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Periodical volume Nr. 105, 06.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Vereinen Zum Turnen benutzt wird, außerdem der im Dach 
geschoß der Schule in der Rheiugaustraße befindliche große 
Zcicheusaal an mehreren Tagen in der Woche bis spät 
Abends gebraucht wird. Da ferner besonders im letzten 
Jahr die Brennmaterialienpreise um etwa 22 Proz. gestiegen 
sind, so dürfte die Mehrausgabe gerechtfertigt sein. Die 
Gemeindevertretung wolle beschließen, zu Abteilung XII d 
Nr. 22 werden 658,36 M. nachbewilligt. 
Vorlage betreffend Bewilligung eines Honorars für ein Ncchts- 
gutachtcn. 
Seit Jahren schwebt zwischen der Westlichen Berliner 
Vorortbahn und der Gemeinde ein Streit über die Aus 
legung des Vertrages, betreffend den elektrischen Betrieb in 
der Kaiserallee., Es handelt sich um die nach Maßgabe der 
Bilanzen aufzustellende Berechnung der zu zahlenden 
laufenden Abgabe, die sich nach unserer Ansicht pro Jahr 
bedeutend erhöhen muß. Eine Einigung hat sich nicht er 
zielen lassen, vielmehr scheint ein Schiedsgerichtsverfahren, 
wie es der Vertrag vorschreibt, unabwendbar zu sein. Um 
für die weiteren Verhandlungen eine ausreichende Grund 
lage zu haben, war es erforderlich, das Gutachten einer 
Kapazität auf dem Gebiete des Handelsrechts einzuholen. 
Wir haben uns zu diesem Zwecke an einen bekannten 
Handelsrechtslehrer der König!. Universität Berlin gewandt. 
AlsHonorar hatderselbe 300 M. beansprucht. Da unshierzudie 
Mittel im Voranschlag 1912 fehlen, beantragen wir, be 
schließen zu wollen: Als Honorar für ein Gutachten inderStreit- 
sache mit der Westlichen Berliner Vorortbahn bezüglich der 
Abgabe für die Kaiserallee werden 300 M. aus dem Vor 
anschlag l Nr. 51 für 1912 bewilligt. 
Vorlage betreffend Uebernahme der dauernden Unterhaltung einer 
Grabstätte. 
Bereits am 17. November 1910 hat die Gemeinde 
vertretung einem Abkommen mit den Geschwister 
Retzdorff'schen Erben wegen Uebernahme der Unterhaltung der 
Retzdorff'schen Grabstätte auf dem hiesigen Friedhofe durch 
die Gemeinde gegen eine Einmalige Barentschädigung von 
10 000 M. zugestimmt. Die damaligen Verhandlungen 
sind aber nicht zum Abschluß gelangt. Am 16. April d. I. 
hat nun die Rentiere Frau Anna Retzdorff geb. Blank, 
hier, Albestraße 5 wohnhaft, den Antrag von neuem mit 
der Modifikation gestellt, daß an Stelle der 30 Jahre währenden 
Unterhaltungszeit, die Pflege der Grabstätte während der 
Dauer des Bestehens des Friedhofs als solcher, -mindestens 
aber 30 Jahre lang übernommen wird. Wir haben gegen 
den veränderten Antrag bei der Höhe des angebotenen 
Kapitals keine Bedenken, zumal die Summe von 10 000 Dl. 
auch die Kosten für eine etwaige Neuerwerbung der Grab 
stätte in sich schließt. Die Unterhaltungspflicht soll mit dem 
Tode der Frau Anna Retzdorff geb. Blank und erst nach 
Einzahlung des Geldes beginnen. Wir bitten, beschließe^ 
zu wollen: „Der veränderte Antrag der Frau Anna 
Retzdorff geb. Blank vom 16. April 1913 auf Uebernahme 
der Unterhaltung der Retzdorff'schen Grabstätte gegen Zahlung 
einer Summe von 10 000 M. wird angenommen." 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Stenerliste liegt aus. Vom 5.—19. Mai d. Js. 
liegt im Steuerbüro, Feurigstr. 8, die Liste derjenigen 
Steuerpflichtigen, die für das Steuerjahr 1913 nach einem 
Einkommen von 600—900 M. zur Gemeindesteuer veran 
lagt sind, aus. 
o Für die Landtagswahl am 16. bezw. 21. Mai 
fehlen noch eine größere Anzahl Beisitzer für die einzelnen 
Bezirke. Herren, die zur Uebernahme eines Beisitzeramtes 
für die Landtagswahl bereit sind, werden gebeten, dies 
unserer Gemeindeverwaltung. Zimmer 47, baldigst, möglichst 
bis morgen, mitzuteilen. Eine Postkarte genügt zur An 
meldung. 
o Zum Auswartswohnen der Beamten und Lehrer. 
Der Berliner Magisttat gibt jetzt die folgenden Grundsätze 
bekannt, die für das Auswärtswohnen der städtischen Be 
amten und Lehrer maßgebend sein sollen: 1. Die Erlaubnis 
zum Wohnen außerh'alb Berlins kann den Beamten und 
Lehrern ausnahmsweise aus Gesundheitsrücksichten erteilt 
werden, wenn durch ein kreisärztliches Attest die Not 
wendigkeit für den Antragsteller, seine Frau oder seine 
Kinder nachgewiesen wird. Das kreisärztliche Attest muß 
vom Kreisarzt nach Einsichtnahme in die Personalakten des 
Antragstellers ausgestellt und mit diesen Akten direkt dem 
Magistrat übersandt werden. 2. Unverheirateten, noch nickt 
25 Jahre alten Beamten und Lehrpersonen männlichen und 
weiblichen Geschlechts, die bei ihren außerhalb Berlins 
wohnenden Eltern ihre Wohnung haben, kann das Wohnen 
außerhalb Berlins gestattet werden, sofern den Eltern die 
Verlegung des Wohnsitzes nach Berlin nicht zugemutet 
werden kann. 3. Beamte und Angestellte, die in Anstalten 
außerhalb Berlins beschäftigt sind, dürfen ohne weiteres an 
dem Anstaltsorte oder mit besonderer Erlaubnis in einem 
dem Anstaltsort benachbatten Orte Wohnung nehmen. 
4. Der Magistrat behält sich vor, das Wohnen in Beamten 
wohnhäusern des Beamtenwohnungsvereins, auch wenn diese 
außerhalb Berlins gelegen sind, zu gestatten. 5. Die vor 
stehenden Grundsätze sind — mit Ausschluß der nicht fest 
angestellten Fach- und Fortbildungsschullehrer — auch 
auf diejenigen Personen anzuwenden, die durch Privat 
dienstvertrag für den städtischen Dienst angenommen werden, 
es sei denn, daß es sich um eine nur vorübergehende Be 
schäftigung handelt. 
o Auflösung der Bctriebskrankenkassen. Nach 
Artikel 21 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungs 
ordnung werden die Betriebskrankenkassen Ende dieses 
Jahres von Amtswegen aufgelöst, für die nicht bis zum 
30. Juni bei dem zuständigen Versicherungsamt eine mit 
den Vorschriften der neuen Reichsversicherungsordnung in 
Einklang gebrachte Satzung eingereicht ist. Diese Gesetzes 
vorschrift scheint in den in Betracht kommenden Kreisen 
nicht allgemein bekannt zu sein. Bei Betriebskrankenkassen 
werden die neuen Satzungen von den Betriebsunternehmern 
aufgestellt und eingereicht. Vor der Einreichung sind aber 
Versicherte darüber „anzuhören". 
o Landwehrleute und Reservisten seien anläßlich der l 
bevorstehenden Hebungen daran erinnert, daß sie für die I 
Monate, in denen sie zur Uebung bei der Truppe eingezogen 
sind, keine Steuern zu entrichten haben. Wenn auch nur 
ein einziger Uebungstag auf den Monat entfällt, so bleibt 
doch der ganze Monat steuerfrei. Eine Steuerbefreiung tritt 
jedoch ohne besonderen Antrag nicht ein, weshalb die be 
treffenden Personen nach Ableisttmg ihrer Uebung unter 
Vorlegung des Militärpasses sich bei der Gemeindebehörde 
ihres Wohnsitzes melden und die Freistellung von den Stellern 
beanttagen müssen. 
o Die Indienststellung der neuen Schiffstype der 
Teltower Kreisschiffahrt. Am Himmelfahrtstage wurde 
von. der Teltower Kreisschiffahrt das neue Motorschiff 
„Tempelhof" in den Verkehr eingestellt, das nach lang 
wierigen Versuchen als die beste und passendste Type für 
den Personenverkehr auf den märkischen Wasserstraßen ge 
funden wurde. Ueberall, wo das durch seine freie und 
luftige Bauart auffällige Schiff sichtbar wurde, erregte es 
das Interesse des Publikums, das bereits bei dem regen 
Verkehr am Feiertag das neue Schiff besonders bevorzugte. 
Die „Tempelhof", die bald ihr Schwesterschiff erhalten wird, 
gleicht im Aussehen den Nilschiffen, bei denen ebenfalls auf 
Geräumigkeit und Behaglichkeit das Hauptgewicht gelegt ist. 
Die Type ist das Ergebnis eingehender Uiltersuchungen der 
Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau. Der Kreis 
Teltow bewilligte dazu reichliche Mittel und veranstaltete 
auch ein Preisausschreiben, das jedoch die technischen Fragen 
nicht genügend löste, zumal auf die besonderen Verhältnisse 
der Kanalschiffahrt Rücksicht genommen .werden mußte. 
Schließlich stellte sich heraus, daß den größten Einfluß auf 
die Wellenbildung und die Geschwindigkeit des Schiffes die 
Größe des eingetauchten Hauptspantes ausübt. Der Nieder 
schlag aller Versuche war die positive Feststellung, daß breite, 
prahmartige Schiffe wegen des kleineren Hauptspantes dem 
liefen Schiff mit scharfen Linien vorzuziehen sind, besonders 
in schmalen Fahrtrinnen. Bei der Konstruktion der neuen 
Type galt es daher, 1. auf die Erreichung möglichst großer 
Geschwindigkeit, 2. auf großen Fassungsraum und 3. auf 
möglichst leichtes Gewicht Bedacht zu nehmen. Man 
vereinigte alle diese Bedingungen in der Lösung des 
technischen Problemes, die in denr neuen Motorschiff ver 
körpert ist. Das Schiff ist 30 Meter lang, 6,40 Meter 
breit und entwickelt mit seinen beiden 60 HP Oelmotoren 
16 Kilometer Geschwindigkeit im freien Wasser. Die 
„Tempelhof" hat zwei Schrauben und um bei der flachen 
Bauart die Manövrierfähigkeit zu sichern, ist das Schiff am 
Boden mit x / 2 Dieter hohen Kiel versehen, der das Ab 
treiben verhindert. Der Schiffsrumpf erreicht etwa 4 Meter 
in der Höhe über dem Wasserspiegel. Völlig neu ist die 
Schottmeinteilung der „Tempelhof", deren Rumpf in vier 
Abteilungen zergliedert ist. Das Schiff bleibt völlig 
schwimmfähig, wenn auch ein Schott vollaufen sollte. Die 
Vorzüge der Type bestehen in der leichten und bequemen 
Zugänglichkeit, in der übersichtlichen Position des Führer 
standes und in dem Fortfall jeglicher Rauch- und Gas 
belästigung. Der Maschinenraum ist zwischen Eisenwänden 
eingebaut und vollkommen abgeschlossen. Die Venttlierung 
und der Auspuff erfolgen durch den Schornstein. Ebenso 
geräumig wie der Aufenthalt am Oberdeck ist der Platz im 
Unterdeck, wo man vor der Sonnenhitze geschützt ist und 
von den lauen Wasserlüften umfächelt wird. Das Oberdeck 
ist im wahrsten Wortsinn ein Promenadendeck und infolge 
des musterhaft eingerichteten Büffets ein bevorzugter Platz. 
Es werden alle Erfrischungen und bei Ausflügen auch 
Kaffee verabfolgt. Trinkwasser wird immer an Bord in 
eigenen Tanks gehalten und auch sonst ist in jeder Weise 
für Hygiene gesorgt. Die Toiletten haben Wasserspül 
einrichtung und Waschservice. Bei Abendfahrten kann die 
„Tempelhof' elektrisch illuminiert werden. Die Licht 
installation wird von einer Dynamomaschine gespeist, die im 
Motoreuraunl montiert ist. Wie der erste Fahrttag bewies, 
wird sich die neue Type der Teltower Kreisschiffahrt im 
Fluge die Sympathien der Ausflügler erringen. Das 
Schiff wird sowohl zu den fahrplanmäßigen Fahrten als 
auch für Gesellschaftsfahrten verwendet. 
o Der Familientag derer von Versen fand am 
4. Mai im Hotel zum Reichstag in Berlin statt. Nach 
einer vorausgegangenen Konferenz vereinigten sich die 
Familienmitglieder bei einem Festmahl in den Räumen des 
Hotels. Ein Mitglied der Familie v. Versen, Herr Oberst 
leutnant a. D. A. v. Versen, ist schon viele Jahre Frie- 
nauer Einwohner. Er besaß früher die Villa Handjery-, 
Ecke Niedsttaße und wohnt jetzt Ringstr. 5. Herr Oberst 
leutnant v. Versenswar lange Jahre Vorsitzender der von den 
Eltern der Schüler des Helinholtz-Realgymnasiums gebildeten 
Vereinigung und gehört seit vielen Jahren dem Vorstande 
des Friedenauer Parochialvereins an. Er ist der Schwieger 
vater des früher in Friedenau, jetzt in Grunewald amtieren- 
den Herrn Pfarrers Priebe. 
o Jürgensen-Feier. Am Freitag, dem 9. d. M., 
Nachmittags 5>/g Uhr, findet im „Hohenzollern" (oberer 
Saal), Handjerystr. 64, eine zwanglose, schlichte Gedächtnis 
feier zu Ehren unseres langjährigen treuen Mitbürgers 
Eduard Jürgensen statt, nachdem vorher auf dem Fried 
hof der Gedenkstein, den -Freunde seinem Gedächtnis 
gewidmet, der Witwe übergeben wurde. Alle deutschen 
Männer, die sich der warmherzig-fröhlichen Persönlichkeit 
des wackeren plattdeutschen Poeten noch gern erinnern, sind 
zu dieser Zusammenkunft herzlich eingeladen. 
o Ein großes Sanatorium für Magen- und Darm- 
kranke soll, wie der „Conf." mitteilt, von den Berliner 
Spezialärzten Prof. Dr. Rosenheim und Dr. Rob. Flatow 
in Dahlem eröffnet werden. Die Herren haben im schönsten 
Teil von Dahlem von Herrn Rittmeister a. D. G. Simundt 
einen umfangreichen Komplex erworben, um dort ein mit 
den inodernsten technischen und hygienischen Neuerungen 
versehenes Sanatorium einzurichten. Die Verhandlungen 
über die Grundstücksverwertung haben ein Jahr gedauert, 
da zuerst die Domänenverwaltung wegen der Konzessions 
erteilung Schwierigkeiten machte. 
o Fürsorge-Vereinigung für hilfsbedürftige Kriegs 
veteranen. Der Kriegsinvalide Hennig ist von seiner Kur, 
die ihm durch Befürwortung ftek Fürsorge-Vereinigung in 
Wiesbaden gewährt wurde, hierher zurückgekehrt. Die Kur 
hatte den Erfolg, daß der alte Herr jetzt wieder gehen kann. 
Der Stabsarzt in Wiesbaden sagte ihm, daß er schon 
einige Jahre früher hätte kommen sollen, da wäre es mög 
lich gewesen, auch der Verknorpelung des Armes vorzu 
beugen. Der Arzt verspricht sich aber einen noch größeren 
Erfolg, wenn Hennig im nächsten Jahre wiederkommen 
würde. — Man sieht aus dieser» Bericht wieder die segens 
reiche Tätigkeit der Vereinigung/ Möge sie noch recht viele 
Mitglieder finden. Der monatliche Beitrag bettägt nur 
10 Pfennig. 
o Durch Kreuz zur Krone, glückliche und tragische 
Stunden aus dem Leben einer Gräfin kommen von heute ab im 
Biofontheater in der Rheinstr. 14 zur Vorführung. Es ist 
ein prachtvoll kolorierter Film höchst interessanten Inhalts. 
Die Vorgänge sind einer wirklich stattgehabten Begebenheit 
nachgebildet und sehr geschickt dargestellt. Der Gott des 
Goldes heißt der zweite Schlager, Es ist ein Lebensbild, 
packend und realistisch dargestellt. Das Schicksal eines nur 
nach Reichtum strebenden Mannes entrollt sich vor unseren 
Augen. Saigon ist eine hübsche sllaturaufnahme und 
Wochenrevue von Gaumont wie das Tonbild sind wieder 
sehr abwechslungsreich. Zum. Lachen reizen die beiden 
humoristischen Bilder: Nunne kauft sich ein Los und Augustin 
sucht Piefkes Erbschaft. Die Hauskapelle illustriert sämt 
liche Bilder in künstlerischer Weise musikalisch und die leib 
lichen Genüsse des Büffets sind recht empfehlenswert. 
Anfang 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. 
o Gerückt! Wie oftmals sind schon Hauswirte um ihr 
Anspruchsrecht auf die eingebrachten Möbel', eines sich 
später als zahlungsunfähig erweisenden Mieters gebracht 
worden dadurch, daß dieser Mieter plötzlich bei Nacht und 
Nebel „gerückt" ist. So erging es erst kürzlich wieder dem 
Besitzer des Hauses Handjerystr. 24. Sein Mieter, der 
Kaufmann S., ließ Nachts sein ganzes Mobiliar aus 
dem Hause schaffen. Um in dieser Tätigkeit nicht gestört 
zu werden, hatte S. die Türen zur Wohnung des Haus 
warts vorher mit Riemen und Stricken derartig verschlossen, 
daß es dem Hüter des Hauses nicht möglich war, seine 
Wohnung zu verlassen. Während der Mieter „rückte", 
schaute auf der anderen Seite der Straße ein Polizei 
beamter ruhig dem „Abzüge" zu, da er nattirlich keinen 
Anlaß zum Einschreiten fand, 
o Tot im Bette aufgefunden. Wie uns mitgeteilt 
wird, ist der Tod der Frau des Schuhmachers P. in 
der Blankenbergstr. 5, worüber wir gestern berichteten, nicht, 
wie zuerst angenommen wurde, die Folge einer Vergiftung. 
Die jetzt abgeschlossene ärztliche Untersuchung hat vielmehr 
Herzschlag als Todesursache festgestellt. 
Vereins-Nackrickten 
Heute Dienstag tagen: 
Verein der Gartenfreunde, Abends 8 1 /, Uhr im oberen Saale 
des „Hohenzollern" Monnlsversqmniluiig. Vortrag des Herrn Gc- 
meindeobergärtncrs Stabe über: Balkon- und Vorqartcnpfleqe und 
Ausschmückung. 
Morgen Mittwoch tagen: 
Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig. Im Kreis 
verein Steglitz, „Steglitzer Hof", Berlinickestr. 15, spricht am 
Mittwoch, Abends 9 Uhr, Dr. Liebknecht von der Deutschen Ge 
sellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten über Prostitution. 
Der Zutritt ist nur Herren gestattet. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen rost keine Verantwortung.) 
Geehrte Redaktion! Sie wollen die Güte haben und nach 
stehende Zeilen unter Zuschriften in Ihrem mir wertem Blatte ver 
öffentlichen. Zustände, welche' Friedenau in einem recht herab 
würdigende Zustand versetzen, herrschen seit längerer Zeit in der 
Schmargendorferstr. 33 vor einem Rfftanrationsgrundstück. Warunr 
der Gastwirt sich diese Zustände gefallen läßt, kann und will ich 
nicht prüfen, daß die Polizei aber die Sache noch nicht erblickt hat, 
muß ich bewundern. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Abhilfe mit 
bei. Achtungsvoll Wilhelm Manngold. 
Zum stattgehabten Jahreswechsel habe ich mit meinem Jünger 
Aesculaps in der Person eines bekannten hiesigen Arztes gewechselt. 
Zu Ansang April erhielt ich von diesem eine Quartals-Liquidation 
mit dem Anheimstellen auf Wunsch auch erst pro Jahr das Honorar 
zn berichtigen. Tie Höhe der Liquidation setzte mich jedoch einiger 
maßen in Erstaunen, denn sie betrug fast das Doppelle des Satzes 
den ich bisher seit 50 Jahren bezahlt hatte. Die Differenz beruhte 
darauf, daß nicht der jeweilige Besuch pro Familie — meine 
Familie besteht aus 2 Köpfen — sondern pro Kopf der Familie in 
Rechnung gestellt war. Eine Untersuchung an mir selbst hat' nur 
eiumal, und nicht einmal eingehend, stattgefunden. Sie würden 
mich verbinden, wenn Sie mir mitteilen möchten, ob der in An 
wendung gebrachte Modus der Berechnung auf allgemeinen Ge 
brauch beruht oder nicht. ' R. s. 
(Anmerk, der Schrift!.: Die Honorierung des Hausarztes erfolgt 
«ach den mit ihm getroffenen vertraglichen Vereinbarungen. Be 
stehen solche Vereinbarungen nicht, -so ist es dem Arzt überlaffen, 
dre Hohe des Honorars festzusetzen. Irgend welche bestimmten 
Satze über die Honorierung des Hausarztes gibt es nicht.) 
Vermischtem 
*o Bernhard Afinaer. Vor 100 Jahren, am 6. Mai 1813, 
wurde der Bildhauer Bernhard Asittger zu Nürnberg geboren. Er 
besuchte die dortige Kunstschule und trat 1840 in Rauchs Atelier 
m Berlin. Seine ersten Werke, ein kolossaler Chrisws in Halb- 
rettef für die neue Kirche in Dinkelsbühl, eine Maria mit dem- 
Kinde, lehnten sich noch an die'altdeutsche Weise an. Neueren An- 
forderungen wurde er gerecht in der Stawctte der Schauspielerin 
Rachel, in den Porträtmedaillons von Humboldt. Rauch, Cornelius 
und Kaulbach, sowie in dem Denkmal für die 4. Säkularfeier 1856 
der Universität Greifswald. Für die Königsberger Universität 
arbeitete er die Statuen der Wiffenschaften. Ferner schuf er 1865 die 
Statue Arendts zu Bonn und ein Grabmal für den Jnvaliden- 
kirchhof in Berlin, ebenso die schönen Brunnen auf dem Kirchhof 
zu Bonn. Erst 1873 besuchte er Italien. 1874 wurde er zum Mit 
glied der Akademie der Künste sowie zum Professor ernannt und 
starb 1882- in Berlin. 
*o Ein Haus in 25 Postpaketen. Die Amerikaner haben es 
fertig bekommen, ein ganzes Haus, per Post zu versenden. Es 
handelt sich um ein Ausstellungshaus, das für die Ausstellung im 
Kolosseum in Chicago bestimmt ist. Das große Hans war in 25 
Postpaketen verpackt. 
Wetterausstchten. 
Mittwoch: Kühl und zeitkveise heiter, aber veränderlich 
bei frischen östlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. 
Verantwortlicher Schriftleiter: HermannMartiniuss, Friedenau
        
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