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Periodical volume Nr. 225, 24.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Herren Dzieyk imb Schn, ein Mitglied sei ausgetreten. 
Neu eingetreten seien drei, sodaß die Mitgliederzahl auf 83 
bestehen blieb; mit den heutigen Neuaufnahmen seien 87 
Mitglieder vorhanden. Es fanden im Laufe des Jahres 
3 Vereinsoersammlüngen und 5 Vorstandssitzungen statt. 
Der Kassierer Herr Lorenz berichtete, daß die Einnahmen 
insgesamt 827,40 M. betrugen, die Ausgaben stellten sich 
auf 717,92 M-, sodaß als Bestand 104,48 M. verbleiben. 
Als Kassenprüfer berichtete Herr Davidsohn, daß er die 
Kasse in bester Verfassung vorgefunden habe; er beantragte, 
dem Kassierer Entlastung zu erteilen. Das geschah. Der 
Vorsitzende teilte, noch mit, daß der Verein im vorigen 
Jahre 100 M. für den Heilpflegeverein bewilligt hatte; die 
Kasse der Ortsgruppe des Heilpflegevereins weise augen 
blicklich einen guten Bestand auf, sodaß man etwa 
acht Kinder in die Heilpflege schicken könne. Er bitte 
also, in diesem Jahre von der Bewilligung eines Be 
trages für den Heilpflegevercin Abstand zu nehmen. 
Die Versammlung war hiermit einverstanden. Herr 
Davidsohn übernahm nun zur Neuwahl des Vorstandes 
den Vorsitz. Er schlug, da keiue Vorschläge aus der 
Versammlung gemacht wurden, vor, den bisherigen Vorstand 
durch Zuruf wieder zu wählen und zwar als 1. Vorsitzen 
den Herm Schultz, als zweiten Vorsitzenden Herrn Graß 
mann, als Kassierer Herrn Lorenz, als Schriftführer Herrn 
Buchheimer und als Beisitzer die Herrn Ebers und Berger. 
Die Wahl wurde nach diesem Vorschlage vollzogen. An 
stelle des durch den Tod aus dem Vorstände mtsgeschiedenen 
Herrn Dzieyk wurde Herr Wolfs als Beisitzer in den Vor 
stand gewählt. Herr Schultz übernahm nun wieder den 
Vorsitz, indem er für das durch die Wahl ihm bewiesene 
Verttauen dankte. Darauf kam er zum Punkt 7: Auf 
stellung eines Kandidaten für den verstorbenen Ge- 
meindeverordneten Herrn Schu. Herr Graßmann erbat und 
erhielt zuvor das Wort zu einer Erklärung. Er führte ans, 
daß er der letzten Vorstandssitzung des Gewerbevercins nicht 
beiwohnen konnte. In dieser Sitzung legte sich der Vor 
stand stst auf die Kandidatur des Herrn Wermke. Als er 
an der Versammlung des Hausbesitzervereins teilnahm, 
wußte er noch nichts von diesem Beschluß und dieser 
Kandidatur. Das erfuhr er erst später. Er unterstütze nun 
heute die Kandidattir des Herrn Wermke und. möchte dies 
erklären, damit ihm nicht Doppelzüngigkeit nachgesagt werde. 
Der Vorsitzende bemerkte, daß sich der Vorstand des Ge 
werbevereins einstimmig für die Kandidatur, des Herrn 
Bäckermeisters Wermke entschieden habe. In früheren 
Wahlausschußversammlungen wurde immer der Grundsatz 
aufgestellt, daß bei Ausscheiden eines Gemeindeverordncten 
dahin gestrebt werden solle, nach Möglichkeit wieder einen 
solchen Herrn zu wählen, der aus denselben Kreisen stammt, 
denen der Ausgeschiedene angehört habe. Von diesem 
Gnmdsatz ausgehend, habe der Vorstand als Ersatz für Herm 
Schu nach ■ einem Kandidaten aus den Kreisen der Gewerbe 
treibenden Ausschau gehalten und sei da ans Herrn Wermke 
gekommen. Der Grundbesitzerverein hatte nun vor einiger 
Zeit eine Vorstandssitzung, in der Herr Dr. Wendlandt vor 
geschlagen^ wurde. Der Vorstand des Hausbesitzervereins 
habe dann sofort an Herrn Dr. Wendlandt geschrieben und 
von diesem auch eine zustimmende Antwort erhalten. Darnach 
habe der Grundbesitzerverein auch beschlossen, für Herrn 
Dr. Wendlandt einzutteten. Er (Schultz) habe es aber nicht 
für richtig gefunden, daß der Grundbesitzerverein sofort an 
Herrn Dr. Wendlandt schrieb, ehe er Rücksprache mit den 
anderen Vereinsvorständen genommen hatte. Es hätten 
erst die Vereinsvorstände zusammenkommen müssen, um 
einen gemeinsamen Kandidaten zu ernennen. Das sei nicht 
geschehen. Der Vorstand stelle nun den Antrag, als Ersatz 
für Herrn Schu Herrn Bäckermeister Wermke in die 
Gemeindeverttetung zu wählen. Um unparteiisch vorzu 
gehen, habe man die Vorstände des Grundbesitzer-, Gast 
wirte-, Bürger-, Ev. Arbeiter-, Händler-, Posttinterbeamten-, 
Lehrer-, Bäcker-Vereins und der Gemeindebeamtenvereinigung 
eingeladen, die er hier begrüße. Herr v. Wrochem erklätte, 
auf die Vorgänge, die zur Aufstellung des Herrn 
Dr. Wendlandt führten, näher eingehen zu wollen; ganz 
so, wie Herr Schultz ausführte, habe sich die Sache nicht 
zugetragen. Der Grundbesitzerverein allein habe diese 
Kandidatur nicht aufgestellt. Herr Schu war Vertreter des 
südlichen Bezirks. Dieser Bezirk hat heute 3200 Wühler, 
von denen etwa 2200 bürgerliche Wähler sind. Die anderen 
sind zweifelhaft, wenn sie nicht Sozialdemokraten sind. Es 
wird sich also hier um einen scharfen Kampf mit der 
Sozialdemokratie handeln. Dem Grundbesitzerverein war 
diese Sachlage bekannt und so wurde in einer Vcreins- 
versammlung der Vorstand beauftragt, mit den Vorständen 
der übrigen Vereine zur Kandidatenfrage Stellung zu 
nehmen. Nun hat der Hausbesitzerverein durchaus nicht 
Herrn Dr. Wendlandt aufgestellt. Der Vorstand überlegte 
sich, bevor er Fühlung mit den anderen Vereinen nahm, 
welches wohl der geeignetste Kandidat wäre. Da wurde 
aus der Mitte des Vorstandes Herr Dr. Wendlandt vorge 
schlagen. Und alle Herren waren der Ansicht, daß dies der 
geeignetste Kandidat wäre. Nun trat der Vorstand mit 
dem Vorstande des Bürgervereins in Verbindung und 
erhielt von Herm Dr. Heinecker die Mitteilung, daß der 
Vorstand dieses Vereins einstimmig beschlossen habe, für 
Herrn Dr. Wendlandt einzutreten. Er verhandelte darauf 
mit Herrn Schultz und erhielt von ihm die Mitteilung, daß 
der Gewerbeverein beschlossen habe, Herrn Wermke aufzu 
stellen. In einer Besprechung mit Herrn Schultz und 
Herrn Dr. Heinecker sei dann vereinbart worden, daß die 
drei Vorstände zunächst nochmals zu einer Besprechung 
zusammenkommen. Die Vorstandsinitglieder des Grund 
besitzervereins und des Bürgervereins kamen dann auch zu 
sammen, leider erschienen nicht die Vorstandsmitglieder des 
Gewerbevereins. Durch ein Mißverständnis war Herr 
Schultz nur allein zu der Besprechung gekommen. Herr 
Schultz versprach, am anderen Tage schnell eine Vorstands 
sitzung des Gewerbevereins einzuberufen und ihm das Er 
gebnis mitzuteilen. Das Ergebnis ist ihm nicht bekannt 
gegeben worden, anstelle dessen erhielt er das Einladungs 
schreiben zu der heutigen Versammlung. Der Redner weist 
auf die Schwierigkeiten hin, die für die Wahl in dem Süd 
bezirk durch den scharfen Kampf mit der Sozialdemokratie 
bestehen.' Deshalb müßte man einen Kandidaten roählen, 
der durch seine Stellung die Gewähr bietet, daß die bürger 
liche Wählerschaft einhellig für ihn eintritt. Und diesen 
Kandidaten glaubte man in Herrn Dr. Wendlandt gefunden 
zu haben. Herr Dr. Wendlandt erklärte ihm, daß er vom 
ersten Tage als Landtagsabgeordneter in die Kommission 
für Handel und Gewerbe gewählt wurde und dort wieder 
holt für den Gewerbestand und das Kleingewerbe einge 
treten sei. Auch für Beamte und Lehrer habe er stets seine 
Stimme in die Wagschale geworfen. Herr Dr. Wendlandt 
befindet sich nun jetzt in eineni schweren Wahlkampfe 
im Landtagswahlkreise Schmalkalden - Eschmege. Er hat 
daher erklärt, er könne nur dansn eine Kandidatur an 
nehmen, wenn keine Zersplitterung der bürger 
lichen Stimmen eintritt. Herr v. Wrochem berichtete 
dann, daß der Hausbesitzerverein einstimmig beschlossen 
habe, diese Kandidatur zu unterstützen. Er hob ferner 
hervor, welche gute Erwerbung man mit Herrn Dr. 
Wendlandt machen würde, da der Landtag sich in nächster 
Zeit mit vielen kommunalen Fragen: Beschaffung des Real 
kredits, Stadtwerdung usw. zu befassen haben. Es wäre 
daher gut, daß Landtagsabgeordnete den Ortsparlamenten 
angehören und unser Friedenauer Vertteter könnte da auch 
die Interessen unserer Gemeinde im Landtage besser ver 
treten. Er- bitte daher, für Herrn Dr. Wendlandt einzu 
treten. Im nächsten Jahre stehen ja wieder eine ganze. 
Reihe von Wahlen bevor, da könnte man ja dann auch die. 
Wünsche des Gewerbevercins berücksichtigen. Der Vorsitzende 
bemerkt zu den Ausführungen, des Vorredners, daß er durch 
aus nichts dagegen hätte, daß der Vorstand des Haus- und 
Gnmdbesitzervereins sich auf Herrn Dr. Wendlandt einigte. 
Aber man hätte nicht sofort Herrn Dr. Wendlandt schreiben 
sollen, sondern hätte zuerst Fühlung mit den Vorständen der 
übrigen Vereine nehmen sollen. Daß er nur allein zur 
Besprechung mit den Vorständen kam, beruhte auf einem 
Mißverständnis. Der Vorstand habe sich für Herrn Wermke. 
entschieden. Er glaubte durch das Einladungsschreiben zur 
heutigen Versammlung sich die Mitteilung von dem Er 
gebnis der Vorstandssitzung an den Grundbesitzerverein zu 
ersparen. Herr Matthies bat ebenfalls, für Herrn 
Dr. Wendlandt einzutreten^ Er brachte eine Konkurrenz 
angelegenheit vor, die gegen Herrn Wermke sprechen sollte. 
Herr Wermke konnte jedoch sofort klar legen, daß er durch 
aus korrekt gehandelt habe. Der Vorsitzende des „Evang. 
Arbeitervereins" Herr Richter erklärte, daß alles, was bisher 
in der Zeitung veröffentlicht wurde, nicht den Tatsachen 
entspreche. Es habe erst heute eine Vorstandssitzung des 
Eo. Arbeitervereins stattgefunden und er sei beauftragt zu 
erklären: Herr Beymel bedauert, daß er den Artikel für die 
Zeitung geschrieben und darin die Mitglieder des Evang. 
Arbeitervereins gebeten habe, für Herrn Dr. Wendlandt zu 
stimmen; er hätte nichts von der Kandidatur des Herrn Wermke 
gewußt. Der Evang. Arbeiterverein habe beschlossen, für 
Herrn Wermke voll und ganz einzutreten, weil Herr 
Wermke als kleiner Geschäftsmann den Kleingewerbestand 
unterstützen werde im Hinblick auf die hiesigen großen 
Filialen Berliner Geschäfte, die steuerfrei ausgehen zum 
Schaden der Gemeinde. Herr Berger führte aus, daß Herr 
Dr. Wendlandt als Einzelner ebenso wenig im Landtage 
ausrichten könne, wie ein einzelner Gemeindevertreter int 
Ortsparlament. Herr Dr. Wendlandt wäre ihm auch ein lieber 
Kandidat, wenn er vielleicht schon früher aufgestellt worden 
wäre. Er habe Herrn Dr. Wendlandt mal in einer Ver- 
sannnlnng kennen gelernt, lvo er gegen den teuren Rat 
hausbauplatz energische Worte fand. Damals hatte er be 
dauert, Herrn Dr. Wendlandt nicht im Orts-Parlament zu 
haben. Aber der Grund ist nicht mehr vorhanden, wir 
müssen uns in unsere trattrigen Verhältniffe fügen und 
können jetzt auch an einen anderen Kandidaten denken, llnd 
so bitte er, für Herrn Wermke zu stimmen. Herr Wermke 
ist ein alter Mitbürger und wer ihn näher kennt, weiß, daß 
er gerade für den Mittelstand das wärmste Herz hat. Er 
betonte, daß der Gewerbeverein an der Kandidatttr des 
Herrn Wermke festhalte, da gäbe es kein Feilschen nnö, 
kein Handeln (sehr richtig). Weiter sprach er sich dagegen 
aus, daß unter den Vorständen der Kandidat ausgeknobelt 
werde. Die Wählerversammlung müsse den Kandidaten er 
nennen. Bei den letzten Wahlen sei der Gewerbeverein 
schon schlecht weggekommen. Der Verein habe sich immer 
gefügt und gezahlt. Jetzt könnten doch auch mal die andern 
Vereine mit deut Gewerbeverein zusantmengehen. Für 
Herrn Dr. Wendlandt könnte man. ja im nächsten Jahre 
eintreten. Wenn die Herren heute glauben, an ihrer 
Kanditatur festhalten zu müssen, dann sollen sie es sich auch 
zuschreiben, wenn statt des Bürgerlichen ein Sozialdemokrat 
einzieht. Herr v. Wrochem antivortete Herrn Richter, daß Herr 
Baitse ihm erklärt hatte, daß der Eo. Arbeiterverein für Herrn 
Beymel eintreten wolle. Herr Beymel mtißte doch aus 
der Zeitung über die Kandidatur Wermke orientiert 
sein. Er betonte gegenüber Herrn Berger, daß die politische 
Richtung bei der Wahl zum- Ortsparlamente bei ihm keine 
Rolle spiele, er würde auch für einen Erzkonseroativcn ein 
treten, wenn er ihm als Gemcindeverordneter geeignet er 
scheint. Er ging auf die Kosten früherer Wählet: eilt und 
erklärte, daß die vom Gewerbevercin vorgeschlagenen Ver 
treter bei der letzten Wahl sogar unter schwierigen Ver 
hältnissen gewählt, worden seien. Dann besprach , er die Zu 
sammensetzung der jetzigen Gemeindevertretung und bemerkte, 
daß, da sich der Gewerbeverein schon längere Zeit für 
Herrn Wermke festgelegt habe, dieser Verein auch für den 
Ausfall der Wahl verantwortlich sei. Herr Dr. Tänzler 
teilte mit. daß der Vorstaitd des Bürgervereins sich für 
Herrn Dr. Wendlandt entschieden habe. Er vertrat die 
Ansicht, daß der Gewerbestand quantttativ und qualitativ, 
sehr gut in der Geineindevertretung verttetcn sei und das 
Verhältttis der Zahl seiner Vertreter gegenüber der Zahl 
der Gewerbetreibenden in Friedenau besser sei als gegen 
über der Zahl der Beamten und ihrer Vertreter. Herr 
Dr. Wendlandt sei ein Mann, der mehr in der Oeffentlich- 
keis stehe und durch seine Persönlichkeit und seine parla 
mentarische Tätigkeit die Massen mit fortteißen kann. Wenn 
man praktischen Erfolg von der Wahl wünsche, müsse man 
sich auf diese Kandidatttr festlegen. Herr Graßmann sprach 
sich dahin aus, daß Herr Wettdlandl schon deshalb kein ge 
eigneter Kandidat wäre, weil er viel zt: wenig bekannt )ci. 
Herr Wermke sei viel mehr in den bürgerlichen 
Kreisen bekannt. Es seien doch in der dritten 'Ab 
teilung viel kleine Wähler, die nicht an den Wahltijch 
zu bringen sind, wenn eine so hochgestellte Person zur 
Wahl steht. Herr Dr. Wendlandt würde sich viel besser 
als Kandidat der 1. oder 2. Abteilting eignen. Herr 
Micolowsky erklärte namens des „Händlervereins der 
Nahrungsmittelbranche", daß sein Verein für Herrn 
Wermke eintrete. Er erwarte, daß Herr Wermke ebenso 
wie Herr Schu es getan habe, für das Kleingeiverbe 
einttete. Herr Berger vertrat die gleiche Ansicht des 
Herrn Graßmann. daß für die 3. Abteilung Herr Wermke 
der geeignetere Kandidat sei. Er hält das Verhältnis der 
Vertreter des Gewerbestandes im Genteindeparlament tticht 
für so günstig wie Herr Dr. Tänzler und beanttagte die 
Einberufung einer öffentlichen Wählerversammlung. Herr 
Richter antwortete Herrn v. Wrochem, daß Herr Banse nicht 
beauftragt war, ttamens des Vorstandes des Evg. Arbeiter- 
Vereins zu verhandeln. Er bat nochmals für Herrn 
Wermke, der volkstümlich sei, einzutreten. Herr Ober 
sekretär Borck führte aus, daß er keine besttmmte Erklärung 
abgeben könne, er sei eigentlich nur gekommen, um zu 
hören. Für die Gemeindebeamten sei es außerordentlich 
schwierig, sich'auf einen Kandidaten festzulegen. Sie stehen 
da zwischen Baum und Borke. Man werde daher jedenfalls 
die Parole ausgeben: Freiheit jedem einzelnen. Erglaube, 
daß die meisten Sympathien.in der Beamtenschaft für Herm 
Wermke sind. Er persönlich, neige für Herm Dr. Wend 
landt. Doch als Vorsitzender ^der Vereinigung werde er 
sich vielleicht der Mehrheit fügen müssen, wenn es zu einem 
bestimmten Beschluß kommen sollte. Er sei aber dafür, 
daß man jedem freie Hand lasses Im Hinblick auf künftige 
Wahlen möchte er aber hervorheben, daß es ihm sehr sym 
pathisch berührt habe, daß der Gewerbeverein die Vorstättde 
der übrigen Vereine mit eingeladen habe. Es sei doch gerade 
in der dritten Abteilung mit jed'er Stimme zu rechnen, 
Deshalb sollte matt auch die kleinen Vereine künftig mehr 
berücksichtigen (Sehr richtig). Herr Graßmann meinte, daß 
Herr Dr. Wendlandt nicht die Zeit haben werde, sich mit 
ganzer Kraft dem Amte des Gemeindeverordneten zu widmen. 
Herr v. Wrochem hält den, Antrag, noch eine Wählerver 
sammlung einzuberufen für gut, er bittet, daß der Gewerbe 
verein die Sache dann schletmigst in die Wege leite. Herr 
Gundlach erklärte namens des „Vereins der Gast- und Schank 
wirte", daß dieser für Herrn Wermke eintreten werde. Man 
sprach dann darüber, wann wohl eine Wählerversammlung 
stattfinden könne. Es blieb schließlich nur der Sonntag 
Vormittag übrig, da an den anderen Tagen die Säle besetzt 
sind. Gegen den Sonntag vormittag aber wurde geltend 
gemacht, daß dann die Zeit zur. Wahlagitation zu knapp 
sei. Herr Berger zog darauf seinen Antrag auf Abhaltung 
einer öffentlichen Wählcrversamtstlung zurück. Die ' Mit 
glieder des GewcrbevereinS stimmten darauf einstimmig 
für die Kandidatur, des Herrn. Wermke. Herr v. Wrochem 
erklärte, daß der Grundbesitzer-Verein nicht in' der Lage 
sei, eilten Kandidaten aufzustellen, er könne nur eine 
Kandidatur begrüßen. Einen Kaitdidaten werde er nicht 
ausstellen. Es erklären darauf die Vertreter folgender 
Vereine nochmals die Kandidatur des Herrn Wermke «zu 
unterstützen: „Verein, der Gast- und Schankwirte", 
„Händlerverein der Nahrungsntittelbranche", „Bäcker-Ver 
einigung", „Evangelischer Arbeiter-Verein'. Herr Loos 
meinte, ob es nicht möglich wäre, daß sich nun alle 
auf Herrn Wermke seinigen. Herr v. Wrochem meinte, 
daß dies eine persönliche Ansichst des Herrn Loos sei,- 
Herr Ruhemann fragt, ob es richtig sei, daß Herr Dr. Wend 
landt zurücktritt, wenn noch ein anderer Kandidat aufgestellt 
werde. Herr v. Wrochem erwiderte, daß sich so positiv 
Herr Dr. Wendlandt nicht ausgedrückt habe. Er sagte, er 
wolle sich aufstellen lassen, wenn nicht eine Zersplitterung 
der bürgerlichen Stimmen eintrete. Herr Ruhemannr 
Dann sei cs doch nach der jetzigen Sachlage ausgeschlossen, 
daß Herr Dr. Wendlaitdt sich aufstellen lasse. Herr 
v. Wrochem: Das müsse man Herrn Dr. Wendlandt überlassen. 
Herr Ruhemann: Aber auch den Vereinsvorständen, die Herrn 
Dr. Wendlandt auf den Schild gehoben haben. Damit 
war die Besprechung über die Gemeindewahl erledigt. Der 
Vortrag des Herrn Ammelt über die „Einrichtuitg einer 
Reichsbanknebenstelle in Friedenau" wurde darauf der vor 
gerückten Zeit wegen 'vertagt. Unter Verschiedenes wurde 
noch über die nächtliche Unsicherheit im Orte geklagt. Ver- 
schiedentlich sind Passanten nachts selbst in der Rheiitstraße 
angefallen worden, dhne daß ein Schutzmann zu sehen war. 
Herr Bnchheimer hat einmal mit einem Bekannten fest 
gestellt, daß von 2—3,15 Uhr nachts sich kein Schutzmann 
in der Rheinstraße sehen ließ. Herr Ruhemann brachte 
noch Klagen vor über den Privatmarkt; dort sollen Waren 
zu einem Preise verkauft werden, der die Vermutung zuläßt, 
daß diese Waren nicht auf redlichem Wege erworben sind. 
Auch hierum müßte sich einmal die Polizei kümmern. 
Herr Richter bat die Nahrungsmittelhändler, ihre Waren so 
hoch auszustellen, daß sie nicht von Hunden verunreinigt 
tverden können. Darauf wurde. die Versammlung gegen 
V2 12 Uhr geschlossen. 
Cokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
0 Die Abteilnngslisten für die Wahl zum Hanse 
der Abgeordneten liegen am 24., 25. und 26. April d.J. 
während der Dienststtmden von 8 Uhr Vormittags bis 
6 Uhr Nachmittags im Meldebüro, Feurigstr. 8, Zimmer 2, 
aus. (Vergl. die amtl. Bekanntmachung.) 
0 Zum Rendanten unserer Grmeindekasse ist der 
Kassenkontrolleur Herr Heider ernannt und bestellt worden. 
0 Als amtlicher Desinfektor ist für den Atnts- und 
Genreindebezirk Berlin-Friedenau der Gemeindearbeiter Ernst 
Schmidt bestellt. 
0 Wegen Verleihung des passiven- kommunalen 
Wahlrechts an die preußischen Kommunalbeamten hat der
        
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