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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

y Nr. 90 des „Friebemuer MKl-Anzeiger". 
Donnerstag, den 17. April 1918. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Sehr verehrter Herr Redakteur! Als alter Abonnent Fhres ge 
schätzten Blattes bitte ich Sie höfl., mir unter der Chriffre P B. 8. 
in Ihrem Redaktions.Briefkasten freundlichst Auskunft zu erteilen, 
roeshalb die „Aschinger"-Stehbierhalle am Lauterplatz gen. der 
„Kl. Ratskeller" garnicht eröffnet wird. — Ist es denn wahr, daß 
priser Herr Gemeindevorsteher dem Inhaber die Konzession ver 
weigert hat? Wenn dies der Fall ist, dann muß unser Herr Bürger 
meister doch sicher sehr triffrige Gründe dafür haben. Vielleicht ist 
der Inhaber des Ladens schon mehrfach bestraft, so, daß man an 
nehmen kann, er wird das freundlich einladende kleine Lokal zu 
Zwecken der Völlerei und Unzucht, oder als Schlupfwinkel für Ver 
brecher, oder als Svielhölle n. dergl. mißbrauchen. Wenn dem so 
ist, dann bitte veröffentlichen sie es doch, damit unsere lieben Mit 
bürger aufgeklärt werden und man nicht täglich beim Vorübergehen 
dies Räsonieren auf unsern Herrn Bürgermeister hören muß', als, 
wie, er wäre nur da um die Bürger zu .... doch pardon ich 
will eS lieber nicht sagen, denn ich weiß doch, daß unser Bürger 
meister einzig und allein nur das Interesse seiner „Untertanen" 
im Auge hat und sehr bestrebt ist. jeden in seinem Fortkommen zu 
fördern und nach Möglichkeit niemand zu schädigen. Mit größter 
Hochachtung Ihr alter: Abonnent " p ]j s 
(Anmerk. d. Schrift!.: Gegen die Person des bcir. Schank 
wirtes, liegen, so weit uns bekannt, keine Bedenken vör. Einzig 
wegen Mangel eines Bedürfnisses wurde die Konzession verweigert. 
Cb dieser Grund für Fricdenaucr Verhältnisse gerechtfertigt ist. 
mögen Sie selbst entscheiden: Nach Abriß des Grundstücks Lauter 
straße 19-20 wäre das bezeichnete Lokal das einzige am Marktplatz 
ans Fricdenaucr Gebiet. 'Aber auch auf Schöneb'erger Gebiet soll 
das Lokal in der Villa Hanptstr. 82 demnächst eingehen.) 
Sehr geehrter Redakteur! Zn Ihrer in Nr. 88 behandelten 
Derkehrsfrage bitte ich doch auch den Westen von Friedenau zu be 
achten, oder ist letzterer dieser nicht bedürftig? Die Gemeindever 
tretung war so liebenswürdig und hat den neuen Markt nach hier 
verlegt, da wäre eine Verbindung nach dem Innern und dem zu 
künftigen Rathause Friedenaus sehr erwünscht. Bitte uns Grenz 
bewohner nicht zu verachten. Eine Haltestelle würde sich am 
Elektrizitätswerk (Kreuznacherstraße) sehr gut herrichten taffen. 
Einige Anlieger des Friedenaner Westens. 
Ein Tommcrnachtstraum. 
Humoreske von Reinhold Ort mann. 
Nachdruck »erboten. 
HB. Da sie erst mit deut Abendzuge auf der Station 
angekommen war und noch eine gute Wagenstunde bis nach 
Schloß Olbcrsdorf hatte, durste sich Eva von Hilbeck nicht 
wundern, nur von der Herrin des Hauses, ihrer Cousine 
Hertha von Lendringen, empfangen zu werden. Baron Len- 
dringen, der die zu längerem Aufenthalt erwartete junge 
Verwandte von der Bahn abgeholt, hatte sie unterwegs schon 
darauf vorbereitet, daß sie an diesem Abend nicht mehr Ge 
legenheit finden werde, einen der bereits auf dem Schlosse 
weilenden Gäste zu begrüßen. 
„Erstens geht inan ans Olbersdorf um zehn Ahr schlafen," 
hatte er gesagt, „und außerdem war Hertha der Meinung, 
daß du dich nach der lgngen Eisenbahnsahrt sicherlich am lieb- 
steil sogleich zur Ruche begeben wurdest. Wir haben darum 
deine Ankunst als großes Geheimnis behandelt. And die 
Aeberraschung wird für gewisse Leute morgen eine um so freu- 
digere sein." - 
Daß mit diesen gewissen Leuten eigentlich, nur ein gewis 
ser, jemand gemeint-war, wußte Eva sehr gut. Die Familie 
tat ja schon seit Monaten alles, was in ihren Kräften stand, 
den' ziemlich offenkundigen Bemühungen des jungen Frei 
herrn von der Esche um Evas Gunst Vorschub zu leisten. Und 
sie war keineswegs ungehalten darüber, wenn sie auch bis 
zur Stunde die volle Freiheit ihrer Entschließung gewahrt 
hatte. Der stattliche und ritterliche Bewerber gefiel ihr ja gar 
nicht übel, und manchmal war sie sogar der Meinung, ihn ein 
bißchen zu lieben. Liber dann kamen auch wieder Augenblicke, 
wo sie sich zweifelnd sagte, daß er ihrem Ideal doch wohl 
nicht so ganz entspräche. Er schien ihr zu wenig bcgeisterungs- 
fähig: sie vermißte an ihm den poetischen Schwung der Seele 
und den hohen Flug der Gedanken. Er war ein tollkühner 
Rennreiter, ein vorzüglicher Tennisspieler und ein großarti 
ger Tänzer. Für Kunst i:nd schöne Literatur aber hatte er so 
gut wie gar kciu Interesse. And Eva fürchtete, daß sie für ihre 
Schwärmereien nach.dieser Richtung hin bei ihm sehr wenig 
Verständnis finden würde. So sollte denn dieser gemeinsame 
Sommeraufenthalr auf Schloß Olbersdorf gewissermaßen die 
letzte entscheidende Probe auf die wahre Natur ihrer Gefühle 
für Egon von der Esche sein. 
Da sie den angebotenen Imbiß ablehnte, wurde sie von 
ihrer Cousine, einer noch immer hübschen und jugendlichen 
Dame von zweiunddreißig Jahren, sogleich auf ihr Zimmer 
geführt, und, wie es zwischen weiblichen Wesen selbstverständ 
lich ist, währte es ziemlich lange, ehe sic dazukamen, sich zum 
letzten Mal Gutcnacht zu wünschen. Eva wollte natürlich 
wissen, mit wem sie hier die nächsten Wochen verleben 
würde, und sie fand, daß unter dem halben Dutzend Namen, 
die Hertha auszählte, keiner eine neue Bekanntschaft für sie 
bedeutete» 
„Aber dein Mann hat mir doch erzählt, daß auch Ger- 
hard Brugger hier ist, um dein Porträt zu malen. Er bleibt 
hoffentlich noch recht lange. Denn gerade auf ihn freue ich 
mich viel mehr als auf alle die anderen." 
Die junge Frau lachte. 
„Das hätte Herr von der Esche nicht hören dürfen. And 
ich will nicht hoffen, daß es dir Ernst damit ist. Denn es wäre 
ja schrecklich, wenn sich hier auf Olbersdorf so etwas wie ein 
phantastischer Künftlerroman anspinnen sollte." 
„Nun, cs muß ja nicht gleich ein Roman daraus wer 
den. Liber cs ist das erste Mal, daß ich Gelegenheit-haben 
soll, einen Künstler gleichsam in seinem Schaffen zu belau 
schen, und ich mache gar kein Hehl daraus, daß ich mir das 
sehr schön vorstelle. Noch dazu, wenn es sich gerade um Ger 
hard Brugger handelt." 
„Wieso? Kennst du ihn denn schon?" 
„Nein — nur aus seinen Werken. Aber sie sind nach 
meiner Meinung das Schönste, was die moderne Kunst über 
haupt hervorgebracht hat. And cL ist nicht schwer, aus seinen 
Schöpfungen einen Schluß auf die Persönlichkeit des Meisters 
zu ziehen." 
! _ „Na, du wirst dich ja morgen überzeugen können, inwie- 
' weit deine Schlüsse zutreffend waren. Aber ich rate dir noch 
einmal: Nimm dein Herz in Acht! Künstler sind immer ge 
fährlich. und ich möchte nicht, daß cs am Ende gar zu einem 
Duell käme. Dieser Brugger ist nämlich ein Vesuv au Leiden 
schaft. wie du Wohl gleich auf den ersten Blick wahrnehmen 
wirst." i 
Nun endlich gaben sie sich den unwiderruflich allerletzten 
Kuß, und Eva hätte jetzt eigentlich zu Bett gehen sollen. Aber 
sie war noch gar nicht müde und setzte sich darum an bas 
offene Fenster, durch das die weiche Lust der schönen Sommer- 
macht hereinströmte. Am sternenbejätcn Himmel stand die volle 
tzocheibe des Mondes und goß ihr bläuliches Silberlicht über 
nach einem romantischen nächtlichen Spaziergang aus den 
wohlverlrauten, mondbeschienenen Wegen. Zu fürchten hatte 
sie hier nichts, und allzuweit brauchte sie sich ja auch nicht vom 
Schlosse zu entfernen. Gewöhnt, jeder Eingebung ihres ciwas 
kapriziösen Köpfchens nachzugeben, warf sie darum einen 
leichten Schal über ihr Reisekostüm und schlüpfte durch ein 
von innen verschlossenes Seitenpförtchen, das sie hinter sich 
offen ließ, in den märchenhaft lockenden Abend hinaus. 
Kein anderer Laut als das flüsternde Rauschen der Wipfel 
und hier und da das schwache Piepsen eines träumenden ober 
aus dem Schlaf geweckten Bögelchens klang in die Andacht 
ihrer gehobenen Empfindungen hinein. Der Gegenstand ihrer 
Gedanken war Gerhard Brugger. der berühmt: Künstler, von 
betn sich seit zwei Jahren alle schönen und eleganten Frauen 
der hauptstädtischen Gesellschaft malen ließe», und der 
für sie trotz mancher abfälligen Kritik, die sie über ihn ge 
lesen, ein Gegenstand höchster Bewunderung war. Si: ließ alle 
ihr bekannten Porträts berühmter Maler an ihrem geistigen 
Liuge vorüberziehen und fragte sich, wem von ihnen er wohl 
ähnlich sein möge. Dürer, van Dyk, Rubens — sie alle muß 
ten ideal schöne Männer gewesen sein. Wie hätte also Ger 
hard Brugger anders als von idealer Mannesschönheit sein 
können! 
Ganz cingcsvonnen in das Gewebe ihrer lebhaften Phan 
tasien, war Elia bis an das kleine Rondell gelangt, das schon 
bei früheren Besuchen ans Olbersdorf immer ihr Lieblings- 
Plätzchen gewesen war. And eben wollte sie sich auf eine der 
Steiilbänre niederlassen, als sic zu ihrem Schrecken gewahrte, 
daß sie nicht allein hier war. Eine männliche Gestalt halte sich 
bei ihrer Annäherung erhöhen. Ein breilkrämpigcr, we'cher 
! Sammethut wurde von einer auffallend weißen und wohlae- 
! pflegten Hand gelüstet, und ihrem erstaunten Blick enthüllte 
sich ein von langem dunklem Eelock umwalltes, edel gebildetes 
Haupt — ein Kopf, wie hcrausgeschuittcu aus Rafaels Selbst 
porträt. 
Gerhard Brugger! zuckte es durch ihre erschauernde Seele. 
Unter Tausenden würde sie ihn erkannt haben. Nur daß er 
noch so maienfrisch und jüngkingöschlank sein könnte, hatte sie 
nicht erwartet. Nun begriff sie allerdings die Befürchtungen 
und Warnungen ihrer Cou ine. Was war der kurzgeschorcne, 
sonnenverbrannte Blondkopf des Frciherrn von der Esche 
neben diesem Künsilcrhaupt! Was waren seine st'h'ernenRei- 
termuskeln neben der geschmeidigen Zierlichkeit dieser von einem 
kokett geschnittenen Sammetjackct cingeschloslenen Gestalt! 
„Ich bitte tausendmal um Verzeihung, mein gnädiges 
Fräulein," sagte er unter immer wiederhol.en Pciönigungen. 
„Ich glaubte ja nicht, daß noch jemand außer mir ein Verlan- 
gen fühlen könnte, diese mondbecstän-tc Zaubernacht zu genie 
ßen. Ich gebe zu, daß es eine Dreistigkeit war. aber — 
Seine edle Bescheidenheit hatte für Eva etwas geradezu 
Ergreifendes. Tapfer gegen die eigene Befangenheit ankämp 
fend, kam sie in ihrem liebenswürdigsten Tone zu Hilfe. 
„Nicht doch, mein Herr! Der Park steht allen Gästen des 
Schlosses zur Verfügung. And daß diese herrliche Nacht gerade 
einen Künstler unwiderstehlich in ihren Bann ziehen mußte, 
begreife ich sehr gut." 
Er sah sie mit leuchtenden Augen an, und seine frauen 
haft schöne Rechte legte sich auf jene Stelle, wo er — wenn 
auch nicht ganz mit Recht — den Sitz seines Herzens zu ver 
muten schien» 
„Ich banke Ihnen, mein gnädiges Fräulein! Daß Sie mich 
einen Künstler nennen, macht mich stolz. Ja, mehr als das, 
es macht mich glücklich. Wenn man soviel Mißachtung und 
Geringschätzung ertragen muß —" 
Daß etn Mann von seiner Bedeutung sich ein paar ab 
fällige Kritiken so zu Herzen nehmen könne, war für Eva eine 
»eue Aeberraschung. Und es klang sehr aufrichtig, da sie er 
widerte: „O, aus solchen Lkörgeleien dürfen Sie sich nichts 
machen. Meine Freundinnen und ich, wir sind jedenfalls 
immer ganz entzückt von Ihren Schöpfungen gewesen." 
Wieder neigte er sich vor ihr wie ein Page vor seiner 
Königin. „Ja, die Damen!" sagte er schwärmerisch. „Sie allein 
sind es, die meiner Kunst Ane gerechte Würdigung nicht ver 
sagen. Ihrer Verherrlichung wird darum auch mein ganzes 
Leben gewidmet bleiben. O, mein gnädiges Fräulein, wenn 
ich hoffen dürfte, daß Sie mir erlauben, meine Kunst auch in 
den Dienst Ihrer Schönheit zu stellen —“ 
Eva fühlte sich heiß überrieselt, aber als wohlerzogenes 
junges Mädchen wurde sie sich zugleich der Notwendigkeit be 
wußt, diesein romantischen nächtlichen Alleinsein mit einem 
Manne, den sie zum ersten Mal im Leben sah, ein Ende zu 
bereiten. Mit einem dankenden Neigen des Köpfchens sagte 
sie: 
„Sie erweisen mir mehr Ehre, als ich verdiene. And 
außerdem sind Sie ja, soviel ich weiß, vorläufig mit der künst 
lerischen Verherrlichung meiner Cousine, der Frau von Lcn- 
dringcn, beschäftigt." 
„Allerdings! Liber das macht nichts. Es bliebe noch Zeit 
genug für Sie übrig. O, Sie ahnen nicht, was ich ans Ihnen 
machen würde — eine Venus, eine Juno, eine —" 
Nun war es in der Tat höchste Zeit zum Rückzüge. 
„Wir werden morgen oder bi passender Gelegenh it wei 
ter darüber sprechen," siel Eva ihm in die Rede. „Für setzt 
will ich Sie in Ihrem Raturgenuß nicht länger stören. Gute 
Nacht, Herr Brugger!" 
Ohne seine Antwort abzuwarten, eilte sie in der Richtung 
nach dem Schlosse davon und warf sich droben in ihrem 
Zimmer mit heißen Wangen und pochendem Herzen nieder. 
Diese nächtliche Begegnung mit dem großen Künstler war das 
romantischste Ereignis ihres ganzen Lebens, und, mit wachen 
Augen träumend, spann sie es in ihrer Phantasie weiter und 
weiter ans, mit wonnigen und zugleich bangen Erwartungen 
der Wirklichkeit des kommenden Tages entgegensehend, der 
für Egon von der Esche wahrscheinlich ein wenig erfreulicher 
würde. 
So lange hatte Eva geschlafen, und so spät hatte sie sich 
die Schokolade ans Bett bringen lassen, daß sie mit ihrer, 
heute natürlich besonders sorgfältigen Toilette eben fertig ge 
worden war, als man sie zum Lunch rief. 
Im Früh', ück».'immer waren die übrigen Schloßbcwoh- 
uer bereits verscnnmelt, lauter alte Bekannte, bis auf einen, 
den Eva noch nie gesehen hatte, einen sehr kleinen und sehr 
dicken ä't ichen Herrn mit stark angegrautem Bart, einer mäch 
tigen ülcjjc und einer in verdächtiger Röte schimmernden 
Nase. _ 
„Welch ein Scheusal!" dachte sie. Im nächsten Augen 
blick aber konnte sie nur noch mit knapper Not einen Auf 
schrei der höchsten Bestürzung unterdrücken, denn ihre Cou» 
sine hatte mit einem schelmischen Lächeln vorstellend gesagt: 
„Anser hochverehrter Meister Gerhard Brugger, der mir 
in seiner Liebenswürdigkeit das Opfer gebracht hat, sich auf 
etliche Wochen von Gattin und Kindern zu trennen, um mich 
zu malen." 
Der kleine Dicke machte eine kurze ungeschickte Verbeu 
gung. Evas Llugen aber irrten vergebens umher, um den Ge 
genstand ihres holden Sommcrnachtstraumcs zu erspähen. 
Er war nicht da, und er wurde auch offenbar -gar nicht er 
wartet, denn cs war kein Gedeck für ihn aufgefegt, und 
man ging ohne ihn zu Tisch. Der Freiherr von der Esche 
halte in der angebeteten Eva zu seiner Betrübnis heute eine 
sehr unansmcrksame und zerstreute Nachbarin, und als man 
nachher 311 einer Tennis-Partie aufbrach, schloß sie sich unter 
dem Vorwände einer beginnenden Migräne aus. Hertha 
war so fürsorglich, sie auf ihr Zimmer zu geleiten, aber als 
sie Llrm in Llrm über einen Korridor schritten, fuhr Eva 
plötzlich heftig zusammen. Denn am Ende des Ganges hatte 
sic den jungen Mann mit der Rafael-Physiognomie stehen 
sehen, der dort in devoter Haltung auf etwas zu warten 
schien. 
„Am Eottcswillcn, H-rlha," flüsterte sie. „Wer ist dieser 
Herr?" 
„Der?" gab die Schloßherin ebenso leise zurück. „Ein 
gewisser Müller, den ich für ein paar Tage habe Herkommen 
lassen, weil er nur für Gesichts-Massage und andere kleine 
Prozeduren der Schönhcit. pflege empfehlen worden ist. Ein 
etwas überspannter Mensch, aber völlig harmlos und in 
seinem Fach recht oeschicki." 
„Ich will doch lieber auch Tennisspielen gehen," sagte 
Eva mit abgewandtem Gesicht, um die brennende Röte ihrer 
Wangen zu'verbergen. „Der Freiherr schien sich gekränkt zu 
fühlen, als ich mich ausschloß. lind er hat cs eigentlich nicht 
um mich verdient, daß ich ihm wehtue." 
Nun, da scheint ja alles glücklich aus dem besten Wege, 
dachte die Baronin, als sie ihre junge Cousine leichtfüßig da- 
voncilen sah. And sie hatte sich nicht getäuscht, denn noch au 
demselbest Albend hatte sich der Freiherr. Evas Jawort, er* 
raimefl* ^ ■ s — ■ ' ' 
Bekanntmachung. 
Die diesjährige unentgeltliche Impfung der in den Jahren 1912 
und 1901 geborenen Kinder, sowie derjenigen Kinder, welche aus 
irgend einem Grunde noch ■ nicht der Impfung unterzogen worden 
sind, oder bei denen die in den Vorjahren erfolgte Impfung ohne 
Erfolg geblieben ist, findet 
für Erstimpflinge 
am 28. und 29 April dieses Jahres von 11 bis 12% Uhr, 
für Wiedcrimpfliiigc und zwar 
a) für Mädchen am 30. April ds. Js. von 11% bis 12'/, Uhr, 
b) für Knaben am 2. Mai dieses Js. von 11 bis 12 Uhr 
in der Turnhalle der Gemeinde-Mädchenschule, Goßlerstraße 14 statt. 
Die an den vorgenannten Tagen geimpften Kinder sind und zwar 
Erstimpflinge 
am 5. und 6. Mai dieses Jahres von 11% bis 12 Uhr, . 
Wiederimpflinge 
al Mädchen am 7. Mai dieses Jahres von 11% dis 12 Uhr, 
b) Knaben am 9. Mai dieses Jahres von 11 bis 11'/, Uhr 
in demselben Jmpflokal dem Jmpfarzt wieder vorzustellen; der er 
teilte Impfschein ist dort in Empfang zu nehmen. 
Unterbleibt die Impfung bis zum Ablaus dieses Jahres ohne 
gesetzlichen Grund, so tritt nach § 14 des Rcichsimpfgesctzcs eine 
Geldstrafe bis zu 50 M., im Unvermögensfalle, eine entsprechende 
Haftstrafe ein. 
Berlin-Friedenau, den 12. April 1913. 
Der Gemeindevorsteher. 
Bekanntmachung. 
Lieferanten, Unternehnicr usw., die Forderungen an die hiesige 
Amt8- und Gemeindeverwallung haben, werden des bevorstehenden 
Jahresabschlusses wegen ersucht, noch ausstehende Rechnungen sofort 
einzureichen. „ . 
Etwaige Bestellzettel sind den Rechnungen beizufügen. 
Berlin-Friedenau, den 11. April 1013. 
Der Gemeindevorsteher. 
Bekanntmachung. 
Für den am 30. Oktober 1912 verstorbenen Gemeindeverordneten 
des II. Bezirks der III. Wählerabteilung Gastwirt Schn ist ans 
dessen noch bis zum 31. März 1918 währende Wahlzeit eine Ersatz 
wahl erforderlich geworden. 
Zn dieser Wahl werden die in der Wählerliste des II. Bezirks 
der III. Wählerabteilung verzeichneten Wähler 
auf Montag, den 28. April 1913 nachmittags von 12 bis 8 Uhr 
nach der Turnhalle der Mädchenschule in der Goßlerstraße hiermit 
berufen. ^ 
Der II. Bezirk umfaßt cheu südlich 'der'Schmargcndorfer-"und 
Wiesbadencrstratze belegeneu OrtSteil. t -»• 
Der zu Wählende muß Angesessener sein; er braucht nichUdcr 
betreffenden Wählerabteilung anzugehören. * _ WW 
Den in der Wählerliste eingetragenen Stimmberechtigten'werdcn 
AuSwciskarten zugestellt und es wird ersucht, dieselben demjWahl- 
vorstande bei der Wahl vorzulegen. Die ohne diese Karten erschei 
nenden Wähler müssen sich auf andere Weise ausweisen, sich auch 
eine Zurückstellung hinter die mit Karten versehenen Wähler ge 
fallen lassen. 
Jeder Wähler muß dem Wahlvorstande mündlich zu Protokoll 
erklären, wem er seine Stimme geben will. 
Berlin-Friedenau, den 9. April 1913. 
Der Gemeindevorsteher. 
Max Rcedelius, Dentist 
Yarzincrstr. 4-, gegenüber dem Ringbahnhof 
Telefon: Amt Pfalzburg 6801. ■— 
Zahnersatz : Plomben : Gold- 
Kronen- und Brücken-Arbciten 
Schönheit u. Brauchbarkeit d Arbeiten garantiert 
Ausserord. schonende u. rücksichtsvo’le Behandln. 
Auf Wunsch Zahlungserleichterung gern gestattet. 
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Rheinstr. 69 Kassenständen 9-1, 8-5 Übr. Tel. Pfxb. •/. ;<(>: | 
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Reichsbank-Giro-Konto. Diskontierung von Wechseh. 
Kontokorrent-, Depositen- u. Scheck-Verkehr, 
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Vorteilhafter 
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Eierkranz 60 Pf. p. Pfd. I Potsdamer Zwieback 80 Pf. p. Pfd. 
KaMsbadtr Zwlebaok 70 , . , Sahnaa-Zwiebaok 1,—M, , , 
Friodrlcbadarfer , 80 . , . 18n?pea-M«kroaea 1,40 , , , 
Bertiiold Möllers Feinbäckerei 
Friedenau, Friedr.-Wilh.-PIatz 6 ». d. Kirch« T«l Pfb*. 210c. 
ßlrtrtrttilrtrtrttl Graphologie, I fff,* liest aus ihrer Hand 
Handlesekunst. M Handlesekünstlerin 
Siubenrauchstr. 28-29. «th. 1. Et., I CÄtiffnT Zierholz. Stierstr. 10. 
ßie^tenftein. I OlllllMIII ßUfc. nf. fönrprhffh. A-H 
mm
        
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