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Periodical volume Nr. 88, 15.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Magistrat Verhandlungen wegen des Bauer einer 
Theater» in der Nähe de» Untergrundbahnhofes Stadt- 
park, auf 'einem, dem neuen Schöneberger Rathaus be 
nachbarten Gelände. Die Verhandlungen befinden sich 
noch im Vorstadium; der Magistrat der Stadt Schöneberg 
ist prinzipiell nicht abgeneigt, dar Unternehmen zu unterstützen. 
o Ein Erholungsheim für die Gerneindebe» 
amten. Der Verband der Gemeindebeamten der Ber 
liner Vororte hat die Anregung gegeben, in Gemeinschaft 
mit den übrigen Gemeindebeamten-Verbänden und -Ver 
einen GroßberlinS und mit dem Provinzial-Verband 
Brandenburg ein eigenes Erholungsheim zu begründen. 
DaS Heim soll an der pommerschen Oslseeküste errichtet 
werden und etwa 150 Zimmer umfassen. 
o „Geschloffen." Wer hat nicht schon mit einem 
derben Ausdruck auf den Lippen das Postamt wieder ver- 
laffen, wenn ihm an den meisten Schaltern dar vernichtende 
Wort „Geschloffen' anstarrte und vor den wenigen .ge 
öffneten" Schaltern eine lange Reihe auf Abfertigung 
harrender Personen stand, die sich wohl oder über in das 
Schicksal der mehr oder weniger „geduldigen" Wartens 
schicken mußte! In unserer hastenden Zeit, wo fast alles 
auf die Minute berechnet ist, sollte auch die Postoerwaltung 
au» ihrer stoischen Ruhe heraustreten. „Zeit ist Geld", 
dieses Sprichwort hat mehr noch als wo anders gerade im 
Verkehrswesen Geltung. Daß die Klage über die „ge 
schloffenen" Schalter allgemein ist, ersehen wir aus der 
folgenden Zuschrift, die die „Doff. Zig." in ihrer letzten 
Nummer veröffentlicht: Wehe dem Manne, der Eile hat 
und einen eingeschrirdenen Brief oder eine Postanweisung 
in einem jener Postämter aufgeben möchte, wo von 10 
Schaltern immer 7 oder 8 am kleinen GlaSfenster die In 
schrift tragen: „Geschloffen." Man kommt vormittags hin, 
aber 10 Menschen drängen sich vor jedem der 2 Schalter, 
und darunter auch solche mit Drtzmden von Sendungrn 
in den Händen. Man kommt nachmittags, aber es ist 
ebenso. Immer wieder: „Geschloffen" — „Geschlossn" 
„Geschloffen." Wozu eigentlich all die Echalteröffnungen, 
wenn man seinen Einschreibebrief doch erst mehrere Tage 
in der Tasche tragen muß, um ihn auSnahmSwrise endtick 
mal irgendwo loswerden zu können, am besten gewöhnlich 
noch auf einem ganz kleinen Nebenpostamt, daS überhaupt 
nur ein paar Schalter hat? DaS geht einem oft in Berlin 
so, aber in Friedenau oder anderen Vororten kann einem 
dasselbe geschehen. Manchmal trägt ein Schulter auch 
wohl die Inschrift: „Vorübergehend für kurze Zeit ge 
schloffen." Aber ein großer Mangel ist, daß an keinem 
Schalter eine Aufschrift steht, die angibt, zu welchen 
Stunden er denn ganz bestimmt geöffnet ist. Da« Publi 
kum möchte durchaus wiffen, um sich unnütze Laufereien 
und aussichtsloses Warten zu ersparen, wann eS an diesen 
oder jenen Schalter ganz sicher herankommen kann. DaS 
ist doch wirklich keine unbillige Forderung. 
o Slerztlichc Untersuchung -er Kinder bei 
Schülerwanderungen. Der Zentralverein für Schüler 
wanderungen in Berlin hat bejm Vorstand dcS Groß- 
Berliner Aerzte-AuSschuß angeregt, eine unentgeltliche 
Untersuchung der Kinder vor dem Antritt der Wanderung 
den Berliner Aerzten zu empfehlen. Der AerzteauSschuß 
hat erfreulicherweise die Anregung aufgenommen. LS 
handelt sich nur um unbemittelte Volksschüler. Die ein 
malige Untersuchung soll stattfinden, kurz bevor das Kind 
die Wanderung antreten soll, daS heißt, unmittelbar vor 
den Ferien oder auch in diesen selbst, im wesentlichen um 
festzustellen, ob da» Kind an einer infektiösen Krankheit leidet. 
o HaudwerkSkurse für Fortbildungsschuttehrer. 
An den gewerblichen Fortbildungsschulen sind im Laufe der 
letzten Jahre vereinzelt von Stadtverwaltungen im Interesse 
eines gründlichen Unterrichts für FortbtldungSschullehrer 
besondere Kurse eingerichtet worden, in denen sie mit dem 
Handwerk Fühlung nehmen sollten. GS sollte dadurch er- 
reicht werden, daß sich der Unterricht mehr aus praktischer 
Erfahrung heraus aufbaut. Jetzt wird statistisch festgestellt, 
daß sich diese Neuerung ganz vorzüglich bewährt, denn die 
Lehrer konnten infolge ihrer praktischen HandwerkSkenntniffe 
dt« Unterweisungen an die Schüler viel intensiver gestalten, 
war in den Abschlußprüfungen zum Ausdruck kam. 
o In der letzten Vollversamurlnug der Pots« 
dammer Handelskammer wurde die Geschäftsordnung 
des GrfamtauSschuffeS für den Kleinhandel dahin abge 
ändert, daß die Mandatsdauer seiner Mitglieder 6 Jahre, 
statt bisher 3 Jahre beträgt, ferner wurde beschlossen, dem 
„Großberliner Verein für Klein-Wohnungswesen" beizu- 
treten. Zur Frage der Beseitigung von Mißständen auf 
dem Hypothekenmarkt hatte eine Jnteressentenvecsamm- 
lung empfohlen, di« Herabsetzung von Steuern und 
Stempeln sin denjmigen Fällen zu fordern, wo ein zweit- 
oder drittstelliger Hypothekengläubigrr wegen Gefährdung 
seiner Hypothek zum ZwangSkauf des Grundstücks ge- 
nötigt sei. Die Vollversammlung war mit dieser An- 
regung im Prinzip einverstanden, beschloß jedoch, die Frage 
nochmals in allen Einzelheiten in dem zuständigen Aus 
schuß erörtern zu lassen. Ein Ministerialerlaß legt den 
Wanderzirkussen verschiedene bauliche Beschränkungen auf, 
die von den Inhabern als Erschwerungen deS Betriebes 
empfunden werden. Die Handelskammer lehnte es ab, 
wegen Aushebung dieser Beschränkungen vorstellig zu 
werden, da die bisherigen Zustände in der Tat nicht be 
friedigend waren. — Der Minister für Handel und Ge 
werbe hatte die Kammer ersucht, ihm nach Anhörung des 
GesamtauSschusseS für den Kleinhandel Vorschläge über die 
Regelung deS Zugabewesens zu machen. Der Gesamt- 
auSschuß für den Kleinhandel hat festgestellt, daß in fast 
allen Orten deS Bezirkes das Zugabewesen im Schwünge ist 
und otefach eine Ausdehnung gefunden hat, die den Wettbe 
werb aufs ungünstigste beeinflußt Durch Selbsthilfe allein 
ist, wie mehrere fehlgeschlagene Versuche gezeigt haben, Abhilfe 
nicht möglich. Er soll deshalb die Aufnahme neuer Be 
stimmungen in daS Wettbewerbsgesetz gefordert werden. 
Ueber den Inhalt der zu fordernden gesetzlichen Vor- 
schrtften sollen die kaufmännischen Vereine deS Bezirks noch 
etngeh-nd verhandeln; sobald daS Ergebnis dieser Be 
ratungen vorliegt, werden dem Minister positive Vorschläge 1 
unterbreitet werden. Die Handelskammer ist ersucht 
worden, die Einführung von Schlafwagen III. Klasse 
auf den deutschen Bahnen zu befürworten. Um weitere» 
Material zu gewinnen, wird eine Umfrage bet denjenigen 
Firmen der Bezirke beschlossen, die Reisende nach 
Skandinavien, Finnland und Rußland entsenden, da dort 
Schlafwagen III Klasse im Verkehr sind. Nachdem die 
Postoerwaltung vor einigen Monaten gesetzlich verpfl chtet 
worden ist, bet Nachnahmepakelen, die versehentlich 
ohne Einziehung der Nachnahme ausgehändigt worden 
sind, den Nachnahmebetrag an den Absender zu erstatten, 
wird eS von den Interessenten beanstandet, daß für Nach 
nahmebriefe eine ähnliche Haftpflicht der Post noch nicht 
besteht. AuS Anlaß eine» Beschwerdefalles beschloß die 
Kammer, von neuem die Ausdehnung der Haftpflicht auf 
Nachnahmebriefe zu fördern. Um der berufstätigen Be 
völkerung eine bessere Ausnutzung der wohltätigen 
Wirkungen der TageSsonne zu ermöglichen, erstrebt eine 
immer stärker anwachsende Bewegung die allgemeine 
Früherlegung der Arbeitszeit im Sommer. Man 
will daS dadurch erreichen, daß im Sommerhalbjahr etwa 
son Ende April ab sämtliche Uhren um eine Stunde 
früher gestellt werden, sodaß die Bevölkerung unmcrklich 
dazu gebracht wird, eine Stunde früher aufzustehen. Auf 
diese Weise würde eS möglich fein, die Berufstätigkeit so 
zeitig einzustellen, daß der Arbeitende den größten Teil 
seiner freien Zeit beim Tageslicht verbringen und dir 
Wirkungen einer naturgemäßeren Lebensweise binnen 
kurzem an sich erfahren würde. Die Handelskammer 
sprach dieser vom warmen sozialen Empfinden getragenen 
Idee ihre Sympathie auS. 
o Falsche Fünfmarkstücke find wieder in Groß- 
Berlin und in der Provinz Biandenbu'g im Umlauf. Die 
Falsckslücke fühlen sich fetiig au, außerdem ist die Um 
randung nickt gut ausgeführt. 
o AntoniS Konservatorium der Mufik uud 
Opernfchule zu Fitedenau, Beckerstraße 13 14 (Friedr- 
nauer Brücke) hatte am Sonntao, dem 13 April, Mittags 
12 Uhr zu einer Schüler-Aufführung in den Saal der 
„HohenzollerN'Lichtfpiele" eingeladen Die Idee einer der 
artigen Veranstaltung in Form einer Matir öe, einer Maß 
nahme, welche beredtes Zeugnis von der Unzulänglichkeit 
der örtlichen Saalverhältnisse ablegt, hatte in wetten 
Kreisen trotz der damit verknüpften Unbeqeumlichkeiten ein 
volles Verständnis gefunden und das zahlreich erschienen« 
Publikum bewies, daß man den Darbietungen de§ In 
stitutes ein regeS Interesse entgegenbringt. Der Gesamt 
eindruck deS umfangreichen Programms, welches sich mit 
großer Präzision innerhalb der vorgesehenen Zelt ab 
wickelte, war ein durchaus guter; bei den Kindern der 
Klaoierklassen fiel P äzision deS Anschlages und ausge 
prägter RythmuS, selbst bei den kleinsten, angenehm aus; 
die Zöglinge der V'onlinklassen zeigten gute Bogenführung, 
sauberes Spiel und schönen Ton In den Gesangsktoss n 
ist durchweg eine gesunde Tonbildung, auf welche garnicht 
genug Wert gelegt werden kann, vorhanden. Auf die 
einzelnen zum Teil recht guten und mit gewisser künst 
lerischer Reife zu Gehör gebrachten Leistungen möchte ich, 
als,in dem Rahmen einer Schüleraufführung, nicht näher 
eingehen. DaS gut angelegte und in seinen Darbietungen 
geschickt gesteigerte Programm war im Stande, die Zu- 
Hörer bis zuletzt zu fesseln und der dem Institutsleiter 
zum Schluß entgegengebrachte reichliche Applaus war ein 
Beweis, daß seine und seiner Lehrer geleistete Winter 
arbeit eine verdiente Würdigung erfahren haben. 
Walter Stangen. 
o Auflösung de» Vereins zur Bekämpfung der 
Tuberkulose in Friedenau E. V. Eine außerordent 
liche Mtgltederversammlung hält der Verein zur Be 
kämpfung der Tuberkulose am Donnerstag, dem 17. April, 
Abends 8i/, Uhr, im „Schützrnzimmer" des Restaurants 
„Hohenzollern" ab. Die Tagesordnung lautet: Mit 
teilungen deS Vorstandes. Jahresbericht des geschäftS- 
führenden Ausschusses. Kassenbericht deS Schatzmeisters, 
Herrn BankvorsteherS Kaotzer. Entlastung deS geschäfts 
führenden Ausschusses. Beschlußfassung betreffs Uebergabe 
unserer Fürsorgestelle an die Gemeinde Berlin-Friedenau, 
und betreffs Auflösung deS Vereins. Beschlußfassung 
über die Verwendung des vorhandenen VereinSvermögenS. 
Verschiedenes. 
o „Ueber Freihandel und Schutzzoll" spricht Herr 
Th. Eberhard-Friedenau in der hiesigen Ortsgruppe des 
Deutsch-nationalen HandlungSgehiifen-VerbandeS am Mitt 
woch, dem 16. April, Abends 9 l / 2 Uhr im Restaurant 
Hohenzollern, Handjerystr. 64. Alle Mitglieder und Inter 
essenten sind herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. Im 
Anschluß an den Vortrog findet eine freie Aussprache statt. 
o Der Steglitzer Verein für Gesundheitspflege, 
dem auch viele Friedenauer Bürger angehören, ladet zu 
einer Modeschau am Donnerstag, dem 17. April, Abends 
8i/, Uhr, im Logen-Restaurant, Albrechtstraße 112 a, ein; 
er handelt sich um einen Vortrag nur für Damen. Frau 
Eckert spricht über: Moderne, gesunde, schöne Frauen- 
bekleidung. Vorführung am lebenden Modell von Unter- 
und Ober-Kleidung, Korsetts, Wäsche usw., geliefert von 
GrunwaldS Reformhaus Gesundheit. 
0 DaS Biofontheater in der Rheinflratze 14 
bringt von heute ab wieder eine neue abwechslungsreiche 
Bilderfolge zur Vorführung. Der unbedachte Augenblick, 
ein Schauspiel in 2 Akten, könnte auch eine Liebesirrung 
heißen. ES ist ein hübsches Drama mit oersönlichem 
Schluß. Flüchtiges Glück ist der zweite Scklager betitelt. 
Eine Theaterdame heiratet den Dichter eines Stückes, in 
dem sie Triumphe gefeiert, mehr aus Mitleid als auS 
Liebe. Bald bemerkt der Aermste, daß ihn seine Frau 
hintergeht und mit einem Schuß macht er Schluß für 
immer. Die Handlung ist nicht neu aber sehr geschickt 
inszeniert. Colombo auf Ceylon ist eine prächtige Natur 
aufnahme und auch daS Tonbtld ist recht nett. Die 
Wochenschau von Gauniont ist wieder sehr reichhaltig an 
Borkommnissen der jüngsten Zeit. Der Feinschmecker, eine 
ulkige Komödie zeigt die Leiden eines Leckermauls in 
drastischer Weise, ihm bleibt nichts übrig, als seine Köchin 
I zu heiraten, um seinen Magen nicht veröden zu lassen. 
Unter, der Perrücke ist ebenfalls eine nette Komödie, H 
zum Lachen reizt. Man gehe hin und lasse sich auch reizen. 
0 Asta Ntelfe», die Düse der Ktnokunst, wird sich 
am Donnerstag für dies« Saison von ihren Verehrern und 
Freunden in den „Pfalzburg Lichtspielen" Kaiserallee 72 
Ecke Bachestraße verabschieden. Sir tritt dort von heute 
bt» Donnerstag in der Hauptrolle de» Dramas „Der Tod 
in Sevilla" als Johanntra auf. Nur den „Pfalzburg. 
Lichtspielen", ist daS Aufführungsrecht für diesen groß. 
artigen Film in Friedenau gewährt worden. Außer diesem 
Drama kommt noch daS übrige hervorragende Schlager- 
Programm zur Vorführung. 
0 „Unser Wiffen von den Pl«me1en" lautet 
dar Thema, welches Dir. Dr. F. S. Archenhold am 316. 
VortragS- und BeobachtungSabend der „Vereins von 
Freunden der Treptow Sternwarte", Mittwoch, den 16. 
April. Abends 8 Uhr behandelt. Der Vortragende wird 
dre Entstehung deS Planetensystems, den scheinbaren und 
wirklichen Lauf de, Planeten erklären; über die Almolphäien 
von Merkur und VenuS, die bevorstehende Erdnähe deS 
Planeten MarS, seine Kar äle und weißen Polarkoppen 
wie auch die Bewohnbar keitSfrage sprechen. Die bevor- 
stehende Erdnähe vom Jupiter, die Streifen und Flecken 
Saturns und die gewonnenen Einblicke in sein Ringsystem 
werden durch zahlreiche Lichtbilder veranschaulicht. — 
Gäste sind willkommen. — Mit dem großen F-rnrvhr 
wird vor dem Bortrag die VenuS und nach dem Vorirag 
Mond und Doppelsterne gezeigt. 
0 Ausräumung eines Schaufensters. Auf das 
Uhrengeschäft von Gauert, Schloßstraße 116, hatten es 
Spitzbuben abgesehen, die dort die Scheibe des Schau- 
lensterS eindrückten und mehrere Uhren mit der Hand 
herausholten. Bei dieser Arbeit wurden die Einbrecher 
von dem wachgewordenen Inhaber deS G.schäftS gestört 
und liefen mit ihrer geringen Beute, die noch nicht 100 
Mak betrug, davon. 
0 Diebstähle auf dem Wochcnmarkt. Auf dem 
Steglitzer Wochenmarkt stud wieder mehrere Portemonnaies 
den dort kaufenden Damen auS der Tasche gezogen worden. 
Zwei von den entwendeten Portemonnaies sollen ver 
schiedene Geldstücke enthalten haben, so daß die be- 
trohlenen Damen beim Bemerken des Verlustes bitterlich 
weinten. Also endlich: Vorsicht, meine Damen! 
Vereins-nacbrichten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Theatervercin „lkerxes" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 9'/, Uhr 
im Vereinslokal Paul Sponholz, Steglitz, Körncrstr. 48o. Gäste als 
Mitglieder willkommen. ___ 
Die Hauptabteilung des Chart. Tourtsten-Klub „Märkische göljrc* 
unternimmt am Sonntag, dem 20. April, die 119. Wai verfahrt nach 
Königs WusterdauseBeurig, Wolzig, Sroß Schauen und Storkow. 
Beisi-m nluna 3 / 4 6 Uhr Chart Bahnhof. Hupiportat. Aofahrt: 
6.04 Uh:. Teilnehmcrkatte 185 M. gührer: E H-rnze. Damrn uvd 
Herren als Gäste willkommen. 
~5cbömbcrg 
—0 In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- 
Bersammlung kam es zu einer lebhaften Aussprache über 
die MagistratSvorlagen betr. Abänderung der Kinemato- 
grophensteuer und Einführung einer Kabarettsteuer. Stadtv. 
Engel (lib. Fr.) erklärte namens der liberalen Fraktion, 
daß sie di« beiden Vorlagen ohne Ausschußberatung ab 
lehne. Seit dem Bestehen der Kinosteuer (12. März 1912) 
wäre diese Ordnung bereits dreimal abgeändert worden, 
wodurch daS junge Gewerbe beunruhigt würde. Ein 
Bedürfnis für eine Besteuerung der Kabaretts liege über 
haupt nicht vor, denn eS gäbe nur ein Kabarett, daS um 
11 Uhr schließe; auch müsse die Rechtsprechung erst ein 
greifen, um die juristische Seite der Steuer klarzustellen. 
Assessor Späth führte namens deS Magistrats aus, daß 
sich die Verhältnisse geändert haben; der Magistrat habe 
geglaubt, nicht erst aus die Rechtsprechung zu roarten, weil 
der finanzielle Effekt ein ziemlich erheblicher sei. Der 
Ausfall würde etwa 20 000 M. betragen. Alle Steuer 
ordnungen. selbst die RetchSzuwachSsteuer, mußten ver 
schiedene Male geändert werden, weil sich nie voraussehen 
läßt, welche Umgehungen bei neuen Steuerordnungrn vor 
kommen. In Schöneberg existiert nur «in Kabarett, drei 
neue Anträge auf Errichtung von Kabaretts sind aber vom 
StadtauSfchuß genehmigt und ein vierter Antrag ist ein 
gegangen. Stadtv. Küter (Soz) sprach sich dahin au§, 
daß die sozialdemokratische Fraktion die Kabarrttsteuer ab 
lehne, gleichfalls die Abänderung der Kinosteuer. Auch 
der Sprecher der Freien Fraktion, Stadtv. LinicuS, betont, 
daß seine Fraktion einstimmig gegen die Magistralsoorlage 
sei. Oberbürgermeister Dominicas sprach sich dahin auS, 
daß eS selbstverständlich Sache der Etadtverordneten- 
versammlung wäre, ob sie die Vorlage ablehne oder nicht. 
Andererseits sei eS aber Sache des Magistrats, die Ver 
antwortung für die Vorlage zu übernehmen. Der 
Magistrat müßte die Versammlung warnen vor der Mög 
lichkeit eines nicht unerheblichen Verlustes, und sich decken 
dafür, daß er die Versammlung nicht rechtzeitig darauf 
aufmerksam gemacht habe. Die Abänderung der Kino- 
steuer und die neue Kabarrttsteuer wurde dann einstimmig 
abgelehnt. Zu Beginn der Sitzung teilte der Stadt- 
verordnetenvorsteher Graf v. Matuschka mit, daß der 
Stadtverordnete Architekt Göhrmann (Freie Fraktion) sein 
Mandat niedergelegt habe, weit er auS Schöneberg ver 
zogen ist. Für die Herstellung von Legitimationskar trn für 
die Urwähler zur Landtagswahl wurden 2200 M. bewilligt. 
"Gerichtliches 
(0 Anonyme Brleffchrciber. Es gibt Leute, die ihren Haß und 
dl« Mißgunst anderen Personen gegenüber am besten dadurch Ausdruck 
zu verleihen glauben, indem sie ihnen anonyme Briefe ins Haus 
senden. Eine Warnung für solche Briefschreiber dürste die nach 
stehende Eerichtsverhandlung ergeben: Die neunte Strafkammer unter 
Vorsitz des LandgertchtSdirektors Dr. Schwärtze verhandelte folgende 
g-gen die Frau Elise Echönherr in Lichterseide gerichtete Privatklage. 
Die Tochter des Optikers M. war mit einem in Berlin ansässigen 
Mann, einem Herrn G K., verlobt und mit der Aursteuer beschäftigt, 
als ihr ein anonymer Brief einen Sirich durch alle Hoffnungen 
machte. Der Bries war an ihren Bräutigam gerichtet und enthielt 
die unglaublichster» Anschuldigungen gegen die weibliche Ehre des
        
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