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Periodical volume Nr. 114, 18.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

2 Sozialdemokraten gewählt; 7.. Bezirk, t. >i. 2. Abt. vier 
Liberale gewählt, 3. Abt. Stichwahl je eine zwischen Lib.- 
Kons. und Lib.-Soz.; 8. Bezirk, iu allen 3 Abteilungen 
6 Liberale gewählt; 9. Bezirk, 1. Abt. 2 Liberale gewählt, 
2. Abt. 2 Konservative gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.; 
lO. Bezirk, 1. u. 2. Abt. 4 Konservative gewählt, 3. Abt. 
Stichwahl zwischen Kons.-Lib., 11. Bezirk, 1. Abt. zwei 
Liberale gewählt, 2. Abt. 2 Liberale gewählt, 3. Abt. 
Stichwahl Lib.-Soz.; 12. Bezirk, 1. und 2. Abt. 4 Liberale 
gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.; 13,. Bezirk, 1. und 
2. Abt. 4 Liberäle gewählt, 3. Abt. Stichwahl zwischen 
Lib.-Kous.; 14. Bezirk, 1. u. 2. Abt. 4 Liberale gewählt, 
3. Abt. Stichwahl zwischen Lib.-Soz.; 15. Bezirk, 1. und 
2. Abt. 4 Liberale gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.;. 
10. Bezirk, 1 Abt. je 1 Liberaler und Konservativer ge 
wählt, 2. Abteilnng 2 Konservative gewählt, 3. Abteilung 
Stichwahl zwischen Kons.-Lib.; 17. Bezirk 1 und 2. Ab 
teilung 4 Liberale gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.; 
18. Bezirk, 1. u. 2. Abt. 4 Liberale gewählt, 3. Abt. Stich 
wahl Lib.-Soz; 19. Bezirk in allen 3 Abteilungen sechs 
Liberale gewählt; 20. Bezirk in allen 3 Abteilungen sechs 
Liberale gewählt; 21. Bezirk, 1. u. 2. Abt., 4 Liberale 
gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.; 22. Bezirk, 1. und 
2. Abt. 4 Liberale gewählt, 3. Abt. Stichwahl Lib.-Soz.; 
23. Bezirk, 1. u 2. Abt. 4 Liberale gewählt, 3. Abteilung 
2 Sozialdemokraten gewählt. — Durch das indirekte Drei- 
klassen-WahIsysteiu ist den amtlichen Behörden sowohl wie 
auch den einzelnen Parteien eine ungeheure Arbeit aufge 
bürdet. Es wurde denn auch gestern Abend durch Herrn 
Geh. Regierungsrat Bogt in der Versammlung der ver-. 
einigten liberalen Obmänner ausgesprochen, das; die jetzige 
Wahl hoffentlich die letzte nach dem geltenden Wahlrecht 
gewesen sein möge. Die Bezirks- und Abteilungswahl ist 
ja auch das reine Würfelspiel. Um eine Stimme handelt 
es sich vielfach und in der 1. Abteilung des 16. Bezirks hat 
auch tatsächlich das Los über die Wahlmänner , entschieden, 
sodas; dort ein konservativer und ein liberaler Wahlmann als 
gewählt festgestellt wurden. Die Bezirkseinteilung ist voll 
ständig in die Hände des Amtsvorstehers gelegt. Er kann 
da die Häuser beliebig den einzelnen Bezirken zuteilen. 
Daraus ergibt sich schon, wie ungerecht das bestehende 
Wahlrecht ist, dem: ein geschickter Wahlvorsteher kann die 
Bezirke so legen, das; eine ihm nicht genehme Partei nicht 
zur Geltung kommen kann. Das nennt man Wahlgeometrie. 
Ueber die Wahlgeometrie in Friedenau wird uns von einem 
Freunde unseres Blattes folgendes geschrieben: • 
„Dem Herrn Amtsvorsteher steht das Recht der Zuteilung der 
einzelnen Grundstücke zu den verschiedenen Wahlbezirken zu, ivobei 
er natürlich sein strategisches Licht leuchten lassen kann. Im 5. 
und 0. Bezirk ist das unter andern daneben gelungen. Der sechste 
Bezirk war den Sozis in der 3. Abteilnng sicher, deshalb mußten 
die Häuser Nhcinstr. 22-25 (mit ihren vielen kleinen Wohnungen) 
unbedingt beim 6. Bezirk bleiben, denn mehr als 2 Wahlmanner 
konnten' dort von den Sozialdemokraten nicht gewählt werden. 
Durch die Wahlgeometrie sind aber diese Häuser init den vielen 
kleinen Hintermohnungeu zum 5. Bezirk geschlagen rvovden. . 
Dadurch wurde auch dort den Sozialdemokraten beinahe der Sieg 
ermöglicht. Fast iväre dieser Bezirk ihnen unbestritten zugefallen, 
erst bei nochmaliger Nachzählung stellte sich heraus, daß sie niit 
den Liberalen in Stichwahl kommen. Da die konservativen die 
Parole ausgegeben haben, keine andere Partei zu unterstützen, so 
ist auch hier der Sieg der Sozics fast mit Sicherheit vorauszusehen. 
Das hat die Wahlgeometrie zustande gebracht." 
Die Schmierigkeit des bestehenden Wahlrechts ist ferner 
ans der großen Zahl der zersplitterten Stimmen ersichtlich. 
Es wurden wieder vielfach die Landtagskandidatcn anstatt 
der ^ Wahlmänner gewählt. In einem Falle wollte ein 
Wähler den Friedrich-Wilhelm-Platz wählen, er wurde vom 
Wahlvorsteher hinausgeschickt, um sich zunächst über, die 
Kandidaten zu erkundigen, nachdeni er auch ein ziveites 
Mal noch nicht recht klar über die Wahl geworden war, 
er'ch'.en er schließlich ein drittes Mal am Wahltisch und 
wählte die liberalen Wahlmänner. — Die Wahl in unserem 
Wahlkreise Teltow - Beeskow - Wilmersdorf scheint nach 
den bisher vorliegenden Mitteilungen günstig für die ver- 
einigterl Liberalen zu stehen. Sicher ist eine Stichwahl 
zwischen Liberalen und Konservativen. Da nach den bis 
herigen Erfahrungen die Sozialdemokraten in der Stichwahl 
sich der Stimme enthalten werden, so wird es jetzt darauf 
ankommen, ob die Konservativen oder die Vereinigten 
blütter untt'l der Adresse „Hyazinthen, Postamt 10, Berlin" 
ab ersten November postlagernd erbeten. 
Mewes hatte Frau von Lersch an den Tisch in der 
Mitte des Zimmers geführt, der mit Zeichnungen, Mappen 
und Musterproben in Seide, Woll- und Baumwollstoffen 
bedeckt war. 
„Wenn Sie gesehen haben werden, werden Sie mir 
recht geben," sagte er aufgeregt, „daß mit den Talent 
proben dieses jungen, unbekannten Meisters eine neue 
Aera für unsere Produktion anbrechen dürfte. Gottlob! 
Zeit wird es allgemach für uns." 
Mörbe, dem es indiskret erschienen war, bei dieser 
Besichtigung zugegen zu sein, hatte sich stillschweigend 
entfernt. 
Der Direktor, der die Blätter kannte, hatte sich in der 
Hoffnung empfohlen, die gnädige Frau später in scinein 
Zimmer empfangen zu können. 
Helene war allein mit Mewes zurückgeblieben. 
Er schlug zwei große, graue Pappdeckel auseinander 
und wies auf eine Reihe, aufs feinste in Aquarellfarbe 
ausgeführter Blätter, eine bunte Fülle von originellen 
Ornamenten, stilisierten Blumen- und Fruchttompositionen, 
prachtvoll erdachte und verwendete Motive darbietend. 
Ganz obenauf lag eine wunderfeine Komposition für einen 
seidenen Wandbehang, Glyzinien auf weiße:» Grunde, 
gleich darunter ein Blatt in phantastischer Zusammen 
stellung : blaßlila Hyazinthen mit schwarzen, golddurch- 
stickten Florbändern. 
Mewes hatte Helene einen Stuhl an den Tisch ge 
schoben. Er stand hinter ihr, um mit ihr zugleich die 
Blätter nochmals durchzusehen, die ihm so hohen Genuß 
bereiteten. 
So konnte er nichts davon bemerken, daß Frau von 
Lersch gleich beim Anblick der Hyazinthen und Glyzinien 
von tiefer Bewegung ergriffen worden war und die 
Blätter mit bebenden Fingern umspannt hielt, daß ihr 
Auge leuchtete und flammte, bis sich langsam, ganz lang 
sam ein Flor, wie von verhaltenen Tränen, darübcr- 
»uleaen beaann. 
Liberalen eine größere Zahl voioWahlmännem ausbringe». 
Jedenfalls wird es sich bei denr Sieg dieser oder jener 
Partei atm nur wenige Stimmen handeln. — Nach den bis 
heute Mittag vorliegenden Nachrichten wurden in Teltow- 
Beeskow-Storkow-Wilmersdorf gewählt 801 liberale, 307 
konservative, 301 sozialdemokratische Wahlmäimer. 100 Stich 
wahlen sind erforderlich. Aus den ländlichen Bezirken fehlen 
die Wahlergebnisse noch ganz — Im Wahlkreise Schöneberg 
Neukölln (bisher Rcinbacher, Fortschr. Vp.) ist die Wahl des 
Sozialdemokraten Hub gesichert. 
o Zur Huudesperre. Ein ariswättiges Blatt bringt 
die Mitteilung, der „Friedenauer Lokal-Anzeiger" hätte be 
richtet, daß auch für Steglitz die Hundesperre verlängert 
worden sei. Wir haben eine derartige Nachricht nicht ge 
bracht, sondern berichteten nur, daß nach amtlicher Mitteilung 
die Hnndesperre für Friedenau bis zum 30. Juli verlängert 
wurden ist. 
v Der .Krieger- und Landwehr-Verein maschiert 
morgen, den 18. Mai, nach der um 3 Uhr stattfindenden 
Beerdigung des Kameraden Carl Triebsch nach Schmargendorf 
zur Teilnahme am Fest der Fahnenweihe des Krieger-Vereins 
„Germania". Festlokal Schützenhaus, Hundekehlestr. 19. 
o Firmeneintragung. Nr. 41008. Fred „Le Chemissier" 
Frederick Williain Steinhardt, Berlin-Friedenau. Inhaber: 
Frederick William Steinhardt. Kaufmann, Berlin-Friedenau. 
v Die Hohenzollern-Lichtspiele veranstalten ihre Vor 
führungen jetzt bei günstiger Witterung im schönen 
Naturgarten. Bis zum 19. . d. Mts. wird dort das zu 
Herzen gehende Drama „Geschieden vom Glück" gezeigt, 
ferner die reizende Komödie „Piüseinann geht .auf die 
Jagd". „Der Zauberring" ist gleichfalls eine herrliche 
Komödie. Die Naturstudie „Die Donau von Wien bis 
Belgrad" dürfte ebenso interessieren, wie die „Nordischen 
Spiele". Auch die übrigen humoristischen Schlager und die 
Wochenübersicht erwecken den lebhaften Beifall der Zu- 
schmier. Das Theater wird Sonntags um 3 Uhr, wochen 
tags um . 5 Uhr geöffnet. 
v Der Schwindler mit dem Paket treibt wieder einmal 
in den westlichen Vororten sein Unwesen. Der Gauner 
kundschaftet aus, wann die Hauseigentümer ihre Wohnung 
verlassen haben, telephoniert dann iu deren Namen die 
Portiers an und bittet sie, ein Paket, das ihnen durch Boten 
gleich zugehen werde, anzunehmen und den noch dafür zu 
zahlenden Restbetrag auszulegen. Dann übergibt er das 
natürlich wertlose Paket , einem jungen Burschen oder bringt 
es auch selbst zu den Psörtnersleuten und verlangt dafür 
bis zu 50 M., die ihm dann auch bezahlt werden, weil die 
Leute nicht an dem Aufträge ihres Hausbesitzers zweifeln. 
Erst wenn dieser zurückkehrt und der Portier. ihm erklärt, 
daß er auf seinen Wunsch das Geld ausgelegt und das Paket 
in Empfang, genommen habe, wird der Schwindel entdeckt. 
o Unsere Feuerwehr hat bei dem Brande; in 
Tempelhof, über den wir gestern berichteten, ebenfallstat- 
> .krüftige-Löschhilfe,!geleistete ^>Sie.mvau-. als.- zweste>von.-den. 
auswärtigen Wehren an: Brandheerd erschienen und konnte 
mit der Britzer Wehr, die die hier kürzlich vorgeführte 
Motorspritze mitwirken ließ, zur Sicherung der Nachbar 
häuser und schnellen Löschung des Feuers beitragen. — 
Die Hauptversammlung unserer Feuerwehr findet aur 
Dienstag, dem 20. Mai, Abends 8'/, Uhr im Hohen- 
zollern statt. Zahlreicher Besuch der Mitglieder des Feuer 
löschvereins ist erwünscht. . . : 
o Verschwundener Knabe. Aus der Eisenacher Str. 
Nr. 121 in Schöneberg ist seit gestern ein 3 jähriger Knabe, 
der Sohn des Portters des gen. Hauses, verschwunden. Der 
Kleine, ein äußerst intelligenter Knabe, war mit dunklen 
Höschen, blauer Schürze und weißer Leinenkappe bekleidet. 
Vereins-Nackricklen 
Ter „Schutzverband der Schwerhörigen", der den Zusammen 
schluß aller Schwerhörigen ohne Rücksicht auf Stand, Geschlecht 
und Konfession vorsieht, um der vielfachen wirtschaftlichen Be 
nachteiligung im Berufsleben bester entgegen zu wirken, hält am 
22. Mai', Abends 8 Uhr in den Jndustrie-Fesffälen, Beuthstr. 20 
seinen ersten Verbandstag, der erste in Deutschland überhaupt, ab. 
Aus der umfassendest Tagesordnung ist der Vortrag des Herrn 
Proseflors Dr. Brühl, Berlin, über: „Das Wesen der Schwer 
hörigkeit" mit Lichtbildern versehe», hervorzuheben. Zu dein Ber- 
"Als sie völlig stumm blieb, sagte Mewes: 
„Habe ich zuviel gesagt, gnädige Frau?" 
Sie schüttelte den" Kopf, noch immer schweigsam, und 
blätterte fort, bis sie auf einmal fühlte, daß es mit ihrer 
Selbstbeherrschung zu Ende ging. 
Sie stand hastig auf. Schlug die grauen Pappen 
über den Blättern zusainmen und sagte abgewandten 
Kopfes: 
„Sehr schön. Wunderschön. Ich möchte die Blätter 
mit Muße ansehen dürfen. Wollen Sie mir, bitte» Herr 
Mewes, die Mappe zusammenpacken lassen? Mörbe kaun 
sie an den Wagen bringen." 
Mewes war sichtlich enttäuscht. 
Er hatte auf eine, eingehende Rücksprache mit Frau 
von Lersch, von deren feinem Kunstgeschmack er viel gehört 
hatte, gerechnet. Auf ihre strikte Order, die Blätter um 
jeden Preis anzukaufen. 
„Und die Antwort?" fragte er zögernd. 
„Wir sprechen noch darüber," sagte Helene ausweichend, 
indem sie ihre langen Handschuhe aus weichem grauen 
Leder zuknöpfte. 
Mewes verbeugte sich erregt und erzürnt. Wenn Herr 
von Loewengard erst wieder am Ruder saß, wer weiß, 
ob daun der Handel nicht ganz in die Brüche ging. Un 
berechenbar, wie der Mann in seinen Entschlüssen war. 
Da dem Enttäuschten aber weder eine andere Wahl, 
noch aber ein Machtwort blieb, ve«chnürte er selbst still 
schweigend die grauen Kartons und ließ sie durch den 
kleinen Invaliden, der vor der Tür des Zeichensaals ge 
wartet hatte, an den Wagen hinunterbringen, in dem Frau 
von Lersch wartend saß, angelegentlich das Gegenüber 
der lauten Straße musternd. 
19. Kapitel. 
Schon dreimal zwischen Morgen und Mittag hatte 
Edgar bei Loewengard vorgesprochen. Immer hatte man 
ihn abschlägig beschieden. Herr von Loewengard war 
nicht anwesend oder nicht zu sprechen gewesen, wichtiger 
bandstag liegen bereits zahlreiche Anmeldungen, aiusi aus dein 
Auslande vor. 
Am Dienstag tagen: 
Der Plattdüisch Vcreen „Waterkant" für de westlichen Börurle 
von Berlin veranstaltet am Dienstag, denr 20. d. Mts. im Saale 
des Logen-Restaurants Steglitz, Albrechtstr. 112» seinen letzten 
Familienabend vor den diesjährigen Sommerferien. Plattdeutsche 
Landsleute und Freunde der plattdcntscheir Sprache sind will 
kommen. Beginn Abends Uhr. 
Auskunfts- und Fnrsorgestelle (Kaiserallee 60), 
für Tuberkulöse: Acrztliche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12 — 1 Uhr, 
für Altoholkranke: Aerztl.Sprechstunde jeden Freitag von 12 — 1 Uhr. 
Zcköneberg 
— v Sitzung der Stadtverordneten am Montag, dem 10. Mai 
1913, nachmittags 0 Uhr. Tagesordnung. 1. Festsetzung der 
Sommerferien der Stadtverordnetenversammlung. (§ 36 der Ge 
schäftsordnung.) 2. Beschlußfassung über die Vorlage des Ma- 
aistrats betr. Rachbewilliguna von 200 M. zum Schuletat (1 für 
1912. 3. Desgl. von 1000 M. zum Armenetat für 1912. 4. Desgl. 
von 19 038 M. zum Schuletat 6 für 1913. 5. Kenntnisnahme von 
der Vorlage des Magistrats betr/ die Uebersicht über die in der 
8eit vom 1. Oktober 1912 bis 31. März 1913 eingeleiteten Für- 
sorgeerziehungsverfahren. 0. Beschlußtastung über die Vorlage des 
Magistrats betr. Rachbewilligung von 737,54 M. zum Steuerctnt 
für 1912. 7. Desgl. betr. Genehmigung eines Nachtragsvertrnges 
mit der^Eisenbahndirektion Berlin betr. die Miete für das An 
schlußgleis deS Lagerplatzes an der Rubcnsstraße. 8. Wahl zweier 
Ausschüsse a) für die Vorlage des Magistrats betri Neueinrichtung 
und Versetzung von Bedürfnisanstalten, b) für die Vorlage des 
Magistrats berr. Angebot der Separationsintercstenten auf Auf- 
lasstnig von Straßeniandparzellcn in dem Straßenkörper der Hohen- 
staufenstraße usw. Die Namen der zu bl Gewählten werden in der 
Sitzung bekannt gegeben. 9. Beschlußfassung über die Vorlage des 
Magistrats betr. Nachbewilligung von 02,90 M. zum Bauetat Oll 
für 1912. 10. Desgl. von 40.51 M. zum Etat des Unterkunfts 
raumes für 1912. 11. Bericht, des Pctitionsansschnsscs über ver 
schiedene Petitionen. 12. Kenntnisnahme von der Vorlage des 
Magistrats betr. Schaffung befferer Befvrdernngsverhältnisse für 
die Unterbeamten. 13. Beschlußfassung über die Vorlage des Ma- 
gistrats betr. die Annahme von Bergleichsangeboten der Will- 
mnnnschcn Erben und der Erben des Geh. Rechnungsrats Will,. 
Willmann über 2 zur Hauptstraße gezogenen Straßenlandparzellcn. 
14. Bericht des Ausschusses über die Vorlage des Magistrats betr. 
Gründung eines Berlin-Schönebergcr Hypothekenbankvereins zur 
Beschaffung von Nachhypvtheken (Drucks. 18) 15. Beschlußfassung 
über die Vorlage des Magistrats betr. Bewilligung der durch die 
Einführung der neuen Dienstordnung entstehenden Kosten im Be- 
trage von 10000 Al. und Genehmigung des neuen Lohntariss für 
die Gärtner und Handwerker. 10. Desgl. betr. Beschaffung eines 
Spnrautvmaten für die 12./13. Gemeindeschule in der Hohenstanstn- 
straßc. 17. Bericht des Ausschusses für Verlegung der Rechtsaus 
kunftsstelle in das alte Rathaus; 18. Beschlußfassung über die 
Vorlage des Magistrats betr. Rachbewilligung von 290 M. zum 
Wohlfährtsetat für 1913. 19, Desgl. von 98,00 M. zum Schulctnt 
A für 1912. 
—o Das Berlin-Schöneberger Arbeitsamt im April 
1913. Die Vermittlungstätjgkeit im Monat April hat ein 
bestiedigendes Ergebnis gehabt. In der Abteilung für 
Landwirtschaft, Gärtnörei lind' Forstwirtschaft sind 34 (im 
ßPdriahr.1)..Zst.. LM, Md Industrie der 
Maschinen usw. 85 (44), in der Lederindustrie 9 (3), in 
dem Baugewerbe 78 (19) und in dem Bekleidungsgeiverbe 
5 (0) Stellen vermittelt worden. Insgesamt sind 238 
gelernte Arbeiter einschl. Lehrlinge gegen 77 in dem 
gleichen Monate des Vorjahres in Stellung gebracht 
worden. In der Abteilung für weibliche Personen sind 
290 (221) Dienstmädchen und 770 (531) Aufwärterinnen, 
Putz- und Waschfrauen vermittelt worden. An Lehrlingen 
sind 6 (1) in Stellung gebracht worden. Der Gcsamt- 
verkehr stellt sich auf 5655 (4719) eingegangene Gesuche, 
davon 3170 (2017) von Arbeitnehmern und 2485 (2102) 
von Arbeitgebern. Die Gesamtzahl der vermittelten Stellen 
beträgt 2205 (1020). Z. Zt. sind im Arbeitsamte Hand 
werker, Arbeitsburschen, Dienstmädchen usw. in großer Zahl 
gemeldet, sodaß allen Arbeitgebern immer wieder dringend 
geraten werden kann, bei Bedarf von Arbeitskräften irgend 
welcher Art, sich des Berlin-Schöneberger Arbeitsamtes, 
Grunewaldstraße 19, zu bedienen. Das Arbeitsamt sichert 
jedem Auftraggeber die zuverlässigste und protnpteste Be 
dienung zu. Der Fernruf ist Amt Nollendorf Nr. 230 und 231. 
—o Den Entwurf einer neuen Dienstordnung für die 
Arbeiter der Stadt, der von der Deputation zur Regelung 
der -Arbeiterfragen aufgestellt wurde» hat der Magistrat au- 
geschäftlicher Konferenzen halber. Endlich am späten 
Nachmittag war er angenommen worden, mit dem Be 
deuten, Herr von Loewengard würde in etwa zehn Mi 
nuten zu seiner Verfügung sein. 
Edgar war in Zivil gekommen, gänzlich durchnäßt, 
klappernd vor Frost und Erregung. In den Straßen 
peitschte der Novembersturin den Regen nach allen Rich 
tungen der Windrose hi». Ein förmliches Ehaos war aus- 
gebrochen. Es pfiff und sauste in den Telephondrähtcn 
und den Windfängen. Wie Spielzeug trieb der regennasse 
Stunn die Menschen vor sich her. Die Fahnen- und 
Ialousiestangen kreischten mißtöi^g und laut. Putz und 
Schindeln sielen mit lautem Geprassel auf die Straße. Die 
gelben Scheiben der messingnen Barbierbecken rasselten 
klappernd in ihren Haltern und schienen jeden Augenblick 
bereit, auf das Pflaster zu stürzen. 
Als Edgar beim rastlosen Hin- und Herlaufen durch 
das kleine Zimmer, in dein er auf Loewengard wartete, 
an dem Spiegelglas vorüvericiin, blieb er erschreckt stehen. 
Mein Gott, wie sah er aus! Den Hut noch auf dem 
Kopf, von dem der angesammelte Regen unaufhaltsam 
niedertropfte. Der hohe, ^steife Kragen weich und fleckig 
geworden, die Hemdbrust zerknüllt. Darüber hing der 
lange lila Selbstbinder wie eine fahle mißfarbene Strähne 
herab. 
Der junge Offizier hatte, mechanisch zugreifend, heut 
inorgen den leichten Sonimerüberziehcr aus den: Schrank 
genommen, der nun, vom Rege» ganz durchtränkt, große, 
dunkle Flecke zeigte. , 
Er fühlte die Nässe durch den leichten Anzug bis 
auf die Haut dringen. - Erschauernd fuhr er zusammen, 
zog den nassen Ueberrock aus und hing ihn über die 
Stuhllehne.^; Auch den-Hut-legte er eilig ab und fuhr 
nachlässig über das feuchte, eng am Kopf liegende Haar. 
Er dachte bei dem allem nichts als das eine: Wird 
Loewengard- dich retten- können, Möglichkeit und Willen 
haben, dich aus den Händen-des Wucherers zu befreien? 
Weiter dachte er. nicht. Was. dahinter log. uvar das (s!mp;j, 
Gorljrtzung l'V.)
        
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