Path:
Periodical volume Nr. 86, 13.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nach der Station PichelSberge und wanderten 'alsdann in 
die Berge hinein, um dort zu spielen. Die drei Ober- 
klaffen machten einen TageSauSflug nach Kloster Chorin; dort 
verlebten sie den Tag an dem See und in den Kloster- 
ruinen. Herr Pastor Boehm hatte für die 1. Klaffe ein 
dramatisches Werk in drei Auftritten verfaßt und mit den 
Echülerinnrn eingeübt. ES war betitelt: „Chorin vor 
500 Jahren" und spielte zu der Zeit, alS Burggraf 
Friedrich von Nürnberg mit der Mark Brandenburg be 
lehnt wurde und seinen Einzug in Brandenburg gehalten 
hatte. DaS Stück wurde am Kloster Chorin aufgeführt. 
Nach der Aufführung photographierte Herr Oberlehrer Dr. 
Thtedke die einzelnen Gruppen, fodaß den Schülerinnen 
ein bleibende« Andenken an diesen so gut gelungenen Aus 
flug verblieb. Die Versetzung und die ZeugniSoerteilung 
fanden diesmal am 1. Oktober 1912, um 9 Uhr statt; am 
Schluß dieser Feier verabschiedete sich Fräulein Melida 
Roenneberg vom Lehrerkollegium und den Schüle- 
rinnen und führte Frau Schulvorsteherin Elisabeth 
Rudel ein, indem sie alle Anwesenden aufforderte, 
die gleiche Liebe und Treue, welche sie ihr bewiesen 
hätten, ihrer Nachfolgerin entgegen zu bringen. Das 
Kollegium, die ehemaligen und fttzigen Schülerinnen 
und Freunde der Anstalt wollten den Tag des Ausscheidens 
der langjährigen Leiterin Fräulein M. Roenneberg nicht 
ohne eine besondere Feier vorübergehen taffen und hatten 
beschloffen, am 2. Oktober durch eine Festfeier in den 
Hohenzollernsälen dem Abschied eine besondere Weihe zu 
geben. Die Vorsteherin und ihre beiden Schwestern, die 
mit ihr 39 Jahre hindurch die Schule geleitet hatten, 
wurden in den Saal geführt, in welchem Schülerinnen sie 
mit einem Liede, dessen Text und Vertonung von dem 
langjährigen Zeichenlehrer der Schule, Herrn Mar Deicke, 
herrührte, begrüßten; darauf sprach eine Schülerin der 
II. Schulklasse, Margarete Strieiche, einen Prolog, den 
die Schriftstellerin Frau Else Stramm-Kraft, eine ehemalige 
Schülerin, verfaßt hatte. Herr Pastor A. Boehm hatte ein 
Stück geschrieben, daS eine Schilderung der Haupterleb-isse 
in den 39 Jahren des Bestehens der Roenneberg'fchen 
Höheren Mädchenschule enthielt. Mit großer Freude sahen 
frühere und jetzige Schülerinnen alle die kleinen Streiche, 
dle sie während ihrer Schulzeit verübt, an8 Licht gebracht 
und gegeißelt. Hierauf hielt Herr Pastor Boehm noch 
eine Anspiache an die Schwestern Roenneberg, in der er 
zeigte, wie sie gemeinsam mit dem Kollegium stets da« Beste 
gewollt und erzielt hätten. Die Lehrerin Frl. Marg. Zermelo 
überreichte eine schön ausgeführte Adr,ffe, und die erste 
Schülerin, Frau Direktor Anna Diecke geb. Gagas, zu 
sammen mit der jetzigen Ersten der 1. Klaffe, Käthe 
Hopser, einen silbernen Tapfelschmuck mit der Inschrift: 
„Fräulein M. und H. Roenneberg in Dankbarkeit und 
Verehrung von jetzigen und ehemaligen Schülerinnen, 
Lehrerinnen und Freunden.- Am Vormitttage hatten 
Vertreterinnen der zehn Schulklassen, einige frühere 
Lehrerinnen und Schülerinnen der Vorsteherin eine 
schöne" elektrische Krone" für ihr Eßzimmer "'überreicht. 
Von unserm Gemeindevoistand traf ein sehr schönes Blumen 
arrangement mit einem Dankschreiben an Fräulein Rönne- 
berg ein. Da« Wintersemester begann am 7. Oktober. 
Am 6. Dezember und am 20. März besuchten die Schüle 
rinnen der I. Klaffe in Bkgleitung ihrer Kunstgeschichts 
lehrerin Fräulein Petri daS Kaiser Friedrich-Museum. 
Am 31. Dezember, nachmittags 5 Uhr, veranstaltete die 
Schule eine schöne und stimmungsvolle Weihnachtsfeier in 
der Aula des Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz, 
welche ihr zu diesem Zweck freundlichst zur Verfügung 
gestellt worden war. Am 17. Januar inspizierte Herr 
Provinzial-Schulrat Doblin die Schule. Am Sonnabend, 
den 8. März, sprach Herr Pastor Boehm in der Aula der 
Schul« vor den Klaffen I—VIII in einer gemeinsamen 
Geschichtsstunde über die Ereignisse seit dem Dezember 1312 
bis zum 17. März 1813, um den Schülerinnen dadurch da§ 
Verständnis für die nationalen Feiern am 10. März zu er 
öffnen. Auf Anordnung des Herrn Ministers der Unterrichts 
angelegenheiten wurde dann der 10. März festlich begangen. 
Auch im weiteren Verlaufe dieses Jahres — und der 
beiden folgenden Jahre — wird im deutschen wie im ge 
schichtlichen Unterricht und bei anderen geeigneten Gelegen- 
auf den Verlauf der glorreichen Erhebung Preußens auf 
merksam gemacht werden. Am Mittwoch, den 19. März, 
Der Diener führte den Besuch in den kleinen Salon. 
Auf dem Tisch stand, wie Loewengard mit Genugtuung 
bemerkte, statt der Kristallschale mit Blumen die assyrische 
Schmuckschatulle. 
Frau von Lersch ließ wieder einmal so lange auf sich 
warten, daß Loewengard Zeit genug fand, seinen Feldzugs 
ilan mehrmals zu ändern. In keinem Fall durfte er 
ich einen so ernsthaften Korb von Helene holen, daß 
eine Stellung als Generalbevollmächtigter ins Wanken 
kommen konnte. Eine Weile noch mußte er zähe an 
diesem Posten festhalten. Je nachdem, wie sich seine 
Privatgeschäfte gestalteten, würde er Helenens mögliche 
persönliche Ungunst ernst oder auf die leichte Achsel zu 
nehmen haben. Erwiesen sich alle Geschäftsfreunde so 
willig, als der Kölner, war er in einem Jahre so gestellt, 
daß er auf Helene und den Generalbevollmächtigten 
pfeifen konnte. 
Im übrigen kannte Kurt von Loewengard die Frauen 
zur Genüge. Sobald er im Eifer seiner Huldigungen nach 
ließ, würde Helene gefügiger werden. Am Ende, Klein- 
Wlossow war kekn schlechtes Heiratsgut und die Fabrik, 
mit unzersplittertem Interesse — er vermied es, den Begriff 
„reell" in feine Gedankenkette aufzunehmen — geführt, 
eine Goldgrube. 
Helene saß inzwischen, mit peinlichen Borstellungen 
kämpfend, in ihrem Ankleidezimmer. Ihr wundervolles 
Haar war längst in seiner weichen Fülle gewunden und 
um den kleinen Kopf gesteckt, das schlicht-vornehm blaue 
Kostüm angelegt, und noch immer konnte sie sich nicht ent 
schließen, in den kleinen Salon hinüberzugehen. 
Sie saß, den schlanken Oberkörper ein wenig vor 
gebeugt, und sah durch die geöffneten Scheiben in den Park, 
dorthin, wo die dunkeln Tannenspitzen gegen den blaß 
gefärbten Frühlingshimmel standen, und fragte sich, ob es 
nicht am Ende nur Loewengards taktloser Angriff gegen 
fand für die Klassen H—X in der Aula der Anstalt die 
Abschlußfeier für daS nun beendete Schuljahr statt, nach 
dem am Tage vorher die Zeugniffe vertkilt waren und die 
Versetzung stattgefunden hatte. Dann wurde für die 
Konfirmandinnen, welche die Schule verlassen, und für die 
Schülerinnen der I. Klaffe, welche das Schlußzeugnis er 
hielten, eine besondere kleine Entlassungsfeier veranstaltet, 
bestehend in Chorgefängen, Deklamationen und einigen 
herzlichen Worten der Vorsteherin Frau Rudel an die ab 
gehenden Schülerinnen. Folgende Schülerinnen erhielten 
das Reifezeugnis der Anstalt: Gertrud Bock, Eugenie Cafal, 
Wally Foellmer, Magdalene Golebiewski. Charlotte Hirt, 
Betty Laurifch, Margarete Martini, Charlotte Müller, 
Gertrud Mundt, Elisabeth Schramm, Margarete Wiechula. 
o DaS Neberwachcn der Schulaufgaben. Die 
Anforderungen, welche das moderne Leben heute an die 
Arbeitskraft deS Mannes als Ernährer der Familie stellt, 
läßt «S diesem in vielen Fällen ganz unmöglich erscheinen, 
sich um seiner Kinder Schulaufgaben zu kümmern. Dennoch 
aber ist eS unumgänglich notwendig, daß die Kinder beim 
Ausführen ihrer Hausaufgaben überwacht werden. Nicht 
jeder kleine Mensch besitzt Ehrgeiz genug, die Aufgaben zur 
Zufriedenheit deS Lehrers zu machen. Manches Kind be 
darf auch unbedingt der Nachhilfe, cS mag sein, daß cS 
irgend eine Aufgabe nicht einmal richtig versteht. In 
überfüllten Schulen ist dies sehr oft sogar der Fall. Der 
L-hrer hat nicht die Zeit, jedem einzelnen Kinde die Sache 
zu erklären. Tr gibt eine allgemeine Darstellung der 
betreffenden Aufgabe und ihrer Auflösung, und leider weiß 
er es oft selbst nicht, wie unklar er eigentlich für den 
kindlichen Begriff sich ausdrückt. Besonders junge Lehrer 
sind darin oft unerfahreren und es ist doch, eigent- 
lich sehr sonderbar, daß man den ungeübten, von der 
BildungSanstalt kaum entlassenen Kräften die Jüngsten 
anvertraut. Hier wäre eS doppelt notwendig, bewährte 
alte Lehrer mit der Grundlage des Wissens zu betrauen. 
Wo keine ordentliche Grundlage ist, kann ja auch nicht 
richtig aufgebaut werden. Also in solchem Falle ist daS 
Ueberwachen der Hausaufgaben Notwendigkeit. Kann der 
Vater eS nicht besorgen, so muß «S die Mutter tun. 
Ist auch diese verhindert, und ist man in der Lage, eS sich 
leisten zu können, das Kinderfräulein. Später, wenn die 
Kinder größer sind, stellt es sich schon von selbst heraus, 
ob sie der Hilfe bei den Hausaufgaben bedürfen oder nicht. 
Ist ersteres der Fall, so muß man unbedingt dazutun, daß 
der Schüler überwacht und unterstützt wird. Manchmal ist 
die U-berwachung allein genügend, bei begabten Kindern, 
welche arbeiten können, aber sich gern davon drücken. Die 
Mutter sollte eS auf alle Fälle möglich machen, die Kon 
trolle über die Hausaufgaben der Kinder auszuüben. Bei 
richtigerZeiteinteilung behält sie soviel Zeit übrig. Schließlich 
muß man seinen Kindern auch mal rin Vergnügen opfern 
könnln, denn eS rächt sich schwer, überläßt man die 
Schüler beim Ausführen ihrer Hausaufgaben sich selbst. Ich 
kenne eine Mutter, welche sich so siele lateinische Kenntnisse 
im späteren'Leöen noch'aneignete,' um ihren Knaben die 
Aufgaben der ersten Eymnasialklaffen zu überwachen, 
Vokabeln zu überhören usw. Später brauchte eS der 
Junge nicht mehr, da lief daS Rädchen von selbst und 
glatt gingS durch ^alle Klaffen. Auch in den Sprachen 
haben unsere Frauen meist doch so viel Kenntnisse, um 
Mädchen und Knaben zu unterstützen. Man lasse eS sich 
nicht verdrießen und Überwache die Hausaufgaben, dann 
wird der Erfolg sicher nicht ausbleiben. 
o Für die Beförderung von Perfonen-Neife» 
gepäck und Expreßgut wird am 1. Mai im Stadt-, 
Ring- und Vorortverkehr ein neuer Tarif in Kraft treten. 
o Für den Pfingstverkehr an der Ostsee werden 
zusammengestellte Eisenbahn- und Dampfschiffahrtskarten 
2. und 3. Klasse (Eisenbahn) und 1. Platz (Schiff) in 
Heftsorm zu Pfingstfahrten nach Rügen am 9. und 10. Mai 
zu allen Zügen ausgegeben. Am 11. und 12. Mai werden 
nur zu dem Sonderzuge ab Berlin (Stettiner Bahnhof) 
12 Uhr 24 Min. nachts Fahrscheinhefte ausgegeben. 
o Die JubiläumSmünzen vergriffen. In weiten 
Kreisen deS Publikums hat sich ein außerordentliches Inter- 
esse für die Erinnerungsmünzen an die Jahrhundertfeier 
der Befreiungskriege entwickelt, daS zu einer starken Dienst- 
und Geschäftsbelastung der Kgl Münze in Berlin geführt 
Rolf Köhne gewesen sei, der ihre Gefühle gegen Loewen 
gard so verändert habe. 
Gleich darauf aber schüttelte sie lebhaft den Kopf. Mit 
strengster Gewissenhaftigkeit durfte sie sich sagen, daß 
Loewengards persönliche Annäherung niemals ein wär 
meres Gefühl in ihr ausgelöst, daß sie nur seine Tätigkeit 
als Vertreter ihrer und Hans' Interessen geschätzt und 
dankbar anerkannt habe. Daß sie ihm das volle Vertrauen 
geschenkt, auf das Vogislaw sie durch seine Ernennung 
Loewengards zum Generalbevollmächtigten deutlich genug 
hingewiesen habe. Ja, sie durfte weitergehen und sich 
sagen, daß Corneliens und Mürbes offen zur Schau ge 
tragene Abneigung, ebensowenig wie Corneliens War 
nungen sie jemals beeinflußt hatten. 
So, im Gefühl einer vollständig objektiven Beurteilung, 
ging sie in den kleinen Salon hinüber. Mochte nun 
kommen, was da wollte, sie würde aus freier, innerer 
Entschließung ihm ihre Antwort geben können, falls er, 
wie sie vermuten durfte, seine lange Werbung heute in eine 
präzise Frage kleidete. 
Loewengard stand am Fenster, als Helene ins Zimmer 
trat. Er taxierte den ungefähren Wert, den Grund und 
Boden von Klein-Wlossow heute haben mochte. Seit 
Bogislaw das Anwesen vor zehn Jahren erworben, 
mochte es um ein Viertel des Preises gestiegen sein. Aber 
es würde uip das Doppelte und mehr steigen, wenn das 
Projekt eines ^Sekundärbahnbaues zur Ausführung kam, 
der seinen Weg durch ein Stück des Parkes würde nehmen 
müssen. 
Helenens Eintritt unterbrach ihn in seiner Kalkulation. 
Donnerwetter, süperb sah das Weib heute wieder aus l 
Staat würde man mit ihr machen können! Sie hatte 
scheinbar den Zenit ihrer Schönheit noch lange nicht er 
reicht. Es würde sich lohnen, die aufsteigende Linie mit 
zumachen. 
hat. Die polierten ErinnerungSmünzen 1813/1913 sind 
bei der Münze bereits gänzlich vergriffen. 
o Der Bund der HauS» und Grundbesitzer» 
vereine Groß-Berlin hat folgenden Beschluß zur ein 
maligen Vermögensabgabe für die Wehrvorlage gefaßt: 
die Heranziehung der Vermögen unter 20 000 M. bedeute 
eine ungewöhnlich scharfe Besteuerung, die außer Ver 
hältnis zu dem sonst bei der Besteuerung berücksichtigten 
sozialen Gesichtspunkte steht. Insbesondere würde eine 
solche einmalige Vermögensabgabe vom kleinen Grundbesitz 
bei der schon vorhandenen anerkannten steuerlichen U ber- 
lastung nicht getragen werden können. Es ist w-itaur 
mehr gerechtfertigt, die Jahreseinkommen einmal proaressio 
heranzuziehen etwa von 10 000 M. an aufwärts. E? wäre 
selbst gerechter, die Einkommen bis 5000 M. abw.i s zu 
erfaffen alS die Vermögen zwischen 10 und 20 000 M. 
o Die 4. Jahresfeier deS Parochialverein der 
Positiven von Nathanael Schöneberg-Friedenau wurde 
am Mittwoch festlich begangen. Die Ansprache hielt der 
ReichStagSabgeordnete Lic. Mumm, in der er auSsührte, 
mit welchem Ernst ein positiver Parochialverein arbeiten 
müsse, welche Pflichten ihm obliegen und daß man sich 
nicht von rein äußerlichen Dingen leiten lassen dürfe. Dre 
Aufgabe der Vereine und seiner Mitglieder wäre, in der 
Gemeinde dahin zu wirken, daß der wahre Glaube an 
unseren gekreuzigten und auferstandenen Heiland G ttung 
behalte. Es könne nicht zugelassen werden, daß in ein 
und derselben Kirche am Karfreitag, abends der r,ch!e 
Glaube an unseren Herrn und Heiland J«suS Chr'stuS, 
der unserer Sünden wegen gekreuzigt wurde, verkündet 
wird, während vormittags Christus in der Predigt nur als 
ein Mensch hingestellt wurde, der auf einer höheren Kultur- 
stufe stand und als ein Märtyrer seiner Zeit, wie viele, 
seines Glaubens wegen leiden und sterben mußte. H-er- 
gegen müsse man als ehrlicher Christ Front machen, und 
deshalb sind positive Parochialoeretne Kamplorreine, die 
für den rechten Glauben, den Glauben unserer Väter zu 
streiten und kämpfen haben. Alle Mitglieder müßten einem 
„Nathanael" gleichen, rechte Israeliten sein, in welchen 
kein Falsch ist. Für den musikalischen Teil der Feier 
waren tüchtige Künstler geworben. 'Die Konzer-.säng?rin 
Frl. Unglaube, welche über ein lehr schönes Stim -n» 
material verfügt, fang mit feinem Verständnis Lieder von 
Schubert, Brahms und Franz. Der Cellist Herr P^ul 
Ebel erfreute die Zuhörer durch die künstlerische Wiede gab; 
einiger Perlen der Violoncello Literatur. 
o Verein der Gast» und Schankwirte. Die 
nächste VereinSoersammlung findet am Montag, dem 
14. April, Nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Puch, 
Wilhelmstraße 12, statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. 
Aufnahme neuer Mitglieder. Zur Aufnahme gela g»n 
Kall Bufching, Handjeiystraße 64. und Koll W. Mömmert, 
Slubenrauchstraße 70. VeibandSangelegenheiten. Kassen- 
reviston. EtSfrage. Innere VereinSangelegenheitrn. Be 
sprechung über Regelung der Bierpreise. Einsammeln der 
Kohlensäurebücher. Warenmark'pause. Herr Rechtsanwalt 
Dr. Schwenk wird in dieser Sitzung anwesend sein, um 
über die an ihn eventuell gestellten Fragen Auskunft zu 
ertellen. 
o Wohltätigkeitsfest. Wie wir schon mitgeteilt 
haben, findet das WohltätigkeitSfest deS Vaterländischen 
Fcauenvereins am 19. April, Abends 8 Uhr, diesmal in 
den Festräumen deS Gesellschaftshauses deS Westens, 
Schöneberg, Hauptstraße 30/31, statt. Die Damen deS 
Vereins sind eifrig bemüht, den Festabend so schön und 
stimmungsvoll wie möglich zu gestalten. Die Veranstaltung 
verspricht in diesem Jahre eine besonders genußreiche zu 
werden, da hervorragende Künstlerinnen wie Frau Anna 
Feldhammer vom Deutschen Theater, die bekannte Klaoier- 
virtuosin Fräulein Elisabeth Bokemeyer und die Konzerr- 
sängerin Fräulein Annie von Ledebur gütigst mitwirken. 
Außer den Vorträgen dieser Künstlerinnen werden von 
Damen und Herren der Gesellschaft ein Geishatanz, 
Dialektvorträge und ein kleines Lustspiel zur Aufführung 
gelangen und nach den Vorstellungen geselliges Bei 
sammensein und Tanz die Gäste vereinigen. Karten zu 
3, 2 und 1 M. (tanzende Herren 1 M. zu) sind in den 
Buchhandlungen von KossakowSki, Schmargendorferstr. 35, 
Ebers, Rheinstr. 15, Bäckerei Müller, Friedrich-Wilhelm- 
plast 6, Cafö Woerz an der Kaisereiche, Albrecht, Kaiser- 
Er begrüßte sie mit einer tiefen Verbeugung und küßte 
ihr die Hand. Dann griff er sogleich nach dem kleinen 
Paket, das neben der Schmuckschatulle lag. 
„Erst das Geschäft und dann das Vergnügen," meinte 
er, ihre Erscheinung mit deutlich bewundernden Blicken 
streifend. 
„Einen Augenblick, Herr von Loewengard. Zunächst 
muß ich Sic schelten, oder eigentlich," sie zögerte einen 
Moment, in dein Gefühl, Peinliches berühren zu müssen, 
„eine kleine Abrechnung mit Ihnen halten." 
Sie legte die Hand auf die Schmuckschatulle. 
„Ich kann nicht ohne weiteres ein so kostbares Geschenk 
von Ihnen annehmen, so sehr ich Ihnen für Ihre große 
Aufmerksamkeit dankbar bin." 
Er hatte es auf den Lippen zu sagen: „Was dürfte 
eine Frau nicht annehmen von einem Mann, der sie 
anbetet, der gekommen ist, in aller Demut ihre schöne 
Hand zu erbitten," so reizend war sie in der kleinen Er 
regung, in der sie vor ihm stand. 
Aber er änderte seinen Kurs. Frau von Lersch trug 
bei aller Anmut unverkennbar eine kühle Reserve zur Schau. 
„Meine liebe, gnädige Frau, es ist wirklich keine so 
große Kostbarkeit, diese assyrische Schmuckschatulle, als Sie 
anzunehmen scheinen. Der große Mann hatte, wie Sie 
wissen, ein großes Herz und eine offene Hand, wo er 
liebte oder zu lieben glaubte. Er hat durch diesen Reynier 
so viele Kostbarkeiten aus Aegypten nach Paris geschickt, 
daß sich diese Schatulle schwerlich als einzige Reliquie aus 
Napoleons Liebesleben im Handel befindet. Und dann 
noch eines, meine liebe, gnädige Frau, der Händler hat 
ein gutes, ein sehr gutes Geschäft durch mich, Pardon, 
durch Ihr Haus gemacht.". 
(Fortsetzung folgt.1
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.