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Periodical volume Nr. 93, 21.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

K ünstlerkolonie ist eine großartige und wohl einzig dastehende 
Schöpfung, die der Großherzog Ernst Ludwig, ein durchaus 
moderner Fürsst seiner Residenzstadt und seinem Lande 
schenkte! 
So ergibt sich ein weiter Blick über die Vielseitigkeit 
der in den Stadtverwaltnngen zu behandelnden Fragen und 
die Großzügigkeit moderner Stadtwirtschaft. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Lriginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Eharakterverleihuiig. Unserem früheren langjährigen 
Mitbiirger, dem seist in Schlachtensee wohnhaften Rechn,-Rat 
im Justizministerium, Haüptmann a. D. Reinfeldt ist der 
Charakter als Geheimer Rechnungsrat verliehen worden. 
Geheimrat Reinfeldt dürfte besonders als langjähriges Vor 
standsmitglieds des Krieger- nnd Landwehrvereins vielen be 
kannt sein. 
o Eine Motorspritze ivurde gestern Vormittag von der 
Britzer Feuerwehr unserem Feuerlöschausschuß und unserer 
Wehr vorgeführt. Es ist eine automobile Feuerspritze, die 
durch Bezinmotor getrieben wird. Von der Leistungsfähigkeit 
der Spritze waren die Herren des Ausschusses außerordentlich 
befriedigt. Das Wässer konnte bis zur Kitchsturmspitze ge 
schleudert werden. Der Druck ist so stärk, daß drei Mann 
das Rohr-halten mußten. Die Wirkung der- Spritze macht 
sich auch in-den der Wasserentnahmestelle- benachbarten 
Wohnhäusern bemerkbar, da das Wasser in den Leitungen 
zurückgeht. Die Motorspritze der Britzer Wehr stammt aus 
den Daimler-Werken in Marienfelde, die örst kürzlich van 
unserem Feuerlöschausschuß- besichtigt -wurden. Hoffentlich 
kommt nun. unsere Feuerwehr recht bald in-den Besitz eines 
derartigen außerordentlich wirkungsvollen und- notwendigen 
Feuerlöschgerätes. 
o Gegen das freie Baden in Flnstlättfen. Mit 
Bezug auf - die auch von uns veröffentlichte Mitteilung, 
wonach das Baden in den Flußläusen der Havel und Spree 
verboten werden soll, veröffentlicht der Landrat v. Achenbach 
folgende- Bekanntmachung: In der Tagespresse wird im 
Anschluß an eine Kundgebung des Königlichen Wasserban- 
aintes Köpenick die Bemerkung geknüpft, daß ein Verbot 
des freien Badens in den- öffentlichen Flußläufen des Havel- 
und Spreegebiets demnächst zu erwarten sei. Diesem Mit 
teilung ist geeignet, Irrtümer über die bestehende Rechtslage 
berbeizuführcn. Ich weise deshalb darauf- hin, daß schon 
jetzt — insbesondere durch § 85 der Polizeiverordnung vom 
17. Januar 1896 und § 1 der Polizeiverordnnng vom 
10. ÜIhn 1907 — bestimmt ist, daß das Baden in den 
öffentlichen Gewässern um Berlin außerhalb der dazu be 
stimmten Stellen verboten und unter Strafe gestellt ist. 
» Gegen die Waschküche im Oberboden. Der 
Architekt Franz. Steinbrucker- hatte in seinem Hause Kaiser- 
alle 79, eine Waschküche auf dem Oberboden eingerichtet 
und wegen dieser verschiedene Dispensgesuche eingereicht. 
Untern! 26. März 1912 gab ihm der Ämtsvorsteher auf, 
aus dem Rarlnr die Feuerungsanlage zu entfernen und ihn 
sticht Mehr als Waschküche brnutzen zu lassen. Die Durch 
führung ist unterblieben, vielmehr wurden wiederholt Gesuche 
um Genehmigung eingereicht, die immer abgewiesen worden 
sind. Darauf klagte St. vor dem Kreisausschuß gegen den 
hiesigen Ämtsvorsteher. Der Beklagte stützt sich auf § 18 
Ziffer 10 der Baupvlizeiordnung, wonach Dachräume nur 
zu Lngerzwecken benutzt werden dürfen, nicht aber zum 
dauernden Aufenthalt von Menschen. St. bestreitet die-Be 
rechtigung der Verfügung und erklärt,- es entstehe.-mit ihrer 
Durchführung nur eine Belästigung der Mieter, die dann 
die Wäsche erst aus der Wohnung in die Kellerwaschküchc, 
von da auf den Trockenboden lind dann hinunter zur Rolle 
und schließlich wieder hiuauf in die Wohnung bringen 
müßten. — -Der Kreisausschuß gab der Klage statt, da eine 
solche Bestimmung in der-Baupvlizeiordnung ungültig sei. 
Wert des Streitgegenstandes 2000 M. 
v Die feierliche Grundsteinlegung der katholischen 
St. Marien-Kirche in der Laubachcr Straße hat gestern 
Nachmittag stattgefunden. Der Bauplatz war reich geschmückt. 
An hohen Masten, die von Girlanden umwunden waren, 
wehten kirchliche und nationale Fahnen. Eine zahlreiche 
Festgemeinde hatte sich auf dem Platz um 4 Uhr ver- 
sammelt. Unter den Ehrengästen bemerkten wir u. a.: 
Bürgermeister Walger, Gemeindeschöffe Geheimrat Bache, 
Stadtbanrat Müller-Berlin-Wilmersdorf, Gemeindcbaurat 
Altmann, Schuldirektoren Dr. Busch, Prof. Schröder und 
Hannemann, Direktor Geheimrat Sarrazin, Geheimrat Prof. 
Gerlach. Bald nach 4 Uhr wurde die Geistlichkeit in feier 
lichem Zuge auf den Bauplatz geleitet. An der Spitze 
schritt der Kirchenschweizer mit den Chorknaben, die die 
heiligen Geräte trugen, darauf folgten die Geistlichen der 
Steglitzer Pfarrgcmeinde: Erzpriester Deitmer und Kapläne 
Sturm und Menzel, dann die Geistlichkeit der Nachbar 
gemeinden und hiernach der fürstliche Prälat Kleinadam 
von St. Hedwig. Den Geistlichen folgten die katholischen 
Vereine mit ihren Fahnen. Während der Kirchenchor „Wie 
lieblich, o Herr, sind Deine Wohnungen" sang, schritt der 
Zug über den Bauplatz zunächst zu der Stelle des Kreuzes. 
Ter Prälat besprengte die Stelle, auf der das Kreuz auf 
gepflanzt war, mit Weihwasser und betete. Darauf sprach 
er. mit den übrigen Geistlichen den -83. Psalm. Nach aber 
maligem Gebet begaben sich die Geistlichen a« die Stelle 
des Grundsteins, wo der Prälat die Weihe des Grundsteins 
unter Gebeten vornahm. Er besprengte den Stein mit dem 
geweihten Wasser, nahm ein Messer und schnitt drei Kreuze 
in den Stein mit, den Worten: „Im Namen des P Vaters 
und des f Sohnes und des Heiligen Geistes. Dem 
Gebet folgte die Litanei von - allen Heiligen. Dann 
bereitete der- Priester unter Beihilfe des Maurers den 
Mörtel und-stimmte eine Antiphonie mit dem 126. Psalm 
an. Diakon Kaplan Menzel verlas nnn die Urkunde, die 
in einer Büchse verschlossen, in den Grundstein mit .einge 
mauert ivurde. Darnach berührte der Prälat den Grund 
stein und legte ihn im Fundament fest, indem er.betete. 
D er Stein wurde inzwischen festgemguert und der Prälat 
besprengte ihn jetzt mit geweihtem Wasser, wobei er sprach: 
„Besprenge mich mit Psop, Herr und ich werde rein 
werden; wasche mich und ich werde weißer als der Schnee'-. 
Dann tat er die drei Harnmerschläge. E8 folgten die 
Hammerschläge des Bürgermeisters Walger des Wittner^ 
dorfer Sladtbaurats Müller des Geheimrats Prof^ Gerlach, des 
Direktors Sarrazin n. a. Der Priester stimmte nun den 
50. Psalm an. Darauf begaben sich die Geistlichen zu den 
Fundamenten, die der Prälat besprengte und dabei eine 
Antiphonie anstimmte mit dem 86. Psalm. Der Kirchen 
chor sang: „Kommt laßt uns' anbeten". Nach der 
Rückkehr sunt' Grundstein beteten die Geistlichen gemeinsam, 
worauf Prälat Kleinadam die Kanzel betrat. Er legte 
seiner Predigt das Wort 1. Moses 3, 15 zugritnde, welches 
lautet: „Und ich will Feindschaft-setzen zwischen dir und dem 
Weibe und zwischen' deinem Samen und ihrem Samen. 
Derselbe foll-dir den Kopf zertreten, und du wirst -um- m 
die Ferse stechen." Der Geistliche wies zunächst darauf hin, 
daß soeben der Grundstein gelegt wurde zum Ban einer 
neuen Kirche, deren Namen sein wird: „Maria von der 
unbefleckten Empfängnis".- Später werde man die Kirche 
vielleicht nennen „Unsere liebe Frau zu Friedenau". Unter 
Anlehnung an den angeführten Bibelspruch betonte der 
Priester in seiner Predigt, daß alle Meuschenkiuder mit 
Erbsünde auf die Welt gekommen sind, nur ein Weib blieb 
fern von Erbsünde: Maria, die unbefleckt empfangen wurde, 
um der Welt, den , Sohn i Gottes, > der-, die Siinde der 
Menschheit auf sich nahm, zu geböten. In dem 
Geheimnis der unbefleckten Empfängnis Mariens liege der 
Grundstein der christlichen Kirche, der Zeugnis ablegt von 
der Wahrheit des christlichen Glaubens. In unserer Mark 
sind viele Marienkirchen vorhanden. Es beweist das, wie 
sehr der Nttttter-Gottes-Glaube im deutschen Volke würzelt. 
Nachdem der Priester noch auf die Lehren der Philosophen 
und-Gottleugner eingegangen, forderte er die Gemeinde zu 
christlichem Glauben und zur -christlichen Treue auf. Er 
-sprach darauf allen, die zut- feierlichen Grundsteinlegung sich 
Angefunden -hatten, --den -Vertretern der «Behörden, den 
Vereinen und vor allen den Wohltätern, die die Mittel auf 
gebracht haben, sodaß der Baubeginn des Gotteshauses möglich 
ivurde, deu Taut aus. Er bat, weitere Mittel für den 
Bau zu spenden, da die vorhandenen Gelder noch nicht die 
vollen Kosten decke». Der Gemeiudegesang des „Te Deum 
laudaimis“ schloß die erhebende, weihevolle Feier. — Die 
neue Kirche ist für die jetzt zur Pfarrei von Steglitz -ge 
hörenden in Friedenau und Wilmersdorf wohnenden 
Karholiken bestimmt. 
o Die Fahrpreisermäßigung für Fahrten im Inter 
esse der Jugendpflege sollen im Berliner Stadt-, Ring- 
und Vorortverkehr vom 1. Mai d. I. ab versuchsweise auch 
an-Sonn- und Festtagen, mit - Ausnahme des Himmel- 
sahrtstages, geplant werden. Die Höchstzähl der von 
Jugendpflegevereinen entsandten Ausflügler darf jedoch für 
den einzelnen Züg nur 159, für die einzelne Vorortsttecke 
au einem Tage 600 nicht übersteigen. Der Rdiseantritr 
muß in der Zeit vom 1. Mai bis 30.- September zur Hin 
fahrt bis 7 Uhr morgens,-zur--Rückfahrt bis 7 Uhr abends 
erfolgen, in der anderen Jahreszeit zur Hinfahrt bis 8 Uhr 
morgens und zur Rückfahrt bis 6 Uhr abends. • Die An 
träge aus Gewährung der Ermäßigung sind au die Kgl. 
Eisenbahndirektion zu richten, nach deren Geiiehmignng 
werden sie den Bahnhöfen und Fahrkartenausgaben zur 
weiteren Veranlassung übersandt. 
o Schnlkinderelend. Aus der Arbeit der Schulärzte 
Berlins erzählt der -im Auftrags der Schuldeputativn der 
Stadt Berlin für das Schuljahr 1911/12 vom Schularzt 
Sanitätsrat Dr. Paul Meyer aus den Eiuzelberichtcn der 
50 Schulärzte zusammengestellte Gesamtbericht. Diesmal 
wurden aus den Schulanfängern 9,-72 Proz. wegen einst 
weiliger Schulunsähigkeit ausgesondert gegen 10,55 Proz. 
im vorhergehenden Schuljahr. 47 019 Kinder standen im 
letzten Jähr in Ueberivachuug, das sind 21,22 Proz. von 
überhaupt 224 424 Gemciudeschulkindcrn. Darunter waren 
u. a. 7856 Kinder mit ungenügendem Kräftezustaud, 1745 
mit Rachitis, 2316 mit Skrofulöse, 1617 mit Lungen 
tuberkulose, 1220 mit andern Luugenleiden, 1931 mit 
Nervenleiden, 3563 mit Wirbelsäuleverkriimmungeu, 2776 
mit Bnlchschädeu. 
o Der Leiter des Schülerscrienheims für Kinder 
besserer Stände und höherer Schulen zu Koserow an der 
Ostsee, Herr Lehrer Ohm, hat mit seiner Pensionierung seinen 
Wohnsitz von Schöiihanser-Allee 66 nach Berlin-Wilmersdorf, 
Brandenburgischestr. 72 II, Telefon Amt Pfalzburg (108) 
verlegt. Tie Geschäftsstelle des Heims und der Pension 
Waldsricdcn ist täglich von 10—12 und 3—6 Uhr geöffnet. 
v Eine große Laubenkolonie ist jetzt im Laueubucger 
Ortsteil von Steglitz auf dem Gelände zwischen Lothar-, 
Bücher-, Lauenburger-, Friedrichsruher- und Schönhauser 
Straße im Entstehen begriffen. Die Gesellschaft, der die 
dortigen Baustellen gehören, hat diese einem Generalpächter 
übergeben, der sie in beliebigen Größen zum Zwecke der 
„Bebauung" an Steglitzer Familien weiterverpachtet. Zahl 
reiche fleißige Hände sind nun seit einigen Tagen damit 
beschäftigt, das Brachland zu Laubenkolonien und Familien 
gärten herzurichten. Das ganze Terrain wird, nachdem die 
mühseligen Arbeiten „Früchte" , getragen haben, in der 
dortigen Gegend, inmitten der bebauten Sttaßen, ein .eigen 
artiges. ©Üb; abgeben. Jedoch ein interessantes Bild, an 
dem die Gesellschaft eine nennenswerte' Einnahme hat und 
viele Familien Freude und Erholung finden werden. 
o Eine angenehme Ueberraschnng wurde den Arbeitern 
und Angestellten der Optischen Anstalt von Carl Bamberg, 
Miserallee 87-88, zuteil. Am letzten Lohnzahltage erhielt 
jeder außer seinem Lohn ein Jubilnnms - Zweimarkstück 
von der Jahrhundertfeier mit der Jahreszahl 1813—1913 
als Geschenk. 
v Die vielgernhmle Findigkeit unserer Post wird 
wiederum in ein eigentümliches Licht gerückt durch folgenden 
Fall: Ein an den Turnwart der 1. Knabenabteilung des 
Männer-Turnvereins zu Friedmans). T.) in Berlin-Friedenau 
ging als unbestellbar zurück mit der Angabe: /.Empfänger 
lucht zu ermitteln". Der seit,'27 Jahren bestehende Männer- 
Turnverein scheint darnach der Post noch unbekannt zu sein. 
o. Mit der bevorstehenden Eemeindevertreter-Ersatz- 
wahl wild sich die morgen (Dienstag) Abend 9 Uhr im 
Hohenzollern stattfindende- Generalversammlung des Handel- 
und Gewerbevereins beschäftigen. Zu dieser Versammlung 
sind die Varstände der -übrigen kommunalen Vereine mit 
eingeladen, worden.• Bekanntlich wird vom Vorstande des 
Gewerbevereins die Wähl des Herrn Bäckermeisters Wermke 
in Vorschlug gebracht. —Weiter wird in-der Versammlung 
Herr Bankvorsteher Aminelt über die „Einrichtung einer 
Rcichsbanknebenstelle in Friedenau" sprechen. Es ist dar 
nach ein Pünktlicher und zahlreicher der Besuch Versamm 
lung wünschenswert. 
o Zur Durchlegung der GutSmuthsstraße. Am 
Dienstag, dem 22. April. Abkiids Uhr, findet eine 
Versammlung irn.. Restaurant ..Rheineck" des Herrn Fritz 
Feldmann. Rheinstr. 39, Ecke Kaiserallee statt, zu welcher 
die Interessenten eingeladen sind, die. die' Durchlegung der 
Gulsmnthsstraße und Beseittgung des Marktes erstreben. 
Hausbesitzer und Inhaber von Ladengeschäften werden durch 
den Markt in gleicher Weise geschädigt. 
o Der nationakliberale Ortsverein beschloß am 
19. d. Mts. sein Winterprogramni mit einem Unter- 
halttingsabend für Herren und Damen in der „Käisereiche." 
Der 1. Vorsitzende Geh. Reg.-Rat Vogt feierte in einer An 
sprache „Deutschlands Krastentfaltung." Er führte aus, wie 
in den letzten Jahrzehnten -Deutschland an Volkskraft und 
Wohlstand gewachsen sei;- diee-geplante Vermehrung der 
Heeresmacht sei keineswegs als' äußerste Anstrengung auf 
zufassen, sondern lediglich als eine Folgerung aus der ge 
stiegenen Macht. Die Erregung der Franzosen sei im 
' Gründe nichts anderes, als die Furcht vor dieser Macht. 
Aber gerade Deutschland habe auch ein dringendes Friedens 
bedürfnis, weil es mit Recht hofstn dürfe, in Frieden noch 
weiter zu erstprken und das zu ergänzen, was. ihm, vor 
allem in der staatlichcni Organisation, noch fehle. Der Vor 
sitzende forderte noch, zu reger "Betätigung bei den bevor 
stehenden Landtagswahlen durch Wahlhilfe und Beittäge zu 
den Wählkosteü auf. — Ein EiSbeinessen, das der Küche 
der „Käisereiche" alle Ehre .machte,, versetzte die Erschienenen 
in fröhliche Stimmung, die durch eine Reihe humoristischer 
Dorttäge- noch gehoben wurde. 
o Vörtrag- Am 16. April hielt -Herr Kartellgeschäfts 
führer Th. Eberhard im Deutschnationalen Handlungs 
gehilfen - VAbcMd, ^ Ortsgruppe Friedenau, Hohenzollern- 
' Restaurant zu Friedenau, einen öffentlichen Vortrag über 
das Thema „Freihandel und Schutzzoll mit besonderer Be 
rücksichtigung ihrer geschichtlichen Entwicklung." Redner 
führte aus, daß man erst seit dem 16. Jahrhundert von 
wirtschaftlichen Systemen sprechen könne, und zwar, nachdenr 
durch die Entdeckung Amerikas .ein völliger Umschwung in 
den bis dahin vorhanden gewesenen -wirtschaftlichen Ver 
hältnissen (Naturalwirtschaft) eingetreten war. Als erstes 
Wirtschaftssystem entwickelte sich der Merkantilismus, der 
bestrebt war, möglichst viel bares Geld im eigenen Lande 
aufzuhäufen, Md- der zu diesem Zwecke die gewerbliche 
Gütererzeuguilck niit allen Mitteln (Verleihung von 
Privilegien, Monopolen. Förderung des Zunftwesens usw.) 
unterstützte. Zur wirksmuen Durchführung des, Merkantil 
system wurde hie Ausfuhr von Rohstoffen und vor allem 
von Geld gesetzlich verboten und die Einstihr von aus 
ländischen Fersigfabrikateu durch hohe Schutzzölle sehr er 
schwert. Um das Jahr 1750 wurde durch Quesnay das 
„physiokratische System" begründet, das den Bodenertrag 
als die einzige -Quelle' des..Bolksvermögens und Wohl 
standes ansah. Deshalb wurde von diesem System, im 
Gegensatz zuiN Merkantilismus, die Landwirtschaft be 
sonders gefördert. Schließlich trat ein völliger Umschwung 
in der Wirtschaftspolitik der europäischen Staaten ein, als 
die Lehre de? großen Nativnalökonomen Adam Smith 
(1723—1790), der in der wirtschaftlichen Arbeit eines 
- Volkes die ursprünglichste und hauptsächlichste Quelle des 
Reichtums sah. immer mehr Anwendung fand. Adam 
- Smith fördert die freie Konkurrenz im Jnlaude und im 
Verkehr mit dc'M Auslande und deshalb Abschaffung aller 
Ein- und Ausfuhrzölle, der Monopole, des Zunftwesens sc. 
Als erster Staut wandte Preußen die Grundsätze des Adam 
Smith's au, und zwar in der Stein-Hardeubergischen Agrar- 
uud Gewerbegesetzgebung. Der Merkanttlismus wurde durch 
ein „gemäßigtes - Schutzzollsystem" ersetzt, das mich die 
Grundlage siit den Deutschen Zollverein gebildet hat. 
Redner ging noch näher ans die Wirtschaftspolitik der 
europäischen Staaten ein und kam auf die Einführung des 
Schutzzollsystem durch- Bismarck im Jahre 1878 zu sprechen. 
Rach den Aüsführungen des Redners haben Schutzzölle 
folgende Zwecke: 1. die durch ausländischen Weitbewerb ge 
fährdete Leistungsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft und 
Industrie zu erhalten; oder 2. die vorhandene Leistungs 
fähigkeit weiter zu steigern; oder 3. gegebenenfalls neue 
Zweige der GiUererzeugung zu entwickeln. An den Vortrag, 
dem lebhafter Beifall gespendet wurde, schloß sich eine lebhafte 
Aussprache an, an der auch zahlreiche Gäste, besonders Herr 
Rcchnungsrat Richter, teilnahmen. 
o Der „Plattdütsch Vereen „Waterkant" för de 
westlichen Vörurte von Berlin" veranstaltet am Dienstag, 
den 22.. ds. Mts. im Saale des Logenrestaurants, Steglitz, 
Albrechtstr. 112 a wiederum einen, seiner beliebten Familien 
abende. Plattdeutsche Landsleute und Freunde der platt 
deutschen Sprache sind herzlich willkommen. Beginn abends 
9 Uhr. 
o. Der Direktion der Pfakzburg-Lichtspiele ist es ge 
lungen, ein Meisterstück der Nordischen Kunstfilmgesellschaft 
zu erringen und zwar -ist . es dex Oskar Wilde'sche Roman 
„Das Bildnis des Donau Groy", welcher in hochdrama- 
1 sicher Weise und äußerst spannend wiedergeben ist. Der 
Film gewinnt dadurch noch an Reiz, indem die Hauptrolle 
in den Händen der Kopenhygencr Lieblinge und zwar Herrn 
Pöyländer und Frau Clara Wieth liegen. Diese zwei 
Künstler, garantieren für ein vollendetes Werk. Es ist daher 
der Besuch des Theaters zu dieser Vorstellung besonders zu 
-empfehlen, da erstens dieses Meisterwerk nur 3 Tage vvr- 
gefnhrt- wird and-zweitens--da-s.Programm durchweg erst- 
Mssige^Bildcr enthält. -Auch wollen.-wir nicht versäumen, 
an dieser Stelle auf die Voranzeige - hinzuweisen, - die - im 
heutigen Inserat sich befindet, wonach der 3. und letzte Tei
        
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