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Periodical volume Nr. 118, 22.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Wahl ebenfalls unentschieden, Es erhielten hier die beiden 
Liberalen je 50 Stimmen, ein Sozialdemokrat 50, ein 
anderer 48 Stimmen. Die absolute Majorität beträgt 51, 
(100 Wähler). Da die absolute Majorität Niemand er 
reicht hat; so verkündete der Wahlvorsteher die Wahl für 
unentschieden. Eine neue Wahl wird in diesem Bezirk 
nicht mehr stattfinden. Dagegen werden engere Wahlen 
nutzer im 11. Bezirk nochmals inr 2. und 14. Bezirk statt 
zufinden haben und zwar im 2. Bezirk zivischcn den beiden 
liberalen Kandidaten Behr und Wermke (auch ein Kuriosum 
des eigenartigen Wahlsystems), da nur der eine konservative 
Wahlmann die absolute Majorität erhielt, und im 14. Bezirk 
zwischen Woldeit (lib.) und Jürgensen (soz.). Diese zweiten 
Stichwahlen sind auf Freitag, den 23. Mai, zu denselben 
Zeiten von 5 */ 4 — 8 Uhr festgesetzt (vergl. die amtliche Be 
kanntmachung in dieser Zeitung). Nutzer den Stichwahlen 
erfolgte gestern noch eine Nachwahl in der 1. Abteilung 
des 0. Bezirks. Hier hatte der in der Hauptwahl gewühlte 
konservative Wahlmann die Wahl abgelehnt. Gestern er 
hielten der neu aufgestellte konservative und der liberale 
Kandidat je 5' Stimmen. Durch das Los wurde der 
konservative Wahlmann als gewählt bestimmt. Hierzu 
wird uns noch folgendes geschrieben:. 
Ein vielumstrittcncs Wahlmannsmandat ist das der ersten Ab 
teilung des sechsten Wahlbezirks. Bei der Wahl am 16. d. Mts. 
„siegten" die Konservativen mit einer Stimme Mehrheit, doch lehnte 
einer der Gewählten die Annahme des Amtes qb, obgleich er sich selbst 
gewählt halte. Bei der gestern stattgehabten Nachwahl „siegten" die 
Konservativen wieder, weil — nach.Stimmengleichheit — das Los 
zu ihrem Gunsten gezogen wurde. Dieser „Sieg" wird — wie mir 
hören — durch Wahlprotest bekämpft und wahrscheinlich nnulicrt 
werden. Formelle Gründe sind dabei maßgebend. Der Wahlvorsteher 
hat — nach dem Wahlreglemcnt — selbst das Los zu ziehen. ES 
ist nach vorhandenen Entscheidungen ganz unzulässig, daß — wie 
es hier geschah — der Protokollführer eines der — noch dazu von 
ihm selbst hergestellten — Lose aus der offenen Hand des Wahl 
vorstehers nahm, das Los öffnete und den Namen des auf diese 
unzulässige Weise Gewählten nannte. Verstöße gegen die Bestimm 
ungen des Wahlrcglemcnts sind vielfach vorgekommen, wenn dabei 
alle dingen zugedrückt werde», ist eben alles in Ordnung und es 
hat alles „geklappt". Kömmt eS zum Wahlprotcst. dann muß 
selbstverständlich scharf geprüft werden. Forinelle Fehler sind es 
zumeist, ivelche zur Ungültigkeitserklärung der Wahl Veranlassung 
geben. 
Bei den gestrigen Stichwahlen wurde nochinals von den 
Parteien eifrig agitiert, vielfach wurde der Sieg wieder mit 
einer ganz geringen Stimmenmehrheit errungen. Daher 
wurde denn auch fleißig „geschleppt", um soviel ivie 
möglich Urwähler an den Wahltisch zu holen. Daß zivei 
Wahlmänner auch in der Stichwahl zu wählen waren, war 
manchem nicht klar und die Wahlvorsteher mutzten wieder 
holt darauf hinweisen. In einem Falle hatte der Wahlvorsteher 
auch einen Urwähler darauf aufmerksam gemacht, das; er zwei 
Wahlmänner wühlen könne. Der erklärte jedoch: „Nein ich 
wähle nur einen". Und als er an der Tür war, meinte 
er: „Die können mir doch nichts vorreden." — Bei den 
gestrigen Stichwahlen in Wilmersdorf, Halensee und 
Tempclhvs sind ebenfalls vorwiegend liberale Wahlmänner 
gewählt worden. Nach der vom liberalen Wahlvorstand 
für unseren Wahlkreis gemachten Aufstellung sind bis jetzt 
gewählt: 1022 Liberale, 577 Konservative und 502 Sozial 
demokraten. Obivvhl dieses Ergebnis noch nicht vollständig 
ist, steht doch fest, daß Stichivnhl zwischen Liberalen und 
Konservativem erforderlich ist. Die Sozialdemokraten haben 
Wahlenthaltung empfohlen. Damit ist die Wahl der 
liberalen Kandidaten Traub (Fortschr. Volkspartei) und 
Dr. Liepmann (Ntl.) gesichert. — Die liberalen Obmänner 
versammelten sich gestern Abend im Restaurant Kaisereiche, 
wo unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Negierungsrat 
Vogt, die Wahlergebnisse bekannt gemacht wurden. In 
einer kurzen Ansprache warf Herr Geheinirat Vogt einen 
Rückblick auf den Verlauf der Wahlen und betonte be 
sonders, datz die Liberalen ihren Sieg im Wahlkreise mit 
lauteren Mitteln gewonnen haben. Ein kräftiges Hoch 
wurde der liberalen Sache dargebracht. 
v Gesperrt wegen Ausführung von Kanalisations- 
arbeiten ist die Knausstraßc zwischen Feuerbach- und Thvr- 
walscnstratze für Fuhrwerke, Reiter und Radfahrer. 
o Beschaffung 2. Hypotheken. Auf der 4. Mit 
gliederversammlung des Reichsverbandes Deutscher Städte 
sprach u. a. Herr Stadtrat Dr. Laue-Zoppot in Westpr., 
über das Thema: „Beschaffung der zweiten Hypotheken mit 
Hilfe der Gemeinde". Der Referent sah die Errichtung 
städtischer Hypothenaustalten für zweite Hypotheken als ge 
eignete Förderungsmittel des Kleinwvhnungsbaues an und 
war der Ansicht, datz diese Frage in das Programm 
städtischer Aufgaben aufzunehmen sei. Zur Befriedigung 
Er lachte hart und grell aus, daß er vor sich selbst zu- 
sammenfuhr. 
Weshalb für ihn? Was ging ihn dieser junge 
Mensch an? 
Mochte er seinetwegen den Dienst quittieren oder 
anderes noch! 
Die Rache, auf die cs ihm ankam, konnte er empfind 
licher für Helene üben und dabei sich selbst aus aller Not 
befreien. Er atmete rasch und schwer. Wenn er nur schein 
bar in Edgars Namen kain, scheinbar für ihn bat — wenn 
er den Scheck auf Fünfzigtauscnd oder mehr — was 
wußte Helene von der Höhe der Spielschuld Edgars — 
für sich selbst einlöste und damit über das große Wasser 
ging?! 
Er blieb stehen. All seine Nerven bebten. Trotz des 
kalte» Tages rann ihm der Schweiß von der Stirn. Fried 
man» ? Nein, dem würde er nicht in die Falle gehen. 
Ein solcher Dummkopf war er nicht. Hatte er nicht selbst 
Helene vermocht, zweimalhunderttausend Mart in der 
Bank von England einzuzahlen, und lag London nicht auf 
bequemstem Wege nach Argentinien? Er brauchte sich nur 
über den raschesten Anschluß via Southampton zu orientieren. 
Er hielt sich an einem vorspringenden Pfeiler des 
Mauerwerks fest. Ihn schwindelte. Nur ruhig Blut be 
halten, nur ruhig Blut! 
Zahlen schwammen vor seinen Augen, verwirrten und 
lösten sich wieder. Wie ein Krampf schüttelte es ihn. 
Er nahm den Hut ab, zog fein Taschentuch und wischte 
den Schweiß von der Stirn. Nach und nach wurde er 
ruhiger. Ein halbes Lächeln stand" starr um seine» Mund. 
Gott sei Dank, da war er ja doch noch der phantasie- 
reiche Kops! Und auch die Rechnung stimmte. Bis London 
würde er mit dem noch kommen, was er in der Tasche trug. 
des weitergehenden Bedürfnisses des städtischen Grundbe 
sitzes nach zweiten Hypotheken sei aus die Errichtung von 
Pfandbriefinstitutcn nach landschaftlichen Grundsätzen hinzu 
wirken unter Beteiligung der Gemeinden mit von vorn 
herein festbcgrenztem Risiko. Zur Abschwächung des Risikos 
der Gemeinden sei eine Mitbeteiligung der Provinzen und 
des Staates anzustreben. Bürgermeister Bleicken-Cuxhaven 
hielt eine Tilgungszwangseinsührung auch - für erste 
Hypotheken und eine Aenderung des Schätzuugsverfahrcns 
fiir unbedingt geboten. Stadtverordnetcnvorsteher Kommerzien 
rat Steinle - Burg b. Magdeburg schlug die Vorlage des 
Referates mit seinen Leitsätzen - an die Prooinzialver- 
waltungen vor, worauf Versammlung antragsgemäß be 
schloß. Außerdem soll eine entsprechende Vorlage auch bei 
der Staatsregierung erfolgen. 
o Der Dank des Prinzenpaares. Prinz und 
Prinzessin August Wilhelm, die, wie berichtet, am Montag 
im Charlottenhof ein Gartenfest zum Besten der Erziehungs 
anstalt „Zionshilfe" (Friedenau, Rubensstratze) veran 
stalteten, erlassen folgende Danksagung: 
„Durch den über alles Erwarten glänzenden Erfolg des 
Gartenfestes inr Charlottcnhof hocherfreut, wünscht das Prinzen 
paar August Wilhelm allen denen seinen wärmsten Dank auszu 
sprechen, die durch ihren Besuch und ihre Einkäufe zu der großen 
Einnahme beigetragen haben, Angesichts der großen Anforde 
rungen, die in biesem Jahre an das Vermögen jedes einzelnen 
gestellt werden, ist die Dankbarkeit doppelt groß. Durch hochherzige 
Spenden, die schoir vor Beginn des Festes gestiftet waren, ist es 
gelungen, der „Zionshilfe" 25 000 M. (abzüglich der Kosten) zu 
überweisen. Hierfür soll eine ganze Reihe von Kindern dem Ferien- 
hciin zugeführt werden. Auch an dieser Stelle sei den beiden 
großen Schiffahrtsgesellschaften, der Hamburg-Amerika-Linie und 
dem Norddeutschen Lloyd, für die heißumworbenen Reisefahrkarten 
herzlichster Dank gesagt. Daß zahlreiche Damen und Herren in 
gütiger Weise den Verkauf unterstützten und trotz kühler Witterung 
und langer Dauer de§ Festes unermüdlich bis zum Schluß ihres 
Amtes ivalteten, möge nochnials dankbar betoict werden: 
o Die Spartätigkeit in Groß-Berlin ist geringer als 
im Süden und Westen Deutschlands. Nach einer statistischen 
Erhebung betrug der Durchschnittswert eines Sparkassen 
buches in Altona 1543 M., während er in Schöneberg nur 
501 M. ergab. Für Charlottenbnrg wurden 510 M., für 
Potsdam 401 M., für Berlin 459 M., für Neukölln 445 
Mark ausgerechnet, während in Wilmersdorf gar nur 297 
Mark durchschnittlich ans jedes Buch entfallen. Den höchsten 
Wert von allen Grotz-Berliner Gemeinden erhielt bei dieser 
Statistik Spandau mit 045 M. pro Sparkassenbuch. Die 
Zusammensetzung der Bevölkerung darf bei diesen Zahlen 
natürlich nicht außer Acht gelassen iverden. 
o Ueber das Vermögen des Kaufmanns Otto Dannhoff, 
Fregestratze 81, ist am 20. Mai 1913, Mittags 1 1 / 2 Uhr, 
das Konkursverfahren eröffnet, da der Schuldner zahlungs 
unfähig ist. Der Konkursverwalter August Bester in 
Berlin W. 30, Haberlandstr. 3, ist zum Konkursverwalter 
ernannt. Ksnkursforderungen sind bis zum 1. Juli 1913 
bei dem Gericht anzumelden. 
o Die Berliner Flngwoche findet auf dem Flugplatz 
Johannisthal voni 25. Mai bis 1. Juni statt. Sie wird 
38 Flugführer (darunter eine Dame) am Start vereinigen, 
denen 54 Flugzeuge, und zwar 26 Doppeldecker und 20 
Eindecker zur Verfügung stehen, die von 21 Firmen 
genannt sind. Eine Reihe neuer, in Johannisthal noch 
nicht auf den Plan getretener Typen geht ins Rennen. So 
rvird zum ersten Mal der Mars Pfeil-Doppeldecker der 
Deutschen Flugzeugwerke aufsteigen, ferner der von dem 
Stuttgarter Professor Baumann konstruierte Baumann- 
Freytag-Doppeldecker. Die Luftfahrzeug-Gesellschaft schickt 
zwei ihrer neuen Pfeil-Doppeldecker in den Wettbewerb. 
Auch der Schwade-Stahlherz-D.-D ist ein Debütant, ebenso 
wie der Doppeldecker der Gothaer Waggonfabrik. 
o Haus- und Grundbesitzer-Verein. Wir erinnern 
an die morgen Abend 8 l / 2 Uhr im „Hohenzollern" statt 
findende Monatsversammlung. Auf der Tagesordnung 
stehen u. a.: Haftpflichtversicherung und Beschlußfassung über 
ein einheitliches Mietsvertragsformular. 
o Die Friedeuaner Knabenkompagnie, d. i. die 
Kuabenabteikung des Evangelischen Vereins junger Männer 
Berlin-Friedenau, wird auch in diesem Jahre wieder eine 
Feriensahrt von 14 Tagen unternehmen. 105 Knaben 
waren es, die im vorigen Jahre daran teilnahmen. Viele 
unserer Mitbürger werden sich erinnern, daß im Juli 
vorigen Jahres eine Abteilung frisch-fröhlicher Jungens in 
kleidsamer Uniform unter Trommel- und Pfeifenklang durch 
unsere Straßen zum Bahnhof zog. Da ging es hinaus 
auf 14 Tagein Gottes schöne Welt, nach dem herrlichen Bad 
Schmiedeberg. Seitdenr ist ein - Jahr vergangen und wieder 
Er tastete an sich herum. Es war alles in Ordnung. 
Die Brieftasche steckte an ihrem Fleck, das schwarze Notiz 
buch und auch der kleine blinkende Revolver. 
21. Kapitel. 
„Doch bin ich, wie ich bin, 
Und nimm mich nur hin I 
Willst Bessre besitzen, 
So laß dir sie schnitzen. 
Ich bin nun, wie ich bin, 
So nimm mich nur hin" 
trällerte Cornelie, indem sie die Fenster weit aufriß und 
das helle Sonnenlicht ins Zimmer fluten ließ. Ein schnee 
weißer Sonnentag um Anfang Noveniber — das mußte 
mit Jubel begrüßt werden! 
Sie dehnte und reckte Brust und Arme in der frischen 
lalten Luft, die zu ihr hereinströmte. Wie gut war es 
doch, zu leben und jung zu sein! Ihre Wangen röteten 
sich, ihre jungen hellen Augen leuchteten. 
2lus der Tasche ihres dunkelblauen Tuchrockes, der 
fcingefältelt bis an die Knöchel ihrer zierlichen Füße fiel, 
zog sie einen Brief, den sie heute morgen aus Potsdam 
erhalten hatte. Auf dem bläuliche», starkgerippten eng 
lischen Papier mit deni Lerschschen Wappen standen nur 
zwei Zeilen, zwei geheiinnisvolk kurze Zeilen, die das 
Mädchen mit frohem Sinnen erfüllten: 
„Ich muß Sie sprechen, Cornelie, lieber heute als 
morgen. Lassen Sie mich nicht warten! 
In tiefster Ergebenheit 
Ihr Edgar von Lersch." 
ist die Zeit gekommen, hinauszugehen und sich an der lieb 
lichen Natur zu erfreuen. Auch in diesem Jahre wird das 
Ziel der Ferienfahrt das paradiesisch gelegene Städtchen 
Schmicdeberg sein. In den großen Ferien, vom 5. bis 
zum 19. Juli, soll die Fahrt stattfinden. Eine stattliche 
Anzahl von denen, die inr vorigen Jahre an ihr teilnahmen, 
hat sich wieder zur Mitnahnre gemeldet, ein Beweis dafür, 
wie gut Ls den Jungens gefallen hat. Eltern, die ihre 
Kinder (im Alter von 10—14 Jahren) an der Ferienfahrt 
teilnehmen lassen mochten, werden gebeten, sich mit Herrn 
Friedrich Herzog, Handjerystraße 19/20, 3 Tr., oder Herrn 
Bürodiätar Heisinger, Reinbrandtstraße 1 (an der Wannsee 
bahn), 2 Tr., (am besten schriftlich) in Verbindung zu setzen. 
Der Teilnehmerbeitrag beträgt 28 M. und 2 M. Taschen 
geld. Für den Beitrag wird gegeben: ein schönkleidender 
Ferienfahrtanzug, Ferienfahrthut und Brotbeutel, freie Eisen 
bahnfahrt, Kost und Verpflegung für 14 Tage und Be 
nutzung des Eisenmoorbades. Bemerkt wird, daß die Kost 
sehr gut zubereitet ist und jeder Knabe soviel essen kann, 
als er mag. Für die Unterkunft ist ebenfalls nichts zu 
zahlen, für Freuden und Ueberraschungen wird genügend 
Sorge getragen. Die Jungens sollen sich an Leib und 
Seele erholen. Von diesem Gesichtspunkte aus werden alle 
Veranstaltungen arrangiert. Die lieben Eltern, die Knaben 
von 10—14 Jahren haben, wollen ihren Kindern die Teil 
nahme an den freude- und segensreichen Tagen gestatten. 
Jeder Junge (von höheren Lehranstalten oder Elementar 
schule) ist herzlich willkommen. Die Aufsicht mährend der 
Ferientage hat eine Anzahl Beamter und Lehrer. Der 
reichillustrierte Ferien-Prospekt ist von den obengenannten 
Herren unentgeltlich zu beziehen. 
o Frauenstimmrecht. Wie wir hören, werden die 
internationalen Delegierten zum Kongreß des Weltbundes 
für Frauenstinimrecht in Budapest anfangs Juni in Berlin 
zusammentreffen, um von hier aus unter Leitung der Vor 
sitzenden des Weltbundes, Mrs. Chapman-Catt, die Reise 
gemeinschaftlich fortzusetzen. Frauen aus allen Kultur 
ländern der Erde, u. a. auch Regierungsvcrtreterinnen solcher 
Staaten, in denen die Frauen bereits stimmberechtigt sind, 
werden an dem Kongreß teilnehmen, ebenso Abgesandte von 
Indien und China. Die im Deutschen Verbände für Frauen 
stimmrecht organisierten Frauen beabsichtigen, den inter 
nationalen Gästen einen würdigen Empfang durch Veran 
staltung eines Banketts und einer großen öffentlichen Ver 
sammlung zu bereiten. 
o Richard Wagners 100. Geburtstag. Hans Berger, 
Glas- und Porzellan-Spezialgeschäft, Rheinstraße 10, bringt 
anläßlich des 100jährigen Geburts- und 30 jährigen Todes 
tages Richard Wagners einen Gedenktcller. Derselbe ist 
künstlerisch in echt Kobalt und guter Vergoldung ausgeführt. 
Der Preis von 10 M. das Stück ist ein sehr mäßiger und 
weit unter dem wirklichen Wert. Ein Muster ist in dem 
Schaufenster der Firma ausgestellt und da die Lieferung 
nur nach vorhergehender Bestellung erfolgen kann, empfiehlt 
sich dessen recht baldige Anschaffung. 
v Auf der Treptow - Sternwarte finden folgende 
kinematographische Vorführungen mit erläuternden Vor 
trägen statt: Am Sonnabend, den 24. Mai, Nachm. 5 Uhr: 
„Scott's Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", 
Abends 7 Uhr ein neuer Film: „Interessante Bilder aus 
Italien", Sonntag, Nachm. 3 Uhr: „Das Berner Ober 
land", 5 Uhr: „Interessante Bilder aus Italien" und 
Abends 7 Uhr: „Aus fernen Landen". Am Montag, dem 
26. Mai, Abends 7 Uhr spricht Direktor Dr. F. S. 
Archenhold über: „Jahreslänge auf dem Saturn, das 
Ringsystem, die 10 großen Monde" mit zahlreichen Licht 
bildern rurd Abends 9 Uhr über: „Die Schätze der Erde" 
wieder mit Filmen. Mit dem großen Fernrohr werden 
Algol, Sternhaufen im Herkules und Ringnebel in der 
Leier beobachtet. 
o Ueber Bettlerplage wird gegenwärtig wieder in 
Friedenau geklagt. Vielfach treten die Bettler sehr dreist 
auf und unsere Hausfrauen „geben" vielfach, nur um den 
Fechtbruder so schnell wie möglich los zu werden und sich 
von ihm nicht schmähen zu lassen. Da sollten unsere 
Frauen resoluter sein, nichts geben, dagegen versuchen, den 
aufdringlichen Bettler festzustellen. So hat gestern in Lichter- 
felde eine Frau die Polizei gegen einen allzu aufdringlichen 
Bettler zu Hilfe gerufen; als der dreiste Mensch die Absicht 
bemerkte, ergriff er die Flucht und suchte sich nach Ueber- 
klettern eines Zaunes auf einem Grundstück zu verstecken. 
Es gelang jedoch, ihn dort aufzufinden und ihn zur Polizei 
l ^—■■um i 
Was konnten diese Zeilen nicht alles bedeuten? War 
auch er des Wartens und Schweigens müde? Wollte 
er sprechen, endlich sprechen, ihr einmal nur sagen, daß er 
sie liebhabe, daß sie zueinander gehörten, was immer 
kommen und werden möge! Wollte er sie in seine Arme 
reißen, ihr Mund und Augen küssen? Einmal, ein ein 
ziges Mal nur anders, als mit stummen Blicken zu ihr 
sprechen! 
Sie wußte, cs wäre ein Wahnsinn, ein Unrecht 
vielleicht. 
Endlose Zeiten konnten vergehen, ehe sie einander 
wirklich angehören durften, und doch, wie wäre es 
wunderschön! 
Cornelie hatte das nie so lebhaft gefühlt, als an 
diesem sonnigen Morgen, da die ganze Welt vor Glück zu 
lachen schien. Weshalb sollte sie nicht auch ihren Teil 
davon haben? 
Sie wollte an Edgar schreiben, heute, gleich, daß er 
morgen zu ihr kommen solle. 
Aber kaum, daß sie diesen Gedanken gefaßt, verwarf 
sie ihn auch schon wieder. 
Wenn er ihr wirklich das, das Eine. Wunderbare zu 
sagen hätte, so war hier nicht der Platz dafür. Jeden 
Augenblick tonnte der Löwenmähnige nach ihr rufen, ein 
Besuch oder die Dietrich sie beanspruchen. Sie war keine 
große Dame, die dekretieren konnte: Wenn Herr von 
Lersch mir seinen Besuch macht, bin ich für niemanden 
sonst zu sprechen. 
Plötzlich siel ihr Klein-Wlossow ein. Sie hatte Helene 
schon lange ihren Besuch versprochen. Aber was mehr 
war, alles in ihr drängte nach Luft, Freiheit, Bewegung! 
(Fortsetzung folgt.)
        
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