Path:
Periodical volume Nr. 119, 23.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Barten Bedingungen usw. anerkenne. Es ist ein rein 
formeller Beschluß zu fassen, da ja mit der Gründung des 
Zweckverbandes alle Verträge über Bahnanlagen auf diesen 
übergegangen sind. Der Bürgermeister bittet, diesen' Punkt 
noch auf die Tagesordnung zu stellen. Das geschieht. 
Ferner wird noch ein Punkt betreffend Pflasterung des 
Zugangweges zum Gütergotzer Friedhof auf die Tages 
ordnung gesetzt. 
Zu Protokollunterzeichnern bestimmt der Bürgermeister 
die G.-V. Matthies und Ott. 
Betr. die Beschlußfassung über die Gültigkeit der am 
28. 'd.' Mts. erfolgten Gemeindewahl, bittet Biitgernlcister 
Walger, die Wahl des Herrn Wermke für gültig zu er 
klären. Es wird so beschlossen. 
Darauf führt Bürgermeister Walger den Neugewählten 
mit folgenden Worten in sein Amt ein: 
. Herr Wermke ist wohl allen Herren persönlich bekannt. Ich 
sichre Sie in Ihr neues Amt ein, heiße Sie hier willkommen und 
verpflichte Sie durch Handschlag zur gewissenhasteu Ausführung 
Ihres Amtes. Ich hoffe, daß Sie treu und brav Ihre Pflicht er 
füllen werden. 
Herr Wermke nimmt, vom Bürgermeister auf einen 
freien Stuhl aufmerksam gemacht, auf der rechten Seite des 
Hauses Platz. 
Bürgermeister Walger bittet dann, die Beschickung der 
Versaürmlung des Verbandes der größeren preußischen Land 
gemeinden, die vom 1l.—13. Juni in Breslau stattfindet, 
zu beschließen und ihn selbst in diese Versammlung zrr ent 
senden. Er habe daran ein besonderes Interesse, als dort 
auch die von ihm s. Zt. angeregte Errichtung von Beamteu 
schulen zur Sprache kommen wird. G.-V. Ott möchte 
Näheres über das Programm hören, vielleicht, daß es sich 
dann empfiehlt, noch einen Herrn mehr zu entsenden. 
Bürgermeister Walger bemerkt, er würde sich freiren, wenn 
noch ein Herr ihn begleiten würde. Es gibt aüf solcher 
Versammlung viel zu lernen. Darnach gibt er das 
Programm bekannt. G.-V. Ott beantragt, noch einen 
zweiten Herrn abzuordnen. Die Herren der Versammlung 
wissen ja die Orte, in denen die Versammlungen abzuhalten 
sind, immer so zu wählen, daß sie nebenbei noch sehr viel 
Interessantes und Lehrreiches zu sehen bekommen. Sv war 
die vorige Versammlung in Kiel zur Zeit der Kieler Woche 
und diesmal ist sie in Breslau, wo jetzt die Jahrhundert- 
ausstellung stattfindet (Heiterkeit). Bürgermeister Walger 
möchte auf Grund der Ausführungen des Vorredners Herrn 
Ott entsenden, damit er sich von der Tätigkeit der Ver 
sammlung überzeugen kann. Von der Kieler Woche habe 
er persönlich nichts zu sehen bekommen. Das Einzige war, 
daß mau wegen des Andranges von Fremden zil dieser 
Veranstaltung in Hotels schlecht untergebracht war. Wenn 
Breslau gewählt wurde, so lag das daran, daß in der 
vorigen Versammlung Einladungen von zwei Großstädten 
vorlagen, von Frankfurt a. M. und Breslau; man wählte 
Breslau, allerdings unter Berücksichtigung der Jahrhundert- 
Ausstellung. G.-V. Ott erklärt, er habe keine Zeit, an der 
Versammlung teilzunehmen. Er schlage aber die Wahl des 
Kollegen Kalkbrenner vor. G.-V. Kalkbrenner: Ich kann 
nicht Skatspielen (Heiterkeit). G.-V. Ott: Das ist kein 
Fehlx.r, Es. wird nun zunächst abgestimmt, ob zwei Herren 
hinzusenden sind.' Mit 12 gegen 13 Stimmen wird dieser 
Antrag abgelehnt. Darnach wird beschlossen, den Herrn 
Bürgermeister zu entsenden. 
Gleichzeitig befürwortet der Bürgermeister die Be 
schickung des 14. Deutschen Kongresses für Jugeudspiele 
am 27. Juni in Stettin. Er empfiehlt in erster Linie, den 
Schöffen für Jugendpflege, Herrn v. Wrochem, zu entsenden. 
Vielleicht empfehle es sich aber, noch einen zweiten Herrn 
aus dem Ausschuß für Jugendpflege zu entsenden. Es wird 
mit 10 Stimmen die Entsendung von zwei Herren beschlossen. 
Schöffe Bache empfiehlt, außer Herrn v. Wrochem Herrn 
Rektor Schildberg zu entsenden, der noch neu in der Jugend 
bewegung sei und dort lernen könne. Diesen Antrag unter 
stützt Schöffe v, Wrochem. G.-V. Finke beantragt, Herrn 
Rektor Kaul zu wählen, der als Leiter der Fortbildungs 
schule schon in der 'Jugendbewegung steht. Schöffe 
v. Wrochem meint, daß, so wie er als Neuling in diesem 
Fache den Wunsch habe, hier zu lernen, er auch Herrn 
Schildberg zu wählen) empfehle, der gleichfalls neu in die 
Bewegung eingetreten sei. Es werden darauf Schöffe 
v. Wrochem und Rektor Schildberg gewählt. 
Gemeindebaurat Altmaun berichtet nun über den 
Entwurf eines Abvrthäuschen am neuen Marktplatz in der 
Nheiugaustraße. Die Gemeindevertretung habe sich'schon 
Reimann nickte dem großen Mädchen freundlich zu. 
„Sie sind ein tüchtiger Kerl, Fräulein Heine. Der 
Herr Wahl mag sich gratulieren. Dergleichen wächst heut 
nicht mehr auf den Bäumen. Aber ein Manu, der arbeiten 
und was erreichen will, braucht eine solche Frau." 
„Na und ich, Papa?" fragte Cornelie, ihre zierliche 
Gestalt reckend. 
Der Professor sah seine Tochter zärtlich an und gab 
ihr einen kleinen Backenstreich. 
„Du bleibst hübsch bei deinem alten Herrn. Wie 
soll's ein anderer Mann mit dir wohl aushalten?" 
Bei sich aber dachte er: Wen» sie einen findet, der 
sie liebhat, in Gottes Namen. Was kann ein Mädel 
Besseres tun, als glücklich sein. 
Nellie hatte sich für den nächsten Vormittag bei 
Helene anielephoniert, nachdem sie von Edgar tele 
graphischen Bescheid erhalten hatte, daß er nachmittags 
in Klein-Wloffow eintreffen werde. 
Haus und Herr Kühne erwarteten sie auf der 
Station. 
„Allewetter, Junge, bist du stramm geworden," 
rief Nellie erfreut, als Hans ihr in seinem Lodenkostüm 
mit den Kuiestrümpfen, aus denen die festen, braun 
gebrannten- Beine hervorsahen, entgegensprang. 
„Na ob, Tante Nellie. Ich bin auch bald ein Mann 
und werde arbeiten für zwei." 
„Oho!" lachte das Mädchen. 
Hans griff nach Kühnes Hand. „Herr Kühne sagt so, 
Und was Herr 51öhne sagt, ist richtig," meinte der Junge 
mit großer Energie, „und er sagt auch, ich müsse früh 
daran denken, was Tüchtiges zu lernen, um Mutti alle 
Sorgen abzunehmen. Frauen sollten keine Sorgen haben, 
das wäre Mänuerlacbe I" 
grundsätzlich mit der Früge beschäfkigt. Nach der Begut- 
achtuug verschiedener Projekte empfehle der Bauausschuß 
den vorliegenden Entwurf 511 genehmigen. Als Platz werde 
empfohlen, das Häuschen 'nicht an der Retzdorifprcklnenade, 
sondern ans dem Marktplatz in der Mittelachse der Retzdorff 
promenade zu'errichten. G.-V. Richter fragt an, ob'da 
durch dem Markt wieder Platz genommen werde. Er habe 
gesehen, daß man dort viele Ecken und Winkel geschaffen 
habe, es -wäre doch wünschenswert, den Markt gleich 
ordüungsmäßig einzurichten. Schöffe Lichtheim 'erwidert, 
weshalb der Steinplatz da vorspringt liege daran, daß man 
keinen anderen Platz für Unterbringung der Steine habe. 
Der drei Meter breite Gang nach der Laubacherstraße sei zur 
Bequemlichkeit der dortigen Einwohner geschaffen worden. Er 
wünsche nur, daß der Matkt weniger Anstoß fände als bisher, 
dann wäre er schon erweitert worden. Baurat Attmann 
erläutert an einer Zeichnung die Lage des Aborthäüschkns 
und des Marktes. Er hofft, daß der Steinplatz, der 
Schandfleck Friedenaus, dort bald verschwindet. G.-V. 
Berger bringt in Vorschlag, das Häuschen nach links an 
den Schuppen zu bringen, damit nicht die Waren um das 
Hänschen herum aufgestellt werden brauchen, was doch wenig 
appetitlich wäre.' Ferner würde mau auch init der Er 
richtung der Anstalt an der von ihm vorgeschlagenen Stelle 
den Platz weniger zerklüften. Er beantrage aber außerdem, 
die Sache heute noch zu vertagen. Er habe heute durch 
Herrn Habermann erfahren — (er selbst habe sich nicht 
mehr um den Markt gekümmert) — daß gegen den Markt 
ein Protest eingelegt worden ist. Ein«! Privatmarkt aber 
hier zu errichten, sei nicht in der Ordnung, die Gemeinde 
könne keinen Privatmarkt errichten. Er glaube nicht, daß 
man den Markt genehmigt bekomme. Für einen öffentlichen 
Markt ist die Genehmigung der Regierung erforderlich und 
die erhalte man erst dann, wenn bei der Handelskammer 
angefragt ist. Vielleicht könne der Herr Bürgermeister authen 
tisches über die Angelegenheit mitteilen. Wenn das, was er 
erfahren habe, wahr sei, habe es keinen Zweck, schon jetzt die 
Bedürfnisanstalt zu beschließen. Er beantrage daher, die Sache 
zu vertagen. G.-V. Eggert kann bezgt. der Platzfrage des 
Häuschens Herrn Berger nicht folgen. Er halte da den Vor 
schlag des Gemeindevorstandes für den besseren. G.-V. Berger 
tritt nochmals für seinen Standpunkt ein. Schöffe Lichtheim 
erwidert Herrn Berger, daß der von diesem bezeichnete Platz 
demnächst gebraucht wird für einen Schuppenanbau zirr Ver 
legung der Tiefbanverwaltung. Er würde dann noch eher 
vorschlage», die A,,statt ganz links in die Ecke zu setzen. 
WaS die weiteren Ausführungen des Herrn Berger anbetreffe, 
so sei es richtig, daß eine Eingabe eingegangen ist unter 
schrieben vom Vorsitzenden des Nahrungsmittelhändler-Vereins 
und des Handel- und Gewerbevereins. Er wolle nicht näher 
auf die Ausführungen in diesen Eingaben eingehen. Er 
glaube aber nicht, daß der Markt verboten werde. Man 
sehe aber wieder, wie solche Sache gleich breit getreteü werde, 
durch die heutige Zuschrift im „Fried. Lvk.-Anz.", wonach 
der Markt innerhalb einer kurzen Frist wieder beseitigt 
werden soll. Daran ist kein wahres Wort. Er freue sich, daß 
die Sache hier öffentlich verhandelt werde, es sei unglaublich 
was alles für Gerüchte im Ort im Umlauf sind, um'den 
Markt zu schädigen. Er könne sich noch so große Mühe 
geben, überall werde ihm gesagt, der Markt werde doch 
wieder aufgehoben. Ob es das richtige ist, die Suche so zu 
betreiben, und den Markt zu schädigen, überlasse er dem 
Urteil der Versammlung. Gemeinde-Verordneter Kunoiv 
meinte, daß es bezgl. des Ausstellens der Waren gleichgültig 
sei, wohin man die Anstalt bringe. Er tritt für den Vor 
schlag 'des Ausschusses ein. Auch Baurat Altmann bittet 
nochmals, für den Antrag des Ausschusses zu stimmen. Die 
Eingänge der Anstalt kommen an die Straße zu liegen. 
Außerdern werde das Häuschen eine kleine Anlage umgeben. 
G.-B. Berger führt aus, daß ihm nichts davon bekannt 
sei, daß der Vorstand des Gewerbevereins eine Eingabe be 
schlossen habe. Er habe aber von Herrn Habermann gehört, 
daß vom Landratsamt schon irgend etwas eingegangen sei. 
Und daß man da an die Handelskammer und den Regierungs- 
prüsidenten herangehe, sei darnach ivohl selbstverständlich. 
Deshalb sei er für die Vertagung bis man genaues weiß. 
Bürgermeister Walger möchte vorschlagen, den Entwurf an 
zunehmen unter der Voraussetzung, daß die Anstalt errichtet 
wird, sobald der Markt genehmigt ist. Richtig ist, daß der 
Handel- und Gewerbeverein und der Nahrungsmittelhändler- 
Verein in einer Eingabe an den Regierungspräsidenten ge 
beten hüben, deck' Matkt nicht zu genehmigen.'' Und der 
„Recht hast du, Junge," sagte Cornelie und strich 
ihm über die blonden Locken, die unter der kleinen 
Kappe hervorsahen. — 
Sie gingen die gut gehaltene Straße zwischen den 
beschneiten Tannen, den Knaben zwischen sich. 
Erst jetzt sah Cornelie zu Kühne hinüber. Trotz der 
frischen Farben, die die Hochgebirgslust ihm aufgelegt, 
sah er müde und abgespannt aus. 
„Ihnen scheint St. Moritz nicht so gutgetan zu 
haben als dem Jungen, Herr Kühne?" 
„Ich fühle mich ganz wohl, gnädiges Fräulein." 
Hans schüttelte wieder einmal mit großer Energie 
den Kopf. 
„Herr Kühne ist betrübt wegen Mutti," sagte er 
unbekümmert. „Mutti hat sich gar nicht so gefreut als 
fönst, als wir kamen. Und jetzt ist sie all die Tage gar 
nicht ein bißchen lustig. Und ein Brief ist von Onkel 
Loewengard gekommen heut morgen — und heut nach 
mittag kommt er selbst — und alles andere hat Mutti 
nur Mürbe erzählt und war sehr betrübt dabei. Und auf 
dich freut sie sich auch nicht, Tante Nellie, und wollte 
nicht mit uns gehen, dich abzuholen." 
Cornelie sah betroffen zu Kühne hin, der aber ging 
abgewandten Gesichts und blickte über die gefrorenen 
Wiesen fort zu den kahlen, verschneiten Bäumen des 
Wloffower Parks hinüber. 
„Laß nur gut sein, Jungchen," tröstete Nellie. „Wir 
machen die Mama schon wieder lustig, du und ich und 
Mürbe. Was macht denn mein alter Freund? Der hat sich 
doch gewiß gefreut, als du kamst?" 
„Mächtig, Taute Nellie. Das ganze Haus voll 
Blumen und die Fahne aufgezogen, als ob der Kaiser 
käme. Und Kucken l Du mußt tüchtig essen helfen I" . 
Gememdevorstand ist aufgefordert worden, sich hierüber zu 
äußern. Die Zuschrift in deVZcituug ist der übliche Aufschnitt, 
daß etwas schon 'als Tatsache geschildert wird,'was noch 
garnicht so weit ist. Es greifen solche Nachrichten 'schon 
voraus und meistens fehl. Erbitte, so zu beschließen, wie 
es vorgeschlagen habe. G.-B. Richter führt aus, daß der 
Markt für die Gemeindeglieder errichtet wurde und (man 
sorgen müsse, ihn zu erhalten. In der gestrigen Zuschrift 
mehrerer Hausbesitzer ist ja auch darauf hingewiesen und der 
Markt sehr Befürwortet morden. Er sei der Meinung, daß man 
den vorgeschriebenen Weg einhalte und den Markt zum öffent 
lichen Martt erkläre, dagegen könne doch nichtsgeschehen. Schöffe 
Lichlheim erklärt, daß er schon mit dem betr. Dezernenten 
beim Landratsamt gesprochen habe; der Markt werde nicht ver 
boten werden. Er möchte aber empfehlen, sich nicht festzulegen 
auf einen öffentlichen Markt, um ihn-nicht den Wünschen der Ge 
meindevertretung zu entziehen: Eine andere Eingabe ist noch 
eingegangen von Herrn Marr, die über nür vom Stand 
punkt der Konkurrenz ausgeht. Schöffe Lichtheim äußert 
sich daun noch über die Steuern, die die hiesigen Gewerbe 
treibenden aufbringen. 16 M. jährlich zahlt ein Gewerbe 
treibender der 4. Klasse Steuer, 'dagegen bringt ein Martt- 
stand der Gemeinde jährlich 123 M. ein, also 107 M. 
mehr. Weiter ermähnt er noch, daß die Märkte preis 
regulierend wirken und an Markttagen die WarenI viel 
billiger einzukaufen sind. G.-V. Berger führt aus, daß er 
persönlich durchaus nicht gegen den Markt sei, weil er ihn 
für ein Bedürfnis ansehe. Er sei auch der Ansicht, daß der 
Markt tatsächlich einer weit größeren Anzahl Einmohneru 
nützlich als er einer kleinen Anzahl schädlich sei. Wenn 
solche Gerüchte im Umlauf sind gegen den Markt, so 
liege dies nur au der Geheimniskrämerei; man traue 
sich doch mal mit solcher Sache an die Oeffentlichkeit, selbst 
wenn man mal einen kleinen Dreh machen will. Unan 
genehm sei ihm, daß die Gemeinde ein Privatunternehmen 
-in die Welt setzen will. Er we'rde auch dafür sein, daß 
der öffentliche Markt bestehen bleibt, beschließe man aber 
einen Privatmarkt aus ihn: zu machen, so werde er selbst 
gleich morgen. Einspruch dagegen erheben. Bürgermeister 
Walger findet die Anschauungen des Herrn Berger seltsam, 
daß er nur einen öffentlichen Markt wünsche. Wenn man 
so hintenrum arbeite, möchte er mal fragen, ob er dies nicht 
auch einen Dreh nennen müßte. Es habe dem Vorstand 
ferne gelegen, einen Dreh zu machen. Mau habe erst später 
gesehen, daß es nur möglich ist, einen Privatmarkt zu er 
richten, weil es sich hier um ein Grundstück der Gemeinde 
handelt. Ein öffentlicher Markt könne nur auf einem 
öffentlichen Platze stattfinden. Er finde aber auch im Be 
trieb des öffentlichen und Privatmarktes keinen Unterschied, 
vielleicht könne ihn den Herr Berger sageir. Im übrigen 
werde nun die Sache ihren Gang gehen. Schöffe Licht 
heim meint, er verstehe sehr wohl, wieso Herr Berger 
auf den Unterschied von Privatmarkt und öffentlichen 
Markt komme. Das liege im Gerechtigkeitssinn des 
Herrn Berger, der besteht darin, daß vom öffentlichen 
Markt Glas, Porzellan und Schnittwaren fern gehalten 
werden können. Während auf dem Privatmarkt altes ver 
kauft werden kann. Herr Berger ist e§ ja auch gewesen, 
der dahin wirkte, daß die Händler mit Porzellan und 
Schnittwaren vom alten Markt an der Lanterstraße ver 
schwanden. Was hat er damit erreicht? daß jetzt auf dem 
gegenüberliegenden Privatmarkt schon 20 solcher Buden vor 
handen sind. Das ist der Gerechtigkeitssinn des Herrn Berger. 
G.-B. Berger bedauert, daß in derart persönlicher Weise 
vorgegangen werde, da falle es schwer ruhig zu bleiben 
und sachlich zu sprechen. Er möchte nochmals, wie schon 
in der vorigen geheimen Sitzung erklären, daß er gegen 
Herrn Lichtheim klagbar werde, wenn er es nicht 
unterlasse, ihm persönliche Motive vorzuwerfen. Er handle 
in seiner Stellung als Gemeindeverordueter nach bestem 
Wissen und Gewissen. Was Herr Lichtheim ausführte, sind 
Entstellungen, die er als unwahr bezeichne. Er könne das 
beweisen und bedauere, daß Herr Lichtheim das wieder gesagt 
habe. Zur Sache glaube er wohl, daß Schädigungen einzelner 
vorkommen, aber im Interesse der Allgemeinheit sei er für 
den öffentlichen Markt. Die Unterschiede zwischen öffentlichen 
und Privatmarkt müsse der Herr Bürgermeister doch besser 
kennen. Er könne hier nicht so im Einzelnen darauf ein 
gehen, brauche aber nur auf die Vtarktorduung hinzuweisen. 
Bürgermeister Walger rust den G.-B. Berger zur Ordnung' 
weil er gesagt habe, was Herr Lichtheim sagte, wäre unmahr. 
Solche Ausdrücke sind nicht zulässig. Außerdem aber habe 
Sie umgingen das Dorf in weitem Bogen, immer den 
Tannen folgend. 
„Müssen wir nicht auf die Chaussee, Herr Kühne, und 
durchs Torwärterhaus hinein?" 
„Nicht bei Tage, gnädiges Fräulein. Das Parktor 
wird erst um fünf Uhr geschloffen." 
„So l,at Morde doch klein beigeben müssen," lachte 
Nellie. „Sauer genug wird's den guten Dickkopf an 
gekommen sein." 
Cornelie fand die Schwester in seltsamer Stimmung. 
Helene schien weniger traurig, als merkwürdig unsicher 
in ihrem ganzen Wesen. Ihre Sprache, ihr Blick hatten 
etwas Tastendes, Suchendes angenommen, als sei sie irre 
geworden an sich selbst und anderen. 
„Es ist etwas mit Loewengard," dachte Cornelie. 
«Dieser Mensch hört nicht auf, die arme Lena zu be 
unruhigen. Gibt es denn gar kein »mittel, vielen salichen 
Freund ihrem Gesichtskreis zu entfernen!" 
Sie mochte Lena nicht fragen, was in Lcemeiigards 
Brief gestanden, was sein Besuch zu bedeuten hatte. Die 
Schwester wich ihr sichtlich aus. Sie wollte augenscheinlich 
allein mit dem fertig werden, was sie beschäftigte. — 
Auf dem Platz unter den Kastanien stand Mürbe. 
Er hantierte mit dem Spaten an den Rabatten herum, 
schien aber ganz und gar nicht bei der Sache. Fort 
während ließ er den Spaten ruhen, schüttelte den 
struppigen Kopf und zauste seinen armen Schnauzbart. 
Nellie, die den kleinen Invaliden vom Fenster aus 
beobachtet hatte, lief hinunter in den Park. Das beste 
war, sie sprach mit ihrem alten Freund frisch von der 
Leber weg. Es ging nicht nur um Loewengard, der sich 
— ein abscheuliches Pech — gerade diesen Nachmittag zu 
einem Besuch batte ansauen lallen! (Sortsr,ung tot t.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.