Straf 
kammer des Landgerichts 1II vorgestern jene drei Einbrecher vxr- 
antwortcn, deren Spezialität in der Ausplünderung von Zigarren 
läden bestand. Angeklagt und.aus der Untersuchungshaft vorge 
führt waren: 1. der Handlungsgehilfe Hellmuth Böttcher, 2. der 
Maschinenbauer Arthur Tzschach und 3. der Arbeiter Wtgner. Die 
beiden erstgenannten, schon, vielfach wegen Diebstahls vorbestraften 
Angeklagten betraten als Rückfällige die Anklagebank. Beide 
hatten gemeinsame Schicksale ^bisher erlebt und als Dritten int 
Bunde den ebenfalls schon wegen Diebstahls vorbestraften Mit 
angeklagten Wegener für den Eintritt in die zu Ende März d. I. 
in Friedenau, Steglitz und Wilmersdorf begründete Dicbes- 
gcseUschaft gekapert, die mit einer ausnahmsweise großen Frechheit 
vorging. — Rach dem Inhalt ihrer Geständnisse vor dep Straf 
kammer verübten die Angeklagten zunächst am 20. März d. I. zrir 
Nachtzeit einen Einbruch in der" Bornstraße zu Friedenau, wo sie 
ans dem Schülerschcn Zigarrengeschäft für etwa 1200 M. Wert 
in Waren und an barem Gelde entwenden. Am nächstes Tage 
kehrten die Einbrecher wieder zurück und plünderten in Steglitz ein 
Zigarrengcschäst aus. Es fielen ihnen dabei 400 M. bar in die 
Hände, außer Zigarren und Zigaretten. Beim dritten Einbruch am 
folgenden Tage wurden die Einbrecher in Wilincrsdorf abgefaßt 
und sogleich eingelocht. Dem Asttrage des Staatsanwalts gemäß 
erkannte die Strafkammer gegen Wegener auf 1 Jahr 3 Monate 
Gefängnis und gegen Böttcher sowie Tzschach auf je 2 Jahre 
Gefängnis. Bon der Untersuchungshaft wurden federn der drei 
Angeklagten je 2 Monate auf die erkannten Strafen in An 
rechnung gebracht. 
Vermischtes 
* Blücher bei Hainau. Heute vor hundert Jahren gab Marschall 
Vorwärts den Franzosen bei Hainau eine bittere Probe zu kosten. 
Wir entnehmen dem bei Enßlin und Laiblins Verlag erschienenen 
Werke „Um Vaterland und Freiheit" von Walter Specht folgende 
Schilderung: Blücher hatte sich schon während des ganzen Feld 
zuges über die Saumseligkeit der Russen und die Unentschloffrnheit 
der Befehlshaber geärgert. Durch sie war ein entscheidender Erfolg 
bisher verhindert worden. Jetzt wollte er den lieben Bundesge 
nossen einmal zeigen, was die Preußen konnten, wenn ihnen keiner 
ins Handwerk pfuschte. Er lockte den Feind in die Ebene vor Hainau. 
Als dieser weit genug vorgerückt war, ließ der General von Zieten 
die Windmühle in Brand stecken, um den Obersten Dolffs und 
Mütius das Zeichen zum Angriff zu geben. Der französische 
General ahnte beim Anblick der Rauchsäule nichts Gutes und ver 
suchte, seine Fußtrnppcn in Vierecken aufzustellen. Da dröhnte 
aber schon die Erde vorst dem Huffchläg der zweiundzwanzig 
Schwadronen DoiffS. Die französische Reiterei floh, ohne zü schlagen, 
und das Fußvolk wurde über den Haufen geritten, ohne daß es 
viel'zurrt Schießen oder Stechen kam. „Heut sollst du mein MLt'gea
        
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