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Periodical volume Nr. 241, 13.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

größeren Publikum die Gelegenheit zu geben, von geschützter 
Stelle aus den Turnenden zuzuschauen und bei ungünstiger 
Witterung Gelegenheit zum Untertreten zu geben, wird 
empfohlen, vor den von dem Platz aus zugänglichen Um 
kleideräumen eine gnf Holzstielen stehende Untcrständhalle 
anzulegen, endlich einige Turngeräte im Freien an dem 
südlichen Ende des Platzes dort anzubringen, wo die kleinere 
Freifläche an der Ecke der Offenbacher- und Laubacherstraße 
zwischen dem Schulgebäude und letzterer freibleibt, und eine 
letztere Fläche zu einem Kinderspielplatz einzurichten. Die 
Höhe der Kosten wird nach grundsätzlicher Zustimmung der 
Gemeindevertretung zu den Beschlüssen der genannten drei 
Ausschüsse eingehend festgestellt werden. 
o Ein neuer Wagentyp ist jetzt von der Großen 
Berliner Straßenbahngesellschaft in den Verkehr gestellt 
worden. Der neue Motorwagen ist zweiachsig und vorne 
und hinten durch Glqsfenster und Türen vollkonimen ge 
schlossen. Die Türen auf der rechten Seite bleiben während 
der Fahrt geöffnet. Zur schnelleren Abfertigung des Ver 
kehrs ist ein besonderer Eingang und Ausgang geschaffen. 
Der Wagen hat 26 Sitzplätze und 2 Stehplätze im Innern. 
Auf dem Vorderperron ist Raum für 10 Stehplätze, auf dem 
Hinterperron für 8 Stehplätze. Der neue Wagen verkehrt 
vorläufig mif der Linie 69 (Friedenau-Friedrichsfelde). 
o Frida Wohlthat •*•. Die Schwester des Begründers 
der hiesigen Wohlthatffchen Buchhandlung, Fräulein Frida 
Wohlthat, ist in Tanga (Ostafrika), wohin sie ihrem Bruder 
gefolgt war, am 31. März, Abends 9'/^ Uhr, gestorben. 
Ein langes Nervenleiden hatte ihre Gesundheit untergraben. 
Nachdem sie tagelang Todesohnmacht umfangen hatte, starb 
sie im Krankenhause zu Tanga. In. der Usambara-Post 
vom 5. April teilt Herr Wilhelm Wohlthat den Tod seiner 
Schwester mit und ihre ostafrikanischen Freundinnen und 
Freunde widmen ihr in der gleichen Zeitnngs-Nnmmer einen 
Nachruf, in dem es heißt: „Die Verblichene hat sich durch 
ihre Charakterfestigkeit, wie durch ' ihr liebenswürdiges, 
selbstloses Wesen unser treues, dauernd ehrendes Angedenken 
erworben." — Wir besitzen noch einen von Fräulein 
Wohlthat geschriebenen Artikel über „Weihnachten in Ost 
afrika", den wir in nächster Zeit veröffentlichen werden. 
o Die Fürsorge-Bereinigung patriotischer Frauen 
und Männer Friedenaus für hilfsbedürftige Kriegs 
veteranen, unter Leitung des Herrn Generals Imme, be 
absichtigt, wie wir hören, Mitte Juni ein großes Prvme- 
nadeukonzert auf dem Sportplatz am Maybach-Psatz zu ver 
anstalten,, dessen Reinertrag bedürftigen Kriegsveteranen zu 
gute kommen soll. Es sollen, dem Vernehmen nach, dabei 
die hiesigen Kriegsteilnehiner ohne Rücksicht auf die Zu 
gehörigkeit irgend eines Vereins und welcher Religion, Kon 
fession oder Partei sie angehören, bedacht werden. — In 
letzter Zeit hat die Vereinigung wieder einem armen 
Veteranen eine Milchkur verschafft. 
o Die Pfaueniusel, ein beliebtes Ausflugsziel der 
Friedenaüer, wird jetzt verschiedentlich umgestaltet. Auf dem 
nördlichen Teile des idyllischen Eilandes ist in der Nähe 
des sogenannten Jagdschirmes inmitten neuer Anlagen ein 
Aussichtspunkt geschaffen, der einen Blick in nordöstlicher 
Richtung über die Havel bis nach Schwanenwerder er 
möglicht und dem Beschauer eins der herrlichsten 
Panoramen in der Umgebung von Potsdam zeigt. Um 
diesen Aussichtspunkt, den als Hintergrund hohe Laub- und 
Nadelbäüme einfassen, schaffen zu können, mußten eine 
kleine Anhöhe und am benachbarten östlichen Havelufer die 
hohen Nohrbüsche entfernt werden. Eine große, einen 
Halbkreis bildende Ruhebank ladet zum längeren Verweilen 
an diesem Platze ein. In der Umgebung des Aussichts 
punktes sind verschiedene neue Blumenbeete und Nadelholz 
gruppen angelegt worden; an mehreren anderen Stellen ist 
eine Nerrpflanzung des Baumbestandes erfolgt. Das als 
Kavalierwohnung 1824 von Schinkel erbaute Danziger 
Haus, dessen aus dem Jahre 1360 stammende Fassade einst 
ein Danziger Pattizierhails geschmückt hatte, ist erneuert 
und jetzt soweit fertiggestellt, daß es in den nächsten Tagen 
wieder von dem Kaiserlichen Leibarzt Oberstabsarzt 
Dr. Niederer bezogen werden kann. Auch sonst haben die 
gärtnerischen Anlagen der Pfaueninsel vielfach eiye Er 
neuerung erfahren. 
o Der Verein der Gartenfreunde in Berlin-Jrie- 
denan hielt gestern Abend im „Hohenzollern" die Monats- 
vecsammlung ab, die sich, wie alljährlich die Maiver 
sammlung, hauptsächlich mit der Vorgarten- und Balkonpflege 
und -Ausschmückung befaßte. Der Vorsitzende Herr 
Rechnungsrat Richter eröffnete gegen 9 Uhr die stark be 
suchte Versanrmtting mit einer kurzen Begrüßungsansprache, 
in der er die Hofstrung aussprach, daß jeder von. dem Ver 
lauf des Abends befriedigt werden möge. Er brachte dann 
eine Einladung zur Jürgensen-Feicr am Freitag, dem 
9. Mai, Abends 5 l /s Uhr, im Hohenzollern zur Kenntnis. 
Vorher werde auf dem Friedhof der Gedenkstein für den 
vorstorbenen Dichter enthüllt werden. Eduard Jürgcnsen 
war ein eifriges Mitglied des Vereins und so habe der 
Verein auch einen Beitrag für den Gedenkstein geleistet. 
Er (Vorsitzender) werde an der Gedächtnisfeier teilnehmen 
und. würde sich freuen, zahlreiche Mitglieder des Vereins 
der Gartenfreunde dott begrüßen zu können. Er empfehle 
also allen, die Feier zu besuchen. Weiter teilte der Vor 
sitzende nlit, daß der Vorstand beschlossen habe, die im 
grünen Umschlag ausliegeude Zeitschrift, welche in. ihrem 
Inhalt besonders die Schrebergärten berücksichtigt, von Ver- 
einswegen zu bestellen. Darnach besprach er unsere jetzigen 
abnormen Witterungsverhältnisse mit dem krassen Wechsel 
von sommerlicher Hitze zu kühlem Wetter mit Nachtfrösten. 
Gewarnt sei, schon jetzt Blumen in Balkonkästen zu pflanzen, 
che die kalten Tage vorüber sind. Vor Mitte Mai sollen 
empfindliche Pflanzen nicht ins Freie gebracht werden, 
Nachtstöste könnten sonst den ganzen Schmuck zerstören. Der 
Ausschuß für die Balkon- und Vorgartenpräiniierung wurde 
dann in der vorjährigen. Zusammensetzung wiedergewählt 
unter Zuwahl der Herren Heintze und Fallenthal. Hierauf 
hielt Herr Gemcinde-Obcrgärtner Stabe einen längeren 
Vortrag über „Balkon- und Vorgartenpflege usw." An dem 
Verein der Gartenfreunde werde es liegen, so begann der 
Vortragende, zu sorgen, daß unserem Ort der Ruf einer 
Blumenstadt erhalten bleibe. Fn keinem Orte Großberlins 
treffe man eine solche Blumcnfülle an, wie gerade in Frie 
denau. Es sei zu begrüßen, daß jetzt allgemein mehr für 
die Balkonpflege getan wird. Will man einen gut be 
wachsenen Balkon haben, so muß vor allem seine Lage be 
rücksichtigt werden. Am ungünstigsten sind Balköne nach 
Norden oder Süden, am besten solche nach Südost oder 
Südwest und dann Ost oder West. Wo man Schling 
pflanzen im freien Boden einsetzen kann, da empfehlen sich 
Glycine. Pfeiffenkraut, die verschiedenen Weinarten, Reseda- 
meiu, Rankrvse, und die Waldrebenarteii, (Clematis).’ Wo 
kein freier Boden ist, da tritt der Blumentopf oder der 
Balkonkasten an seine Stelle. Holzkästen sind die gebräuch 
lichsten, die sich auch gut bewähren. Zinkkästcn geben wohl 
mehr Raum für die Erde, aber bei starker Sonnenbe 
strahlung leiden hier die Wurzeln. Ebenso wird bei Ton- 
kästen die Erde schnell durch die Wärme ausgetrocknet. Es 
empfehle sich auch, die Abflußlöcher nicht im Boden, sondern 
etwa 2 Zentimeter vom Boden an der Innenseite der 
Balkonkästen anzubringen und Torfmull bis zur Höhe der 
Abstichlöcher zu legen. Dadurch erhalten die Pflanzen ge 
wissermaßen ein Wasserreservoir, andererseits belästige 
man aber auch die Unterbewohncr nicht durch das ab 
fließende Wasser. Für den Anstrich der Kästen wähle man 
nicht die grüne Farbe, sondern halte sich möglichst an die 
Farbe des Hausanstrichs; am empfehlenswertesten ist weiß, 
das auch die Sonnenstrahlen ablenkt. Die Erde in den 
Kasten soll gut und nahrhaft sein, mit Kuhdung verrottet. 
Später, wenn die Erde niit den Wurzeln der Pflanzen durch 
setzt ist, verwende man künstlichen Blumendünger. Warnen 
möchte er vor dem Ankauf der durch Straßenhändler ange 
botenen Erde, die zumeist aus den durch die Schneeab 
lagerungen gewonnenen Straßenkehrricht besteht, dessen 
Schärfe den Pflanzen sehr schädlich ist. Gießen sott man 
Morgens oder Abends, niemals bei brennender Sonne. 
Die abgeblühten Stengel sind sofort zu entfernen; dadurch 
treibt die Pflanze schnell neue Blüten. Als Balkonpflanzen 
empfehle er Pelargonien, Salven, Margariten, Heliotrop, 
Lobelien, für schattige Balköne Fuchsten, Petunien, ferner 
sind Hortensien, kleine Pantoffelblumen und Begonien 
enipfehlenswerte Balkonpflanzen. In der Farbenstellimg 
müsse man guten Geschmack zeigen. Gewöhnlich wähle man 
2, höchstens 3 verschiedene Farben. Doch lasse sich auch 
mit mehreren Farben eine schöne Wirkung erzielen, aller 
dings gehört dazu ein künstlerisches Auge. Im Winter solle 
man den Balkon nicht ungepflegt lassen: kleine Tannen, 
kleine Kiefern, Erika oder Tannenreiser geben einen guten 
Schmuck. Für den Frühjahrsschmuck sind empfehlenswert 
Tulpen u. a. Zwiebelblumen, Goldlack, Stiefmütterchen, 
Vergißmeinnicht usw. Der Vortragende ging dann über zur 
Vvrgartenpflege, wo er sich besonders gegen das unver 
nünftige Verschneiden der Sträucher wandte. Es darf mit 
altes oder Querholz ausgeschnitten werden. Will man zn- 
rückschneiden, so hat dies nach der Blüte zu geschehen. Leb 
hafter Beifall dankte dem» Vortragenden für seine belehrenden 
und anregenden Ausführungen. Herr Rechnungsrat Richter 
wandte sich noch gegen die . Wege in den Vorgärten, für die 
man lieber Rasenflächen schaffen solle. Cobae skandens 
sind am besten in hohen Kästen, die auf dem Boden des 
Balkons stehen, zu pflanzen, damit sie tief Wurzel fassen 
können, dann soll man Cobaen nicht hoch, sondern seit 
wärts ziehen. Zwei Pflanzen beranken den ganzen Balkon. 
Gegen Ungeziefer ist das beste Mittel gute Pflege. An gut 
entwickelte Pflanzen geht Ungeziefer nicht. Es folgte nun 
die Vorführung von Lichtbildern, zunächst einfarbigen ans 
dem Tiergarten, dann solchen in nattirlichen Farben von 
Blumenvasen, von Blumenbeeten und dom Rosarium aus dein 
Tiergarten, Ansichten aus der Gärtnerlehranstalt, aus den 
Gewächshäusern, ferner vom Rüdesheimer und Lauenburger 
Platz, dann Landschaftsbilder ans dein Grunewald, aus der 
Mark und schließlich vom Gardasee und aus den Alpen. 
Es waren prächtige, farbenfreudige Bilder, die der Ober 
buchhalter bei der Reichsbank Herr Rechnnngsrat Dill auf 
genommen hat. Man muß besonders das bei jeder Auf 
nahme hervortretende künstlerische Verständnis anerkennen. 
Herr Rechnnngsrat Dill hat sich mit dein Photographieren 
in natürlichen Farben eine Liebhaberei gewählt, die nicht 
nur ihm Freude bereitet, sondern wodurch er, wie sich 
gestern zeigte, auch einem größeren Kreise Entzücken und 
Genuß bereiten kann. Die Lichtquelle, hätte bei der gestrigen 
Vorführung allerdings stärker sei können, um die.Bilder noch 
klarer erscheinen zu lassen. Doch liegt dies an der 
ungünstigen. elektrischen Anlage im Hohenzollern. Zu jedem 
Bilde, gab Herr Obergärtner Stabe nähere Erläuterungen. 
Ein begeisterter Beifall folgte den herrlichen Vorführungen. 
Den Schluß der Versammlung bildete die .Verlosung 
blühender Topfpflanzen. 
o Die Landtagskandidatnr Tranb. Der Vorsitzende 
des nationalliberalen Ortsvereius für Berlin-Lichterfelde, 
Herr Oberbürgermeister Wippermann, erhielt gestern nach 
stehendes Schreiben von Herrn Geh. Justtzrat Professor 
D. Dr. Kahl: Hochverehrter Herr.Oberbürgermeister! Sie 
waren so freundlich, mich zur nationalliberalen Wühler 
versammlung in Groß-Lichterfelde am 6. d. M. mit dein 
Wunsche einzuladen, daß ich mich dort über meine Stellung 
zur Landtagskandidatur Traub äußern möge. Meine 
ansttengende Tätigkeit in der Strafrechtskommissivn macht 
es mir diesmal unmöglich, mich an Wahlversammlungen zu 
beteiligen. Umsomehr halte ich. es für meine Pflicht, zu 
der von Ihnen berührten Einzelsrage nicht zu schweigen 
und Ihnen anheimzustellen, von meiner Erklärung öffentlich 
Gebrauch zu machen. Ich habe volles Verständnis für die 
Bedenken, die in kirchlich interessierten Kreisen unserer 
Wählerschaft gegen eine Kandidatur Traub entstehen konnten 
und habe sie mir selbst gewissenhaft vorgelegt. Nach ruhiger 
Ueberleguug bin ich aber zu dem Ergebnis gelangt, daß die 
innerkirchlichen Vorgänge, die zu Hem „Fall Traub" geführt 
haben, bei der bevorstehenden politischen Wahl außer 
Betracht bleiben können und müssen. Allgemeines Einver 
ständnis setze ich zunächst in dem Anerkenntnis voraus, daß 
die Dienstentlassung Traubs aus Gründen und unter 
Umständen erfolgt ist, die seine bürgerliche und persönliche 
Ehre absolut unberührt lassen. Jin weiteren bleiben für 
mich zwei Fragen. Erstens Traubs Sonderstellung auf rein 
religiös-dogmatischem Gebiet. Diese scheidet fiir inich ans 
dem Kreis der Erwägungen für eine polltische Wahl von 
vornherein und grundsätzlich aus. Anderenfalls würde ich 
glauben, genau denselben Fehler zu begehen, den die 
nationalliberale Partei mit vollem Recht anderen politischen 
Parteien zum schweren Vorwurf macht, nämlich die Ver 
mischung und Verwischung von Religion und Politik. 
Bleibt zweitens das kirchenpolitische Gebiet. Hier trennt 
mich vieles von Traub, insbesondere seine ablehnende 
Stellung zur Landeskirche. Da nach unserer engen Ver 
bindung von Staat und evangelischer Kirche die Zuständig 
keit der Staatsgesetzgebung und damit muh des Landtags 
weit in das landeskirchliche Gebiet hineinragt, so kann es. 
wie ich mir immer noch nicht verhehle, wohl geschehen, 
daß Traub hier Anschauungen vertreten wird, die den 
meinigen durchaus entgegenstehen. Dieses Einzelgebiet kann 
mich aber nicht pflichtgemäß bestimmen, das zwischen den 
liberalen Parteien geschlossene Wahlbündnis im Stich zu 
lassen, denn ich habe das Vertrauen zu dein Polittker Traub, 
Der lange Mensch wußte vor Verlegenheit nicht ein 
noch aus. 
„Es ist nur, weil — da Sie ja doch längst alles er 
raten haben — Sie sind so klug, gnädiges Fräulein — 
offen gestanden — ich weiß nie recht, wie ich mit Fräulein 
Lottchen dran bin. Einmal ist sie gut und freundlich — 
so wie letztes Mal, als wir zusammen bei dem kleinen 
Steinbruch waren -- und dann wieder ist sie fremd und 
kalt —" 
Er zog sein Taschentuch und mischte sich den perlenden 
Schweiß von der Stirn.' 
»Ich hab' es Ihnen schon einmal angedeutet, gnädiges 
Fräulein. Ich glaube, Lottchen hat einen änderen gern 
— wenn ich, auch ganz und gar nicht weiß, wen." 
„Sie werden sich Das'einbilden,'lieber Herr Wahl." 
Er zuckte mit den schmalen Schultern. 
„Ich weiß nicht — aber wollte Gott, es wäre so. 
Sie ist ein gar zu prächtiges Mädchen!" 
Da Eornelie sah, wie wohl es dem verzagten Menschen 
tat, von seiner Liebe zu reden, fragte sie ihn nach dem und 
jenem und wie lange sie einander schon kennten. 
Wahl strahlte über das ganze Gesicht.' 
„Wir sind ja doch Jugendfreunde, gnädiges Fräulcin. 
Lottchen Heine ist nur ein Jahr jünger als ich." 
Eornölie erinnerte sich jetzt, dies von Berta Maaß ge 
hört zu haben. Aber sie unterbrach ihn nicht. 
„Da draußen, wo wir neulich wären, haben wir 
manchen lieben, langen Sommcrnachinittag zusammen ge 
spielt. Sie war immer ein starkes Kind, und das hat mich 
anfangs sehr geniert und schüchtern gemocht. Aber nach 
urtö nach konnte ich ihr doch manche Gefälligkeit erweisen 
und manche tldijr Dienste tun, so daß sie nicht immer Die 
Ilcbemü'eiVe iuaV. ' ' (Fortsetzung scigl.i 
in einer entfernten Ecke des großen .Zimmers und be 
trachtete eine Anzahl, wie der Löwcnmähnige zu sagen 
pflegte, „erledigte Mineralien", die in einem Schrank 
hinter einer großen Glasscheibe „aufgebahrt" lagen. 
Bei Nellies Eintritt nickte der Professor dem Mädchen 
freundlich zu und sagte: 
„Nimm den Herrn Wahl mit dir hinüber, kleines 
Untier, und laß dir von ihm erzählen, was wir beschlossen 
haben. Ich bin für meine Arbeit auf einen Gedanken 
gekommen, den ich gleich festhalten möchte. Ich benach. 
richtige Sie schon, lieber Wahl, wenn ich Sic noch auf eine 
Stunde brauche." 
Er nickte den beiden noch einmal zu und beugte sich 
dann rasch wieder auf sein Manuskript zurück. 
Im Vorzimmer stand Mörbe, den Hut schon in der- 
Hand. 
Er wolle nun nicht länger stören. Er komme auch 
nur gerade recht zum nächsten Zug. 
Nellie schüttelte dem kleinen Invalide», nachdem sie 
ihn mit Herrn Wahl bekannt gemacht hatte, freundschaftlich 
die Hand: 
„Na, denn auf gutes Wiedersehen, Mörbechen. Und 
den Kopf nicht hängen lassen. Wer zuerst von meiner 
Schwester hört, gibt dem anderen Nachricht. Ist's 
recht so ?" 
Mürbe nickte melancholisch. Sein treusorgendes Herz 
wollte sich so leicht nicht zufriedengeben. — 
»Und nun sagen Sie mal, lieber Herr Wahl, was ist 
denn in Vater gefahren, daß er so gut bei Laune ist? 
Haben Sie Ihre Expedition aufgegeben?" 
Sie hatten sich in das .kühle Eßzimmer gesetzt, 
kbenom wo Eornetje zuvor mit dein.kleinen. Invaliden 
gesesftn hatte. 
„Nein, das doch wohl nicht," sagte Wahl in seiner 
bedächtigen, etwas langsamen Weise, mit der er Dinge 
vorzubringen pflegte, mit denen er innerlich noch Nicht 
fertig war. „Aber," und seine stillen Züge verklärten sich, 
„es ist doch nicht so ganz ausgeschlossen mehr, daß ich hier 
bleibe. Mit Herrn Professor habe ich darüber nicht ge 
sprochen. Dem kann ich denn doch wohl nur ein be 
stimmtes Ja oder Nein sagen." 
„Hoffen wir für alle Teile das erstere," meinte Eornelie. 
„Und was haben Sie ihm heut mitgeteilt? Was ist be 
schlossen worden?" 
Hermann Wahl wurde sehr lebhaft. Er erzählte, daß 
er vor Jahren in unmittelbarer Nähe seiner Heimatstadt, 
wenige Schritte vom Stadtwäldchen, ein paar seltsame 
Steinformationen vorgefunden, die ihm schon damals als 
etwas Besonderes vorgeschwebt hätten. Als ek neulich 
drüben gewesen, sei er mit Herrn Heine und Fräulein Lott- 
chen hinausgegangen — ein feines Rot stieg Dabei in sein 
schmales Gesicht — und wirklich glaube er sich überzeugt 
zll haben. Daß es ffich um eine interessante Fundstelle 
handle. Er habe dem Herrn Professor davon erzählt, und 
es fei beschlossen worden, in den allernächsten Tagen hin 
überzufahren. ' . . .. 
„Das ist ja famos. Endlich einmal was anderes. 
Ich komme natürlich mit." 
„Ich hatte Sie gerade darum bitten wollen, gnädiges 
Fräulein," bemerkte Wahl schüchtern. „Nämlich — es 
würde mir eine große Freude sein — und ich wäre sehr 
dankbar — weint gnädiges Fräulein —" 
„Machen Sie doch nicht soviel Umstände, Herr Wahl. 
Mit Vergnügen bin ich bereit, Fräulein Lottchen näher 
keimen pl lernen. Sie hat mir schon damals im Zoo sehr 
gni gesickien, obwohl siö schlv'Zgsänl genligs lleibejen ist.".
        
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