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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 86 des „Friedeuauer Lokal-Anzeiger". 
Sonntag, den 13 April 1913. 
Oie Gemeinden im l^ampf gegen 
clieLchmutz-und Schundliteratur. 
Von Ilse Müller-Oesterreich, Beriin-Friedenau. 
Seit Jahren führen Schulbehörden, Gemeinde- und 
Polizeiverwaltungen, Staats- und Reichsregierungen den 
Kampf gegen di- Schmutz, und Schundliteratur. Dir 
L iewut der Kinder zu befriedigen, werden Kinderlesehallen, 
Schüler- und Wanderbibliotheken eingerichtet. Die Eltern 
w-rden an Elternabenden durch Bortrüge oder durch Auf 
rufe und Merkblätter auf die Gefahren hingewiesen, die 
ihren Kindern aus der Lektüre der Nick-Carter-Hefte, 
Kiiminal- und Detektivromans und anderer Schundliteratur 
erwachsen. Namentlich vor Weihnachtrn weiden Der- 
z? chntsse guter Jugendliteratur verteilt, Ausstellungen 
empfehlenswerter Bücher veranstaltet. Und trotz all dieser 
Maßnahmen erscheinen unaufhörlich neue .Romane". Die 
großen Auflagen dieser Hefte beweisen, daß die Nachfrage 
etr e sehr rege sein muß. In Gerichtsverhandlungen muß 
denn ja auch immer wieder sestgestellt werben, daß die 
jugendlichen Missetäter die Anregung und meist auch die 
Al leitung zu ihren Straslalen in den Räuber- und Mord- 
g»schichten gefunden haben. Manche der jugendlichen An 
glklagten haben groschenweise ein kleines Kapital in 
Schundliteratur angelegt und eS zu einer umfangreichen 
„Bibliothek" gebracht, deren Bände unter den Schul 
kameraden unentgeltlich oder gegen eine Leihgebühr, die 
zur Anschaffung neuer „Werke" benutzt wird, zu wandern 
pflegen. Die Mittel für diese Unternehmungen dürften 
auf nicht auf ganz etnwandSfreie Weise „erübrigt" werden! 
TS genügt also offenbar nicht, die Schundliteratur 
nur durch positive Maßnahmen, besonders durch Ver 
breitung guter und billiger Jugendbücher, zu bekämpfen, 
folgern es muß auch der negativen Seite des Kampfes 
besondere Beachtung geschenkt werden. Es darf den 
Kindern garnicht die Wahl zwischen guter und schlechter 
L-ktüre grlaffen werden. Man beschränke sich also nicht 
auf Warnungen oder Verbote, sondern man suche mit 
allen Mitteln den Verkauf der Schmutz- und Schund 
literatur zu verhindern, zumal man bei den Kindern nicht 
das genügende Verständnis für die Warnungen voraus 
zusetzen darf und durch Verbote oft daS Gegenteil deS 
Gewollten erreichen wird, weil dar Verbotene auf viele 
Kinder einen besonders starken Reiz ausübt, der noch 
unterstützt wird durch die Ausstattung der Schundhefte 
mit den geheimnisvollen Titeln und Umschlagillustrationen. 
Diese negativen Maßnahmen gegen die Schund 
literatur zu treffen sind die Gemeinde-Schulverwaltungen 
besonders berufen, weil sie die lokalen Verhältnisse beff r 
beurteilen und die erlaffenkir Vorschriften bester über- 
wachttt ÄS' StäatS-'ün'8 R?iHrbeh8rden. Eie werden oft 
auch durch Besprechungen mit den Schulbuch- und Schreib- 
Warenhändlern die freiwillige Einstellung des AuSstellenr 
u> d Feilhalten» der Kriminal-, Drktektiv-, Indianer- 
Romane erreichen, die doch natürlich wertvoller ist als e:ne 
durch Gesetze erzwungene. Die Gemeinde- und Schulver 
waltungen sind aber auch selber Käufer von Büchern und 
Cchreibwaren und können ihren Forderungen an die 
Händler einen gewisten Nachdruck grbcn, indem ste die 
Lieferungen für ihren Bedarf abhängig machen von der 
Aufgabe des Verkauf von Schundliteratur. Diese Macht 
air Konsumenten haben einigen Gemeinden in ausgibtger 
Weise zu benutzen gewußt. So hat z. B. die städtisch? 
Schulverwaltung in Elberfeld mit dem Verbände der 
Popier- und Schreibwarenhändlcr einen Vertrag abge 
g>schlossen, durch den die Mitglieder des Verbandes sich 
verpflichten, keine Schundliteratur zu verkaufen und aus 
Verlangen der Schuldeputation den Vertrieb besonders ge 
nannter Schriften einzustellen. Als Aequivalent bietet dir 
Stadt dafür den Mitgliedern der Verbandes die 
Empfehlung an die Schüler und Schülerinnen und die 
Verpflichtung der Schulen, ihren Bedarf nur bei diesen 
Firmen zu decken. 
Andere Gemeinden haben den Lehrern und Lehrerinnen 
daS Recht zugestanden, den Kindern dir Geschäfte, welche 
keine Schundliteratur führen, zu empfehlen oder sie von 
den anderen fernzuhalten. Von einzelnen Gemeinden 
werden auch „Schwarze Liften" derjenigen Geschäfte gefühlt, 
welche den Verkauf der Schundheste nicht einstellen wollen. 
Die Listen werden von Zeit zu Zeit revidiert und dcn 
einzelnen Schulen mitgeteilt. Die bisher angeführten 
Maßnahmen bezwecken die Beeinflussung derjenigen 
Geschäfte, deren Hauptkundschaft aus Kindern besteht. Ste 
genügen aber nicht, die Kinder wirklich vor dem Gift der 
Schmutz- und Schundliteratur zu bewahren. Um das zu 
erreichen, müsten auch die anderen Quellen verstopft 
werden, namentlich bei Kolporteuren, Zeitungshändlern 
und KtoSkpächtern. Die Gemeinden können hier umso 
leichter Einfluß gewinnen, als sie die Erlaubnis zum Auf- 
stellen der VerkaufSstände von der Erfüllung bestimmter 
Bedingungungen abhängig machen und in die Verträge 
mit den KioSkpächtern oder mit den Mietern städtischer 
Läden eine Klausel aufnehmen können, durch die der 
Verkauf bestimmter Schriften untersagt wird. Auffälliger 
weise ist von dieser Möglichkeit bisher sehr wenig Gebrauch 
gemacht worden. Nach einer Zusammenstellung der Zentral 
stelle für Bolkswohlfahrt haben nur München, Leipzig und 
Charlottenburg derartige Vorschriften in die Verträge auf- 
genommen. In B-rliii hat eine Schuldeputation dcn 
Magistrat um ein gleiches Vorgehen ersucht. Einen 
praktischen Wert haben diese Maßnahmen natürlich nur 
dann, wenn die Erfüllung der gestellten Bedingungen 
ständig überwacht wird, dnS allem Anschein nach nicht 
immer geschieht. Z. D. soll auch Echöncberg ein Verbot 
deS Verkaufs von Schundliteratur neuerdings in die 
Vertilge mit den KioriPächtern aufgenommen haben. 
Trotzdem konnte man im Laufe des Februar au den 
Lchöneberger KtoSken Schundhefte aller Art kaufen, so an 
der „Bunten Sammlung interessanter Erzählungen*: In 
Schuldennot, Sündige Liebe, Die rote Hanne, Aus 
niederem Stande, Tin seltener Fall, Zwei Frauen, Tin 
gewagtes Spiel; ober ans der „ArguS-Bibliothek": Der 
Tote in der Kalksteingrube; daneben sind noch Vertreter 
der „Kometromane" zu finden (von denen der Dllrerbund 
nach Prüfung einer Anzahl sagte, eS sei ein Verbrechen, 
die Verbreitung dieser Romane zu unterstützen), der 
„Bibliothek der Geheimnisse" und anderer gleichwertiger 
Sammlungen. Da fast täglich neue Sammlungen er 
scheinen, so müßte eine ständige Kontrolle der Verkaufs- 
stellen und Geschäfte besonders in Bezug auf Neuerscheinungen 
stattfinden, nicht aber, wie Leipzig eS getan hat, den 
Verkauf einzelner, bestimmt bezeichneter Sammlungen ver 
boten werden. Bet der Geschäftstüchtigkeit der Schund- 
literaturfabrikanten ist gegenüber einem derartigen Verbot 
zu erwarten, daß die Sammlungen einfach umgetauft und 
dann unbeanstandet verkauft werden. 
Nun kann man ja gegen die Forderung, den Zeitungs 
kiosken den Verkauf der Schundliteratur zu verbieten, ein 
wenden, daß sie für Erwachsene, nicht aber für Kinder be 
stimmt seien. Dieser Einwand wäre nur dann. und auch 
nur teilweise, berechtigt, wenn der Verkauf an Kinder ver 
boten wäre oder wenn man nur die schulpflichtigen Kinder 
vor dem Gift schlechter Lektüre bewahren wollte. Auf die 
der Schule entwachsenen, aber noch im Entwickelungsalter 
stehenden Knaben und Mädchen wirkt da» Lesen der 
Abenteurerromane und ähnlicher Geschichten oft noch ver- 
hängniSooller als auf jüngere Kinder. SS darf auch nicht 
außer Acht gelaflen werden, daß die Schundheste nick« 
immer von den Kindern gekauft werden, sondern daß sie 
ihnen oft von erwachsenen Geschwistern und Bekannten ge 
schenkt oder geliehen werden. Im Jnteresie einer durch 
greifenden Bekämpfung der Schundliteratur würde eS des- 
halb liegen, wenn der Verkauf auch an Erwachsen? 
möglichst verhindert würde und zu dem Zweck recht viel? 
Gemeinden dem Beispiele der Städte Charlottenburg» 
Leipzig und München folgen wollten. (Der Deutsche 
Käuferbund in Berlin-Friedenau hat vor kurzem alle 
Groß-Berliner Gemeinden um die Ausnahme solcher Be 
dingungen in die Beiträge mit Kiospächtern und anderen 
Zettungshändlern ersucht). Ein solcher Vorgehen würde 
auch dem Interesse der Papier- und Schreibwarenhand, 
lungen entsprechen, namentlich in den Städten, welche die 
oben erwähnten „Schwarzen Listen" führen, also Geschäfte 
wegen deS Verkaufs der Schundliteratur boykottieren, ob- 
gleich der Verkauf in den städtischen KioSken usw. ge 
duldet wird. « 
' - Die bunte ülocbe 
Plauderei für dcn „Fnedenauer Lokal-Anzeiger". 
Berlin, den 11. "April. 
Winter im Lenz. — Das verfilmte Berlin. — Herrn von Hülsens 
letzte Tat. — Das Theater der Fünftausend. — Der rechtliche 
Bäckermeister — Mufikalisches. — Die schlauen Kinobesitzer. — 
Der königliche Stallmann. — Ter neueste Herrscher. 
Bei allem, was die alte Mutter Erde bewegt, haben es die 
Journalisten am Schlimmsten. Heute Morgen sah ichs iviedcr. 
Ich hatte mir, wie alle Berliner Kollegen, die unterm Strich, fern 
von politischen Dingen, in friedlicher Ruhe den Ereignissen nach 
spüren, einen ganz aktuellen "Artikel über den frühen Lenz zurecht 
gelegt. Ware» wir doch am letzten Sonntag schon in die Banm- 
Iüte in Werder gefahren. Zu Tausenden und Abertausenden 
hatten wir die rosa Pracht dankbar gesehen, die mich immer an die 
dnftenden Blütcnniccrc Japans erinnert, die ich jungen Herzens 
schauen konnte. 
Nicht ganz so triniten in quellender Schönheit: bescheidener und 
ärmer vielleicht, als im Lande der Millionen Chrysanthemen, aber 
dennoch schön genug, um cs in dem kalten, steinernen Berlin froh 
zu empfinden. 
Und heute, ein paar Tage nach dieser Friihlingsfcicr, ging ein 
Schneegestöber nieder, dass man fast aus Verzweiflung doch über 
das Wetter schreiben sollte. Es ist, als wäre selbst der Himmel 
„verfilmt"; als hätte Petrus im Silberbart nichts anderes zu tun, 
als im kosmischen Kino die Flimmcrbilder so schnell wie möglich 
wechseln zu lassen .... 
Ist das Bild zu kühn? Nie und nimmer! Wir leben ganz 
iin Zeitalter des Films, und wir warten nur des kühnen Regisseurs, 
der im Luftschiff demnächst aufsteigt, um den Wandel der Gestirne 
aus nächster Nähe „aufzunehmen". Unser ganzes öffentliches Leben 
ist verfilmt. Man mache die Probe aufs Exempel. 
Man nehme eine Zeitung her und sehe sie sich daraufhin an, 
ob aus allen Erscheinungen der Zeitlichkeit nicht der Film hervorragt. 
Ob cs wohl eine einzige Zeitung gibt, in deren Nummer nichts 
von einem Film steht? Ich glaube es nicht. Ter Film hat das 
Theater erobert; hat in Berlin allein in dieser Saison 7 grosse 
Theater erdrosselt und eben atmet das achte schwer und bang 
in den letzten Zügen. Der Film hat die Menschheit und die Erde 
erobert. Er wird den Himmel auch erobern! 
Die Menschheit, und vor allem der Berliner, ist ja schon voll 
ständig verfilmt. Wo sind die behagliche Ruhe und die Beschau- 
lichkeit geblieben, mit der unsere Väter das Werden der Tinge be 
trachten konnten? Kaum bleibt uns noch die Zeit, zu den Erkenntnis- 
quellen zu steigen. Wie ein riesiger Film wickelt sich alles Geschehen 
vor uns ab, und ivie wir in jedem besseren Kino den Film „Was 
die Woche brachte" in reichstem Kolportagegeschmack genießen können, 
so kann sich der Journalist seine schwere Arbeit erleichtern. Kann 
den Film der Woche aufspannen und an der Wand die Bilder, die 
ihm haften blieben, festhalten. Im "Abglanz des Flimmerlichtcs 
könnte man den Plaudereien der Zukunft einen neuen Titel suchen: 
Berlin im Film. . 
Auf der Menschheit Höhen soll man beginnen. Sv ziemt es 
sich nach Brauch und Sitte. 
1. Bild. 
Die Sängerin Frau Dencra, die als Mitglied der- König- 
ichen Hofoper Herrn von Hülsen untersteht, hatte sich bereit 
erklärt, in dem Konzert eines Ärbeiter-Bildungsvereins zu singen. 
Sie musste, auf Befehl des Herrn von Hülsen, absagen. Ein anderes 
Mitglied der Hofopcr, Frau Andrejewa-Skilontz, sprang in 
letzter Stunde als Ersatz ein. Die Dame wurde mitten aus dem 
Konzert heraus unter Androhung von Maßregeln, durch ein Auto 
abgeholt. So erzählt das „Kleine Journal" und leider wurde der 
Nachricht noch nicht widersprochen. Man muss sie also als wahr 
hinnehmen,. Biele.Films tuen dein Auge weh; es gibt aber auch 
Films, die dem Herzen weh tun. 
2. Bild. 
DaS Theater der Fiinftausend ist gesichert. MaxReinhardt 
hat den Zirkus: Schunianii durch eine Aktiengesellschaft erwerben 
lassen. Das Kapital von-2 Millionen "wurde durch Berliner 
Kunstfreunde lind Börsenleute aufgebracht. Diellmbauten iverdcu 
eine viertel Millionen kosten. Mar Reinhardt hat sich verpflichtet, 
jährlich 00 Vorstellungen zu gebem Seine kühnen Träume werden 
sich verwirklichen. Und unsere auch. Wir werden, in gigantischen 
Dimensionen, Schillersche und Shakespearesche Dramen sehen. 
Das neue Berliner Rieseutheater wird ani l. September bereits 
eröffnet werden. Das sind alles Tatsachen, trotz des eifrigen 
Widerspruchs seitens der beteiligten Kreise. Die Fremden, die im 
nächsten Jahre noch den Kunstschützen Pulvcrini oder die Schul- 
rciteriii Gräfin Mizzi Beaumont (aus Schöneberg anscheinend ge 
bürtig) sehen wollen, werden herbe Enttäuschung erfahren. Der 
Zirkus Schlimann besteht dann nicht mehr. Wenigstens nicht in 
seinem Hause. Tort setzt Reinhardt seine Pläne in die graue 
Wirklichkeit um ... Ob sich nicht auch dieses Theater überleben 
wirds? Es gibt dann zum guten Schluß ja noch dcn letzten Ausweg: 
Der Film. Der Film der Fünftausend. Ter fünftausend Kilometer 
lange Reinhardtsche Ricsen-Kunst-Film. 
3. Bild. 
Im Norden Berlins kamen in letzter Zelt so auffallend viel 
Diebstähle von Frühstücksbrötchen vor. Ans bestimmten 
Häusern mnrden regelmäßig des Morgens in aller Frühe die 
Frühstücksbeutel entleert, und wenn die Hausfranen morgens die 
Brötchen „hereinholen" wollten, erlebten sie oft unangenehme Ent- 
täuschnngcn. Gestern ist man dem Dieb auf die Spur gekommen. 
Ter Bäcker selber rvurde in einem fremden Hanse abgefaßt, als er 
den soeben von seinem Lehrling anfgchängten Beutel mit raschem 
Griff entleerte und dem Jungen unten im Hausflur die Beute in 
einem bereitsteheiiden Korb schüttete. Ein gutes Geschäft. Vornehm 
und verläßlich. Mau wird dem Biedermanu Gelegenheit geben, 
hinter Schloss und Riegel Busse zu tun. Vielleicht erwirbt eine 
Kinogesellschaft diese Idee von dem smarten Geschäftsmann. Es 
lässt sich gewiss ein Film daraus machen. „Wo sind die Brötchen? 
Eine lustige Diebsgeschichte aus Berlin di." Das zieht dann sicher. 
4. Bild. 
Das größte Mittagsblatt der Reichshauptstadt berichtet in seiner 
gestrige» Nummer von einer Freischütz-Aufführuiig in Paris, 
die Weingartner leitete. Der musikalische Mitarbeiter schreibt: 
„Ganz entzückend klang der Brantchor ini zweiten Akt. 
Felix Weingartner äusserte sich nach der Vorstellung mit großer 
Zufriedenheit über das Orchester und versicherte, dcn Brantchor 
selten selbst auf deutschen Bühnen so schon gehört zu haben." 
Hier ivird anscheinend das „Lied an den Äbeiiöstern" aus 
„Lvhengrin" von Carl Maria von Weber mit dem „Lied vom 
Jiiiigfcrnkranz" verwechselt, das Wagner bekanntlich für den 
1. Akt der Operette „Pnppchen" schrieb, die durch Lortznig im 
Lichtspieltheater „Eines" erstmalig zur Aufführung kam. Filmzanber... 
5. Bild. 
Eine größere Anzahl Kinotheater hat bekanntlich, um der 
Lustbarkeitssteuer zu ciitgehen oder sie zu mindern, die Eintritts 
preise, bei denen eine Stasselgrenze beginnt, um einen Pfcnnig 
ermäßigt, mehrfach wurde auch der Eintrittspreis um die Hälfte 
erinässigt und die- ermäßigte Hälfte als Gebühr für Garderobe, 
Programm usiv. berechnet. In einem Teil der Presse wurde nun 
die Ansicht vertreten, dass dieses Schnippchen den Kinoniiternchmcrn 
nichts nützen werde, da eine abändernde Aiissührungsbestimmiiiig 
in Aussicht stehe. Das ist irrig. Ter Präsident der Internationalen 
Artisten-Loge hat sich hierüber an zuständiger-Stelle, im Rathause 
informiert imb den Bescheid erhalten, daß in der erwähnten Mass 
nahme der Kinobesitzer eine Umgehung der Litstbarkeitssteuer 
nicht erblickt werde und daß eine Abänderung der.Verordnung 
nicht beabsichtigt sei. — Wir sind alle ticfglncklich darüber. In 
den meisten Berliner Kinos kosten die Plätze jetzt 1,99 statt 
2 Mark und 49 Pfennig statt einer halben Mark. Die Hauptsache 
bleibt," dasp-trotz dieser beachtlicheif-Ermüssiguich dieFlllns nicht 
auch um einen Meter gekürzt werden! Das wäre eine Schmälennig 
unserer Killturmöglichkeitcn, die das deutsche Volk kaum über 
stehen würde. 
6. Bild. 
Die Plädoyers im Stallmann-Prozeß. Tie Verteidiger 
tuen, als seien Buies, Stallmann und Konsorten frischgewaschene 
Passah-Lämmchen, weiß ivie Schnee und Maienblüten in kaunr 
erschlossener FrilhlingSpracht. Man hat das Gefühl, als ob der 
Staatsanwalt der Wigeklagte wäre, der sich in- Grund und Boden 
schämen müßte. Der Herr Rechtsanwalt Tr. Julius Meyer I 
schliesst seine erschütternde ergreifende Rede mit den Worten: 
„Es sind hier Herren aufgetreten, die erst gespielt haben und wenn 
sie bezahlen sollten zur Polizei gelaufen sind und Anzeige erstattet 
haben. Gegenüber diesen Leuten bleibt Stallmann einKönig, 
mag er verurteilt werden oder nicht." 
Ich kenne nun die anderen Leute nicht, von denen Herr Dr. 
Julius Meier I spricht. Aber wenn Emil August Stallmann, 
alias Baron Korff-Kvnig, oder jetzt König Emil der Zweite, in den 
Augen von Herrn Tr. Julius Meyer I schon etwas Königliches 
chat, dann möchte ich die andern auch gar nicht kennen lernen. Herr 
Tr. Julius Meyer I hat tatsächlich geredet, als sei der verivegcnc 
Glücksritter und Gentleman Konquistador Stallmann ein Kreuz 
ritter sonder Furcht und Tadel. Ich befürchte, daß Herr Tr. Julius 
Meyer I »ach seiner schwärmerischen Verehrung dieses Mannes cs 
nicht überleben ivird, wenn man seinen königlichen Klienten ein 
paar Jährchen einspinnt. 
LetztechBild. 
Die neueste Bezeichnung in "den Couloirs des Reichstages für 
einen bekannten Herrscher, der sich für Landwirtschaft interessiert 
und ans seinen Gütern Zebus züchten läßt: Zebutadnezar 
Heinrich Binder. 
PatentTchau 
nitgrteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Srankfnrterstraße 59, Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Herbert «mplewltz, Beriin-Friedenau, Crauachstr. 63: Nasser 
IrommclzaSmesser. (Angem. Pat.) 
Erwin Falkenthal, Berlin-Sriedenau, Lanterstr. 38: Telegraphischer 
rmpfangSapparat für Kabelleitungen und andere Leitungen mit 
oher Kapazität, bei denen die Signale durch Ströme wechselnder 
ilchlung übertragen werben. (Ert. Pat.) 
Adolf Wodarra, Beriin-Friedenau, Rheinstr. 14: Müllschlucker mit 
in zum Einsetzen des MüllbehälterS dienenden, in Richtung Ihrer 
ichse verschiebbaren und durch einen an der Tür gelagerten Mitnehmer 
'.ehbaren Trommel. (Ert. Pal.) 
Aug. Gottlob Burkhard, Berlin-Friedenau, Südwestkorso 5: 
Landerrost mit auf Querträgem aufgereihten Roststäben. (Ert. Pat.) 
Optische Anstalt (i. P. Goerz, A.G., Beriin-Friedenau: Justiei- 
orrichtung für BaiiS-Entfernungsmesser. (Ert. Pat.) 
Heinrich Oettinger, Derlin-Fried-nau, Blankenbergstr. 3: Ver- 
ihren zur galvanischen Herstellung von Blechen in bestimmter Form 
urch Niederschlagen vom Metall auf metallische oder nicht metallische, 
ulend gemachte Kathoden. (Ert. Pat) 
Emil Söchlliug, BeNin-Friedenau, Offenbacherstr. 1: Eingebaute 
iorrichiung zum Anzünden der Brennmatertalien in Studenisen, 
,erden u. dcrgl. mittels Leuchtgas. (GM.) 
Else Weidemann, geb. von Bloten, Beriin-Friedenau, Wilhelm?- 
öherstr. 4: Wegesührer für Städte mit Ziitangabe und Wegbe- 
hretbung. (GM.) 
Friedrich WaSmuth, Berlin-Friedenau, Wielandfir. 43: Eimer für 
Gerichtliches 
(:)kk. Zwangt weise Zuriickführung eines Kindes zum Vater. Ein 
Vater bat da» Vormundschaftsgericht, die zwangsweije Zurückftihrung 
seines ohne seinen Willem.von ihm fortgezogenen minderjährigen 
KindeS zu veranlassen. Das AG. lehnte ab. DaS LG. wies auf Be- 
schwel de an, die Zu'ücksiihtung dut<b Inanspruchnahme polizeilicher
        
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