Path:
Periodical volume Nr. 85, 11.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

daß die dienstlichen Interessen unter dem AuSwärtSwohnen 
der Beamten leiden, läßt Oberbürgermeister v. Borfcht 
nicht gelten. Denn nach seiner Ansicht kann bei unseren 
heutigen Verkehrsverhältnifson ein außerhalb wohnender 
Beamter unter UmstLnden seinen Dienst viel besser erfüllen, 
als es ein innerhalb des Stadtbezirks wohnender Beamter 
mit einer vom Verkehr abgelegenen Wohnung vermag. 
Die Vereine der Berliner Beamten und Lehrer haben sich 
kürzlich von neuem an die städtischen Behörden mit einer 
Eingabe gewandt, in der das Gutachten des Münchener 
Oberbürgermeisters verwertet ist. 
o Berufsvormun-fchaft. In unserer Gemeinde 
ist bekanntlich ein Generalvormund angestellt. Die Ent 
wickelung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse hat 
in den letzten Jahren mit sich gebracht, daß man in vielen 
Gemeinden die private, ehrenamtliche Vormundschaft als 
nicht mehr ausreichend erkannte, wenigstens unter gewissen 
Umständen und für gewisse Fälle. Beigeordneter Cohmann- 
Straßburg i. S. hat sich auf der letzten Tagung der 
katholischen Charitasvereinigungen darüber ausführlich aus- 
gelassen und seine Ansichten in die folgenden vier Sätze 
zusammengefaßt: Die ehrenamtliche Einzelvormundschaft 
reicht nicht in allen Fällen aus, den vom Gesetz gewollten 
Zweck zu erfüllen. ES empfiehlt sich daher, di« Einzel- 
vormundschaft durch eine berufliche Vormundschaft zu er 
gänzen. Unbedingt notwendig und stets durchführbar 
ist die BerufSoormundschaft in den großen Städten, sowie 
in mittleren Orten mit industrieller Bevölkerung. Unrichtig 
erscheint e«, die BrrufSvormundschaft für einzelne Kategorien 
der Mündel (z. B. für die unehelichen Kinder) unterschieds 
los einzuführen; es muß vielmehr individualisiert werden. 
Diesem Bedürfnis wird ausschließlich die Kollektiv- oder 
Sammelvormundschaft gerecht. Die Individualisierung bei 
der Berufsvormundschaft darf jedoch nicht zu einer 
ungleichen Fürsorge für die Mündel führen. Et muß 
daher gefordert werden, daß der BerufSvormund nicht nur 
die Sorge für die eigenen Mündel übernimmt, sondern 
auch als Berater und Beistand der Einzelvormünder wirkt. 
Vorzugsweise kommt hier in Betracht die Unterstützung 
der Etnzelvormünder bei der Rechtsvertretung der Mündel 
(AlimentattvnSk.'age und ZwangSvollstrkckung), bei Aus- 
Mittelung von Pflegestellen, bei der Berufswahl, bei Ver 
schaffung von Arbeitsgelegenheit usw. Jede Berufs- 
Vormundschaft kann nur dann Ersprießliches leisten, wenn 
sie in organischer Weise mit den Übrigen Fürsorge- 
einrichtungen, insbesondere denjenigen der Jugendfürsorge- 
verbunden ist und ihr berufliche Organe (insbesondere 
Aerzte, besoldete Inspektoren" und Pflegerinnen beige 
geben sind. •' 
o Musterentwurf für allgemeine Ortskeankeu« 
kaffe«. Der Entwurf einer Mustersatzung ist für allge 
meine Oitskrankenkassen, für dcren Bezirk keine Land 
krankerkasse besteht, aufgestellt worden. Der Eniwurs 
füll' für die Ausstellung der Satzungen nach den 
Vorschriften der ReichSverstcherungSordnung eine Anleitung 
geben. Sein Inhalt ist in keiner Weise verbindlich. Bet 
der großen Verschiedenheit der Verhältnisse ist der Ent 
wurf nicht ohne weiteres für jede Kaffe verwendbar. Die 
ReichSverstcherungSordnung sieht drei Fälle vor, in denen 
die Errichtung einer Landkrankenkasse neben der allge- 
meinenOlttkrankenkosse unterbleibt. Einmal kann dies die 
Landesgesktzgebung für ihr ganzrS Gebiet oder für Teile 
dieses Gebiets allgemein bestimmen. Ferner untersagt die 
ReichSverstcherungSordnung die Errichtung einer Land- 
krankenkasse, wenn diese nicht mindestens 250 Pflichtmit 
glieder haben würde. Drittens kann auch die Errichtung 
efner Landkrankenkasse neben der allgemeinen OrtSkranken» 
kasse unterbleiben, wo das VersicherungSamt daS Bedürfnis 
verneint. — Unsere Gemeindevertretung hat s. Zt. be 
schlossen. unsere Ortskrankenkasse in eine allgemeine OrtS- 
ktankenkasse umzuwandeln. Der Antrag drS Gemeinde- 
vorstandes auf Errichtung einer Landkrankenkasse für Frie 
denau kam damals nicht zur Abstimmung. 
o Feuchte Witterung. Der Landmann jubelt und 
mich der Naturfreund ist erfreut über die Fülle von 
Feuchtigkeit, die in diesen Tagen niedergeht. Das ist mal 
Regen zur richtigen Zeit und obwohl er eine kühle 
Temperatur mitgebracht hat, ist eS doch rin Vergnügen, 
A« sehen, wie daS Grün heroorfprießt. Nur der Baum 
blüte schadet der Regen, soweit sie schon da ist; denn 
während anhaltenden starken RegenS findet keine Be 
fruchtung der Blüten statt, sie gehen verloren. Zum Glück 
sind eben bis jetzt aber nur die wenigsten Blütenknospen 
gesprengt, vor allem wohl an Birnbäumen, und zwar zu 
chaise an die Bahn geschickt werden solle. Dann vertiefte 
sie sich wieder mit Morde in ihre gemeinsame Arbeit, die 
Neueinrichtung der Zimmer für Hans und Herrn Kühne, 
die nach der Rückkehr im Herbst bezogen werden sollten. 
Der Arzt hatte diese sonnigen Südzimmer für Hans aus 
drücklich gewünscht. 
Helene hatte sich aus der Fabrik eine Menge Proben 
für Tapeten, Möbelbezüge und Vorhänge kommen lassen, 
die. in Reih' und Glied auf dem alten Mahagonitisch in 
der Mitte des Zimmers aufgestapelt lagen. Sie hatte 
lange mit Mürbe, der mehr Eifer als Verständnis zeigte, 
geprüft und gewählt und doch nicht ganz das gefunden, 
was sie sich für ihren Jungen gewünscht hätte. Schade, 
daß nicht ein Dessin, jenem Blatt mit den originell ver 
streuten Blumen aus Hans' blauer Mappe ähnlich, dar 
unter war! 
Helene wurde ein wenig rot, als sie es dachte, und 
beugte sich angelegentlicher über den Tisch mit den Proben. 
Bei der raschen Bewegung knisterte der Brief aus Meran 
iy ihrer Tasche, der heute morgen eingegangen, aber erst 
zur Hälfte gelesen war. Sie wollte die ruhigere Lektüre für 
den Abend verspüren, wenn sie die Begegnung mit Locwen- 
gard hinter sich haben würde. 
Schließlich hatte sie, im Einverständnis mit Mörbe, der 
sehr stolz und glücklich war, zur Beratung zugezogen 
worden zu sein, sich zu einem hübschen, freundlichen j 
Empiremuster entschlossen. 
Inzwischen war es ein Uhr vorüber. Das übrige 
mochte für morgen bleiben. Die Arbeiter waren erst für 
die nächste Woche herausbestellt worden. 
Jetzt wollte Helene.noch ein wenig., an die Lust. 
nächst in Landstrichen mit mildem Klima. Wo die Blüten 
noch nicht heraus sind, werden sie durch die Frische noch 
eine Weile zurückgehalten, bis wieder — hoffentlich — 
ruhiges, klares Wetter eintritt. Alles in allem genommen, 
hätte das Regenwetter nicht zu günstigerer Zeit einsitzen 
können; die Feldarbeiten sind in ihrem wichtigsten Teile 
doch erledigt, und da eS im April möglichst oft naßkalt 
sein soll, so ist eS ganz programmgemäß eingetreten. 
o Zur Landtagswahl. Der Bund der Hand 
werker hot an den Vorstand deS Konservativen Wahl- 
vereinS für Tellow-BeeSkow-Etorkow daS Ersuchen ge 
richtet, er möchte auf einen seiner Kandidaten verzichten 
und dafür eine ihm vom Bunde der Handwerker vorzu- 
schlagende Kanditur annehmen. Es soll ein bekannter Ober 
meister hierfür in Frage kommen. BiS jetzt hat die konser 
vative Parteileitung darauf noch keine Antwort gegeben. 
o Firmeneintragnng. Nr. 40 858. Dallmann 
& Grändorf, Neukölln. Gesellschafter sind: Edmund 
Dallmann, Kaufmann, Berlin.Friedenau, und Otto 
Srändorf, Tischlermeister, Neukölln. Offene Handelsgesell 
schaft, welche am 15. März 1807 begonnen hat. 
o Der Verband der deutschen gemeinnützigen 
und unparteiischen Rechtsauskunftsstelle», die sich 
ohne Absicht der Eewinnerzielung und ohne Verfolgung 
von Nebenzwecken, insbesondere ohne Rücksicht auf die 
Förderung der Ziele bestimmter politischer Parteien sowie 
auf Konfession oder Organisation, die Rechtsberatung der 
minderbemittelten Bevölkerungskreise zum Ziele gesetzt 
haben, hat in Erkenntnis der weitverbreiteten und gemein- 
schädlichen Wirksamkeit der sogen. Echwindeifirmen be- 
schloffen, der Geschäftsstelle des Verbandes eine Zentral 
stelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen anzugliedern. 
Die Geschäftsstelle hat auch mit zahlreichen Fachverbänden, 
so dem Zentralverbande des deutschen Bank- und Bankier- 
gewerbes, dem Verein gegen Unwesen im Handel und 
Gewerbe u. a. m., Verbindungen angeknüpft, um auch daS 
einschlägige Material dieser Vereinigungen für ihre Ziele 
nutzbar zu machen. Der Ausschuß deS Deutschen Handels- 
tageS hat in seiner Sitzung vom 12./13. Dezember 1911 
seine Sympathie für die Bestrebungen deS Verbandes er 
klärt und sich dahin ausgesprochen, daß den Mitgliedern 
des HandelStageS anheimgestellt werde, geeignetenfalls mit 
dem Verband oder den RechtSauSkunstSstellen ihres Bezirks 
wegen Mitteilung von Material, Verabredung deS zweck- 
mäßigen Vorgehens im Einzelfall u. drgl. in Verbindung 
zu treten. Der Minister für Handel und Gewerbe hat 
dem Verbände für die Zwecke der Zentralstelle neben einem 
einmaligen Zuschuß zu den Kosten der ersten Einrichtung 
zunächst für zwei Jahre eine Beihilfe von je 2000 M. be 
willigt: Der Minister empfiehlt den Handelsvertretungen, 
die Unterstützung der Zentralstelle durch laufende Beiträge 
auch ihrerseits in Erwägung zu ziehen. 
o HauS« uud Grundbefitzervereln. Die Monats- 
Versammlung findet am Freitag, dem 18. April, AbrndS 
8'/ 2 Uhr im oberen Saale deS Restaurants .Hohenzollern" 
stau. Als wichtigste Punkte steh«,, auf der Tagesordnung: 
Haftpflichtversicherung. VerkehrSfragen. 
o Der Fricdenauer Parochialverein hält seinen 
letzten Vortragsabend am Freitag, dem 18. April, abends 
8 Uhr pünktlich im Evang. Gemeindebause, Friedenau, 
Kaiserallee 76a, ab. Im musikalischen Teil wirken mit: 
Konzertsängerin Miß Ethe! Peake (Alt); Rezitatorin Frl. 
Marg. Dudy Friedenau; Violinistin Frl. Hilde Auerbach; 
Begleitung Frl. Margot Jlius. In der Pause: Verlosung 
einrs OelgemäldcS, Lose zu 20 Pf. an der Kaffe. Pro- 
jkklionSoortrag von Herrn Waldemar Titzenthaler, Berlin: 
.Bilder aus Tirol." 1. An den Ufern der Eisch und der 
Elsak biS zum Titschen. Ein Blick von St. Ulrich auf die 
Dolomiten. Eine Tal- und Hochwanderung von Sterzing 
nach dem Dörfchen Vrnt. 2. Wie daS Gletscherschloß der 
Brandenburger in der Ostztaler EiSwelt eingeweiht wurde. 
Programme an der Kaffe 10 Pf. 
o DaS Biofontheater in der Nheinstraße 14 
bringt von heute ab das spannende Börsendrama „Auf- 
opfernde Liebe", 2 Akte aus dem Leben der oberen Zehn 
tausend zur Vorführung. Der verderbliche Einfluß, den 
daS Geld zuweilen auf den Charakter deS Menschen ausübt, 
kommt darin zur Erscheinung. Der Film ist packend ge- 
spielt und gut inszeniert. Der zweite Schlager in zwei 
Akten heißt .Das Amulett", ein indisches Märchen phan 
tastischen Inhalts. Die Seelenwnnderung spielt darin eine 
Rolle von großer Bedeutung. Die Szenerie zeigt unS das 
Wundrrland Indien, die Perle der englischen Kolonien. 
Schöne Naturaufnahmen bringt der Film Herbstlandschaften. 
Sie forderte Mörbe auf, sie zu begleiten. Sie wußte, jede 
lialbe Stunde, die er neben ihr herhumpeln durfte, war 
dem Alten ein Fest. Und auch für sie war die Gesellschaft 
Mürbes Gewinn. Mit niemandem ließ es sich so gut über 
den Jungen reden als mit ihm. 
Sie gingen durch das Warmhaus, das beinahe leer 
geworden war, über die Terrasse in den Park hinunter, 
auf den Platz mit den Kastanien zu, so ziemlich denselben 
Weg, den Helene am Abend des Ostersonntags ge 
gangen war. 
Der Frühlingstag war ein wenig grau, aber die Luft 
ging mild und warm, und von den Hyazinthenbeeten und 
von den Veilchen unter den Bosketts stieg ein feiner, süßer 
Duft auf. 
Helene atmete tief und sagte dann, sich zu Mörbe 
wendend, der immer ein weniges hinter ihr schritt: 
„In Meran blüht der Flieder schon, und wir haben 
noch immer ein paar fast kahle Bäume, Mörbe. Ein 
bißchen mehr Sonne täte uns auch recht gut." 
Mörbe schüttelte den Kopf. 
„Das ist nun woll alles so, wie es ist, und wie die 
Natur es so eingerichtet hat, ja woll ani besten," meinte der 
Alte mit dem ihm eigenen äußerlichen Phlegma. 
Dann bückte er sich über ein mit Stecklingen besetztes 
Beet uiiö meinte mißbilligend; 
„Hier dürfte der Baumann auch besser achtgeben. Noch 
ein Regen, und die Pflänzchen sind aus dem Erdreich 
völlig ausgewaschen." 
„Weshalb kümmern Sie sich eigentlich so wenig mehr 
uni den Garten, Mürbe?" 
Der Alte zuckte mit der schiefen Achsel. 
Auch daS Tonbild ist recht nett. Dir Wochenrevue von 
Gaumont ist, wie immer, sehr abwechslungsreich und 
„Sehen heißt glauben" äußerst humorvoll. Es endet gibt 
zum Schluß eine fröhliche Verlobung. Leo flirtet ist eben 
falls eine heitere Szene aus dem Pariser Eheleben. 
Stimmungsvoll illusttiert die beliebte Hauskapelle die 
Bilder musikalisch mit künstlerischem Empfinden. Wir 
können unseren Lesern den Besuch des Biofontheatcrs 
besten- empfehlen. 
o Von einem aufsehenerregenden Morphinisten. 
drama ist wiederholt in den Zeltungen berichtet worden. 
Die krankhafte Veranlagung der Morphinisten bringt oft 
mals tiefe Trauer in angesehene Familien. Ein solches 
Morphinistendrama „Muart Keen" kommt von heute ab 
in den „Hohenzollern-Lichtspielen zur Vorführung. ES ist 
ein feffelnder Film in 3 Akten. Elrr gleichfalls packender 
Drama der „Hohenzollern - Lichtspiele" ist .Aufopfernde 
Liebe", ein Bild aus dem Börsenleben in 2 Akten. Von 
den humoristischen Schlagern nennen wir „Nauke als 
Reporter", eine glänzende Komödie. Dazu das übrige 
prachtvolle Programm. Die Bilder in den „Hohenzollern- 
Lichtspielen" sind von wunderbarer Klarheit und Natür 
lichkeit. Da nur die neuesten FtlmS gezeigt werden, sind 
die Bilder auch flimmerfrei. Wochentags beginnen die 
Vorstellungen 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. — AIS Voranzeige 
teilen wir mit, daß eS der Direktion gelungen ist, das 
Alleinaufführungsrecht für daS gewaltigste Filmdrama aller 
Zeiten „Quo vadis?“ in Friedenau zu erwerben. ES wird 
vom 9.—15. Mai gezeigt. 
o Der Kegelklub „Musterkogel" Friedenau 1908 
feiert am Sonntag, dem 13. April im Hochzeitssaal deS 
„GesellschaftShauS der Westens" sein 5. Stiftungsfest. Der 
VrrgnügungSauSschuß ist bemüht gewesen, ein reichhaltiges 
Programm aufzustellen und wird für nötige Unterhaltung, 
Tanz, humoristische Vorträge, Theater, Ueberraschungen 
usw. bestens Sorge getragen. Wir können Freunden und 
Bekannten des Klubs nur empfehlen, diesen Abend in der 
„Musterkugel" zu verbringen. Eintrittskarten zu 75 Pfg. 
sind beim Vorsitzenden Herrn Paul Kube, Friedenau, 
Nheinstr. 65 (Filiale Paul Juhl) zu haben. 
o Wieder aus der Haft eutlafsen. Am Montag 
wurde die 30 Jahre alte Frau Martini auS der 
Pfalzburgerstr. 61 durch dir Schöneberger Polizei verhaftet 
und dem Untersuchungsgefängnisse zugeführt unter dem 
Verdachte, den Gutsbesitzer Ernst Kulpe erschossen zu 
hohen. Nach eingehendem Verhör vor dem Richter wurde 
sie gestern auS der Haft entlassen, da genügende Beweise 
für die Bestätigung de« BerdochirS nicht vorhanden sind. 
o Die KlndeSleiche als Postpaket. Am 20. März 
wurde auf dem Postamt 2, Mainzer Straße, ein Paket 
aufgegeben nach Hamburg, Krimmeftraße. Da der Empfänger 
dort nicht' ermittelt werden konnte, ging dar Paket nach 
Erledigung der üblichen Formalitäten hierher zurück. Aber 
auch hier konnte der Absender, der in-* der Weimarischen 
Straße wohnen sollte, nicht ermittelt werden. Da dem 
Paket ein übler Geruch entströmte, öffnete man eS und 
fand eine bereits in Verwesung übergegangene KindeS- 
leiche in braunem Packpapier eingehüllt. DaS Kind konnte 
3—4 Tage alt sein. Ermittelungen nach dem Absender 
sind in vollem Gange. 
Scköneberg 
—o Sitzung der Stadtverordneten am Montag, dem 14. April 
1913, Nachmittag 7 Uhr. Tagesordnung: 1. Ausgelegt werden die 
Berichte über die unvermutete R vifion der Stadthauptkaffe und der 
Eteueikaffen vom 26. MLrj 1913. 2. DeSgl. die Akren über die im 
5. Bezirk der I. Abteilung erfolgte Wahl deS Stadtv. Dr. Munk. 
3. Kenntnisnahme von der Vortage des Magistrats betr. die Fest- 
setzung von Kündigungsfristen für die im Wege deS Privatdieust- 
vertrages eingestellten Bttsoncn. 4. Desgl. betr. die Genehmigung 
des Nachtrages zu der Ordnung für die Erhebung direkter Gemeinde- 
steuern. 5. Beritt des RechnungsauSfchufleS. 6. Befchlußfaflung über 
die Vorlage de» Magistrats betr. Nachbewilliguna von 75 M. zum 
Etat der Allgemeinen Verwaltung für 1913 7. Desgl. betr. Be 
willigung von 4009 M. zur Beschaffung von Reservetellen für die 
neuen Untergrundbahnwagen. 8. Desgl. belr. Nachbewilllguug von 
950 M. zum Bauetat C I für 1912. 9. Desgl. betr. Bewilligung 
von 70 M. für die Herstellung eines tzernfprechuebenanschlufleS. 
10. Desgl. betr. Nachbewilltgung vo» 375,46 M. für den Neubau 
einer Bedürfnisanstalt am Düreiplatz. 11. Desgl. betr. Bewilligung 
von 2200 M. für Leglümationskarten für dt- llrwLhler. 12. Wahlen. 
13. B-schlußfaffung über die Vorlage des Magistrats belr. Erlaß 
eines Nachtrages zur Ordnung für die Besteuerung von Ktnemato- 
giaphenthratern us». 14. Desgl. betr. Nachbewilligung von 100 M. 
zum Bauetet A für 1913. 15. Wahl von Beisitzern und Stell- 
verlrelern für die im 1. Beztik der 1. Abteilung stallfindwde Stadt 
verordnetenersatzwahl. 16. Desgl. betr. Bewilligung von 600 M. zum 
Ausbau d:r Frudhofkhave auf dem 1. Friedhöfe in der Maxstraße. 
„Der Baumann sieht es nicht gern, gnädige Frau." 
„Sie find doch jahrelang Gärtner gewesen und kennen 
den Grund und Boden hier wie kein zweiter!" 
„Jugend läßt sich nicht gerne dreinreden, gnädige 
Frau. Ich bin für die Leute nun mal der Invalide im 
Torwärterhäuschen und habe im übrigen den Mund zu 
halten. Ich muß schon zufrieden sein, daß sie mir die viele 
Güte der gnädigen Herrschaft gönnen!" 
Helene legte dem Alten die Hand auf die Schulter. 
„Davon sollen Sie nicht reden, Mörbe. Wie lange sind 
Sie eigentlich schon in Klein-Wlossow?" 
„Michaeli werden es dreißig Jahre. Das Schlößchen 
war gerade ferüg geworden." 
„Haben Sie cs immer gut gehabt bei der früheren 
Herrschaft?" 
„Das will ich meinen, gnädige Frau. Es waren 
honette Leute. Er war ein bißchen eigen und gnettrig, 
wie ein Mann, der viel Geld hat und eigentlich nichts zu 
tun. Als die gute, alte Frau Ebermann gestorben war 
und er partout verkaufen wollte, war ich ordentlich böse 
auf ihn. Dann aber, als der Herr von Lersch das 
Schlößchen übernahm, hab' ich's ja nicht zu bereuen gehabt, 
und erst gar jetzt!" . 
Mörbe sah mit förmlich verklärten Augen auf die 
junge Frau, die sich unter einen sprossenden Strauch 
auf eine Bank gesetzt hatte. Den schönen Kopf nachdenklich 
hin und her wiegend, sagte sie: 
„Es mögen nun auch bald zehn Jahre her sein, daß 
mein Mann Klein-Wlossow kaufte!" 
(Fortsetzung solgt.1
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.