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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

tisch zu holen. Trotzdem könn von einem sehr guten Wahl 
ergebnis gesprochen werden, da viele bürgerliche Wähler auch 
ohne die besondere Aufforderung ihrer Wahlpflicht genügten. 
Wir glauben, das Ergebnis wäre ein noch besseres ge- 
worden, wenn der Gemeindevorstünd nicht ein so imgnnstig 
gelegenes Wahllokal gewählt Hütte. Viele fanden das Lokal - 
überhaupt nicht und gingen wieder nach Hause, ohne ge 
wählt zu haben. War es schon ein Fehler, das Wahllokal 
eine Treppe hoch zu legen, so hätte es sich wohl auch ver 
meiden lassen, daß Jmpflokal und Wahllokal zusammen 
fielen. Außerdem fehlte es an den erforderlichen Hinweisen 
auf den sehr versteckt gelegenen Eingang. Warum nahm 
man nicht die Tutühalle der Königin-Luise-Schule? Ter 
Geineindeverordncte Schn, zu dessen Ersatz die gestrige 
Wahl stattgefunden Hot, erhielt bei der vorjährigen Wahl 
700 Stimmen. Es wählten diesmal also rund 200 Wähler 
weniger, doch dabei ist zu bedenken, daß dieses Jahr kein 
„Schlepperdienst" eingerichtet war. Man hielt dies nicht 
für notwendig, nachdem die Sozialdemokraten Wahlenthaltung 
proklamiert hatten. Im vorigen Jahre erhielten die Sozial 
demokraten rund 430 Stimmen. Also selbst wenn ein 
Sozialdemokrat aufgestellt gewesen wäre, Hütte der bürger 
liche Kandidat gesiegt; bringen doch die Sozialdemokraten 
bekanntlich alle ihre Wähler an die Wahlurne, sodaß sie 
kaum noch auf Zuwachs rechnen konnten. Daher ist es 
nur zü begrüßen, daß sich die Bürgerlichen auf einen 
Kandidaten geeinigt hatten. Möge dieser Gmndfatz auch 
für alle künftigen Wahlen gelten, dann kann nie ein Sozial 
demokrat gewählt werden. 
o Unsere SchmNckanlagen gewähren jetzt einen 
prächtigen Anblick. Die ersten Frühlingsblumen entfalten 
dort ihre wunderbare Blütcnpracht und entzücken das Auge. 
Mit gutem Geschmack hat Herr Obergärtner Stabe die 
einzelnen Beete und griincn Flächen angelegt und so ein 
buntfarbiges Bild von eigenartiger Schöne geschaffen. 
Besonders reizend nimmt sich der Friedrich-Wilhelm-Platz 
aus mit seinen großen Rasenflächen, auf denen verstreut 
Tulpen in allen Farben und Gänseblümchen blühen. Doch 
auch der Wagner-Platz, Schillerplatz und nicht zu vergessen 
der Maybachplatz erstrahlen in herrlichem Blumenflor. Es 
ist ein Genuß, jetzt durch Friedenau zu wandern. 
o Der gemeinsame Bezug von Waren durch Gemeinde- 
beamte. An 27 Kommnualverwaltungcn von Groß-Berlin hat 
die Berliner Handwerkskanuner eine llmfrage gerichtet, in 
welchem Ilmfange in ihren Biiros von Gemeindebeamten 
Waren gemeinsam bezogen und vertrieben werden und ob 
dies eventuell auch während der.Dienstzeit geschieht. Aus 
den Antworten ist zu ersehen, daß in Berlin, Friedenau 
und Tegel, Adlershof, Lichtenberg, Schnmrgcndorf, Tempelhof, 
und Treptow ein solcher Bezug nicht verboten ist. Ein 
Verbot besteht dagegen in Potsdam, Charlottenburg, 
Schöneberg, Wilmersdorf, Reinickendorf,'Neukölln, Spandau, 
Pankow und Niederschönhausen, weil sich in diesen Orten 
Unzuträglichkeiten ergeben haben. In Steglitz, Grvß- 
Lichterfelde, Zehlendorf, Friedrichsfelde, Mariendorf, Britz, 
Nieder- und Oberschöneweide, Köpenick, Weißensee und 
einigen anderen Orten darf ein Vertrieb in den Büros 
während der Dienstzeit nicht stattfinden. 
o Der Zug in den Eisenbahnabteilen. Wie oft 
wird über Zugluft in den Abteilen der Stadt-, Ring- und 
Vorortzüge geklagt. Einzelne Reisende richten sich nicht 
nach den Bestimmungen über die Fenster, die nur mit Zu 
stimmung aller iin Abteil Mitreisender geöffnet werden 
dürfen. Sie verfügen vielmehr darüber frei ohne jemand 
zu fragen. Dadurch wird natürlich das Bestreben der 
Eisenbahnvcrwaltung, zugempfindliche Reisende zu schützen, 
vereitelt. Und doch könnte es ganz ohne Streit abgehen, 
wenn die Reisenden, die gern bei offenem Fenster fahren, 
die zugfreien Abteile an den Enden der Wagen meiden 
möchten. Allein, auch in den übrigen, nicht durch An 
schriften bezeichneten Abteilen wird noch häufig um das 
„Fensterrecht" gestritten. Wir haben wiederholt darauf hin 
gewiesen, daß hier lediglich die Vorschriften der Verkehrs- 
ordnung maßgebend sind, welche allgemein vorschreibt, daß 
beide Fenster eines Abteils nur mit Zustimmung aller im 
Abteil Mitreisenden geöffnet werden dürfen. Das Oeffnen 
nur eines Fensters (während der Heizperiode etwa bis zur 
Hälfte) kann hiernach verlangt werden, ohne daß alle im 
Abteil Mitreisenden zustimmen. In Streitfällen entscheidet 
der Zugführer oder der Bahnhofsaufsichtsbeamte. 
o Der Botanische Garten in Dahlem ist am 
Himmelfahrtstage von 2—7 Uhr unentgeltlich ^geöffnet; die 
Schaugewächshäuser können bis 6 Uhr besichtigt werden. 
Das Botanische Museum ist am 1. Pfingstfeiertage offen.. 
«Ich glaube, nicht besonders. Es liegt auch miserabel," 
sagte die Präsidentin, indem sie, scherzhaft drohend, den 
Finger gegen Helene hob. 
«Sie wissen doch, daß sie vor Ihnen die Flucht er 
griffen hat?" 
Lena zuckte mit den feinen Schultern. 
„Es kann mich niemand zwingen, Verkehr mit jemand 
zu halten, der mir von Grund aus antipathijch ist." 
«Ich glaube, die Frau ist gar nicht so schlimm, als 
sie sich gibt. Man hat hier ihre Eitelkeit schwer verletzt, 
und das hat sie rabiat gemacht." 
„Ich weiß doch nicht, ob es allein ihre fchlacfchlagcnen 
Absichten auf Herrn Kähne waren. Ich habe stets da, 
Gefühl, daß diese Frau Nelbe nicht nur eitel bis am 
Lächerlichkeit und dabei recht insolent ist, wo man die! 
Eitelkeit nicht Rechnung trägt, nein, daß sie auch ei 
Klatscherin und Spioniererin ist." 
Helene war rot und heiß geworden. Sie konnte d 
hämischen Blick nicht vergessen, mit dem die Nelbe sie ui 
Rolf gestreift, als sie unter der Veranda, auf der sie d 
Blatt mit den Glyzinien betrachtet hatten, vorübergegang 
Hans und Elsie kamen über den Rasen gelaufen 
Hans hielt einen großen Stoß Briefe in der Hand. 
Er umhalste die Mutter und legte die Briefe ans 
den Tisch, die kleine braungebrannte Hand fest darüber 
haltend. 
«Erst sagen, wann wir nach München fahren, Akutti," 
dekretierte der Junge mit seiner frische», kecken Stimme. 
. »Schwöre heilig rmd gewiß, morgen oder übermorgen, 
eyer.trugst du die Briefe nicht!" 
Am 2. Pfingstfeiertage sind dagegen Garten sowohl als auch 
Museum geschlossen. 
o Eine Oberführerversammlung fand für den Ilnter- 
v erb and II (Kreis Teltow) des brandenburgischcn Provinzial 
verbandes der freiwilligen Feuerwehren im Kreishause statt, 
in der es sich zunächst um die Festsetzung des nächsten 
Iknterverbandstages handelte. Dieser, wird am 22. Juni 
in Berlin-Britz stattfinden und mit einer Vorführung der 
Ortswehr, sowie einer Besichtigung der neuangelegten 
chemischen Fabrik von Riedel (früher in Vohnsdorf) ver 
bunden sein. Während hier ein Experimentalvortrag vor 
gesehen ist, wird auf dem Verbandstag ein feuerwehr 
technischer Vortrag stattfinden. Wie ferner mitgeteilt würde, 
hat der Vorstand des Provinzialverbandes der freiwilligen 
Feuerwehren Brandenburgs beschlossen, die dem Unter- 
verbände Teltow von der Aufsichtsbehörde genehmigte 
Feuerwehruniform allgemein einzuführen und damit eine' 
einheitliche Kleidung der Löschmannschaften zu bewirken. 
Die Uniform besteht für die Mannschaften in einreihigem 
Waffenrock aus dunkelblauem Militärtuch (Achselklappen niit 
Ortsabzeichen aus weißem Metall), schwarzem Drillichrock, 
blauer Litewka, Hose aus blaumeliertcm, Mantel aus 
schwarzem Militärtuchc, Feüerkappe aus schwarzlackiertem Leder. 
o Jubiläums - Wohlfahrtsmarke», die zum Brief 
verschluß geeignet sind, hat der Preußische Landes-Krieger- 
verband zur Erinnerung an das 26 jährige Rbgierungst 
jubiläum des Kaisers und Königs, seines Allerhöchsten 
Protektors, anfertigen lassen. Der' Preis ist auf 1 Pfg. 
für das Stück festgesetzt. Der ganze Reingewinn fließt der 
Preußischen Kriegerstistlmg Wilhelm II. zu. Die Marken 
tragen, wie die „Parole" mitteilt, die Aufschrift: Deutscher 
Kriegerbund und die Jubiläumszahlen 1888—1913. Vor 
der im Hintergründe stehenden umstrahlten Büste Seiner 
Majestät des Kaisers und Königs reichen sich ein Soldat 
und ein Kriegervereinsmitglied die Hand. Die Marken sind 
in hellbraun, hellgrün, hellblau und violett hergestellt. Es 
wäre zu wünschen, daß die Marken zum Besten des wohl 
tätigen Zweckes recht zahlreich gekauft würden. Bestellungen 
sind an das Büro des Preußischen Landes-Kriegerverb'andes, 
Berlin W 50, Geisbergstr. 2, zu richten. 1 
o 70. Geburtstag. An: 30. d. M. vollendet Herr 
Kohlenhändler Robert Weiß, Schmargendorferstr. 4> 
wohnhaft, eine in weiten Kreisen bekannte und beliebte 
Persönlichkeit, sein 70. Lebensjahr. Obgleich Weiß vor 
etwa 4 Monaten infolge eines Unglücksfalls einen Bein-? 
bruch erlitt, .erfreut er sich doch wieder der besten körper 
lichen und geistigen Frische bei nie versagendem Humor. 
Wir wünschen ihm noch recht viele glückliche Jahre. 
v Unfern Pfadfindern steht eine große Freude in 
diesem Sommer bevor. Das Pfadfinderkorps ist von aus 
ländischen Korps zu großen Veranstaltungen in den großen 
Ferien eingeladen worden. Es sollen je 20 Pfadfinder 
nach Birmingham in England, nach Pmuiden in Holland, 
nach Lausanne in der Schweiz und nach Budapest in 
Oesterreich-Ungarn geschickt werden. Der Aufenthalt dauert 
eine Woche, in welcher Zeit sie die fremden Kanieraden 
im Lande herumführen werden. Sowohl Fahrt wie 
Aufenthalt ist vollständig frei; unsere Pfadfinder sind Gäste 
ihrer ausländischen Kameraden. Die Führer tragen die 
Reisekosten selbst, der Aufenthalt kostet auch ihnen nichts- 
In erster Linie werden solche Pfadfinder in Frage kommen* 
die das Jahr hindurch an den Uebungen pünktlich teil-' 
genommen haben und etwas Tüchtiges gelernt haben;' 
unter ihnen wird nachher gelost werden. Eine schöne 
Sommerreise! 
v Eilte große Maikäferplage ist in der Potsdamer 
Forst eingetreten. In einigen ländlichen Schulen mußte 
heute Vormittag der Schulunterricht abgesagt werden, um 
die Kinder zum Maikäfersüchen zu verwenden. 
o Baumfrevel. In jetziger Jahreszeit wird leider 
häufig Baumfrevel begangen. Speziell das Anbohren der 
Birken zur Gewinnung des Birkensaftes, dessen Menge und 
Wert in gar keinem Verhältnis zu dem Werte des Bauines 
und dem dadurch verursachten Schaden steht, ist in manchen 
Gegenden sehr verbreitet, nUd lvir wollen nicht verfehlen, 
au dieser Stelle daräuf hinzuweisen, daß sich derjenige, 
ivclcher einen ihm nicht gehörigen Baum anbohrt, eines 
strafbaren Vergehens schuldig macht. 
o Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in 
Friedenau. E. V. Die letzte Außerordentliche Mitglieder 
versammlung findet am Freitag, dem 2. Mai 1913* abends 
8 */ 2 Uhr im „Turnerziminer" des Restaurants „Hohen- 
Zöllen," statt. Tagesordnung: Mitteilungen des Vorstandest 
Beschlußfassung betreffs Uebergabe unserer Fürsorgestelle an 
Die sanfte Elsie rief entsetzt: „Aber Hans!" 
, „Davon verstehst du nichts, Elsie," sagte der Junge, 
oen Herrn spielend. „Wenn Mutti in den Briefen da 
irgend was furchtbar Wichtiges findet, wird München 
wieder aufgeschoben, weil sie schreiben muß, und Herr 
Kähne und ich freuen uns schon so lange darauf. Wenn 
sie aber vorher schwört, ist es gewiß, daß wir fahren." 
Die beiden Damen lachten ganz unpädagogisch laut 
heraus. Dann versprach Helene: „Also übermorgen." 
, Hans lief mit einem Juchzer davon. „Das muß ich 
Herrn Kähne sagen." 
„Sie wollen nach München, liebe Frau von Lersch? Auf 
länger?" 
„Auf ein bis zwei Tage. Der Junge bettelt schon so 
länge darum, und da der Arzt nichts dagegen hat! Ich 
fürchte, er wird sehr enttäuscht sein. Er ist ja viel zu 
jüng für irgendwelche ernsthaften Eindrücke. Indes, Herr 
Kähne —" 
„Kennt er München nicht?" 
„Nein. Er kennt sehr wenig von der Welt." 
Frau von Kappwoldt sagte lebhaft erfreut: 
„München wird ein Fest für ihn sein, das ich dem talent 
vollen Menschen von Herzen gönne. Sie werden Freude 
an Ihrem Führeramt haben, liebe Frau von Lersch." 
Ehe Helene antworten konnte', bemerkte Elsie mit 
ihrer leisen, schüchternen Stimme: 
„Es ist auch ein Bild von der gnädigen Frau in 
München ausgestellt, Großmutter, das haben Herr Kähne 
und Hans mir erzählt, „Die Frau mit den Hyazinthen", 
j Herr Kvhne sagt, es sei das schönste Bild. das er kennt —" 
Frau von Kappwoldt lab mit erwartungsvoller Frage 
die Gemeinde Berlin-Friedenau und betreffs Auflösung >- e-.> 
Vereins. Beschlußfassung über die Verwendung des vor 
handenen Vereinsverm'ögeus. Verschiedenes. Da die außer 
ordentliche Mitgliederversammlung anr 17. April nicht be 
schlußfähig war, wird unter Hinweis auf § 19 der Vereins 
satzung darauf aufmerksam gemacht, daß die außerordent 
liche Mitgliederversammlung anr 2. Mai er. ohne Rücksicht 
auf die Zahl der erschienenen Vereiusmitglieder beschlußfähig 
sein wird. . 
v Das Biofontheater in der Nheinftrapc 14 bringt 
von heute ab rvieder 2 neue Schlager zur Vorführung. 
Schwester Martha ist ein reizendes Lebensbild in 3 Akten 
mit versöhnlichem Schluß. Der Liebe entgegen betitelt sich 
das ziveite Drmna des Programms. Fräulein Rcnöe 
Sylvaire, die reizende Naive des uroudaineu Theater Michel 
in Paris, spielt darin die Hauptrolle. Heroisch kämpfen 
zwei junge Menschen, um ein Ziel zu erreichen, das Glück. 
Nach harten Prüfungen gelingt es ihnen endlich, das Er- 
ehnte zu erreichen. Eine aktuelle Naturaufnahme ist 
Timbuktu, die heilige Stadt im französischen Süden. 
Wochenrevue von Gaumont und das Tonbild bieten reiche 
Abwechslung. Gemiitlich und humorvoll sind die beiden 
Films: Moderne Schaukelpartie und eine unvorhergesehene 
Heirat. Der Saal hat vortreffliche Ventilation erhalten, 
odaß ber Aufenthalt im Biofomheatcr angenehm genannt 
zu werden verdient. 
o Polizcibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Klemmer, 1 Handtasche, 1 Portemonnaie, 
1 Spazierstock, 1 Handbrille, 1 goldene Uhr. Die recht 
mäßigen Eigentümer vorbenannter Gegenstände werden 
aufgefordert, ihren Anspruch binnen drei Monaten im 
hiesigen Amtsbüro, Händjerystraße 91/92, Zimmer 22, 
geltend zu machen, da sonst anderweit über die Fund- 
gegenstände verfügt werden wird. 
Vereins-nadmchten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Thcatervcrcin „Xerxes" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
Ü'/r Uhr im Bcreinslokal Paul Spanholz, Steglitz, Körncrstr. -18 c. 
Gäste als Mitglieder willkommen. 
Schömberg 
—o Zu Beginn der gestrigen Sitzung der Stadtver 
ordnetenversammlung wurde der an Stelle des ausge 
schiedenen Stadtverordneten Kütznitzki gewählte Direktor 
Wolff-Zitelmann durch den Vorsteher Graf v. Matuschka in 
sein Amt eingeführt. Die Magistratsvorlage, die Rechts 
auskunftsstelle vom 1. Mai ab in das alte Rathaus am 
Kaiscr-Wilhelmplatz zu verlegen, wurde einem Ausschüsse 
überwiesen. Der Ausnahme einer Ergänzungsanleihe im 
Betrage von 1 545 870 M., die bis 4 l / 2 v. H. verzinst 
werden darf, stimmte die Versammlung zu. Der Betrag 
soll in der Hauptsache für Beschaffung von Möbeln und 
Beleuchtungskörpern, für kiiustterische Leitung, für Aus 
stattung der Büroräume und weiterer Baukosten für den 
Rathausbau Verwendung finden. Die vom Magistrat vor 
geschlagenen drei Stiftungen aus Anlaß des 25 jährigen 
Regierungsjubiläums des Kaisers wurden genehmigt. Wir 
haben üb er diese Stiftungen bereits in Nr. 98 berichtet. 
Die sozialdemokratische Fraktion richtete an den Magistrat 
die Anfrage, was er zu tun gedenke, um die noch immer 
schwebenden Arbeiterfragen zum Abschluß zu bringen. 
Stadtv. Mohs (Soz.) begründete die Anfrage und machte 
dein Magistrat Vorwürfe, daß er in der Behandlung von 
Arbeiterftagen zu langsam arbeite. Oberbürgermeister 
Doininicus erwiderte, daß die Erledigung sich deshalb ver 
zögert habe, weil die Durchberatung dieser Fragen sehr 
schwierig sei. Doch werde der Magistratsansschuß, der die 
Arbeiterftagen behandle, noch in dieser Woche seine Er- 
öiterungen zum -Abschluß bringen, und dann würde unver 
züglich der Stadtverordnetenversammlung -eine Vorlage 
unterbreitet werden. 
—o In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des 
am 15. Mai 1911 zu Marienfelde, Berliner 141, ver 
storbenen Architekten Hermann Emil'Karl Topp aus Schöne 
berg, Rosenheimer Str. 30, ist zur Abnahme der Schluß 
rechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen 
gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu be 
rücksichtigenden -Forderungen sowie zur Anhörung der 
Gläubiger über die Eisstatkmg der Auslagen und die Ge- 
währung einer Vergütung an die Mitglieder des Gläubiger 
ausschusses der Schlußtermin auf den 20. Mai 1913, Vor 
mittags 11 Uhr bestimmt. 
in die blaue Luft blickte. 
„Seit voriger Woche hängt es im Münchcncr'Künstler 
Haus. Es kennt niemand iveddr mich, Mach meinen Namen 
Der Maler ist noch jung und unbekannt. Er soll sich einer 
Nus damit gemacht haben." 
„Das müssen wir auch cknfshen, Großmüttchen, wem 
wir mit Mama und Papa in München zusammenkommen.' 
„Natürlich. Mein Herzblatt. Aber jetzt komiu. Frar 
von Lersch wird endlich ihre Briefe lesen wollen." 
Sie trennten sich mit der Aussicht eines baldige, 
Wiedersehens bei Tisch. — 
Helene sah die Briefe durch, ohne sie vorerst zu öffnen 
-Don» legte sie ein Schreiben von Mörbe und einen Brie 
von Eornelie obenauf. 
Mörbe schrieb sehr oft. Lauge Briefe aus Klein 
Wlossow, zumeist an Haus gerichtet, der die schöne rege! 
mäßige Kanzleischrift seines alten Freundes sehr deivunderü 
Und von''seinem kuriosen Stil entzückt wär. 
Der Invalide hatte während der Wintermonaie. uh 
er oft wochenlang in seinem Torwärtcrhäuschen festgelcg 
war, mancherlei Schreibarbeit für seine Herrin übernommen 
die er sehr ordentlich und korrekt ausführte. 
So hatte er sich nun durch Jahre schon im Schreibe, 
geübt und war ein fixer, fleißiger Korrespondent geworden 
Es war wieder einmal ein langes Schriftstück, da- 
Helene da auseinandernahm. Aber Äkörbe schrieb äugen 
s<t,einlich in schlechter Stimmung. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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