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Periodical volume Nr. 92, 20.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

hält eine ähnliche Anstalt. Die Jahresaufwendungen 
stellen sich auf 140 000 M., durch Stromabgabe, Verkauf 
von Schlacken usw. wird eine Einnahme von 66 000 M. 
erzielt. (Schluß folgt.) 
£okales 
(Nachdnrck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die nächste (üemcindevertrctersitzung findet am 
Donnerstag, dem 24. April, Abends 7 Uhr im Sitzungssaals 
des Neformrealgymnasiums (Homuthstraße) statt. Die Tages 
ordnung finden unsere Leser im Anzeigenteil dieser Nummer. 
o Ueber 4 Millionen Einwohner. Nach der neuesten 
Zählung hat die Bevölkerung von Großberlin, d. h. von 
Berlin und seinen 80 Vororten, jetzt die Zahl von 4 Millionen 
Seelen überschritten. Auf Berlin entfällt genau die Hälfte, 
uämlich rund 2,1 Millionen Einwohner. Die Zunahme 
der Bevölkenlng ist zehnmal so groß in den Vororten als 
in Berlin. Sic betrug in Berlin bei dem letzten llmzugs- 
termin rund 4000 und in den Vororten rund 40 000 Seelen. 
v Die feierliche Grundsteinlegung der kath. St. Marien- 
Kirche findet morgen (Sonntag) nachmittag 4 Uhr statt. 
o Die an dasElektrizitätswerkSndwestangeschlossenen 
Vororte Schöneberg, Wilmersdorf und Schmargendorf haben 
für das Jahr 1912 von den Bruttoeinnahmen des Werkes 
Abgaben in Höhe von 447 761 Mark erhalten. Von dem 
auf 1 652 879 Mark berechneten Reingewinn ist an die 
drei Vorortgcmeinden ferner ein Gewinnanteil im Betrage 
von 292 607,92 Mark verteilt worden. 
o Der Haus- und Grundbesitzer-Verein gab in 
seiner gestrigen Monatsversammlung im „Hohenzollern" den 
Namen seines Kandidaten für die Ersatzwahl zur Gemeinde 
vertretung in der dritten Abteilung (Südbezirk) bekannt. 
Ferner wurde lebhaft über Verkehrsfragen gesprochen. Die 
von verschiedenen Seiten gemachten Vorschläge sollen dem 
Gemeindevorstande bezw. dem Verkehrhausschuß zur weiteren 
Verfolgung unterbreitet werden. — Gegen 9 Uhr wurde die 
Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn v. Wrochem, 
eröffnet, der nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls 
der vorigen Versammlung, die eingelaufenen Schreiben mit 
teilte. ll. a. berichtete er von der Umgestaltung der 
Wirtschafts - Vereinigung für Grundbesitzer in eine Wirt 
schafts-Genossenschaft der Grundbesitzer westlicher Vororte. 
Der Vorstand habe es abgelehnt, der Genossenschaft als 
Körperschaft beizutreten, doch könne der Vorstand dem 
Einzelnen, der sich Vorteile von der Zugehörigkeit zu der 
Genossenschaft verspricht, den Beitritt nicht abraten. Den 
Kohlenbezug, worüber in der vorigen Sitzung gesprochen 
wurde, habe der Vorstand gleickffalls erörtert. Es ist noch 
ein Schreiben voin Verband Berliner Kohlen-Großhändler 
eingegangen, in welchen! darauf aufmerksain gemacht wird, 
daß der Verein Charlottenburger Kohlenhändler den.Kontroll 
vorschriften nicht unterliege. Der Vorstand kam aber zu dein 
Entschluß, daß für das Jahr 1913 ein Abschluß mit irgend 
einer Vereinigung nicht mehr uröglich ist. Er iverde jedoch 
für das «ächste Jahr rechtzeitig Verhandlungen einleiten, 
um den Mitgliedern Vorteile im Kohlenbezug zu verschaffen. 
Der Ausschuß für Ausarbeitung ciiies Mietsvertrages hat 
jetzt ein Formular vorgelegt, mit fctnt sich a3Ä ber'Vor 
stand noch nicht beschäftigt hat. Es werden also in nächster 
Zeit einheitliche Mietsformulare für Friedenau hergestellt 
werden. — Der Vorsitzende kam nun auf die Gemeinde- 
vertrcter-Ersatzwahl zu sprechen. Die vorige Ver 
sammlung hat sich damit einverstanden erklärt, daß der 
Vorstand in der Kandidatenfrage Fühlung nehme mit dem 
Vorstände des Handel- und Gewerbe-Vereins und des 
Bürgervereins. Ehe der Vorstand aber diese Schritte 
unternahm, legte er sich zunächst die Frage vor, wer könnte 
vielleicht als Kandidat in Frage koinnien. Der Vorstand 
stand dabei auf demselben Standpunkt, wie er in der letzten 
Versammlung dargelegt wurde und suchte nach einem ge 
eigneten Kandidaten, der die gesamten bürgerlichen Wahl 
kreise mit sich fortreißt im Kampf gegen die Sozialdemokratie. 
Und da ist der Vorstand auf einen Herrn gekomnicn, von 
dein er glaubt, daß er diesen Anforderungen entsprechen 
würde. Es ist ein Vereinsmitglied, das sich in den Ver- 
sainmlungen allerdings nur bei wichtigen Sachen sehen ließ, 
aber darin volles Interesse und Verständnis für den Verein 
und seine Bestrebungen gezeigt hat. Es ist der Landtags 
abgeordnete Herr Dr. Wendlandt. Im Vorstand waren 
alle der Meinung, daß dies der richtige Kandidat wäre. 
Da Herr Dr. Wendlandt jetzt in seinem Wahlkreise auf Reisen 
Mensch, mit spitzem, schwarzem Kopf und einem ticinen, 
bürstenartigcn Schnurrbart. 
Er fragte ihn, weshalb er nicht mittue. Edgar 
schüttelte den Kopf und sah über den jungen Menschen 
fort, wieder auf den Tisch. Er bemerkte, daß der Berg 
Gold und Scheine vor Loewengard verschwunden war. 
Er hörte ihn mit erregter Stinnne eine Perricr-JouLt- 
Vrut bestellen. 
Der junge Mensch sprach immer weiter auf ihn ein, 
bis irgendwo eine ärgerliche Stimme sich gegen die Unter 
haltung auflehnte und hinzufügte: es finge eine neue 
Bank an. 
Der junge Mensch ging rasch wieder an den Tisch 
zurück. Edgar sah, daß er neben Selten Platz nahm, 
der sich ohne Aufregung mit ganz kleinen Sätzen am 
Spiel beteiligte. Der Kamerad tat augenscheinlich nur 
mit, weil er einmal da war. 
Das Stück schien mit der rechten Seite zu sein. 
Loewengard gegenüber saßen zwei Herren, die seelen 
ruhig Schlag auf Schlag einzogen. Edgar sah auf den 
Bankhalter. Sein Gesicht war ein wenig fahler noch 
geworden. Die dünnen Haare klebten in feuchten Strähnen 
auf dem Schädel fest. Verschobener noch war sein Schlips, 
gänzlich vertnüllt die weiche Hemdbrust. 
Wieder gab er die Karten, jetzt mit einem flimmern 
den, unsicheren Blick auf die Spieler rechts. Die Einsätze 
wurden gemacht. Die unruhig gewordenen Hände des 
Bankhalters hielten einen Augenblick inne, bevor sie nach 
den eigenen Karten griffen. Dann fragte er heiser: 
„Niemand mehr, meine Herren?" 
Da packte es Edgar. Er konnte nicht länger an sich 
halten, er hatte genug gekämpft. Wenn er Glück hatt?, 
wie schnell waren die tausend Mark für Lena und mehr 
in seiner Bxusttqsche. 
ist, so mußte man mit ihm zunächst schristtich m Bewindung 
treten. Herr Dr. Wendlandt hat denn auch in einem 
Briefe sich bereit erklärt, die Kandidatur anzunehmen. Er 
(Vorsitzender) sei nun mit dem Vorsitzenden - des Bürger 
vereins und des Gewerbevereins in Verbindung getreten. 
Der Vorstand des Bürgervereins habe ihm die Mitteilung 
zukommen lassen, daß er einstimmig beschlossen habe, den 
genannten Kandidaten zu unterstützen. Run habe er auch 
mit dem zweiten Vorsitzenden des Gewerbcvercins, Herrn 
Schultz, verhandelt, der mitteilte, daß der Gewerbcverein 
ivieder einen Gewerbetreibenden wünsche und beabsichtige, 
Herrn Bäckermeister Wermke als Kandidaten aufzustellen. 
Das sei aber nicht der einzige Kandidat, der für diese 
Wahl genannt ivurde. Es sei bekannt, daß der Verein der 
Gast- und Schankwirte wieder einen Gastwirt in die Ge 
meindevertretung entsenden möchte und sich für Herrn 
Gundlach entschieden habe Der Verein der Nahrnngs- 
mittelbranche aber möchte, daß sein Vorsitzender HcrrHaber- 
mnnn gewählt werde, während der Ev. Arbeiterverein eine 
Kandidatur des Herrn Beymel unterstützen wolle. Und 
deshalb hatte der Vorstand soeben vor Beginn der Ver 
sammlung noch eine Besprechung. Es war aber der Vor 
sitzende des Gewerbevereins allein erschienen, der keine 
bindende Erklärung abgeben konnte. Er glaube, der Ge- 
werbcverciil werde auck noch einsehen, daß bei der augen 
blicklichen Sachlage eine Einigung auf den vom Grimd- 
besitzerverein vorgeschlagenen Kandidaten geboten ist. Denn 
im Südbezirk handelt cs sich um einen ernsten Kampf mit 
der Sozialdemokratie, die einen Kandidaten in dem Haus 
besitzer Paschc-Schwalbacher Straße habe. Daher sei cs 
wohl zweckmäßig, einen Kandidaten zu wählen, der durch 
seine Persönlichkeit die Wirkung erzielt, daß eine glatte 
Wahl gesichert ist und der Sozialdemokratie kein billiger 
Triumpf bereitet wird. Die Vereine mögen ihre Wünsche 
bis zur nächsten allgemeinen Wahl zurückstellen. Herr 
Schmidt unterstützt den Vorschlag des Vorstandes. Herr 
Dr. Wendlandt wäre ein Mann, der für eine sachliche 
Opposition ist, und sich die Sachen des Bürgermeisters genau 
durchsehen wird. Er bewundere nur, wie lange Zeit der 
Vorsitzende gebrauchte, um die Psyche des Herrn St. kennen 
zu lernen, der bald ganz wie Dr. Breiischeid in das rote 
Lager übergeht; ivie konnte er da glauben, daß dieser Herr 
vor den: Schöffen von Wrochem Halt machen werde. Eine 
gesunde Oppositton, die Herr Dr. Wendlandt machen wirb, 
aber können wir gebrauchen. Der Vorsitzende bemerkt, Herr 
Schmidt werde es nicht übel nehinen, wenn er ans die ge 
übte Kritik nicht näher eingeht. Herr Flanger rät gleich 
falls zur Einheit und Vereinigung aller Stimmen auf Herrn 
Dr. Wendlandt. Herr Franzelius junterstützt ebenfalls diese 
Kandidatur und betont, daß Herr Wendlandt z. B. auch 
gegen den Rathausbau am Marktplatz war (Herr Schmidt: 
Deshalb bin ich auch für ihn! Heiterkeit). Außerdem hat 
Herr Dr. Wendlandt auch den Antrag wegen der Hypothekcn- 
frage im Landtage eingebracht. Der Vorsitzende ließ 
nun abstimmen. Gegen eine Stimmenthaltung stiinmten 
alle für Herrn Dr. Wendlandt. Hierauf wurden die Herren 
Schuckli und F. C. Schultz als neue Mitglieder aufge- 
„notlimeii. ..Dem. verstorbene». Mitglieds, Herrn Baumeister 
Henfchke-Zehlendorf widmete der Vorsitzende einen warmen 
Nachruf, ivährend sich die Anwesenden von den Plätzen 
erhoben. Ueber die Haftpflichtversicherung fand eine längere 
Aussprache statt. Der Vertteter der Stuttgarter Haftpflichtver 
sicherung, HerrLehmann, erläuterte die Vorteile, die seine Gesell 
schaft gewährt. Die Herren Ruhemann und Konieczka empfahlen 
einen Vertragsabschluß mit der MürkischenHnftpflichtversicheruiig 
die eine Gründung des Vereins Berliner Vororte und von 
Grundbesitzern sei. Es wäre Ehrenpflicht der Grundbesitzer, 
solche Einrichtungen zu unterstützen, insbesondere auch 
deshalb, ivcil die „Märkische" auch Hypotheken vergebe. 
Ueber die Leistmigen der einzelnen Gesellschaften kannte man 
in der Versammlung nicht recht klar werden. Es wurde 
daher auf Antrag der Herren Schmidt und Lichtheim be 
schlossen, daß der Vorstand die genauen Angaben von den 
beiden Gesellschaften einfordere und an einem Beispiel, bei 
10 000 M. Mieisertrag, sich das Nähere erläutern lasse. — 
Man kam nun zum Punkt Berkehrsfragen. Ter Vor 
sitzende erklärte, daß auf Wunsch aus der vorigen Ver 
sammlung dieser Punkt auf die Tagesordnung gesetzt wurde. 
Der Vorstand habe keine Vorschläge zu machen, er erwarte 
Vorschläge, aber „positive" Vorschläge, aus der Versammlung. 
Herr Rnhemann antwortet, daß man positive Vvrschlägc 
Er trat aus die rechte Seite und nmrf alles, was er 
bei sich hatte, seinen ganzen Besitz, einen Hundertmark- 
schein, auf den Tisch. Im Nu hatte sich die Chance ge 
wandt. Der Bankhalter kassierte rechts ein und zahlte 
der linken Seite, unbedeutende Beträge, aus. 
Zwei Hundertmarkscheins waren für Loewengard 
gefallen. 
. „Darf ich Ihnen aushelfen, Herr von Lersih?" fragte 
er und reichte Edgar, ohne eine Antwort abzuwarten, einen 
der Scheine hinüber. 
Der junge Offizier dankte mit stummem Kopfneigen. 
Der nächste Schlag war für ii>n. Er ließ Einsatz und 
Gewinn stehen. In kaum zehn Minuten lagen elf blaue 
Lappen vor ihm. Er zog Einsatz und Gewinn und gab 
Loewengard seinen Schein zurück. 
„Komm," sagte Selten und nahm ihn fest beim Arm. 
Aber Edgar dachte nicht daran, jetzt, da er !:n Glück 
war, zu gehen. Die tausend Mark für Lena hatte er, 
weshalb sollte er nicht auch für sich selber sorgen? 
Ein aller Herr mit einem widerlich verlebten, zynischen 
Gesicht stellte sich ihm vor und blieb hinter seinem Stuhl 
stehen. Das irritierte ihn und verleitete ihn zu ein paar 
unbesonnenen Sätzen. Schon waren die tausend Mark bis 
auf dreihundert verloren. Dann plötzlich fühlte er, daß 
der Platz hinter ihm leer geworden war. Er atmete 
befreit. Im gleichen Augenblick sah er aber den alten Herrn 
mit dein widerlichen Gesicht sich auf die linke Seite setzen 
und mit horrenden Beträgen pointieren. Da er Schlag 
aus Schlag gewann, wandten sich die meisten der Spieler 
ans seine Seite. Auch Loewengard folgte dem Spiel des 
widerlichen Alten mit fatalistischer» Vertrauen. 
Edgar hatte "bereits das Doppelte seines Gewinns 
verloren. Selten, der von Haus aus glänzend gestellt 
war, hatte ihm mit einem Taufender ausaeholfcn. Nun 
nicht machen könne, man könne wohl Wünsche äußern, 
positive Vorschläge müsse dann die Gemeindeverwalttmg den 
betr. Behörden machen. Herr Lenim bemängelt die schlechten 
Verkehrsverbindmrgen, die der Westen Friedenaus habe, es 
müßten Straßeubahnverbiudinigen geschaffen werden, die 
die Bewohner des westlichen Friedenau schnell nach dem 
Potsdamer Platz bringen. Vielleicht lasse sich auch eine 
Anschlußbahn vom Bayerischen Platz aus nach Friedenau- 
West an die Schöneberger Schnellbahn schaffen. Herr Pusch 
erläuterte an einem Plan die Wannseebahnhofsfrage. In 
einer Besprechung, die einige Herren uiit dem Verkehrs- 
Dezernenten Herrn Geheiinrat Sarrazin hatten, wurde ihnen 
erklärt, daß der künftige Wannseebahnhof an der Saarstraße 
zu liegen komme. Es wäre doch nun erwünscht, wenn der 
Bahnsteig nicht nach Norden, sondern nach Süden von der 
Saarstraße gelegt werde und ein zweiter Zugang an der 
Feldstraße geschaffen würde. Das läge vielmehr im Inter 
esse Friedenaus als der Zugang am Dürerplatz. Der ganze 
südliche Bezirk Friedenaus werde den Zugang Feldstraße 
benutzen. Jedenfalls aber wünsche er, daß das Projekt des 
Bahnhofs Saarstraße schnell gefördert werde. Herr 
Lichtheim führte aus, daß die Eisenbahndirektion niemals 
für die Schließung des jetzigen Zugangs zum Wannsee 
bahnhof ihr Einverständnis geben würde, denn dadurch 
würde der ganze Osten Friedenaus und der Schöneberger 
OrtSteil ohne Anschluß an die Wannscebahn sein. Der 
einzig richtige und auch für Friedenau wertvollste Vorschlag 
sei die Umklappung des jetzigen Bahnhofs nach der Saar- 
straße und Schaffung eines Zugangs von der Saarbrücke. 
Dieses Projekt bringe Friedenau Vorteile und könne auch 
von Friedenau unterstützt werden. Dagegen habe Friedenau 
kein Interesse au einem Zugang an der Fcldstraße, der 
nur den Steglitzer Grundbesitzern Vorteile bringt. Herr 
Ruhemann bemerkte, daß nach der Rücksprache mit dem 
Verkehrs-Dezernenten es ganz ausgeschlossen sei, daß der 
Zugang an der Sponholzstraße geschlossen und ein Zugang 
an der Feldsttaße geschaffen werde. Er sei daher für das 
möglichst Erreichbare und bitte, daß man für den Bahnhof 
an der Saarstraße nun energisch eintritt. Es sprechen für 
den Wannseebahnhof zwischen Dürerplatz und Saarstraße 
noch die Herren Lichtheim, Schmidt und der Vorsitzende. 
Betont wurde, daß bei Verlegung des Bahnhofs zwischen 
Saar- und Feldstraße, Friedenau höhere Tarife für Zeit 
karten erhalten würde. Man nahm einen Antrag des 
Herrn Rnhemann an, der Gemeindevorstand möge für einen 
direkten Zugang von der Friedenaner Brücke aus seinen 
Einfluß geltend machen. Von den Herren Ruhemann und 
Schmidt wurde die geringe Zugfolge auf der Ringbahn 
bemängelt. Ebenso bemängelten sie den nur Wilmersdorf 
zugute kommenden zweiten Zugang a:n Ringbahnhof u»d 
sprachen für einen Zugang an der Kaiserallee. Herr 
Schmidt kritisierte noch das irreführeyde Schild am zweiten 
Ausgang: „Rach der Handjerysttahe usw.", das beseitigt 
werden müßte. Für eine Westen-Perbindung empfahl 
Herr Franzelius die Durchführung der Straßenbahnlinie 51, 
die voin Südwestkvrso weiter durch die Rheingau- und 
Borustraße zur Rheiiistraße geführt werden müßte. Eventuell 
ließe , sich..auch ei»e Schleifenfahrt ausführe durch Rheingau-, 
Odenwald-, Lefövrestraße und Kaiserallee. Herr Ruhemann 
sprach für eine Omnibusverbiud n ng quer durch 
Friedenau, vom Westen zum Wanuseebahnhof. Selbst 
iveuu die Gemeinde hierzu einen Zuschuß zu leisten habe, 
müßte solche Verbindung geschaffen werden. Ebenso trat er ein 
für Autoomnibusverbindungen. Es wurde verschiedentlich 
die Durchlegung der Autoomnibuslinien 14 "und 8 nach 
Friedenau geivünscht. Herr Lichtheim erklärte die schwere 
Zugänglichkeit und Geneigtheit der „Großen Berliner" 
zivecks Schaffung neuer Linien. Bett. Verlängerung der 
Autoomnibuslinie 14 nach Friedenau habe die Gemeinde 
einen ablehnenden Bescheid erhalten. Die Omnibusver- 
bindung quer durch Friedenau koste der Genieinde viel 
Geld. Zu der jetzigen kleinen Strecke Ringbahnhof—Rüdes- 
heinier Platz muß Herr Kommerzienrat Haberland mehrere 
Tausend Mark zuschießen. (Zuruf: Die kurze Strecke wird 
ja auch nicht benutzt.) Herr Leut sagte, daß der, der etwa 
an der Tannusstraße auf den Omnibus zur Ringbahn 
warte, ein Esel sein müsse, er kommb ja schneller zu Fuß 
hin. Auch Herr Beyntel empfahl die Omnibusverbindung 
quer durch Friedenau. Im Interesse der Erhaltung ruhiger 
Straßen in Friedenau war man allgemein nicht für Ver 
legung von Straßenbahnen in andere als jetzt dazu be- 
aber war cs genug. Höchste Zeit, der Sache ein Ende zu 
machen. Selten wußte, daß Lerfch von der Güte seiner 
Verwandten abhängig war) 
Edgar sträubte sich. Diesmal aber setzte der Ober 
leutnant seinen Willen gegen den jüngeren Kameraden 
durch. Der riß eine Seite aus seinem Notizbuch und 
wollte den Schuldschein für den Kameraden schreiben. 
Selten aber nahm ihm das Papier heftig aus der 
Hand. 
„Nichts da. Das hat Zeit bis später." 
Er hatte das dunkle Gefühl, daß es Lersch nur um 
einen Vorwand zu tan war, den Spielsaal noch nicht 
zu verlassen. 
Fast mit Gewalt zog er den jungen Offizier aus dem 
Saal. 
Draußen im Salon wollte Edgar durchaus noch eine 
Pommery bestellen. Er war ärgerlich auf den Kamerade» 
und wollte sich seinen Aerger wegtrinken. Welche Philisterei, 
ihn'jetzt fortzulotsen I Wenigstens die taufend Mark für 
Lena hätte er ihn noch gewinnen lassen sollen! 
Aber Selten wollte von nichts mehr hören. Er drückte 
ihm Stock und Hut in die Hand uüd zog ihn durchs 
Vorzimmer die Treppe herunter. Der verkommene Haus 
wart, der noch um ein paar Grade liederlicher aussah, als 
da sie hinaufgestiegen waren, sah cs den beiden an, daß 
sie nicht auf reichliches Trinkgeld- gestimmt waren. 
Schimpfend schloß er das Haustvr auf. 
Der Tag brach an, als sie auf die Straße traten. 
Selten atmete erleichtert auf. 
Ein Hundsfott, dieser Loewengard, sie in eine so 
gerissene Spielhölle zu verschleppen!
        
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