Path:
Periodical volume Nr. 44, 20.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

für Kinder in Hohenlychvn Einsicht zu nehmen. Da es im 
Interesse der Ortsarmenverwaltung liegt, dag die Armen- 
pflcger, deren Amt recht arbeitsreich und oft wenig ange 
nehmer Art ist, möglichst eingehend mit denjenigen Anstalten 
bekannt sind, denen sie gegebenenfalls Hilfsbedürftige zu 
überweisen haben und zu diesen Anstalten in hervorragendem 
Maße die Anstalt in Hohenlychen gehört, so wird die 
Gemeindevertretung ersucht, aus dem zu ihrer Verfügung 
stehenden Fonds einen Betrag von etwa 600 M. zur 
Deckung der entstehenden Kosten zu bewilligen. An der 
Besichtigung würden 28 Armenpflegcr, der Büroleiter des 
Armenbüros, die Gemeindeschwester Bonnkc, die Waisen 
pflegerin von Kunowski und wohl einige Herren des 
Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung teilnehmen. 
Bemerkt ivird, daß die Teilnehmer neben den satznngs- 
gemäßen Tagegeldern nur die wirklichen Fahrkosten zu 
erhalten hätten. 
Vorlage betreffend Genehmigung der erforderlichen Umbauten im 
Gymnasialgebäude und in der Turnhalle sowie Bewilligung 
der Mittel. 
Nach eingehenden Beratungen im Kuratorium für die 
höheren Schulen ist ein Umbau einzelner Räume im hiesigen 
Gymnasium als dringend erwünscht bezeichnet. Da es im 
Gymnasiuin im Gegensatz zu den beiden anderen für das 
Realgymnasium und die höhere Mädchenschule errichteten 
Anstaltsgebäuden an Nebenräumen, insbesondere für den 
physikalischen und naturwissenschaftlichen Unterricht fehlt, sv 
ist seitens des Direktors der Anstalt der Antrag gestellt, 
über deit Rahmen der bisherigelt in der Anstalt vorhandenen 
Räume einen Raum für den naturwissenschaftlicheit Unter 
richt in uitmittelbarer Verbindung mit dem Sainmlungsraum 
herzustellen, damit dem Unterricht besser gedient werden 
kann und die Unterrichtsgegcnstände nicht nach jeder 
einzelnen Klasse gebracht werden brauchen. Auch für den 
physikalischen Unterricht fehlt es an einem Raum für 
Schülerübungen. Ebenso ist es als ein Nachteil empfunden 
morden, daß der Schuldiener kein besonderes Dienstzimmer 
hat, wie in den übrigen- höheren Schulen, derselbe sich 
während seiner Dienststunden vielmehr in seiner Wohnung- 
aufhalten muß. Ferner ist das Lehrerzimmer schon jetzt, 
wo die Anstalt noch nicht ganz ausgebaut ist, zu klein. Es 
hat sich daher auch hier das Bedürfnis herausgestellt, dieses 
Lehrerzimmer durch Hipzunahme des jetzigen Sprechzimmers 
zu vergrößern und durch Verlegung der Bücherei einen ent 
sprechenden Ersatz für letztere zu schaffen, llin diesen 
Bedürfnissen Rechnung zu tragen, wurde seitens des Bau 
amtes zunächst ein Entwurf für einen zweckmäßigen Anbau 
nach dem Hofe zu aufgestellt. In demselben ließen sich 
nicht nur die oben bezeichneten notwendigen Räume unter 
bringen, sondern es ließen sich mm; weitere Räumlichkeiten 
für einen Versammlungsraum für Schüleroereine und 
sonstige Nebenräume schaffen. Die hierfür erforderlichen 
Kostep von 60 000 M. schienen dem Kuratorium zu hoch, 
als daß dem Gedanken, einen Anbau herzurichten, näher 
getreten werden könnte. Bei weiterer Durcharbeitung der 
Baufrage durch das Vauamt ergab sich die Möglichkeit, 
durch einen zweckmäßigen Umbau des jetzigen Gymnasial- 
gcbäudes unter Wahrung seiner äußeren Gestalt, die durch 
das Programm^ geforderten und oben ^näher bezeichneten 
Raume zu schassen und zwar die Herrichtung eines Raumes 
für den naturwissenschaftlichen Unterricht im Anschluß an 
den _ dazu gehörigen Sammlungsraum, ein Raum für 
Schnlcrübungen für den physikalischen Unterricht im Anschluß 
an den dazu gehörigen Sammlungsranm, die Vergrößerung 
des Lehrerzimmers und die Einrichtung eines angemessenen 
Raumes für die Lehrcrbücherei, der auch für alle Zeiten 
den gestellten Anforderungen entsprechen dürste, ein Dienst- 
zimmer für den Schuldiener, soioie eine, sich ans den 
Umbauverhältnissen ergebende notwendige Korridorverbindung 
des Hinteren Bauteiles mit dem Vordergebäude im ausge 
bauten Dachgeschoß. Der vom Banamt aufgestellte Kosten 
anschlag schließt mit der Summe von 25 000 M. ab. Nach 
Beratung der Angelegenheit im Bauansschuß am 15. April 
dieses Jahres empfehlen wir im Einvernehmen mit dem 
Kuratorium der Gemeindevertretung die Allsführung des 
Umbaues. 
2. Im Voranschlag für das Jahr 1913 sind bereits 
unter XII a) Abschnitt IV 22 d) 1100 Ml. für die Be 
seitigung des großen Podiums auf der Gallerie der Tnrn- 
halle des Gymnasiums soivie für Herstellung einer Zugangs- 
treppe vom Haupteingange der Tlirnhalle ilach der Gallerie 
und für die Verlegung der Abortanlagen in der Turnhalle 
eingesetzt. Da sich die Umkleideräume im Gymnasium als 
bei weitem zu klein herausgestellt haben, die Gallerie jedoch 
sehr selten benutzt wird, dürfte es sich empfehlen, letztere 
mehr praktischen Ziveckcn nutzbar zu machen und zil 
Garderobcnzwecken einzurichten. Dafür sind die vorbc- 
zeichneten Arbeiten ilotwendig und der Kostenbetrag von 
1100 M. erforderlich. 
Wir bitten, zu beschließen: Die Gemeindevertretung 
erklärt sich 1. mit denl Uinbau des Gymnasialgebäudes nach 
Maßgabe des vorgelegten Kostenanschlages einverstanden, 
und bewilligt die in Abschnitt XV Außerordentliche Bcr- 
ivaltung unter 6 dlirch den Etatsvvrarlschlag bereitgestellten 
Mittel von 25 000 M. und beschließt 2. den Umbau der 
Nebenräume in der Turnhalle nach Maßgabe des vorge 
legten Kostenanschlages und stellt die in Titel XII n) unter 
Abschnitt VI 22 b bereit gestellten Mittel von 1100 Mt. 
Zur Verfügung. (Schluß folgt.) 
£okales 
(Nachdruck unserer o-Originalarlikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Der Nachtrag zur Bangebührenordimilg vom 
25. August/st 3.' September 1906, den unsere Gemeindever 
tretung am 6. Februar 1913 beschlossen hat. ist durch Be 
schluß des Kreisausschusses voin 9. April d. Js. genehmigt 
worden. Der Amtsvorsteher veröffentlicht diesen Nachtrag 
im Anzeigenteils dieser Nummer. 
o Das Sinken des Wasserstandes der Gruncwald- 
seen hält an. Mit Ausnahme des künstlich gefüllten 
Schlachtensees ist der Wasserstand ivieder in deii letzten 
Tagen zurückgegangen. Der Wannsee hatte am 15. April 
eine Höhe von 49,45 über Normal Null, die Krumme 
Lanke von 81,25, der Riestmeistersee von 31,97, der 
Waldsce von 35,27. Der Schlachtcnsce hat die im Ver 
trage mit der Regierung vorgesehene Spiegelhöhe mit 81,60 
erreicht. Der Rückgang der Wasserspiegel um diese Zeit ist 
eine alljährliche Erscheinung. 
o Der Schutzverband für Grunewaldseen hat eine 
Denkschrift ausgearbeitet, die in knapper Form eine Ueber 
sicht über die seitherigen Erfolge und weiteren Ziele des 
Verbandes gibt. Der Schutzverband hält — so wird darin 
ausgeführt — nach wie vor daran, fest, daß das öffentliche 
Wohl nicht dem Vorteil einer Erwerbsgesellschaft unterge 
ordnet werden dürfe, und zwar um so weniger, als in leicht 
erreichtbarer Entfernung von Berlin reichliche Mengen ein 
wandfreiesten Wassers vorhanden seien, das herangeschafft 
werden könne, ohne unersetzliche Naturschönheiten zu ver 
nichten. AIs weitere Ziele des Schutzverbandcs werden be 
zeichnet: die Reinhaltung der Erholungsstätten um Berlin 
durch Verhinderung der Verstreuung von Abfällen aller Art, 
auch die Verhütung der sehr verbreiteten Unsitte, die Natur 
durch Abbrechen von Zweigen und Ausreißen von Pflanzen 
zu beeinträchtigen. Namentlich im ersten Frühling kann 
man auf Schritt und Tritt beobachten, wie jedes frisch alls 
treibende Zwciglcin und jedes hervvrsprießende Blümchen 
den Händen gedankenloser Ausflügler zuin Opfer fällt. 
Vielfach sind es Kinder, die sich solcher Versündigungen an 
der Natur schuldig machen, aber die Großen haben die 
Pflicht, die Ausschreitungen zu verhüten. Ferner will der 
Schutzverband die Ufer der Seen schützen, auch der An 
legung und Erhaltung der Fußwege feine Sorge widmen 
und schließlich für Anbringung guter Wegweiser eintreten, 
an denen cs in der Nähe von Berlin sehr fehlt. 
o Eine Vermehrung der Zugfolge auf der Stettiner 
Bahn wird am Himmcls'fahrkstage erfolgen. Außer den 
planmäßig vorgesehenen Perfonenzügen werden noch folgende 
verkehren: Zug 709 Berlin Stett. Bahnhof ab 5.48 Vorm, 
nach Freienwalde (Oder), Vorzug 711 Berlin Stettiner 
Bahnhof ab 5.53 Vorm, nach Stettin, Zug 455 Berlin 
Stettiner Bahnhof 6.30 Vorm, nach Freienwalde (Oder). 
o Prof. Duhrsseff, der am Schisfbauerdamm eine 
Privatklinik für Chirurgie und Frauenkrankheiten unterhält, 
ist im Februar an einer schweren Blutvergiftung erkrankt. 
Da sich sein Gesundheitszustand bis heute noch nicket so 
gebessert hat, daß er seine Praxis selbst wieder ausüben 
kann, hat er diese seinem bisherigen Privat-Assistenten 
Herrn Dr. Herrmann, Friedenau, Hedwigstr. 17 übertragen. 
o Ortsgruppe „Berlin-Steglitz und anliegende Vor 
orte" des Zentralverbandes pensionierter Beamten und 
Lehrer, sowie deren Hinterbliebenen. Am 19. d. Mts. früh 
starb der in Steglitz wohlbekannte 2. Vorsitzende der Orts 
gruppe Steglitz und anliegende Vororte" des „Zentralvcr- 
bandes Pension. Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten 
und Lehrer": Herr Prof. Dr. Edmund Lüthgen, Steglitz, 
Paulsenstr. 47 wohnhaft, infolge Schlaganfalls. Beerdigung 
Mittwoch, den 23. d. Mts., 4 Uhr auf dem Steglitzer 
Friedhof, Bergstraße. — Die in diesem Monat abgehaltene 
Versammlung, welche durch den 1. Vorsitzenden, Polizei 
hauptmann und Bürgermeister a. D. von Carnap geleitet 
wurde^. behandelte hauptsächlich die Frage, welchen Kan 
didaten bei den Neuwahlen zum Prenß.' Abgcordnetenhäuse' 
die Pensionäre ihre Stimmen zu geben haben. Es kam 
auch zur Erörterung, daß sowohl im Reichs- wie auch im 
Landtage das Interesse für die gesetzliche Erhöhung der 
Pensionen keinesfalls abgeflaut ist, sondern daß seitens der 
meisten Fraktionen noch recht tätig für bas Zustandekommen 
des Gesetzes gewirkt wird. Die Pensionäre haben daher 
keine Veranlassung, den Mut sinken zu lassen» Allerd'ings 
hängt viel von der Agitation des Zentralvorstandes, dem 
nur eine außerordentliche, zielbewußte Arbeit nachzurühmen 
ist, sowie aber auch von. dem Verhalten jedes einzelnen 
Pensionärs ab. Auch diese dürfen durchaus nicht müßig 
sein. Nur eine allgemeine Bewegung 7 der gesamten 
Pensionäre kann zum Ziele führen. Und dazu bieten die 
bevorstehenden Neuwahlen zum Preuß. Abgevrdnetenhause 
eine sobald nicht wiederkehrende Gelegenheit. ■ Die hiesige 
Ortsgruppe hat sich ans diesem Grunde entschlossen, am 
Dienstag, dem 6. Mai, nachm. 5 Uhr im Albrcchtshof zu 
Steglitz noch einmal eine größere Versammlung abzuhalten, 
zu welcher die benachbarten Ortsgruppen eingeladen sind. 
Auch solche Pensionäre, die bisher noch nicht Mitglied des 
über ganz Deutschland ausgebreiteten Vereins sind, wie auch 
aktive Beamte und Lehrer haben Zutritt. Der Zentralvor 
stand des Verbandes, wie auch einige Abgeordnete haben 
ihr Erscheinen zugesagt. 
o Der Friedenaner Mieter-Verein hält am Mittwoch, 
dem 23. April, Abends 8 l / 2 Uhr im Restaurant zum 
„Prinzen Handjery" die Jahres-Hauptversanunlung des 
Friedenaner Mietervereins ab. Die Tagesordnung wird in 
der Versammlung bekannt gegeben. Erscheinen sämtlicher 
Mitglieder erwünscht. Gäste willkommen. 
o Asta Nielsen tritt von heute ab im Biofon- 
thcater in der Rheinstr. 14 anf. Der Tod in Sevilla, 
ein Drama in 4 Akten, in welchein die bedeutendste Kino- 
Diva der Gegenwart die Hauptrolle spielt, behandelt ein 
Vorkommnis, das vor kurzem ganz Spanien in Atcin hielt. 
Die Aufmachung ist brillant und die feurige Juanita kann 
wohl kaum besser verkörpert und gespielt werden als durch 
Asta Nielsen. Sehr hübsch ist auch das zweite Drama in 
3 Akten: Die Spur im Schnee. Eine interessante Niesen- 
gebirgsgeschichte ist cs, die aber glücklich endet. Die Hosen 
träger betitelt sich eine ulkige Geschichte aus dein Leben 
eines jungen Ehemannes, in dessen Wohnung' und Garten 
Kinoschauspieler Aufnahmen machen. Auch „Wenn man 
nachsteigt" ist sehr ulkig. Recht abwechslungsreich ist — wie 
immer — die Wochcnrcvue von Gmimont. Man sieht, cs 
ist ein äußerst reichhaltiges Programm, welches das Bivson- 
theater seinen Besuchern bietet. 
o „.Kapitän Bieberstein" verhaftet. Wir berichteten 
kiirzlich, daß eine Möbelfirma durch einen angeblichen 
Kapitän Bieberstein, der in der Landauerstraße eine Wohnung 
gemietet hatte, geschädigt wurde. Der Kriminalpolizei ist 
cs nun gelungen, dem Schwindler ans die Spur zu kommen. 
Sie ermittelte, daß die Möbel nach einein Keller in der 
Schwerinstraße geschasst waren und verhaftete den Inhaber! 
des Kellers, einen gewissen Ziege. Nach der Festnahme 
entpuppte sich dieser Ziege als ein Bäckermeister^ Meynch, 
der in der Potsdamer Straße 89 Inhaber eines Pensionats 
ist. M. erklärte, den B. erst seit kurzer Zeit zu kennen. 
Bei der darauf folgenden Durchsuchung der Wohming des 
M. fand Herr Kriminalkommissar Schmidt vom Schone 
berger Polizeipräsidium in einem eleganten Rohrplatten 
koffer eine neue Marine-Unifonn und verschiedene Brief 
schaften, unter denen niehrere an einen Herrn Neinhold 
Schröder adressiert waren. Als dies dem M. vorgehalten 
wurde, erklärte er, daß Bieberstein in Wirklichkeit Schröder 
heiße. Außerdem fand der Kommissar in dem Koffer 
Papiere von Schönig, Lange und Spiel. Hierbei erinnerte 
er sich, das; vor einiger Zeit Anzeigen aus verschiedenen 
großen Städten eingelaufen seien, daß ein gewisser „Kapitän 
Steinke" junge Leute zur Seereise benötigte, die er für seine 
Pacht „Monreal" in Genua haben sollte. Die Leute hatten 
infolge eines Inserats ihre Originalpapiere eingesandt, die 
„Kapitän Steinke" aber nur dazu benutzte, um unter Vor 
legung derselben Schwindelgeschäfte zu gründen. So war 
u. a. unter der Firma Schönig & Co. ein großes Lebens 
mittelgeschäft Engros in der Potsdamer Straße 56 _ aufge 
macht' worden. 'Die Beamten der Schöneberger Kriminal 
polizei ermittelten nun bald nach der Personalbeschreibung, 
daß Bieberstein, Schönig und Schröder ein und dieselbe 
Person sei. Die Firma Schönig & Co. bestand kaum 
14 Tage. Dann waren plötzlich die Geschäftslokalitäten 
leer, die 6 Schreibmaschinen und sämtliches Inventar ver 
schwunden. Inzwischen beobachteten Beamte der Schöne 
berger Kriminalpolizei das Haus des M. in der Potsdamer 
Straße, doch schien Schroeder Lunte gemerkt zu haben, denn 
er traute sich nicht in sein Logis hinein. Bei der Obser- 
viernng siel den Beamten in der verflossenen Nacht in der 
Nähe des Hauses ein Herr auf, auf den die Personalbe 
schreibung des Schröder paßte und der beim Herannahen 
eines Beamten die Flucht ergriff und nun in wilder Jagd 
durch zahlreiche Straßen, durch die Tcnnewitzstraße, die 
Kurfürstenstraße usw. auch von den übrigen Beamten ver 
folgt wurde, bis es schließlich gelang, ihn festzuhalten und 
nach dem Präsidium zic bringen. Hier stellte sich heraus, 
das; er ein langesuchter schwerer Verbrecher ist, und daß 
ferner Mehlich auch die Büro-Einrichtung verschärft hat. Die 
weiteren Mitglieder dieser schwarzen Bande befinden sich 
ebenfalls in den Händen der Polizei. 
o Durch einen Tnnunen-Jnngen-Ltreich sind die 
beiden fünf und drei ^ahre alten Töchter Gertrud und 
Erna des Kutschers Hensel aus der Fricsenstraße 10 am 
Mund und Gaunien schwer verletzt worden. Die Kinder 
spielten anf der Straße, als zwei ihnen unbekannte Knaben 
von ungefähr 10 und 12 Jähren an sie herantraten und 
ihnen einige Stücke Blockzncker anboten. Die Mädchen 
nahmen die Zuckerstangen an und bissen hinein. Im selben 
Augenblick schrieen sie aber vor Schmerzen auf, ,verloren 
das Bewußtsein und bekam?,: große weiße und rote 
Flecke im Gesicht. Der sofort hinzugernfene Arzt 
Herr Tr. Hangen aus der Kaiserallee stellte fest, das; 
der Mund - und-- bei dem einen Kinde auch der 
Gaumen schwere Brandwunden aufwiesen. . Die nähere 
"Untersuchung ergab, das; es sich bei dem angeblichen'Block- 
zucker um Höllensteinstücke handelte. Der plötzliche Schmerz 
rief rvohl die Flecken im Gesicht und die Bewußtlosigkeit 
hervor. Die Kinder haben sich heute wieder gut erholt; 
eine ernste gesundheitliche GefalA besteht für sie nicht. 
o Selbstmord anf den Schienen. Gestern Abend 
stürzte sich in der Nähe des Ningbahnhofes Wilmersdorf- 
Friedenau der Maurer Bnllmvrgen ans Tempelhof aus 
einem fahrenden Zuge. Er geriet unter die Räder und 
wurde auf der Stelle getötet. 
2/tiTcbnfters 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Gemeindewahl. 
Die „Auch ein Vertreter des Mittelstandes" unterzeichnete Zu 
schrift bedarf einer Erwiderung, Dem betr. Herrn scheint nicht be 
kannt zu sein, das; vor etwa 8 Tagen der Bund der Industriellen 
sich mit dein Verbände der Groß-Industriellen zu einer Vereinigung 
zusammengeschlossen hat. Mithin ist Herr Tr. Wendlaudt^ tat 
sächlich ein Vertreter der .Schlotbarone". Persönlich will ich Herrn 
Dr. Wcndlandt durchaus nicht zunahe treten. Er mag all die Vor 
züge haben, die ihm nachgerühmt werden. Aber die Frage ist die: 
Wird Herr Tr. Wcndlandt in der Lage sein, das Ehrenamt eines 
Gemcindevervrdnctcn so wahrnehmen, wie es seine Wählerschaft 
verlangen darf? lind da komme ich zu einer Verneinung. Herr 
Dr. Wendlandt hat aus beruflichen Gründen und als Abgeordneter 
eines westfälischen Wahlkreises garnicht die Zeit, sich intensiv mit 
unseren kommunalen Angelegenheiten zu beschäftigen. Es wird 
ihm so gehen, wie jetzt schon Herrn Dr. Tänzlcr, dessen Beruf als 
Syndikus des Teutschert Arbeitgeber-Verbandes ihn sehr oft von 
Friedenau abruft, so daß er nur sehr selten in den Gemeindever 
tretersitzungen, wie a>:ch in den Kvminissionssitzungen erscheinen 
kann. Es wird schon heute von einzelnen Gcnieindcvcrordneten 
geklagt, daß sic zu viel mit Kommissionssitznttgen überlastet würden. 
.In den Kommissionen aber wird die allergrößte Arbeit immer zu 
eisten sein. WaS nützt uns daher ein Vertreter, der, obwohl zu 
diesem Amte in hervorragender Weise berufen, nicht imstande ist, 
dieses Amt auch voll und ganz auszufüllen?! lim noch auf eins 
zu sprechen zu kommen: Ter Grundbesitzervercin hat Herrn Dr. 
Wcndlandt vorgeschlagen. Wie mir aber erzählt wird, sind unsere 
Grundbesitzer an der 3. Abteilung mir nur rund 30 Vollmachten 
beteiligt. Sollen sich da die 0000 Wähler der 3. Abteilung von den 
Grundbesitzern ihren Kandidaten vorschreiben lassen? Ich kann 
nur immer wieder die Kandidaiur des Herrn Wermke aufs 
wärmste empfehlen: Er ist »ach Lage der Sache der geeignetste 
Mann für die in Frage stehende,Wahl. Herr Wermke ist bereits 
ehrenamtlich in der Gemeinde tätig, er ist in vielen Vereinen Mit 
glied und ist auch Mitglied des Haus- und Grundbesitzer-Vereins. 
Die ihn näher kennen, wissen, daß er für jeden Beruf ein warmes Herz 
hat, besonders aber denn Mittelstände ein reges Interesse entgcgcn- 
■ bringt. Sein Urteil richtet sich da nicht nach einzelnen Jnteressciu 
Er tritt ebenso warm für Gewerbetreibende wie für Beamte und 
Lehrer ei» und-sein Wirken in der Jugendpflege beweist am beste», 
daß er gemeinnützigen Bestrebungen wohlgesinnt ist. Darum 
. Wähler dritter Ableitung: Auf zur Wahl für Herrn Bäckermeister 
.Wermke! Der. Vertreter des Mittelstandes. 
0end>tliche5 
(;) Wegen bandenmäßigcn schweren Diebstahls mußte sich der 
Schneider Emil Riedel vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II 
verantworten, während die Arbeiterin Marths Oesterreich > wegen 
gewerbsmäßiger Hehlerei angeklagt »var. Im Jahre 1009 hatte
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.