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Periodical volume Nr. 209, 05.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

anzunehmen. Zur Frage der Beschaffung eines eigenen 
Heims wurde folgender Vorstandtzcmtrag angenommen: 
Die Mitgliederversammlung erklärt sich grundsätzlich damit 
einverstanden, daß der Vorstand im Sinne der Beschaffung 
eines eigenen Heims durch Ankauf die geeigneten Schritte 
unternimmt, um gegebenenfalls ein geeignetes Objett der zu 
benlfenden außerordentlichen Mitgliederversammlung zur 
Beschlußfassung zu um erbreiten. Dem leitenden Arzt soll 
Anregung gegeben werden, auf besonderen Wunsch von 
Eltern auch Einzelkurberichte gegen Entgelt liefern zu 
wollen. Für Juni und Juli 1013 werden zur Erhöhung 
der Pslegkingsziffer auf 72 einige weitere Räume hierzu in 
Henkenhagen gemietet. — Annieldungen von kränklichen und 
schwächlichen Mittelstandskindern zur Heilpflege in Henken 
hagen werden rechtzeitig, spätestens bis Anfang Mai 
au die Vorstandsmitglieder der hiesigen Ortsgruppe, die 
Herren: Lyzealdirettor Hannemann (Königin-Luise-Schule), 
Goßlerstraße, Architekt Gustav Graßmann. Ringstraße 5, 
und Buchdruckereibesitzer Leo Schult;, Rheinstraße 15, 
erbeten. Die vierwöchige Kur kostet einschließlich der Eisen 
bahnfahrt Berlin—Berlin 100 M. Die hiesige Ortsgruppe 
ist bereit, Beihilfen von 25, 50 M., eventuell auch ganze 
Freistelle zu bewilligen. Eine diskrete Behandlung wird 
zugesichert. 
o Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose i» 
Friedenau lE. V.) hielt gestern Abend eine außerordentliche 
Mitgliederversammlung ab, die den letzten Bericht des 
Vorstandes entgegennehmen und über die Auflösung des 
Vereins beschließen sollte. Der letzte Punkt konnte aber 
nicht erledigt werden, da nach den Satzungen zur Beschluß 
fassung über die Auflösung des Vereins die Anwesenheit von 
2 / g der Mitglieder erforderlich ist. Der Vorsitzende Herr 
Dr. Lohmann teilte dies zu Beginn der Versammlung mit 
und erklärte, daß in etwa 1*/, Wochen nochmals eine Ver 
sammlung stattfinden werde, die dann — auch bei geringerer 
Teilnehmerzahl — über die Auflösung zu beschließen haben 
wird. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden jedoch 
gestern erledigt. Der Vorsitzende berichtete zunächst, daß die 
Gemeindevertretung die llebernahnre der Tuberkulosebe 
kämpfung mrd der Fürsorgestelle in Friedenau in die Ver 
waltung der Gemeinde beschlossen habe. Mit Schreiben 
vom 8. April ist davon dem Vorstände Mittelung gemacht 
worden. Durch diesen begrüßenswerten Beschluß erübrige 
sich die Weitertühruug des Vereürs, weshalb der Vorstand 
seine Auflösung enrpfehle. Herr Dr. Heinecker gab nun 
einen Bericht über das verflossene Geschäftsjahr, lieber die 
Tätigkeit der Fürsorgestelle zu berichten, erübrige sich, da 
hierüber gedruckte Berichte vorliegen, die auch im „Friedenauer 
Lokal-Anzeiger" veröffentlicht worden sind, und ferner habe 
er auch an zwei Stellen sehr ausführlich mündlichen Bericht 
darüber erstattet. Auch über das Vereinsleben ist wenig zu 
berichten. Im 1. Jahre war der Leyem im Entstehen be 
griffen, er hat für sich die Rechte einer Milden Stiftung 
erwirkt und auch die Fahrpreisermäßigungen für die Schwester 
und die Vorstandsmitglieder. Im, vorigen Jahre fand der 
I. Fürsorgestellentag statt, an dem alle Jürsorgeärzte teil 
nahmen, die ihre Erfahrungen austauschten und Anregungen 
sffr die Zukunft gaben. Stattgefunden hat auch die General-Ver 
sammlung des Zentral-Kommitees zur Bekämpfung der Tuber 
kulose, auf der derVerein vertteteu war. Mchtstattgefunden hat 
in diesem Jahr der deutsche Kongreß der Aerzte für die 
Tuberkulosebekämpfung. Dies hatte seinen Grund darin, 
rpeil in Rom der internationale Tuberkulose-Kongreß ver 
anstaltet wurde. Die Generalversammlung des Zeniral- 
kommitees findet am 8. Mai ds. Js. statt. Das Wohl- 
tüttgkeitskonzcrt mußte in diesem Jahre ausfalle». 
Es war bereits alles vorbereitet, doch da erfuhr man, daß 
eine als Glanznummer des Abends gewonnenn Gesangs- 
vereinigung gleichzeitig auch für ein anderes Konzert in 
Friedenau gewonnen war. Der Dirigent kannte die Ver 
hältnisse in Friedenau nicht und glaubte, daß, wenn von 
einem Verein ein Konzert veranstaltet würde, dies keinen Ein 
fluß auf ein zweites Konzert mit gleichem Programm einer 
anderen Vereinigung hätte. Daher mußt« von der geplanten 
Veranstaltung abgesehen werden. Dem Verein sind aber 
unerwartet doch die durch das Konzert ausgefallenen Beträge 
zugeflossen, indem chm aus der Heinrich und Bercha-Sachs- 
Stislung 600 M. zugewiesen wurden. Durch eine andere 
Stiftung war es ferner möglich, den Aermsten in der Für 
sorge befindlichen Kranken eure Wechuachtsfreude zu bereite». 
Lena, der er es dankte, daß er seines Königs Rock noch 
tragen durfte, daß feine Existenz nicht vernichtet war! ? 
Es gab Stunden, in denen feine Schuld gegen Lena 
Edgar schwer drückte. Er wußte wohl, sie konnte ent 
behren, was sie ihm gegeben hatte, und er wußte auch, 
sie hatte es ihm gern gegeben. 
Dennoch würde es ihm eine große Erleichterung ge 
wesen sein, hätte er die Summe zurückerstatten können. 
Von dem, was Onkel Bogislaw ihm großmütig ausgesetzt, 
konnte er wohl leben, nicht aber seinen Leichtsinn wieder 
gutmachen. Erwerbsmöglichkeiten hatte er nicht. Das Geld 
von anderen leihen, um es Lena zurückzuzahlen, hätte die 
Lage nur noch mehr erschwert. Geld war heute rar und 
teuer. Er hatte es erfahren, als er einmal eine verhältnis 
mäßig kleine Summe mit ungeheuren Opfern hatte be 
zahlen müssen. 
Einmal wieder mußte sich ja doch eine Chance 
finden I Denn was er, der junge Gardeossizier, der 
schönen und verwöhnten Frau an Aufmerksamkeiten und 
Gefälligkeiten bieten konnte, war so unerheblich, daß auf 
diese Weise nie an ein Aequivalent zu denken sein würde. 
Er reckte die Arme in der milden, weichen Luft. Fort 
mit den grüblerischen Gedanken. Der Maiabend war zu 
schön dazu. 
Aber er war auch zu schön zum Alleinsein! 
Wenn er nur irgend jemand gewußt hätte, mit dem er 
noch hätte plaudern, ein Glas Wein trinken und damit 
über seine heißen, sehnsüchtigen Gedanken, wie über seine 
grüblerischen fortkommen können! Nach Potsdam ins 
Kasino zu fahren, dazu hatte er gar keine Lust. Wenn 
inan schon einmal in Berlin war! 
Er war, ohne daß er es bemerkt hatte, in die 
Dorothcenstraße eingebogen. Erst das elektrisch beleuchtete 
Poxtal des Wintergartens machte ihn. darauf aufmerksam. 
Sollte er noch aus eine Stunde hineingehen? Aber heute 
Durch Befürwortung des Herrn Davidsohn hatte nämlich 
der Verband der Kohlenhändler zu Berlin dein Verein 150 M. 
bewilligt. Ans diesem Bettage wurde in aller Stille eine 
kleine Weihnachtsfeier in der Fürsorgestelle veranstaltet. Er 
sage hierfür dem Verbände herzlichsten Dank. An der 
kleinen Feier anläßlich des Erweiterungsbaues der Heilstätte 
Sternberg haben Herr Kommissionsrat Sachs und er teil 
genommen. Darauf verlas Herr Dr. Heinecker den folgen 
den Brief vom „Vorstande des Brandenburgischen Provinzial 
vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose": 
Hochzuverehrender Herr Doktor! 
Durch Zufall ist uns bekannt geworden, daß unter Punkt 5 
der Tagesordnung für die zu morgen anberaumte außerordentliche 
Mitgliederversammlung des Vereins zur Bekämpfung der Tuber- 
fulofe in Friedenau vorgesehen ist: „Beschlußfassung betreffs Auf 
lösung des Vereins." Für den Fall, daß es, was wir sehr bedauern 
würden, tatsächlich zu einer Auflösung des Vereins kommen sollte, 
möchten wir sehr ergebenst zur gefälligen Erwägung anheimstellen, 
ob es sich nicht empfehlen möchte, die Mitglieder des bisherigen 
dortigen Vereins auf unseren Verein aufmerksam zu machen und 
gleichzeitig zum Beitritt zu demselben anzuregen. Wir gehen dabei 
von dem Gedanken aus, daß vielleicht doch einige der dortigen 
Mitglieder, die bisher den Friedenauer Verein durch Zahlung von 
Beiträgen unterstützt haben, nach evtl. Auflösung des letzteren 
unserem Provinzialvcreüt ein wohlwollendes Interesse zuwenden 
und ihm als Mitglieder beitreten werden, sofern sie in geeigneter 
Weise auf das Bestehen desselben und auf seine gemeinnützigen Be 
strebungen hingewiesen werden. Zur gefälligen Orientierung über 
die Bestrebungen unseres Vereins und seine Tätigkeit gestatten wir 
Ups, je ein ©remplar unserer Satzungen sowie des letzten Ber- 
wältüngsst erlöstes beizufügen. Dabei weisen wir speziell auf § 3 
der Satzungen hin, nach welchem der Mindestbeitrag für unseren 
Verein uur drei Mark jährlich für einzelne Personen betrügt. Wir 
würden, es mit großer Freude begrüßen und Euerer Hochwohl 
geboren zu herzlichem Danke verpflichtet sein, wenn es Ihrem Ein 
flüsse und eurer wohlwollenden Fürsprache gelingen sollte, einige 
Mitglieder ftir unserm Verein zu werben. Um eine recht warme 
Fürsprache bitten wir auch für den Fall, daß der dortige Verein 
nicht aufgelöst werden sollte. Vielleicht haben einige der dortigen 
Mitglieder außer den Beiträgen für den Lokalverein ein Scherftein 
für Erfüllung unserer einem weiteren Bezirke dienenden Bestre 
bungen übrig. Weitere Exemplare des Verwaltungsberichtes stehen 
zu Werbezwecken gern zur Verfügung. Etwaige Beitrittserklärungen 
erbitten wir uitter Angabe des zu bewilligenden Jahresbeitrages 
„An den Vorstand des Brandenburgischen Provinzialvereins zur 
Bekämpfung der Tuberkulose", Berlin W. 62, Kcithstr. 15. «Weitere 
Nachricht würden wir denjenigen Personen, die etwa ihren Beitritt 
zu unserem Verein erklären, dann alsbald zugehen lassen. Für 
gütige Bemühung und Fürsprache sagen wir schon im voraus 
unseren verbindlichsten Dank. I. V. Meyer, Geh. Rcgicrnngsrat. 
Herr Dr. Heinecker bemerkte hierzu, daß man dom 
Provinzialverbande die Mitgliederliste des Vereins zur Ver 
fügung stellen werde, damtt dieser die Mitglieder für 
sich zu werben versuche. Auf eine Anfrage von Frau Wetzell, 
was der Provinzialoerband für Friedenau tue, wurde ge 
antwortet, daß der Verband bei Wittstock ein Genesungsheim 
unterhalte, das solche Kranken aufnehme, die in Heilstätten 
nicht mehr aufgenommen werden. Von Friedenau könnteit 
alsy solche Kranken auch dort untergebracht werden. Den 
Kassenbericht erstattete darauf Herr Bankvorstehcr Kaatzer. 
Die Gesamteinnahmen bettugen im verflossenen Jahre 
5252,52 M., die Ausgaben 3364,46 M., sodaß für dieses 
Jahr ein Bestand von 1888,06 M. verblieb. Es kamen 
100 M. und 45,70 M. Zinsen in diesem Jahre hinzu, was 
2033,76 M. ergibt. Ausgegeben wurden in diesem Jahre 
1262 M., sodaß der heutige Kassenbestand sich auf 1122,14 M. 
stellt. Hierin befinden sich aber 344 M. schon für dieses 
Jahr gezahlte Beiträge. Es würde sich nun fragen, ob 
man. diese den Betteffenden wieder zurückerstatte. Wenn 
dies beschlossen werde, bleiben dem Verein 605,78 M. 
zur Verfügung. Der Vorsitzende empfahl, die Beittäge 
zurückzuerstatten. Herr Baron v. Behr gab zu. bedenken, 
ob man die Gelder doch nicht lieber behalte und der Ge 
meinde überwtzise. Herr Jost stellte sich auf den Standpunkt 
des Vorstandes. Es wurde dann auch die Rückgabe der 
bereits für 1913 gezahlten Beittäge beschlossen. Hiernach 
sprach der Vorsitzende dem Schatzrneister Herrn Kaatzer und 
dem Geschäftsführer Herrn Dr. Heinecker den Dank für ihre 
Mühe und Arbeit aus. Dem geschäftsführenden Ausschuß ivurde 
dann die Entlastung erteilt. Herr Jost stattete namens dcrMit- 
glieder dem Vorstande denDank abundbat, daß dicHerren auch 
feruersich mtt solcher Liebe wiebisherder armen, zu bedauernden 
kranken annehmen möchten. DerVorsitzende versprach dies und 
dankte für die anerkennenden Worte. Er dankte auch seiner 
seits für die dem Vorstande von vielen Seiten zuteil ge 
wordene Unterstützung. Frau Wetzell wünschte, daß in der 
Schule schon mehr für die Bekämpfung der Tllberkukose 
geschehe, vielleicht durch Belehrungen im Anschauungsunter 
schien ihm auch das stumpfsinnig. Auch mochte das Mai- 
programm wenig verlockend sein. 
Plötzlich fiel ihm ein, daß Kamerad von Selten, seit 
er aus Kriegsakademie kommandiert war, hier ganz in der 
Nähe wohnen mußte. 
. Er sah auf die Nummern. Wahrhaftig keine zehn 
Häuser weit. Vielleicht war der Zufall günstig und er 
traf ihn zu Haus. Mindestens konnte er sehen, ob seine 
Parterresenster hell waren. Traf er ihn. woklle er ihn 
schon mobilmachen. Trotzdem Selten jetzt mächtig büffelte, 
war er doch ein fideles Haus. 
Glück muß der junge Mann haben! Wahrhaftig, die 
Fenster waren hell, und der dicke Portier stand in der 
offenen Tür und schöpfte noch nach Toresschluß Maienlust. 
. Der Oberleutnant hatte die Bücher gerade beiseite ge 
worfen. Er schwankte, was er mit dem angebrochenen 
Abend anfangen sollte. Nichts konnte ihm willkommener 
sein, als der Besuch des Kameraden. 
, „Ein grandioser Einfall, Lersch. Aber ich glaube, meiner 
ist auch nicht von Pappe. Ziehen wir beide Zivil an und 
gehen wir ein bißchen gründlich bummeln." 
Edgar war sofort dabei. Wenn er mit dem letzten 
Zug nach Potsdam fuhr, kam er noch immer zur Zeit. 
An wenig Schlaf war er gewöhnt. 
„Willst du die graue oder die braune Kluft? Passen 
tun sie dir beide." , 
Edgar entschied sich für die graue, um dein Eigen 
tümer den Borzug der Modefarbe zu lassen. 
In. einer Viertelstunde waren sie auf der Straße. Der 
Oberleutnant begann eine Reihe von Vorschlägen zu machen. 
Edgar schienen sie etwas ausgedehnt zu sein. 
„Sei kein Philister. Wenn du den Zug versäumst, 
schläfft du bei mir und fährst morgen mit dem zweiten Zug 
hinüber."..-.. ... . . 
In der Friedrichstraße, kaum, daß sie die Linden über 
richt. Herr Dr. Schultz erklärte, daß er als Schularzt alle 
tuberkllkosekranten Kiilder der Fürsorgestelle überweise. 
Hygienische Unterrichtskurse sind leider in Preußen noch 
nicht in den Schulen eingeführt. In Sachsen sei dies bereits 
der Fall, Sachsen gehe darin jetzt voran. Herr Jost hielt 
eilte wiederholte Belehrung der Eltern für wirksamer als 
die Belehrung der Schulkinder. Die Versaminlung wurde 
dann gegen 10 Uhr geschlossen. 
o Der Wahlausschuß der vereinigten liberalen 
Parteien hielt gestern Abend in der Kaiserburg ein Sitzung 
ab. Die fast vollzählig erschienenen Mitglieder wählten in 
den Vorstand als 1. Vorsitzenden Herrn Geh. Reg.-Rat 
Vogt, als stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Professor Dr. 
Fuchs, zum Schriftführer Herrn Groß und zum stellver- 
tretenden Schriftführer Herrn -Zeller. Nach Erledigung 
einiger wichtiger Punkte, wurde für die bevorstehenden Land 
tagsmahlen ein Arbeitsausschuß gewählt, dessen Vorsitz 
gleichfalls Herr Geh. Reg.-Rat Vogt übernommen hat, in 
dessen Wohnung, Niedstr. 28 (Telef.: Amt Uhland 2022) 
sich auch während der itächsten Zeit, bis zur abgeschlossenen 
Wahl, das hiesige Zentral-Wahlbüro befindet. Gleichzeitig 
wurde bekannt gegeben, daß am nächsten Freitag, dem 25. 
April cr. iin Kaiser-Wilhelmgarten eine öffentl. liberale 
Wählerversammlung stattfindet, in der die Kandidaten, die 
Herren Lizentiat Dr. Gottfried Traub und Amtsgerichtsrat 
a. D. Liepmann sprechen werden. Noch besonders soll 
darauf hingewiesen werden, daß Freunde der liberalen 
Sache als Wahlhelfer sehr erwünscht sind. Anmeldungen 
hierzu wie auch Beittäge zum Wahlfonds nimmt Herr Vor- 
schullchrer Finke, Biisingstr. 11,' entgegen. 
o In der Hauptversammlung des konservativen 
ZcntralvereinS für den Wahlkreis Teltow—Beeskom— 
Storkow—Charlottenburg berichtete der bisherige Landtags 
abgeordnete Hammer über seine parlamentarische Tätigkeit, 
insbesondere über die in den letzten 5 Jahren; auch legte 
er die Gründe über die Ablehnung der ihm angebotenen 
Wiederwahl im bisherigen Wahlkreise dar. Der Haupt 
grund bestehe in der Ueberbiirdüng, die die Vertretung des 
Kreises Teltow—BeeSkow—Skürkow, des größten in der 
ganzen Monarchie, mit sich bringe. Um Irrtümern vorzu 
beugen, wies Redner darauf hin, daß ihm erst nach dieser 
Ablehnung die Kandidatur eines einfachen ländlichen Kreises 
angeboten morden sei; diese habe er schließlich nach langem 
Zögern angenommen. Der Vorsitzende sprach Herrn Hammer 
den innigsten Dank für die außerordentlich hingebende und 
tatkräftige Vertretung unseres Wahlkreises im Landtage und 
besonders auch für die energische Vertretung des Mittel 
standes, der. Landwirtschaft und der Beamten aus. Die 
nach längerer Aussprache vorgenommene Abstimmung ergab 
die eüistimmige Annahme der vorgeschlagenen Kandidaten 
Eiscnbahnobersekretä: Haseloff und Landessyndikus Gehrhardt. 
o Der Verein der NnhrnngSmittelbranche von Frie 
denau hielt am Mittwoch, dem 11. d. Mts. seine Moiials- 
versaminlung im Kaiser Wilhelmsgarten, Rheinstr. 65, ab, 
die der Vorsitzende Habermanp um 9 l / 2 Uhr eröffnete; er 
begrüßte die zahlreich erschienenen Kollegen und gab die 
Tagesordnmtg bekannt. Zu Punkt 1 teilte er mtt, daß die 
Inhaber von Geschäften laut polizeilicher Vorschrift ihren 
vollen Namen, Vor- und Zunamen, auf Ftrmschilder an 
bringen müssen; ferner ist ein beachtenswertes Urteil über 
den Handel mit Markenartikel unterm Preis zur Ver 
lesung gebracht worden, und zwar der Firma Kathreiner 
gegen einen Kaufmann. Dieser wurde mit 50 M. bestraft. 
Ter Vorsitzende bittet sich strikte an die vorgeschriebenen 
Preise von Markenarttkeln zu halten. Sodann wttd ein 
Anmortschreiben des Herrn Bürgenneister Walger über die 
seinerzeit geführte Beschwerde betteffs des überhand 
nehmenden Straßenhandels zut Kenntnis gebracht, das 
lautet: „Auf Grund längerer Beobachttmgen habe ich die 
Richtigkeit der in Ihrer Beschwerde gemachten Angaben fest- 
gestellk. Ich habe die Schutzmannschaft angewiesen, den 
Straßenhandel scharf zu überwachen. Ueberttetungen 
werden streng bestraft werden." Für diese Mitteilung dankt 
der Verein dem Herrn Bürgermeister an dieser Stelle. Das 
vom Schriftführer zur Verlesung gebrachte Protokoll wurde 
ohne Widerspruch angenommen. Ueber den Kleinhandel 
nrit Brennspiritus gab Kollege Mikolowski einen klaren 
Ueberblick über den allgeineinen Spiritushandel. Es ist wie 
bekannt, verboten, Brennspiritus in kleinen Mengen abzu 
geben, resp. zu verkaufen. Betteffs Polizeiverordnung über 
schritten hatten, spürte Edgar- plötzlich eine Hand auf 
seinem Arm. 
„Ah, Herr von Loewengard." 
Edgar fühlte sich nicht eben angenehm überrascht« 
Aber Loewengard war, wie der junge Offizier sofort merkte, 
nicht so rasch wieder loszuwerden. 
Edgar stellte die Herren einander vor. Selten war, wie 
jeder, der Loewengard zuerst sah, sofort fasziniert und gern 
dabei, vorerst mal hinüber ins Kaifercafä zu gehen und 
dort ein Programm zu machen. Wenn die Herren nichts 
dagegen hätten, täte er mit. Was konnte ein einsamer alter 
Junggeselle Besseres tlsh, wenrOer — selten genug — an 
genehme Gesellschaft fand! 
Loewengard bestellte, ohne viel zu fragen, drei Absinth. 
Mit dem Programm schien es seine Schwierigkeiten zu 
haben. Endlich meinte Loewengard mit einem raschen Blick 
auf Edgar: 
„Wenn die Herren sich mir anvertrauen wollten! Ich 
garantiere einen vergnügten Abend." 
Edgar war mißtrauisch. Aber da der Oberleutnant 
sofort ja sagte, was blieb ihm übrig, als sich gleichfalls 
einverstanden zu erklären? 
Sie nahmen ein Auto, das Loewengard in einen ent 
fernten Stadtteil dirigierte. . 
„Ich wette auf ein neues Baltokal," meinte von Selten 
gutlaunig und zu allen Schandtaten bereit. 
Edgar schwieg und überließ es den beiden anderen, 
die Unterhaltung zu führen. ... 
Das Auto hielt vor einer alten, häßlichen Mietskaserne. 
Die zweite Etage war erleuchtet, die Fenster mit gelben, 
undurchsichttgen, bogenförmig gezogenen Gardinen dicht 
verhangen. 
Loewengard zog dreimal rasch hintereinander die 
Klingel nebett dem schweren altmodischen Hau-tor. Dfe 
Tür wurde sofort v.oix siinen geöffnet. (Fortsetzung folgt.)
        
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