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Periodical volume Nr. 96, 24.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin haben in ihrer 
Vollversammlung vom 21. April d. Is. hierzu Stellung ge 
nommen. Sie sind nicht in der Lage, sich dem Vorschlage 
der Handelskammer im Chemnitz anzuschließen. Sie halten 
es für bedenklich, den Grnndbuchrichter mit. jener Fest 
stellung, welche noch durch die Ermittelung der Verkehrs- 
aussassuug durch Befragen der Handelsvertretungen und den 
Wechsel der VerkehrSanschauungeu selbst erschwert wird, zu 
belasten 
o Die Motorspritze, die unserer Wehr und dem Feuer- 
löschausschus; am letzten Sonntag durch die Britzer Feuer 
wehr auf dem Schulhof der st. Gemeindeschuke • jn der 
Rheingaustraße vorgeführt wurde, stammt nicht von den 
Daimler-Werken, sondern von der N. A G. (Neue Auto 
mobil-Gesellschaft). Sie ist nach Angaben deS Oberbrand 
meisters Feuerkommissars Tiedt gebaut worden und hat sich 
bei dem letzten Großfener in Maricudorf vorzüglich bewährt. 
o Mit der Durchleguug der GutsmuthSstrasze be 
schäftigte sich am Dienstag eine Versammlung, die im 
Restaurant „Rheineck" stattfand. Rach längerer Aussprache, 
in der die Mißstäude auf deiu Rummel und Marktplatz 
scharf gegeißelt wurden, nahm die gut besuchte Versammlung 
folgende Entschließung an: 
Tie heute vereinigten Hausbesitzer und Laden-Interessenten in 
der Umgegend des Marktplatzes an der Bornstratze geben ihrem 
lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß die Gemeindevertretung 
ohne Rücksicht aus die großen Schäden, welche den Hausbesitzern 
und Ladeninhabern durch die 'Abhaltung des Marktes und des 
Rummelplatzes entstehen, die Enteignung des zur Durchleguug der 
Gutsmuthöstraße nötigen Geländes nicht energisch betreibt. Ta 
eine Fortdauer der jetzigen Zustände die schwer kämpfenden Grund 
besitzer und Ladeninhaber außerordentlich schädigt, bitten die Ver 
sammelten die Gemeindevertretung Friedenau, alles aufzubieten, 
um eine Turchlcgnng der Eursiuurhsstraße schleunigst hcrbeizu- 
sühren. Eine Uinsrnge des Ausschusses, die an 200 Hausbesitzer 
ergangen ist, hat ergeben, daß 27 Hausbesitzer die Auskunst erteilt 
haben, in den letzten drei Jahren 123 060 M. Verluste erlitten zu 
haben. Wenn diese Zahl als Grundlage genommen wird für die 
rn der Nähe des Marktes vorhandenen Hausbesitzer, so ist die 
Größe des Verlustes ohne ivciteres ersichtlich, sodaß das Verlangen 
der Interessenten sehr begründet ist. 
o Zur Lcmdtagswahl. Jn der am Montag (21. April) 
in der Viktoria-Brauerei in Berlin stattgehabten Vertranens- 
männer-Versammlnng des Bundes der Landwirte für den 
Wahlkreis Teltow—Beeskow—Storkow wurden zck Kandi 
daten für die bevorstehende Landtagswahl die Herren Landes- 
syndikns Gerhardt und Eisenbahnobersekretär Haselosf ein 
stimmig erklärt. 
o Die Schwester Theodor Fontanes, Frau Elise 
Weber, feierte gestern hier im Hanse Wilhelmshöherstr. 12 
bei ihrem dort wohnenden Sohne ihren 75. Geburtstag. 
Jn zahlreichen Beweisen in Form von Telegrammen, Briefen, 
Bluinenspenden kamen die Empfindungen treuen Gedenkens 
an ihren Bruder zum Ausdruck. Die Geburtsstadt Theodor 
Fontanes, Neu-Ruppin war besonders stark beteiligt, ebenso 
Waren, der jetzige Wohnort der Frau Elise Weber. Die 
beiden Söhne des Poeten, der Geh. Kriegsrat und der 
Werlagshändler Fontane gratulierten dem Geburtstagskinde 
persönlich, ebenso der Bildhauer Prof. Mar Wiese, der 
Schöpfer- des - bekannten Denkmals, - das die- Stadt Neu- 
Ruppin ihrem großen Hohne gestiftet hat. Frau Weber, an 
welche der Dichter Zeit seines Lebens mit großer Liebe ge 
hangen hat, ist ncch recht rüstig und weis; tausende kleiner 
Vorkommnisse aus dem Leben ihres Bruders Theodor recht 
interessant zu schildern. Möge ihr solche geistige und körper 
liche Rüstigkeit noch lange vergönnt sein. 
o Das 25jährige Bürgerjubiläum hat Herr Restaurateur 
Wilhelm Grube, , Restaurant Greitzschloßchen, Laubachcr 
Straße Ecke Kreuznacher Straße, dieser Tage begangen. 
Morgen feiert Herr Grube mit seiner Gemahlin den 30. 
Hochzeitstag und wir sind gewiß, daß dem Ehepaar aus 
beiden Anlässen viele Glückwünsche dargebracht werden. 
Auch wir schließen uns den Gratulanten an und wünschen 
unserem verehrten Mitbürger und seiner Gattin auch für 
die folgenden Jahre das allerbeste. Herr Grube ist in 
unserer Gemeinde besonders als Pächter der Tennisplätze 
und Eisbahnen aus den Grundstücken Wiesbadener Straße, 
zwischen Homuth- und Rheingaustraße, und an der Laubacher 
Straße, gegenüber dem Elektrizitätswerk, bekannt. Jetzt 
richtet er wieder einen neuen Sportplatz in Steglitz an der 
Rothenburgstraße ein. Durch seine aufmerksame und gute 
Bedienung hat sich Herr Grube bei allen Sportfreunden 
sehr viele Sympathien erworben. Sein Restaurant „Grenz 
schlößchen", das ein Billard und zwei Kegelbahnen enthält 
und einen wohlgepflegten Garten aufweist, kann zu 
angenehmem Familicnaufenthalt unsern Mitbürgern empfohlen 
werden. .. 
o Die öffentliche liberale Wählcrversaminlung,. 
findet morgen (Freitag) Abend 8 1 /, Uhr in dem großen 
Saale des „Kaiser-Wilhelm-Garten" statt. Einberufer der 
Versammlung sind der „Verein der Fortschrittlichen Volks 
partei für Friedenau und Umgegend", der „Nationalliberale 
Ortsverein" und die Ortsgruppe des „Hansabundes für 
Gewerbe, Handel und Industrie". Die von den vereinigten 
Liberalen aufgestellten Kandidaten zur Landtagswahl,^ die 
Herren Lizentiat Gottfried Traub - Dortmund (F. Vpt.), 
Amtsgcrichtsrat a. D. Dr. Paul Liepmann-Charlottcnburg 
(Ntl.), werden sich in dieser Versammlung den Wählern 
vorstellen. 
o Friedelraner Kunst. Am Sonntag, dem 27. April, 
findet in Spandau die Erinnerungsfeier der Befreiung 
Spandaus statt. Die Spandauer Schützengildc beteiligt sich 
an dieser Feier, und Nachmittag 6 Uhr erfolgt die Ueber- 
gabe der extra zu diesem Zweck geprägten Spandauer 
Erinnerungsmedaille ans Silber. Die Medaille hat die 
Größe eines Fiiiifmarkstückes und zeigt aus der Vorderseite 
die Profilbildnisse Friedrich Wilhelms III. und Kaiser 
Wilhelm II. Auf der Rückseite ist das Spandauer Krieger 
denkmal abgebildet. Der Entwurf dazu stammt von 
unserem langjährigen Mitbürger Bildhauer und Maler 
Ferdinand Eppler, der auch für unser Lyzeum das Abzeichen 
mit dem Porträt der Königin Luise entworfen und 
modelliert hat. 
o Wanderfahrt des Männer-Turnvereins. Zischend 
und fauchend fuhr in früher Morgenstunde des letzten 
Sonntages der Vollringzug in den Bahnhof Wilmersdorf- 
Friedenau ein, erwartet von der ersten Männer-Abtcilung 
des Friedenauer Männer-Turnvereins, die er hinaustragen 
soll in die erwachende Natur. Fast leer ist's im Innern 
des Zuges, sodaß die Abteilung geschlossen Platz nehmen 
kann. Mit dem Rollen der Räder setzte auch die, unsere 
Turnfahrten stets auszeichnende frische Fröhlichkeit ein, die 
alle Sorgen vergessen läßt und übermütig schallte es jedem 
Einsteigenden entgegen: „Reserviert für den Turnverein 
Friedenau". Nach 41 Minuten Fahrt war Bahnhof Ge 
sundbrunnen erreicht. Ans dem Vorortbahnsteig erwarteten 
bereits zahlreiche Ausflügler den Bernauer Zug, den auch 
die Turner benutzen wollten, und nur mit Mühe gelang es 
ihnen, mitzukonunen. Von Bernau begann die Wanderung. 
Das wohl allen Friedenauern wegen seiner Hussitenspiele 
bekannte Städtchen Bernau war schnell durchschritten. Am 
Waldessaum, im Restaurant Walökater, wurde kurze 
Frühstücksrast gemacht; dann ging es mit fröhlichem Gesang 
ans freundlichen Waldwegen nach dem Liepnitzsee. Mitten 
im Walde gelegen, eine kleine und eine große Insel ein 
schließend, gehört er zu den schönsten unserer märkischen 
Seen. Steil fällt der Buchenwald zum See hinab, nur 
einen schmalen Pfad am Ufer freilassend. Die Turnfahrtler 
benutzten das Südufer, bald oben im Walde, bald unten 
am See entlang wandernd. Am Ende des Sees liegt das 
freundliche Wirtshaus Liebnitzsee, in deni das Mittagessen 
eingenommen wurde. Nach l l / 7 Stunden Ruhe wurde in 
Richtung Basdvrf aufgebrochen. Ter am Morgen völlig 
bedeckte Himmel hatte sich im Lause des Tages geklärt, hell 
und warm schien die Sonne herab. Wohl zogen, dem 
Aprilprogramin gemäß, hin und wieder schwere regen- 
schwere Wolken heran, aber die Sonne, die unsere Freunde 
in in ihren besonderen Schutz genominen hatte, zerstreute 
stets die schwarzen Gesellen. Vom Forsthaus Liepnitz ging 
es auf einsamen Waldwegen an Vasdorf vorbei nach Zühls 
dorf, wo im Schützenhause aus riesigen, großväterlichen 
Tassen der wohlverdiente Kaffee eingenommen wurde. Von 
Zühlsdorf wandte man sich der Briese zu. Jn zahlreichen 
Windungen schlängelte sich das idyllische Flüßchen im 
Schein der untergehenden Sonne durch den Wald und 
bildete einen würdigen Abschluß der an landschaftlichen 
Reizen so reichen Tour. Am Ufer entlang schreitend ge 
langte man auf bequemen Waldwegen nach Birkenwerder, 
dem Ziel der Wanderung. Die Uhr zeigte 7 Uhr, als die 
Turner auf dem dorügen Bahnhof eintrafen. Wenige 
Minuten später fuhr man Friedenau entgegen. 
v Die Pfalzburg-Lichtspiele, Kaiscrallec 72, bringen 
-von Herste ab das..patriotische Drama,„Die.Erschieffung..der_ 
11 Schill'schen Offiziere" zur Aufführung. Täglich Nach 
mittags von 5—7 Uhr findet Kinder- und Schülervor- 
stellung statt mit dem Film der Königin Luise. Wir bitten 
unsere Mitbürger, die Anzeige in dieser Nummer gest. zu 
beachten und empfehlen ihnen den Besuch der Psalzburg- 
spiele aufs wärmste. 
v Automobilunfall. Jn der vergangenen Nacht gegen 
12 Uhr fuhr die Automobildroschke A 1 8431 vor dem 
Grundstück Schlvßstr. 60,03 gegen die eiserne Nasen 
eingrenzung. Der Wagen wurde beschädigt, und auch die 
Insassen sollen zu Schaden gekommen sein. 
Fortsetzung res Lokalen tn der Beilage. 
Verems-NsebriMen 
Charlottenburger Touristenklub „Märkische Föhre". Die 
Lehrlingsabteilung des Klubs unternimmt am Sonntag, dem 
27. 'April ihre 34. Wanderfahrt nach Oranienburg, Sachsenhansen, 
Seilers Teerofen, Bchrendsbriick, Soinmersmaldc, Geniiendorf, 
Cden, Oranienburg. Versammlung 7 Uhr Stettiner Vororbahnhof, 
Abfahrt 7.36. Tcilnchnicrkartc 1,:;0 Al. — Die Schülerabteilung 
unternimmt an demselben Sonntage ihre 40. Wanderfahrt und 
Tagesspieltour nach dein Grunewald. Versaminlung '/..0 Uhr 
Amtsgerichtsplatz, Ecke Kantstraße. Teilnehmertarte 0,15 M. Gäste 
sind herzlich willkommen. 
ie Versammlung des Vereins zur Förderung deS Obst- n»d 
Gemüseverbrauches in Deutschland E. B. am Mittwoch, dem 
30. April, Nachin. 1 Uhr findet, wie uns mitgeteilt wird, nicht im 
Gäste haben freien Zutritt rind sind 
Sckoneberg 
— o Der Streit um den Riesengasometer von Schöne 
berg, der sich schon einige Jahre hinzieht, ist jetzt vo,n 
Handelsministeriums endgültig entschieden und der Gasometer 
genehmigt worden. Die für diese Woche in Aussicht ge- 
nommene örtliche Besichtigung des Betriebes hat nicht mehr 
stattgefunden, sondern der Minister hat kurzerhand das 
Urteil des Spandauer Stadtausschusses bestätigt, und der 
Betrieb des Riesenbauwerk-s kann also nicht mehr gehindert 
werden. Wie wir hören, wollen aber die geschädigten 
Hausbesitzer der Umgegend, deren Gmndbesitz sich erheblich 
im Werte verringert, im Wege der Schadenersatzklage gegen 
die Englische Gasgesellschaft vorgehen. 
— o Aufgehoben wurde das Zmangsversteigerungs- 
versahren der Grundstücke Passauer Straße 17, dem Rechts 
kandidaten Paul Großpietsch in Berlin, Senefelderstraße 13, 
und der Frau Charlotte Maus, geb. Großpietsch, Passauer 
in ruhiger Straße 
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Straße 17, in Berlin-Schöneberg, gehörig. — Akazienstr. 27, 
der Gesellschaft Akazienstraße, G. m. b. H. in Charlotten 
burg gehörig. 
Verlin tmd Vororte 
o Berlin - Schmargendorf. Die Einwohnerzahl 
unserer Gemeinde hat sich im März um 189 auf 9095 
erhöht. Es wurden 14 Geburten und 7 Sterbefälle ange 
meldet. Die Zahl der zugezogenen Personen belief sich 
ans 444, der fortgezogenen auf 262. Es fanden 5 Ehe 
schließungen statt. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantioortung.) 
Sehr geehrte Redaktion! Ihren Bericht über die Besprechung 
der Gemcindcvcrtrctcrwahl im Haildel- und Gewerbeverein habe 
ich gelesen, und niöchte zu den Ausführungen des Herrn Vorsitzenden 
des Evangelischen Arbeitervereins einige Mißverstänisse berichtigen. 
Herr Richter erklärte, daß alles, was bisher in der Zeitung ver 
öffentlicht wurde, den Tatsachen nicht entspräche. Wenn damit 
mein Artikel gen:eint ist, so möchte ich feststellen, daß derselbe 
durchaus den Tatsachen entspricht, cs entspricht aber nicht den Tat 
sachen, wenn Herr Richter sagte, er sei beauftragt zu erklären, daß 
ich bedauert hätte, den Artikel geschrieben zuhaben, der Vorstand 
hat ihn dazu nicht beauftragt und ich auch iticht, es liegt also 
seitens des Herrn Richter ein Mißverständnis vor. Herr Banse 
hat erklärt, daß er mit Herrn v. Wrochem nicht Namens des Vor 
standes des Evangelischen Arbeitervereins, sondern nur privatim 
gesprochen habe, da er gehört, daß Herr Brücker als Kandidat auf 
gestellt sei. Nachdem ich aber in der Zeitung, als vom Eoüngel. 
Arbeiterverein aufgestellt, bezeichnet war, hatte ich auch die Pflicht, 
dies als nicht zutreffend zurechtzustellen. Herr Hugo Richter hat 
mir am 22. d. Mts. geschrieben: „Ihre Zuschrift iin Fried. Lokal- 
Anzeiger habe ich gelesen, und haben Sie Recht; cS ist im Evangel. 
Arbeiterverein von der Geineindevertreterwaht absichtlich nichts 
verhandelt, und weil wir uns mit den Wahlücratungcn nicht be 
fassen wollten, mithin ein Kandidat nicht genannt worden; aber für 
Herrn Dr. Wendtlandt einzutreten, liegt kein Grund vor, viel eher 
für Herrn Bäckernieister Wermke." Diesen Brief habe ich am 
22. d. Mts. abends, vor Beginn der Versninmlung des Handcl- 
und Gewerbeoercins von Herrn Richter persönlich erhalten, und 
konnte daher mit Recht sagen, daß ich nichts von der Kandidatur 
deS Herrn Wcruike seitens des Evaugel. Arbeitervereins vorher 
gewußt habe; daß die Kandidaten der einzelnen Vereine in der 
Zeitung standen, habe ich gelesen. Herrn Richter habe ich darauf 
erwidert, daß mir Herr Wermke ein alter guter Bekannter ist, den 
ich hochschätze uild durchaus für geeignet finde, und wenn ich 
gewußt hätte, daß der Vorstand des Evangel. Arbeitervereins den 
Wahlausschuß noch einberufen ivürde, dem ich auch angehöre, und 
für Herrn Wermke Meinung hat, ich die Mitglieder des Evangel. 
Arbeitervereins nicht gebeten hätte, für Herrn Dr. Wendlandt zu 
stimmen. Ich habe cs nur getan, um eine Uneinigkeit zu vermeiden, 
da der Haus- und Grundbesitzer- und Bürgerverein diesen Kandidaten 
ausgestellt hatten, und gehofft ivurde, daß der Handel- und Gewxrbe- 
Vercin wohl auch noch folgen werde. Bei der vorgeschrittenen Zeit 
war auch zu befürchten, daß die Mitglieder des Evaugel. Arbeiter 
vereins sich der Wahl überhaupt enthalten könnten, umsomehr, da 
bei letzter Monatsvcrsanimlung mit denselben kein Wort über einen 
Kandidaten gesprochen wurde (ganz wie im vorigen Jahre im 
Haus- und Gruudbesitzerverein). Für mich kommt es in der Haupt 
sache hier nur darauf an, bestimmt zu erklären, daß, wenn ich in 
einer Zeitungszuschrift mit meinem Namen unterzeichne, und anders 
tue ich es nicht, so bcdaure ich niemals, was ich geschrieben, da ich 
mich strenge an der Wahrheit halte; ich ivürde es aber bedauern, 
wenn durch eilte' Zersplitterung die 'Sozialdöknokfckikd' deiOSIög' be 
halten würde. Tie Kandidaten sind beide gut, noch ist es zur 
Einigung Zeit. Beymel. 
Eine Firma: Gasgesellschaft für Preßregulatoren Berlin dl, 
läßt auch hier im ^Ort Reisende herumgehen, die sich unter der 
Erklärung, „von der .s asgesellschast" zu kommen, in die Wohnungen 
Eintritt verschaffen, der ihnen fast immer gewährt wird, da jeder 
glauben muß, es mit einem Beamten der I. C. G. A. zu tun zu 
habe». Auch in der Fragestellung und Anbringung der Offerte 
wird geflissentlich der Hinweis ans Die ivahrc Firma gemieden, bis 
der betr. Lieferschein unterschrieben ist! Im Interesse unserer Mit 
bürger dürfte es daher liegen, daß unsere Hausfrauen, an die 
sich die Agenten geivöhnlich wenden, die Warnung auf den 
Rechnungen der Gasanstalt beachten, damit sic vor unnötigen und 
zwccklvsen Ausgaben und Verpflichtungen bewahrt bleiben. 8. 
Vermischtes 
'v Was ein vstpreußischcr Magen rcrlragcn kann. Jn der 
„Allenst. Ztg." lcjen mir: An einem der letzten Vormittage kam 
das Oberhaupt einer Landgemeinde nach Allenstein und kehrte in 
einem hiesigen Restaurant ei». Damit der Herr Gemeindevorsteher 
die Strapazen des 7'/, Kilometer langen Reiscwrges gut vertragen 
könnte, hatte er sichln Hause zunächst durch den Genuß von 12 
gekochten Eiern gestärkt und so konnte er dann mit seinenr zivci- 
spännigen Fuhrwerk die 3 ,' i Stunde lange Fahrt ohne Magen 
knurren überwinden. Jn Allenstein im Restaurant angekommen, 
klagte er aber doch über Hunger. Diesen zu stillen und für die 
Aetzung Zahlung zu leisten, erbot sich eiu Fleischermeister. Darauf 
begann der Gemeindevorsteher zu essen und folgendes ivar cs, was 
sein gtiter ostpreußischer Magen aufzunehmen vermochte: '/, Pfund 
Wurst, */, Pfund Karbonade, 30 gekochte Eier, 3 Klopse (mehr 
ivaren nicht vorhanden). Pfund Bund Butter und für 10 Pfg. 
Weißbrot. Um die Sache ordentlich herlinterzuspülen, bedurfte er 
10 Glas Bier und 10 Schnäpse. Nachdem der gute Esser mit 
allem fertig geworden, meinte er: „für vorläufig wäre mir geholfen, 
zu Hause finde ich ja heute ein schönes Mittag." Hoffentlich hat 
er's bis dahin aushalten können. , 
Literarisches 
Wona-Kartcn, bearbeitet und herausgegeben vom Wona-Verlag, 
(R. Halischting) in Königswartha. Stück 10 Pfg. Eine Spezial 
st irte bestimmter Gegenden (z. B. der Havelgegend von Spandau 
bis Potsdam) auf Grund der Generalstabskarten sehr sauber und 
klar ausgeführt. Da sie als Ansichtspostkarten verschickt werden 
können, verdienen sie auch als geographisches Bild einer Landschaft 
(statt der sogenannten Ansichtskarte) entschiedene Verbreitung. 
Mehrere Karten können durch gummierte Leiinvandstreifen zu einer 
zusamnienfaltbaren Landkarte vereinigt werden. 
Wetteraussichten. 
Freitag: Zunächst vielfach heiter, am Tage ziemlich 
warm bei mäßigen südlichen Winden. Nachher zunehmende 
Bewölkung und etwas Regen. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius, Friedenau. 
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