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Periodical volume Nr. 103, 04.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

UnxarMischk 
(Kriedvnauer 
»ettung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
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Ur !03. 
Berlin-Friedenau, Sonntag, den 4 Mai 19!3. 
ti). Iahrg. 
Depeschen 
Letzte Dach richten 
Wiesbaden. Im Walde von Reckenrolh bei Diez an 
der Lahn stieß der Apotheker Siebert ans Wiesbaden in 
seinem Jagdrevier ans Wilddiebe. In dem Kampfe, der 
zwischen ihnen entstand, wurde der Apotheker erschossen. 
Die Leiche fand man vor einer Schutzhütte. Von den 
Tätern fehlt jede Spur. 
Cetinje. Die Regierung hat im Einvernehmen mit 
der Krone beschlossen, die Skupschtina für den nächsten 
Donnerstag zu einer außerordentlichen Session einzuberufen. 
Wien. An dem bevorstehenden Einmarsch Oesterreichs 
und Italiens in Albanien ist kaum mehr zu zweifeln. Die 
Truppentransporte nach dem Süden haben einen großen Umfang 
angenommen. Heute Nacht ist aus Wien die Artillerie des 
zweiten Korps nach Triest abgegangen, ebenso findcrl unauf 
hörlich Truppentransporte aus Graz und Laibach nach dem 
Süden statt. Daß man auch gegen Serbien vorsichtig ist, 
beweist, daß die Donaumonitvre wieder in Dienst gestellt 
wurden. Die Skutarifrage ist vorläufig ganz in den Hinter 
grund gerückt 
Rom. In hiesigen und ausländischen Blättern wird 
behauptet, daß Italien und Oesterreich sich über ihre Ein 
flußsphären in Albanien geeinigt und ihnen den Flußlauf 
des Schkumbi als Grenze gesetzt hätten. Sollte die Londoner 
Botschafterkonferenz über die Zwangsmaßregeln gegen Monte 
negro nicht schlüssig werden, so werde Oesterreich nördlich, 
Italien südlich des Flusses Schkumbi intervenieren, um im 
Austrage Europas Ordnung zu schaffen Diese Mitteilungen 
beruhen, wie versichert wird, auf Kombinationen. Wahr 
bleibt nur. daß die Lage sich seit Montag bedeutend geklärt 
hat, und daß ein einseitiger Eingriff Oesterreichs nicht zu 
befürchten ist, und endlich, daß Italien und Oesterreich fest 
zusammenhalten und im gegebenen Augenblicke auch gemein 
same Arbeit tun werden. 
Städtischer Realkreclit uncl Er 
richtung von Fjypothekenämtern. 
Die Gemeindekommission des Abgeordnetenhauses ver 
handelte in ihrer Sitzung vom 28. April d. Js. über die 
Petitionen a) des Bundes der Haus- und Grundbesitzer 
vereine Groß-Berlin in Berlin (II. Nr. 1533» um Besserung 
des städtischen Realkredits, >>) des Haus- und Grund 
besitzervereins in Berlin-Friedenau (II Nr. 1549) 
um Errichtung von Hypothekenämtern in ländlichen Ge 
meinden. 
Da diese Sache allgemeines Interesse beanspruchen 
-dürfte, bringen ivir nachstehend den vollständigen Bericht über 
diese Sitzung: 
An der Verhandlung nahm als Vertreter der Königl. 
Staatsregierung der Geh. Oberregierungsrat Krenzlin vorn 
Ministeriurn für Landwirtschaft, Donränen und Forsten teil. 
Der Berichterstatter Abg. Fleuster führte aus: Die 
Petition der Haus- und Grundbesitzervereine „Groß-Berlin" 
(II 1533) zerfalle in zwei Teile. Sic berufe sich im ersten 
Teile d. d. 26 XI. 12 auf einen Artikel der „Neuen 
Preuß Ztg." „Das wahre Gesicht der städtischen Hypotheken 
not", der eine Hilfsmöglichkeit zur Besserung des städtischen 
Realkredits in der Errichtung von Garantiegenossenschaften 
der Hausbesitzer und kommunaler Hypotheken- und Pfand- 
briefinstitute erblicke. Selbstverständlich müsse, wie die 
Petition sage, auch die Gemeinde durch Bereitstellung von 
Geldmitteln helfen, sonst könne der dringenden und großen 
Not nicht mehr rechtzeitig Einhalt geboten werden, vor 
allem nicht in Groß-Berlin. Der Staat könne den Haus 
besitzern helfen: 
1. durch Gewährung des Beitrittszwanges für die Hypo 
thekengenossenschaften und Hypothekenämter des städt. 
Nealkredits, sodaß alle Hausbesitzer am Orte ihnen 
angehören müssen, 
2. durch den weiteren Ausbau provinzieller Pfandbrief 
ämter, 
3. durch Verleihung des Rechtes auf Pfandbriefausgabe 
— auch für sogen, zweitstellige Hypotheken — an die 
bestehenden oder noch zu begründenden Hausbesitzer 
genossenschaften und kommunalen sowie provinziellen 
Pfandbriefämter, 
4. durch Erhöhung der mündelsichcren Beleihungsgrenze 
für den städtischen Hausbesitz, d. h. Gleichstellung mit 
dem Lande auf 2 / 3 des Wertes des Grundstückes, 
5. durch Einführung kommunaler Taxämter unter Mit 
wirkung des organisierten Hausbesitzes zwecks Fest 
stellung der Beleihungsqrenze und des Wertes des 
Grundstückes. 
Der zweite Teil der Petition des Bundes der Haus 
und Grundbesitzeroereine „Groß-Berlin" d. d. XII. 12 gehe 
dahin, daß dem städtischen Haus- und Grundbesitzerstand 
gestattet werde, mit dem Sitze in Berlin eine Hausbesitzer 
kammer zu bilden, in der der preußische Landesverband der 
Haus- und Grundbesitzervereine, die Provinzialverbünde, der 
Bund der Haus- und Grundbesitzervereine „Groß-Berlin" 
und der Bund Berliner Grundbesitzervereine durch Abge 
ordnete vertreten sind; dieser Kammer möchten die Geset- 
entwürfe für Stenern, Tarwesen und Realkredit zugänglich 
geniacht werden. Bis zur Einrichtung einer solchen Kammer 
seien Petenten gern erbötig, einzelne Gutachter zum selben 
Zwecke zu bestellen, und sie bäten, ihnen dazu Gelegenheit 
! zu geben. 
Die Petition des Haus- und Grundbesitzervereins in 
Friedenau (II 1549) bitte: 
CräunKndc Menschen. 
Roman von Dora Sünder. 
31 
: i: jedem Fall noch 
lRichdruck 
er : ' '4 riet Z 't fr 
Besuch machen. Wann trifft man Frau von Lersch mit 
Bestimmtheit zu Haus?" 
„Zwischen sieben und acht, vor dem Nachtmahl." 
Leontine machte eine kleine Pause und sagte dann 
lauernd: 
„Heute vielleicht auch früher. Frau von Lerlch ist 
allein: falls sie nicht etwa mit der Präsidentin ausgriahren. 
ist sie wohl zu Haus geblieben. Herr Kühne ist mit deni 
Jungen in München." 
Loewengard wollte sich nicht merken lassen, wie eine 
große Genugtuung ihm diese Nachricht bereitete, und sagte, 
gleichgültig tuend: 
„Diese beiden genieren mich wenig bei dem, was ich 
mit Frau von Lersch abzumachen habe." 
Die Blonde trat ungeduldig mit dem Faß auf. 
,Weirn ich dahinter nur erst gekoinmen wäre!" 
Loewengard machte ein sehr verwundertes Gesicht. 
„Dring' ich in Ihre Geheimnisse, Leontine? Frag' ich 
Sie, was der alte Heymann, in Firma C. A. Hcymann & 
Go, Bank und Wechselstube in München, oder der Herren 
reiter Geo von Malzahn und der Schieber Enlenberg so 
oft bei Ihnen zu suchen haben? Welches Ihrer vielerlei 
Geschäfte Jbre Brillanten und Perlen abwirst?" 
Sie zuckte kaum merklich mit den Achseln und s.hwreg. 
„Also darf ich noch eiun'.a! bitten: Wie hat sich das 
Leben der beiden nach Ihrer Beurteilung hier, gestaltet?" 
„Ich habe es Ihnen schon angcdcnlec, aber Sie wollen 
es ja nicht wahr haben," bemerkte die Reibe gereizt. 
„Der schöne Kähne ist ein gefährlicher Mcn-ch, und 
sie sind unzertrennlich." — 
„So wie heute, wo er in München und jic in Rcichcn- 
hall ist?" 
Wieder funkelten ihre Augen. 
„Sie können einen heut wahrhaftig rabiat machen, 
Loeweig.ard." 
Loewengard ließ sich nicht aus seiner Rnhe bringen. 
„Nach dem, was ich von andern gehört, sind sie 
niemals ohne den Jungen ausgegangen." 
„Ausgegangen vielleicht nicht, aber zu Hause ge 
blieben ohne ihn." 
„Sind das Vermutungen, oder haben Sie sich davon 
überzeugt? 
„Das letztere, Verehrtcster!" gab die Nclbe trium 
phiere,cko zurück. 
„Ich habe sie allein getroffen in der Veranda der 
Frau von Lersch, ganz dicht beieinander, Kopf au Kopf. 
Es machte sich wunderhübsch, sage ich Ihnen. Die Herr 
schaften waren so vertieft, daß sie nichts von mir sahen 
und hörten." 
Loewengard stieß ungeduldig den Stuhl hinter sich 
fort. Bei der hastigen Bewegung trat er den Pueel, der 
laut aufheulte. 
„Dummes Vieh," sagte er heftig und stieß mit dem 
Fuß nach ihm. 
„Ich muß doch sehr bitten, Loewengard. Komm, 
Schlotchen, armes Tier." 
„Albernheiten!" Er griff nach seinem Hut. 
„Bekommt man hier in der Nähe einen Wagen? 
Ich bade nicht Lust, durch das ganze Staubnest zu gehen." 
Fern: Neide klingelte nach der Jungfer. 
„Elise, einen Wagen für Herrn vor. Loewengard. Wenn 
nicht früher, »inben Vre am Dabnaos Dcoichien. Ich 
hoffe. Sic lammen in besserer Laune wieder, Loewengard. 
Uebrigens, wo sind Sie abgestiegen?" 
Er nannte ein erstes Hotel. 
„Wann sicht inan Sie wieder? Wollen wir morgen 
zusammen bei Vnriknrdt speisen? Ich mache mir ein Ver 
gnügen daraus." 
das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: 
die Kgl. Staatsregierung zu ersuchen, eine allgemeine 
Erweiterung der städtischen Pfandbriefämter herbeizu 
führen, insbesondere aber das Recht der Errichtung 
von Hypothekenämtern auf geeignete ländliche Ge- 
memeinden auszudehnen. 
In diesen Petitionen sei also eine große Anzahl von 
Wünschen enthalten, die sämtlich mehr oder minder auf die 
Realkreditnot und die Belastmtg des Grundbesitzes, die man 
auch als eine der Ursachen für die Not auf dem Gebiete 
des Realkredits ansähe, bezug hätten. Ju der letzteren 
Petition sei auch auf die Interpellation Fritsch u. Genossen 
und den Antrag Dr. Arendt (Mansfeld) u. Genossen hin 
gewiesen, die in dieser Angelegenheit gestellt seien und dem 
Hanse der Abgeordneten vorlägen. Die Interpellation 
Fritsch und Genossen vom 22. Oktober 1912 Drucksache 
Nr. 632 haben folgenden Wortlaut: 
Gedenkt die Kgl. Staatsregierung Maßnahmen zu 
treffen, durch die der gegenwärtigen Kreditnot des 
städtischen und ländlichen Grundbesitzes abgeholfen wird? 
Vor dieser Interpellation sei aber der Antrag Dr. 
Arendt (Mansfeld) u. Genossen schon unter deni 2. Februar 
vorigen Jahres Drucks. Nr. 71 Ziffer 2 mit folgendem 
Wortlaut eingebracht worden: 
Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: 
Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, eine 
Untersuchung herbeizuführen, auf welchem Wege durch 
Maßnahmen der Gesetzgebung den Notständen des 
städtischen Nealkredits ein Ende geinacht werden kann. 
Ueber die Materie des Realkredits habe in deff 
Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 13. Dezember vorigen 
und vom 16. und 18. Januar d. Js. bei der Verhandlung 
über die Interpellation und den Antrag eine ausführliche 
Diskussion stattgefunden, bei der der Gegenstand wohl zur 
Genüge beleuchtet worden sei. Diese Besprechung habe dem 
Landwirtschaftsminister Veranlassung gegeben, die Stellung 
der Königlichen Staatsreginrung zu dieser Sache näher dar 
zulegen. Er habe dabei erklärt, daß als unerläßliche Vor 
bedingung aller Maßnahmen gegen die Kreditnot das Gesetz 
über die Tarämter bereits in der nächsten Session zu er 
warten sei. Er habe sich gegen eine Erhöhung der Be 
leihungsgrenze bei städtischen Grundstücken über 50 Prozent 
des Wertes hinaus ausgesprochen mid sei der Meinung 
gewesen, daß überhaupt mit Staatsmitteln in der Ange 
legenheit durchaus nicht vorzugehen sei, daß es aber Auf- 
gabe der Kommunen sei, Anregungen zu der Errichtung von 
Beleihungsinstituten zu geben und sich auch dabei zu be 
teiligen. Ein Gesetz über die öffentlich-rechtlichen Kredit 
institute zu erlassen, sei aber wegen der Verschiedenartigkeit 
des städtischen Grundbesitzes außerordentlich schwierig. In 
dieser Beziehung wären besondere Untersuchungen zwar nicht 
mehr erforderlich, aber die Erwägungen, die schon seit 
Er lehnte kühl dankend ab mit der Begründung, daß 
er morgen mittag vielleicht schon unterwegs nach Köln 
sei. Das Geschäft nehme ihn jetzt sehr stark in Anspruch. 
„Grüßen Sie Frank von mir," sagte sie kühl. 
Er trat mit dem Fuß auf. 
„Unausstehlich." 
Das Mädchen kam mit dem Wagen. 
Er verabschiedete sich rasch, nur noch zerstreut auf das 
Gerede der Nelbe hörend. 
Zunächst fuhr Loewengard in sein Hotel und kleidete 
sich sorgfältig um: Schwarzer Besuchsanzug mit heller 
Weste, dunkler Schlips, helle Handschuhe. Dann steckte er 
eine Anzahl von Papieren zu sich und ersuchte den Portier, 
telephonisch in der Pension Siegfried anzufragen, ob 
Frau von Lersch zugegen sei und gestatte, daß er ihr 
seine Aufwartung mache. 
Da der „Präzeptor" in München war, brauchte er's 
ja nicht auf eine Ueberrumpelung abzusehen, sondern konnte 
formvoll und nach guter Sitte handeln. Er bekam den 
Bescheid zurück, daß die gnädige Frau den Herrn erwarte. 
Loewengard stieg in den Wagen, den er vor dem 
Hotel hatte halten lassen, und fuhr zur Pension Siegfried 
hinauf. 
Er wurde sogleich empfangen und in den Salon 
geführt. 
Wenige Augenblicke später trat Helene ein. Sie hatte 
ihr peinliches Erstaunen überwunden, Loewengard so plötz 
lich in Rcichenhall zu sehen. Am Ende wurde man die 
Ueberraschungcn bei ihm gewohnt. Aus Gleichgültigkeit 
oder Beguemlichkeit hatte Frau von Lersch das schwarze 
Florlleid noch nicht abgelegt, in dem sie zum Diner ge- 
koinmen war. Es war dasselbe Kleid, in dem der Maler 
der „Frau mit den Hyazinthen" sie gemalt hatte. 
Sie sah ein wenig blaß und müde aus, nicht wie 
eine glücklich Liebende oder Geliebte, bemerkte Loewengard 
mit Genugtuung. 
Und während er ihr mit galanter Liebenswürdigkeit 
die Hand küßte, fuhr er in leinen Gedanken fort:
        
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