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Periodical volume Nr. 87, 14.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Blut in den Hautgefäßen bedingt^ ein Minus in anderen 
Organen; und wieder ist es das'Gehirn, das blutleerer/ 
sauerstoffärmu. strird und., unk eine ^mehr oder weniger 
starke Müdigkeit empfindest läßt. Aber auch die meisten ! 
anderen Organs und Tsile. des Körpers werden blutleerer 
und flitsstgkeitSarmer; und, dies bedingt in Berbindung 
mit der in den warmen FrühjahrStagen beginnenden 
stärkeren Transpiration daS auch sehr auffällige Zunehmen 
dkS DursteS. 
o Die Gchneider-Zwaugsinnnng wählte in die 
Tarifoerhcmdlungökommistton für Eleg.itz die Kollegen 
Meitzuec, Asche, Weiß^nseldt, für Friedenau: Boigt, 
Bohnhardt, Westphal, für Zehlendorf: Schönfeld. Bekannt-' 
gegeben wurde die neue Meister- und GesellenprüsungS-, 
ordnung: Direktor P. TitiuS von der NeichSzentrale für 
landwirtschaftlich.gewerblichij Buchführung, Ä. m. b. H., 
Friedenau, Rheinstc. 38, sprach über die neue Buch- 
führungSmethode .Perfekt" (D. R. G. M.)> die eine stetige 
Uebersicht über den VermögenSbestand und eine klare 
Grundlage für die Steuereinschätzung biet-m soll. Koll. 
O. Schönert beglückwünschte den nun schon 27 Jahre, d h. 
seit Gründung der Innung, ununterbrochen an der Spitze 
stehenden. Obermeister H. Meißner, der neulich sein 
40 jähriges Meisterjubiläum begehen konnte. Empfehlend 
hingewiestn wurde auf die Zeichnungsliste, die die Hand-. 
werkSkammer an sämtliche Innungen und Organisationen 
der Handwerks im Kammerbezirk richtet., Die Liste be> 
trifft die anläßlich des 25 jährigen kaiserl. RegierungS- 
jubiläumS beabsichtigte Stiftung, aus der würdige alte 
Handwerksmeister und deren Witwen im Bezirk:, die un 
verschuldet in Not geraten sind, Unterstützung erhalten 
sollen. Daß RezierungSjubiläum soll am 15. Jani in den 
Kammersälen gefeiert werden. 
o Die Alters-Abteilung des Männer-TurnversinS 
veranstaltete am vorigen DienSrag Abend in der Turnhalle 
dcS EhürnasiumS ein öffentliches Turnen, das sich eines 
recht guten Besuches zu erfreuen hatte, sodoß sich der Zu 
schauerraum auf der Galerie selbst für diese kleine Ver- 
anstaltunz als zu klein erwies. Eingeleitet wurde das 
Turnen durch ein Kürturnen, woraus 3l Turner in 
5 Riegen, die je nach der Turnfertigkeit und dem Aller 
der Turner abgestuft sind, zu einem Gerätc'.urnea mit ein 
maligem Gerätwcchsel antraten. Nachdem wurden Frei 
übungen nüch dem Takt des Metronoms auch von den 
„Aelterrn* sehr exakt und sicher vorgeführt und zwar waren 
eS rin Teil der Freiübungen, die' auch beim Deutschest 
Turnfest in Leipzig von den Festtellnehmkrn geturnt 
werden sollen. Hierauf folgten Gemeinübungen gleichzeitig 
an 2 Barren und 2 Pferden. Den Schluß bildeten fiöh- 
liche Lauf- und Ballspiele, bei denen auch die LachmuSkeln 
zu ihrem Rechte kamen. DaS ganze Turnen bot ein 
r-cht lebhaft bewegtes Bild, das, getrogen con turnerischem 
Geist, ein gutrs Zeugnis ablegte von dem wohltuenden 
erfrischenden Einfluß, den das Turnen ans den Körper 
ausübt. ES kann daher den selbst im vorgeschrittenen 
Aller befindlichen Herren nicht genug empiohlen werden, 
sich der Pflege dieser gesunden Leibesübungen anzu 
schließen. Besonders empfiehlt ek sich auch für die, denen 
die berufliche Pflicht wenig oder gar keine körperliche Be 
wegung bringt. Rach dem Turnen fand zur Pflege der 
Gef-lligkeit ein gemütliches Beisammensein mit Damen im 
BeretnSIokal der AltnS Abteilung Restaurant „Zur Kaller- 
eiche* statt. Der Vorsitzende des Männer-TuinveremS, 
Geh. Hofrat Fehler, hielt hier noch eine kurze Kritik über 
daS Turnen ab und begrüßte besonders das jüngste Ehe 
paar der Abteilung. — Am kommenden Sonntag unter 
nimmt die Alters-Abteilung ihre nächste Tagestmnfahrt. 
Die genaue Abfahrtszeit wird 'morgen Abend auf dem 
Turnsaal bekannt gegeben werden, wo auch Anmeldungen 
von Neueintretenden entgegengenommen werden. 
o Die Wirtschafts-Genossenschaft der Grund 
besitzer wdstl. Gemeinde« (G. m. d. H), hervorge 
gangen au§ der WUtschafiSgenoffenschast für Grundbesitzer 
von Friedenau - W'lmerSdorf, hält eine Versammlung am 
DicnsraZ, dem 15. April 1913, AbrndS 8 Uhr. im 
„Spichern-Caal", Spichernstr. 3 (an der Kaiserallee und 
Nürnberger Platz) ab. Vortrgg des Herrn Dr. Franz 
Horniger, Rechtsanwalt am Kgl. Kammergericht über 
„Kauf von Grundstücken auf Offerte und Nießbrauch und 
die steuerlichen Gesichtspunkte ulw. * Bortrag des Herrn 
,R. Konicezka über „Bewucherung dH Hausbesitzers die 
Notwendigen Entlastungen — die Tätigkeit der WirtschaftS- 
Genossenschaft.* 
o Die Kreis-Wanderversammlusg des Telrower 
KreisverbandeS deS Eoang.-Kirchltchen HÜlfsvereins und 
der Frauenhülfe findet in NowaweS am Sonntag Cantate, 
dem 20. April, statt. Nachmittags 3 Uhr: Kaffe; trinken 
im Hohcnzollern, Kaiser-Witbelmstr. 27, Nachm. 4 Uhr: 
Festgottesdienst in der Bethlrhemkirche (Festpredtgt: Herr 
Generalsuperintendent Haendler); Nachm. V2 6 -^ r: Nach 
feier in der Bethlehemkirche. Eiöffnung durch die Vor 
sitzende, Frau Präsident Eteinhyusen. Vortrag deL Herrn 
Lehrer Löroe NswaweS: „Weiß sehrt. die Jahrhundertfeier 
unsere Frauen?" JahreShericht. H?rr Pastor Meyer- 
Echöaefeld. Schlußwort. Herr Euperlntendent Rödenbtck- 
Klein-Glicnicke.' Gäste sind herzlich willkommen. 
0 Ein FrisiergeschäA »»«geräumt. In der 
Nacht zum Sonntag haben Änbrecher dem Geschäft dsS! 
FriseutS Paßler, Moselstraße 3, einen Besuch abgestattet. 
Als Herr Paßler morgen- den. Laden betrat, sah er zu 
seinem Schreck, daß dieser vollständig ausgeräumt war. 
Die Spitzbuben hatten Scheren, Rasiermesser, Haarschneide 
maschinen, S;ise. Parfümerien^ eine Eieklristermaschtne u. a. 
gestohlen. Auch der Schränk mit den Abonnementskarten 
war ausgeräumt. Man nimmt an, daß eine mit den 
örtlichen Verhältnissen bekannte Person die Tat verübt hat. 
Ein bestimmter Verdacht liegt jedoch nicht vor. 
0 Einbrnchsdiebstahl. Ale in der vergangen Nacht 
gegen 12 Uhr der Odenwaldstr. 8 wohnende Kgl. Topograph 
Herr Tschirner mit seiner Gattin nach Hause kenn. fand er 
die Korridortür uriverschloffen vor. Ohne die W-ihnuvg zu 
betreten, begab sich das Ehepaar sofort in die Odenwald- 
ftrgße 7 belegen« Scharkwtrtschaft deS Herrn Behrendt 
und benachrichtigte von dort durch den Fernsprecher unsere 
Polizei. ES erschienen denn auch bald zwei Beamte, die 
eine Durchsuchung der Wohnung vornahmen. Von den 
Tätern war natürlich keine Spur mehr zu finden. Soweit 
bis jetzt ermittelt werden konnte, ist eine Damenuhr mit 
Keile gestohlen worden. 
Vereins-Nackrichten 
Am Dienstag tagen: 
Die Ueberwindung der Nervofilär d nL Erziehung. Du zweite 
Vortrag tiejeg von der Deutschen Kesevschafl für Mutier, undKendcS- 
recht veranstalteten Vortragszyklus findet am Dienstag, dem 15 April, 
Abends 8 Uhr, im Restaurant Aibrcchtshcf, Sleal tz Aldrechistraße I, 
statt. Thrmag Erziehung durch Tatsachen. Referenten: Kalhi öotz. 
AuökuustS- und Fürsosgestelle (Katjerallee 66). 
für Tuberkulös«: Aerztliche Cprechstrwden für Männer jeden Dienstag 
von IS—r, für grauen und Kinder jeden Miliwvch von 12—1 Uhr 
für Alkodvlkranke: Aerztl. Sprechswude jede» Freitag von 12—1 Uhr. 
I3erlin «nd Vororte 
§0 Im Dom veranstaltet der Hof. und Domorganist 
Königl. Musikdirektor Beruh. Jcrgang am Mittwoch, dem 
10. April, Abends 8 Uhr, das letzte Orgelkonzert vot der 
Somme:pause unter Mitwirkung von Frau Anny Borscke- 
Bornmüller (Alt), Herrn George Ad. Walter (Tenor), 
Herrn Rud. Gmeiner (Baß) und Frau Carlotta R-ich- 
Siubenrauch iVtoltne). U. a. Phantasie und Fuge über 
„All nos, ad salutarem undam“ v LiSzt, Passacaglia 
von Kerll. P:og:amm (10 Pfg) berechtigt zum Emnnt 
Tul^riften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Unverantwortliche Zustände t 
Bei Allen, die es v tl dem Loitewoye E ryr meinen, sind die in 
den Vororten Berlins befindlichen Rummelplätze ein Dorn im Auge, 
denn was sich da in den Abendstunden an G-findel zweiselhafter Art 
herumtreibt, ist nicht geeignet freundliche Gefühle wachzurufen. Es 
ist im höchsten Maße bedauerlich, daß die Auffichnbchöede nicht in drr 
sage in, diesem sich auf piioalem Grund breit machenden Urbeista- d 
ein Ende zu machen. WaS man aber veilangen kann,' daß ist wohl, 
daß die Aufsichtsbehörde darüber wacht, daß auf diesen SiLtten die 
Moral nicht geradezu mir Küßen geirrten wird und daß diese 
Rummelplätze zu Brut» u-d Pflegeflätten der Unmoral werden. 
Würden Erzieher mehr als es heute leider der Fall ist. sich ihrer Auf. 
stchiStflicht über unerwachstnr Kinder eriuncru, dann wäre ein solcher' 
Apell an die Behörde reicht notwendig. Aber leider ist's in dieser 
Hinsicht mehr wie schlecht bestellt. In vriedenau haben wir ja leider 
auch einen Rummelplotz, der zum allergrößten Teil von der halb 
wüchsigen Jugend bevölkert wird und man mutz sich wundern, mit) weicher 
von Edgar mit den Versicherungen seiner lebenslänglichen 
Daiitvarkejt. 
Zu unterst noch einmal Post aus Meran. Eine Karte 
von HaNs und ein starkes Kuvert, von Kähne adressiert, 
mit der Aufschrift: „Muster ohne Wert". Jedenfalls 
Photographien aus Meran. 
Helene las zuerst Hans' Karte, die iu seiner großen 
Kinderschrist mit wenigen Worten voll bedeckt war und 
von einer „himmlischen Tour" berichtete, die sie mit einer 
großen Gesellschaft mit der Mailcouch nach Lava gemacht 
hatten „immer mitten durch Obstbäume und blühenden 
Flieder, und' an den Hecken schon Rosenknospen. Und 
wir haben feinen Terlaner getrunken. Und ich hatte einen 
Schwips." 
Helene lächelte ; dann, ehe sie das Kuvert mit den 
Photographien aufschnitt, nahm sie den zum Teil noch 
ungelesenen Brief aus der Tasche, der heute morgen ein 
gegangen war. 
Sip, überflog noch einmal flüchtig den günstigen Bericht 
über Hans' Gesundheit, über die Gesellschaft, die sie ge 
funden hatten, über den Zauber Merans. Dann las sie 
aufmerksam weiter: 
„Sie haben mir erlaubt, ja anbefohlen, gnädige Frau, 
Ihnen-mit voller Aufrichtigkeit Dinge, Menschen, Gedanken 
zu schildern, in dem Licht, in dem ich sie sehe, getreu der 
Art, wie sie mich beschäfügen und anfüllen. Sie sagten 
mir, Sje wollten den Mpnn ganz kennen lernen dem Sie 
Ihr höchstes Kleinod anvertraut. 
Ich sehe dann nur die gütige Frau, die mir erlaubt hat, 
ohne Zwang zu ihr zu sprechen. Ich sehe diese Frau in 
einem schönen, anmutigen Nirgendwo, wo es keine livrierten 
Bedienten, keine silberbesetzten Tafeln, kejne, wenn auch 
noch so zahme, Etikette gibt. In einem märchenhaften 
Nirgendwo, wo man keine Abhängigkeiten, kein Reich und 
Arm, kein Geben und Nehmen kennt. Nur eine große 
goldene Freiheit, ein inniges Sichverstehen von Mensch' zu 
Mensch. Und wenn ich Sie da gefunden habe, kann 
es nichts mehr für mich geben, das mir Mund und Herz 
verschlösse. 
Ich lege Ihnen, teure Frau im schönen Nirgendwo, 
ein Blättchen bei, das ich für Sie gezeichnet und niit ein 
paar Farben getuscht habe, oder vielmehr, ich sende es 
Ihnen in einem besonderen Umschlag, so daß es bald 
nach diesem Brief in Ihren lieben Händen ist: 
Ich stieg eine schöne Straße, gegen das Schloß Tirol 
zu, auf. Dort fand ich auf dem Wege ein einziges Mativ! 
Ein geöffnetes Gittertor, filigranzarte Schmiedearbeit, da 
hinter ein lachender Zaubergarten. Blauer Flieder, weiße 
Akazien, blaßlila Glyzinien. Ich mußte Ihnen dies Bildchen 
festhalten. Und auf dem weißen Wege, zwischen den 
vielen zarten, blauen und weißen Blüten, stand eine 
wunderfeine Frau in fließendem, schwarzem Gewand, süß 
duftende lila Blüten in den Händen — die Frau mit den 
Hyazinthen. Sie grüßte mich von Nirgendwo, und darum 
durfte ich ihren Gruß in aller Demut empfangest und 
erwidern. 
Liebe, gnädige Frau! Wenn ich das kann, um so vieles 
besser kann, als wenn ich Ihnen gegenüberstehe, zu Ihnen 
spreche, so ist das ein. Seltsames, das mich dazu fähig macht. 
Wenn ich. an Sie schreibe, wenn ich Sie durch die 
Entfernung so, vieler, vieler Meilen sehe, fällt,, — wein, 
ich so sagest darf, — alles Reale zwischen uns vor mir ab. 
Ich küsse Ihre Hände. 
In Dankbarkeit 
Ihr 
Rolf Köhne.*' 
Nngeniertheit chier düse Jugeud miteiüander verkehrt und welche 
Redensarten no.n da beim gelegentlichen Passieren deS Planes zu 
hören bekommt. Das CLUmmste-aber, was sogar einem Elwachsenen 
die Schamröte in das Gesicht treiben kann, ist daS Treiben. Latz 
sich auf diesem Rummeleplaß an und auf dem elekt sich betriebenen 
Kächffell abspielt. Äurjchchen im Alter von 13—16 Jahren und sog. 
höhere Töchter im gleichen Alter geben sich dort Rendezvous und 
betragen sich unter dem Schutze der zeitweise herrschenden Dunkckhüt 
in der schamlosesten sittenwidrigsten Weise. Ich war, um meinem 
Kinde einen Gefallen zu tan, Pafiagier dieses Karnfieli und somit 
Augenzeuge von Borgäng-n, die man als skandalös bezeichnen muß 
und die mir die Feder in die Hand zwingen, um derttusfich bbehölde einmal 
'uahtzuiegin, ein'besonderes Auacnmerk ouf jene Attraktion deS Friede- 
uauer Rummels zu legen. — Man tut heute so viel, zum Schutze der 
Jugend; daß mau'» tun muß, ist ja ein trauriges Zeichen unserer Zeit 
In Mi so bnl 'GefLhtiicheL für bU Jugend produziert wird, iu de: 
aber leider, wie ich bereits sagte, da« Verantwortlichkettsgefühl oer 
Eltern oder beten Stellverlretei: immer mehr in Abnahme kommt. 
Was nützt es, wenn man die Jugend vor der Schundliteratur, den 
SchuntfilmS und anderem, «a» Sitte und Anstaud gesLhrdet, bewahrt, 
wenn man auf der anderen Seite nicht Gelegenheiten beseitigt, wo noch 
schlimmere Schöben nach dieser Richtung hin entstehen können. An 
die Eltern appellteren ist zwecklos, denn leider stehen davon viele und 
jedenfalls die meisten von den Rumo elbesachrrn auf dem in unserer 
Zeit ja so verbreiteten Standpunkt „die Jugend muß austoben". 
Deshalb wende ich mich an die Aufsichtsbehörde und ich meine, 
daß eS immerhin ein Elück staaiSerhalteuder Arbeit ist, hier 
einmal gründlich aufzuröumeu. Dieser Aufgabe aber sollten sich auch 
die leitenden Schulmänner einmal annehmen, daS wöre praktische Er- 
ziehungsalbcit und manches dieser Bürschchen und unreife Mädchen 
würde auf dem Wege stltlicher Berkommeuhett einhalten, wenn eS 
wüßte, der Rektor inspiziert einmal. Petzold. 
6mchtltcba£ 
P. Beeidungen von Mitgliedern der bewaffneten Macht. Am 
Schlosse einer lm „Schwarzen Adler" zg Echöaeberg begangener, Ge- 
bunsragsfeirr ärgerte sich der Kaufmann Kurt Friedrich Planert über 
einige Festteiloehmer durch deren Verhalten beim Vorbeigehen an 
seinem Tische er sich belckdigt gefühlt Halle." Vor Item Eingang de» 
Lokals Heine Pl. dcthalb die Gegner zur Rede. Diese entsernten 
sich ohne Notiz von idm zu nehmen und gingen die Haupistratze ent 
lang zur Ko'onnenstraß:. Hinter ihnen gingm drei BezlrkSstldwebel. 
Weil nun Pl nicht unmiiteibar an feine Gegner herankommen konnte, 
machte er sich an die Bezirksfeldwebck heran, die er auf dem langen 
Wege bis zum Bahnhof Cchöneberg fortgesetz: mit Redensarten be- 
helligte und mehrfach auch beleidigte. Am vahnhcf wurde dann auf 
Ansuchen der Bez rkefeldwebel der hartnäckige Beleidiger .festgestellt. 
Die Folge dieses Vorgangs war eine Aaklage gegen Pl. wegen Be 
leidigung von Mitgliedern der bewaffneten Macht. Vor dem Schöffen, 
gericht fand die Verhandlung statt, welcher im dienstlichen Austrage 
mehrere höhere Olfistere beiwehaten, weil auch von Seiten des An 
geklagten bei der Mllitärbe;öid: Bel-tw rdr anläßlich deS der An- 
klage zugrundeliegend n Vorganges erhoben worden war. — Der Der- 
leidiger Rechtsanwalt Dr. Bensche gab bei Eintritt in die Verhand 
lung dem Gericht dio Eeklärung ab, d-ß der A geklagte, zwar ae- 
üändlg sei und a-ch wohl wegen Beleidigung bestraft werden müffe, 
jedoch sei in Bezug auf das zur Snwetrdung zu bringende Strafmaß 
zu erwägen, daß die Straftat lediglich nur im Äcrger und der 
daraus entstandenen Enegung über eine ihm vorher im Lokal zuge- 
fügte Beleidigung geschehen sei. Dü BeweUaufnahme bestätigte bet 
Prüfung der Emzelheiten deS Tatbestandes die Angaben deS Ange- 
k agten in'oweit. Dem Anlrage deS VerteldigerS folgend ließ das 
Gericht Milde «alten und erkannte wegen Beleidigung in 2 Fällen 
auf eine Gesamtstrafe von 30 M. Geldstrafe evtl. 6 Tage Gefanguis 
— für den Einzelfall je 15 M. — Der Amisanwalt hatte 40 M. 
Geldstrafe keantragr o. 
(:) Ist die Versäumnis der Nachsitzestunden strafbar? Vielfach 
besteht in Schulen die Einrichtung, d. ß für diejenigen Schüler dir ihr, 
Schularbeiten nicht zur Zufriedenheit der betreffenden L-Hrer erledigt 
haben, allwöchentlich eine oder mehrere Nachsttzestunde angesetzt werden. 
Ein Vater in Calbe an der Saale hielt sein Kind von einer solchen 
Nachsitzestunde zurück und wurde in Pollzelftrafe wegen Schuloer- 
sLum"1s gei ommen. DaS avgeruieue Schöffengericht bestättgle die 
festgesetzte Strafe, indem eS anführte, die Schüler seien zum Besuch 
der Nachfitzestunden verpflichlet. 
Vermisstes 
"o Zur. Inbetriebnahme des neuesten Rlesenkranes. Mit der 
Anfang April erfolgten Jntcttiebnahme deS uencstea Riesenkranes ist 
ein wichltger Gedenktag in der Geschichte des KraubaucS zu oer- 
zeichnen. Im Jahre 1888 war cs die Stadt Hamburg, weiche dm 
für damalige Zeiten größten Kran der Welt besaß, und heule ist eS 
wi:dcr eine Hamburger SB ist, die Werft von Blohm & Voß, welche 
sich rühmen kann den größten Kran der Welt ihr eigen zu nennen. 
Ganz gewaltig ist die Entwick lung deS K anbaue; in den vergangenen 
25 Jahren gewesen. Die Führung im B u von Schwerlastkeaaen hat 
Deutichland übernommen, das dt: überwiegeade Mehrzahl der etwa 
140 auf der ganzen Welt beuchenden Rieste,kraus geliefert hat. Mehr 
als 70 davon sind allein aus den Werkstätten der Deurschen Maschrneu» 
fabiik A.-T. in Duisburg Hervorgegangen, die auch den neuesten 
Rresevkcan erbaut hat. Die erste Aufgabe, die des skraneS. harrt, ist 
die F-rtigstellung des 56 020 Tonnen großen, SchwesterschlffeS des 
„Jmperatot", des am 3. April seinem Element übergeben wurde. 
Es liegt dann das grozte Schiff der Welt unter dem größten Kran 
der Welt und den Hintergrund deS BildeS gibt die größle Helling 
der W.lt. die ebenfalls von der D-.uischen Maschinenfabrik gebaut 
wurde. Einige kurze A gaben über den Kran dürsten weht ein 
»«—m>bbb—ae———BBMiiwViMMiiaBia—Baaaww 
Helene las diesen Teil des, Briests wieder und immer 
wieder. Es war nicht das erste Mal, daß Rolf Köyne so 
schrieb, losgelöst von allen Wirklichkeiten. Ost schon hatte 
sie die Sehnsucht gepackh ihm Antwort zu geben aus 
diesem Nirgendwo. Niemals bisher hatte sie den Mut 
dazu gesunden. Heut, nachdem sie das zarte, feine 
Blättchen vor sich hingestellt, nahm sie die Feder, und 
während draußen der Frühlingsregen rauschte und alle 
noch verschlossenen Blüten aufspringen ließ, schrieb sie: 
„Mein lieber Freund! Innigen Dank für Ihre lieben 
Zeilen. Sie haben mich ausgerichtet und erhoben in meiner 
Verlassenheit. Es ist mir ein Fest zu wissen, daß es in 
dieser nüchternen Welt, die sich nur noch um Börsenwerte 
und Zahlen zu dreyen scheint, noch Menschen gibt, die sich 
den Sinn für Wertvolleres bewahrt haben. Ich bin glücklich, 
meinen Sohn in solchen Händen zu wissen. Ich zähle die 
Tage, ja die Stunden, bis ich von hier forteilen, mit Ihnen 
und meinem Herzensjungen in einem schönen Nirgendwo 
sein kann, wie immer sein wirklicher Name lauten möge. 
Ihr Bildchen ruft mir den ganzen unvergleichlichen 
Frühlingszauber Merans ins Gedächtnis zurück. Wie freue 
ich mich, daß ein Mensch von Ihrem starken Naturempfinden 
ihn genießen kaun. 
Wenn Sie die Frau mit den Hyazinthen wiedersehen 
sollten, die ich auf dem weißen, blanüberhangenen Garten 
weg vergebens gesucht habe, so sagen Sie ihr, daß ich Sie 
beneidete um den Borzug Ihrer Freiheit, überall da zu 
fein, tao Gedanken sie suchen 
Ihre ergebene 
Helene von Lccsch." 
(Sortjk.tzuua {ofoU.
        
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