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Periodical volume Nr. 119, 23.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedeuauer 
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Wr. 119. 
Werlin-Iriedenau, Areitag, den 23. Mai 1913. 20. Zafirg. 
vepelcken 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Die fürstlichen Hvchzeitsgäste besuchten heute 
ihren diplomatischen Vertreter oder die preußischen Truppen 
teile, zu denen sie in Beziehung stehen. Am friihen 
Morgen, gleich nach dem Frühstück, unternahmen der 
Kaiser und der Zar eine Spazierfahrt über die Heerstraße 
nach der Havel. Sie stiegen am Kaiser-Wilhelm-Turm aus 
und gingen längere Zeit spazieren. Die Riickfahrt erfolgte 
durch den Grunewald über den Kurfürstendamm und durch 
den Tiergarten über die Linden. Mittags erschien der Zar 
in der Kaserne des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier- 
Regiments. Das Regiment stand auf dem Kasernenhofe in 
Paradeaufstellung. Dort hatten auch die Vereine ehemaliger 
Kameraden des gleichen Regiments und des Brandenburger 
Kürassier-Regiments Gelegenheit, sich ihrem ehemaligen Chef 
zu repräsentieren. Auch die 2. Gardedragoner, die der 
Zar und die Zarin als Chefs haben, rückten zur Parade 
nach der Alexanderkaserne aus. 
Paris. Nach den Berichten mehrerer Blätter arteten 
die im 122. Infanterie-Regiment vorgekommenen militärischen 
Kundgebungen in eine sehr ernste Meuterei aus. Ein Major 
packte einen Hornisten, der das Signal zu der Demonstration 
gegeben hatte, und warf ihn nieder. Ein Soldat stürzte 
sich auf den Offizier, worauf dieser das Gewehr eines Wacht 
postens ergriff und den Angreifer mit einem Kolbenschlag 
zu Boden streckte. Acht Unteroffiziere eilten mit aufge 
pflanztem Bajonett herbei und drängten die Meuterer 
zurück. Es entspann sich ein Handgemenge, das an 
dreiviertel Stunden dauerte. Die Meuterer hatten sich des 
Schlüssels vom Pulvermagazin bemächtigt, doch gelang es, 
ihnen den Schlüssel zu entreißen. Die Haupträdelsführer, 
27 an der Zahl, wurden festgenommen und nach dem 
Arrestlokal gebracht. 
Athen. Wie die offiziöse Agence d'Athänes meldet, 
iibcrschritten beträchtliche bulgarische Streitkräfte unter Ver 
letzung der neutralen Zone bei Voultsista und Kotsaki die 
Briicken über den Anghitisfluß und drangen in unbestreitbar 
von den Griechen besetztes Gebiet ein. Es entspann sich ein 
heftiger Kampf, der noch andauert. 
Neuyork. Nach einem Telegramm aus Charlestvn, 
Südkarolina, ist auf dem Fort Moultrie ein schweres Ge 
schütz explodiert. Ein Hauptmann und zwei Soldaten wurden 
getötet, neun Soldaten schwer verletzt. 
Sitzung cler Semeinclevertretung 
vom Donnerstag, dem 22. Mai 1913. 
Erregte Debatten. — G.-V. Berger erhält 3 Ordnungsrufe. — 
Die Rechte der Minorität müssen gewahrt bleiben. — Schriftliche 
Anträge. — Der Dauerschreiber. — Der Markt an der Rhein 
gaustraße. — Die Filialstenerordnung geht abermals an den 
Ausschuß. — 217 000 M. Ueberschuß im Vorfahre. — Polizei 
und Gastwirte. — Einführung des G.-B. Wermke. — Treu 
und brav. 
Bis Mitternacht dehnte sich die gestrige öffentliche Sitzung 
aus. Es kam wieder einmal zu erregten Erörterungen und mehr 
als eininal platzten die Meinungen aufeinander. Anfangs waren 
träumende menschen. 
Roman vo» Dora Duncker. 
50. (Kuttnd tnitln.) 
Am liebsten wäre sie irgendwo in den Bergen herum» 
geklettert, wie damals mit dem Vater in Tirol. 
Wenn Cornelie daran dachte, daß sie einmal so mit 
Edgar 1 
Ihr ward ganz schwindelig vor Glück. 
Sie fuhr sich selbst hart an über all diese vermessenen, 
törichten Gedanken. Dabei aber leuchteten ihre Augen 
fort und fort in demselben frohen, erwartungsvollen Glanz. 
Klein-Wlosfow, ja, das würde herrlich fein, wenn der 
Tyrann da drüben ja sagte. In Klein-Wlosfow hatte 
sie Luft und Freiheit, soviel sie wollte. In Klein-Wlossow 
konnte sie mit Hans durch den verschneiten Park laufen 
und St. Moritz mit ihm spielen; da konnte sie auf die 
schon festgefrorenen Wiesen hinaus und auf den kleinen 
Teich, und Schlittschuh laufen lange sonnige Stunden lang, 
und in Klein-Wlossow war sie ungestört, wenn Edgar zu 
ihr kam. 
Es mußte, mußte gehen. 
Sie wollte sich gerade zum Schreiben an Edgar nieder 
setzen, als draußen die Flurklingel anschlug. 
„Nur keine Störung," dachte Nellie ungeduldig. „Und 
hoffentlich Wahl, damit mein alter Herr besserer Laune 
wird." 
Da das Hausmädchen, wie gewöhnlich, „Gänge" hatte, 
kam die Dietrich mit ihren schlürfenden Schritten und 
meldete geräuschvoll, und vor Neugier kaum sich haltend: 
„Herr Wahl und eine junge Dame. Sehr groß und 
es nur kleine Geplänkel, man sagte sich in liebenswürdigem Ton 
kleine „Liebenswürdigkeiten". Schärfere Form nahm die Debatte 
erst an, als mit der Frage der Errichtung eines Aborthäuschens 
am Markt in der Rheingaustraße die Marktfrage selbst 
zur Erörterung kam. Die gestrige Zuschrift in unserer Zeitung 
wurde als unrichtig bezeichnet. G.-V. Berger holte sich bei der 
Erörterung über den Markt drei Ordnungsrufe. Er erklärte 
nämlich, daß er gegen einen öffentlichen Markt in der Rheingau 
straße nichts einwenden werde; sollte jedoch die Einrichtung eines 
Privatmarktes beschlossen werden, so werde er dagegen protestieren. 
Der Bürgern:eister meinte, er wüßte nicht, welch großer Unter 
schied zwischen dem Betrieb eines öffentlichen und eines Privat 
marktes sei. Schöffe Lichtheim meinte, er wisse sehr genau, 
warum Herr Berger gegen einen Privatmarkt wäre, Herr 
Berger befürchte, daß dann Porzellan, Schnittwaren usw. dort 
verkauft würden; er sei cs ja auch gewesen, der dahin gewirkt 
habe, daß diese Händler von: alten Wochcnmarkt verschwinden 
mußten. G.-V. Berger verwahrte sich entschieden gegen den 
Vorwurf des Schöffen Lichtheim, daß er persönliche Interessen 
verfolge. Er nehme sein Amt so wahr, daß er nach bestem 
Wissen und Gewissen urteile. Daher verbitte er sich derartige 
Unterschiebungen und erkläre, daß er Herrn Lichthcim verklagen 
werde, wenn er ihm noch einmal derartiges vorwerfe. Im übrigen 
sei das, was Schöffe Lichtheim anführe, unwahr. Bürgermeister 
Walger rügte den Ausdruck „unwahr" und rief den G-V. Berger 
dicserhalb zur Ordnung, erklärte aber noch mit erregter Stimme, daß 
Herr Lichthcinr die Wahrheit gesagt habe, denn durch Herrn 
Bergers Wirken wären tatsächlich die Verkäufer von Porzellan usw. 
vom alten Markt verwiesen worden. G.-V. Berger bezeichnet 
dies abermals als unwahr und erhielt den zweiten Ordnungs 
ruf. G.-V. Berger: Und ich erkläre nochmals, es ist unwahr. 
(Schöffe Wossidlo ruft: Das ist eine Gemeinheit!) Bürgermeister 
Walger: Dann rufe ich Sie zum dritten Male zur Ordnung. 
Das Aborthäuschcn wurde schließlich genehmigt unter der Voraus 
setzung, daß cs errichtet werde, sobald die Genehmigung des 
Marktes erfolgt ist. — Zu einer weiteren erregten Aussprache führte 
der Antrag des Gemeindcvorstandes auf Aenderung der Geschäfts 
ordnung. Die G.-V. Richter, Ott und Kalkbrenncr wendeten 
sich entschieden gegen die durch die vorgeschlagenen Aenderungen 
bedingte Bcschncidung der Rechte der Gemcindeverordneten, besonders 
der Minorität. Jede Geschäftsordnung sollte gerade die Minderheit 
schützen. G.-V. Ott bezeichnete die Aenderungen als reaktionär. 
Bürgermeister Walger meite, daß die Aenderungen nur bezwecken, 
„theoretische Möglichkeiten" zu beseitigen, die Rechte der Gemeindc- 
vcrtreter sollen durchaus nicht beschnitten werden. Es kam zu 4 
namentlichen Abstimmungen. Der erste Antrag des G.-V. Richter 
auf Ucbergang zu Tagesordnung wurde mit 13:13 Stimmen, 
wobei die Stimme des Bürgermeisters den Ausschlag gab, abge- 
lehnt. Abgelehnt wurden ferner die Anträge des Vorstandes: 
daß das Schlußwort in jedem Falle der Versammlungsleiter habe, 
und daß nicht inehr 4 Mitgliedern der Vertretung das Recht zu 
stehen soll, einen Anttag auf Ausschußbcratung durchzusetzen. 
Dagegen wurde der Antrag angenommen, daß künftig sämtliche 
Anträge schriftlich einzureichen sind. DaS wird zu manchen 
hübschen Episoden führen. Der Anfang wurde damit schon 
gestern gemacht, indem durch Abfassung der schriftlichen Anträge 
kleine Kunstpausen eintreten mußten. Wir haben zum Glück 
noch nicht das Auftreten eines Dauerredners (nach öster 
reichischem Muster) zu verzeichnen gehabt, obgleich schon jetzt von 
einigen Gemeindevcrordncten über die vielen und langen Reden 
einiger Kollegen geklagt wird. Bleibt aber die Bestimmung der 
schriftlichen Einreichung von Anträgen bestehen, so ist es nicht 
ausgeschlossen, daß hier der Dauerschreiber als eine neue Er 
scheinung in den Parlamenten auftritt, der dadurch, daß er geraume 
Zeit zur schriftlichen Abfassung seiner Anträge gebraucht, die Ver 
handlungen hinausschiebt. Und wenn dann die Opposition immer 
und immer wieder neue schriftlichen Anträge stellt, so kann 
man sich einen ungefähren Begriff über die zukünftige Dauer der 
Sitzungen machen. Ra — hoffentlich kommt es erstens anders und 
zweitens als man denkt! Es wird sich schließlich auch mit schrift 
lichen Anträgen schnell arbeiten lassen! — Die „Fvrensalfilial- 
betriebssteuerordnung" verfiel abermals der Vertagung, da 
von verschiedenen Seiten noch Bedenken vorgebracht wurden und 
kräftig, und dicke rote Haare, ganz echt. Und so besonders 
sehen sie sich an." 
Cornelie sprang lachend auf, stieß die Alte beiseite und 
lief in das Vorzimmer. 
Wahl und Lotte standen Hand in Hand und blickten 
ihr erwartungsvoll und verlegen entgegen. 
„Darf man gratulieren?" rief Cornelie stürmisch. 
„Ja, ach ja, Fräulein Cornelie," sagte Wahl ganz heiß 
vor Glück und Aufregung, und streichelte mit scheuer Zärt- 
lichcit Lottes Hand. 
„Nein, wie mich das freut! Legen Sie rasch ab und 
kommen Sie herein!" 
Cornelie half Lotte das lange schwarze, unmoderne 
Jackett ablegen. 
„Der alte Herr wird Augen machen! Wir stöbern ihn 
natürlich aus seiner Höhle auf. Er bringt ja doch nichts 
Gescheites mehr fertig ohne Sie, Herr Wahl." 
Lotte sah stolz auf ihren Verlobten. Dann fragte sie 
sich ein wenig zaghaft, ob das lebhafte übermütige Fräulein 
nicht am Ende nur ihren Scherz mit ihnen triebe. 
„Ist das Ihr Ernst, Fräulein Reimann?" 
„Mein allerernsthaftester. Und ich werde es Ihnen gleich 
beweisen. Den Kontrakt muß er wieder herausrücken, 
mein Alter, und Zulage hinemschrelben. Eme Familie 
braucht mehr, als ein einzelner Mann." 
„Aber nein, Fräulein Cornelie!" 
„Aber ja, Herr Menne Wahl! Seien Sie doch nicht 
so furchtbar unpraktisch I Er tut's gern, mein alter Herr. 
Ich kenne ihn, wenn er Sie nur behält. Oder wollen 
Sie am Ende doch die Expedition mitmachen?" neckte sie. 
Sie lachten alle drei. Lotte sagte: 
„Später mal, wenn wir ordentlich was erarbeitet 
man auch zuvor noch Kenntnis nehmen wollte, von einer erst gestern 
eingegangenen Eingabe des Verbandes der Filialbetriebe. Der 
Antrag wurde daher dem vereinigten Finanz- und Steuerausschuß 
überwiesen. Die Beschwerden der Gastwirte über das Vorgehen 
der Polizei betr. Junehaltung der PolizeisMude, wurde von den G.-V. 
Kalkbrenner und Berger vorgebracht. Der Bürgermeister 
erklärte, daß er auf Klagen verschiedener Mieter eine strenge Aufsicht 
über Jnnehaltung der Polizeistunde angeordnet habe. Ueber den 
Fall, daß ein Gastwirt 10 Anzeigen wegen Uebertretung der Polizei 
stunde erhalten, von denen 9 niedergeschlagen wurden, werde er in 
nächster Sitzung Auskunft geben. Eine längere Aussprache erfolgte 
noch über die 'Anschaffung Berliner Adreßbücher für die größeren 
Schulen; auf Antrag der Schöffen von Wrochem, Wossidlo, Sadee 
und Lichtheim wurde diese Sache dem Finanzausschuß überwiesen. 
Auf eine Anfrage des G.-V. Finke antwortet der Bürgermeister, 
daß nach dem Finalabschluß der Gemcindckasse im vorigen Jahre 
einUeberschußvon217 000 M. erzielt wurde. G.-V. Dr. L o h m a n n 
bat, in die Beete der Rasenstreifen in der Rhcinstraße Blumen 
einzusetzen und sie dabei nicht wie im vorigem Jahre so stiefmütterlich 
mit Stiefmütterchen zu behandeln. Schöffe Lichtheim erklärte, daß 
bisher die Anpflanzung unterblieb, weil es zuerst hieß, daß die Um 
änderung der Rasenstreifen bald erfolgen werde. Da sich die Sache nun 
doch weiter hinausschiebt, ist heute die Anpflanzung der Blumen an 
geordnet worden. Ueber die Anschaffung einer Motorspritze für die 
Feuerwehr werde noch vor den Ferien verhandelt werden. — Vor 
Beginn der Sitzung wurde der ucugewählte G.-V. Wermke in sein 
Amt eingeführt. Vüigermeister Walger verpflichtete ihn, indem er 
ihn ersuchte, treu und brav seine Pflicht zu tun. — Wir beginnen 
nun den Verhandlungsbericht: 
Es fehlen Schöffe Draeger, G.-V. Schönknecht, Schultz, 
Dr. Thurmann und Uhlenbrock. Das Protokoll führt Büro 
direktor Sudan, anwesend sind ferner Baurat Altmann und 
Assessor Grundmann. 
Bürgermeister Walger entschuldigt die fehlenden Herren 
und macht dann folgende Mitteilungen: 
Die Zählerlieferung für 1913 ist der A. E. G. über 
tragen worden. 
Gelegentlich der Etatsberatung wurde angefragt, ob 
sich die Kosten für Druck der Schulprogramme nicht ver 
ringern ließen. Das Kuratorium hat sich mit dieser 
Frage befaßt und ist zu dem Beschluß gekommen, daß sich 
die Anzahl der Drnckexentplare und damit auch die Druck 
kosten nicht verkleinern lassen. 
Von dem Prüfungsausschuß wurde s. Zt. die An 
schaffung des Berliner Adreßbuchs für die höheren Lehr 
anstalten bemängelt. Das Kuratorium hat die Sache be 
sprochen und ist zu der Ansicht gelangt, daß die Anschaffung 
des Berliner Adreßbuchs für die Schulen sehr wünschens 
wert sei. G.-V. Ott beantragt, diese Sache auf die Tages 
ordnung zu stellen, da es sich hier uni einen Beschluß der 
Gemeindevertretung handelt; es ginge nicht an, diesen Be 
schluß so im Rahmen einer Mitteilung kurzweg abzutun. 
Der Bürgermeister erklärt sich dazu bereit, diesen Punkt 
auf die nächste Tagesordnung zu stellen. G.-V. Lohmann 
beantragt, die Dringlichkeit anzuerkennen und heute zur Be 
sprechung zu bringen. Dieser Antrag wird angenommen. 
In. der vorigen Sitzung wurde beschlossen, 300 M. 
für ein Gutachten zu bewilligen. Durch einen Schreib 
fehler ist der Betrag zu gering angegeben worden. Das 
Gutachten kostet 350 M. Die Vertretung bewilligt den 
Restbetrag. 
Der Zweckverband hat angefragt, ob die Gemeinde 
bezgl. der Anlegung der Nasenstreifen in der Rhein- 
straße die mit der Straßenbahngesellschaft bereits verein 
haben, wenn Menne Doktor und Professor ist, dann 
wollen wir eine Weltreise machen, Fräulein Reimann. 
Dainals im Sommer, als Sie bei uns im Garten 
waren und von Ihrer Reife durch Tirol erzählten, da hab' 
ich mir schon gesagt, das wäre auch etwas für dich, ge 
rade der Mühen und Strapazen wegen, mit denen das 
Schöne und Große verbunden ist. Und nun soll das 
wirklich mal in Erfüllung gehen I" 
Das starke Mädchen schmiegte sich innig an den feinen, 
schmächtigen Mann. Der nahm wieder ihre Hand und 
streichelte sie zärtlich. 
„Die beiden haben ausgesorgt," dachte Nellie, froh des 
fremden Glücks, und lief eilig in die Höhle des Löwen 
hinüber. 
Der Professor war eitel Freude! Jetzt hielt er seinen 
Adlatus erst wirklich fest! Alle Arbeitspläne würden sich 
restlos erfüllen l Ein verheirateter Mann geht nicht so 
leicht mehr auf abenteuerliche Fahrten. Das hatte Andreas 
Reimann dereinst an sich selbst erfahren. 
Gleich in der ersten Viertelstunde schmeichelte Cornelie 
ihrem Vater einen kurzen Urlaub für Klein-Wlossow ab. 
„Mit Vergnügen. Gewiß. Wenn du dich dafür ver 
bürgst, Nellie, daß Herr Wahl derweilen keine Brautfahrten 
macht, und die Dietrich ein Schloß vor den Mund be- 
kommt." 
„Topp," machte Nellie und hielt ihrem alten Herrn die 
Hand hin. 
Auch Lotte setzte sich dafür ein, daß Wahl während 
der nächsten Tage nicht herauskam. Es sollte bald Hoch 
zeit gemacht werden, da gab es mehr als genug zu 
schaffen, und die Schule durfte auch nicht vernachlässigt 
werden, solange ihre Anstellung noch dauerte.
        
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