Path:
Periodical volume Nr. 185, 08.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

4t 832, 34 M., in den Vorjahren 703 144,5.1 M-, seither 
im ganzen 740 976,85 M. Aus Krcismitteln sind gezahlt 
im Vorjahre: 9782,52 M. an Prämien für Umwandlung 
weicher Dachung in harte Dachung, 82,60 M. Beihilfen zu 
den durch Sturm herbeigeführten Dachschäden, 22 660,48 M. 
zur Beschaffung von Feuerlöschgerätschaften und 1386 M, 
Spritzen- und Wasserwagenprämien, zusammen 33 911,60 
Mark; in den Vorjahren wurden für gleiche Zwecke insge 
samt 403 814,61 M. gezahlt, sodass sich die Gesamtsumme 
der bisher gezahlten Prämien usw. auf 437 726,21 M. 
stellt. Friedenau erhielt im Jahre 1912 vom Kreis 
verein 300 M. zur Beschaffung von Feuerlöschgerätschaften 
und 120 M. (60 M. die Gemeinde, 60 M. die Wehr) 
Spritzen- und Wasserwagenprämien. Insgesamt hat Friede 
nau vom Kreisverein bereits erhalten: Zur Beschaffung von 
Fenerlöschgerätschaften die Gemeinde 3100 M., die Wehr 
1500 M., für Spritzen- und Wagenprämien die Gemeinde 
60 M., die Wehr 60 M. Das zinsbar angelegte Vereins- 
vermögen betrug Ende 1912 136 987,65 M. — Vertrauens 
mann des Kreisvereins in Friedenau ist Herr Zeughaupt- 
mann a. D. Bettermann, Stubenrauchstr. 681. 
o Firmeneintragung. Nr. 40 967. Firma: Joh. 
Stoltenberg in Berlin. Inhaber: Johannes Stoltenberg, 
Kaufmann, Berlin-Friedenau. — Nr. 40 908, Offene 
Handelsgesellschaft: Fritz W. Wirth & Co. in Berlin- 
Friedenau. Gesellschafter Fritz Wilhelm Wirth, Tischler 
meister Berlin-Friedenau, und Max Woschke, Kaufm., 
Berlin. Die Gesellschaft hat am 15. April 1912 begonnen. 
Zur Vertretung der Gesellschaft ist nur Tischlermeister Will). 
Wirth ermächtigt. — Nr. 40 973. Franz Dzieyk, Berlin- 
Friedenau. Inhaber Margarete Dzieyk geb. Merkel, 
Kauffrau, Berlin-Friedenau, Werner Dzieyk, geb. am 9. De 
zember 1908, in ungeteilter Erbengemeinschaft. Das unter 
der nicht eingetragenen Firina Franz Dzieyk von dem Kauf 
mann Franz Dzieyk betriebene Geschäft ist durch Erbgang 
auf die Inhaber gelangt. t 
o Zwangsversteigeruttgsergebllisse. Südwestkorso 66 
in Gemarkung Berlin-Friedenau, dem Architekten Franz 
Helding in Berlin-Friedenau gehörig. Flüche 9,79 Ar. 
Nutzungswert 12 000 M. Mit dem Gebot von 171 000 Ni. 
bar blieb der Rentier Hermann Bock in Berlin-Wilmersdorf, 
Bornimer Straße 19, Meistbietender. — Laubacher Str. 5 
in Gemarkung Berlin-Friedenau, dem Kaufmann Erivin 
Boehme in Berlin - Wilmersdorf gehörig. Das Zwangs 
versteigerungsverfahren wurde einstweilen eingestellt. 
o Friedenauer Gesangverein für gemischten Chor. 
Der unter Leitung des Herrn Musikdirektors Heinrich 
Weinreis stehende „Friedenauer Gesangverein für ge 
mischten Chor" hat mit den Vorbereitungen zu seinem 
I. Winter-Konzert, das Anfang November stattfinden sott, 
begonnen. Auf dem Programm befinden sich zwei Kom 
positionen des Dirigenten „Festgesang" und „Der Stapel 
lauf" für gem. Chor, Soli und Klavierbegleitung. Außer 
dem gelangen die „AlMiederländischen Volkslieder" in der 
Kremser'schen Bearbeitung zur Aufführung. Vorträge nahm 
hafter Solisten werden das reichhaltige Programm vervoll 
ständigen. — Gest. Anmeldungen von Damen und Herren 
der j gebildeten Kreise als aktive oder passive Mitglieder 
werden an den Uebungsabenden, die an jedem Montag im 
Restaurant „Hohenzollern", Handjerystr. 04, von 
Uhr abends stattfinden, entgegengenommen. 
o Theater-Verein J'crxes 1873 veranstaltet, wie 
immer, so auch in diesem Jahre am 11. Mai (1. Pfingst- 
feiertag) einen Konzert- und Theaterabend im „Kaiscr- 
Wilheimgarten", Rheinstr. 65. Zur Ausführung gelangt 
diesmal das alte herzige Berliner Volksstück von D. Kalisch: 
„100 000 Taler". Reich an ernsten und heiteren Vor 
gängen schildert es so recht das gemütliche Leben des alten 
Berlins. Der Theateraufführnng geht ein großer Konzert- 
teil voraus. Wir können den Besuch der Veranstaltung 
den Theaterfreunden nur empfohlen. Der großen Nach 
frage wegen sei empfohlen, sich bei Zeiten mit Einlaßkarten 
zu versehen. Der Beginn des Konzerts ist auf 7 Uhr, der 
Vorstellung auf 8 Uhr festgesetzt. Anschließend daran findet 
ein gemütliches Familien-Tanzkränzchen statt. 
o Uuverwirklichte Träume, nennen sich Stimmungs 
bilder aus dem Leben einer Thronerbin, die in 2 Akten in 
dein vornehmsten Lichtspieltheater Friedenaus, in den 
„Hohenzollern-Lichtspielen", heute zum letzten Male vor 
geführt werden. Ebenfalls heute zum letzten Male wird 
gezeigt „Die Advokatin", ergreifendes Liebes- und Lebens 
drama in 2 Akten. Die „Hohenzollern-Lichtspicle" erfreuen 
seine Mutter sehen, das Mädchen wiedersehen, dem er sein 
Herz geschenkt hatte — wie sollte sie das überwinden? 
Sie lag ganz still mit über dem Deckbett gefalteten 
Händen und blickte weit offenen Auges in die Dunkelheit 
um sich her. 
Sie dachte an den Abschied gestern abend in Salzburg, 
der auf beiden Seiten so kühl utib formvoll gewesen war. 
Und Schlimmeres noch als kühle Gleichgültigkeit hatte 
sie in Rolfs ausdrucksvollem Gesicht zu lesen geglaubt: 
Bittere Enttäuschung. Die vorwurfsvolle Frage: Bist du 
überhaupt die, für die ich dich gehalten? Hat dein Bild 
mich genarrt? Haben die Stunden, da wir einander so 
nahe schienen, getrogen ? Waren sie nichts als eitel Schein 
und Lüge? 
Helene schloß die Augen, als könne sie so die Tränen 
zurückhalten, die ihr schwer und langsam über die Wangen 
tropften. 
War sie es gewesen, die den sanften Zauber zerrissen 
hatte, der zwischen ihnen gewoben? War es Rolfs Liebe 
zu dem großen starken Mädchen, zu der Arbeitsfanatikerin, 
die sich zwischen ihn und sie gedrängt und alles Helle, 
Sonnige, Freudige ausgelöscht hatte? 
Sie krampfte die Hände ineinander. Was gab ihr 
Licht, Klarheit in diesem Chaos der Gefühle und Ge 
danken ? 
Sie richtete sich ein wenig auf und drehte die Lampe 
an. Langsam versiegten ihre Tränen. Mit aufgestütztem 
Haupt saß sie und grübelte. 
Als es Morgen geworden, war sie mit ihrem Ent 
schluß zu Ende gekommen. Sie wollte sich selbst Klarheit 
schaffen. Mit offenen Augen wollte sie hineinzuschauen ver 
suchen in die Seele des fremden Mädchens, selbst um den 
Preis, ihr Herzeleid nur bitterer noch zu machen. 
sich nach wie vor der Gunst des vornehmen Friedenauer 
Publikunis. Bei Eintritt mariner Witterung werden dem 
nächst die Vorführungen im Garten stattfinden. Man kann 
dann also in frischer Luft sich an den hübschen Schlagern 
ergötzen. Wochentäglich werden die „Hohenzollern-Licht- 
spiele" Abends 6 Uhr, Sonntag Nachmittags 4 Uhr 
geöffnet. Von morgen ab wird das großartige Pfingst- 
programm mit herrlichen Dramen und vielen komischen 
Schlagern gezeigt. 
o Ungetreuer Bote. Nach Unterschlagung von 279,40 
Mark zum Nachteil der Königlichen Stationskasse des 
Bahnhofs Wilmersdorf-Friedenau ist seit dem 29. April 
der 19 Jahre alte Bote Gustav Güttschow von hier 
geflüchtet. 
o Kellerbrand. Die Schöneberger Feuerwehr wurde 
am Mittwoch Nachmittag gegen Uhr nach der Cranach- 
straße 8 gerufen, wo ein Kellerbrand ausgebrochen war. 
Dichter Qualm erschwerte das Vorgehen der Feuerwehr- 
männer, die den Brand nach 3 /i Stunden ablöschten. 
Vereins-Hachrichten 
Am Sonnabend tagen: 
Verein Südwestafrikanischer Krieger zu Berlin. Nächste 
Sitzung Sonnabend, den 10. Mai, Abends 9 Uhr im Vcreinslvkal 
„Viktoria-Brauerei", Lützowstr. 111-112. 
§ck)öneberg 
—o In das Handelsregister wurde eingetragen Nr. 
40 969. Firma: Fritz Schmidt Sportartikcl in Berlin- 
Schöneberg. Jithaber Fritz Schmidt, Kaufmann, Berlin- 
Schöneberg. — Bei Nr. 8378. (Firma Fritz Probst in 
Berlin): Inhaber jetzt: Martin Katz, Kaufmann, Berlin. 
Der Uebergang der im Betriebe des Geschäfts begründeten 
Forderungen und Verbindlichkeiten auf den Kaufmann 
Mattin Katz ist ausgeschlossen. — Bei Nr. 37 502. (Firma 
Friedr. Wilhelm Schünemann in Berlin - Schöneberg): 
Niederlassung jetzt: Berlin. 
—o Ueber das Vermögen des Baumeisters Moritz 
Hoffmann, Motzstr. 27, ist am 2. Mai 1913, vormittags 
11 1 / 2 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Konkurs- 
verivalter August Better in Berlin W. 30, Haberlandstr. 3, 
ist zum Konkursverwalter ernannt. Ksnkursforderungen sind 
bis zum 30. Mai 1913 bei dem Gericht anzumelden. — 
Ueber das Vermögen des Kaufmanns Paul Werner, Motz 
straße 27 ist am 2. Mai 1913, vormittags 11 1 / 2 Uhr, das 
Konkursverfahren eröffnet. Der Konkursverwalter August 
Belter in Berlin W. 30, Haberlandstr. 3, ist zum Konkurs 
verwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 
30. Mai 1913 bei dem Gericht anzumelden. 
—v Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das Martin 
Lutherstr. 72, belegene, auf den Namen des Kaufmanns 
Franz Franz in Berlin-Schöneberg, Mattin Lutherstr. 72, 
eingetragene Grundstück, an: 10. Juli 10. Juli 1913, vor 
mittags 11 '/z Uhr, versteigert werden. Das Grundstück hat 
einen jährlichen Nutzungswert von 18 500 M. 
—o Zwangsversteigerungsergebnis. Regensburger- 
Straße 5a in Gemarkung Berlin-Schöneberg, dem Fabrikanten 
Eduard Roch in Berlin-Schöneberg gehöttg. Fläche 21,89 Ar. 
Nutzungswert 34 200 Al. Mit dem Gebot von 57 000 M. 
bar blieb der Pttvatier Hermann Freudenthal in Berlin- 
Wilmersdorf, Uhlandstr. 159, Meistbietender. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Sparkasse. Daß Friedenau einmal eine eigene Sparkasse be 
kommt, ist ja nicht mehr ganz unmöglich, denn die Gemeinde 
vertretung hat die Einrichtung derselben für 1915 beschlossen. 
Ter wcitentfcrnte Zeitpunkt ist sicher in Rücksicht auf die Voll 
endung des Gemeindehauses gewählt worden. Weshalb so lange 
warten, bis es bald zu spät ist? Tie Schwierigkeiten der Unter 
bringung dürsten doch wohl namentlich in den ersten Jahren, in 
denen der Verkehr doch noch nicht ein so großer sein kann, wohl 
zu überwinden sein. Auch könnte mair das Zögern verstehen, 
wenn die Sache der Gemeinde Geld kostete. Eine Sparkasse bringt 
doch aber Geld ein, denn sonst würde die Teltower Krcissparkasse 
außer zwei Annahmestellen nicht noch eine Filiale errichten (Filiäl- 
steuer) und 2000 M. Miete zahlen. Ter Umschlag dieser Kasse in 
Friedenau dürfte mindestens 3 Millionen Mark betragen. Rechnet 
mau nur 1 Proz. Nutzen, so macht dies 80 000 Mark aus. Wes 
halb soll sich unser Ort eine so gute Einnahme entgehen lassen, die 
den Steuerzahlern doch zu Gute käme? Ein weiterer Nutzen läge 
darin, daß die Gemeinde, wenn sic Geld borgen muß, nicht erst 
bei anderen anzuklopfen brauchte und daß ein großer Teil des 
Geldes den Friedenauer Grundbesitzern als 1. Hypotheken gegeben 
17. Kapitel. 
Herniann Wahl war zwei Tage vor der beabsichtigten 
Ankunft der Gäste hinausgefahren, um alle die, die es an 
ging, auf den Besuch des großen Mannes vorzubereiten. 
Er durfte in keinem Fall ganz ohne Sang und Klang 
empfangen werden. 
Wahl hatte Lotte von ihren Heften aufgestöbert und 
beriet mit ihr, was man dem Professor bieten könne. 
Er machte in seinem Eifer allerhand, bei der kurzen Zeit, 
die für die Vorbereitungen blieb, gänzlich unausführbare 
Vorschläge. 
Ein Picknick und Feuerwerk im Walde, ein Ständchen 
von den Schulkindern dargebracht, ein Diner oder Souper 
in der „Goldenen Kugel", schien ihm das mindeste, was 
man einem Mann, wie Andreas Reimann, anbieten konnte. 
Die praktische Lotte schüttelte zu allem energisch 
den Kopf. 
„Dazu hätten Sie acht Tage früher kommen müssen, 
Herr Wahl. Im übrigen glaube ich nicht mal, daß Sie 
dem Herrn Professor mit solchem Klimbim eine besondere 
Freude machen. Dazu steht er denn doch wohl zu hoch, 
nach allem, was ich von ihm gehört habe und was Sie 
mir so erzählten — und dann nebenbei," fügte sie mit 
einem kleinen verlegenen Lächeln hinzu, „wer sollte denn 
die ganze Empfangsfeierlichkeit bezahlen? Arme Kirchen 
mäuse, die wir allesamt sind!" 
Hermann Wahl rieb sich nachdenklich den schmalen 
Nasenrücken. Die kluge Lotte hatte gewiß, wie immer, 
recht. Aber was solle man den Damen bieten? 
„Welchen Damen?" fragte Lottchen erstaunt uiu 
scheinbar nicht eben erbaut. 
„Den Töchtern des Herrn Professors, die ihn begleiten 
werden könnte. Auch aus technischen Gründen würde sich die (Zu 
richtung eines derartigen Institutes recht bald empfehlen, -er 
Verkehr würde im Anfang nicht gleich so groß sein, um ein Urteil 
über die nötigen Räume im Rathausncubau fällen zu können. Wenn 
aber die Kasse schon zwei Jahre im Betrieb ist, dann laßen sich 
an Hand der Erfahrung viel sichere Dispositionen treffen. Also 
frisch airs Werk, ehe die anderen Kaffen einen noch größeren Vor 
sprung haben. b. 
verSangerkriegmfrankfurt a.M. 
Von unserem V.-Mitarbeiter. 
Frankfurt a. M., 6. Mai 1913. 
Frankfurt hat ein prächtiges Gewand angelegt. In 
den reichgeschmückten Straßen wogt ein Heer von Sängern 
und Festfreunden. Der Begrüßungsabend, zu dem auch 
der Kaiser erschienen war, hat einen großartigen Verlauf 
genommen. Am heutigen Vormittag begann um 10 Uhr 
mit dem Erscheinen des Kaisers das Wettsingen. Es sangen 
9 Vereine. Den Reigen eröffnete der Gesangverein Eintracht- 
Pirmasens. Ihm wurde die bemerkenswerte Mission zuteil, 
die Uraufführung des Preischors zu veranlassen. Einen 
großen Erfolg hatte der Sängerchor des Offenbacher Turn 
vereins. Sein Auftreten bedeutete den ersten Schlager. 
Auch der Wiesbadener Männergesangverein errang starken 
Beifall durch seine Leistungen. 
Der Kaiser bereitete der Frankfurter Schuljugend dadurch 
eine große Freude, daß er bestimmte, daß während Iler 
Festtage der Unterricht ausfallen soll. Er hatte am Be 
grüßungsabend aus den betrübten Mienen der Pagen er 
fahren müssen, daß sie am folgenden Tage Schule hatten. 
„Das wollen wir ändern", hatte er vergnügt gemeint. 
Heute traf in großem Sonderzuge der Berliner Lehrer 
gesangverein mit 260 Mitgliedern auf dem Ostbahnhofe ein. 
Als der Zug gegen l /* 6 Uhr in die reichgcschmückte Halle 
des neuen Bahnhofes einlief, stimmte die Kapelle der 
Hanauer Ulanen ein Hoch an, welches die freudig wartende 
Menge aufnahm und ausklingen ließ. Nach der Be 
grüßungsrede des Vorsitzenden vom Festkomitee setzte sich 
der Zug in Bewegung; geleitet von der Kapelle zogen die 
Sänger in ihre Quarttere. 
Frankfurt a. M., 7. Mai 1913. 
Vom Nachmittage des ersten Tages (Dienstag) ist 
wenig zu berichten. Es wurden durchweg gute Leistungen 
geboten. Eines ist allen Vereinen gemeinsam: sie steigen 
beim Preischor um J /a bis 14/z Ton. 
Der zweite Tag: Kein Kaiserwetter ist dem heutigen 
Tage beschert. In Sttömen kommt der Regen hernieder 
und tteibt die Säuger in die nächste Elektttsche, die zum 
Festplatz führt. Aber trotz des Regens drängt eine größere 
Menschenmenge zur Festhalle. Es marschieren Vereine von 
bedeutendem Klange auf. Es wurden auch im allgemeinen 
gute chottstische Leistungen geboten. Der Concordia-Esseu, 
die den Reigen eröffnete, ist es zum ersten Male gelungen, 
im Preischor in der richtigen Höhe zu landen. In den 
Leistungen des Dortmunder Mänuergesangvereins hat mau 
sich getäuscht. Eine Glanzleistung bot die Konkordia-Aachen. 
Sie fand ungeteilten Beifall. 
Am Nachmittag war kein Plätzchen zu finden. War 
doch jedermann herbeigeeilt, um den Kölner Männer- 
Gesangverein zu hören. Er sang an zweiter Stelle. Das 
Stimmenmaterial ist glänzend. Jedoch hat die Darbietung 
des Preischores, sowie der Wahlchöre nicht voll und ganz 
befriedigt. Umsomehr ist man daher auf die Leistungen des 
Berliner Lehrergesangvereins gespannt, der Donnerstag Vor 
mittag singt. 
Vermißtes 
*o Bauernregeln vom Mai. Im Mai ein warmer Regen, be 
deutet Früchtescgen. — Maikäferjahr, fruchtbares Jahr. — Kühler 
Mai — ist 'ne alte Regel, bringt viel Arbeit für Keller und Flegel. 
— Wenn die Wachteln fleißig fchlagen, läuten sic von Regentagen. 
— Gibts der Eichenblüte viel, füllt sich auch des Kornes Stiel. — 
Wenn die Kröten fleißig laufen, wollen sie bald Regen saufen. — 
Bienenschwärme im Mai, bringen uns viel Heu. — Kühle und 
Abendtau im Mai, bringen Wein und vieles Heu. — Nasse 
Pfingsten, fette Weihnachten. — Der Mai ist selten so gut, er setzt 
dem Zaunspsahl noch auf einen Hut. — Pancraz und «ervaz, die 
stehlen wie die Spatz. — Zinn 1. Mai muß sich ein Rabe, zu 
Johannis ein Knabe im Korn verstecken können. — Pancratius 
und Servatius sieht kein Gärtner gern, denn es sind zivci sehr 
gestrenge Herren. — Wenn St. Urban kein gut Wetter hält, das 
Weinfaß in die Pfütze fällt. — Mairegen auf die Saaten, dann 
regnet cs Tukatcit. — Viel Gewitter im Mai, schreit der Bauer 
Juchhei! 
werden, Fräulein Eornelie und Frau von Lersch." 
Ein bitterer Zug zog sich um Lottchens frischen, etwas 
zu vollen Mund. 
„Das hätten Sie auch gleich sagen können, Hermanit. 
Wenn die Damen mitkommen, geht mich die ganze Sache 
überhaupt nichts mehr an. Frau voit Lersch zu hofieren, 
ist ja dann Sache der Köhnes. Auf den Umgang mit einer 
so vornehmen, verwöhnten Daine versteh' ich mich nicht." 
Wahl sah das Mädchen erstaunt und gänzlich ver 
ständnislos an. 
„Ja, aber," platzte er ungeschickt heraus. „Fräulein 
Coritelie kommt doch nur Ihretwegen mit, Lottchen, weil 
sie Sie nämlich gern näher kennen lernen möchte, und die 
gnädige Frau — Fräulein Nellie hat mir doch erzählt, 
die gnädige Frau hielte so große Stücke auf Sie — und 
Sie kennen sich lange — und die gnädige Frau hat Ihnen 
die herrlichen Alpenblumen aus Reichenhall geschickt!" 
Lotte, die vom Tisch aufgestanden war, hatte sich 
wieder gesetzt und war sich ärgerlich mit der Hand über 
das heiße Gesicht gefahren. Wie dumm, sich so gehen zu 
lassen! 
In eines der Hefte sehend, das noch aufgeschlagen vor 
ihr lag , fragte sie scheinbar gleichgültig, ob Frau von 
Lersch ihren kleinen Sohn auch mitbringen werde. 
,,I wo denn, Lottchen, der kleine junge Herr ist mit 
Herrn Köhne noch mitten drin in den Bergen, die bleiben 
noch bis tief in den Herbst hinein aus." 
„So, so," meinte Lottchen nachdenklich und drehte an 
den Seiten des Heftes, daß sie große Eselsohren brtamen. 
„Ja also, was fangen wir mit Ihren Gästen an?" 
Wahl sah init strahlenden Blicken au ihr bin. 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.