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Periodical volume Nr. 93, 21.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Frik-kmiler LuKal-Ameisn. 
(Friedenauer 
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Nr. 93. 
Berlin-Friedenau, Montag, den 21. April 1913. 
20» Iahrg. 
Oepelcken 
Letzte I2atbr1«b1en 
, Brandenburg a. H. Ein schweres Automobilunglück 
ereignete sich heute morgen auf der Chaussee von Branden 
burg nach Alt-Bensdorf. Dort überfuhr der Chauffeur 
Rachhut mit dem Droschkenauto Nr. 3 des Fichrherrn Tege 
aus Brandenburg einen mit zwei Pferden bespannten Wagen. 
Der Kutscher des Wagens wurde so schwer verletzt, daß er 
nach dem Krankenhaus in Brandenburg gebracht werden 
mußte; ein Pferd des Wagens war sofort tot, das andere 
schwer verletzt. Der Chauffeur, der angetrunken war, wurde 
nicht verletzt. Das Auto ist schwer beschädigt. 
Rom. Das heute früh 8 Uhr über den Gesundheits 
zustand des Papstes ausgegebene Bulletin lautet: „Die 
Besserung im Befinden des Papstes hält an. Der Papst 
befindet sich auf dem Wege zur Genesung. Infolgedessen 
werden keine Bulletins mehr ausgegeben. Gezeichnet 
Marchiafava, Amici." 
Bremen. Der Bauunternehmer Fritz Greeten, Mit 
inhaber der Bremer Baufirma Gebrüder Greeten, eine in 
der Gartenstadtbewegung bekannte Persönlichkeit, stürzte gestern 
aus einer Schaukel, die er für seine Kinder gebaut hatte, 
und brach vor den Augen seiner Familie das Genick. 
Innsbruck. An der sogenannten kugeligen Wand bei 
Tauer ist Herr Marttn Rigger aus Innsbruck beim Alpen 
blumensuchen vor den Augen seiner drei Kinder abgestürzt. 
Er war sofort tot. 
„.Paris. In einer anscheinend offiziösen Mitteilung 
wird angekündigt, daß die Oftbahngesellschast bereit sei, 
etwaige Entschädigungsansprüche der bei dem Nancyer Besuch 
insultierten deutschen Reisenden zu erfüllen. 
London. Der Belgrader Korrespondent der Daily 
Mail behauptet, aus diplomattschen Quellen erfahren zu 
haben, daß ein österreichisch-bulgarischer Gehetmvettrag zwecks 
gegenseitiger Hilfeleistung im Falle eines Konflitts mit Serbien 
existiert. Das Vorhandensein dieses Vertrages soll durch die 
Indiskretion eines untergeordneten diplomatischen Beamten 
bekannt geworden sein. 
Konstantinopel. In den hiesigen diplomatischen 
Kreisen wird behauptet, daß die bulgarische Regierung, um 
sich anläßlich der drohenden Konflikte mit seinen bisherigen 
Verbündeten Serbien und Griechenland beizeiten Unter 
stützung zu sichern, bemüht, sowohl mit der Türkei als auch 
mit Rumänien Vereinbarungen zu tteffen. Beide Staaten 
will Bulgarien durch Anerbietungen von Gebietskonzessionen 
im Süden und im Norden Bulgariens gewinnen. Während 
Bulgarien im Falle eines Krieges mit Serbien und Griechen 
land von Rumänien bewaffnete Hilfe erwartet, soll sich die 
Pforte lediglich zur Neutralität verpflichten. 
Großzügige Slaälwirlsckaft. 
Von Erwin Stein, Generalsekretär 
des Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik. 
(Schluß.) 
Aus dem Gebiete der Wasserversorgung ist zunächst 
Entwickelung und der Bau der Remscheider Wasserwerke 
mit Errichtung der beiden Talsperren zu erwähnen. Wasser 
mangel war in Remscheid eine regelmäßig auftretetende Er 
scheinung, die Gebirgslage der Stadt und die Beschaffenheit 
der unterirdischen Bodenformation war daran schuld. 1882 
wurden die Kosten für Wassergewinnung und Wasserver 
sorgung bereit gestellt. Die weiteren Arbeiten führten zur 
Errichtung zweier Talsperren. Die Eschbachtalsperre wurde 
1893 eingeweiht, die Anlagen der Negetalsperre wurden 
1908 und 1909 betriebsfettig, die im Sperrgebiet ab 
fließenden kolossalen Wassermengen konnten vollständig 
zurückgehalten werden, was natürlich zur Milderung der 
Hochwasserschäden in den unterhalb liegenden Tälern beige 
tragen hat. 
Die Wasserversorgungsanlage ist den an ein solches 
Werk zu stellenden Anforderungen, der Bürgerschaft nicht 
nur ein einwandfreies Trinkwasser, sondern auch sämtliches 
Gebrauchswasser für ihre Wohnstätten, sowie für öffentliche 
und gewerbliche Zwecke, in einer stets genügenden Menge 
unter solchem Druck durch geschloffene Leitungen, so zuzu 
führen, daß es direkt aus Verteilungsleitungen an den Ge 
brauchsstellen entnommen werden kann, während der abge 
laufenen 28 Jahre vollkommen gerecht geworden. Der 
Wasserverbrauch der im ersten Bettiebsjahr 131 000 Kubik 
meter betrug, stellte sich 1911 auf 2,73 Millionen Kubik 
meter. Bis 1945 wird Remscheid mit ausreichenden 
Wassermengen versorgt sein. Trotz hoher Anlage- und Be 
triebskosten erzielten die Wasserwerke in 28 Jahren ziemlich 
2V 2 Millionen Mark Ueberschuß. Auf dem gleichen Arbeits 
gebiete liegen die berühmten Talsperrenbauten der Stadt 
Chemnitz, wobei es sich um eine ganze Gruppe von Stau 
bauten handelt, die der Einwohnerzahl der aufsttebenden 
Industriestadt die nöügen Wassermengen sichern sollen. 
Nachdem zunächst bei Einsiedel eine Talsperre gebaut 
morden war, folgte eine Talsperre an der Klatschmühle mit 
einein etwa 600 000 Kubikmeter fassenden Becken. In 
einem weiteren Staubecken im oberen Bautenbachtal können 
300 000 Kubikmeter Wasser angesammelt werden. Damit 
will man sich aber noch nicht begnügen, sondern weit 
schauenden Blicks den Wasserbedarf kommender Generationen 
decken helfen. 
In München hat man seit 1881 für die Wasserver 
sorgung ein Kapital von 26,1 Million Mark aufgewendet, 
dabei ist eine Anlage geschaffen, die einwandfreies Wasser 
ergibt, das keiner Filtration bedarf, eine Anlage, die auch 
in technischer Hinsicht hervorragendes Interesse erfordert. 
Gotha schuf mit einem Aufwand von rd. 1 Million die 
Talsperre bei Tambach, eine landschaftliche hervorragende 
Anlage für eine Staumenge von 776 OM Kubikmeter. In 
Meerane verausgabte man an Baukosten für das Wasser 
werk 1,2 Mill. Mark, die in diesem gewonnene Waffer- 
menge betrug 1911 ca. 900 000 Kubikmeter, verbraucht 
werden 88 Liter pro Kopf. 
Mit der Wasserversorgung steht die Kanalisation im 
Zusammenhang. In München erfolgte auf Pettenhofers 
Mahnung hin der Ausbau eines den Anforderungen moderner 
Hygiene voll entsprechendem Kanalnetzes, das 1911 einen 
Umfang von 317 MO Meter hatte. Die Anlagekosten stellten 
sich auf 38 Millionen Mark. Dafür ist die Typhussterb 
lichkeit in München fast ganz verschwunden, in der allge 
meinen Sterblichkeit ist ein Rückgang, fast übereinsttmmend 
mit der Ausdehnung des Kanalnetzes, nachgewiesen worden. 
Auch in Gnesen hat man mit einem Kostenaufwand von 
l l / 2 Mill. Mark eine Kanalisation geschaffen und so zur 
Verbesserung der hygienischen Verhältnisse beigetragen. In 
Allenstein hatte man fiir den gleichen Zweck 7M000 M. 
bewilligt und dafiir eine Druckluftkanalisatton eingettchtet, in 
der Schmutzwässer durch Druck über Berg und Tal nach der 
Kläranlage befördert werden. 
Mit der Lebensmittelversorgung beschäftigen sich eben 
falls verschiedene Neuanlagen der Städte, Die oberschlesische 
Stadt Kattowitz baute eine Fleischhalle (4350 gm) für die 
sich die Kosten ohne Grunderwerb auf 160 000 M. stellten. 
Die unweit belegene Stadt Königshütte verausgabte s / 4 Mill. 
Mark für eine Markthalle, die zwar in erster Linie aus 
Gründen der Gesundheit und als gemeinnütziges Unter 
nehmen geschaffen wurde, die sich aber auch als gewinn 
bringende Anlage für den Städtesäckel erwies. 
Die neue Großstadt Gelsenkirchen mußte an die Er 
richtung eines Schlacht- und Viehhofes gehen, der für 130 000 
Menschen genügen sollte. Die Kosten etteichten Nicht ganz 
2'7 3 Mill. Mark, dafür sind natürlich alle technischen Neue 
rungen berücksichtigt. Auch Hamborn hat einen solchen Ge- 
meindebettieb geschaffen, bei dem auch die architektonische 
Wirkung zu begrüßen ist. Von weiteren großzügigen Unter 
nehmungen der Städte erwähnen wir nur noch (um die 
Vielgestalttgkeit der Aufgaben zu kennzeichnen) die Feuer- 
bestattungsanstalt der Stadt Dresden und das Krematottum 
in Stuttgatt, die städtische Handwerkerschule in Kiel, das 
Realgymnasium zu Frankfurt a. O., das Schöllerschulhaus 
in Hof, die Hafenanlagen in Duisburg-Ruhrort, in Har 
burg, in Regensburg, in Neuß, den Holzhafen in Thorn, 
das städtische Museum in Weimar. Unter den Leistungen 
befindet sich so manche, die eine mehr als lokale Aufmerk 
samkeit beansprucht. Die im Reich, ja in der ganzen Welt 
bekannt geworden ist. Hier muß unbedingt erwähnt werden: 
Darmstadt und seine Künstlerkolonie. Wenn auch die Stadt 
verwaltung nicht beansprucht, Schöpfer des Werkes zu sein, 
so weiß man doch, daß sie durch die verschiedensten Mittel 
die Durchführung der Idee begünstigt hat. Die Namen 
Fallot, Nessel u. a. haben einen guten Klang, die Pflege 
der Kunst entspricht also in Hessen alter Tradition — die 
träumende Menschen. 
Roman von Dora Sünder. 
24. Mach druck tnJ-ttn.) 
Dann sah er besorgt auf den jungen Kameraden, der 
blaß mit müden, enttäuschten Augen neben ihm her schritt. 
Selten hatte niemals eine Ahnung davon gehabt, daß 
in dem liebenswürdigen, offenen, heiteren Menschen ein 
Stück Spielteufel stecke! 
Trotz der erleuchteten Fenster im zweiten Stock war 
nirgends eine Droschke oder ein Auto zu sehen. Die 
Kutscher mochten wissen, daß auf die Gesellschaft da oben 
kein Warten war. ' 
Endlich, an einer Straßenecke, die den beiden Offi 
zieren nicht mal dem Namen nach bekannt war, hielt em 
Taxameter mit seinem verschlafenen Gaul. 
Sie stiegen ein und brauchten weit über eine halbe 
Stunde, bis sie vor Seitens Wohnung hielten. 
Edgar zog sich rasch um. Dann schrieb er den Schuld 
schein für Selten aus. Erlt beim Abschied fragte er mit 
einem gezwungenen Lächeln, das dem hübschen, offenen 
Gesicht seltsam stand: 
„Was haft du eigentlich für Geschäfte gemacht, 
Kamerad?" 
„Einen Hunderter gewonnen." Dann legte Selten 
Edgar die Hand auf den Arm und sagte gutmütig: 
Ein Jammer, Lersch, daß du den Tausender nicht in 
der Tasche behalten hast. Ein größerer, daß wir diesem 
Loewenaard in die Hände gefallen sind! Wohin ist dieser 
Mensch, der im ersten Augenblick faszinierend wirkt, eigentlich 
3U * glaar^udtc mit den Schultern. Er wollte einen Witz 
machen, aber er blieb ihm in der Kehle stecken. Er dachte 
plötzlich an Cornelie und an das Versprechen, das er ihr 
und Lena gegeben hatte! 
12. Kapitel. 
Anderthalb Stunden, ehe der Münchener Zug einlief, 
trafen Rolf Kähne und Hans, von Reichenhall kommend, 
in Salzburg ein, um Frau von Lersch zu empfangen. 
Hans war von zappelnder Ungeduld. Salzburg, das 
ihm nach allein, was er in Reichenhall davon gehört 
hatte, die Krone der Reife zu werden versprach, war ihm 
heut wenig interessant. Nachdem er die Mutter zwei Mo 
nate nicht gesehen hatte, schien ihm die letzte Stunde der 
Trennung kein Ende nehmen zu wollen. 
Sie gingen in den schönen Anlagen vor dem Hotel 
de l'Europe auf und ab. 
Weiter war Hans vom Bahnhof nicht fortzubekommen. 
Kühne zeigte ihm das Standbild der Kaiserin Elisabeth 
und erzählte ihm von dem tragischen Ende der schönen, 
unglücklichen Frau. Er, der Salzburg selbst noch nicht 
kannte, hätte viel darum gegeben, wenigstens durch die 
nächsten Straßen zu gehen, oder mit der elektrischen 
Bahn ein Stückchen Wegs in die Stadt zu fahren, schon 
um der eigenen Ungeduld Herr zu werden, die er sich 
um keinen Preis eingestehen mochte. — 
Es war ein sehr warmer, fast heißer Tag. Die Sonne 
brannte, der Himmel spannte sich wie ein Baldachin aus 
blauem Atlas über Stadt und Bergrücken. 
Rolf fürchtete die Erregung für den erhitzten, auf 
geregten Knaben. 
Endlich gelang es ihm, ihn zu bewegen, mit ihm in 
ein Cafä in der Nähe zu gehen, um bis zur Ankunft des 
Zuges dort zu warten. 
Hans sprach unermüdlich von der Mutter. Was sie 
der Mutter alles zeigen, wohin sie sie überall führen wollten. 
An den Thunsee und zur Alpach-Klamm und zur großen 
Brücke, um die reihende" Salzach zu sehen und die Flößer 
auf dem Strom. Und einen Wagen würden sie nehmen 
müssen zum Batzenhäusl und nach Hallthurn. Die alte 
Berchtesgadener Straße zu fahren, sei viel schöner als die 
Eisenbahn. „Und den Watzmann, den müssen wir der 
Mutter zuerst zeigen. Und dann müssen wir auch endlich 
nach Berchtesgaden und ins Salzbergwerk." Und ob Herr 
Kühne glaube, daß Mutti mit zur Inhalation gehen 
würde und ins Bad und zum Brunnentrinken in den 
Kurgarten und an die Saline? 
Kühne konnte kaum alle Fragen beantworten, die der 
lebhafte Junge in seiner Erwartungsfreude stellte. Aber 
er war dem Kinde dankbar, daß es ihn abzog von der 
einen Frage, die ihn unausgesetzt beschäftigte, seit Frau 
von Lersch ihre Ankunft gemeldet hatte. Von der Frage: 
Wird sie sich geben, wie sie sich in ihren Briefen gab? 
Wirst du neben ihr schreiten dürfen durch diese herrliche 
Bergwelt, als ein Gleichgesinnter, ein Freund, oder wirst 
du wieder nur der junge abhängige Mensch sein, der über 
dem Wohl ihres Kindes zu wachen hat und für diesen 
Dienst bezahlt wird? 
„Herr Kühne, bitte, cs ist elf Uhr. Um halb zwölf 
kommt der Zug. Wollen wir nicht gehen?" 
Hans hatte es zweimal fragen und beim zweiten Mal 
die Hand auf Herrn Kühnes Arm legen müssen, bevor 
er gehört worden war. 
Rolf erschrak und sah auf die Uhr. 
„Es fehlen noch zehn Minuten an elf, Hans. Wir 
haben keine fünf Minuten zur Bahn —" 
„Aber es ist so voll auf dem Salzburger Bahnhof. 
Wir werden Mutti nicht finden, wenn wir nicht früh 
kommen," klagte der Junge. 
„Also gut, eine Viertelstunde noch, Hans, dann gehen 
wir hinüber. Wir haben, den Weg abgerechnet, dann 
noch immer zwanzig Minuten Zeit, bis der Zug kommt." 
Hans erklärte sein Einverständnis. 
„Möchtest du nicht erst noch ein Glas Milch trinken?" 
Hans wollte nichts davon wissen. Er hatte sich in Reichen 
hall die Milch mehr als übergetrunken. Aber eine Schoko 
lade. ja. 
l-ortfetzung folgt.)
        
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