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Periodical volume Nr. 90, 17.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

CokaUs 
(Nachdruck unserer o-Origmalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Unser Gemeindegebiet weist einen Flächeninhalt 
von 141,3516 da auf. Hiervon entfallen nach dem Ver 
waltungsbericht unserer Gemeinde vom Jahre 1912 auf 
Privatbesitz 93,7095 da (i. Vorfahre 93,7103 da), auf 
öffentliche Straßen 35,9815 (35,9807) da, auf öffent- 
liche Plätze 2,0193 da (2,0193 da), auf Gemeinde 
eigentum 9,6413 (9,6413) da. Ende Dezember v. Js. 
waren auf unserem Gemeindegebiet 935 Gebäude vorhanden. 
Die Zahl der steuerpflichtigen Grundstücke bettug 991 
Grundstücke mit einem Gesamtwerte von 178 414 000 M., 
davon bebaute Grundstücke mit 173 905 000 M., unbebaute 
Grundstücke mit 4 509 000 M. 84 Grundstücke sind im 
verflossenen Jahre in anderen Besitz übergegangen und zwar 
72 (1911: 69) bebaute Grundstücke mit einem Flächen 
inhalt von 67 145 qoi (71 855 qm) und einem Erwerbs 
preise von 14 179 719 M. (15 659 354 M.). 12 (28) unbe 
baute, mit einem Flächeninhalt von 12 349 qm (26 242 qm) 
und einem Erwerbspreise von 807 400 (1 946 045 M.). 
Bon diesen Grundstücken sind freiwillig verkauft worden 
85 (40) bebaute, zum Preise von 6 638 000 M. (8 104 011 
Mark), 7 (25) unbebaute zum Preise von 449 250 M. 
(1 426 145 M.), in der Zwangsversteigerung 37 (20) 
bebaute zum Preise von 7 541 710 M. (7 555 343 M.) 
5 (3) unbebaute zum Preise von 308 150 M. (519 900 M.). 
o Submissionsergebnis. Die Ausschreibung betr. den 
Abriß des der Gemeinde gehörigen Gebäudes Lauterstr. 10-20, 
das dem neuen Rathausbau weichen muß, hat wieder ein 
die Unzulänglichkeit unseres jetzigen Submissionswesens kraß 
beleuchtendes Ergebnis gezeitigt. Man kann es nicht 
anders als mit dem treffenden Ausdruck „Submissions- 
blüten" belegen. Während der Höchstfordemde (F. Geißler- 
Berlin) 3000 Mark von der Gemeinde für den 
Abriß fordert, ist der Mindestfordernde (Rcnenfeld- 
Berlin) bereit, der Gemeinde noch 1050 M. zu zahlen. 
Daraus ergibt sich ein Unterschied vom höchsten zum 
niedrigsten Angebot von 4050 M. Außer der zuerst ge 
nannten Fimra haben noch vier weitere Firmen Zahlungen 
für den Abriß von der Gemeinde gefordert und zwar 850 
M. O. Voigt-Berlin, 500 M. K. Graf-Berlin, je 350 M. 
R. Töllner-Schöneberg und A. Ren-Berlin, 300 M. E. 
Bütow-Friedenau. Vier Firmen: A. Steinhöfel-Berlin, I. 
Weigelt-Friedenau, W. Katzwedel-Berlin und A. Barsch ver 
langen nichts und wollen auch nichts zahlen. Dagegen 
haben außer der gen. Firma Neuenfeld noch acht weitere 
Firmen der Gemeinde Zahlungen angeboten. Und zwar 
wollen zahlen: O. Hein-Berlin 800' M., Noack-Berlin 500 
Mark, Fischer-Steglitz 375 M., Gries-Berlin 350 Ml., 
A. Keller-Berlin 320 M, Schlickeisen-Berlin 210 M., I. 
Freese-Friedenau und I. Kurz-Berlin je 200 M. — Der 
Bauausschuß hat, wie wir hören, der Friedenauer Firma 
I. Freese den Zuschlag erteilt. 
o Ausfall des Schulunterrichts. Nach einer An 
weisung des Zivilkabinetts hat das Kultusministerium ver 
fügt, daß am Hochzeitstag der Prinzessin Viktoria Luise am 
°-?4>.Mai.ifl allen Schulen Preußens der Unterricht ausfallen 
soll. Dieselbe Bestimmung gilt auch für den Tag des Re 
gierungsjubiläums des Kaisers, für den 16. Juni. 
o Diebstähle in den Schulen. Vor zwei Jahren sind 
an unseren Schulen — Volksschulen sowohl wie höheren 
Schulen — verschiedentlich Diebstähle an den in den 
Korridoren hängenden Sachen der Schüler verübt worden. 
Die Eltern verlangten Schadenersatz von der Gemeinde und 
es kam zu Klagen vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg, 
die zu Ungunsten der Gemeinde ausfielen. Die Gemeinde 
wurde also für haftbar erklärt. Den gleichen Standpunkt 
nahm dasselbe Gericht in einem Schöneberger Fall ein. Die 
Stadt Schöneberg wurde fiir haftbar erklärt für einen Dieb 
stahl, der in einer Gemeindeschule vorkam. Das, da der 
Magistrat nicht Berufung einlegte, rechtskräftig gewordene 
Urteil geht davon aus, daß die Gemeinde zwar durch Ge 
währung von Unterricht in einer öffentlichen Volksschule 
eine öffentlich-rechtliche Pflicht erfülle, damit aber auch 
privatrechtlich geartete Pflichten übernommen habe, die sie 
insbesondere nötigen, die ihrer Anweisung gemäß auf dem 
Flur aufgehängten Sachen vor Diebstahl zu schützen. Es 
werden dann die Möglichkeiten des Schutzes erörtert, und 
es wird festgestellt, daß die Stadtgemeinde auch in der Lage 
sei, Schutzmaßregeln auszuführen. — Allgemein ist die ver 
tragliche Haftung der Gemeinden mindestens für höhere 
Gesellschaft? In Berlin? Auf einem so schönen, 
eleganten Platz?" 
„Viel zu schön und zu elegant, Fräulein, für ein so 
altes, abgerackertes Arbeitstier, wie ich. Sehen Sie mich 
an. Gehöre ich hierher?" 
Sie streifte das junge, reizende Geschöpf mit bewundern 
dem Blick. 
„Aber ich wollte Fräulein Lotte das Vergnügen 
gönnen. Sie kommt wenig aus unserem Nest heraus, sie ist 
noch ein junges Ding und plagt sich redlich." Und, setzte 
Berta in Gedanken hinzu, nachdem sie jeden Gedanken an 
Rolf aufgegeben zu haben scheint, gönn' ich ihr erst recht 
alles Gute. 
Cornelie fragte liebenswürdig, was die Damen nach 
Berlin geführt. Ihre Schwester habe darüber wohl auch 
nichts Näheres gewußt. Dabei aber dachte sie, was 
Edgar nur so endlos lange mit dem Kellner zu verhandeln 
habe, und hörte nur mit halbem Ohr, was Fräulein Maaß 
ihr von Aufträgen. einer Kunstssickerei erzählte, und daß 
Fräulein Heine hergefahren sei, um ihre Kenntnisse der 
Sammlungen und Galerien für ihren Schulunterricht mal 
wieder ein bißchen aufzufrischen. 
' Endlich kam der Offizier zurück. 
„Alles in bester Ordnung. In einer Viertelstunde wird 
der Kellner servieren. Hoffentlich sind die anderen Herr 
schaften bis dahin zurück." 
„Haben Sie gleichfalls gute Nachrichten aus Reichenhall, 
gnädiges Fräulein?" 
Berta machte ein ärgerliches Gesicht und fühlte, daß 
sie rot wurde, was sie noch mehr alterierte. 
„Ich bitte, Herr Leutnant, mich nicht gnädiges Fräulein 
zu nennen, sondern schlechtweg bei meinem Namen. Mein 
Vater war ein simpler Bäckermeister. Wir sind „erst _butd) 
Schulen in den Urteilen der Oberlandesgerichte Hamburg 
und Rostock anerkannt worden. Man hat da einen Unter 
schied zwischen höheren und Volksschulen gemacht, weil zur 
Errichtung von höheren Schulen die Gemeinde nicht ver 
pflichtet werden kann. Es handelt sich also bei der Er 
richtung von höheren Schulen um steiwillige Entschließungen 
der Gemeinde und so würden die Merkmale eines privat- 
rechtlichen Vertrages zwischen Gemeinde und den Eltern 
oder gesetzlichen Vertretern der Schüler gegeben sein. Nun 
hat aber neuerdings das Landgericht III in Kenntnis aller 
in Frage kommenden Entscheidungen die Haftpflicht der Ge 
meinden sogar für höhere Schulen verneint. Der zur 
Enffcheidung gekommene Fall war folgender: Es waren 
1912 an dem Charlottenburger Schi'ller-Realgpmnasium 
zahlreiche Ueberzieherdiebstähle vorgekommen; in zwei Fällen 
sind Schülern je zwei Mäntel entwendet worden. Durch 
den offenen Eingang zum Schulhof war der Zutritt von 
diesem her jederzeit möglich und die von dem Schuldiener 
in dem großen mehrstöckigen Hause allein ausgeübte Be 
aufsichtigung naturgemäß unzureichend. Es wurden zwei 
Prozesse angestrengt, die von der zuständigen Abteilung des 
Amtsgericht Charlottenburg bei verschiedener Besetzung teils 
unter Bejahung, teils unter Verneinung der Hafttmg ent 
schieden wurden; die Berufungsinstanz sprach sich in beiden 
Fällen für die Verneinung aus. Es wurde angenommen, 
daß nur ein öffentlichrechtliches, kein Vertragsverhältnis vor 
liege, weil die Schulen dem öffentlichen Interesse dienen, 
das Recht auf ihre Benutzung nicht klagbar sei und als Ent 
gelt eine Gebühr erhoben werde. Ferner verneinte das 
Landgericht das Vorliegen einer unerlaubten Handlung mit 
der recht anfechtbaren Begründung, daß es sich um eine 
fernliegende Gefahr handele, die besondere Vorkehrungen und 
erhebliche Aufwendungen nicht rechtfertige, und daß das ge- 
sainte Verhalten der Stadt sachgemäß gewesen sei. — Diese 
Rechtsprechung berührt jedoch die Privatschulen nicht, da bei 
ihnen nicht öffentlich-rechtliche, sondern nur privatlich-recht- 
liche Verhältnisse vorliegen, die eine Haftung der Schule 
bedingen. — Es wäre erwünscht, wenn die Haftfrage ein 
mal bis zur letzten Instanz durchgeführt würde. 
o Friedenau - Wannsee—Stahnsdorf. Es ist dies 
die neueste Eisenbahnverbindung, die im Sommer sicher von 
vielen Ausflüglern aus Friedenau benutzt werden wird. 
Die neue Zweigbahn von Wannsee nach Stahnsdorf, die 
sogen. Friedhofsbahn, wird im Mai eröffnet werden und 
erschließt damit dem Großberliner Ausflugsverkehr neue 
bisher noch wenig berührte Gebiete. Die Bahn führt 
durch Wald in der Nähe des Jagdschlosses Dreilinden vor 
über über die Potsdamer Fernbahn und den Teltowkanal 
nach Stahnsdorf. Wenn auch vorzüglick zur Erleichterung 
des Besuchs der Friedhofsqnlagen in Stahnsdorf ins Leben 
gerufen, wird die neue Bahnsttecke sicherlich auch dem übrigen 
Verkehr sich nutzbar machen, zumal sie bisher nur ziemlich 
umständlich zu erreichende Gegenden dem Vorortbetriebe an 
schließen wird. Namentlich die landschaftlich reizvollen und 
architektonisch bedeutsamen Partien des Teltowkanals und 
der Machnower Schleuse dürften mit ihren reichen Wal 
dungen und Anlagen manches Neue und Interessante bieten, 
was einen Besuch lohnend zu gestalten geeignet erscheint. 
Wer nicht weite Strecken zu Fuß zurücklegen wollte, war 
bisher einzig auf die spärlich verkehrenden, kostspieligeren 
Autobusse zwischen Wannsee und Stahnsdorf oder auf die 
elektrischen Straßenbahnen von Steglitz über Teltow an 
gewiesen, wenn er nach Stahnsdorf gelangen wollte, oder 
er mußte den großen, wenn auch hübschen Umweg zu 
Wasser auf dem Kanal von Neubabelsberg oder Steglitz 
aus benutzen. — Für unsere Mitbürger dürfte die neue 
Bahn noch dadurch besondere Vorteile bringen, als sie ihnen 
die Verbindung nach unserem neuen Friedhof bei Güter- 
gotz schafft. 
o Baden verboten! Die vielen Unglücksfälle, die das 
Baden an verbotenen Stellen in den letzten Jahren ge 
zeitigt haben, dürften voraussichtlich iu diesem Sommer dazu 
führen, daß für das Gebiet der Spree und Havel ein 
; polizeiliches Badeverbot erlassen wird. Das Wasserbauamt 
> bringt soeben eine Warnung, in der auf die Gefahren hin- 
j gewiesen wird, die die Flußläufe und Seen der Mark be- 
! sonders für des Schwimmens Unkundige in sich bergen. 
| Unter Hinweis auf die von den einzelnen Gemeindever- 
: waltungen getroffenen, dem Badebedürfnis dienenden Ein- 
! Achtungen heißt es dann am Schlüsse dieser Verlautbarung: 
i Durch die neuen und die bereits von früher her vor- 
! handelten Badeplätze ist fast an allen von Ausflüglern be- 
Mhtt»n Punkt«: uns«« G««ass»r »elezmhtst zum gefahr 
losen Genuß «ine» «quickenden Bade- galten. Urn st 
eindringlicher mutz daher aber auch vor dem Baden an den 
nicht besonders bezeichneten Stellen gewarnt werden. D»r- 
aussichlich wird das freie Baden in den öffentlichen Fluß- 
läufen des Havel- und Spreegebiets demnächst polizeilich 
gänzlich verboten werden, da auch im verflossenen Jahre 
wiederum mehrere Personen beim Baden ihr Leben ein 
gebüßt haben. 
o Zur Refidenzpflicht der Beamten. Zum April- 
Umzugstermin ist die Rückwanderung städttscher Beamten 
und Lehrer aus den Vororten nach Berlin bezw. Schönrberg 
ziemlich erheblich gewesen. Es ist dies eine Folge der vom 
Berliner und. Schöneberger Magistrat verttetenen Ansicht 
über die Residenzpflicht ihrer Beamten. Mietsverträge, die 
am 1. April abliefen, durften nicht erneuert werden, sofem 
nicht durch kreisärztliches Attest festgestellt war, daß der 
betreffende Beamte zur Erhaltung seiner Gesundheit außer 
halb des Ortes seiner Amtstätigkeit in waldreicher Gegend 
wohnen ntüsse. Falls die strittige Frage über das AuS- 
wärtswohnen der Beamten und Lehrer nicht bis zum Juli 
zugunsten der Beamten- und Lehrerschaft entschieden sein 
sollte, dürfen die bis zum Oktober ablaufenden Miets 
verträge ebenfalls nicht wieder erneuert werden. 
o Entlastung der Grundbesitzer. Die Wirtschafts- 
Genossenschaft der Grundbesitzer westl. Gemeinden, E. d. 
m. b. H. hatte die Hausbesitzer zu einer Sitzung eingeladen, 
die am 15. d. Mts. in Wilmersdorf stattfand. Nach dem 
Vortrage des Herrn Rechtsanwalt Dr. Franz Horniger über 
„Kauf von Grundstücken auf Offerte und Nießbrauch und 
die steuerlichen Gesichtspunkte usw." und des Herrn R. 
Konieczka über „Bewucherung des Hausbesitzers — die not 
wendigen Entlastungen — die Tätigkeit der Wirtschafts- 
Genossenschaft" sowie folgender Aussprache nahmen die An 
wesenden folgende Erklärung an: Die heute am 15. April 
1913 versammelten Grundbesitzer westl. Gemeinden protestieren 
energisch gegen die übermäßige Belastung des HausbesitzeS 
und verlangen, daß Staat und Gemeinde eine Revision 
ihrer Steuern vornehmen, um den Grundbesitz wieder er» 
ttagtzfähig zu gestalten. Insbesondere wird verlangt: 
1. Ermäßigung der Umsatzsteuern, 2. Revision des Wert- 
zuwachssteuergesetzes, 3. Erhebung der Grundsteuern nach 
dem Erttagswert, nicht dem gemeinen Wert, 4. Zulassung 
der Ausgaben für Hypothekenreguliemng bezw. Erneuerung 
als Unkosten des Hauses bei der Berechnung des Ein 
kommens aus Grundbesitz, 5. Ermäßigung der Grundsteuern 
unter ev. Erhöhung des Zuschlags zur Staatssteuer auf 
110 Proz. Um das Vertrauen der Privatkapitalisten zur 
Grundstücksbeleihung wieder zu heben, wird ferner die Ein 
führung des 2. Teiles des Reichsgesetzes betteffend die 
Sicherung der Bauforderungen verlangt, damit ge 
wissenlosen Bauschiebern das Handwerk gelegt und planlose 
Erschließungen unreifer Gelände verhindert werden. 
o Handel- und Gewerbeverein zu Friedenau. Die 
Generalversammlung findet am Dienstag, dem 22. Aprfl. 
Abends 9 Uhr, im oberen Saale des Restaurants .Hohen- 
zollern" statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Jahres 
bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Kassenbericht und 
und Entlastung des Kassierers. Neuwahl deS Vor 
standes. Aufstellung eines Kandidaten fiir den ver 
storbenen Gemeindeverordneten Herrn Schu. Vorttag deS 
Bankoorstehers Herrn Ammelt über: „Einrichtung einer 
Reichsbanknebenstelle in Friedenau". Jntereffenfragen. 
In Anbettacht der wichtigen Tagesordnung ist die An 
wesenheit sämtlicher Mitglieder dringend erforderlich. Gäste 
willkommen. 
o Friedenauer VerkchrSfragen werden als Haupt 
punkt der Tagesordnung in der morgen (Freitag) Abend 
im „Hohenzollern" stattfindenden Versammlung deS „HauS- 
und Grundbesitzervereins" zur Erörterung kommen. Es 
wird gesprochen werden über neue Straßenbahnverbindungen, 
Durchlegung von Autoomnibussen, über einen Lokalverkehr 
und nicht zu vergessen, über die Verlegung des Wannsee 
bahnhofs bezw. über die Frage: jetziger Wanseebahnhof 
oder Feldstraßenbahnhof? Es ist darnach wohl eine zahl 
reiche Beteiligung zu erwarten. Gäste sind, wie immer in 
den Versammlungen des Haus- und Grundbesitzer-DereinS, 
herzlich willkommen. 
o Zur Landtagswahl. Das Wahlbüro der vereinigten 
liberalen Parteien (Fortschrittliche Volkspartei und national- 
liberale Partei) des Wahlkreises Teltow-Beeskow-Storkow- 
Wilmersdorf befindet sich in Charlottenburg. Bismarckstt. 10 
die zweite Ehe meiner Mutter in die höhere Gesellschaft 
gekommen, oder vielmehr sie, nicht ich. Sie verdient cs 
auch, denn sie ist eine innerlich sehr feine Frau. Ich bin 
aus gröberem Holz geschnitten. Ich sage das, wie es ist. 
Ich will mir nichts erschleichen." 
Die Bowle war inzwischen gekommen. Cornelie hob 
ihr Glas gegen Berta. „Prost, Fräulein Maaß. Ich finde 
das furcht—" sie fing einen lachenden Blick Edgars auf 
und verbesserte sich rasch: „Es gefällt mir das riesig an 
Ihnen, dass Sie so geradezu sind. Wenn mein Barer zum 
Beispiel Tischler statt Professor wäre, würde ich mich auch 
nicht deswegen schämen. 9lur sein Handwerk müßte er 
ordentlich verstehen, und ich müßte meine geraden Glieder 
und meinen gesunden Verstand haben." 
„Kleiner Demokrat," dachte Edgar und maß sie mit 
verliebten Blicken. 
Von weiten: sah Berta Lottchen Heine mit ihrem Be 
gleiter sich durch die Menge- schieben. Um noch rasch ein 
Wort von Rolf zu hören, bevor Lotte in Hörweite war, 
bemerkte sie zusammenhanglos: 
' ..Uebngens fühlt mein Bruder sich sehr wohl in seiner 
Stellung bei Ihrer Frau Schwester. Und wir sind glücklich, 
dis Mutter und ich. daß er sie gesunden hat. Vor Jahr 
und Tag war er noch ein Hochhinaus und hätte sich nie 
in eine abhängige Stellung gefunden. Aber am Ende: 
Not lehrt beten und er kann Gott danken, daß er es so 
getroffen hat." 
„Und meine Schwester auch, Fräulein Maaß. Es ist 
nicht jede:» gegeben, mit einem zarten und dabei so wilden 
Knaben umzugehen. Davon wissen wir ein Lied zu singen, 
, nicht wahr, Herr Leutnant? Sie und der Mürbe und 
i ich. Uebrigcns, ich vergaß. Ihnen einen Gruß von Aörbe 
t auszurichten, Edchcn. Er war ganz Feuer und 2sit für 
einen neuen „Befchlicßungsplan", wie er sagte. Er ver 
handelt mit dem Schlosser, als ob es die Anlage einer 
Befestigung gegen den Feind gälte." 
Mittlerweile waren die beiden Erwarteten bis att den 
Tisch gelangt, beide linkisch verlegen. 
Berta stellte vor : „Fräulein Lotte Heine, Herr Wahl t" 
Cornelie sprang so lebhaft auf, daß der Stuhl hinter ihr 
umschlug. 
„Was denn? Wer denn? Sind Sie etwa der Herr 
Wahl mit den Steinen, der heute bei meinem Bater war?" 
Der lange, dünne Mensch war so verlegen und er 
schrocken, daß er kein Wort vorbringen konnte. 
Berta setzte ihre Vorstellung fort: „Fräulein Reimann." 
Ueber das schmale, blasse Gesicht des Langen zog ei» 
stilles, beinahe andächtiges Lächeln. 
„Herr Professor Andreas Nelmann ?!" Er sagte es 
zaghaft, als ob er sich nicht getraue, den Ramen auszu 
sprechen. 
Cornelie nickte vergnügt. „Das ist mein Aller, ja. 
Und Sie waren heute bei ihm — und die Gans, bfe 
Dietrich, hat Sie nicht vorgelassen — ich war nämlich bei 
meiner Schwester — und mein alter Herr hat getobt." 
Edgar, der sich köstlich über Nellies Eifer amüsierte, 
schlug vor, daß man sich setzen und die krttische Frage bei 
der Schildkrötensuppe, die eben aufgettagen worden war, 
löste. 
Wahl, der im nüchternen Zustande sich niemals als 
Gast zu Fremden gesetzt haben würde, folgte widerstands 
los. Cs war ein völliger Rausch bei dem Namen Reiman» 
über ihn aekommen. 
(Forschung folgt.)
        
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