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Periodical volume Nr. 10, 12.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

finden soll. Der Prrt« de» trockenen Gedeck« ist auf 5 M. 
festgesetzt. Sämtliche Bürger Friedenau« find zu diesem 
Festmahl eingeladen. Listen zur Eintragung liegen in 
verschiedenen Restaurant« und Zigarrenläden sowie im 
Gemeindeamt, Feurigstraße 8, au«. Nähere» in der amt 
lichen Bekanntmachung in dieser Nummer. 
o Unser Friedhof ist jetzt in Ausführung de« letzten 
Beschlusse« unserer Gemeindevertretung um 25 Meter nach 
Westen zu vergrößert worden. Kaum war diese« Stück 
für den Friedhof hergerichtet, al« sich auch schon die Not 
wendigkeit ergab, dort zu beerdigen. E« find nun bereit« 
6 Gräber auf dem neuen Teile de« Friedhöfe« vorhanden. 
o Frauen in der Armenpflege. Im Dienste der 
Armenpflege find al« Mitglieder de« Gemetndewaisenrat« 
auch in unserem Orte mehrere Damen tätig. Eine vor 
zügliche Zusammenstellung der Gründe, die für eine Heran 
ziehung de« weiblichen Prschlecht« zur Armenpflege sprechen, 
gibt der seinerzeit von der Stettiner Armendirektion ge 
stellt Antrag, auf Grund dessen sich die städtischen Körper- 
schatten grundsätzlich damit einverstanden erklärten, daß 
auch weibliche Personen zu stimmberechtigten Mitgliedern 
der ArmenauSschüsse (Vrmenpflegerinnen) gewählt werden 
können: „DaS Begehren der Frauen, ihnen die Beteiligung 
im ehrenamtlichen Dienste der Gemeinde zu eröffnen, ist 
jedenfalls für diejenigen Gebiete durchau« berechtigt, die 
von Hause au« der Frau eigen find. Hierin gehört in 
erster Linie die Armen- und die Kinderpflege. Die recht 
liche Möglichkeit gibt da« Gesetz für die Waisenpfleg« mit 
ausdrücklichen Worten (AG. BGB. Art. 76 § 2) für die 
Armenpflege implizite (AG. ^ UWG. vom 8. März 1871 
8 3 Absatz 1). In einer größeren Anzahl von deutschen 
Städten hat man seit einer Reihe von Jahren Frauen 
zum ehrenamtlichen Dienst in der Armenpflege heran 
gezogen. Ihre Mitarbeit hat sich auf diesem Gebiete nach 
den übereinstimmenden Berichten durchau« bewährt. Die 
von manchen Seiten ansang« gehegten Befürchtungen, die 
Frauen würden au« Weichhrrzigkeit und Vertrauensselig, 
keil in der Bewilligung von Unterstützungen zu weit gehen, 
ui-d das Zusammenarbeiten männlicher und weiblicher 
Armmpfleger würde zu Unzuträglichkeiten führen, haben 
sich nirgend? bestätigt; e« hat sich im Gegenteil vielfach 
g-ziigt, daß die Frauen schärfer prüfen und weniger b> 
:: tUigrn ol« männliche Armenpfleger. Auf Grund ihrer 
ha s:virischaftlichtn Erfahrungen sind sie anderseits be- 
i- h >r« befähigt in Fällen, in denen es sich um einen 
zerrütteten Haushalt, um die Fürsorge ifür Frauen oder 
Kr ider, für kranke, altersschwache oder gebrechliche Arme 
hantelt, zu erkennen — und zwar besser als die Männer 
— wo der Hrbel angesetzt werden muß, und zweck- 
dtknliche Ratschläge für die häusliche Wirtschaftsführung 
zu geben. Auf diesem Felde ist die Tätigkeit der seit 
einer R-ihe von Jahren in der hiesigen Armenver- 
waltung angestellten Gemeindeschwestern von bestem Erfolge 
gewesen. Es kann und muß aber noch mehr geschehen. 
Die Heranziehung der Frauen zum ehrenamtlichen Armen- 
pflegedienst empfiehlt sich ferner noch deswegen, weil e« 
bei dem wachsenden Bedarf und der starken Inanspruch 
nahme der Bürger durch andere Ehrenämter immer 
schwikltget wird, geeignete Personen für die Mitgliedschaft 
in den Armenkommissionen zu gewinnen. Au« der oroßen 
Zahl der in privater Fürsorgetätigkeit erprobten Frauen 
wud hier unschwer di« nötige Ergänzung zu beschossen 
sein, entspricht doch die Mitwirkung im ehrenamtlichen 
Organismus der Armenpflege dem Wunsche zahlreicher 
Frauen, wie die« durch einen entsprechenden Antrag de« 
Stettiner FrauenvereinS erwiesen wird. Ohne Frage wird 
du ch die Mitarbeit der Frauen daS erstrebenswerte ver 
ständnisvolle Zusammengehen von gesetzlicher und frei 
williger Armenpflege wesentlich gefördert werden können. 
Endlich sei erwähnt, daß wir rS für angezeigt erachten, 
den Frauen im Gegensatz zu den Männern das Recht zur 
Ablehnung der Wahl und jederzeitigen Niedrrlegung deS 
Amtes zu geben, um einen sonst unter Umständen mög 
lichen Konflikt mit den häuslichen Pflichten zu vermeiden. 
Dabei muß allerdings die Erwartung ausgesprochen werden, 
daß von diesem Recht nur auS zwingenden Gründen 
Gebrauch gemacht wird." 
Nachrede wegen unbezahlter Schulden auszusetzen. Cs 
trifft sich gut, daß Sie morgen schon frei sind, denn es ist 
der letzte Tag der Schonzeit, die meine Feinde mir gewährt 
haben. Sie waren so liebenswürdig, mir bis zum 14. 
dieses Monats Gnadenfrist zu geben, weil Sie glaubten, 
ich würde, durch ihre Drohungen eingeschüchtert, Berufung 
zugunsten ihres Genossen einlegen." 
„Das werden Sie aber natürlich nicht tun," rief Julius 
unwillkürlich, als er den strengen Zug sah, der sich um 
die Lippen des Juristen gebildet hatte. 
„Sie halten mich also nicht mehr für ganz so feige 
wie zuerst?" fragte Sir William. 
„Ich habe nichts von Feigheit gesagt, Herr Staats 
anwalt," warf Julius ein. 
„In Worten allerdings nicht. Aber ich habe mich 
nicht umsonst seit vierzig Jahren geübt, in den Gesichtern 
der Menschen zu lesen. Ja, ja, Doktor Penfold, ich habe 
auch Ihre Gedanken erraten, und ich habe Ihnen bereits 
aeiagt, daß ich mir Mühe geben werde, Ihnen eine andere 
Meinung von mir beizubringen. Ich will keinen Menschen 
unter meinem Dache haben, der nur des anständigen 
Lohnes wegen bei mir aushält, mich aber im t-efsten 
Herzen verachtet. Der Grund, warum ich gern noch ein 
wenig länger leben möchte, besteht nicht darin, daß ich 
den Tod fürchte, den früher oder später alle Menschen er 
leiden müssen, sondern darin, daß ich, ehe ich sterbe, noch 
zwei Aufgaben zu erfüllen habe. Die eine ist die, ein 
Unrecht gutzumachen, das ich in meiner Jugend begangen 
habe, nicht als Jurist, sondern als Mensch. Der Borgang 
liegt schon viele, viele Jahre zurück, aber ich kann ihn 
nicht vergessen, und ich darf nicht aus der Welt scheiden, 
che ich getan habe, was in meinen Kräften steht, um das 
Unrecht einigermaßen wieder gutzumachen. Die andere 
Aufgabe — aber darüber wird sich Zeit finden, ausführlich 
mit Ihnen zu sprechen, wenn wir erst näher miteinander 
bekannt sind." , 
Diese Erklärung war so ruhig und würdevoll, ab 
gegeben woxden, daß der junge Arzt .an ihrer Aufrichtigkeit 
o Grüne» und Blühe« im Januar. Der 
„Hundertjährige" weiß von einer Kälte zu berichten, die 
im Dezember herrschte und auf den Januar überging, 
aber wir wissen davon nichts zu melden. In geschützter 
Lage befindliche Wiesen, die Anlagen auf unseren Plätzen, 
in unseren Straßen und Borgärien haben sich mit einem 
grünen Flaum überzogen; GräSlein sprießen in der warmen 
Januar-Sonne, und manches versteckte Zweiglein am Busche 
treibt Knospen! Seit dem fünften deS Monats ist eS 
allerdings etwas kälter geworden, aber nicht viel, andern 
falls hätten wir vielleicht schon jetzt im Januar Maikäfer 
gehabt, die in üblicher Weise einen Sturm auf unsere 
Redaktion unternommen hältst wenn da« warme Wetter 
nur nicht eine gar so bedenkliche Seite hätte. ES heißt: 
war der erste Hornung versteht, Holt der zweite nach. 
Hoffentlich läßt der JanUar nicht zuviel zum Nachholen 
übrig, damit die Regel vom warmen Januar ebensowenig 
rinttifft, wie der berühmte ^HundertjSbrige". 
o Für die Errichtung »ine« Jürgeufen-Grab- 
denkmal« gingen un« weiter zN von: Frau E. R 3 M.. 
H. Md. 1 M., zusammen 4 M. Bereits quittiert 261.70 
Mark, mithin Gesamtbetrag der Sammlung 265,70 M. 
Wettere Beträge werden an die Geschäfitstelle unsere« 
Blatter, Rheinstraße 15, erbeten. 
o Eine Ttrastenbahn durch die Steglitzer 
BiSmarskstraße. Wir dem ,Siegl. Anz." mitgeteilt 
wird, sollen die Verhandlungen betr. Führung einer 
Berliner Eiraßrnbahnlinie durch die Steglitzer BiSmarck- 
straße dem Abschluß nahe sein. E» steht aber noch nicht 
fest, ob eine der jetzt am Krankenhau« in Schöneberg enden- 
den Linien von Weißensee bezw. Treptow (60, 87, 88) 
oder eine andere durchgrlrgt wird. Die Bahn soll bi« zur 
Albrechistraße in die Gegend de« Sladlparke« laufen. — 
Sieglitz scheint in Erfüllung seiner BerkehrSwünsche mehr 
Glück zu haben als Friedenau. 
o Der Kommunalvereiu Friedena«er Ortsteil 
hielt gestern im „Burghof" seine sehr gut besuchte Monat?- 
versammlung ab. Herr RechnungSrot Müller teilte folgende 
Antwort der Oberpostdirekiion mit: 
.Die hüfige König! Eisenbahr dinktion hat ble Ausstellung von 
Wertzeichen-Automaten in der Bahnhofs- und Tunnrlanlage 
de« Bahnhofs Friedenau auS Verkehrs- und BetrieLtrücksichten nicht 
genehmigt. Wenn die Versuche mit den völlta tm Freie» stehenden 
Wertzüchen-Aulcmatcn zu eirum befriedigenden Ergebnis führe«, wird 
die Aufpevung solcher Apparate in unmtttetdarer Nähe des Wannsee- 
bahnhofs Flieterau im Fiöhsthr UN3 tr Erwägung gezogen werde».' 
Herr Bm.kükektor Fiöter hielt dann einen überaus 
interessant n Vortrag über den Feuerschutz SchönebergS 
und deS Friedenaurr OrtSteileS. Der Redner gab ein 
anschauliche« Bild von der Organisation unserer Berus«- 
fcuerwehr. 
Die Wehr soll in längsten« 10 Minuten nach Bekanntwerden 
einer FeuerS imstande fein, eiumgretsen. Der DeckungSradiuS einer 
Wach« toll im avgemeinen nicht größer als 1200 Meter fein. Da 
diese Strecke im Friedenaurr ÖrtSteil überschritten wird, soll für 
diesen Ortsteil und das Südgelinde eine Eüdwache zwischen der 
RubenSstraße und dem Priesterweg im Zuge der B-ckersttaße errichtet 
werden. Um aber auch schon jetzt für den notwendigen Feuerschutz 
sorgen zu känneu, soll ein besonders schnelles Motorfahrzeug ange 
schafft werden, ' auf dem 3 biS 4 Mann bet Autbruch etueS 
Feuer« in diesem OrtSIeil vorausgeschickt werden, um die notwendigen 
Vorbereitungen zu treffen. Die« Fahrzeug wird in 7 Minuten bis 
zum Krankenhause gelangen gegenüber 14 Minuten de« Pferdc- 
LbjchzugeS der Feuerwache. Die sofortige Errichtung einer Feuerwache 
erscheint unter den jetzigen verhältniffen nicht notwendig. Der Bau 
einer Havplwache wrndr 400000 M. kosten, die laufenden Kosten 
würden fich auf 100 000 M. belaufen. Für eine kleine Wache müßte 
man 70 000 M. auSgrben und 35000 M. für laufende Kosten rechnen. 
Deshalb fei eS wohl verständlich, wenn man bet der jetzigen Ftnauz- 
lage den Bau einer Wache möglichst hinausschiebt. 
Dem Vortrage folgte eine lebhaft« Aussprache. Ctadtv. 
Treugebrodt wünschte eine gemeinsame Feuerwache für die 
OclSteile zwischen Wannseebahn und Anhalier Bahn. Herr 
Branddirektor Flöter verspricht sich von Verhandlungen in 
dieser Richtung keinen großen Erfolg. Schon einmal habe 
Schöneberg mit Friedenau derartige Verhandlungen an 
geknüpft, die aber ergebnislos verliefen. ES fand darauf 
ein Probealarm der Hauptwache und einer Wagens der 
Nordwache von der Hauptstraße Ecke Stierstraße au« statt. 
Beide Züge erschienen in 7 Minuten an der Alarmstelle. 
Mit der Erklärung der Fahrzeuge schloß die interessante 
Versammlung. In nächster Zeit wird der Verein die 
Hauptfeuerwache in der Feurigstraße besichtigen. 
nicht zweifeln konnte. Es rührte ihn, zu sehen, welche 
Mühe der stolze vornehme alte Herr sich gab, den Ver 
dacht der Feigheit von sich abzulenken, wie er sich sogar 
dazu herbeiließ, einem vollkommen Fremden einzugestchcn, 
daß er vor langen Jahren ein Unrecht begangen habe 
Julius bedauerte jetzt, daß sein Benehmen zu diesem Ge 
ständnis Veranlassung gegeben hatte, und er sprach dies 
offen und ruhig aus. 
Sir William reichte ihm freundlich die Hand und 
meinte: „Es ist schon gut, ich hoffe, wir verstehen uns 
jetzt. Es lag mir viel daran, Sie für mich zu gewinnen, 
als ich Sie nur nach den Bildern und Berichten der 
Sportzeitungen kannte. Aber cs liegt mir noch viel mehr 
daran, nachdem ich Sie persönlich kennen gelernt habe, 
und es war ganz besonders Ihr offenes Wesen, das mich 
für Sie einnahm. Und nun leben Sie wohl, lieber Doktor! 
Ich erwarte Sie also morgen nachmittag gegen sechs Uhr in 
meinem Hause, Hyde-Park Gardens Nr. 25. Sie werden 
dann gerade recht zum Essen kommen. Meine Ferien be 
ginnen Ende der Woche, und es wird Ihnen wohl nicht 
unangenehm sein, wenn wir dann nach meiner Billa auf 
dem Lande ziehen. Sie werden dort genügend Gelegenheit 
haben, sich in frischer Luft zu bewegen und Ihre Muskeln 
zu üben, denn auch ich halte mich soviel im Freien auf, 
wie mein Alter es mir gestattet." 
Julius kam hinter dem Ladentisch hervor und begleitete 
seinen künftigen Chef bis an die Tür. Er riegelte auf und 
ließ die Kette fallen, doch ehe er die Tür öffnete, fragte 
er: „Sind Sie auch ganz sicher, daß Sie heute abend nichts 
zu fürchten haben?" 
„Ich glaube wohl annehmen zu dürfen, daß meine 
geheimnisvollen Feinde ihr Versprechen halten und mich 
bis übermorgen in Ruhe lassen werden, denn große Ver 
brecher haben ja auch immer eine Art Ehre. Möglich ist 
ja, daß sie mich überwachen, aber ich kann mir nicht denken, 
wie sie etwas von meinen Verliandlungen mit Ihnen hätten 
erfahren sollen, sie müßten mir denn"gerade einen Spion 
nachgeschickt haben." 
o Die Krankenversicherung der Dienstboten. 
Nach der RrichSv»stcherung«ordnung können Dienstboten 
von der KrankrnverstchrrungSpfltcht auf Antrag de« Arbeit 
geber« befreit werden, wenn dieser die volle Unterstützung 
au« eigenen Mitteln dlckt, den Antrag für seine sämtlichen 
Dienstboten stellt und wenn seine Leistungtsähigkeit sicher 
ist. Ueber den Nachwei« dieser Leistungsfähigkeit enthält 
nun die ReichSverstcherungSordnung keine näheren Angaben. 
Bei den Beratungen der Kommission hat. wie „Gesetz und 
Recht" betonen, der Staatssekretär de« Innern seine 
Meinung dahin ausgesprochen, daß wohl in jedem einzelnen 
Fall die persönlichen Verhäliniff« de« Antragsteller« für 
die Entscheidung maßgebend sein müssen. Hinbei handelt 
iS sich allerdings lediglich um die persönliche Ansicht de» 
StaalSsekreiätS, an di- die schließlich entscheidende Stelle 
nicht gebunden ist. Um nun in dieser Beziehung Klarheit 
zu erhalten, ist angeregt, e« möchte über die Feststellung 
der Leistungsfähigkeit eine allgemein gültige Norm von 
einer berufenen Stelle aufgestellt werden. Al« solche ist 
in erster Linie da« Reichsamt de« Innern bezeichnet 
worden. Indessen gehört die Auslegung von Gesetzen 
nicht zu den Obliegenheiten de« RrichSamt« de« Innern; 
eS kann daher auch in dieser Frage eine bindende Norm 
nicht ausstellen. Ebensowenig ist aber auch da« Reich«- 
versicherungSamt in der Lage. Und die Tatsache verdient 
besonder« beachtet zu werden, weil vielfach angenommen 
wird, daß von dieser Stelle au« eine Klärung zu erwarten 
sei. Da« ReichSversicherungSamt fällt aber bekanntlich 
seine Entscheidungen nur von Fall zu Fall al« letzte 
Instanz im Beschwerdeverfahren. Die ReichSoersicherungS- 
ordnung hat aber für die vorliegende Frage das Reich«- 
verstcherungSamt ausdrücklich ausgeschaltet. Denn sie be 
stimmt, daß die Entscheidung über die Befreiung von der 
Krankenverstcherungipflicht endgültig daS Obrrverflcherungk- 
amt fällt. AuS diesen Gründen ist eS ausgeschlossen, daß 
für daS ganze Reich ein fester Grundsatz über die Prüfung 
der Leistungsfähigkeit deS Arbeitgeber« aufgestellt wird. 
ES ist daher, wie dir „Tägliche Rundschau" ausführt, sehr 
wohl denkbar, daß in dieser Beziehung von seiten der 
einzelnen Oberoerstcherungkämler verschiedene Entscheidungen 
ergehen werden. Jedenfalls gehen auch unter denjenigen 
Persönlichkeilen, die an der Gestaltung der RetchSoer- 
stcherungSordnung und ihrer Durchberatung im Reichstag 
in maßgebender Stelle mitgewirkt haben, die Ansichten 
darüber auseinander, ob dir persönlichen Verhältnisse de« 
Antragsteller» einer Prüfung unterzogen werden müssen, 
odkr ob die Versicherung der Dienstboten bei einem 
leistungsfähigen Verstcherung«unternehmen ausreicht, sofern 
die Beitragszahlung de« Arbeitgeber« an diese« sicher 
gestellt ist. 
o Di« Eisbahn ist eröffnet! Wenn auch die 
natürlichen Eisbahnen auf Flüssen und offenen Gewässern 
infolge der so w-nig winterlichen Witterung un« noch nicht 
beschieden sind, so ist doch nunmehr in unserem Orte den 
Ettläusern Gelegenheit zur Betätigung de« schönen und 
gesunden Sports gegeben. Die Grubrfchen Eisbahnen 
an der Laubacher und Kreuznacher Straße (am Elektrizitäts 
werk), sowie an der Wiesbadener Straße,' Ecke 'Hömulh'- 
straße. sind heule eröffnst worden. Beide Bahnen sind 
spiegelglatt und bieten eine auSreichknde Eisfläche zum 
Schlittschuhlauf und zu E slauflpielen. Morgen (Sonntag) 
ist auf beiden Bohnen Konzert. Durch elektrische Bogen 
lampen sind die Eitbahnen Abend« taghell erleuchtet. 
o Ein« Mahnung au die Gewerbetreibenden 
und da» Publikum. Die Handel«- und Handwers«. 
kammern haben jetzt zum Neujahr wieder alle Gewerbe- 
Iltibenden aufgefordert, zur Bekämpfung de« Borgunwesen« 
die Rechnungen pünktlich herauszuschreiben, und im La- 
schluß daran ist an da« Publikum die Mahnung ergangen, 
vor allem die Handwerker nicht so lange auf Zahlung 
warten zu lassen. Man wird dem lm allgemeinen Interesse 
nur voll beipflichten können, denn wa« bezahlt werden 
muß, da« soll möglichst gleich erledigt werden, damit der 
Geschäftsmann mit feinem Gelde weiter arbeiten kann, da 
mit er namenilich in die Lage kommt, feine eigene Ver 
bindlichkeiten zu erfüllen. Im allgemeinen wird man 
sagen können, daß e« in dieser Beziehung bedeutend besser 
geworden ist. al« e« noch vor 10 Jahren war. Die er- 
Iulius dachte wieder an die schöne Unbekannte, aber 
auf ein Zeichen des Staatsanwalts öffnete er die Tür. In 
demselben Augenblick fuhr ein leerer Taxameter langsam 
vorüber, und der Staatsanwalt rief ihn an. 
„Gute Nacht, Penfold, auf Wiedersehen morgen," rief 
er dem jungen Manne noch freundlich grüßend zu, dann 
stieg er ein, und bald war der Wagen in dem bedeutenden 
Verkehr der belebten Straße untergetaucht. 
Julius stand noch einen Augenblick an der Tür seines 
Ladens und schaute sich um. Reben ihm befand sich ein 
Fleischwarengeschüst, in dessen hellbeleuchtetem Schaufenster 
Würste und Schinken appetitlich aufgebaut waren, um die 
Eßlust der Vorübergehenden zu reizen. Bor diesem Schau 
fenster stand ein untersetzter Mann mit einem roten Gesicht, 
der den Eindruck eines Seemannes machte. Auch fein 
Anzug deutete darauf hin, er bestand aus ziemlich ab- 
getragenem blauem Cheviot. Er hatte einen rauhen un 
gepflegten Bart, dessen merkwürdige rostbraune Farbe 
Julius' Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber außer der kkarbe 
frappierte ihn noch etwas anderes. 
„Hungrig?" fragte er kurz. 
Der Mann schaute auf und warf dem jungen Arzt 
einen frechen Blick zu, der wahrscheinlich der schroffen Frage 
galt, aber als er die Haltung des Fragenden bemerkte, flog 
es plötzlich wie Erschrecken über sein Gesicht. Denn Julius 
war mit zwei raschen Schritte» herangetreten und streckte 
jetzt die Hand nach dem Bart aus, den er mit einem 
einzigen Griff herunterriß, so daß ein glattrasierter, bläulich 
schimmerndes Kinn und ein brutaler Mund sichtbar wurden. 
„So, Freundchen," sagte Julius und warf den falschen 
Bart seinem Eigentümer wieder zu, „Ihre liebenswürdige 
Physiognomie werde ich überall wiedererkennen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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