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Periodical volume Nr. 120, 25.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nicht schuftig ist, kam man von diesem Gedanken wieder ab. 
Das größte Interesse Ernst von Stubenrauchs gehörte immer 
der sozialen Fürsorge und seine Aufmerksamkeit wandte er 
der Erbauung und hygienischen Einrichtung der Kranken 
häuser zu. Unter Ihm ist das inustergültige Kreiskranken 
haus in Berlin-Lichterfelde entständen, in dem' er selbst von 
einer Unheilbaren Krankheit Genesung suchte und auch 
Linderung gefunden hat. Noch voin Krankenlager schrieb 
er seinen Freunden, daß er nun die Segnungen des 
Krankenhauses am eigenen Körper dankbar empfinde. In 
Erinnerung an dieses Wirken soll das Kreiskrankenhaus in 
Beklin-Lichterfelde von jetzt ab „Stlibeiirauch-Kreiskranken- 
haus" genannt werden. 
o Ehrenhafte Auszeichnung. Mit Genehmigung 
Seiner Majestät des Kaisers und Königs ist der Professor 
Dr. Max Bruch in Berlin-Friedenau seitens des 
Ministers der geistlichen und Unterrichtsaugelegenheiten zum 
Ehrenmitgliede des Senats der Akademie der Künste berufen 
worden. 
o Das Fest der Silbernen Hochzeit begehen heute 
Las Gasarbeiter Carl Steuermann'sche Ehepaar, Oden- 
waldstr. 3. Herr Steuermann ist seit 17 Jahren bei der 
Englischen Gasanstalt beschäftigt. Seit 24 Jahren wohnt 
das Ehepaar in Friedenau. Wir wünschen dem Silber 
paare auch ferner eine gliickliche zufriedene Ehe. 
o Lehrstellenvermittlung. Der Verband märkischer 
Arbeitsnachweise hat im Jahre 1012 für Großberlin die 
Zentralstelle für Lehrstellenvermittlung eingerichtet, die trotz 
der kurzen Zeit ihres Bestehens von der Bevölkerung lebhaft 
in Anspruch genommen wird und im ersten Jahre ihrer 
Tätigkeit die nicht geringe Zahl von annähernd 3500 Ver 
mittlungen erreichen wird. Zur Abhilfe des Lchrlings- 
mangels in der Provinz hat der genannte Verband der 
städtischen Arbeitsnachweise zur Aufnahme der Lehrstellen- 
vermittlung veranlaßt und die Gründung von besonderen . 
Ortsausschüssen in allen größerem Orten ohne kommunalen j 
Arbeitsnachweis angeregt. Dadurch soll die Schaffung eines i 
ganzes Netzes von gemeinnützigen Lehrstellvermitllungsstellen ! 
in der Provinz erreicht werden, wobei Schule, Gewerbe und ! 
Gcmeindeverivaltung zusammen arbeiten sollen. Regel 
mäßige wöchentliche Vakayzenlisten des Verbandes Märkischer 
Arbeitsnachweise werden für eine ausreichende Besetzung der 
offenen Stellen sorgen. Der Verband konnte zum Östcr- 
termin 1913 von 300 angemeldeten Provinzlchrstellcn 100 
besetzen. ' j 
o Das Radfahren hat das schönere Wetter mit seinen 
trockneren Straßen wieder in vollen Schivring gebracht. Es 
ist als eine der gesündesten Turnübungen zu nennen, die s 
ihren wohltätigen Einfluß durch die Anregung zur Be- ‘ 
weguNg und durch diese zur bcschlermigen Lungentätigkeit 
nicht verkennen läßt, die noch das Gute mit sich führt, daß 
sie in frischer, freier Luft ausgeführt rvcrden rnriß, auch nicht 
auf sandigen, staubigen Turnplätzen oder in geschlossenen 
Hallen. Da§ Radfahren ist umsomehr zu empfehlen, 
jemehr unsere moderne Lebensweise zu sitzender Tätigkeit 
zwingt. Die Schnelligkeit läßt den etwa aufwirbelnden ' 
Staub hinter sich und bietet den immer tief atmendeir 
Lungen reine Luft. Das Radfahren verbindet außerdem " 
mit denr Nützlichen das Angenehme, das schöne Gefühl, mit i 
Leichtigkeit in kurzer Zeit weite Strecken durchfliegen zu ! 
können, und gemährt individuelle Selbständigkeit, was beim > 
Gesamtturncn nicht der Fall ist. Es verbindet mit der 
zweckdienlichen Bewegung das persönliche Interesse. Es ist 
vielleicht darnin nicht zufällig, daß sich die Radfahrer in 
ihrer gefälligen Kleidung meist nicht nur durch schöne, statt 
liche Gestalt, sondern auch durch ein gewisses selbständiges 
Auftreten auszeichnen, erzeugt von dem Gefühl, etwas ge 
leistet zit haben. 
o Verein Lenzheim. Das Marienhaus auf der 
Lenzheimhöhe in Mittclschreiberhau i. R. nebst Filiale 
Luisenhäus (Eigentum des Heilstättenvereins Lenzheim) hat 
soeben seine gastlichen Pforten dem weiten Kreise erholungs 
bedürftiger, alleinstehender Damen wieder geöffnet. Der 
jüngst erschienene Jahresbericht gibt ein anschauliches Bild 
von der gesegneten Wirksamkeit dieser herrlich gelegenen 
and liebevoll geleiteten Pflegestättc aus der Feder der Vor 
steherin Frau Pastor Rhiem und des Begründers Pastor 
Lenz. 237 arbeitsmüde und ruhebedürftige Menschenkinder 
hüben im Vorjahre dort wieder Erquickung für Leib' und 
Seele gefunden, wie in der balsamischen Gebirgsluft, so im 
Frieden des Hauses oder in der stillen Liegehalle. Die 
überreiche Besetzung der beiden Heime und der benachbarten 
Wohnungen im Hochsommer ergab einen erfreulichen 
finanziellen Erfolg zur Erleichterung der wirtschaftlichen 
Lage. — Von den 237 Gästen entstammten 71 aus 
Schlesien, 44 aus Berlin und Provinz Brandenburg, 25 
aus Sachsen, 18 aus Pommern, 16 aus Posen usw. Dem 
Bcrufsstande nach waren 46 Lehrerinnen und Seminaristinnen, 
24 Diakonissen und Krankenpflegerinnen, 35 kaufmännische 
Angestellte, 14 Kleinkinderlchrcrinnen usw. Das Haus will 
in erster Linie den Kreisen der berufsmäßig beschäftigten 
Frauenwelt (Lehrerinnen, Buchhalterinnen, Telephonistinnen, 
Arbeiterinnen der Diakonie und Inneren Mission) dienen. 
Der Pensionspreis beträgt 3—4 M. Freunde des Marien 
hauses, auch Korporationen und Verbände sowie kauf 
männische Geschäfte können für ihre Angestellten mit Jahres 
beiträgen von 100 M. sogenannte Freistetten sich sichern 
und damit den wohltätigen Zweck des Hauses fördern, 
indem sie das Recht erwerben, auf 4'Wochen eine von 
ihnen empfohlene Erholungsbedürftige gebildeten Standes 
frei zur Aufnahme zu bringen. Zum ersten Male hat auch 
die Winterpflege, für welche Schreiberhau mit seinem 
Wintersport einen guten Boden bietet, dort Einzug gehalten. 
Nahe dem Marienhause ersteht soeben der stattliche Neubau 
des Lenzheiln, der fast die Nachbarhäuser in Schatten zu 
stellen droht. Dessen Einweihung steht fiir den 28. Juni 
bevor, an welchem Tage zugleich das Maricnhaus wie das 
Katharineitheim (Arbeiterinnen - Erholungsheim) ihr zehn 
jähriges Bestehen feiern werden. 
o Haus- und Grundbesitzer-Verein. Den Bericht 
über die gestrige Monatsversammlung im „Hohenzollern" 
bringen rvir am Montag. Kurz mitteilen möchten wir nur, 
daß der Vorsitzende über den Ausfall der Gemciudeoer- 
ordneten-Ersatzwahl berichtete, daß beschlossen wurde, den 
Vertragmitder Stuttgarter Haftpflichtgesellschaft aufzukündigen 
und daß die Frage eines einheitlichen Mietsvertrages dem 
Vorstand und dem bisherigen Ausschuß unter Hinzuziehung 
der Herren Flauger, Knaak und Rechtsanwalt Uhlenbrock 
zur endgültigen Beschlußfassung überwiesen wurde. 
v Im Reiche der Hausfrau und Mutter ist der 
Titel einer von der Mütter-Konferenz dem Ersten Deutschen 
Mütterbuud und dem Berliner Hausfrauen-Vercin (Lina 
Morgenstern) veranstalteten und in der Zeit voin 16. Oktober 
bis 0. November d. Js. in der Ausstellungshalle am 
Zoologischen Garten in Berlin stattfindenden Ausstellung. 
Der gesamte Reinertrag , dieser Veranstaltung kommt ntir 
den beiden genannten, rein gemeinnützigen Bestreblingen 
dienenden Vereinen zu Gute. Der Kindererziehung, der 
Berufswahl und schließlich auch der Fortbildung der Mutter 
wird ein großer Spielraunt gewidmet sein. Frauen und 
Mütter solleit sich an der Arbeit in ihreni Reiche beteiligt 
fühlen und Hand in Hand mit den Tausenden ihrer Mit- 
schivestern zeigen, was auch sie zu leisten inistande sind. 
Das Büro der Ausstellung befindet sich Berlin W 50, 
Hardenbergstraße 29 a— e. 
o Das grosse Frühjahrs - Preiskegeln im Lauter- 
platz-Kasino zu Friedenau, Hauptstr. 80, nähert sich seinem 
Ende. Es sind jetzt nur noch 4 Kegeltage und zwar 
Sonnabend, den 24., Sonntag, den 25., Sonnabend, dem 
31. Mai, und Sonntag, den 1. Juni cr., Schlußkegeln. 
Zwei große Geldbahncn — 3500 Mark bare Geldpreise. 
1 kleine Geldbahn und 1 Wein- und Delikateßbahn, jeden 
Sonntag Prcisvertcilung. Gekegelt wird Sonnabends von 
6 bis 11'/ 2 Uhr Nachts und Sonntags von 3 Uhr Nach 
mittags bis 11'/» Uhr Nachts. Täglich auf allen vier 
Bahnen hohe Tagespreise für die besten Würfe. Sonntags 
außer den Tagespreisen auf den beiden Geldbahncn I und II 
von 3 bis 5 llhr, 5 bis 7 Uhr und 7 bis 0 Uhr je 10 Alk. 
und 5 M, Stundeupreise. Den 1. Preis auf Bahn III 
am Sonntag, dem 11. bezw. Montag, dem 12. Mai, 
erhielt Herr Strich — 4 Kugeln 34 Holz, auf Bahn IV 
Herr Geh 4 Kugeln 34 Holz. Den 1. Preis auf Bahn III 
am Sonntag, dem 18. d. M., erhielt wiederum Herr 
Strich 4 Kugeln 34 Holz, auf Bahn IV Herr Stolle 
4 Kugeln 35 Holz. Alle Kegler von Nah und Fern sind 
zu diesen! Schlußkegeln freundlichst cingelagcn. Für gute 
Speisen und Getränke ist durch den neuen Wirt, Herrn 
Bremer, bestens gesorgt. 
o Das Veteranenprciskegeln im Keglerhciin „Bahn- 
schlößchen" (Carl Müller) am Wannseebahnhof, wird heute 
und morgen wieder fortgesetzt. Wir empfehlen den 
„Kanonen" die Teilnahme an diesen: init schönen Ehren 
preisen ausgestatteten Wettkampf. 
schenk erhalten hatte. Vielleicht, daß der Schlaf ihn wieder 
ein bißchen zu Verstände brachte. 
Das Spiel mit Hans in der frischen tlaren-Lust, das 
immer näher rückende Wiedersehen mit Edgar hatten 
Eornelie Sorgen und Unsicherheit wieder von der Stirn 
gescheucht. Was dunkel war, würde ja am Ende auch 
bald wieder licht werden I 
Sie alle vier, die sie heut die kleine Tafelrunde in dem 
dunkelgetäfelten Eßzimmer bildeten, waren ja jung und 
gesund. Ihnen konnte es doch wahrhaftig ernsthaft nicht 
fehlen! Ein ganzes langes Leben, lag noch vor ihnen 
allen. Ein Leben zum Glücklichsein! 
Eornelie nahm all ihre gute Laune, ihren Witz und 
ihre Munterkeit zusanimen, um Helene zu erheitern, und 
Hans stand ihr mit feinen drolligen Bemerkungen getreu 
lich bei. 
Sie erzählte von Lotte und Wohls Besuch, deren Ver 
lobung in Klein-Wlosfow allerdings keine Neuigkeit mehr 
war. Lotte Heine selbst hatte das Ereignis Frau von 
Lersch gemeldet. 
Als Eornelie das Glück der beiden in ihrer lustigen, 
gern etwas parodistifcheu Art schilderte, flog ein bewegter 
Blick Helenes zu Rolf hinüber. Er schien ihn fragen zu 
wollen: „Tut es dir auch nicht weh, daß sie dich auf 
gegeben hat?" 
Rolf aber war mit seinen Gedanken so weit ab 
von Lotte Heine gewesen, daß er die Bedeutung von 
Helenes Blicken nicht zu enträtseln vermochte und still in 
sein Glas blickte, als ob auf seinem Grunde des Rätsels 
Lösung zu finden sei. — 
Hans war, ohne daß jemand sonderlich darauf qcht- 
gegeben hatte, vom Tisch aufgesprungen. Jetzt riß er 
die Tür auf und kam in froher Hast zurückgelaufen. 
„Mutti," rief er, „ich weiß jetzt, wo die S-'au mit 
den Hyazinthen hin muß! In den kleinen Salon. All 
die langweiligen englischen Bilder mit den verrückten 
Hüten und die Frau, die aussieht, als ob sie ihrem Baby 
.eine Ohrfeige hauen wollte, müssen weg, und gerade 
über das Ecksofa konrmt dein Bild. Himmlisch wird es da 
aussehen!" 
Helene und Nellie lachten. Sie konnten dem kleinen 
Eiferer nicht unrecht geben. Es war wirklich ein guter 
Gedanke, dem Bilde dort auf dem blaßlila Seidcngrund 
seinen Platz zu geben. 
„Wann konunt sie denn endlich, die Frau mit den 
Hyazinthen?" fragte Eornelie. 
„In den allernächsten Tagen, Nellie. Direkt von 
Wien. Das Bild war im Hagenbund ausgestellt." 
„Ich freue mich," rief Hans und klatschte in die Hände. 
„Mutti muß einen ganzen Tag darunter sitzen, damit 
man vergleichen kann, den Mund und die Augen, und die 
Nase lind alles!" 
„Sie mögen dos Bild nicht?" fragte Eornelie Kähne, der 
anscheinend teilnahmlos geblieben war. 
Er erschrak und wollte etwas sagen, etwas, das aner 
kennend klang und dabei nichts von seiner heißen Leiden 
schaft für die Frau mit den Hyazinthen verriet. Aber 
während er noch nach Worten suchte, kam Helene ihm zuvor. 
„Das Bild oder sein Original haben Herrn Kähne 
cnltäuscht, Nellie." 
Es sollte leicht und scherzhaft klingen. Aber es lag 
ein bitterer Untertan darin, der allen ans Herz griff. — 
Bald nach vier, man saß noch beim Kaffee ini kleinen 
Salon, kam Hans und meldete: Mörbs sei draußen und 
lasse Taute Nellie bitten, zu kommen. Sie wisse schon. 
o Gkne Schwlttdlerlit^ die die Nermsten der Armen 
schädigt, ist in Großberliu aufgetaucht. Die Gaunerin, eine 
Frauensperson von etwa 24 bis 25 Jahren, sucht alte Leute 
mif, die Armenunterstützung beziehen. Besonders hat sie es 
über auf alte Frauen abgesehen. Sie stellt sich den Leuten 
als Tochter des Armenvorstehers vor und fragt sie nach der 
Höhe des Armengeldes, das sie beziehen. Sie läßt sich mit 
ihnen dann in ein längeres Gespräch ein und sagt 
u. a., daß sie gekommen sei, um nachzusehen, ob öas Geld 
auch zum Lebensunterhalt reiche. Die Vertrauensseligkeit, 
die die Alten der „Dame" entgegenbringen, nutzt diese dann 
zu allerhand Diebstählen aus. 
Charlottenburg. Der Ausschuß zur Vorbereitung der 
Wahl des Oberbürgermeisters von Charlottenburg hat mit 
11 gegen 4 Stimmen beschlossen, der Stadtverordneten 
versammlung die Wahl des Oberbürgermeisters Dr. Scholz 
(Kassel) vorzuschlagen. Die Mehrheit setzte sich aus sämtlichen 
Mitgliedern der liberalen Fraktion und drei Mitgliedern 
der vereinigten alten Fraktion zusammen, die Minderheit 
aus einem Mitgliede der vereinigten alten Fraktion und den 
Sozialdemokraten. Das Gehalt dcsjOberbürgermeisters wurde 
auf 24 000 M. und 3000 M. Repräsentationsgclder festgesetzt. 
o Potizcibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Damen-Portemonnaie. Die rechtmäßige Eigen 
tümerin vorbenannten Gegenstandes wird aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen drei Monaten im hiesigen Amtsbüro, 
Handjerystraße 01/02, Zimmer 22, geltend zu machen, 
da sonst anderweit über den Fundgegenstand verfügt 
werden wird. 
Ausknnfts- und Fürsorgestelle (Kaiserallee 66), 
für Tuberkulöse: Aerztliche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Fronen und Kinder jeden Mittwoch Don 12—1 Uhr, 
für Alkoholkrnnkc: Aerztl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
.Berlin and Vororte 
§0 Hvchzeitsgefchenke und Glückwünsche in poetischer 
Form für Prinzessin Viktoria Luise überbrachten Freitag, 
den 23. d. M. der Verein Erda (Fraucncrwerb E. E.) und 
der daran angeschlossene Jugendbund zu Schutz und Pflege 
von Plauzen und Tieren. Der Jugeudbund widmete einen 
reizvollen Teppich ganz von frischen Blumen aus seinen 
Gürten mit der Inschrift: „Gott mit Euch." Im Namen 
des Vereins Erda überreichte eine Deputation von Litauerinnen 
in malerischer Nationaltracht eine Cotlektion handgewebter 
Leincustvffe, Decken und Tücher und seidener Juockis (Gürtel- 
bänder), welche das besondere lebhafte Interesse der hohen 
Braut sandelt. Die aus dem fernsten Osten des Reichs 
herbeigekommenen Littauerinnen iverden als Mitglieder der 
litauischen Erda-Gruppe auch bei den: Fest mitwirken, das 
Erda und Jugeudbund am 14. Juni zur Feier des Re- 
gierungs-Jubiläums in der Gartenstadt Frohnau veranstalten. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Ich kann Herrn SS- R. betreffs des Rheiiigauniarktcs nur bei 
pflichten. Daß dcx Besuch des Marktes »ur miss ist,.kann auch 
Zustimmen; für einen öffentlichen Markt ist der'Platz wohl ein 
wenig klein. Der Markt in der Bornstraße genügte für die Ge 
meinde Friedenau vollständig. Einen neuen Markt einzurichten, war 
also garnicht so notwendig. Zur Erwiderung des Satzes vom 21. 
will ich sagen, daß ich sehr erstaunt war, denn gerade die Herren 
Hausbesitzer haben wohl das meiste Interesse daran, daß sie ihre 
Läden vermieten können, was ich ihnen auch nicht verdenken kann. 
Wenn aber der Markt in der Rheiugauktraße noch vergrößert 
rvcrden soll und vielleicht auch mehrere Geschäftszweige in sich ver 
einigen soll, rvo sollen die Ladengeschäfte bleiben? Der Geschäfts 
mann in der Nähe eines Marktes fühlt, daß es Markttag ist. Ich 
kann die Herren Hausbesitzer nicht verstehen, wie sic das Neuein- 
richten des Marktes in der Rheingausträße einen „Segen" nennen 
können. Sobald die Geschäftsleute sehen, daß in der Nähe des von 
ihnen gemieteten Ladens ein Markt ist, wird sich wohl der Zehnte 
erst verstehen ein Geschäft bei solcher Konkurrenz zu eröffnen. 
Konkurrenz!!! Dieselbe ist in vieler Hinsicht ein Segen für die Ge 
schäftsleute. Aber gegen einen Markt kommt der Ladeiibesitzcr 
wohl schlecht auf. Wenn auch im allgemeinen die Ladenmiete in 
Friedenau nicht allzu hoch berechnet ist, so ist auch der Geschäfts 
verkehr Hierselbst dementsprechend. In Friedenau ivohnen viele 
Händler, welche gern auf den Markt ziehen würden. Aber der 
dritte Teil hat nur die Ehre, einen Marktstand zu haben. Warum 
wohl? Weil der Markt in der Rheingaustraße sowohl wie in der 
Bornstratze von auswärtigen Händler überfüllt ist. Daß das der 
Gemeindeoorstaiid zugelassen hat, ist mir nicht recht klar. Meines 
Erachtens müßte gerade die Mehrzahl derMarkthändler ausFriedenau 
sein. Lbwabl die Ware vom Markt immer frisch ist —? Dies zu 
sagen, überlasse ichjden Hausfrauen. Es wäre wirklich nicht schlimm, 
wenn die Gemeinde Friedenau den Markt in der Rheingaustraße 
abschaffte, also denselben auch nicht in einen Privatinarkt ver- 
Eornelic sprang sofort auf und lief hinaus, vlme sich 
auch nur Zeit zu nehmen, ihr Pelzjackett überzuziehen. 
„Ein guter Gedanke von Mörbe, sie abzurufen," dachte 
Helene. „Was sollte sie auch hier! Peinlich genug, daß 
sie gerade heute gekommen ist!" 
Gleich bei der nächsten Wegbiegung lag das Tor- 
wärkerhäuschen vor Nellie. Seine hellen Fenster leuchteten 
durch den Schnee, in den es völlig eingebettet stand. ' 
Sie lief rasch den schmalen Pfad hinunter und sprang 
über die gefrorenen Skeinstufen ins Haus. 
Mörbe hatte sich in seine kleine Schlafkammer zurück 
gezogen, die durch den schmalen Flur vou der „guten 
Stube" mit dem alten Noßhnarsosa und der etwa gleich 
altrigen Schwarzwäldenu getrennt war. Er hätte gar 
kerne Lust, sich mit Herrn Edgar, der in Zivil gekommen 
war, auf eine Unterhaltung einzulassen. Seine wahre 
Meinung -über ihn hätte er ihm doch nicht sagen dürfen, 
weil sich das nicht geschickt hätte, und zum Komädiespieleu 
hatte nun mal der kleine Invalide kein Talent. 
Ueberdies konnte er von feine,n Schlafkammerfenftcr 
her den Zugang von der Landstraße am besten überwachen. 
Als Nellie in Mürbes „gute Stube" trat, seliger Er 
wartungen voll, stand der junge Offizier gegen den Tisch 
vor dem Roßhaarsosa gelehnt. Die kleine Hängelampe be 
leuchtete scharf sein todblasses Gesicht, die tiefen dunkeln 
Schatten um die Augen, den fchinerzlichen Zug, der sich 
um den Mund unter dem kleinen Schnurrbart fortzog. 
Ueber Cornelies strahlende Augen legte sich ein Schatten. 
Sie fühlte sofort: da war ein Unglück geschehen. Rasch 
ging sie auf Edgar zu und reichte ihm beide Hände. 
„Armer, lieber Edgar, was ist denn geschehen?" 
(ftviyetzuntz. ?olf T .)
        
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