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Periodical volume Nr. 103, 04.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

langem bei der Königlichen Staatsregicrnng schwebten, seien 
noch nicht zum Abschluß gediehen; sobald dies aber geschehen 
und es möglich sei, mit einem bestimmten Vorschlage an 
das Abgeordnetenhaus heranzutreten, werde die Staats 
regierung dies tun. 
Was im einzelnen darüber gesprochen worden sei, das 
zu wiederholen wiirde zu weitläufig sein und auch insofern 
nicht interessieren, als die Kreditnot des städtischen Grund 
besitzes allgemein anerkannt sei; bezüglich des ländlichen 
Grundbesitzes sei dies nicht der Fall gewesen, sondern man 
habe gemeint, daß für den Kredit bei ländlichen Grund 
stücken durch die bestehenden Landschaften und sonstigen 
Kreditinstitute ausreichend gesorgt sei. Der Abgeordnete 
Dr. Criiger (Hagen) habe darauf hingewiesen, daß man 
die Kreditfrage für Betriebskredite und diejenige für Hypo 
theken nicht verwechseln möge; durch die 17 000 Institute, 
Darlehens- und Sparkassen, sei ausreichend für Betriebs 
kredite für Stadt und Land in jeder Beziehung gesorgt. 
Das sei wohl auch anzunehmen, denn das Darlehnskassen 
wesen habe eine sehr weite Ausdehnung gewonnen. Der 
Antrag Dr. Arendt (Mansfeld) und Genossen sei vom Plenum 
angenommen worden. 
Zu den einzelnen in den Petitionen erhobenen Forde 
rungen übergehend, bemerkt der Berichterstatter: 
In der Petition des Bundes der Haus- und Grund 
besitzervereine Groß-Berlin werde erstens Gewährung des 
Bcitrittszwangcs für die Hypothekengenosscnschaftcn und 
Hypothekenämtcr des städtischen Nealkredits gefordert. Diese 
weittragende Frage werde durchaus nicht leicht zn entscheiden 
sein, sie gehöre zu denjenigen Fragen, von denen der Land- 
wirlschaftsminister gesagt habe, es sei schwer, ein Gesetz über 
öffentlich-rechtliche Kreditinstitute für den städtischen Real- 
kredit zu schaffen. Er, der Berichterstatter, sei der Meinung, 
daß hier höchstens Ueberweisung als Material am Platze 
wäre. Die zweite Forderung eines weiteren Ausbaus 
provinzieller Pfandbriefämter könne man vielleicht befür 
worten; seines Wissens beständen bislang 4 solcher Institute, 
nämlich in Breslau, Posen, Stettin und Königsberg. Im 
Plenum habe Abg. Dr. Wendlandt ganz speziell auf die 
Petition des Haus- und Grundbesitzervereins in Friedenau 
hingewiesen, die ja eine allgemeine Erweiterung der 
städtischen Pfandbriefämter, insbesondere aber die Aus 
dehnung des Rechts zur Errichtung von Hypothekenämtcrn 
auf geeignete ländliche Gemeinden wünsche. Die ländliche 
Gemeinde Friedenau habe augenscheinlich Zweifel gehabt, 
ob die Errichtung eines Pfandbriefamtes in Friedenau 
gesetzlich möglich sei. Alan werde wohl aber mit Sicherheit 
sagen können, daß solche Pfandbriefämter überall auf 
gemeinnütziger Grundlage in genossenschaftlicher Weise er 
richtet werden können, wenn die sich freiwillig Zusammen 
schließenden sich als Verein nach § 22 des Bürgerlichen 
Gesetzbuchs konstituieren und ihnen von der Regierung die 
Rechtsfähigkeit verliehen wird. Die Möglichkeit der Er 
richtung solcher Pfandbriefämter wäre also wohl vorhanden, 
ohne daß irgendein Schritt der Gesetzgebung zn erfolgen 
brauchte. Bezüglich, deh dritten Punktes, Verleihung des 
Rechtes auf Pfnndbricsausgabe auch für sogenannte zweit- 
stellige Hypotheken an Hausbesitzergenossenschaften und 
kommunale svivie provinzielle Pfandbriefämter, möchte er 
bemerken, daß hinsichtlich der sogen, zweitstelligen Hypotheken 
eine gewisse Unklarheit herrsche, insofern man nicht wisse, 
zum mindesten Streit darüber bestehen könne, ivas eine 
zweite Hypothek und was eine Rachhypothek sei. Nach 
Ansicht des Abg. Dr. Arendt (Mansfeld) falle die zweite 
Hypothek oft in den Umfang der ersten hinein, und anderer 
seits sei eine erste Hypothek oft so hoch, daß sie weit über 
das Maß der gewöhnlichen ersten Hypothek hinausgehe. 
Im allgemeinen sei unter zweiter oder Rachhypothek wohl 
eine solche über die mündelsichere Grenze hinaus bis zur 
Höhe von 70 oder 80 Proz. der Tare zu verstehen. Die 
bestehenden Pfandbriefämter hatten nun allerdings nicht das 
Recht, über die nründclsichere Grenze hinauszugehen. Diesen 
Wunsch habe die Petition. Man habe ja mit städtischer 
Beihilfe i» manchen Städten schon Einrichtungen zur Ge 
währung ziveiter Hypotheken getroffen, indem die Stadt 
selbst Hypvthekenäinter einrichtete und Beleihungen bis zu 
70 und 76 Proz. gewährt. Dieser Punkt bedürfe, wenn er 
eine gesetzliche Grundlage erhalten solle, sehr eingehender 
Erwägung, und die Kommission könne daher wohl nur den 
Antrag auf Materialüberweisung stellen. Punkt 4 Erhöhung 
der mündelsicheren Beleihungsgrenze. Dieser Gegenstand 
sei bereits früher in der Kommission verhandelt worden, 
und cs liege darüber der 20. Petitionsbcricht, Drucksache 
Nr. 896, Session 1912/13 vor, in dem über eine Petition 
berichtet werde, eine Gleichstellung der städtischen Beleihungs 
grenze mit der Beleihungsgrenze für ländlichen Besitz ein 
treten zn lassen, was die Wirkung haben würde, daß auch 
der städtische Besitz bis zu 2 / 3 statt bisher nur zu V 2 des 
Wertes solle belastet werden können. Die Gemeinde- 
kommission habe am 3. Mai 1012 beschlossen, über die 
betr. Petition zur Tagesordnung überzugehen, und diesen 
Beschluß werde auch gegenwärtig wieder die Kommission 
bezüglich der Forderung zu Punkt 4 fassen müssen. Bei 
der Verhandlung im Plenum habe sowohl der Vertreter 
der Königlichen Staatsregierung als mich die anderen 
Redner nicht das geringste Entgegenkommen bezüglich dieses 
Punktes gezeigt, wohl mit vollem Recht, denn die Hypothek 
ans städtischem Hausbesitz sei leichter einer Gefahr aus 
gesetzt, wenn man in der Beleihung über die Hälfte des 
Wertes hinausgehen würde als die Hypothek auf länd 
lichem Grundbesitz. Die Einführung kommunaler Tax- 
ämter (Punkt 5) habe der Landmirtschastsminister zugesagt. 
Die Einrichtung sei so gedacht, daß Interessenten und 
ortskundige Personen zu einer Mitbeteiligung heran 
gezogen würden, weil sie am besten in der Lage seien, die 
Taren auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Diesen Punkt werde 
man also der Königlichen Staatsregierung als Material 
für das bevorstehende Gesetz über die Tarämtcr überweisen 
können. 
Ob die Königliche Staatsrcgicrung geneigt sein noerde, 
der weiteren Anregung des Bundes der Haus- und Grund 
besitzervereine Groß-Berlins zur Bildung von Hausbesitzer- 
kammern zu folgen, sei sehr fraglich. Diese Sache sei zu 
wenig vorbereitet, um dazu Stellung nehmen zu können, 
und er schlage daher vor, den Punkt 5 ebenfalls der 
Königlichen Staatsregicrnng nur als Material zu überweisen. 
Insoweit die Petition des Hans- und Grundbesitzer- 
vereins Friedenau sich hinsichtlich der allgemeinen Er 
weiterung der städtischen Pfandbriefäintcr mit derjenigen des 
Bundes der Haus- und Grundbesitzeroereine Groß-Berlins 
decke, werde sie der Königlichen Staatsregierung als Material 
zu überweisen feilt. Was ferner die Forderung der 
Ausdehnung des Rechts der Errichtung von Hypotheken 
ämtern auf geeignete ländliche Gemeinden betreffe, so 
sei er zwar der Meinung, daß es nicht notwendig sei. 
in dieser Beziehung ein neues Gesetz zu schaffen, indessen 
könnte man auch diesen Wunsch der Petenten der König 
lichen Staatsregierung als Material überweisen. 
Vorbehaltlich der Ergebnisse der Verhandlungen und 
der Aeußerungen 'der Königlichen Staatsregierung schlage er 
also vor, die beiden Petitionen, mit Ausnahme des Punktes 
4 der Petition des Bundes der Haus- und Grnndbesitzer- 
Groß-Berlins, für welchen er Ueüergang zur Tagesordnung 
begnlrage, unter Bezugnahme auf die Biatyrie...d>;s.Real 
kredits gepflogenen ausführlichen Verhandlungen im Plenum 
und besonders auch die Erklärung des Lnndwirtschasts- 
ministers der Königlichen Staatsregierung als Material zu 
überweisen. (Schluß folgt.) 
£okales 
(Nachdruck unserer o-Origi»alartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Die nächste Gemeindcvcrtretcrsitzung findet am 
Donnerstag, dem 8. Mai, Abends 7 Uhr im Sitzungssaale 
des Reformrealgymnasimns (Homuthstraße) statt. Die Tages 
ordnung finden unsere Leser iin Anzeigenteil dieser Nummer. 
o Tie Frage des Zusammenschlusses der drei west 
lichen Städte Charlvttenburg, Schöneberg und Wilmersdorf 
wird wiederum ernstlich erwogen. Wie wir erfahre», soll 
kürzlich ans Anregung des Oberbürgermeisters Dominicns 
eine Zusammenkunft der Vertreter der drei Vororte statt 
gefunden haben. Bei dieser Zusammenkunft hat man die 
Grundlage zu finden versucht, ob die Frage des Zusammen 
schlusses möglich und angängig ist. 
o Linie 51,. .Kaiserplatz—Stettiner Bahnhof— 
Pankow. Die Linie 61 wird vom 5. Mai ab im 15 
Aber wie eine schöne, begehrenswerte Frau, begehrens 
werter denn je. 
„Sie werden mit Recht erstaunt sein, mich hier zn 
sehen, liebe, gnädige Frau," sagte Loewengard, sich ihr 
gegenübersitzend. Helene hielt das schöne blasse Gesicht 
der offenen Verandatür zugewandt, so daß Loewengard, 
der sich absichtlich mit dem Rücken gegen das Licht gesetzt 
hatte, jede Bewegung, jeden Ausdruck ihres Gesichts be 
obachten konnte. 
„Ich habe in München und Wien zu tun — es gilu 
viel für den Winter vorzubereiten — und Sie wissen, es ist 
mein höchster Ehrgeiz, das Vertrauen meines alten Bogis- 
law zu rechtfertigen, selbst die Augen überall zu haben " 
Er wartete auf ein anerkennendes Wort, das nicht kam. 
„Und da dachte ich, ich könne Sie besser um eine 
Stunde Gehör bitten, als Sie mit komplizierte» Korre 
spondenzen langweilen." 
Helene bewegte zustimmend den Kopf und sagte ein 
paar gleichgültige Worte. 
Loewengard zog seine Brieftasche hervor und breitete 
eine Anzahl Papiere vor ihr aus, erklärend, erläuternd, 
hie und da ihre Zustimmung einholend. 
Sie gab sich große Mähe, seinen Auseinander 
setzungen zu folgen. "Sic wollte sich ja doch hineinleben in 
diese Arbeit, wollte innerlich teilhaben an allein, was die 
Fabrik, .ihres Jungen Zukunft, betraf. 
Sie tat ein paar Fragen, die Loew.engard peinlich be 
troffen n,achten. 
Höchst seltsam! Wie kam sie zu diesem plötzlichen, 
unbequemen InteresseV! 
Er gab aufs Geratewohl Antworten, die ihrer Un 
kenntnis vollkommen genügten. 
Als er bemerkte, daß sie keinerlei Einwände machte, 
fuhr er, wieder sicher geworden, fort: 
„Und hier eine Sache, die allein genügen würde, 
meinen heutigen Uebersall zu rechtfertigen, gnädige Frau." 
Er legte ein Papier vor sie hin. 
Helene erkannte die Handschrsst ihres allen Bankiers. 
„Wie Sie sehen, hat er über ein ganz hübsches Depot 
quittiert. Er wird nicht so leicht wieder über den Rück 
gang der Fabrik zu iiagen haben. Was die Anlage betrifft, 
jo habe ich, Ihre Einwilligung voraussetzend, dieselbe Fried» 
mann vollständig überlassen. Hot er Ihnen darüber 
detaillierte Mststst.nngcn gemacht?" 
„Nein. Cr hat mir gar nicht geschrieben." 
„Der alte Heer ist galanter als ich. Er schont die 
Sommerruhe einer schönen Frau. So sollte cs auch sein" 
— er beugte sich ein wenige« zu ihr hinüber — „wenn 
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London bei der Bant von England. Es gibt heul wohl 
schwerlich einen Kapitalisten, brr nicht die Vorsicht übte, 
einen Teil seines Vermögens im Auslande anzulegen." 
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Frau von Lcrjch hatte auf das letztere nur sehr zer 
streut gehört. 
Sobald cs sich um trockene Zahlen handelte, verlor 
sie jedes Interesse, weil ihr jedes Lcn'tandms dafür fehlte. 
„Weshalb unht?" meinte sie. „Es wird schon so das 
richtige sein. Und wenn auch Friedman» einverstanden 
Loewengard antwortete nicht aus diese Frage. Cr 
Minutenvcrkehr von der Motzstraße durch die Martin-Luther-, 
Grunemald-, Berlinerstraße und Kaiserallce bis zum Kaiser 
platz verlängert. Die eine Hälfte der Wagen geht nach 
wie vor . bis zum Prager Platz. Dieser Teil der Linie 51 
erhält die Bezeichnung 157. Die Züge der Linien 51, 57 
und 157 ergänzen sich zwischen Pankow und der Martin- 
Luthcr-Straße bis zu einem 3°/^ Minutenbetrieb. — Die 
Linie 51 bringt den Bewohnern des Kaiserplatzbezirks die 
direkte Verbindung mit dem Stettiner Bahnhof. Hoffentlich 
findet sich die Straßenbahngesellschaft doch noch bereit, die 
Linie bis Friedenau zu verlängern, um auch unserm Ort 
die so heiß begehrte direkte Verbindung mit dem Stettiner 
Bahnhof zu verschaffen. 
v Die Offenlegung der Personalakten der Kom- 
munalbeamten fordert eine au das preußische Abgeordneten 
haus gerichtete Petition des Verbandes technischer Gemeinde- 
beamten in Bonn. In der Begründung wird gesagt, cs 
erscheine angezeigt, daß den genannten Beamten nachteilige 
Eintragungen mitgeteilt werden möchten, um ihnen Gelegen 
heit zu geben, sich dazu zu äußern. Es wird in der 
Petition behauptet, daß in Baicrn solche Einrichtungen 
bereits beständen: auch in Württemberg seien ähnliche Vor 
schriften vorhanden. In Preußen würden die Personal 
akten der Beamten absolut geheim gehalten, ein Mißstand, 
der bereits im Abgeordnetenhause lebhaft kritisiert worden 
sei. Der Regierungsvertreter sprach sich gegen die Petition 
aus. Die Kommission war der Meinung, daß sie eine 
Offenlegung der Personalakten nicht befürworten könne, daß 
es aber ivüuschenswert erscheine, besonders wichtige und ein 
schneidende Eintragungen den Beamten zur Gegenäußerung 
zur Kenntnis zu geben. Eine Offenlegung der Personal 
akten würde viel Mißmut hervorrufen und ein ersprießliches 
Zusammenarbeiten ausschließen. Die Petition wurde ver 
worfen. 
o Nutzbarmachung der öffentlichen Sparkassen für 
die kommunale Wohnn,lgSpolitik. Bekanntlich ist auch 
von unserer Gemeinde die Errichtung einer Gemeinde- 
Sparkasse geplant. Wie mannigfach die dadurch der Ge 
meinde überwiesenen Spargelder wieder der Allgemeinheit 
zum Nutzen verwendet werden können, ist aus folgender 
Nachricht ersichtlich: In einer Verfügung des Herrn Re 
gierungspräsidenten zu Arnsberg, wird darauf hingewiesen, 
daß den Kommunen die Möglichkeit einen wirksamen Unter 
stützung der Wohnungsfürsorge besonders durch ihre Spar 
kassen gegeben ist. Abgesehen von der Verwendung der 
Ueüerschüsse zu diesem Zweck würde die Hingabe kleiner 
Nmvrtisationshypothekeii zu begünstigtem Zinsfuß und in 
geeigneten Fällen eine Erweiterung der Belcihungsfrage in 
Frage kommen. Zulässig ist die Beleihung über die 
mündelsichere Grenze jedoch nur, wenn die Gemeinde die 
Garantie für den übersteigenden Betrag übernimmt und 
eine entsprechende Vorschrift in die Satzung aufgenommen 
wird. Eine derartige Vorschrift hat der Herr Oberpräsident 
bereits in folgender Fassung genehmigt: Solche im Spar- 
kassenbezirk neuerrichteten Gebäude von Arbeitern, kleinen 
Handwerkern, kleinen Beamten und diesen wirtschaftlich 
gleichzustellenden sonstigen Sladteingesesseneu, die dazu be- 
stinnut sind, von ihnen oder außer von ihnen nur noch 
von zwei andern wirtschaftlich gleichstehenden Familien be 
wohnt werden, können bis zu zwei Drittel des Schätzuugs- 
werres der Gebäude und der zugehörigen Bodcnfläche be- 
liehen werden, wenn sich der Eigentümer verpflichtet, das 
Darlehen mit mindestens 1 v. H. jährlich zu tilgen und 
die Gemeinde für den die, Grenzen der Acündelsicherheit 
überschreitenden Teil des Darlehens Bürgschaft leistet. 
Sobald das Darlehen bis zur Hätte des Schätzungswertes 
abgetragen ist, kann die Sparkasse auf weitere Tilgung ver 
zichten. Abweichend hiervon kann aber die Satzung außer 
dem noch den Höchstbetrag der Hypothek oder den Höchst 
wert der für diese Beleihung in Frage kommenden Gebäude 
bestimmen. 
o Die Armenpflegesähe im Königreich Preußen sind 
folgende: für einen Berpslegungstag bei Hilfsbedürftigen 
über 1 Jahr 90 Pf., bis zu 14 Jahren 60 Pf., Tarifsatz 
für ärztliche Behandlung 20 Pf. Beerdigungskosten bei 
Personen über 14 Jahre 2 M., bis 14 Jahre 9 Al. 
v Das Wetter im Mai. Wenn nicht alles trügt, 
wir der Mai viele schöne, warme Tage bringen. So wird 
drückte ihr seine Füll'edcr ln die Hand und bat, den 
Passus zu überlese!! und zn unterschreiben. 
Helene las die kurzen Zeilen aufmerksam durch, die 
ihr Einverständnis mit der Niederlegung der besagten 
Summe bei der Bank of England in London erklärten. 
Es gab ja wohl kaum ein sichereres Depot. Das war 
selbst ihr bekannt. Weshalb also sollte sie nicht unter 
schreiben ? 
Als sic dann ihren Namen unter das Schriftstück 
setzte, ertappte sic sich plötzlich darauf, daß ihre Gedanken 
von den: Schriftstück weit sortgewandert waren, nach 
München hin, daß sie mit Rolf und ihrem Jungen vor 
der „Frau mit den Hyazinthen" stand und ihre Augen 
hungrig Rolfs warme Blicke suchten. 
Loewengard nahm ihr das unterschriebene Papier fort 
und steckte cs rasch zu den anderen Papieren in die 
Brusttasche. 
„So, nun haben wir tabula rasa gemacht, teuerste 
Frau. Und nun nichts mehr von Geschäften! Ich mache 
mir schon Vorwürfe, Sie so lange bemüht zu haben. 
Sie sehen ganz blaß und müde ans." 
Helene war ausgestanden und in die Verandatür ge 
treten. Loewengard folgte ihr, sich gegen den Türflügel 
lehnend. Er beobachtete sie scharf. Irgend etwas be 
unruhigte sicy nahm sie ganz in Anspruch. Entschieden 
nichts eben Freudiges. Traurig und verloren gingen ihre 
Blicke zu den grauen Bergrücken drüben, die im rosa- 
violettcn Schein der sinkenden Abendsonne lagen. 
Vielleicht, das; gerade diese Stimniung ihm günstig war! 
Wer wollte in, den Herzen der Frauen, insbesondere in 
dein Herzen Helene von Lerschc. lesen, die sogar ihm, dem 
großen Frauenkcnner, stets ein Buch mit sieben Siegeln ge 
wesen war, von denen selbst Bogislaw, der Gatte, dis 
wenigsten gelöst naben mochte. 
(Fortsetzung folgt.l
        
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