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Periodical volume Nr. 120, 25.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenauer 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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Nr. 120. 
Werttn-Iriedenau, Sonntag, den 25. Wai 1913. 
20. Iaßrg. 
Oepelcken 
Letzte IIackrlchteu 
Berlin. Der Kaiser und der Zar besuchte heute Vor 
mittag das Zeughaus Begleitet von den Herren des Ehren 
dienstes und den Adjutanten fuhren die Monarchen am 
Zeughause vor und wurden hier voin Gouverneur und 
von Herren der Berliner hohen Admiralität empfangen und 
durch die weiten Räume des Hauses begleitet. Der Kaiser 
gab größtenteils selbst die Erklärungen und zeigte dem 
Zaren die hervorragenden Stücke der kostbaren Sammlung. 
— Bor 9 Uhr fuhr der Kaiser und der König von England 
im Auto nach dem Tentpelhofer Felde, ivo sie um 9 Uhr 
zu Pferde stiegen. Das 1. Garde - Dragoner - Regiment 
Königin von Großbritanien und Irland hatte auf dem 
Felde Paradeaufstellung genominen. Der Kaiser und 
der König, der die Uniform des Regiments trug, 
ritten mit ihrem Gefolge die Front ab. Darauf wurde dem 
König sein Regiment im reglementarischen Exerzieren vor 
geführt. Zum Schluß führte König Georg dem Kaiser sein 
Regiment im Parademarsch vor. Um 10 Uhr fuhren die 
Majestäten im Auto in die Stadt zurück. 
Altensorge bei Landsberg a. W. Der 50 jährige 
Mühlenbesitzer Großwindt hatte eine Operation durchzu 
machen und glaubte infolgedessen arbeitsunfähig zu 'werden. 
Er fürchtete, seine Familie wird ohne ihn verhungern. 
Daher beschloß er, mit seinen Angehörigen zu sterben. Er 
schoß mit dem Jagdgewehr auf seinen erwachsenen Sohn, 
den er durch die Hand traf, und auf seine Frau, ohne sie 
zu verletzen. Dann machte er durch einen Schuß seinem 
Leben ein Ende. 
Paris. In einem Steinbruch bei St. Vaast (De 
partement'Oise) wurden durch einett Felssturz drei Arbeiter 
getötet und einer schwer verletzt. 
Tokio. Das amtliche Bulletin lautet: Gestern abend 
betrug die Temperatur des Kaisers von Japan 38,4 Grad, 
der Puls 80, die Zahl der Atemzüge 23. Der Kaiser hat 
die Nacht ruhig verbracht. 
Lellower Kreistag. 
Die Mitglieder des Teltower Kreistages hatten sich am 
Freitag Nachmittag zu einer Sitzung in den anheimelnden 
Räumen der Machnower Schleusenwirtschaft eingefunden. 
Der Sitzung mar eine Probefahrt auf einem der beiden 
neuen Motorboote des Kreises, der „Tempelhof", voraus 
gegangen, die beide nach einem neuen amerikanischen Typ 
auf der Werft des Kommerzienrats Sachsenberg in Roßla 
an der Elbe mit einem Kvstenaufmande von je 2800 M. 
erbaut worden sind. 
Der Vorsitzende. Landrat v. Achenbach, eröffnete die 
Sitzung mit einigen schäftlichen Mitteilungen. Nach Eintritt 
in die Tagesordnung wurde der neue Gemeindevorsteher 
der Vorortgemeinde Tempelhof, Bürgermeister Wiesener, in 
sein Amt als Kreistagsabgeordneter in der üblichen Weise 
eingeführt. Hierauf wurden die Wahlen für die verschiedenen 
Ausschüsse den Vorschlägen des Vorsitzenden gemäß ohne 
träumende Meirichen. 
Roman von Dora Dunster. 
51 (HM*™* 
Sie mußte Mörbe bitten, Edgar bei sich festzuhalten 
und sie zu benachrichtigen, sobald er eingetroffen war. 
Er brauchte Loewengard nicht gerade in die Arme zu 
laufen, und auch Lena nicht, der der Besuch heut vielleicht 
nicht mal willkommen war. 
Edgar kam ja auch zu ihr, so hatte sie ein gutes Recht, 
ihn zuerst allein, unter dem Schutz des kleinen Invaliden, 
zu empfangen. 
Aber auch aus Mörbe war nicht viel herauszubekommen. 
Er war unwirsch und wortkarg und sah Eornelie mit 
denselben unsicheren Blicken an, wie es die Schwester zuvor 
getan hatte. 
Dem heiteren Mädchen wurde ganz angst zumute- 
Fa, was gab es denn in Klein-Wlosfow? Was in aller 
Welt ging hier vor? Sah man Gespenster am hellichten 
Tage? 
Mörbe zuckte die schiefen Schultern und zauste fort 
an seinem struppigen Bart. . 
Erst als Eornelie mit ihrem Plan herauskam, Herrn 
von Lersch nicht gleich ins Schloß zu lassen, sondern ihn 
im Torwärterhäuschen zu halten, trat Mörbe etwas aus 
seiner Reserve heraus. ^ 
„Ganz meine Ansicht." sagte er brummend, Eornelie 
wieder mit einem seiner unsicheren Blicke streifend. Ab 
gewendet fügte er knurrend hinzu: „Wär' auch toll, der 
gnädigen Frau so ohne weiteres vor die Augen .zu kommen." 
weitere Erörterung durch Zuruf vorgenommen. Zum Mit 
glied des Bahnverwaltungsrats wurde Bürgermeister Schulz- 
Lichterfelde neugewählt. Auf die Liste der zu Amtsvor 
steher und Amtsvorsteherstellvertretern geeigneten Personen 
für den Amtsbezirk Mahlow wurde der neue Gemeindevor 
steher Dr. Räth-Lichtenrade gesetzt. Der Kreistag beschloß die 
Uebernahme der Unterhaltungspflicht der Dorsstraße in 
Philippsthal gegen eine vom Fiskus gezahlte Entschädigung 
von 15 000 M. und zeigte sich mit der vom Kreisausschnß 
vorgeschlagenen Art der Aufbringung der Verbandsabgaben 
für den Zweckoerband Großberein einverstanden. Für 1912 
hat der Kreis 22 438 M. zu decken, die nicht durch eine 
Umlage auf die Mitglieder des Kreises aufgebracht, sondern 
aus den Erträgnissen der Wertzuwachssteuer genommen 
werden. Für das laufende Rechnungsjahr wird der Anteil 
des Kreises an den Verwaltungskosten des Verbandes mit 
27 000 M. angenommen, die wiederum von dem Kreise 
und nicht von den einzelnen Vorortgemeinden getragen 
werden sollen. Jni weiteren Verlauf der Verhandlungen 
beschäftigte sich die Versammlung mit einem für die Boden 
politik des Kreises wichtigen Grundstückskauf in der Nähe 
der Machnower Schleuse. Das Grundstück liegt an der Stelle, 
wo der obere Teil des Teltowkauals in den unteren über 
geht und vorauszusehen ist, daß hier einmal ein starker 
Bedarf an Gelände für die Verwaltung des Kanalbetriebes 
entstehen wird. Wie der Vorsitzende ausführte, sind Versuche, 
hier Grundstückserwerbungen zu machen stets an den hohen 
Forderungen der Besitzer gescheitet. Da sich jetzt eine 
günstige Gelegenheit bot und der Kreis in der Lage ist, die 
Ankaufskosten ohne Aufnahme einer Anleihe zu bestreiten, 
so wurde dem Grundstücksvermerk gemäß dem Antrag zu 
einem Preise von 65 Ni. für die Qundratrute zugestimmt. 
Außerhalb der Tagesordnung wurde sodann der Kreisaus- 
schuß ermächtigt, mit der Gemeinde Berlin-Lichterfelde einen 
Vertrag über die Erweiterung und schnelle Zugfolge der im 
Weichbild Lichterfelde verkehrenden Kreisbahnen abzuschließen. 
Die Gemeinde Lichterfelde hat sich bereit erklärt, die ent 
stehenden Mehrkosten bis zu 25 000 M. zu tragen. Zur 
Erinnerung an die Schlacht bei Großbeeren, die vor nun 
mehr 100 Jahren am 23. August stattfand, beabsichtigt der 
Kreis eine würdige Feier zu veranstalten, bei der gleich 
zeitig der neue schon fast fertige Gedenkturm, der auf den: 
Schlachtfelde durch den Kreis Teltow errichtet ist, einge 
weiht werden soll. Die Feier soll sich in möglichst engen 
Grenzen halten, es wird aber dennoch eine Teilung in deni 
Sinne nötig sein, daß die Kriegervereine am Sonntag, dem 
24. August, die Einwohner Grvßbeerens und der umliegen 
den Ortschaften am Montag, dem 25. August den Tag fest 
lich begehen. Der 23. August soll den Kreis- und Lokal- 
behörden vorbehalten bleiben, welche auch an die 60 Re 
gimenter, die an der Schlacht teilnahmen, Einladungen 
haben ergehen lassen. Die Kosten für die Ausschmückung des 
Denkmals und für die Verpflegung der geladenen 
Gäste werden voin Kreise übernomnien und aus laufenden 
Mitteln gedeckt. Der Vorsitzende teilte ferner mit, daß der 
Regienmgspräsident von der Schulenburg deni Kreistage 
für die Ehrung, welche ihm mit der Benennung einer der 
Da weiter nichts aus dem Alten herauszubekommen 
war, teilte Eornelie ihm nur noch mit, daß Herr von 
Lersch so um vier herum eintreffen dürfte. 
„Das trifft sich großartig," bruminelte Mörbe mit einer 
krampfhasten Anstrengung, ironisch zu werden. „Der andere 
kommt um fünf. Das werden die beiden ja wohl so mit 
einander abgemacht haben." 
„Wie meinen Sie das, Mörbe? Ich verstehe kein 
Wort I" 
Aber der Kleine antwortete nicht, drehte Eornelie 
den Rücken zu und fing an, das Erdreich um die Rabatten 
mit förmlicher Wut zu bearbeiten. 
Eornelie beobachtete den Invaliden kopfschüttelnd 
noch einen kurzen Augenblick. Dann lief sie zu dem 
Entenberg, auf dem Hans, nachdem der Unterricht be 
endet, sie mit seinem Rodelschlitten erwartete. — 
Erst nachdem Eornelie Reimann bei der Wegbiegung 
hinter dem Tannensteg verschwunden war, hielt Mörbe 
mit dem Schaufeln inne. Laut und aufgeregt sprach er 
vor sich hin: 
„Sie weiß nichts, armes Ding! Das sieht ja ein 
Blinder. Ich hab's der gnädigen Frau gleich gesagt. 
Hundertfünfzigtausend in einer Nacht verspielt! So was 
sagt man keinem Mädchen, das man gern hat! Und sie 
hätt's auch nicht erlaubt, die Eornelie, nie, daß er die 
Gnädige um ein ganzes großes Vermögen angegangen 
wäre! Arme, liebe, gnädige Frau! Alle hängen sie an 
ihr und saugen sie aus, bis sie am Ende selbst nichts 
mehr hat. Ich hab's immer gesagt, es tut nicht gut, 
wenn eine so schöne, junge, reiche Frau allein bleibt." 
Der kleine Invalide wischte mit dem schmutzigen, 
erdigen Aermel über die nassen Augen. 
Brücken über den Teltowkanal mit seinem Namen darge 
bracht morden ist, seinen Dank übermittelt. Zum Schluß 
wurde an den Erbauer der beiden neuen Motorboote, 
Kommerzienrat Sachsenberg zu Roßla, ein in herzlichen 
Worten gehaltenes Danktelegramm von der Probefahrt der 
Kreistagsabgeordneten gesandt. Die Schiffe, die jetzt mit 
Petroleummotoren betrieben werden, kosten ohne diese 
28 000 M., während sich der Preis nach Einban von 
Dieselmotoren, die heute noch sehr teuer sind, auf 90 000 
Mark stellt. Alle Sachverständigen bezeichneten die be 
zahlten Preise, zumal es sich um einen neuen Typ handelt, 
als außerordentlich niedrig. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Zur Landtagswahl. Bei den gesttigen Nachwahlen 
wurden noch 2 Sozialdemokraten und 1 Liberaler gewühlt. 
Sodaß jetzt insgesamt gewählt sind, 111 Liberale, 14 
Konservative und 11 Sozialdemokraten. Der 17. Bezirk, 
rvo eine Wahl nicht zustande gekommen ist, wird in der 
3. Abteilung keine Wahlmänner zur Landtagsmahl schicken. 
Für die gestrigen Nachwahlen wurde von den Liberalen 
keine Agitation niehr betrieben. Dadurch war auch den 
beiden Sozialdemokraten gestern der Sieg leicht gemacht. 
Zm 2. Bezirk, wo Stichwahl zwischen den beiden Liberalen 
war, rviirde Wermke mit 6 Stimmen gewählt. Im 11. 
Bezirk erhielt der Sozialdemokrat 57, der Liberale 12 
Stimmen, im 14. Bezirk der Sozialdemokrat 35 und der 
Liberale 4 Stimmen. 
o Abendmarkt in der Rheingaustraße. Heute wird 
wieder in der Rheingaustraße bis 9 Uhr ein Abendmarkt 
abgehallen. Die Ware ist erstklassig und der Markt wird 
tierärztlich überwacht. Unsere Mitbürger werden also dort 
gut kaufen. 
o Aus Anlaß der heutigen Hochzeitsfeierlichkeiten 
im Kaiserhaus«: haben unsere sämtlichen öffentlichen Gebäude 
geflaggt und auch zahlreiche Privathäuser zeigen Fahnen 
schmuck. Ebenso erinnern die Straßenbahnwagen, die an 
der Leitungsstange eine deutsche oder preußische Flagge führen, 
an den Festtag im Kaiserhause, den auch unsere Friedenauer 
in Gedanken fröhlich mitfeiern. 
o Zum .Kreisschulinspektor in Mogilno ist der frühere 
Friedenauer Gemeindeschullehrer, bisherige Rektor Ernst 
Niederhausen aus Schlawe ernannt worden. Herr Nieder 
hausen hatte in unserer Gemeinde auch die Leitung der 
Volksbibliothek inne, die nach ihm der jetzige Leiter Herr 
Vorschullehrer Finke übernahm. 
o Eine Stnbenrauch-Ehrung. Für den verstorbenen 
Berliner Polizeipräsidenten v. Stubenrauch, der lange Jahre 
hindurch eine segensreiche Wirksamkeit als Landrat des 
Kreises Teltow entfaltet hat, plant die Vertretung des 
Kreises eine besondere Ehrung. In der letzten Kreistags 
sitzung teilte der jetzige Landrat v. Achenbach mit, daß man 
daran gedacht habe, den Teltowkanal, das hervorragendste 
Werk des Verstorbenen, in „Stubenrauchkanal" umzunennen. 
Da die gegenwärtige Situation diesem Vorhaben jedoch 
Dann schüttelte er wieder verwundert und nachdenklich 
den Kopf. Es ging ihm da doch noch eine ganze Menge 
nicht zusammen. 
Weshalb der Herr Leutnant gerade den Herrn von 
Loewengard mit dieser Bitte zur gnädigen Frau schickte, 
den er doch selbst nie besonders gern gemocht hatte? 
Und dann nicht nur unbegreiflich, auch feige war es. Und 
für feige hatte er den hübschen Herrn Edgar nie gehalten. 
Und daß er es nun doch war, tat ihm leid. Ein deutscher 
Soldat und feige I Er hätte wenigstens selbst kommen 
müssen und bitten: Rette mich noch einmal! 
Und was die Gnädige da von begreiflicher Scham 
sagte, das wollte ihm erst recht nicht in den Sinn. Wenn 
man sich nicht schämt, ein Vermögen zu verspielen, dann 
hat man auch kein Recht, sich zu schämen, wenn's ans 
Betteln darum geht. Er, für seine armselige Person, hätte 
sich in solchem Fall eher eine Stuget vor den Kopf ge 
schossen, als eine Frau um ein solches Almosen anzugehen. 
Und dann war da noch eines, für das der struppige 
Schopf und der Zottelbart des kleinen Invaliden eine 
ganze Weile unschuldig herhalten mußten: Weshalb traf 
sich der junge Herr Edgar gerade heut mit Fräulein Nellie 
in Klein-Wlosfow? Und gerade zur selben Zeit, wo der 
Herr von Loewengard kam, den Scheck auf die Hundert 
fünfzigtausend zu holen? War der junge Mensch am Ende 
doch nicht feige und wollte er den beiden Frauen beichten 
und ihre Verzeihung erbitten, oder — mißtraute er dem 
Loewengard? 
Der Kopf brummte dem Kleinen. Das war zuviel 
für sein armes Hirn. Wie zerschlagen ließ er den Spaten 
liegen, wo er lag, und humpelte seinem Häuschen zu. Er 
wollte sich eine Stunde auf das alte Roßhaarsofa strecken, 
das er noch von dem feliaen Herrn Eberhard zum Ge.
        
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