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Periodical volume Nr. 117, 21.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

strafte um 1 vermehrt. Es bieten im.Orte Gelegenheit zu Meldungen 
18 öffentliche Melder, 1 Privatmelder (aus dein Grundstück der 
Gaerzschen Fabrik), 2 Feuermeldestelleu (Feuer- und jPolizeiwache). 
Weiterhin wurden van der (Gemeindeverwaltung die Mittel zur 
Anschaffung einer 2 Meter langen Aufsteckleiter zur mechanischen 
Leiter von 60 Meter L-Schlauch, 150 Meter Truckschlauch Größe 0, 
sowie einer Asbeslkappe bereitgestellt. Zweimal konnte die Wehr 
mit Genugtuung den Eingang von 60 M. zuerkannter Prämie 
des Teltower Kreisvereins für Eintreffen als erste fremde 
Wehr bei Feuer im Nachbachorte verzeichnen. Auf dem 
80. Stiftungsfest der Wehr am 12. Oktober v. Js. wurden Aus 
zeichnungen des Brandenburgischen Prov.-Feuerwehrverbandes zuteil 
dem FeuerwehrmaniO Koch für 30jährige Dienstzeit,, dem Lber- 
feuermann Wahl für 15jährige Dienstzeit, dem Feuerwehrmann 
Wiesner für 15jährige Dienstzeit, dem 1. Brandmeister Reffte für. 
10jährige Dienstzeit. Dem Kameraden Koch wurde außerdem unter 
ehrenden Worten des Herrn Bürgermeister Walger im Namen der Ge 
meindeverwaltung ein Geldgeschenk von 100 Mark überreicht. Kamerad 
Wahl wurde am gleichen Tage zuni Oberfeuermann ernannt. 
Aus vorstehendem Jahresbericht ist zu ersehen, daß die Wehr stetig 
vorwärts gestrebt hat. Allen Kameraden 'möchte ich an dieser Stelle 
meinen persönlichen Dank zum Ausdruck bringen für die treue Er 
füllung der übernommenen Pflichten im Dienste der Nächsten 
liebe. Gleichfalls herzlichen Dank sage ich in meiner Eigenschaft 
als Führer der Wehr aber auch der Gemeindevertretung sowie dem 
Borstand des Feuerlöschvereins, die in treuer Fürsorge durch Be 
willigung der Mittel uns in den Stand gesetzt haben, notwendig ge 
wordene Anschaffungen unverzüglich vornehmen zu können. Freundlich 
gedenke ich aber auch der Bürgerschaft, die uns ihr reges Jntereffe 
bewiesen hat. Mögen uns alle auch im kommenden Jahre das 
alte Wohlwollen entgegenbringen, wie auch wir bestrebt sein 
werden, auf dem eingeschlagenen Wege weiter zu arbeiten und uns 
des geschenkten Vertrauens würdig zu erweisen „dem Höchsten zur 
Ehr', dem Nächsten zur Wehr." , • ■ ■ 
Mit Bravo wurde dieser Bericht entgegengenommen, 
worauf der Vorsitzende Herr Golitz den Bericht über Zu- 
und Abgang, sowie den Bestand an passiven Mitgliedern 
gab. Der Feuerlöschverein zählte am 31. März v.> Js. 
485 Mitglieder, cs traten neu ein 83 Mitglieder, zusammen 
568 Mitglieder, es schieden aus 17 Mitglieder, sodaß der 
Bestand am 31. März d. Js. 551 Mitglieder betrug. Zu 
Beginn dieses Jahres sind nun ausgetreten 28 Mitglieder, 
neu beigetreten 60 Mitglieder, sodaß zu Beginn dieses 
Jahres ein Bestand von- ' 583 Mitgliedern vorhanden ist. 
Der Vorsitzende dankte noch besonders den drei Feuerwehr 
männern, die die Werbearbeit für den Verein übernommen 
hatten. Der Vorstand hielt 7 Vorstandssitzungen ab. Es 
wurde dort Beschluß gefaßt über Bewilligung von Bekleidungs- 
und Ausrüstungsgegenständen, über Bereitstellung der Kosten 
für 28 Sonntagswachcn, für Haustafeln, Druck der 
Satzungen usw. usw. 12 Unterstützungen wurden bewilligt; 
einem Feuerwehrmann wurde eine Entschädigung gewährt 
für zerbrochene Sachen bei Aufstellung eines Melders. Er 
dankte den Vorstandsmitgliedern für ihre treue Mitarbeit, 
insbesondere sagte er Dank dem Schriftführer Herrn 
Rechnungsrat Noske und dem Kassierer Herrn Moritz. 
Letzterer gab nun Bericht über die Kasse. Es gingen ein: 
an Mitgliederbeiträgen 3873 M., au besonderen Zu 
wendungen 71,50 M., Zuschuß von der Gemeinde 300 M., 
Zinsen für das Sparkassenbuch 27,87 Mi, zusammen 
4272,37 M. Die Ausgaben betrugen 3946,20 M. Ueber- 
schuß 326,17 M. Die Unterstützungskasse hatte einen Be 
stand vvu 6899,73 M., hierzu Zinsen für 1912 190,03 M., 
zusammen 7089,76 M. An Unterstützungen wurden ge 
zahlt 706,50 M.,bleiben6383,26 M. Hierzu derUeberschuß 1912 
326,17 M. Gegenwärtiger Bestand der Unterstützungskasse: 
6709,43 M. Namens des Prüfungsausschusses berichtete Herr 
Stoltzenburg sen., der beantragte, dem Kassierer Entlastung 
zu erteilen. Das geschah. In den Prüfungsausschuß 
wurden darauf wiedergewählt die Herren Stoltzenburg 8en., 
Franzclius, Matthies und vom aktiven Korps Herr 
Steinmetz. Zu Vertrauensmännern wählte das aktive Korps 
die Kameraden Koch, Bank und Giese. Nach einer kurzen 
Pause verlas darauf der Vorsitzende ein Dankschreiben des 
Jürgensen-Ausschusses für die Spende der Wehr zu Gunsten der 
Errichtung eines Jürgensen-Grabdenkmals. Herr Oberbrand- 
tneister Stoltzenburg berichtete, daß er bei der Uebergabe 
des Grabsteines zugegen war. Unter Punkt: Anträge, 
wünschte Herr Kitzler die Aufstellung eines Hydranten in 
der Handjerystraße zwischen Kirch- und Schmargendorfer 
Straße, etwa vor dem Hause der Molkerei Wendt. Er 
bemängelte es dann, daß vielfach an den Feiertagen das 
für Montag und Donnerstag festgesetzte Probeklingeln unter 
bleibt. Der Vorsitzende bemerkte, daß ja an diesen Feier 
tagen die Brandwache verstärkt sei. Weiter beantragte Herr 
Kitzler die Beschickung der Deutschen Feuermehr-Ausstellung 
iit Leipzig. Nachdem hierzu der Vorsitzende, der Ober 
brandmeister und die Herren Steinmetz I und II ge- 
sprochen, war die Versammlung mit der Beschickung der 
„Wenn Sie mir zu beichten hatten, Herr Kähne, so 
hab' ich es auch," sagte sie mit lieblichem Lächeln und 
beinahe mädchenhafter Scheu. 
Dann wandte sie sich gegen den Schreibtisch, schloß 
das Fach auf, das unter der Platte die ganze Breite des 
Tisches einnahm, und nahm die grauen Kartons mit 
den Blättern heraus. 
Rolf erschrak. 
Wie kam Frau von Lersch zu den Arbeiten, auf die -r 
all seine Hoffnungen, seine nächste Zukunft gesetzt hatte? 
Hatte Herr von Loewengard sie ihr gegeben, und batten sie 
zusammen gelächelt über seine Vermessenheit? 
Ein bitterer Zug grub sich um seinen Mund. Welch 
eine Narrheit, diese Blätter gerade in die Lerschsche 
Fabrik zu schicken! Dort anzufangen, wenn er hier ein 
Ende machen wollte! Welch eine lächerliche Eitelkeit, zu 
glauben, daß er mit diesen Arbeiten einen Bruchteil seines 
Dankes an Helene würde abtragen können, da er nicht 
einmal wußte, ob sie überhaupt verwertbar, geschweige 
denn nutzbringend sein würden. 
Helene hatte in froher Haft, die Kristallschale mit 
blühenden Bluinen beiseite schiebend, den Karton auf den 
Sofatisch gelegt und die Blätter ausgebreitet. 
„Das Geheimnis Ihrer Anonymität ist bewahrt ge 
blieben, lieber Herr Kähne." 
Sie erzählte kurz den Vorgang. „Da Herr von Loewen 
gard erst dieser Tage zurückgekommen ist, habe ich mir 
Mewes gegenüber die Entscheidung vorbehalten." 
„Wieder Herrin, wieder Brotgcbcrin!" dachte er und 
grub die Zähne in die Unterlippe. 
„Mewes ist begeistert uyü der Direktor nicht weniger " 
fuhr Helene fort, ohne nach Rolf umzusehen, der jetzt hinter 
getreten war und finster aus die Blätter blickte 
Ausstellung durch , zwei Chargierte eiuverstauden. Es,soll 
die Gemeindevertretung um Bereitstellung der Mittel ge 
beten werden. Der Verein tverde dann vielleicht hierfür 
auch noch Mittel gewähren. Herr Kitzler bemerkte, daß 
Herr Schöffe Draeger im Vorjahre den Feucrwehr-Kosigreß 
in Petersburg besucht habe und ob es da nicht möglich märe, daß 
Herr Draeger über seine dortigen Wahrnehmungen der 
Wehr einen Vortrag halte. Herr Oberbrandmeister Stoltzenburg 
erwiderte, er glaube nicht, daß Herr Schöffe Draeger dies 
tun werde, ■ da dieser.Herr auf die Freiwilligen Wehren nicht 
gut zu sprechen sei und der Freiwilligen Wehr sogar die 
Fähigkeit abspreche, eine Motorspritze bedienen zu können. 
Herr Steinmetz jr. fragte an, wie weit die Angelegenheit 
betr. das Feuerwehr-Erholungsheim gediehen sei. Der Bor-, 
sitzende und der Oberbrandmeister erwiderten, daß diese 
Sache ins Wasser gefallen sei.- Es werde abex für den 
Unterverband eine besondere Einrichtung getroffen, um ver 
unglückten Wehrleuten den Besuch von Bädern zu ermög 
lichen. Nachdem noch über die Uniformfrage und die evtl. 
Beschaffung eines Ortsabzeichens gesprochen war, wurde die 
Versammlung um */*11 Uhr geschlossen. . .. 
o Die Gründung einer Ortsgruppe Berlin- 
Friedenau im Deutschen Bund zur Bekämpfung der 
Frauenemanzipation fand am Montag, dem 19. d. M.. 
im, Hohenzollern-Restaurant statt. Es waren etwa >50 
Damen und Herren erschienen, unter diesen bekannte 
Friedenauer Persönlichkeiten, wie Sanitätsrat Dr. Adam, 
Genossenschaftsdirektor Schlieper, Professor Bender, Geheimer 
Regierungsrat Hoffmann u. a. Kartellgeschäftsführer 
Eberhard-Friedenau hielt einen Vortrag über die Ziele 
und Bestrebungen des Deutschen Bundes zur Bekämpfung 
der Fraueucmanzipation. Redner führte aus, daß der Bund 
es sich zum Ziel gesetzt habe, die internationale Frauen 
emanzipation, die lediglich von der Sozialdemokratie rück 
haltlos unterstützt werde, in Wort und Schrift zu bekämpfen. 
Es widerspreche dem männlichen Wesen des machtge- 
bietenden Staates, ferner dem Prinzip der Arbeitsteilung 
und der Geschlechtsdifferenzierung, den Frauen ein kirch 
liches, kommunales und politisches Wahlrecht einzuräumen; 
tveiter sei es unnatürlich und kulturfeindlich, den Frauen 
richterliche Tätigkeiten zu überlassen, denn weder möchte eine 
Frau von einer anderen abgeurteilt werden, noch sei eine 
rein objektive Rechtsprechung gegeben. Unnatürlich sei es 
ferner, daß gebildete Männer gezwungen werden sollen, 
unter der Disziplinargewalt non weiblichen Schuldircktorinnen 
zit stehen; charaktervolle Männer lehnten grundsätzlich eine 
Unterordnung unter eine Frau ab. Die von den Frauen 
rechtlerinnen gewünschte Gemeinschaftserziehung mache sehr 
häufig aus den Mädchen Mannweiber und aus den 
Knaben Weiberknechte. Darum müsse der Deutsche Bund 
alle Unnatitr bekämpfen. Dagegen fördere er die auf 
nationaler Grundlage stehende Frauenbewegung, die zum 
Ziel ihrer -Bestrebungen ein gesundes Familienleben und 
deren Gewährleistung gesetzt habe; die Erwerbstätigkeit der 
Frau dürfe nur als Notstand angesehen, aber nicht als eine 
normale Erscheinung betrachtet werden. Das Fundament 
des Staates sei die Familie und es miißten alle Mittel 
angewandt werden, um die Eheschließungen zu erleichtern. 
— Nach Schluß des Vortrages, der sehr beifällig aufge- 
nomnien wurde, fand die Wahl der Vorstandsmitglieder der 
neuen Ortsgruppe statt, und zwar wurden Kartellgeschäfts 
führer Eberhard zum 1., Geheimrat Hoffmann zum stell 
vertretenden Vorsitzenden gewählt. — Nunmehr hielt Herr 
Dr. v. Gerhardt-Breslatt ein spannendes Referat über das 
Thema: Die Frau in der Familie und im Erwerbsleben. 
Redner wies nach, daß durch, die lohndrückende Tätigkeit 
der Frauen die Eheschließungen immer mehr erschwert 
winden, der Geburtenrückgang müsse weiter zunehmen. Das 
Hinaustreten der Frau in das Erwerbsleben sei vielfach 
nicht durch eine Notlage bedingt, sondern häufig geradezu 
Modesache. Kämen solche -Frauen später zur Ehe, so 
stellten .sie oftmals viel höhere Ansprüche, als hauswirt 
schaftlich erzogene, und erschwerten das Familienleben. — 
Dieser Vortrag wurde häufig durch Beifallskundgebungen 
unterbrochen und brachte der Ortsgruppe eine ganze Anzahl 
neuer Mitglieder. 
o Richard Wagner's hundertjähriger Geburtstag! 
Vor 100 Jahren am 22. Mai 1813 wurde Richard Wagner, 
Deutschlands größter dramatischer Tondichter, in Leipzig 
geboren. Schon in früher Jugend zeigte sich seine Neigung 
zur Poesie und Musik, welche sein Stiefvater, der hoch 
begabte. Schauspieler Ludwig Geyer, zu fördern Wußte... 
„Und ich — ich bin einfach glücklich. Hier ist die Ar 
beit, die Sie suchen und die all das wenige, das Sie 
hier empfangen haben, tausendfach aufwiegt. Mewes 
prophezeit, und er ist kein Schwärmer, sondern ein Mensch 
von großer Sachlichkeit und feinstem Verständnis, den 
Anbruch einer neuen Zeit für unsere Fabrikation, wenn 
diese Blätter als Muster erworben würden. Sie sehen, 
es gibt keinen Grund zum Gehen mehr. Arbeit, Gegen 
leistung ist in Fülle da!" 
Erst jetzt sah sie nach Rolf um, das zarte Gesicht sanft 
gerötet, mit hellen Augen, froh und offen zu ihm hin 
blickend. 
Es durchfuhr ihn jäh. Das war wieder die Frau 
mit den Hyazinthen, die süße Frau aus Nirgendwo, die 
er nicht mehr aus seinem Leben verlieren konnte, wollte 
er nicht ganz elend sein. Und um sie nicht ganz zu ver 
lieren, mußte er gehen, wunschlos und still, gehen auf 
immer, um niemals wiederzukommen. 
Es würgte ihn in der Kehle. Der Atem stockte ihm. 
Er suchte unsicher nach Worten, um das Letzte, Entscheidende 
zu sprechen.. Da stürmte Hans ins Zimmer. 
„Der Schlitten ist fertig," rief er jubelnd, Rolf bei der 
Hand fassend. „Jetzt kaun's losgehen mit dem Rodeln. 
Mürbe ist schon oben auf dem Eutenberg. Aber du mußt 
auch mitkommen, Mutti. Es geht beinah so schön wie in 
St. Moritz. Wir haben schon probiert, Mörbc und ich." 
Und er zog Rolf ungestüm durch das Warmhaus 
ins Freie. 
Helene blieb zurück und schloß in schwerem Sinnen 
die Blätter wieder fort. Rolf war schweigend gegangen, 
ohne Wort und Gruß. In seinen Augen aber hatte es 
von wehem Verzicht gestanden, der ihr durch die Seele schnitt. 
1833, zwanzig Jahre alt, hatte Richard Wagner seine erste 
Oper „Die Feen" vollendet, welche jedoch bisher nicht aus 
geführt wurde. Den ersten Erfolg hatte er mit „Rienzi". 
Dann folgte der Fl. Holländer, 1845 Tannhäuser, 1850 
Lohengrin, 1865 Tristan. 1868 schenkte Wagner dem 
deutschen Volke das dichterische und musikalische Wunder 
werk „Die Meistersinger von Nürnberg". 1876 ivurde durch 
Aufführung des „Der Ring des Nibelmtgeu" das Baireuther 
Festspielhaus eröffnet und sechs Jähre später gelangte zur 
Erstaufführung des Meisters Schwanengesang „Parsifal". 
Ein Jahr später am 13. Februar 1883 . starb Wagner in 
Venedig, welches er zur. Erholung aufgesucht hatte. Sein 
Leichnam wurde nach Bayreuth überführt und dort feierlich 
beigesetzt. Morgen feiert die ganze musikalische Welt die 
100jährige Wiederkehr des Geburtstages des - größteit 
deutschen . Meisters durch Fest-Aufführungen- und Fest- 
vorstellungen; so werden in Berlin die Meistersinger im 
König!. Opernhaus und bei Kroll gegeben. Um den Meister 
zu ehren, hat die Musikalienhandlung pon Schwartz, 
Rheinstraße, ein geschmackvolles Schaufenster-Arrangement 
getroffen, welches einen Ueberblick der Werke Wagners 
bietet, die zum großen Teil in billigen Neuausgaben 
vorliegen. — Richard Wagner zu Ehren sind auch die 
Straßen unseres Wagner-Viertels benannt worden. Während 
den Mittelpnnkt dieses Ortsviertels der Wagner-Platz bildet, 
sind die Straßen nach den Frauengestalten der Werke 
Richard Wagners benannt... ); . . 
o Der Kommunalverem Friedenauer Ortsteil hielt 
gestern Abend im „Burghof" seine Monatsversammlung ab. 
Unter geschäftlichen Mitteilungen gab Herr Rechnungsrat 
Müller eine Antwort der Kgl. Eisenbahndirektion bekamtt, 
daß eine Verlegung des Wannseebahnh ofes Friedenau 
nach der Feldstraße ausgeschlossen ist. Falls die 
Verhandlungen mit den beteiligten Gemeinden zum Ziele 
führen, wird der jetzige Bahnhof nach Westen umgelegt, 
sodaß er dann neben dem bisherigen Zugang von der Bahn 
hofstraße resp. vom Dürcrplatz einen weiteren Zugang von 
der Friedenauer Brücke an der Saarstraße erhält. Nach 
Verlesung des Protokolls wurde der gesamte Vorstand durch 
Zuruf einstimmig wiedergewählt. Hierauf hielt der Leiter 
der Mittelschule Herr Rektor Röunpagel, einen überaus 
interessanten und lehrreichen mit Beifall aufgenommenen 
Vortrag über Ziel, Methode und Berechtigungen der Schöne 
berger Mittelschule. Herr Rechnpngsrat Müller forderte zur 
1 Unterstützung der Jugendbewegungen auf. Herr Lent gab 
schließlich noch ein kurzes Referat.über unser Triukwasscr. 
Am 22. Juni wird der Kommunalverein einen Ausflug 
nach Nicolassee veranstalten, um die Charlottenburger Wasser 
werke am Wannsee zu besichtigest. 
o Ueber Fruchtsaftgewinnung und Selbstherstellung 
von Haushaltskonserven fand gestern Nachmittag im 
Kaiser Wilhelm-Garten, veranstaltet von der Firma Max 
Ungar, Rheinstr. 5, auf Veranlassung der „Rex-Konserven- 
glas-Gesellschaft in Homburg v. d. H." ein Vortrag mit 
praktischen Vorführungen statt. Es hatten sich zahlreiche 
Hausfrauen eingefunden, die mit Interesse den Aus 
führungen des Vortragenden und den Erklärungen bei der 
Vorführung folgten. Es handelt sich hier um Einrichtungen, 
die sowohl von gesundheitlicher wie von wirtschaftlicher Seite 
aus betrachtet, für die Küche von großem Werte sind. Be 
sonders der Dreyer'sche Fruchtsaft-Apparat (Rex) stellt eine 
vollständig neue Erfindung auf dem Gebiete der Saftge- 
winnung dar. Denjenigen Hausfrauen, die dem gestrigen 
Vortrage nicht beiwohnen konnten, werden gern — ohne 
Kaufzwang — nähere Erklärungen im Geschäft- der Firma 
Max Unger (Eisenmaren, Haus- und Küchengeräte), Rhein- 
straße 5, gegeben. Wir empfehlen, die Schaufenster dieser 
Firma zu beachten. 
o Das Konkursverfahren über das Vermögen des 
Kaufmanns Max Sprai, früheren Mitinhabers der Firma 
Sprai & Neumann, in Potsdam, jetzt in Berlin-Friede 
nau, Lauterstr, 14/15, ist nach erfolgter Abhaltung des 
Schlußtermins aufgehoben. , . 
o Von einem Windmühlenslügel schwer verletzt. 
Am Sonntug vormittag erschien auf dem Dahleiner Feld 
wege eine Erzieherin mit 3 Knaben und näherte sich der 
Holländer Mühle an der Berliner Chaussee. Trotzdem das 
Betreten des Grundstücks, verboten ist, verschaffte sich die 
Dame und die 3 Knaben, welche aus Rußland stammen 
und in einem Zehlendorfer Sanatorium untergebracht sind, 
Eintritt, um die Mühle in Augenschein zu nehmen. In 
eines» unbewachten Augenblick lies einer der-Knaben--unter 
Der Fabrikhof sah heute im Licht des hellen Schnees 
nicht ganz so düster aus, als an jenem Oktobermittag, da 
Helene mit Mörbe über ihn hinweggeschritten war. 
Gerade hatte die Glocke Fabrikschluß angekündigt, als 
Loewengard, den Pelz nur leicht über die Schultern ge 
hängt, eilig dem großen gußeisernen Tor zustrebte. Kaum 
daß er den Ausgang erreicht hatte, trat ihm ein Tele 
graphenbote entgegen und händigte ihm ein Telegramm ein. 
„An Herrn von Loewengard persönlich," sagte er und 
bestieg schnell sein Rad wieder. 
Loewengards düsteres und bleiches Gesicht, aus dem 
an diesem Nachmittag jede Spannkraft, jede noch jugend 
liche Elastizität völlig ausgelöscht war, riß, seinen Stock 
unter den Arm klemmend, das Telegramm aufgeregt aus 
einander. Als er gelesen, blitzte es in seinen Augen zornig 
auf. Er knüllte das Papier zusammen und schob cs in 
die Tasche seines Pelzes. „Das soll sie mir büßen, diese 
Nelbe!" knirschte er. 
Was nun, da auch diese letzte Hilfsquelle versagte? 
Da diese alberne Person, an die er so viel Zeit und 
gut gespielte Galanterie gewendet, jetzt da es galt, nicht 
mal imstande war, lumpige Hunderttausend für ihn auf 
zutreiben ! 
Er schritt rascher aus, um aus der Gegend zu kommen, 
ln der er jetzt nach Fabrikschluß jeden Augenblick von 
einem Angestellten überholt werden konnte. Er hatte 
keine Energie mehr, Komödie zu spielen, wenigstens für 
den AuLenblick nickt. _ . 
(Fortsetzung fotzt.I
        
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