Path:
Periodical volume Nr. 10, 12.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Krirdenairer 
AuparMtslix Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Ängelegmhetten. 
Sqogspreis Kefondrrr 
bei Abholung aus brr Geschäftsstelle, 
Rhcinstr. IS, 1,50 M. vierteljährlich; ourch 
Loten inSHous gebracht 1,80M-, durch die 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld. 
Jecken wittvockrr 
GHtjblatt „Seifenblasen". 
fernspreeber: Hmt plelzburg 2129. 
3' ■' 1ML — 
Erscheint täglich aöends. 
Zeitung.) 
Organ für dm Kriedmauer Ortstetl m ZOneberg und 
Kerirksverein Züdtvest. 
Beilage« 
Jecken Sonntag: 
Klarier für cleurlcbe grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle r Nbeinllr. ,5. 
Anzeigen 
75 Pf. 
Rellamezeile kostet 
Belagnummer 10 Pf. 
sernlprecher: Hmt Pfalz barg 2129. 
10. 
Berlin grikdenam Sonntag. Den 12. Januar 1Sr3. 
80. Aahrg. 
Bestellungen 
auf den 
Arieöenauer LoKak-Anzeiger 
nehmen entgegen: 
Zeituugsspedition H. Fsrischmao», Wlelandstr. 29 
Nebeustell« N Zschalig, Odenwaldstr. 7, 
Geschäftsstelle Ryeinstr. 15; 
für Selbstabholer 
Papierhandlung W. Ebers, Nheinftr. 15, 
Papierhandlung A. Zschalig, Odenwaldstr. 7, 
ferner 
sämtliche Pastanstaltett. 
Bezugspreis: Monatlich 60 Pjg. frei Haus. Durch die 
Post monatlich 64 Pfg. frei HauS einschließlich Be» 
stellgeld. Für Selbstabholer monatlich 60 Pig. 
Iepefcheri« 
Letzte Nachricht:« 
Berlin. Nichdem eS gestern Abend gelungen war, 
den einen Komplizen des Raubmörders Otto Schöne» den 
s yzehnjährigen Arbeiter W lly Kersten, festzunehmen, sind 
qeute auch die beiden anderen Komplizen, di« an dem 
dreifachen Raubmorde in O twig beteiligt gewesen sind, in 
Berlin verhaftet worden. Die beiden Verhafteten, sind der 
19 Jahr« alte Arbeiter Georg Ke sten, der älter« Bruder 
'de«'berills gestern festgenommenen Willy Kersten, und der 
18 Jahre alt« Arbeiter Franz Schlnvert. 
Potsdam. Heute Vormittag kurz noch 10 Uhr 
brach tm Adjutant«, fliigel drS Neuen Palais in Potsdam 
Feuer auS. Die Potsdamer BecusSwehr rückte sofort mit 
der Dampfspritze und allen verfügbaren Kräften auS. Beim 
Hinausschaffen wurden durch Waffergeben Teppich« und 
einige Möbelstücke von teilweise hohem Weit beschädigt. 
Der Kaiser verfolgte die Aktion der Feuerwehr persönlich 
Und interessierte sich lebhaft für di« Anweisungen de» 
BrandlnfpektorS. Dreiviertel Stunden waren vergangen, 
bis die schwelende Fläche ausgehauen und jede Gefahr 
beseitigt war. 
Hamburg. Der dänische Dampfer „Axel", nach 
Rotterdam bestimmt, stieß heute früh in der Elvmündung 
mit dem aus See kommenden Hamburger Schleppdampfer 
.Roland" von der Vereinigten Fracht- und Bugsiergesell- 
fchaft Hamburg zusammen und bohrt» ihn in Grund. Nur 
der Kapitän und vier Mann, die sich an Deck befanden 
Und ins Waffer geschleudert wurden, konnten von dem 
Rettungsboot de» Feuerschiffe» herausgezogen werden, die 
anderen fünf Mann» die Hälfte der Besetzung. ertranken. 
Schanghai. Briefe der katholischen Mission au» 
Haining (Provinz Kwangsi), datiert vom 14. Dezember, 
schildern die grausame Tötung von 39 Aussätzigen aus Be 
fehl der chinesischen Provinz albehörden. Die Behörden 
ließen auf dem Paradefelde vor der Stadt eine Grube 
graben und, nachdem sie da» Holz angezündet hatten, die 
ahnungslosen Aussätzigen mit dem Bajonett in die Grube 
hineintreiben, wo sie in Gegenwart einer großen Menge 
in den Flammen umkamen. 
Ierkeßrswünsche für Aricdenau. 
In unserem NeujahrSartikel wurde auch auf Verkehrs- 
wünsche hingewiesen, die nach mannigfacher Richtung hin 
in unserer Bürgerschaft bestehen. In den Versammlungen 
unserer kommunalen Vereine steht ja fast jedesmal der 
Punkt „V-rkehrtwünsche" zur Erörterung. Doch so um- 
saffend man auch dteseS Thema behandeln wollte, zu einem 
endgüitigen Abschluß dürfte man kaum gelangen. Denn 
im VeikehiSwrsrn gibt eS keinen St llstand. 
Kürzlich halte der Vorsitzende de» VerkehrSauSschusstS 
des HauS- und Grundbesitzer.Vereins, Herr Geh Hofrat 
FranzeliuS, mehrere Anträge auf V:rk«h Sverbcfferungen 
an dre Direktion der Großen Berliner Straßenbahn ge- 
richtet, jedoch einen ablehnenden Bescheid erhalten. Ls 
ist aber nicht zwickmäßig, sich nun mit diesem Bescheide 
zu begnügen. J-m Gegenteil, die Forderungen nach Ver. 
kehrSoerbtsserungen mllffen immer dringender werden. Nur 
durch ständiges .Bohren" kann etwas erreicht werden. 
Und so möchten wir unsere Mitbürger bitten, ihre Ver- 
kehrSwünsche uns zur Veröffentlichung mitzuteilen oder ste 
an Herrn Geh. Hofrat FranzeliuS, Albestr. 4, gelangen 
zu lassen. 
Von einem Freunde unseres BlatteS werden wir ge 
beten» heute die folgenden Wünsche nach VerkehrSver- 
brfferungen bekannt zu geben: 
Der Haupiverkehr unseres O.teS gravitiert naturgemäß 
bezüglich des Personenverkehr» nach. Berlin hin. aber auch 
Wilmersdorf. Schönebcrg und Charlotlenburg müssen be- 
sonder» berücksichtigt werden. Neben dem geschäftlichen Ver 
kehr— der alljährlich wächst — was die Postanstalt am besten 
attestieren kann — ist auch der Verkehr zur Befriedigung 
de« Vergnügung-bedürfnisses nicht -zu unterschätzen. 
Friedenau hat weder Theater noch Konzrrtlckole, selbst 
mit Räumen für VereinSversammlungen größeren Stil» 
steht es recht armselig hier auS. Berlin mit seinen unge 
zählten Vergnügungretablissements übt auch in dieser Be» 
zichung die meiste Anziehungskraft aus. In Charlotten- 
burg sind große neue Thealer entstanden, so u. a. daS 
Teutsche Opernhaus, mit dem jede dirrkts Verbindung 
mangelt. Die W -ßmie und die Linie 66 geben 
l)er Staatsanwalt. 
Bon S). Hill. 
4 (RaäjbtKi txtlsiflt) 
Julius zog die Augenbrauen hoch. „Ist es wirklich so 
schlimm?" bemerkte er. 
Diesmal war es ihm gelungen, die Ruhe seines Vc- 
fuchers zu erschüttern. Dieser steckte mit einer ungeduldigen 
Bewegung die Hand in die Tasche und zog einen Brief 
heraus, den er Julius reichte. „Die einzige Art, einen 
Skeptiker zu kurieren, ist, ihn zu überzeugen." sagte er. 
„Lesen Sie das, bitte. Das Schreiben ist von meinem 
Freund, dem Polizeipräsidenten." 
Justus entfaltete das Schreiben und las: „Lieber 
Graßman, ich kann Ihnen nur dringlich raten, die Droh 
briefe, über die wir schon wiederholt gesprochen haben, 
anders zu behandeln, als man dies gewöhnlich mit solchen 
Wischen zu tun pflegt, die meist nur leere Drohungen ent 
halten. Wir von der Polizei wissen schon lange, daß eine 
große internationale Gaunerbande existiert, die außer 
ordentlich 'gut organisiert ist und zu deren Mitgliedern 
hochgebildete Männer gehören. Trotz eifrigster Bemühungen 
ist uns bis jetzt nur gelungen, einen Genossen, den jüngst 
verurteilten Jakob Simon zu überführen und ins Zucht 
haus zu bringen. Ich muß Ihnen das beschämende Ge 
ständnis machen, daß wir bezüglich der andern vollständig 
tm Dunkeln tappen und bis jetzt keine Ahnung haben, 
wer die Führer der Bande sind. Sie können ebensogut in 
einer Berliner Tiergartenvilla wohnen, wie in den Champs 
Elysees in Paris oder in den vornehmsten Vierteln unserer 
eigenen Hauptstadt. Sie haben es bis jetzt immer ausge 
zeichnet verstanden, ihre Spur zu verwischen, und alle die 
jenigen, die es gewagt haben, uns mit Informationen zu 
dienen, sind stets von der Bildssäche verschwunden, ehe es 
ihnen möglich war, uns von wirklichem Nutzen zu fein. 
Erst ganz kürzlich ist die Leiche eines Mannes, der.uns 
einige Fingerzeige gegeben hatte, aus der Themse ausgefischt 
worden. Wir haben natürlich kein großes Aufhebens davon 
gemacht. Unsere Ueberzeugung ist, daß die Bande eine sehr 
einflußreiche, führende Stellung in der Welt der Verbrecher 
einnimmt, und daß sic. um ihre Ziele zu erreichen, vor 
nichts zurückschreckt. Sie Ermordung eines Staatsanwaltes 
würde also, wenn sie den Verbrechern wünschenswert oder 
nötig erschiene, ihr Gewissen durchaus nicht belästigen. Ich 
kann Sie daher nur nochmals recht herzlich bitten, lieber 
Graßman, versäumen Sie keine Vorsichtsmaßregeln, um 
sich vor den Angriffen der Schurken zu schützen. Wenn Sic 
wollen, stelle ich gern einen Geheimpolizisten zu Ihrer 
speziellen Verfügung." 
Julius reichte dem Staatsanwalt den Brief zurück. Der 
spöttische Ausdruck war aus seinem Gesicht verschwunden. 
Die Mahnung des Polizeipräsidenten klang doch zu ernst, 
als daß man es Sir William hätte verübeln können, 
wenn er sie nicht auf die leichte Schulter nahm. Seine Er 
wartung offener oder geheimer Angriffe auf seine Person 
schien nach dieser halb freundschaftlichen, halb amtlichen 
Mitteilung nicht mehr so phantastisch, wie es Julius zuerst 
ausgesehen hatte. 
„Das klingt allerdings schlimm," gestand er zu. „Aber 
meinen Sie nicht, es wäre vielleicht das beste, wenn Sie 
den angebotenen polizeilichen Schutz annähmen?" 
„Das ist gerade das, was ich nicht möchte," erwiderte 
der Staatsanwalt. „Die Anwesenheit eines solchen Beamte» 
würde meine Frau und die übrigen Mitglieder meines 
Haushaltps ängstigen und erschrecken. Außerdem ist es 
zweifellos, daß Verbrecher, wie die, mit denen wir hier 
zu tun haben, jeden Geheimpolizisten kennen, und infolge- 
dessen könnte der Mann mir nur verhältnismäßig wenig 
UÜfe6ll. w 
Julius nickte zustimmend. Sir William hatte ent 
schieden recht, und der junge Arzt dachte daran, daß die 
geheimnisvolle junge Dame, die sich bei der Ankunft des' 
Staatsanwalts so fluchtähnlich schnell entfernt hatte, offenbar 
wußte, von wem die Annonce, herrührte. Man kontzte »ich! 
über 7 Dörfer und fahren zudem so selten, daß man — 
wenn möglich — auf ihre Benutzung gern verzichtet. Mit 
der Linie 60 ist es bez der Fahrzeiten ebenso elend, wie 
es vor Jahren war. Bi» 10 Uhr resp. bis 11 Uhr Abends 
kann man noch mitkommen, später aber an der Belztger 
straße aursteigen und per xeäes weiter wandern. Alle 
Slraßcnbahnen müßten nach beiden Richtungen hin 
mindestens bi» Mitternacht oder bis 1 Uhr RachrS ver- 
kehren. Wir sind doch keine solchen Simpel» mehr, wie 
die Schöneberger Bauern von 1854, die keine Straßenbe- 
leuchiung durch Ga» haben wollten, da sie Abend» ja doch 
zuhause seien. Alle Vermehrung .von Fahrgelegenheiten 
auf den Straßenbahnen können nur Vorteile bringen umso 
mehr, als wir ja grundsätzlich vom Schnellverkehr au»ge- 
schlossen sind. 
Innerhalb unsere» OrteS fehlt noch immer eine billige 
Omntbukverbindung zwischen den beiden Bahnhöfen. Die 
Linie müßte aber den Lauterplatz berühren, da daS neue 
Rathau» von vielen Leuten au» den verschiedensten An 
lässen besucht und leicht erreicht werden muß. Die Linie, 
die sich unzweifelhaft rentieren würde, zudem sie den 
wöchentlich 2 mal stattfindenden Markt berührt, wenn 
billige Abonnements ausgegeben würd»», müßte vom Süd- 
westkorso ausgehend den Bahnhof Friedenau-WtlmerSdorf 
berühren, von da nach dem Friedrich Wilhelm Platz führen 
und durch die Schmargendorferstraße bis Lauterplatz und 
durch die Hedwigstraße bis zur Eponholzstraße, beim 
Wannseebahnhof, gehen. Ob der Weg durch die Kirch- 
und Moselstraß« — wegen drS UebergangS über die be 
lebte Rheinstraße an der Kalsereiche — vorzuziehen ist, 
steht dahin. Hier müßten di« Gleise in der Saarstraße 
erst doppelt gelegt sein um die Wagenstauungen an der 
Kaisereiche zu vermeiden. 
Innrer letzten Versammlung deS Bürgervereins wurden 
dann noch n. a. folgende Verkehrtverbesserungen gewünscht: 
1. Wetterführung der Kraft Omniburlinie 14 von der 
Ringbahn durch die Haupt- bezw. Rheiystraße bi» zur 
Kaiseretche oder bi» zum Rheinrck (Ecke Kaiserallee). 
2 Wetterführung einer KraftomnibuSlinte vom Bayrischen 
Platz über die Kmserallee zum Friedrich-Wilhelm-Plotz. 
3. Schleifenfahrt der zum Schöneberger Krankenhaus 
führenden Straßenbahnlinien durch die Schöneberger 
Straße—Feuerbachstroße—Canooastrnße. 
Makes» 
iNrchünrck unserer oMrtgiualarttkel nur sttt Oureeianzab» settattc ) 
o Festmahl zur Feier des Geburtstages unseres 
Kaisers. Noch dem Bcschluss« unserer Gemeindevertretung 
so'1 auch in diesem Jahre der Geburtstag unsere- Kaisers 
r» unserem Ocle öffentlich durch ein Festmahl gefeiert 
werden, daSßm Montag, dem 27. Januar, Nockmi in.S 
5 Uhr. im Büigersoatr deS Reformekalgymna''umS statt 
wissen, ob sie dem berühmten Juristen freundlich oder feindlich 
gesinnt war. In seine Bescheidenheit nahm Julius an, sic 
sei eine Freundin, oder von befreundeter Seite beauftragt, 
das Engagement eines ärztlichen Schutzgeistes zu hinter 
treiben, weil man glaubte, es sei für die Sicherheit des 
Staatsanwalts besser, wenn er sich unter polizeilichen Schutz 
stelle. Und so beschloß Julius, vorerst nicht von seiner 
schönen Besucherin zu reden. Ihre liebreizend^ Persönlichkeit 
hatte ihn außerordentlich angezogen, und er wollte nicht 
gern irgend etwas sagen, was ihr Unannehmlichkeiten ver 
ursachen könnte. Es schien ihm ausgeschlossen, daß sie die 
Abgesandte einer Bande mörderischer Schurken sein könne. 
Er wollte sich einstweilen abwartend verhallen und sehen, 
ob sie vielleicht noch ein Lebenszeichen von sich geben 
würde. 
Doktor Graßman, dem seine Nachdenklichkeit aufge 
fallen war, bemerkte jetzt: 
„Die Bedingungen würden so sein, daß Sie zufrieden 
sein können. Ich nehme an, daß Ihr Geschäft hier nicht 
so sehr gut geht, sonst hätten Sie sich wohl nicht um die 
Stellung beworben. Was meinen Sie zu fünfhundert Pfund 
jährlich und alles frei? Sie würden natürlich vollständig 
als zur Familie gehörig betrachtet werden, und der wahre 
Grund ihres Engagements würde nur mir b-kannt sein." 
„Unter diesen Bedingungen nehme ich die Stellung 
an, Herr Staatsanwalt," erwiderte Julius rasch, „um ganz 
offen zu sein, ich hätte sie unter jeder Bedingung ange 
nommen, denn ich werde morgen hier herausgesetzt." 
Sir William seufzte erleichtert auf. 
„Wie hoch belaufen sich Ihre Verbindlichkeiten?" fragte 
er und zog dabei eine dicke Brieftasche heraus. 
„Siebenundsechzig Pfund, acht Schilling und elf Pence," 
versetzte Julius, indem er die Summe nannte, die ihm 
den ganzen Tag im Kopf herumgegangen war. 
„Hier sind hundert Pfund als Abschlagszahlung auf 
Ihr Gehalt," sagte Sir William und legte zwanzig Fünf- 
pfundnoten auf den Tisch. „Dies wird S1 in den Stand 
setzen, die Nachbarschaft zu verlassen, oyne sich üb(xr
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.